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Sic  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

Das  Ausstimmen  und  Aufdeckeln  geschieht  meist  in  der  Fabrik,
der  dabei  erzielte  Verdienst  kommt  aber  für  Heimarbeiter  nicht  in  Frage.
Der  Verdienst  dieser  beträgt,  soweit  männliche  Arbeiter  in  Frage
kommen,  dann  2,30  bis  2,80  Mk.  pro  Tag.
Die  Futterale  für  die  Mundharmonikas  werden  ausschließlich ­
  in  der  Heimindustrie  hergestellt.  Die  Arbeiterinnen  bekommen  das
Material  von  der  Fabrik  geliefert.  Da  die  Arbeiter  außerordentlich
schlecht  bezahlt  werden,  so  werden  alle  Familienmitglieder  zur  Mitarbeit ­
  herangezogen.  Greisinnen  von  60  bis  70  Jahren,  Kinder  von
7  bis  8  Jahren  an.  Voriges  Jahr  fiel  es  einem  Lehrer  auf,  daß  ein
zehnjähriges  Kind  während  der  Schulstunden  häufig  schlief.  Zur  Rede
gestellt,  gab  es  an,  daß  es  immer  zu  Hause  arbeiten  müsse.  Derselbe
Lehrer  konnte  dann  die  gleiche  Beobachtung  auch  noch  bei  anderen
Kindern  machen.  Bei  den  Futteralmacherinnen  und  denjenigen  Heimarbeitern ­
  und  Arbeiterinnen,  die  in  der  Fabrik  arbeiten  und  nach  Geschäftsschluß ­
  noch  Arbeit  mit  nach  Hause  nehmen,  kommt  es  häufig
vor,  daß  die  Heimarbeit  bis  nachts  12  Uhr  ausgedehnt  wird.  Dabei
müssen  die  Futteralmacherinnen  oft  2  bis  3  Tage  auf  das  Material
warten.  Dieser  Mangel  in  der  Verteilung  des  Materials  wird  als
eine  der  Ursachen  mit  bezeichnet,  warum  dann  die  Arbeiterinnen  bis
spät  in  die  Nacht  hinein  arbeiten.
Der  Verdienst  der  Arbeiterinnen  stellt  sich  bei  angestrengter  Tätigkeit ­
  auf  3,50  bis  4  Mk.  pro  Woche.  Da  ein  Zwang  zur  Versicherung
gegen  Krankheit  und  Invalidität  nicht  besteht,  so  sind  die  wenigsten  Heimarbeiter ­
  gegen  Krankheit  versichert.  Diejenigen  aber,  die  versichert  sind,
müssen  selbstverständlich  die  ganzen  Beiträge  zahlen.  Es  werden  dagegen ­
  alle  männlichen  Heimarbeiter  ohne  Unterschied  zur  Gewerbesteuer ­
  mit  herangezogen.  Diese  Steuer  macht  bei  einem  der  tüchtigsten
Heimarbeiter  mit  einen:  Jahreseinkommen  von  1100  Mk.  jährlich
3,70  Mk.  aus.
In  Trossingen  sind  mehrere  Hausindustrielle  vorhanden,  die  eine
ganze  Anzahl  Arbeiter  und  Arbeiterinnen  beschäftigen.  Diese  Leute
verdienen  natürlich  noch  weniger  als  die  allein  oder  mit  Familie
arbeitenden  Heimarbeiter.
Über  den  geringen  Verdienst  vermag  sich  ein  Teil  der  Heimarbeiter
hinweg  zu  täuschen,  dadurch,  daß  er  Landwirtschaft  betreibt  unb  ihm
die  Heimarbeit  sozusagen  ein  lohnender  Nebenerwerb  ist,  aus  dessen
Einkünften  er  Sparrücklagen  machen  kann.  Diese  Erscheinung  veranlaßte ­
  den  Stadtschultheiß  von  Trossingen,  in  einer  der  letzten  Sitzungen
der  Handwerkerbank  überschwänglich  zu  erklären:  „Es  steht  glänzend
mit  den  Arbeitern  von  Trossingen  und  der  Umgebung,  das  beweisen
die  vielen  Ersparnisse."
Diese  Äußerung  ist  geeignet,  eine  ganze  falsche  Auffassung  über
die  Lage  der  Trossinger  Heimarbeiter  und  Harmonikaarbeiter  hervorzurufen. ­
  Der  Herr  Stadtschultheiß  hat  hierbei,  ob  mit  Absicht  oder
nicht,  sei  dahingestellt,  außer  Betracht  gelassen,  in  welcher  Zeit  und
mit  welchen  körperlichen  und  geistigen  Anstrengungen  der  Arbeiter
diese  Spareinlagen  erzielt  hat.  Wenn  ein  Arbeiter  zehn  Stunden  lang
in  der  Fabrik  arbeitet,  dann  nach  Feierabend  bis  10,  11  und  12  Uhr