69 muß sich wohl oder Übel die öffentliche Kritik mit der Tatsache besassen, daß kurz vor einer- politischen Katastrophe der deutsche Geldmarkt mit einer russischen Anleihe beschenkt wurde. Wer trägt die Verantwortung? Rrrssische Anleihen haben von jeher, viel mehr als alle Die Verant- übrigen Auslandswerte, in Deutschland als Ortung f?* politische Anleihen gegolten. Seitdem am 10. No- Kapital- vember 1887 die' Reichsbank den russischen Verluste Papieren auf Bismarcks Geheiß die Beleihung weigern mußte, ist dieser Charakter gewissermaßen amtlich publiziert worden. Von da ab hat man sich gewöhnt, die Stellung unserer Finanz welt zum russischen Pumpbegehren als Maßstab für Gunst oder Ungunst der politischen Be ziehungen beider Länder anzusehen. Und — wahrscheinlich mit Recht — hat man auch die letzte russische Anleihe als ein politisches Er eignis, als den deutschen Kaufpreis für einen russischen Handelsvertrag mit Konzedierung der Minimalzölle auf Agrarprodukte betrachtet. Ich sagte das im Juli voraus und warnte damals: „Eine neue russische Anleihe, womöglich gar unter Patronanz des Reiches, wäre im Augen blick eine öffentliche Gefahr. Ein Handels vertrag, der nur durch die Heraufbeschwörung dieser Gefahr erkauft werden könnte, sollte besser ungeschlossen bleiben." Graf Bülow hat sich über alle damals geltend gemachten Be denken hinweggesetzt. Ihn trifft, wenn er sie nicht auf die Reichstagsmehrheit, die die Mini malzölle akzeptierte, zurückwälzen will, die volle Verantwortung. Freilich, der Prospekt und die Einladung zur Zeichnung der neuen Anleihen trugen das Mmdelssohns Signum Bernhard von Bülows nicht. Als n ' § haus Emissionsfirma fungierte Berlins, ja Deutsch lands erstes Bankhaus, die Firma Mendelssohn & Co. Es ist einer von den merkwürdigen Zufällen, an denen nicht nur die Welt-, sondern auch die Finanzgeschichte so reich ist, daß gerade dieses Bankhaus finanzieller Sachwalter der größten europäischen Despotie ist: Der Urahn,