84 Duma und französische Stündever- sammlung Witte und der Tschin Die Revolu tion und die Finanzen der Staatsmaschine, das vom Kaisertum sich zu emanzipieren sucht. Die Widerstände, die sich den politischen Bewegungen entgegensetzen, sind für ihren Weg viel mehr bestimmend als die in ihr treibenden Tendenzen. Die französische Ständeversammlung war von loyalstem Geiste durchdrungen. Sie wurde erst durch den Widerstand des Adels, der für seine Privilegien fürchtete, offen frondierte und insgeheim den König gegen den tiers etat einzunehmen trachtete, den radikalsten Elementen in die Arme getrieben. Der Monarch, der die Versammlung einberufen hatte, uni Schutz gegen die Abgabenverweigerung des Adels zu suchen, wurde mit diesem verschlungen, als er sich von Adel und Geistlichkeit zu Schritten hinreißen ließ, die dem Einberusungzweck zu widerliefen. Liegen nicht ganz ähnlich die Dinge in Rußland? Die Duma ist von Witte als Mittel gedacht, um den Herrscher aus den Händen des Tschin zu befreien und um Geld zu beschaffen, das mit dem alten System nicht mehr zu erlangen ist. Der Zar gibt augen blicklich allen Akten, die der — ihm innerlich doch verhaßte — Mann aufsetzt, seine Unter schrift. Aber der Tschin wehrt sich verzweifelt, die Großfürsten rüsten. Wird der schwache Zar dem Drängen der mephistophelischen Kräfte standhalten können? Ein einziger Schritt von der geraden Linie fort, und die Herrschaft der Romanows ist gewesen. Noch niemals war eine revolutionäre Bewegung so organisiert. In keiner Revolution waren noch je Tendenzen und Forderungen so präzis formuliert. Ein Volk, das Bahnen still stehen, Telegraphen außer Betrieb setzen kann, ist nicht mit teil weiser Gewährung gegebener Versprechungen zu befriedigen. Der Staatsgläubiger kann für sich nur zwei Möglichkeiten sehen: Entweder es folgt dem jetzigen Sturm ein jahrelanges Ringen, so muß die Notenpresse weiter, wie bisher.