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        <title>Das kommunistische Manifest</title>
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            <forname>Karl</forname>
            <surname>Marx</surname>
          </persName>
        </author>
        <author>
          <persName>
            <forname>Friedrich</forname>
            <surname>Engels</surname>
          </persName>
        </author>
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            <idno>870039539</idno>
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Das  Kommunist!
p»  Manifest  vuul

Sechste  autorisierte  deutsche  Ausgabe
Mit  Vorreden  von  Karl  Marx
=  und  Friedrich  Engels

Berlin  1904
Verlag:  Expedition  der  Buchhandlung  Vorwärts
(Th.  Glocke  in  Berlin.)

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        Buchhandlung  Vorwärts,  Berlin  SA.  08,  Lindenstr.  hy.

Wir  empfehlen:
Parteitags-Protokolle.
Die  Protokolle  bieten  ein  reiches  Material  zur  Geschichte  der  Partei,  ihrer  Kämpfe,  ihrer
Grundsätze,  ihrer  Taktik.  Nachstehend  heben  wir  die  Hauptpunkte  der  Verhandlungen  aus  der
jeweiligen  Tagesordnung  in  summarischer  Inhaltsangabe  hervor,
1890.  Neuorganisation;  Programmrede  Liebknechts;  Stellung  zu
isaut.  Streiks  und  Rovkotts:  Auscinandersetzuna  mit  den  ..Unabhängigen".
  Mk.  —,50
1891.  Festsetzung  des  Programms;  Programmentwürse;  Ausschluß
OITUri.  der  ..unabhängigen";  Taktik  der  Partei.  Mk.  —,50.
1892.  Staatssozialismus;  Genossenschaftswesen,  Boykott,  KontrolltZerNN.
  marke.  Mk.  -  ~,50
1893.  Gewerkschaftsbewegung;  Antisemitismus;  Wahlrecht  und
V^CHn.  Beteiligung  an  preußischen  Landtagswahlen.  Mk.  —,40
1894.  Budgetbewilliqunqssraqe  in  den  Landtagen;  Agrarfrage;
franRrifrt.  Trusts.  Rinae  und  Kartelle.  Mk.  -,25
s?  1895.  AgrarprStzramtn;  Hausindustrie.
Zsresl.au.  Mk.  —,30,  geb.  Mk.  —,50
1896.  Fraucnagitation;  Literatur-Debatte.  ^
1897.  Preußische  Landtagswahlen;  Militarismus.
ZIÄNIvUrg.  Broschiert  Mk.  -.35,  gebunden  Mk.  -,60
1898.  Koalitionsrecht;  Bcrgarbeiterschutz;  Preußische  Landtags-NlUllAar«..
  wählen:  Zoll  und  .Handelspolitik.
Broschiert  Mk.  —,3s»,  gebunden  Mk.  —,60
1899.  Bernstein-Debatte;  Zuchthausvorlage;  Militärsrage.
Dannover.  Broschiert  Mk.  —.50,  gebunden  Mk.  —,75
lyi.j...  1900.  Weltpolitik;  Verkehrs-  und  Handelspolitik;  Taktik  bei  den
(uauii.  Landtaaswablen:  Anbana:  Belicht  über  die  Frauenkonferenz.
Broschiert  Mk.  —,50,  gebunden  Mk.  —,75
Lübeck.  1901.  Vergriffen.
ivlüncken.  1902.  Vergriffen.
1903.  Taktik  der  Partei.  Reichstagswahlen.  Vizepräsidialsrage.  Die
xsl  FOUvii.  revisionistischen  Beitrebunaen.  Brosch.  Mk.  —.75.  aeb.  Mk.  1.—
Protokolle  der  Internationalen  Arbeiter-Kongresse.
ITltivtci  1889.  Mit  einem  Vorwort  von  W.  Liebknecht.
B,wickle  der  Deleaierten  der  einzelnen  Länder:  Msckatkuna  der
stehenden  Heere;  Maifeier.  Dik.  —,25
'7'iivtAs  1893.  Stellung  der  Partei  im  Kriegsfälle;  Agrarfrage;  General-A,UY\\.n.
  streik  Mk.  —.50
r  svndrtM  1896.  Politische  Aktion;  wirtschastliche  Aktion;  Erziehung  und
J^OIIUUU.  körperliche  Entwicklun«.  Mk.  —.20
finvte*  1900.  Der  Kampf  um  das  allgemeine  Stimmrecht;  die  Eroberung
f 7 * 1  der  politischen  Macht:  KolonialvolM:  der  Sozialismus  in
den  Gemeinden.  Mk.  —,20

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        r^vsB.,.

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Manifest

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s»  Universität
EEL,

Das  KommuniMM

Ce)

Sechste  autorisierte  deutsche  Ausgabe

Mit  Vorreden  von  Karl  Marx  und
Friedrich  Engels

*

Kerlin  1904
Verlag:  Expedition  der  Buchhandlung  Vorwärts
(Th.  Glucke  in  Verlt»)
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        Vorreden.
i.
Der  „Bund  der  Kommunisten",  eine  internationale  Arbeiterverbindung,
die  unter  den  damaligen  Verhältnissen  selbstredend  nur  eine  geheime  sein
konnte,  beauftragte  auf  dem  in  London  im  November  1847  abgehaltenen
Kongresse  die  Unterzeichneten  mit  der  Abfassung  eines  für  die  Oeffentlichkeit
bestimmten,  ausführlichen  theoretischen  und  praktischen  Parteiprogramms.
So  entstand  das  nachfolgende  Manifest,  dessen  Manuskript  wenige  Wochen
vor  der  Februarrevolution  nach  London  znm  Druck  wanderte.  Zuerst
deutsch  veröffentlicht,  ist  es  in  dieser  Sprache  in  Deutschland,  England
und  Amerika  in  mindestens  zwölf  verschiedenen  Ausgaben  abgedruckt
worden.  Englisch  erschien  es  zuerst  1850  in  London  im  „Lock  Rspubliean“,
  übersetzt  von  Miß  Helen  Macfarlane,  und  1871  tu  wenigstens
drei  verschiedenen  llebersetznngen  in  Amerika.  Französisch  zuerst  in  Paris
kurz  vor  der  Juniinsurrektion  1848,  neuerdings  in  „Le  Socialist*“  von
New-Dork.  Eine  neue  Uebersetznng  wird  vorbereitet.  Polnisch  in  London
kurz  nach  seiner  ersten  deutschen  Herausgabe.  Russisch  in  Genf  in  den
sechziger  Jahren.  Ins  Dänische  wurde  es  ebenfalls  bald  nach  seinem
Erscheinen  übersetzt.
Wie  sehr  sich  auch  die  Verhältnisse  in  den  letzten  fünfundzwanzig
Jahren  geändert  haben,  die  in  diesem  Manifest  entwickelten  allgemeinen
Grundsätze  behalten  im  Ganzen  und  Großen  auch  heute  noch  ihre  volle
Richtigkeit.  Einzelnes  wäre  hier  und  da  zu  bessern.  Die  praktische
Anwendung  dieser  Grundsätze,  erklärt  das  Manifest  selbst,  wird  überall
und  jederzeit  von  den  geschichtlich  vorliegenden  Umständen  abhängen,
und  wird  deshalb  durchaus  kein  besonderes  Gewicht  auf  die  am  Ende
von  Abschnitt  II.  vorgeschlagenen  revolutionären  Maßregeln  gelegt.
Dieser  Passus  würde  heute  in  vieler  Beziehung  anders  lauten.  Gegenüber ­
  der  immensen  Fortentwicklung  der  großen  Industrie  in  den  letzten
fünfundzwanzig  Jahren,  und  der  mit  ihr  fortschreitenden  Parteiorganisation ­
  der  Arbeiterklasse,  gegenüber  den  praktischen  Erfahrungen,  zuerst
der  Februarrevolution  und  noch  weit  mehr  der  Pariser  Kommune,  wo
das  Proletariat  znm  ersten  Mal  zwei  Monate  lang  die  politische  Gewalt
inne  hatte,  ist  heute  dies  Programm  stellenlvsise  veraltet.  Namentlich
hat  die  Kommune  den  Beweis  geliefert,  daß  „die  Arbeiterklasse  nicht
die  fertige  Staatsmaschine  einfach  in  Besitz  nehmen  und  sie  für  ihre
eigenen  Zwecke  in  Bewegung  setzen  kann".  (Siehe  „Der  Bürgerkrieg
in  Frankreich,  Adresse  des  Generalraths  der  Internationalen  Arbeiter-Assoziation",
  deutsche  Ausgabe,  Seite  19,  wo  dies  lveiter  entwickelt  'ft.)
Ferner  ist  selbstredend,  daß  die  Kritik  der  sozialistischen  Literatur  für
heute  lückenhaft  ist,  weil  sie  nur  bis  1847  reicht;  ebenso  daß  die  Bemerkungen ­
  über  die  Stellung  der  Kommunisten  zu  den  verschiedenen
        <pb n="5" />
        4

