91 schen Blattes — in diesem Vorgehen sogar einen Liebesdienst gesehen zu haben, der Deutschland dem östlichen Nachbar gegenüber su Dank verpflichtet. Ob diese Annahme auch nur einen Schein von Berechtigung für sich hat, vermag allein derjenige zu entscheiden, der weiß, ob und was hinter den Kulissen der Marokko tagung gespielt und ob es wirklich einen Moment aus jener Konferenz gegeben hat, in dem man es in der Wilhelmstraße dankbar empfinden mußte, daß von irgendwoher durch einen Gewaltakt klare Situation geschaffen wurde. Nur wer das zu entschleiern weiß, wird auch aufzuhellen vermögen, weshalb die Nord deutsche Allgemeine Zeitung entgegen der ge samten öffentlichen Meinung keine Brüskierung des Deutschen Reiches in der Lambsdorff-Depesche zu sehen vermochte. Aber wie dem auch sein mag. Aus gar keinen Fall konnte der spii-itu8 rsotor jenes Artikels ganz wenige Wochen später den Reichs boten erklären, die Nichtzulassung der russischen Anleihen sei aus politischen Gründen erfolgt. Gab es da eine billigere Ausrede als den eigenen Geldbedarf? Gewiß nicht. Und doch wollte der Reichskanzler sie nicht anwenden. Wie mir bestimmt versichert ward, wurde am Morgen jenes Tages, an dem der Kanzler plötzlich von einem Uebelsein befallen worden ist, Journalisten im Auswärtigen Amt mit- geteilt, Fürst Bülow werde sich dahin äußern, daß die innere Lage Rußlands zu ungeklärt sei, als daß man die Emission einer großen Anleihe jetzt zulassen könne?) Vor einem Jahr las man's anders. Inzwischen ist allerdings manch Ereignis eingetreten, das die finanz politische Lage im Reußenreiche auch dem kurz sichtigsten Auge in einem anderen Lichte als vor zwölf Monaten erscheinen läßt. Freilich, der Staatsmann, der an der Spitze eines großen Reiches steht, durfte auch damals nicht sich deni Urteil der Finanzkundigen verschließen. Aber i) Vergleiche de» Aufsatz: „Fürst Bülow als Finanzprophel." Fürst Bülow's Bekehrung