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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

In  der  oöererzgeliirgischen  Blechwarenbranche  unterscheidet  man
bei  den  Heimarbeitern  zwei  Kategorien.  Nämlich  Schwarz-  und  Weißblechklempner. ­
  Gefertigt  werden  aller  Art  Küchengeräte.  Die  Schwarzblechklempner ­
  arbeiten  für  die  Emaillierwerke  die  Gegenstände  teilweise
bis  zum  Emaillieren  vor.  Die  Weißblechklempner  liefern  hingegen
fertige  Produkte  an  Fabrikanten,  Händler  und  Grossisten.  Die  Preise
für  die  Ware  bestimmt  allenthalben  der  Auftraggeber.  Hier  existiert
ein  ausgeprägtes  Zwischenmeistersystem  und  eine  schauderhafte  Lehrlingszüchterei. ­
  Auch  ist  die  Kinderarbeit  noch  sehr  verbreitet.  Durch  eigene
Ausbeutung  ist  es  eben  den  Heimarbeitern  nicht  möglich,  zu  existieren,
und  so  muß  die  Kinder-  und  Lehrlingsausbeutung  die  Existenzmöglichkeit ­
  verschaffen  helfen.
Bei  zirka  105  Zwischenmeistern  arbeiten  ungefähr  220  Gehilfen,
260  Lehrlinge  und  35  Arbeiterinnen.  Die  Arbeitszeit  beträgt  täglich
13  bis  14  Stunden  und  noch  länger.  Außerdem  ist  Sonntagsarbeit
gang  und  gäbe.  Über  den  Verdienst  habe  ich  nichts  genaues  erfahren
können.  Die  Leute  sind  sehr  mißtrauisch  und  rücken  nicht  mit  der
Sprache  heraus.  Daß  derselbe  sehr  gering  sein  muß,  geht  aus  nachstehenden ­
  Tatsachen  hervor.  Von  den  Gehilfen  konnte  ich  erfahren,  daß
sie  mit  9  bis  12  Mk.  pro  Woche  bezahlt  werden.  Die  Fabrikanten
geben  die  Arbeit  zu  Preisen  an  die  Heimarbeiter,  die  nicht  höher,  ja
sehr  oft  noch  niedriger  sind,  als  wie  sie  den  Arbeitern  in  der  Fabrik
bezahlt  werden.  Der  Heimarbeiter  muß  dafür  noch  Zutaten  wie  Lötzinn, ­
  Holzkohlen  u.  s.  w.  aus  seiner  Tasche  bezahlen,  ferner  das  Werkzeug, ­
  Stanzen,  Schnitte  und  anderes  mehr  selbst  stellen.  Die  Fabrikanten ­
  hätten  sehr  leicht  die  Möglichkeit,  ihre  Betriebe  zu  vergrößern.
Dies  tun  sie  aber  nicht,  sondern  geben  so  viel  als  irgend  geht  nach
außerhalb.  Sie  bekommen  auf  diese  Weise  die  Arbeit  eben  viel  billiger
hergestellt.  Die  Heimarbeiter  machen  sich  zudem  noch  gegenseitig  Konkurrenz ­
  und  unterbieten  sich.  Ein  solcher  Heimarbeiter,  der  zu  einem
anderen  Beruf  übergegangen  ist,  hat  mir  hierüber  folgendes  gesagt:
Ich  habe  für  ein  Emaillierwerk  Henkel  gemacht.  Dafür  bekam  ich  pro
100  Stück  6  Mk.  Das  Material  mußte  ich  dazu  selbst  kaufen  und  kam
auch  für  100  Stück  auf  zirka  1  Mk.  z»  stehen.  Ich  hatte  noch  einen  Jungen,
den  ich  zeitweise  beschäftigte  und  pro  Stunde  5  Pf.  bezahlte.  Meine
Frau  arbeitete  ebenfalls  mit.  Wir  drei  brachten  es  pro  Jahr  auf  einen
Verdienst  von  zirka  800  Mk.,  davon  sind  aber  die  Ausgaben  für  Neubeschasfung
  und  Ersatz  von  Werkzeugen  noch  nicht  in  Abzug  gebracht.
Nun  kam  aber  einer,  der  die  Henkel  für  den  halben  Preis  machen
wollte  und  da  habe  ich  den  Betrieb  eingestellt.  Die  Frau  sagte,  jetzt
leben  wir  glücklich,  früher  hatten  wir  oft  nichts  zu  essen.  Und  dabei
bekommt  der  Mann  in  seiner  jetzigen  Stellung  pro  Woche  12  Mk.  Lohn.
Darnach  kann  man  sich  einen  Begriff  von  dem  Verdienst  dieser  Leute
machen.  Die  Lehrlinge  bekommen  entiveder  Kost  und  Logis  oder  3  Mk.
Lohn  pro  Woche.  Wenn  ihre  „Lehrzeit"  vorüber  ist,  haben  sie  aber
so  gut  wie  nichts  gelernt.  Sie  haben  die  meiste  Zeit  an  der  Stanze
zugebracht.  Da  nur  zwei  oder  drei  Artikel  gemacht  werden,  könnte
die  Ausbildung  eines  solchen  „Lehrlings"  bequem  in  vier  Wochen
erfolgen.  Das  Verbot  der  Kinderarbeit  hat  in  den  Kreisen  dieser  Heim-