Oppositionsparteien  (Abschnitt  IV.),  wenn  in  den  Grundzügen  auch
heute  noch  richtig,  doch  in  ihrer  Ausführung  heute  schon  deswegen  veraltet ­
  sind,  weil  die  politische  Lage  sich  total  umgestaltet  und  die  geschichtliche ­
  Entwicklung  die  meisten  der  dort  aufgezählten  Parteien  ans  der
Welt  geschafft  hat.
Indeß,  das  Manifest  ist  ein  geschichtliches  Dokument,  an  dem  zu
ändern  wir  uns  nicht  mehr  das  Recht  zuschreiben.  Eine  spätere  Ausgabe ­
  erscheint  vielleicht  begleitet  von  einer,  den  Abstand  von  1847  bis
jetzt  überbrückenden  Einleitung;  der  vorliegende  Abdruck  kam  uns  zu
unerwartet,  um  uns  Zeit  dafür  zu  lassen.
London,  24.  Juni  1872,
K  a  r  l  M  a  r  x.  F  r  i  e  d  r  i  ch  E  n  g  e  l  s.

II.
Das  Vorwort  zur  gegenwärtigen  Ausgabe  muß  ich  leider  allein
unterschreiben.  Marx,  der  Manu,  dem  die  gesummte  Arbeiterklasse
Europas  und  Amerikas  mehr  verdankt  als  irgend  einem  andern  —
Marx  ruht  ans  dem  Friedhof  zu  Highgate,  und  über  sein  Grab  wächst
bereits  das  erste  Gras,  Seit  seinem  Tode  kann  von  einer  Umarbeitung
oder  Ergänzung  des  Manifestes  erst  recht  keine  Rede  mehr  sein.  Für
um  so  nöthiger  halte  ich  es,  hier  nochmals  das  Folgende  ausdrücklich
festzustellen.
Der  durchgehende  Grundgedanke  des  Manifestes:  daß  die  ökonomische
Produktion  und  die  aus  ihr  mit  Nothwendigkeit  folgende  gesellschaftliche
Gliederung  einer  jeden  Geschichtsepoche  die  Grundlage  bildet  für  die
politische  und  intellektuelle  Geschichte  dieser  Epoche;  daß  demgemäß  (seit
Auflösung  des  uralten  Gemeinbesitzes  an  Grund  und  Boden)  die  ganze
Geschichte  eine  Geschichte  von  Klassenkämpfen  gewesen  ist,  Kämpfen
zwischen  ausgebeuteten  und  ausbeutenden,  beherrschten  und  herrschenden
Klassen  auf  verschiedenen  Stufen  der  gesellschaftlichen  Entwicklung;  daß
dieser  Kampf  aber  jetzt  eine  Stufe  erreicht  hat,  &amp;gt;vo  die  ausgebeutete  und
unterdrückte  Klasse  (das  Proletariat)  sich  nicht  mehr  von  der  sie  ausbeutenden ­
  und  unterdrückenden  Klasse  (der  Bourgeoisie)  befreien  kann,
ohne  zugleich  die  ganze  Gesellschaft  für  immer  von  Ausbeutung,  Unterdrückung ­
  und  Klassenkämpfeu  zu  befreien  —  dieser  Grundgedanke  gehört
einzig  und  ausschließlich  Marx  an.*)

*)  „Diesem  Gedanken",  sage  ich  in  der  Vorrede  zur  englischen  Uebersetzung,
  „der  nach  meiner  Ansicht  berufen  ist,  für  die  Geschichtswissenschaft ­
  denselben  Fortschritt  zu  begründen,  den  Darwin's  Theorie  für  die
Naturwissenschaft  begründet  hat  —  diesem  Gedanken  hatten  wir  beide
uns  schon  mehrere  Jahre  vor  1845  allmählig  genähert.  Wie  weit  ich
selbständig  mich  in  dieser  Richtung  voranbewegt,  zeigt  meine  „Lage  der
arbeitenden  Klasse  in  England".  Als  ich  aber  im  Frühjahr  1845
Marx  in  Brüssel  wieder  traf,  hatte  er  ihn  fertig  ausgearbeitet,  und
legte  ihn  mir  vor  in  fast  eben  so  klaren  Worten  wie  die,  worin  ich  ihn
oben  zusammengefaßt."
        <pb n="6" />
        5

Ich  habe  das  schon  oft  ausgesprochen;  eS  ist  aber  gerade  jetzt  nöthig,
daß  es  auch  vor  dem  Manifest  selbst  steht.
London,  28.  Juni  1883.  F.  Engels.

