0&gt;üringen.

Bei  der  Darstellung  der  Verbreitung  der  Heimarbeit  in  Thüringens
Metallindustrie  ist  vorauszuschicken,  daß  die  Heimarbeit  sich  auf  bestimmte ­
  Gegenden  und  Industriezweige  beschränkt.  Abgesehen  von
einigen  Orten  nnd  der  Nadelindustrie  in  Ichtershausen  und  Ohrdruf,
wo  die  Frauen  und  Kinder  in  starken  Familien,  weil  die  Löhne  der
niännlichen  Arbeiter  zur  Erhaltung  nicht  ausreichen,  mit  dem  sogenannten
„Anschnüren  der  Nadel"  für  die  weitere  Bearbeitung  beschäftigt  werden,
womit  das  Einkommen  um  3  bis  5  Mk.  pro  Woche  erhöht  wird,  wird
Hausindustrie  und  Heimarbeit  betrieben  in:
1.  Suhl  und  Umgegend  für  Gewehrfabrikation;
2.  Zella  St.  Wlasti,  Mehlis  und  Amshausen  für  Fabrikation
von  Gewehren,  Revolver,  Sattler-,  Schuhmacher-  und  Tischlerwerkzeugen, ­
  chirurgischen  Instrumenten  u.  s.  w.;
3.  Steinbach-Hallenberg,  Herges-Hallenberg,  Unter-  und
Oberschönau,  Altersbach  und  Rotterode:  der  sogenannte  Steinbacher ­
  Grund,  der  Hauptsitz  für  Heimindustrie  der  Metallbranche
  in  Thüringen,  liefert  Drahtzangen,  Nägel,  Zwecken
für  die  Schuhfabrikation,  Korkenzieher,  Sardinenmesser,  Brennscheren,
  Pistolen  und  Kinderteschings;
4.  Schmalkalden,  Seligenthal  und  Arotterode:  Feilen,  Raspeln,
Zangen,  Schraubenzieher,  Bohrer,  Ahlen,  Messer,  Sporen,
Trensen  und  Ringe;
5.  Auhla  und  Umgegend  und  Wutha  und  Umgegend:  Kinderspieluhren, ­
  billige  Taschenuhren,  Lampenbrenner,  Portemonnaiebügel,
Beschläge  für  Pfeifen  u.  s.  w.
In  diesen  Orten  und  Industrien  sind  bis  zu  8000  Personen  und
mehr  beschäftigt.  Sehen  wir,  wie  es  dort  den  Heimarbeitern  geht.
Suhl  und  Umgegend.  Suhl  ist  seit  Jahrhunderten  ein  Hauptsitz
der  Waffenfabrikation.  Dieselbe  wird  bis  zum  9.  Jahrhundert  zurückdatiert. ­
  Wahrscheinlich  hat  sie  sich  aus  dem  hier  früh  betriebenen  Bergbau ­
  entwickelt.  Ein  Eisenhammer  wird  aber  erst  1437  erwähnt.
Früher  lieferte  Suhl  für  aller  Herren  Länder  Kriegswaffen.  Von  1550
bis  1634  war  es  in  Deutschland  die  einzige  Waffenfabrik  und  wurde
des  Reiches  Rüstkammer  genannt.  Jetzt  werden  hauptsächlich  Büchsen,
Jagd-  und  Luxusgewehre,  seltener  Militärgewehre  hergestellt,  daneben
Seitengewehre,  Maschinen,  Fahrräder  und  Metallwaren,  auch  Porzellanund
  Holzwaren.