Dadurch  gewinnt  die  Tatsache,  dass  im  alten  Serbien  ein
bedeutender  Silberbergbau  betrieben  wurde,  an  Interesse.  Die
Bergwerke  in  den  serbischen  Gebieten  waren  schon  den
Römern  bekannt  und  wurden  von  diesen  ausgebeutet.  Im
frühen  Mittelalter  wurde  der  Bergbau  von  den  eingewanderten
Serben  zwar  weiter  betrieben,  aber  eine  neue  Periode  beginnt
erst  zu  Anfang  des  XIII.  Jahrhunderts  mit  der  Berufung
deutscher  Bergleute  aus  Siebenbürgen,  die  allgemein  als  Sachsen
(serbisch:  Sasi)  bezeichnet  werden.  Neben  den  Sachsen  waren
an  dem  Betriebe  der  serbischen  Bergwerke  am  stärksten  die
Ragusaner  beteiligt,  jene  als  Minenarbeiter,  diese  als  Bergwerksbesitzer, ­
  Goldschmiede  und  Münzmeister.  Die  Städte,  welche
neben  den  Bergwerken  entstanden  sind,  waren  ausgesprochene
Fremdenkolonien;  auch  der  Handel  und  das  Handwerk  wurde
in  denselben  nur  zu  einem  kleinen  Bruchteil  von  Einheimischen,
grösstenteils  aber  von  Ragusauern,  Venetianern  und  anderen
Dalmatinern  und  Italienern  betrieben.  Im  XIY.  und  zu  Anfang ­
  des  XV.  Jahrhunderts  waren  die  serbischen  Bergwerke
weltbekannt  und  „von  ihrer  Ergiebigkeit  erzählte  man  sich
Unglaubliches.“ 1 )  Es  wird  die  Ausfuhr  von  Gold  erwähnt,  aber
das  eigentliche  Produkt  der  serbischen  Minen  war  das  Silber,
welches  rein  (das  sogenannte  „weisse“  Silber)  und  gemischt
mit  Gold  vorkam,  welches  man  dann  „argento  de  glama“
(serbisch:  glamsko  srebro)  bezeiebnete.  Aus  letztgenanntem
Silber  geprägte  Geldstücke  sollen  auch  aufgefunden  worden
sein. *  2 )  Bei  den  Bergwerken  befanden  sich  auch  die  Münzämter; ­
  die  Münzen  wurden  von  ragusanischen,  venetianischen
und  auch  von  serbischen  Goldschmieden  geprägt.  Die  Prägung
erfolgte  mittels  eiserner  Formen,  welche  bald  unbrauchbar
wurden  und  durch  neue  ersetzt  werden  mussten,  woraus  auch
die  Mannigfaltigkeit  zu  erklären  ist,  welche  die  erhaltenen
Münzen  ihrer  Form  nach  aufweisen.  *)

J )  Jirecek.  Die  Handelsstrassen  und  Bergwerke.  S.  43.
2 )  Mijatovife.  Studien  zur  serbischen  Handelsgeschiclite,  Glasnik
XXXVIII.  s.  245.
:1 )  Jirecek.  Handelsstrassen  und  Bergwerke.  S.  41—48.