III.
Seit  Vorstehendes  geschrieben,  ist  wieder  eine  neue  deutsche  Auflage
des  Manifestes  nöthig  geworden,  und  es  hat  sich  auch  allerlei  mit  dem
Manifest  zugetragen,  das  hier  zu  erwähnen  ist.
Eine  zweite  russische  Uebersetzung  —  von  Vera  Sassulitsch  —  erschien
1882  in  Genf;  die  Vorrede  dazu  wurde  von  Marx  und  mir  verfaßt.
Leider  ist  mir  das  deutsche  Originalmanuskript  abhanden  gekommen,  ich
muß  also  aus  dem  Russischen  zurückübersetzen,  wodurch  die  Arbeit  keineswegs ­
  gewinnt.  Sie  lautet:
„Die  erste  russische  Ausgabe  des  „Manifests  der  Kommunistischen
Partei",  in  Bakunin's  Uebersetzung,  erschien  Anfangs  der  sechziger  Jahre
in  der  Druckerei  des  „Kolokol".  Damals  hatte  eine  russische  Ausgabe
dieser  Schrift  für  den  Westen  höchstens  die  Bedeutung  eines  literarischen
Kuriosums.  Heute  ist  eine  solche  Auffassung  nicht  mehr  möglich.  Einen
wie  beschränkten  Umfang  das  Verbreitungsgebiet  der  proletarischen  Bewegung ­
  hatte,  zur  Zeit  der  ersten  Veröffentlichung  des  Manifests
(Januar  1848),  zeigt  am  besten  das  letzte  Kapitel:  „Stellung  der  Kommunisten ­
  zu  den  verschiedenen  oppositionellen  Parteien".  Hier  fehlen
vor  allen  Rußland  und  die  Vereinigten  Staaten.  Es  war  die  Zeit,
wo  Rußland  die  letzte  große  Reserve  der  europäischen  Reaktion  bildete,
und  wo  die  Auswanderung  nach  den  Vereinigten  Staaten  die  überschüssigen ­
  Kräfte  des  europäischen  Proletariats  absorbirte.  Beide  Länder
versorgten  Europa  mit  Rohstoff  und  dienten  gleichzeitig  als  Märkte  für
den  Absatz  seiner  Jndnstrieprodukte.  Beide  erschienen  also,  in  dieser
oder  jener  Weise,  als  Stützen  der  europäischen  gesellschaftlichen  Ordnung.
„Wie  hat  sich  das  alles  heute  geändert!  Grade  die  europäische
Auswanderung  hat  die  kolossale  Entwicklung  des  nordamerikanischen
Ackerbaus  ermöglicht,  die  durch  ihre  Konkurrenz  das  große  wie  das
kleine  Grundeigenthnm  in  Europa  in  seinen  Grundfesten  erschüttert.
Sie  hat  zugleich  dm  Vereinigten  Staaten  die  Möglichkeit  gegeben,  an
die  Ausbeutung  ihrer  reichhaltigen  industriellen  Hülfsquellen  zu  gehn,
und  zwar  mit  solcher  Energie  und  auf  solchem  Maßstab,  daß  dies  in
kurzer  Zeit  dem  industriellen  Monopol  des  europäischen  Westens  ein
Ende  machen  muß.  Und  diese  beiden  Umstände  wirken  auch  auf
Amerika  in  revolutionärer  Richtung  zurück.  Das  kleine  und  mittlere
Grundeigenthum  der  selbstarbeitenden  Farmer,  die  Grundlage  der  ganzen
politischen  Ordnung  Amerikas,  erliegt  mehr  und  mehr  der  Konkurrenz
der  Riesenfarmen,  während  gleichzeitig  in  den-Jndustriebezirken  sich  zum
ersten  Mal  ein  zahlreiches  Proletariat  bildet  neben  einer  fabelhaften
Konzentration  der  Kapitale.
„Gehn  wir  nach  Rußland.  Zur  Zeit  der  Revolution  von  1848—49
sahen  nicht  nur  die  europäischen  Monarchen,  sondern  auch  die  europäischen ­
  Bourgeois  in  der  russischen  Intervention  die  einzige  Rettung  vor
dem,  damals  eben  erst  seine  Kräfte  gewahr  werdenden  Proletariat.  Sie
proklamirten  den  Zaren  zum  Haupt  der  europäischen  Reaktion.  Heute
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        —  6  —
sitzt  er  in  Gatschina  als  Kriegsgefangner  der  Revolution,  und  Rußland
bildet  die  Vorhut  der  revolutionären  Bewegung  Europas.
„Die  Aufgabe  des  kommunistischen  Mauifests  war  die  Proklamation
des  unvermeidlich  bevorstehenden  Untergangs  des  heutigen  bürgerlichen
Eigenthums.  In  Rußland  aber  finden  wir,  neben  der  sich  mit  Fieberhaft ­
  entwickelnden  kapitalistischen  Ordnung  und  dem  sich  eben  erst  bildenden ­
  bürgerlichen  Grundeigenthnm,  die  größere  Hälfte  des  Bodens
im  Gemeineigenthum  der  Bauern.
„Es  fragt  sich  nun:  Kaun  die  russische  Bauerngemeinde,  diese  allerdings ­
  schon  sehr  zersetzte  Form  des  urwüchsigen  Gemeiueigenthums  am
Boden,  unmittelbar  übergehn  in  eine  höhere  kommunistische  Form  des
Grundeigenthums,  oder  'muß  sie  vorher  denselben  Auflösungsprozeß
durchmachen,  der  sich  in  der  historischen  Entwicklung  des  Westens  darstellt  ?
„Die  einzige,  heute  mögliche  Antwort  auf  diese  Frage  ist  die  folgende.
Wenn  die  russische  Revolution  das  Signal  zu  einer  Arbeiterrevolution
im  Westen  wird,  sodaß  beide  einander  ergänzen,  dann  kaun  das  heutige
russische  Gemeineigenthum  zum  Ausgangspunkt  einer  kommunistischen
Entwicklung  dienen.
„London,  21.  Januar  1882."
Eine  neue  polnische  Uebersetzung  erschien  um  dieselbe  Zeit  in  Genf:
Manifest  kommunistyczny.
Ferner  ist  eine  neue  dänische  Uebersetzung  erschienen  in  „Socialdemokratisk
  Bibliothek,  Kjöbenhavn  1885."  Sie  ist  leider  nicht  ganz  vollständig ­
  ;  einige  wesentliche  Stellen,  die  dem  Uebersetzer  Schwierigkeit
gemacht  zu  haben  scheinen,  sind  ausgelassen,  und  auch  sonst  hier  und  da
Spuren  von  Flüchtigkeit  zu  bemerken,  die  um  so  unangenehmer  auffallen, ­
  als  man  der  Arbeit  ansieht,  daß  der  Uebersetzer  bei  etwas  mehr
Sorgfalt  Vorzügliches  hätte  leisten  können.
1886  erschien  eine  neue  französische  Uebersetzung  in  Le  Losialiste,
Paris;  es  ist  die  beste  bisher  erschieucne.
Nach  ihr  wurde  im  selben  Jahr  eine  spanische  Uebertragung  zuerst  im
Madrider  El  Socialista,  und  dann  als  Broschüre  veröffentlicht:  Manifiesto
  del  Partido  Oomunista  por  Carlos  Marx  y  F.  Engels,  Madrid,
Administracion  de  El  Socialista,  Hernan  Cortes  8.
Als  Kuriosum  erwähne  ich  noch,  daß  1887  das  Manuskript  einer
armenischen  Uebersetzung  einem  konstantlnopolitanischcn  Verleger  angeboten ­
  wurde;  der  gute  Mann  hatte  jedoch  nicht  den  Muth,  etwas  zu
drucken,  worauf  der  Name  Marx  stand,  und  meinte,  der  Uebersetzer
solle  sich  lieber  selbst  als  Verfasser  nennen,  was  dieser  jedoch  ablehnte.
Nachdem  bald  die  eine,  bald  die  andre  der  mehr  oder  minder  unrichtigen ­
  amerikanischen  Uebersetznngen  mehrfach  in  England  wieder
abgedruckt  worden,  erschien  endlich  eine  authentische  Uebersetzung  im
Jahre  1888.  Sie  ist  von  meinem  Freund  Samuel  Moore,  und  vor
dem  Druck  von  uns  beiden  nochmals  zusammen  durchgesehn.  Der  Titel
ist:  Manifesto  of  the  Communist  Party,  by  Karl  Marx  and  Frederick
Engels.  Authorized  English  Translation,  edited  and  annotated  by
Frederick  Engels.  1888.  London,  William  Reeves,  185  Fleet  st.  E.  C.
Einige  der  Anmerkungen  dieser  Ausgabe  habe  ich  in  die  gegenwärtige
herübergenommen.
DaS  Manifest  hat  einen  eignen  Lebenslauf  gehabt.  Im  Augenblick
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        seines  Erscheinens  von  der,  damals  noch  wenig  zahlreichen  Vorhut  des
wissenschaftlichen  Sozialismus  enthusiastisch  begrüßt  (wie  die  in  der
ersten  Vorrede  angeführten  Uebersetzungen  beweisen),  wurde  es  bald  in
den  Hintergrund  gedrängt  durch  die,  mit  der  Niederlage  der  Pariser
Arbeiter  im  Juni  1848  beginnende  Reaktion,  und  schließlich  „von
Rechtswegen"  in  Acht  und  Bann  erklärt  durch  die  Verurtheilung  der
Kölner  Kommunisten  November  1852.  Mit  dem  Verschwinden  der,  von
der  Februarrevolution  datirenden,  Arbeiterbewegung  von  der  öffentlichen
Bühne  trat  auch  das  Manifest  in  den  Hintergrund.
Als  die  europäische  Arbeiterklasse  sich  wieder  hinreichend  gestärkt  hatte
zu  einem  neuen  Anlauf  gegen  die  Macht  der  herrschenden  Klassen,  entstand ­
  die  Internationale  Arbeiter-Assoziation.  Sie  hatte  zum  Zweck,
die  gesammte  streitbare  Arbeiterschaft  Europas  und  Amerikas  zu  Einem
großen  Heereskörper  zu  verschmelzen.  Sie  konnte  daher  nicht  a  u  s  -
gehn  von  den  im  Manifest  niedergelegten  Grundsätzen.  Sie  mußte
ein  Programm  haben,  das  den  englischen  Trabes  Unions,  den  französischen, ­
  belgischen,  italienischen  und  spanischen  Prondhonisten,  und  den
deutschen  Lassalleanern*)  die  Thür  nicht  verschloß.  Dies  Programm  —
die  Erwägungsgründe  zu  den  Statuten  der  Internationale,  wurde  von
Marx  mit  einer  selbst  von  Bakunin  und  den  Anarchisten  anerkannten
Meisterschaft  entworfen.  Für  den  schließlichcn  Sieg  der  im  Manifest
aufgestellten  Sätze  verließ  sich  Marx  einzig  und  allein  auf  die  intellektuelle ­
  Entwicklung  der  Arbeiterklasse,  wie  sie  aus  der  vereinigten  Aktion
und  der  Diskussion  nothwendig  hervorgehn  mußte.  Die  Ereignisse  und
Wechselfälle  im  Kampf  gegen  das  Kapital,  die  Niederlagen  noch  mehr
als  die  Erfolge,  konnten  nicht  umhin,  den  Kämpfenden  die  Unzulänglichkeit ­
  ihrer  bisherigen  Allerweltsheilmittel  klar  zu  legen  und  ihre
Köpfe  empfänglicher  zu  machen  für  eine  gründliche  Einsicht  in  die  wahren
Bedingungen  der  Arbeiter-Emanzipation.  Und  Marx  hatte  Recht.  Die
Arbeiterklasse  von  1814,  bei  der  Auflösung  der  Internationale,  war  eine
ganz  andre  als  die  von  1864,  bei  ihrer  Gründung,  gewesen  war.  Der
Proudhonismus  in  den  romanischen  Ländern,  der  spezifische  Lassalleanismus
  in  Deutschland,  waren  am  Ansstcrben,  und  selbst  die  damaligen
stockkonservativen  englischen  Trades  Unions  gingen  allmählig  dem  Punkt
entgegen,  wo  1887  der  Präsident  ihres  Kongresses,  in  Swansea,  in
ihrem  Namen  sagen  konnte:  „Der  kontinentale  Sozialismus  hat  seine
Schrecken  für  uns  verloren."  Der  kontinentale  Sozialismus,  der  war
aber  schon  1887  fast  nur  noch  die  Theorie,  die  im  Manifest  verkündet
wird.  Und  so  spiegelt  die  Geschichte  des  Manifests  bis  zu  einem  gewissen ­
  Grade  die  Geschichte  der  modernen  Arbeiterbewegung  seit  1848
wieder.  Gegenwärtig  ist  es  unzweifelhaft  das  weitest  verbreitete,  das
internationalste  Produkt  der  gelammten  sozialistischen  Literatur,  das
gemeinsanie  Programm  vieler  Millionen  von  Arbeitern  aller  Länder  von
Sibirien  bis  Kalifornien.
Und  doch,  als  es  erschien,  hätten  wir  es  nicht  ein  sozialistisches

