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Probeschätzungen  der  Rückgang  im  Ertrag  in  allen  Kulturarten
am  größten  sei  bei  den  geringsten  Bodenklassen,  sich  aber  mit
jeder  nächstbesteren  Bodenklasse  vermindere,  so  daß  sich  schließlich
bei  der  besten  Bodenklasse  vielfach  noch  eine  Steigerung  des  Ertrags ­
  ergebe.  Man  gehe  nun  wohl  nicht  fehl  in  der  Annahme,
daß  im  großen  und  ganzen  die  besten  Bonitäten  sich  vorzugsweise ­
  in  den  Händen  großer  Besitzer,  die  schlechtesten  in  den
Händen  der  kleinsten  Bauern  befinden.  Hierfür  spreche  auch  die
Tatsache,  daß  die  revidierte  Gemeinde  Herlazhofen,  OA.  Leutkirch,
  in  der  der  höchste  Durchschnittsertrag  von  106,56  °/«
ermittelt  wurde,  fast  ganz  aus  großen  Grundbesitzern  bestehe;
dagegen  bestünden  die  Gemeinden,  die  den  größten  Rückgang
aufzuweisen  haben,  vornehmlich  aus  Kleinbauern.  Die  in  Not
lebenden  Kleinbauern  empfänden  den"  Rückgang  besonders  hart,
während  die  großen  Besitzer  mit  ihrem  ertragsfähigeren  Boden
ihn  eher  verschmerzen  könnten.  Es  empfehle  sich  darum,  den
Katasterabstrich  abzustufen  nach  der  Größe  des  Besitzes,
so  daß  dem  Kleinbauern  der  größte  Abstrich  zugute  komme,  dem
mittleren  ein  kleinerer  und  dem  großen  Grundbesitzer,  wenn  überhaupt ­
  noch  ein  solcher,  nur  noch  ein  ganz  mäßiger.  (Etwa  für
Besitzer  von  weniger  als  5  ha  30%,  von  5—20  ha  15  %,
von  mehr  als  20  ha  5  %,)  Auf  diesem  Wege  würde  man  zugleich ­
  der  auf  die  kleinen  Bauern  viel  schwerer  als  auf  die  großen
Besitzer  drückenden  Pfandschuldenbesteuerung,  sowie  auch  dem  Nachteil ­
  des  Kleinbauern,  daß  er  den  Maschinenbetrieb  bei  weitem
nicht  in  dem  Maße  einführen  könne  wie  der  Großagrarier,  steuerlich ­
  Rechnung  tragen.
Von  allen  anderen  Parteien  wurde  diesem  Gedankengang  nicht
die  mindeste  Gegenliebe  entgegengebracht.  Daß  die  kleinen  Landwirte ­
  vornehmlich  die  schlechten  Bodenklassen  besitzen,  wurde  einfach ­
  weggestritten.  Die  Regierungskommissäre  bezeichneten  den
vom  Sozialdemokraten  gezeigten  Weg  als  „nicht  gangbar",  und
doch  wäre  seine  Ausführung  leichter  möglich  gewesen  wie  die  des
Regierungsvorschlags,  denn  in  den  Steuerkatastern  ist  auf  den  ersten
Blick  die  Gesamtgröße  eines  bäuerlichen  Besitztums  zu  ersehen.
Besonders  die  Großgrundbesitzer  Frhr.  v.  Ow  und  Frhr.  v.  Gaisberg
  traten  dem  sozialdemokratischen  Vorschlag  entgegen.  Das
war  nicht  wunderlich,  denn  dieser  sollte  nicht  die  Interessen  der
Großen,  sondern  die  der  Kleinen  wahren.  Darum  hätten  aber
wenigstens  die  Vertreter  des  Bauernbundes  für  die  sozialdemokratische ­
  Anregung  eintreten  müssen.  Doch  diese  Herren  bekundeten
auch  bei  dieser  Gelegenheit  wieder,  daß  sie  nur  dem  Großagrarier