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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

Jahre  1899  die  Zahl  der  hausindustriell  oder  mit  Heimarbeit  beschäftigten ­
  Personen  zirka  150  betrug,  sind  jetzt,  wie  ausgeführt,  kaum
20  Heimarbeiter  für  die  Uhrenindustrie  vorhanden.  Seit  dem  Jahre  1899
existiert  nämlich,  abgesehen  von  der  Urania,  nur  noch  eine  Firma,  das
ist  die  Vereinigte  Uhrenfabrik  Aktiengesellschaft.  Diese  Fabrik  beschäftgt
nicht  mehr  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  als  wie  früher  die  fünf  Fabriken
Konkordia,  Germania,  Willmann  &amp;  Cie.,  Kappel  &amp;•  Cie.  und  Becker
beschäftigten.  Da  nun  auf  dem  Uhrenmarkt  die  Konkurrenz  eine  immer
schärfere  geworden,  die  Preise  oft  genug  mn  das  doppelte  zurückgegangen
sind,  so  liegen  hier  tatsächlich  die  Dinge  so,  daß  die  Heimarbeit  als
unlohnend,  unproduktiv  angesehen  werden  muß.  Ferner  kommt  in
Betracht,  daß  nur  noch  bei  wenigen  Werken  die  einzelnen  Teile  so  bearbeitet ­
  werden  wie  früher.  Während  sonst  bei  allen  Teilen  der  Grat
abgezogen  und  die  Seiten  geschlichtet  wurden,  wird  dies  jetzt  nur  noch
bei  besseren  Uhren  gemacht.  Sonst  kommt  alles  in  den  Schüttelkasten,
so  daß  an  den  einzelnen  Teilen,  die  gestanzt  werden,  kein  Feilstrich
mehr  getan  wird.  Dadurch  sind  in  der  Hauptsache  die  Heimarbeiter
überflüssig  geworden,  denn  deren  Tätigkeit  bestand  darin,  den  Grat
wegzunehmen  und  die  Kanten  zu  schlichten.  Gegenwärtig  wird  von
den  vorhandenen  Heimarbeitern  an  folgenden  Teilen,  so  weit  diese  für
bessere  Uhren  sind,  der  Grat  abgezogen:  Räderschenkel,  Einfallschnalle,
Rechenarme,  Sternkegel,  Sperrkegel  (siehe  Zeichnung  und  Proben).
Einzelne  Arbeiter  setzen  noch  Flaschenzüge  und  Backen  zusammen,  bauen
Pendelstangen  und  richten  Triebe.  Die  Bezahlung,  der  Akkordpreis,
ist  der  gleiche  als  in  der  Fabrik  bezahlt  wird.  Nur  müssen  sich  die
Heimarbeiter  sämtliches  Werkzeug  kaufen,  wie  Feilen,  Spannkluppen,
Stichel,  Schraubstöcke  u.  s.  w.
In  Schweidnitz  ist,  soweit  die  Uhrenindustrie  in  Betracht  kommt,
keine  Heimarbeit  vorhanden.  Dort  befindet  sich  aber  ein  Werk  der
Weltfirma  Priem,  die  ja  bekanntlich  in  Budapest,  Wien  und  Stollberg
  bei  Aachen  noch  Fabriken  hat.  In  diesem  Betrieb  sind  tätig
etwa  15  Arbeiter,  25  Arbeiterinnen,  dazu  kommen  11  bis  12  Heimarbeiter, ­
  deren  Kinder,  zirka  24  bis  25,  bei  der  Arbeit  helfen.  Verfertigt ­
  werden:  Haarnadeln,  Häkelnadeln  und  Aufhängerketteln.
Aber  nur  erstere  werden  zum  Verpacken  als  Heimarbeit  vergeben.  Die
Bezahlung  dafür  ist  eine  miserable.  Für  100  Päckchen  Nadeln,  gleichgültig ­
  ob  4  oder  25  eingezählt  werden,  gibt  es  5  Pf.  Dabei  kann
eine  geschickte  Arbeiterin  mit  Hilfe  von  2  Kindern  im  Alter  von  8
bis  9  Jahren  in  10  Stunden  etwa  1000  Päckchen  fertig  bringen.  Es
wird  also  ein  Verdienst  von  50  Pf.  in  10  Stunden  erzielt.  Mehr
wie  100  Päckchen  ist  niemand  imstande  pro  Stunde  zu  leisten.
Alsdann  befindet  sich  in  Schweidnitz  noch  die  Firma  Conrads
Nachfolger,  Fabrik  für  Haarnadeln,  Hosenschnallen,  Knöpfe
und  Ketteln  beziehungsweise  Aufhänger.  Alle  vier  Artikel  werden
teilmeis  hausindustriell  verfertigt.  In  der  Fabrik  sind  beschäftigt  etwa
20  Arbeiter,  30  Arbeiterinnen,  außerdem  60  bis  70  Korrigenden  (Arbeitshäusler), ­
  sodann  sind  für  diese  Fabrik  noch  etwa  30  Heimarbeiter,
zumeist  Frauen,  tätig.  Der  Verdienst  der  letzteren  ist  auch  hier  miserabel.
Bei  den  Haarnadeln  ist  er  genau  so  „hoch"  wie  bei  Priem.  Beim