Baden  und  Württemberg:  Pforzheim  und  Umgegend.

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Orte  von  Pforzheim  beträgt  25  Kilometer.  In  diesen  73  Orten  sollen
angeblich  im  Jahre  1900  zur  Zeit  der  Erhebung  durch  Dr.  Fuchs
1259  Heimarbeiter  und  Hausindustrielle  vorhanden  gewesen  sein.  Seit
dieser  Zeit  hat  eine  bedeutende  Steigerung  der  in  der  Hausindustrie
Beschäftigten  stattgefunden  und  niedrig  geschätzt  dürfte  die  Zahl  der
Heimarbeiter  3000  bedeutend  übersteigen.  Das  geht  schon  daraus  hervor, ­
  daß  in  einzelnen  Orten  die  Zahl  der  Heimarbeiter  sich  um  Hunderte
von  Prozente  vermehrte,  so  war  im  Orte  Kieselbronn  im  Jahre  1900
nach  Dr.  Fuchs  bloß  ein  Heimarbeiter  vorhanden,  nach  einer  Zählung,
die  wir  im  Anfang  Februar  d.  I.  vornahmen,  22;  noch  krasser  ist  es
in  einigen  anderen  Orten,  wenn  ich  hier  keine  Zahlen  anführe,  so  bloß
deshalb,  weil  wir  mit  den  Erhebungen  bis  nach  dem  Kongreß  warten
und  diese  Orte  jetzt  bloß  von  uns  besucht  worden  sind,  um  etwas
Material  zu  gewinnen.  Naturgemäß,  das  heißt  anpassend  den  Verhältnissen ­
  der  Gesamtindustrie,  ist  die  Mehrheit  der  in  der  Hausindustrie
Beschäftigten  weiblichen  Geschlechtes.  Also  Frauen,  die,  gezwungen  durch
ungenügende  Löhne  ihrer  Männer,  versuchen,  auf  diese  Weise  die  Lebenshaltung ­
  der  Familie  in  die  Höhe  zu  schrauben,  und  dürste  die  Hälfte
der  weiblichen  Heimarbeiter  Frauen  sein,  den  Mädchen,  die  noch  Heimarbeit ­
  verrichten  und  aus  dem  Lande  wohnen,  ist  eben  der  Weg  in
die  Stadt  in  der  Frühe  und  am  Abend  zu  viel,  doch  kann  man  aus
der  Tabelle  des  Dr.  Fuchs  ersehen,  daß  in  den  Orten,  die  an  dem
Bahnnetz  angeschlossen  sind,  weniger  Heimarbeiter  vorhanden  sind  als
in  jenen  Orten,  von  denen  man  Pforzheim  erst  nach  Zurücklegung  von
2,  3  oder  gar  4  Wegstunden  erreicht.
Die  Hausindustrie,  die,  wie  bereits  erwähnt,  in  den  letzten  zwei
Jahren  an  Umfang  bedeutend  zunahm,  hat  natürlich,  wenn  auch  nicht
gerade  in  jeden:  Falle,  ein  Sinken  der  Lohnhöhe  hervorgerufen,  jedoch
ist  der  Stücklohn  bedeutend  von  den  Unternehmern  reduziert  worden,
teilweise  bis  zu  50  und  60  Prozent,  wie  uns  von  einer  Anzahl  von
Heimarbeitern  nachgewiesen  worden  ist.  Hierbei  sei  auch  gleich  auf
die  schlaue  Art  und  Weise  hingewiesen,  mit  welcher  die  Unternehmer
vorgehen,  um  die  Akkordpreise  zu  drücken.  Kommt  die  flaue  Zeit,  der
Sommer,  dann  wird  dem  Heimarbeiter  gesagt:  „Wir  haben  keine  Arbeit,
das  Geschäft  geht  schlecht  u.  s.  w."  Der  Arbeiter  oder  die  Arbeiterin,
wenn  sie  in  der  Tat  bloß  auf  die  Heimarbeit  angewiesen  sind  (es  gibt
ja  welche,  die  im  Sommer  in  der  Landwirtschaft  schaffen),  sind  gezwungen, ­
  öfters  wieder  zu  kommen  und  nach  Arbeit  nachzufragen,
sie  bekommen  drei-  bis  viermal  dieselbe  Antwort,  bis  endlich  dann  der
Fabrikant  sagt:  „Sie  können  ja  etwas  bekommen,  aber  Sie  müssen  diese
Sorte  billiger  machen,  wenigstens  jetzt  im  Sommer;  wenn  die  Saison
wieder  herankommt,  dann  erhalten  Sie  wieder  den  alten  Preis."  Aus
diese  Weise  kommt  der  in  Pforzheim  unter  dem  Namen  bekannte
„Sommerpreis"  zustande,  der  in  der  Regel  auch  im  Winter  bestehen
bleibt.  Die  Heimarbeiter  sind  machtlos,  sie  müssen  sich's  gefallen  lassen,
und  um  doch  halbwegs  was  verdienen  zu  können,  arbeiten  sie  bis  spät
in  die  Nacht  hinein.  So  werden  diese  armen  Heimarbeiter  ausgebeutet.
Der  größte  Teil  der  in  der  Hausindustrie  Beschäftigten  verfertigt
Ketten;  es  sind  dies  hauptsächlich  die  sogenannten  Meterketten  (unter