74 Necker u. Witte Schlimme Aussichten In Frankreich zwang die Finanzkalamität, an der Newa die Kriegsnot zur Konzession. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, wie es 1739 in Frankreich keins mehr gab. Entweder der Zar bewilligt Reformen, oder die Revolution schreitet fort, denn sie ist zur historischen Notwendigkeit ge worden. Mignet, der Geschichtsschreiber der französischen Revolution, sagt: „Selten findet sich ein Fürst, ivelcher .... hellblickend genug ist, um das abzutreten, dessen Verlust eine Not- tvendigkeit geworden. Ludwig XVI. hätte es jedoch getan, wenn er weniger unter der Herr schaft seiner Umgebung gestanden hätte Er schwankte unentschlossen zwischen seinen: Ministerium, welches Necker leitete, und feinern Hofe ..." Man setze anstatt Jacques Necker Sergej Juljewitsch Witte — der Vergleich paßt sogar auch insofern, als beide den Ruhm von Meistern im Budgetfälschen für sich in Anspruch nehmen können — und man hat ein treffendes Bild von der augenblicklichen Situation des Zaren. Nur daß sich zwischen ihn und das Volk der Tschin, zwischen Ludwig XVI. und seine Franzosen aber der Adel drängte. Noch hat er sein Schicksal in der Hand Der Kapitalist muß also mit der schlimmsten Eventualität rechnen. Siegt die Revolution, so wird die Sicherheit seiner Anleihen nicht etwa von: guten oder bösen Willen der Sieger, sondern von zwei wichtigen Faktoren abhängen: Kann ein geordneter Staat nnt dem Witteschen Budget werter wirtschaften? Bleiben Rußlands Banken uird Geschäfte auch gesund, werrn die Staatsbank sie nicht mehr künstlich stützt, bleiben die Börsenkurse in Petersburg auch ohne schwindelhafte Kursbeeinflussungen der Regierung fest. ? Diese Fragen mögen die „Kenner der russischen Verhältnisse" beantworten, die der Börsen-Courier zitiert.