*)  Lassalle  bekannte  sich  persönlich,  uns  gegenüber,  stets  als  „Schüler"
von  Marx,  und  stand  als  solcher  selbstredend  auf  dem  Boden  des  Manifests. ­
  Anders  mit  denjenigen  seiner  Anhänger,  die  nicht  über  seine
Forderung  von  Produktivgenossenschaften  mit  Staatskredit  hinausgingen
und  die  ganze  Arbeiterklasse  eintheilten  in  Staatshülsler  und  Selbsthnlfler.
        <pb n="9" />
        8

Manifest  nennen  dürfen.  Unter  Sozialisten  verstand  man  1847  zweierlei
Art  von  Leuten.  Einerseits  die  Anhänger  der  verschiedenen  ntopistischen
Systeme,  speziell  die  Owenisten  in  England  und  die  Fourieristen  in
Frankreich,  die  beide  schon  damals  zu  bloßen,  allmählig  aussterbenden
Sekten  zusammengeschrumpft  waren.  Andrerseits  die  mannichfaltigsten
sozialen  Quacksalber,  die  mit  ihren  verschiedenen  Allerweltheilmttteln
und  mit  jeder  Art  von  Flickarbeit  die  gesellschaftlichen  Mißstände  beseitigen ­
  wollten,  ohne  dem  Kapital  und  dem  Profit  im  Geringsten  wehe
zu  thun.  In  beiden  Fällen:  Leute,  die  außerhalb  der  Arbeiterbewegung
standen,  und  die  vielinehr  Unterstützung  suchten  bei  den  „gebildeten"
Klassen.  Derjenige  Theil  der  Arbeiter  dagegen,  der,  von  der  Unzulänglichkeit ­
  bloßer  politischer  Umwälzungen  überzeugt,  eine  gründliche  Umgestaltung ­
  der  Gesellschaft  forderte,  der  Theil  nannte  sich  damals  k  o  mm
  u  n  i  st  i  s  ch.  Es  war  ein  nur  im  Rauhen  gearbeiteter,  nur  instinktiver,
manchmal  etwas  roher  Kommunismus;  aber  er  war  mächtig  genug,  um
zwei  Systeme  des  utopischen  Kommunismus  zu  erzeugen,  in  Frankreich
den  „ikarischen"  Cabet's,  in  Deutschland  den  von  Weitling.  Sozialismus
bedeutete  1847,  eine,  Bourgeoisbewegnng,  Kommunismus  eine  Arbeiterbewegung. ­
  Der  Sozialismus  war,  aus  dem  Kontinent  wenigstens,  salonfähig ­
  ,  der  Kommunismus  war  das  grade  Gegentheil.  Und  da  wir
schon  damals  sehr  entschieden  der  Ansicht  waren,  daß  „die  Emanzipation
der  Arbeiter  das  Werk  der  Arbeiterklasse  selbst  sein  ninß",  so  konnten
wir  keinen  Augenblick  im  Zweifel  sein,  welchen  der  beiden  Namen  zu
wählen.  Auch  seitdem  ist  es  uns  nie  eingefallen,  ihn  zurückzuweisen.
„Proletarier  aller  Länder,  vereinigt  euch!"  Nur  wenige  Stimmen
antworteten,  als  wir  diese  Worte  in  die  Welt  binausriefen,  vor  nunmehr ­
  42  Jahren,  am  Vorabend  der  ersten  Pariser  Revolution,  worin
das  Proletariat  mit  eignen  Ansprüchen  hervortrat.  Aber  am  28.  September ­
  1864  vereinigten  sich  Proletarier  der  meisten  westeuropäischen
Länder  zur  Internationalen  Arbeiter-Assoziation  glorreichen  Angedenkens.
Die  Internationale  selbst  lebte  allerdings  nur  neun  Jahre.  Aber  daß  der
von  ihr  gegründete  ewige  Bund  der  Proletarier  aller  Länder  noch  lebt,
und  kräftiger  lebt  als  je,  dafür  gibt  es  keinen  bessern  Zeugen  als  grade
den  heutigen  Tag.  Denn  heute,  wo  ich  diese  Zeilen  schreibe,  hält  das
europäische  und  amerikanische  Proletariat  Heerschan  über  seine  zum  ersten
Mal  mobil  gemachten  Streitkräfte,  mobil  gemacht  als  Ein  Heer,  unter
Einer  Fahne  und  für  Ein  nächstes  Ziel:  den  schon  vom  Genfer  Kongreß
der  Internationale  1866,  und  wiederum  vom  Pariser  Arbeiterkougreß
1889  proklamirten,  gesetzlich  festzustellenden,  achtstündigen  Normalarbeiistag.
  Und  das  Schauspiel  des  heutigen  Tages  wird  den  Kapitalisten
und  Grundherren  aller  Länder  die  Angen  darüber  öffnen,  daß  heute
die  Proletarier  aller  Länder  in  der  That  vereinigt  sind.
Stände  nur  Marx  noch  neben  mir,  dies  mit  eignen  Angln  zu  sehn!
London,  am  1.  Mai  1890.

F.  Engels
        <pb n="10" />
        Ein  Gespenst  geht  um  in  Europa  —  das  Gespenst  des  Kommunismus. ­
  Alle  Mächte  des  alten  Europa  haben  sich  zu  einer  heiligen
Hetzjagd  gegen  dies  Gespenst  verbündet,  der  Papst  und  der  Zar,
Metternich  und  Guizot,  französische  Radikale  und  deutsche  Polizisten.
Wo  ist  die  Oppositionspartei,  die  nicht  von  ihren  regierenden  Gegnern
als  kommunistisch  verschrieen  worden  wäre,  wo  die  Oppositionspartei,
die  den  fortgeschritteneren  Oppositionslcnten  sowohl  wie  ihren  reaktionären ­
  Gegnern  den  brandmarkenden  Vorwurf  des  Kommunismus
nicht  zurückgeschlendert  hätte?
Zweierlei  geht  aus  dieser  Thatsache  hervor.
Der  Kommunismus  wird  bereits  von  allen  europäischen  Mächten  als
eine  Macht  anerkannt.
Es  ist  hohe  Zeit,  daß  die  Kommunisten  ihre  Anschauungsweise,  ihre
Zwecke,  ihre  Tendenzen  vor  der  ganzen  Welt  offen  darlegen  und  dem
Märchen  vom  Gespenst  des  Kommunismus  ein  Manifest  der  Partei
selbst  entgegenstellen.
Zu  diesem  Zweck  haben  sich  Kommunisten  der  verschiedensten  Nationalität ­
  in  London  versammelt  und  das  folgende  Manifest  entworfen,
das  in  englischer,  französischer,  deutscher,  italienischer,  flämischer  und
dänischer  Sprache  veröffentlicht  wird.
I.
Bourgeois  und  Proletarier.
Die  Geschichte  aller  bisherigen  Gesellschaft*)  ist  die  Geschichte  von
Klassenkämpfen.
Freier  und  Sklave,  Patrizier  und  Plebejer,  Baron  und  Leibeigener,
Zunftbiirger  und  Gesell,  kurz,  llnterdrücker  und  Unterdrückte  standen  in
stetem  Gegensatz  zu  einander,  führten  einen  ununterbrochenen,  bald  versteckten, ­
  bald  offenen  Kampf,  einen  Kampf,  der  jedesmal  mit  einer  rcvo-*)

