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Als  ein  sozialdemokratischer  Redner  in  der  Plenarberatung  auf
dies  nicht  sehr  würdige  Vorgehen  hinwies  und  die  Meinung  vertrat, ­
  es  wäre  ehrenvoller,  gleich  zu  sagen,  wie  weit  mau  gehen
wolle,  daun  aber  auch  den  Standesherren  gegenüber  die  einmal
beschlossenen  Sätze  entschieden  zu  verteidigen,  spielten  einige  der
sich  getroffen  fühlenden  Abgeordneten  die  Entrüsteten  und  bestritten
pathetisch,  daß  sie  nur  zum  Scheine  für  den  verschärften  Tarif
seien.  Wie  genau  jedoch  die  Mitteilungen  des  sozialdemokratischen
Abgeordneten  den  Tatsachen  entsprachen,  das  zeigte  sich,  als  die
Kammer  der  Standes^  rren  den  Beschlüssen  der  Kammer  der
Abgeordneten  nicht  beitrat.  Sofort  erklärten  sich  alle  Parteien,
mit  Ausnahmeder  Sozialdemokratie,  zum  „Entgegenkommen"  bereit.
Bei  der  Wichtigkeit,  die  dem  Steuertarif  zukommt,  verlohnt  eS
sich,  über  die  Stellung,  die  die  sozialdemokratische  Fraktion  in
diesem  Punkte  einnahm,  eingehender  zu  berichten.  Zu  dem  letzterwähnten ­
  Antrag  führte  der  Vertreter  des  sozialdemokratischen
Antrags  in  der  Kommission  aus:
Er  hätte  gewünscht,  daß  Gröber  seinen  bei  der  Kommissionsberalung
  im  Jahre  1897  gestellten,  damals  aber  wieder  zurückgezogenen ­
  Antrag  wieder  aufgenommen  hätte.  Nach  diesem  Antrag ­
  würden  schon  bei  10000  Mk.  4%,  bei  60  000  937!.  5°/o,  bei
75000  Mk.  5,5  °/o  und  bei  100000  Mk.  6  °/o  erreicht.  Der  Satz  von  6  °/o
sollte  bei  100000  Mk.  in  Kraft  treten,  nicht  erst  bei  200  000  Mk.,
sonst  komme  ihm  der  Antrag  vor  wie  ein  Paradeantrag,  der  einen
hohen  Steuersatz  anwenden  wolle  an  einer  Grenze,  wo  die  von
ihm  betroffenen  Steuerpflichtigen  sehr  dünn  gesät  sind.  Wenn  die
großen  Steuerträger  drohen,  bei  einer  schärferen  Veranlagung  aus
dem  Lande  fortziehen  zu  wollen,  so  stellen  sich  diese  sonst  so  patriotisch
sich  gebärdenden  Schichten  kein  gutes  Zeugnis  aus.  Uebrigens  ließen
sich  Industriebetriebe  von  solchem  Umfang,  daß  sie  unter  die  6  °/o
fallen,  nicht  so  leicht  verlegen.  Es  sei  klar,  daß  mit  dem  steigenden
Staatsauswand  auch  die  direkten  Steuern  steigen  müßten.
Die  Kommission  eihob  den  neuen  Antrag  Gröber  gegen  die
Stimmen  der  Priviligierten  zu  ihrem  Antrag.  In  der  Plenarberatung ­
  trat  als  erster  der  Ritterschaftsvertreter  Frh.  v.  Ow  dem
Kommissionsantrag  entgegen.  Herr  v.  Ow,  einer  der  größten
Agrarier  des  Landes,  beteuerte  seine  Fürsorge  für  die  Großindustrie, ­
  die  von  den  für  die  großen  Einkommen  vorgesehenen
Steuenätzen  zu  hart  betroffen  würde.  Auch  im  Interesse  der
Kapitalisten,  also  der  Steuerpflichtigen,  die  aus  einem  zinstragend ­
  angelegten  Millionenkapital  in  die  Hunderttausende  gehende
Einkommen  beziehen,  wandte  sich  Herr  v.  Ow  gegen  den  Kommissionsantrag. ­
  Er  mußte  dabei  gestehen,  daß  diese  Kapitalisten
sehr  wohl  6°/o  Einkommenssteuer  zahlen  könnten,  aber  er  setzte
ihr  staatsbürgerliches  Pflichtbewußtsein  tiefer  herunter,  als  wir