Sachsen:  Vogtland  —  Klingenthal,  Zwota.

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Die  Nacht  vor  dem  Lieferungstag  wird  gewöhnlich  durchgearbeitet.
Daß  Sonntags  gearbeitet  wird,  ist  ganz  selbstverständlich.  Viele
solcher  Arbeiter  verlassen  monatelang  ihre  Wohnung  nicht.  Geliefert
wird  durch  die  Frauen.  Bei  zwei  Frauen,  Mutter  und  Tochter,  habe
ich  folgende  Arbeitszeit  festgestellt:  Morgens  halb  vier  oder  um  vier  Uhr
standen  sie  auf,  arbeiteten  ununterbrochen  den  ganzen  Tag  und  abends
gegen  6  Uhr,  wenn  sie  matt  waren,  legten  sie  sich  bis  halb  10  Uhr  ins
Bett,  darauf  arbeiteten  sie  bis  12  Uhr  nachts,  darnach  legten  sie  sich
wieder  schlafen,  schliefen  ivieder  bis  halb  4  oder  4  Uhr  lind  begannen
ihr  Werk  von  neuem.  Vor  Weihnachten  darf  höchstens  drei  oder  vier
Stunden  pro  Tag  geschlafen  lverden.  Die  übrige  Zeit  wird  fest  gearbeitet, ­
  denn  der  Fabrikant  will  Ware  haben.  Wer  nicht  genügend
liefert,  der  kann  in  der  faulen  Zeit  nur  so  viel  Arbeit  erhalten,  daß
es  für  ihn  auf  höchstens  zehn  bis  zwölf  Stunden  täglich  ausreicht  und
das  bedeutet  hungern.
Ein  klassischer  Beweis  für  die  Arbeitszeit  ist  nachstehender  Brief
an  einen  Bekannten,  welcher  mir  zur  Führung  durch  die  Hütten  der
betreffenden  Heimarbeiter  einen  solchen  besorgen  wollte.  Der  Betreffende
hatte  sich  an  einen  ihm  bekannten  Stimmer  gewandt.  Dieser  Stimmer,
einer  der  bestbezahltesten  und  intelligentesten  Arbeiter,  schrieb  ihni
folgende  Absage:
„Lieber  Freund!"  Ich  habe  heute  Abend  mit  bestem  Willen
keine  Zeit,  denn  ich  muß  Donnerstag  und  Freitag  stets  bis
12  Uhr,  auch  oft  bis  1  Uhr  arbeiten,  weil  die  Harmonikas  stets
am  Sonnabend  4  Uhr  abgeliefert  werden  müssen  und  heute  habe
ich  so  notwendig,  daß  ich  mit  bestem  Willen  nicht  kommen  kann,
lvenn  ich  schon  Dir  es  zum  Gefallen  tun  ivollte,  denn  ich  muß
bis  morgen  früh  9  Uhr  4  Dutzend  Harmonikas  machen  und  habe
es  auch  bestimmt  versprochen.
Mit  Gruß
(Folgt  Unterschrift.)
Der  Verdienst  ist  sehr  schwankend,  je  nach  der  Arbeit  des  Betreffenden. ­
  Die  Stiftemacher  sind  die  schlechtest  bezahltesten  Arbeiter.
Dann  kommen  die  Richter,  und  den  „besten"  Verdienst  haben  die
Stimmer.  Auf  meine  direkte  Frage  nach  dem  Verdienst  erhielt  ich  nie
genaue  Auskunft.  „Je  nu,  macht  mer  viel,  da  kriegt  mer  viel,"  wurde
mir  meistens  geantwortet.  Die  Leute  scheuten  sich  offenbar,  mir  ihren
geringen  Verdienst  anzugeben.  Trotzdem  war  derselbe  sehr  leicht  aus
den  Leuten  herauszubringen.  Denn  der  Akkordpreis  der  betreffenden
Arbeit  wurde  mir  stets  willig  genannt,  auch  kannte  denselben  mein
Begleiter  ganz  genau.  Wie  lange  an  der  betreffenden  Arbeit  gearbeitet
wurde,  konnte  ich  auch  ohne  weiteres  erfahren.  Da  habe  ich  dann
Wochenverdienste  von  4,  4,80  bis  zu  12  Mk.  festgestellt.  Dafür  müssen
sich  die  Arbeiter  das  erforderliche  Werkzeug  noch  kaufen.  Ferner  wird
bei  der  langen  Nachtarbeit  eine  Unmenge  Petroleum  verbrannt,  wodurch
der  Verdienst  noch  ganz  bedeutend  geschmälert  wird.  Die  oben  erwähnten ­
  beiden  Frauen  sind  Stiftemacher,  die  Mutter  bringt  es  bei
der  Arbeitszeit  von  16  bis  17  Stunden  auf  einen  täglichen  Verdienst