  Das  heißt,  genau  gesprochen,  die  schriftlich  überlieferte  Geschichte. ­
  1847  war  die  Vorgeschichte  der  Gesellschaft,  die  gesellschaftliche
Organisation,  die  aller  niedergeschriebenen  Geschichte  vorausging,  noch
so  gut  wie  unbekannt.  Seitdem  hat  Haxthausen  das  Gemeineigenthum
am  Boden  in  Rußland  entdeckt,  Maurer  hat  es  nachgewiesen  als  die
gesellschaftliche  Grundlage,  wovon  alle  deutschen  Stämme  geschichtlich
ausgingen,  und  allmählig  fand  man,  daß  Dorfgemeinden  mit  gemeinsamem ­
  Bodenbesitz  die  Urform  der  Gesellschaft  waren  von  Indien  bis
Irland.  Schließlich  wurde  die  innere  Organisation  dieser  urwüchsigen
kommunistischen  Gesellschaft  in  ihrer  typischen  Form  bloßgelegt  durch
        <pb n="11" />
        10

lutionären  Umgestaltung  der  ganzen  Gesellschaft  endete  oder  mit  dem
gemeinsamen  Untergang  der  kämpfenden  Klassen.
In  den  früheren  Epochen  der  Geschichte  finden  wir  fast  überall  eine
vollständige  Gliederung  der  Gesellschaft  in  verschiedene  Stände,  eine
mannigfaltige  Abstufung  der  gesellschaftlichen  Stellungen.  Im  alten  Nom
haben  wir  Patrizier,  Ritter,  Plebejer,  Sklaven;  im  Mittelalter  Feudalherren, ­
  Vasallen,  Zunftbürger,  Gesellen,  Leibeigene  und  noch  dazu  in
fast  jeder  dieser  Klassen  wieder  besondere  Abstufungen.
Die  ans  dem  Untergang  der  feudalen  Gesellschaft  hervorgegangene
moderne  bürgerliche  Gesellschaft  hat  die  Klassengegensätze  nicht  aufgehoben.
  Sie  hat  nur  neue  Klassen,  neue  Bedingungen  der  Unterdrückung,
Nene  Gestaltungen  des  Kampfes  an  die  Stelle  der  alten  gesetzt.
Unsere  Epoche,  die  Epoche  der  Bourgeoisie,  zeichnet  sich  jedoch  dadurch
aus,  daß  sie  die  Klassengegensätze  vereinfacht  hat.  Die  ganze  Gesellschaft
spaltet  sich  mehr  und  mehr  i»  zwei  große  feindliche  Lager,  in  zwei  große,.
einander  direkt  gegenüberstehende  Klassen:  Bourgeoisie  und  Proletariats
Aus  den  Leibeigenen  des  Mittelalters  gingen  die  Pfahlbürger  der
ersten  Städte  hervor;  ans  dieser  Pfahlbürgerschaft  entwickelten  sich  die
ersten  Elemente  der  Bourgeoisie.
Die  Entdeckung  Amerika's,  die  Umschiffung  Afrika's  schufen  der  aufkommenden ­
  Bourgeoisie  ein  neues  Terrain.  Der  ostindische  und  chinesische ­
  Markt,  die  Kolonisirnng  von  Amerika,  der  Austausch  mit  den
Kolonien,  die  Vermehrung  der  Tauschmittel  und  der  Waaren  überhaupt
gaben  dem  Handel,  der  Schifffahrt,  der  Industrie  einen  nie  gekannten
Aufschwung  und  damit  dem  revolutionären  Element  in  der  zerfallenden
feudalen  Gesellschaft  eine  rasche  Entwicklung.
Die  bisherige  feudale  oder  zünftige  Betriebsweise  der  Industrie
reichte  nicht  mehr  ans  für  den  mit  neuen  Märkten  anwachsenden  Bedarf.
Die  Manufaktur  trat  an  ihre  Stelle.  Die  Zunftmeister  wurden  verdrängt ­
  durch  den  industriellen  Mittelstand;  die  Theilung  der  Arbeit
zwischen  den  verschiedenen  Korporationen  verschwand  vor  der  Theilung
der  Arbeit  in  der  einzelnen  Werkstatt  selbst.
Aber  immer  wuchsen  die  Märkte,  immer  stieg  der  Bedarf.  Auch  die
Manufaktur  reichte  nicht  mehr  aus.  Da  revolutionirte  der  Dampf  und
die  Maschinerie  die  industrielle  Produktion.  An  die'  Stelle  der  Manufaktur ­
  trat  die  moderne  große  Industrie,  an  die  Stelle  des  industriellen'
Mittelstandes  traten  die  industriellen  Millionäre,  die  Chefs  ganzer  industrieller ­
  Armeen,  die  modernen  Bourgeois.
Die  große  Industrie  hat  den  Weltmarkt  hergestellt,  den  die  Entdeckung ­
  Amerika's  vorbereitete.  Der  Weltmarkt  hat  dem  Handel,  der
Schifffahrt,  den  Land-Kommuüikationen  eine  unermeßliche  Entwicklung
gegeben.  Diese  hat  wieder  auf  die  Ausdehnung  der  Industrie  zurückgewirkt, ­
  und  in  demselben  Maße,  worin  Industrie,  Handel,  Schifffahrt,
Eisenbahnen  sich  ausdehnten,  ln  demselben  Maße  entwickelte  sich  die
Bourgeoisie,  veriuehrte  sie  ihre  Kapitalien,  drängte  sie  alle  vom  Mittelalter
  her  überlieferten  Klassen  in  den  Hintergrund.

Morgan's  krönende  Entdeckung  der  wahren  Natur  der  Gens  und  ihrer
Stellung  im  Stamm.  Mit  der  Auflösung  dieser  ursprünglichen  Gemeinwesen ­
  beginnt  die  Spaltung  der  Gesellschaft  ln  besondre  und  schließlich
einander  entgegengesetzte  Klassen.
        <pb n="12" />
        11  -

Wir  sehen  also,  wie  die  moderne  Bourgeoisie  selbst  das  Produkt
eines  langen  Entwicklungsganges,  einer  Reihe  von  Umwälzungen  in  der
ProdukliouS-  und  Lerkehrsweise  ist.
Jede  dieser  Entwicklungsstufen  der  Bourgeoisie  war  begleitet  von
einem  entsprechenden  politischen  Fortschritt.  Unterdrückter  Stand  unter
der  Herrschaft  der  Feudalherren,  bewaffnete  und  sich  selbst  verwaltende
Assoziation  in  der  Kommune*),  hier  unabhängige  städtische  Republik,  dort
dritter  steuerpflichtiger  Stand  der  Monarchie,  daun  zur  Zeit  der  Manufaktur ­
  Gegengewicht  gegen  den  Adel  in  der  ständischen  oder  in  der
absoluten  Monarchie,  Hanptgrnudlage  der  großen  Monarchien  überhaupt,
erkämpfte  sie  sich  endlich  seit  der  Herstellung  der  großen  Industrie  und
des  Weltmarktes  im  modernen  Repräsentativstaat  die  ausschließliche
politische  Herrschaft.  Die  moderne  Staatsgewalt  ist  nur  ein  Ausschuß,
der  die  gemeinschaftlichen  Geschäfte  der  ganzen  Bonrgeoisklasse  verwaltet.
Die  Bourgeoisie  hat  in  der  Geschichte  eine  höchst  revolutionäre  Rolle
gespielt.
Die  Bourgeoisie,  wo  sie  zur  Herrschaft  gekommen,  hat  alle  feudalen,
patriarchalischen,  idyllischen  Verhältnisse  zerstört.  Sie  hat  die  buntscheckigen ­
  Fendalbande,  die  den  Menschen  an  seinen  natürlichen  Vorgesetzten ­
  knüpften,  unbarmherzig  zerrissen  und  kein  anderes  Band  zwischen
Mensch  und  Mensch  übrig  gelassen,  als  das  nackte  Interesse,  als  die
gefühllose  „baare  Zahlung".  Sie  hat  die  heiligen  Schauer  der  frommen
Schwärmerei,  der  ritterlichen  Begeisterung,  der  spießbürgerlichen  Wehmuth ­
  in  dem  eiskalten  Wasser  egoistischer  Berechnung  ertränkt.  Sie  hat
die  persönliche  Würde  in  den  Tanschwerth  aufgelöst  und  an  die  Stelle
der  zahllosen  verbrieften  und  wohlerworbenen  Freiheiten  die  Eine  gewissenlose ­
  Handelsfreiheit  gesetzt.  Sie  hat,  mit  einem  Wort,  an  die
Stelle  der  mit  religiösen  und  politischen  Illusionen  verhüllten  Ausbeutung ­
  die  offene,  unverschämte,  direkte,  dürre  Ausbeutung  gesetzt.
Die  Bourgeoisie  hat  alle  bisher  ehrwürdigen  und  mit  frommer  Scheu
betrachteten  Thätigkeiten  ihres  Heiligenscheins  entkleidet.  Sie  hat  den
Arzt,  den  Juristen,  den  Pfaffen,  den  Poeten,  den  Plann  der  Wissenschaft
in  ihre  bezahlten  Lohnarbeiter  verwandelt.
Die  Bourgeoisie  hat  dem  Familienverhältniß  seinen  rührend-sentimentalen ­
  Schleier  abgerissen  und  es  ans  ein  reines  Geldverhältniß
zurückgeführt.
Die  Bourgeoisie  hat  enthüllt,  wie  die  brutale  Kraftäußerung,  die  die
Reaktion  so  sehr  am  Mittelalter  bewundert,  in  der  trägsten  Bärenhänterei
ihre  passende  Ergänzung  fand.  Erst  sie  hat  bewiesen,  was  die  Thätigkeit
der  Menschen  zu  Stande  bringen  kann.  Sie  hat  ganz  andere  Wunderwerke ­
  vollbracht  als  ägyptische  Pyramiden,  römische  Wasserleitungen  und
gothische  Kathedralen,  sie  hat  ganz  andere  Züge  ausgeführt,  als  Völkerwanderungen ­
  und  Krenzzüge.
Die  Bourgeoisie  kan»  nicht  existiren,  ohne  die  Produktionsinstrumente,:
also  die  Produktionsverhältnisse,  also  sämmtliche  gesellschaftlichen  Vcrhältnisse
  fortwährend  zu  revolntioniren.  Unveränderte  Beibehaltung  der
alten  Produktionsweise  war  dagegen  die  erste  Existenzbedingung  aller

