28

Die  Heimarbeit  unb  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

der  Arbeiter  die  Rohmaterialien,  so  erhält  er  für  1  Stück  Revolver
1.75  bis  6.—  Mk.  und  mehr  per  Stück,  je  nach  Qualität.  Die  Preise
sind  aber  so  gestellt,  daß  bei  keiner  Qualität  ein  Arbeiter,  bei  13  bis
15  Stunden  Arbeitszeit  pro  Tag,  über  2,50  Mk.,  höchstens  3  Mk.  verdient. ­
  In  den  meisten  Fällen  bleiben  sie  weit  darunter.
Für  die  gangbarste  Sorte  Revolver  erhalten  die  Arbeiter  2  Mk.
pro  Stück.  Sie  können  davon  l2  bis  20  Stück  pro  Woche  liefern.
Auslagen  haben  sie  für  jeden  Revolver:  Rohmaterial,  Temperguß  60  Pf.,
Beschußanstalt  für  Beschießen  25  Pf.,  Schäfter  12  Pf.  und  Polierer
10  Pf.  Es  bleiben  den  Arbeitern  für  jeden  Revolver  93  Pf.  Davon
ist  Miete  und  Unkosten  für  Werkzeug  abzurechnen.  Liefern  die  Arbeiter
diese  Revolver  nur  aus  der  Feile,  das  heißt  soweit,  daß  sie  zur
Schäftung  und  Poliererei  gehen  können,  so  erhalten  sie  70  bis  75  Pf.
pro  Stück  bei  den  Zwischenmeistern.
Nicht  besser  stehen  die  Dinge  bei  den  Teschings.  Für  ein  Aufklapptesching
  zahlen  die  Kaufleute  4,75  Mk.,  für  ein  einfaches  Tesching
3.75  Mk.  Ein  Arbeiter  kann  in  einer  Woche  fünfzehn  Stück  fertigstellen. ­
  Unkosten  entstehen  bei  Nr.  1:  Rohstoffe  und  Einzelteile  2,12  Mk.,
Schäften,  Beschußgeld,  Polieren  und  Brünieren  1,05  Mk.,  zusammen
3,17  Mk.;  Rest  pro  Stück  1,58  Mk.,  davon  ab  Miete  und  Werkzeug.
Unkosten  bei  Nr.  2:  1,20  und  0,85  Mk.,  zusammen  2,05  Mk.;  Rest
1,70  Mk.  Siehe  oben.
Weit  schlechter  ist  der  Verdienst  bei  der  Terzerol-  und  Pistolenfabrikation. ­
  Tagesverdienste  von  80  Pf.  bis  1,50  Mk.  sind  die  Regel.
Die  Schäfter  verdienen  pro  Tag  2  Mk.,  mit  Frau  und  Kindern
2,50  bis  3  Mk.  Den  Polierern  geht's  nicht  um  ein  Haar  besser.  Diese
mieten  sich  bei  Werksbesitzern  einen  Platz  und  Kraft.  Für  ihre  Zutaten ­
  sorgen  sie  selbst.
Den  Arbeitern  in  den  verschiedenen  Werkzeugbranchen  ist  die
Situation  etwas  günstiger;  kommen  dabei  doch  Verdienste  von  24  Mk.
pro  Woche  vor.  Im  großen  und  ganzen  ist  die  Lage  in  Zella  und
Mehlis  für  die  Heimarbeiter  tieftraurig.  Tägliche  Arbeitszeit  dreizehn
bis  fünfzehn  Stunden,  auch  Sonntagsarbeit;  Wochenverdienst  dabei
12  bis  20  Mk.  Lebensmittel  sind  teuer,  ebenso  Wohnungen.  Kleinste
Wohnungen,  Stube,  Kammer  und  Küche,  kosten  120  Mk.  und  mehr.
Steuern  zahlen  diese  Arbeiter  10  bis  40  Mk.  Besserung  ist  für  die
Zukunft  nicht  zu  erwarten,  kommen  doch  die  Arbeiter  aus  den  nahen
Orten:  Benshausen,  Schwarze,  Herges,  Ebershausen,  Bermbach, ­
  aus  dem  Hessengrund  und  lassen  sich  die  Arbeiten  zu  noch
niedrigeren  Preisen  übertragen.  Von  den  Kaufleuten  in  Zella  und
Mehlis  wird  die  Situation  stark  ausgenutzt.  In  Benshausen,  wo  die
Arbeiter  mit  der  Anfertigung  von  Kurzwaren  aller  Art,  Pfeffermühlen,
Brennscheren  und  anderes  mehr  beschäftigt  find  und  auch  Revolver  und
andere  Schußwaffen  angefertigt  werden,  erzielen  sie  einen  Verdienst
von  8,  9,  10  bis  13  Mk.  pro  Woche;  Arbeitszeit  pro  Tag  dreizehn
bis  fünfzehn  Stunden.  Eine  eigentümliche  Erscheinung  ist  die:  Je
mehr  man  dem  Steinbacher  Grunde,  dem  Hessengruud  nahekommt,
  je  mehr  sieht  man  die  Heimarbeit  zunehmen.  In  diesem
Bezirk,  wo  die  sogenannte  Schmalkaldener  Kleineisenindustrie  vorhanden