76 mit Stoff für ihre Unterhaltungen ausgerüstet sein. War die Entrevue politischer Natur, oder sind die kaiserlichen Vettern, menschlichem Sehnsuchtdrange folgend, zueinander geeilt? Hat Nikolai oder Wilhelm die Anregung zur Konferenz gegeben? Diesen beiden Hauptfragen und ihren zahlreichen Unterfragen ist zentnerweise Druckerschwärze geopfert worden. Sommersonnen glut trieb die Phantasie zum Siedepunkt: Selbst ein norwegisch-schwedisches Bündnis unter dem Protektorat Deutschlands und Rußlands wurde uns beschert, und auch die Kandidatur eines Hohenzollernprinzen für den norwegischen Königsthron kam aufs Tapet. Obwohl der gesunde Menschenverstand uns sagen sollte, daß ein skandinavisches Bündnis sich nur gegen Rußland richten und ein Hohenzollernkandidat als Nachfolger der Bernadottes leicht ebenso zum casus belli werden könnte wie die spanische Thronfolgefrage anno 1870. Zum casus belli gegen England. Freilich, das gerade würde genügen, um einem solchen Plan in deutschen Gauen ge- Gärung nirgend Unterstützung zu schaffen. Denn gegen gegen England @ n g( an k gß r t’§ bei uns. Und die Konstatierung dieser Tatsache ist eigentlich das einzige wirklich wichtige Ergebnis 'der umfangreichen Preß- diskussionen' der letzten Tage. Ein deutsch- sranzösisch-russisches Bündnis gegen England ist ein Traum, der in weiten Volksschichten ge träumt und nicht bloß von den Organen der politischen Reaktion zum Ausdruck gebracht wird, Nein, auch liberale Organe, deren In timität mit der Kanzlei des gefürsteten Kanzlers notorisch ist, predigen den gleichen Text. Denn ,vas anders bedeutet es, 'wenn das Berliner- Tageblatt eine finanzielle Entente zur Bezahlimg der russischen Kriegskosten ankündigt unter der Garantie des Friedenszustandes in Europa. Diese Zusammenstellung ist sehr ergötzlich. An scheinend soll der Eindruck erweckt werden, als ob Frankreich und Deutschland ihr Geld ein bringen, Rußland dagegen die Konzession des