So  nannten  die  Städtcbnrger  Italiens  und  Frankreichs  ihr  städtisches ­
  Gemeinwesen,  nachdem  sie  die  ersten  Sclbstoerwaltnngsrechte  ihren
Feudalherren  abgekauft  oder  abgezwungen  hatten.
        <pb n="13" />
        12

früheren  industriellen  Klassen.  Die  fortwährende  Umwälzung  der  Produktion, ­
  die  ununterbrochene  Erschütterung  aller  gesellschaftlichen  Zustände, ­
  die  ewige  Unsicherheit  und  Bewegung  zeichnet  die  Bourgeoisepoche
  vor  allen  anderen  aus.  Alle  festen,  eingerosteten  Verhältnisse  mit
ihrem  Gefolge  von  altehrwürdigen  Vorstellungen  und  Anschauungen
werden  aufgelöst,  alle  nengebildeten  veralten,  ehe  sie  verknöchern  können.
Alles  Ständische  und  Stehende  verdampft,  alles  Heilige  wird  entweiht,
und  die  Menschen  sind  endlich  gezwungen,  ihre  Lebensstellung,  ihre  gegenseitigen ­
  Beziehungen  mit  nüchternen  Augen  agzusehn.
Das  Bedürfniß  nach  einem  stets  ausgedehnteren  Absatz  für  ihre  Produkte ­
  jagt  die  Bourgeoisie  über  die  ganze  Erdkugel.  Ueberall  muß  sie  sich
einnisten,  überall  anbauen,  überall  Verbindungen  herstellen.
Die  Bourgeoisie  hat  durch  ihre  Exploitation  des  Weltmarkts  die  Produktion ­
  und  Konsumtion  aller  Länder  kosmopolitisch  gestaltet.  Sie  hat
zum  großen  Bedauern  der  Reaktionäre  den  nationalen  Boden  der  Industrie ­
  unter  den  Füßen  weggezogen.  Die  uralten  nationalen  Industrien
sind  vernichtet  worden  und  werden  noch  täglich  vernichtet.  Sie  werden
verdrängt  durch  neue  Industrien,  deren  Einführung  eine  Lebensfrage
für  alle  zivilisirten  Nationen  wird,  durch  Industrien,  die  nicht  mehr  einheimische ­
  Rohstoffe,  sondern  den  entlegensten  Zonen  angehörige  Rohstoffe
verarbeiten  und  deren  Fabrikate  nicht  nur  im  Lande  selbst,  sondern  in
allen  Welttheilen  zugleich  verbraucht  werden.  An  die  Stelle  der  alten,
durch  Landeserzengnisse  befriedigten  Bedürfnisse  treten  neue,  welche  die
Produkte  der  entferntesten  Länder  und  Klimate  zu  ihrer  Befriedigung
erheischen.  An  die  Stelle  der  alten  lokalen  und  nationalen  Selbstgenügsamkeit ­
  und  Abgeschlossenheit  tritt  ein  allseitiger  Verkehr,  eine  allseitige
Abhängigkeit  der  Nationen  von  einander.  Und  wie  in  der  materiellen,
so  auch  in  der  geistigen  Produktion.  Die  geistigen  Erzeugnisse  der  einzelnen ­
  Nationen  werden  Gemeingut.  Die  nationale  Einseitigkeit  und
Beschränktheit  wird  mehr  und  mehr  unmöglich,  und  ans  den  vielen
nationalen  und  lokalen  Literaturen  bildet  sich  eine  Weltliteratur.
Die  Bourgeoisie  reißt  durch  die  rasche  Verbessernng  aller  Produktionsinstrumente, ­
  durch  die  unendlich  erleichterten  Kommunikationen  alle,
auch  die  barbarischsten  Nationen  in  die  Zivilisation.  Die  wohlfeilen
Preise  ihrer  Waaren  sind  die  schwere  Artillerie,  mit  der  sie  alle  chinesischen ­
  Mauern  in  den  Grund  schießt,  mit  der  sie  den  hartnäckigsten
Fremdenhaß  der  Barbaren  zur  Kapitulation  zwingt.  Sie  zwingt  offfT
Nationen,  die  Produktionsweise  der  Bourgeoisie  sich  anzueignen,  wenn  sie
nicht  zu  Grunde  gehn  wollen;  sie  zwingt  sie,  die  sogeuauntc  Zivilisation
bei  sich  selbst  einzuführen,  d.  h.  Bourgeois  zu  werden.  Mit  einem  Wort,
sie  schafft  sich  eine  Welt  nach  ihrem  eigenen  Bilde.
Die  Bourgeoisie  hat  das  Land  der  Herrschaft  der  Stadt  unterworfen.
Sie  hat  enorme  Städte  geschaffen,  sie  hat  die  Zahl  der  städtischen  Bevölkerung ­
  gegenüber  der  ländlichen  in  hohem  Grade  vermehrt  und  so
einen  bedeutenden  Theil  der  Bevölkerung  dem  Idiotismus  des  Landlebens ­
  entrissen.  Wie  sie  das  Land  von  der  Stadt,  hat  sie  die  barbarischen ­
  und  halb  barbarischen  Länder  von  den  zivilisirten,  die  Baueruvölker
von  den  Bourgeoisvölkern,  den  Orient  vom  Oecident  abhängig  gemacht.
Die  Bourgeoisie  hebt  mehr  und  mehr  die  Zersplitterung  der  Produktionsmittel, ­
  des  Besitzes  und  der  Bevölkerung  ans.  Sie  hat  die  Bevölkerung ­
  agglomerirt,  die  Produktionsmittel  zentralisirt  und  das  Eigenthum
        <pb n="14" />
        13

