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Die  Heimarbeit  imb  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

etwas  über  7000  Einwohner  hat,  14  Menschen  das  Leben  genomnlen,
alles  Instrumentenmacher.  Das  ist  zwei  pro  Mille  der  Einwohner.
Ein  Blechinstrumentenmacher  in  den  sechziger  Jahren,  welcher  seine
Miete  nicht  hat  bezahlen  können,  wurde  am  9.  Februar  dieses  Jahres
exmittiert.  Am  anderen  Morgen  wurde  er  neben  seinen  wenigen  Habseligkeiten ­
  erfroren  auf  der  Straße  gefunden.  Auf  der  Erde  lagen
seine  Kriegsdenkmünzen  und  Diplome  verstreut.  Es  war  ein  Kriegsveteran ­
  der  1866  und  1870/71  mitgemacht  hatte.  Nun  wurde  er  vom
Kriegerverein  mit  militärischen  Ehren  begraben.
Daß  es  aber  in  Markneukirchen  auch  Leute  gibt,  denen  es  besser
geht,  beweisen  die  herrlichen  Villen,  die  sich  die  „Fabrikanten"  au  die
Bergesabhänge  gebaut  haben.  Geht  man  vom  Bahnhof  in  die  Stadt
hinein,  so  sieht  man  von  der  Straße  aus  eine  solche  stehen,  welche
man  ihrer  Größe  und  ihrer  herrlichen  Bauart  nach  eher  als  Schloß
bezeichnen  kann.  Auf  meine  Frage  erhielt  ich  die  Auskunft,  daß  dieselbe ­
  drei  Millionen  Mark  gekostet  haben  soll.  An  der  Seite  ist  ein
großer  runder  Glaspavillon  angebaut,  welcher  als  Gewächshaus  dient,
durch  die  Scheiben  sieht  man  die  Wedel  von  Fächerpalmen  winken.
Ja,  es  gibt  hier  auch  reiche  Leute!  Einige  zwanzig  Millionäre,  darimter
solche,  die  über  zwanzig  Millionen  ihr  eigen  nennen,  sind  vorhanden.
Mancher  der  vorstehendes  liest  wird  vielleicht  glauben,  daß  ich
übertreibe,  aber  ich  habe  nur  das  niedergeschrieben,  was  ich  selbst  sah
oder  unzweifelhaft  feststellen  konnte.  Es  ist  nur  ein  kleiner  Bruchteil
des  vorhandenen,  gewissermaßen  Stichproben.  Wenn  meine  Zeilen
dazu  beitragen,  das  Augenmerk  weiter  Kreise  aus  die  unglücklichen
Arbeiter  jener  Gegend  zu  richten,  haben  sie  ihren  Zweck  erfüllt.  In
der  Musikbranche  in  Markneukirchen  und  Klingenthal  werden  etwa
4500  bis  5000  solcher  Arbeiter  beschäftigt.
Wenn  sich  bei  den  Klängen  der  Musik  auf  Bällen  die  Paare  im
Walzertempo  wiegen,  ahnt  wohl  keiner  von  ihnen,  daß  da  drooen  im
Voigtland,  vielleicht  eine  Reihe  von  Erzeugern  dieser  Instrumente  mit
denen  soeben  der  Donauwalzer  so  herrlich  gespielt  wiro,  die  ganze
Nacht  hindurch  mit  leerem  Magen  arbeiten  —  denn  morgen  ist  Liefertag! ­
  Das  blasse  Weib  hilft  mit,  sonst  wird  die  Arbeit  nicht  fertig.

Leipzig.

M.  Haack.