77 Friedensschlusses gewähren soll. Wenn das wirklich Ziel und Zweck der Kaiserreise gewesen ist, sie hätte ruhig unterbleiben können. Es ist ja jetzt sehr modern, die Engländer als Seeräuber zu verschreien, und den Ge mäßigten wird es durch die Hetzereien gewisser englischer Blätter nicht leicht gemacht,, den ent gegengesetzten Standpunkt zu vertreten. Dazu kommt, daß Bismarcks Nachfolger — oder richtiger seine Epigonen — Freundschaft mit Rußland für das Alpha und Omega genialischer Auslandspolitik zu halten scheinen. Daß eines sich nicht für alle, besonders nicht für alle Zeiten schickt, ist eine Erwägung, die man den Toren außerhalb der Amtsstuben überläßt. Man brauchte über solche Expektorationen kein Wort zu verlieren, wenn es sich dabei nur um Phantasien — vielleicht kluger und geist voller — Zeitungsschreiber handelte. Aber wenn die verständigen Ausführungen Cle- menceaus, der einst von denselben Blättern wie ein Held gefeiert wurde, in einem Teil der Presse mit dem Hinweis darauf aä absurdum geführt wurde, daß dieser nichts ahnende Literat sich gegen Dinge wende, die von den „Machern" schon lange beschlossen seien, so darf und muß man annehmen, so zu deutende Worte seien im Gespräch mit denen um Bülow gefallen. Rußland sei freilich — so lautet die offiziöse Parole — als Feind augenblicklich nicht zu fürchten, aber es sei ein wichtiger Bundesgenosse. Ein glänzender Sozius! Kein Heer, keine Flotte, kein Geld, keine Ordnung! ^Das Land braucht uns, aber nicht umgekehrt. Und wir drängen uns an diese gefallene Größe, heben sie aus den: Staube, trocknen ihr die Wunden und versorgen sie mit Geld. Ketten Frankreich gerade in dem Moment wieder an Rußland, wo es von Nikolai zu Eduard abschwenkt, anstatt Englands Flotte und Geld und Frankreichs Schwäche uns dienstbar zu machen. Wenn Rußland uns durch seine Neutralität in: deutsch französischen Kriege zweifellos wertvolle Dienste Rußland als Buiidesgenoffe