in  wenigen  Händen  konzentrirt.  Die  nothwendige  Folge  hiervon  war  die
politische  Zentralisation.  Unabhängige,  fast  nur  oerbiiiidete  Provinzen
mit  verschiedenen  Interessen,  Gesetzen,  Regierungen  und  Zöllen  wurde»
zusammengedrängt  in  Eine  Nation,  Eine  Regierung,  Ein  Gesetz,  Ein
S nales  Klasseninteresse,  Eine  Douanenliuie.
e  Bourgeoisie  hat  in  ihrer  kaum  hundertjährigen  Klassenherrschaft
nhaftere  und  kolossalere  Produktionskräfte  geschaffen,  als  alle  verdien ­
  Generationen  zusammen.  Unterjochung  der  Naturkräfte,  Maicyinerie,
  Anwendung  der  Chemie  auf  Industrie  und  Ackerbau,  Dampfschifffahrt, ­
  Eisenbahnen,  elektrische  Telegraphen,  Urbarmachung  ganzer
Welttheile,  Schiffbarmachung  der  Flüsse,  ganze  aus  dem  Boden  hervorgestaiiipfteBevölkerungen—welches
  frühere  Jahrhundert  ahnte,  daß  solche
j^Produktionskräfte  im  Schooße  der  gesellschaftlichen  Arbeit  schlummerten.
Wir  haben  also  gesehn:  Die  Produktions-  und  Verkehrsmittel,  auf
deren  Grundlage  sich  die  Bourgeoisie  heranbildete,  wurden  in  der
feudalen  Gesellschaft  erzeugt.  Auf  einer  gewissen  Stufe  der  Entwicklung
dieser  Produktions-  und  Verkehrsmittel  entsprachen  die  Verhältnisse,
worin  die  feudale  Gesellschaft  produzirte  und  austauschte,  die  feudale
Organisation  der  Agrikultur  und  Manufaktur,  mit  einem  Wort  die
feudalen  Eigeuthnmsverhältnisse  den  schon  entwickelten  Produktivkräften
nicht  mehr.  Sie  hemmten  die  Produktion,  statt  sie  zu  fördern.  Sie
verwandelten  sich  in  eben  so  viele  Fesseln.  Sie  mußten  gesprengt  werden,
sie  wurden  gesprengt.
Ali  ihre  Stelle  trat  die  freie  Konkurrenz  mit  der  ihr  angemessenen
gesellschaftlichen  und  politischen  Konstitution,  mit  der  ökonomischen  und
politischen  Herrschaft  der  Bourgeoisklasse.
Unter  unsern  Augen  geht  eine  ähnliche  Bewegung  vor.  Die  bürger-/
  lichen  Produktions-  und  Verkehrsverhältnisse,  die  bürgerlichen  Eigenthumsverhältnisse, ­
  die  moderne  bürgerliche  Gesellschaft,  die  so  gewaltige
Produktions-  und  Verkehrsmittel  hervorgezaubert  hat,  gleicht  dem
Hexenmeister,  der  die  unterirdischen  Gewalten  nicht  mehr  zu  beherrschen
vermag,  die  er  heraufbeschwor.  Seit  Dezennien  ist  die  Geschichte  der
Industrie  und  des  Handels  nur  die  Geschichte  der  Empörung  der
modernen  Produktivkräfte  gegen  die  modernen  Produktionsverhältnisse,
gegen  die  Eigeuthumsverhöltllisse,  welche  die  Lebcnsbedingnngeu  der
Bourgeoisie  und  ihrer  Herrschaft  sind.  Es  genügt,  die  Handelskrisen  zu
neunen,  welche  in  ihrer  periodischen  Wiederkehr  immer  drohender  die
Existenz  der  ganzen  bürgerlichen  Gesellschaft  in  Frage  stellen.  In
den  Handelskrisen  wird  ein  großer  Theil  nicht  nur  der  erzeugten
Produkte,  sondern  der  bereits  geschaffenen  Produktivkräfte  regelmäßig
vernichtet.  In  den  Krisen  bricht  eine  gesellschaftliche  Epidemie  aus,  welche
allen  früheren  Epochen  als  ein  Widersinn  erschienen  wäre  —  die  Epidemie ­
  der  Ueberproduktion.  Die  Gesellschaft  findet  sich  plötzlich  in  einen
Zustand  momentaner  Barbarei  zurückversetzt;  eine  Hungersnoth,  ein
allgemeiner  Vernichtungskrieg  scheinen  ihr  alle  Lebensmittel  abgeschnitten
zu  haben;  die  Industrie,  der  Handel  scheinen  vernichtet,  und  warum?
Weil  sie  zn  viel  Zivilisation,  zu  viel  Lebensmittel,  zu  viel  Industrie,
zu  viel  Handel  besitzt.  Die  Produktivkräfte,  die  ihr  zur  Verfügung
stehn,  dienen  nicht  mehr  zur  Beförderung  der  bürgerlichen  Eigenthumsverhältnisse ­
  ;  im  Gegentheil,  sie  find  zu  gewaltig  für  diese  Verhältnisse
geworden,  sie  werden  von  ihnen  gehemmt;  und  sobald  sie  dies  Hemnu
        <pb n="15" />
        14

niß  überwinden,  bringen  sie  die  ganze  bürgerliche  Gesellschaft  in  Unordnung, ­
  gefährden  sie  die  Existenz  des  bürgerlichen  Eigenthums.  Die
bürgerlichen  Verhältnisse  sind  zu  eng  geworden,  um  den  von  ihnen  erzeugten ­
  Reichthum  fassen.  —  Wodurch  überwindet  die  Bourgeoisie  die
Krisen?  Einerseits  durch  die  erzwungene  Vernichtung  einer  Masse  von
Produktivkräften;  anderseits  durch  die  Eroberung  neuer  Märkte,  und
die  gründlichere  Ausbeutung  alter  Märkte.  Wodurch  also?  Dadurch,
daß  sie  allseitigere  und  gewaltiger:  Krisen  vorbereitet  und  die  Mittel,
den  Krisen  vorzubeugen,  vermindert.
Die  Waffen,  womit  die  Bourgeoisie  den  Feudalismus  zu  Boden  geschlagen ­
  hat,  richten  sich  jetzt  gegen  die  Bourgeoisie  selbst.
Aber  die  Bourgeoisie  hat  nicht  nur  die  Waffen  geschmiedet,  die  ihr
den  Tod  bringen;  sie  hat  auch  die  Männer  gezeugt,  die  diese  Waffen
führen  werden  —  die  modernen  Arbeiter,  die  Proletarier.
In  demselben  Maße,  worin  sich  die  Bourgeoisie,  d.  h.  das  Kapital,
entwickelt,  in  demselben  Maße  entwickelt  sich  das  Proletariat,  die  Klasse
der  modernen  Arbeiter,  die  nur  so  lange  leben,  als  sie  Arbeit  finden,
und  die  nur  so  lange  Arbeit  finden,  als  ihre  Arbeit  das  Kapital  vermehrt. ­
  Diese  Arbeiter,  die  sich  stückweis  verkaufen  müssen,  sind  eine
Waare,  wie  jeder  andere  Handelsartikel,  und  daher  gleichmäßig  allen
Wechselfällen  der  Konkurrenz,  allen  Schwankungen  des  Marktes  ansgesetzt.
Die  Arbeit  der  Proletarier  hat  durch  die  Ausdehnung  der  Maschinerie
und  die  Theilung  der  Arbeit  allen  selbstständigen  Charakter  und  damit
allen  Reiz  für  die  Arbeiter  verloren.  Er  wird  ein  bloßes  Zubehör  der
Maschine,  von  dem  nur  der  einfachste,  eintönigste,  am  leichtesten  erlernbare ­
  Handgriff  verlangt  wird.  Die  Kosten,  die  der  Arbeiter  verursacht,
beschränken  sich  daher  fast  nur  auf  die  Lebensmittel,  die  er  zu  seinem
Unterhalt  und  zur  Fortpflanzung  seiner  Race  bedarf.  Der  Preis  einer
Waare,  also  auch  der  Arbeit,  ist  aber  gleich  ihren  Produktionskosten.  In
demselben  Maße,  in  dem  die  Widerwärtigkeit  der  Arbeit  wächst,  nimmt
daher  der  Lohn  ab.  Noch  mehr,  in  demselben  Maße,  wie  Maschinerie
und  Theilung  der  Arbeit  zunehmen,  in  demselben  Maße  ninimt  auch  die
Masse  der  Arbeit  zu,  sei  es  durch  Vermehrung  der  Arbeitsstunden,  sei
es  durch  Vermehrung  der  in  einer  gegebenen  Zeit  geforderten  Arbeit,
beschleunigten  Lauf  der  Maschinen  u.  s.  w.
Die  moderne  Industrie  hat  die  kleine  Werkstube  des  patriarchalischen
Meisters  in  die  große  Fabrik  des  industriellen  Kapitalisten  verwandelt.
Arbeitermassen,  in  der  Fabrik  zusammengedrängt,  werden  soldatisch
orgauisirt.  Sie  werden  als  gemeine  Jndustriesoldaten  unter  die  Aufsicht ­
  einer  vollständigen  Hierarchie  von  Unteroffizieren  und  Offizieren
gestellt.  Sie  sind  nicht  nur  Knechte  der  Bourgeoisklasse,  des  Bourgeoisstaates, ­
  sie  sind  täglich  und  stündlich  geknechtet  von  der  Maschine,  von
dem  Aufseher,  und  vor  Allem  von  den  einzelnen  fabrizirenden  Bourgeois
selbst.  Diese  Despotie  ist  um  so  kleinlicher,  gehässiger,  erbitternder,  je
offener  sie  den  Erwerb  als  ihren  Zweck  proklamirt.
Je  weniger  die  Handarbeit  Geschicklichkeit  und  Kraftäußernng  erheischt,
d.  h.  je  mehr  die  moderne  Industrie  sich  entwickelt,  desto  mehr  wird  die
Arbeit  der  Männer  durch  die  der  Weiber  verdrängt.  Geschlechts-  und
Alters-Unterschiede  haben  keine  gesellschaftliche  Geltung  mehr  für  die
Arbeiterklasse.  Es  gibt  nur  noch  Arbeitsinstrumente,  die  je  nach  Alter
und  Geschlecht  verschiedene  Kosten  machen.
        <pb n="16" />
        15

