119

ziehungsweise  Geldmangel.  Bei  Geldüberfluss  tritt  nun  notwendig ­
  Wertverminderung  des  Geldes  ein,  d.  h.  seine  Tauschkraft ­
  sinkt  und  infolgedessen  müssen  die  Warenpreise  steigen.
Da  diese  Preissteigerung  nur  im  Inlande  stattfindet,  so  hat
sie  die  Tendenz  zur  Folge,  dass  mehr  Waren  ein-  als  ausgeführt ­
  werden;  die  Importe  überwiegen  die  Exporte  und  infolge ­
  der  daraus  resultierenden  Passivbilanz  strömt  das  Gold
aus  dem  Lande.  Dieser  Goldabfluss  wird  so  lange  dauern,
bis  das  überflüssige  Geld  beseitigt  und  dadurch  das  Gleichgewicht ­
  zwischen  Vorrat  und  Bedarf  an  Zirkulationsmitteln
wieder  hergestellt  ist.  Umgekehrt  bei  Geldmangel:  Werterhöhung ­
  des  Geldes,  Sinken  der  Warenpreise,  überwiegen  der
Exporte  und  infolgedessen  Aktivbilanz  und  Goldzufluss,  bis  das
Bedürfnis  des  Verkehrs  nach  Umlaufsmitteln  Befriedigung
gefunden  hat  und  die  Inlandpreise  das  Niveau  der  Weltmarktpreise ­
  wieder  erreicht  haben. 1 )  Die  Regulierung  des
Geldumlaufes  erfolgt  also  unter  geregelten  Valutaverhältnissen
von  selbst  und  ist  in  diesem  Umstande  auch  der  Hauptvorzug
  der  auf  Gold  basierten  Währungen  gelegen.  Besteht  aber
der  Zirkulationsmittelvorrat  eines  Landes  aus  Zetteln  oder
unterwertigem  Metallgelde,  so  ist  natürlicher  Weise  diese
Selbstregulierung  bei  Geidüberfluss  nicht  möglich,  da  die
Zettel  nach  dem  Auslande  nicht  abfliessen  können,  wodurch
der  inländische  Verkehr  entlastet  und  das  Gleichgewicht  zwischen
Umlaufsmittelbedarf  und  -Vorrat  wieder  hergestellt  werden
könnte.  Werden  nun  in  einem  solchen  Lande  über  seinen
Geldbedarf  Zettel  in  Umlauf  gesetzt,  so  verlieren  dieselben
so  viel  an  Wert,  als  unter  gesunden  Valutaverhältnissen  an
Gold  im  Wege  des  Aussenhandels  abströmen  würde.  Denn
der  Geldvorrat  keines  Landes  kann  willkürlich  über  das  Verkehrsbedürfnis ­
  hinaus  vermehrt  werden;  erfolgt  aber  dennoch
eine  Vermehrung  der  Geldmittel  ihrer  Menge  und  Stückzahl
nach,  so  müssen  dieselben  ihrem  Werte  nach  entsprechend
abnehmen.  „Verträgt  ein  Land  beispielsweise  100  Millionen
Gulden,  Mark  oder  Francs  guten  Geldes,  und  es  werden  für

)  Theodor  Hertzka,  Wechselkurs  und  Agio.  Wien  1894.  S.  8  ff’