Ist  die  Ausbeutung  des  Arbeiters  durch  den  Fabrikanten  so  weit  beendigt, ­
  daß  er  seinen  Arbeitslohn  baar  ansgezahlt  erhält,  so  fallen  die
anderen  Theils  der  Bourgeoisie  über  ihn  her,  der  Hausbesitzer,  der
Krämer,  der  Pfandleiher  u.  st  w.
Die  bisherigen  kleinen  Mittelstände,  die  kleinen  Industriellen,  Kaufleute ­
  und  Rentiers,  die  Handwerker  und  Bauern,  alle  diese  Klassen
fallen  ins  Proletariat  hinab,  theils  dadurch,  daß  ihr  kleines  Kapital
für  den  Betrieb  der  großen  Industrie  nicht  ausreicht  und  der  Konkurrenz ­
  mit  den  größeren  Kapitalisten  erliegt,  theils  dadurch,  daß  ihre  Geschicklichkeit ­
  von  neuen  Produktionsweisen  entwerthet  wird.  So  rekrutirt
sich  das  Proletariat  aus  allen  Klassen  der  Bevölkerung.
Das  Proletariat  macht  verschiedene  Entwicklungsstufen  durch.  Sein
Kampf  gegen  die  Bourgeoisie  beginnt  mit  seiner  Existenz.
Im  Anfang  kämpfen  die  einzelnen  Arbeiter,  dann  die  Arbeiter  einer
Fabrik,  dann  die  Arbeiter  eines  Arbeitszweiges  an  einem  Ort  gegen
den  einzelnen  Bourgeois,  der  sie  direkt  ausbeutet.  Sie  richten  ihre  Angriffe ­
  nicht  nur  gegen  die  bürgerlichen  Produktionsverhältnisse,.  sie  richten
sie  gegen  die  Produktions-Instrumente  selbst;  sie  vernichten  die  fremden
konkurrirenden  Waaren,  sie  zerschlagen  die  Maschinen,  sie  stecken  die
Fabriken  in  Brand,  sie  suchen  die  untergegangene  Stellung  des  mittelalterlichen ­
  Arbeiters  wieder  zu  erringen.
Auf  dieser  Stufe  bilden  die  Arbeiter  eine  über  das  ganze  Land  zerstreute ­
  und  durch  die  Konkurrenz  zersplitterte  Masse.  Massenhaftes  Zusammenhalten ­
  der  Arbeiter  ist  noch  nicht  die  Folge  ihrer  eigenen  Vereinigung, ­
  sondern  die  Folge  der  Bereinigung  der  Bourgeoisie,  die  zur
Erreichung  ihrer  eigenen  politischen  Zwecke  das  ganze  Proletariat  in
Bewegung  setzen  muß  und  es  einstweilen  noch  kann.  Auf  dieser  Stufe
bekämpfen  die  Proletarier  also  nicht  ihre  Feinde,  sondern  die  Feinde
ihrer  Feinde,  die  Reste  der  absoluten  Monarchie,  die  Grundeigenthümer,
die  nichtindnstriellen  Bourgeois,  die  Kleinbürger.  Die  ganze  geschichtliche
Bewegung  ist  so  in  den  Händen  der  Bourgeoisie  konzentrirt;  jeder  Sieg,
der  so  errungen  wird,  ist  ein  Steg  der  Bourgeoisie.
Aber  mit  der  Entwicklung  der  Industrie  vermehrt  sich  nicht  nur  das
Proletariat;  es  wird  in  größeren  Massen  zusammengedrängt,  seine  Kraft
wächst  und  es  fühlt  sie  mehr.  Die  Interessen,  die  Lebenslagen  innerhalb ­
  des  Proletariats  gleichen  sich  immer  mehr  ans,  indem  die  Maschinerie ­
  mehr  und  mehr  die  Unterschiede  der  Arbeit  verwischt  und  den  Lohn
fast  überall  auf  ein  gleich  niedriges  Niveau  herabdriickt.  Die  wachsende
Konkurrenz  der  Bourgeois  unter  sich  und  die  daraus  hervorgehenden
Handelskrisen  machen  den  Lohn  der  Arbeiter  immer  schwankender;  die
immer  rascher  sich  entwickelnde,  unaufhörliche  Verbesserung  der  Maschinerie ­
  macht  ihre  ganze  Lebensstellung  immer  unsicherer;  immer  mehr
nehmen  die  Kollisionen  zwischen  dem  einzelnen  Arbeiter  und  dem  einzelnen ­
  Bourgeois  den  Charakter  von  Kollisionen  zweier  Klassen  an.  Die
Arbeiter  beginnen  damit,  Koalitionen  gegen  die  Bourgeois  zu  bilden;
sie  treten  zusammen  zur  Behauptung  ihres  Arbeitslohns.  Sie  stiften
selbst  dauernde  Assoziationen,  um  sich  für  die  gelegentlichen  Empörungen
zu  verproviantireu.  Stellenweis  bricht  der  Kampf  in  Ementen  aus.
Von  Zeit  zu  Zeit  siegen  die  Arbeiter,  aber  nur  vorübergehend.  Das
eigentliche  Resultat  ihrer  Kämpfe  ist  nicht  der  unmittelbare  Erfolg,
sondern  die  immer  weiter  um  sich  greifende  Vereinigung  der  Arbeiter.  Sie
        <pb n="17" />
        16

wird  befördert  durch  die  wachsenden  Koinmunikationsmittel,  die  von  der
großen  Industrie  erzeugt  werden  und  die  Arbeiter  der  verschiedenen  Lokalitäten ­
  mit  einander  in  Verbindung  setzen.  Es  bedarf  aber  blos  der  Verbindung, ­
  um  die  vielen  Lokalkämpfe  von  überall  gleichem  Charakter  zu  einem
nationalen,  zn  einem  Klassenkampf  zu  zentralisiren.  Jeder  Klaffenkampf  ist
aber  ein  politischer  Kamps.  Und  die  Vereinigung,  zu  der  die  Bürger  des
Mittelalters  mit  ihren  Vizinalwegen  Jahrhunderte  bedurften,  bringen  die
modernen  Proletarier  mit  den  Eisenbahnen  in  wenigen  Jahren  zn  Stande.
Diese  Organisation  der  Proletarier  zur  Klasse,  und  damit  zur  politischen ­
  Partei,  wird  jeden  Augenblick  wieder  gesprengt  durch  die  Konkurrenz ­
  unter  den  Arbeitern  selbst.  Aber  sie  ersteht  immer  wieder,
stärker,  fester,  mächtiger.  Sie  erzwingt  die  Anerkennung  einzelner
Interessen  der  Arbeiter  in  Gesetzesform,  indem  sie  die  Spaltungen
der  Bourgeoisie  unter  sich  benutzt.  So  die  Zehnstundenbill  in  England.
Die  Kollisionen  der  alten  Gesellschaft  überhaupt  fördern  mannichfach
den  Entwicklungsgang  des  Proletariats.  Die  Bourgeoisie  befindet  sich
im  fortwährendem  Kampfe:  anfangs  gegen  die  Aristokratie;  später
gegen  die  Theile  der  Bourgeoisie  selbst,  deren  Interessen  mit  dem
Fortschritt  der  Industrie  in  Widerspruch  gerathen;  stets  gegen  die
Bourgeoisie  aller  auswärtigen  Länder.  In  allen  diesen  Kämpfen  sieht
sie  sich  genöthigt,  an  das  Proletariat  zu  appelliren,  seine  Hülfe  in  Anspruch ­
  zu  nehmen  und  es  so  in  die  politische  Bewegung  hineinznreißen.
Sie  selbst  fuhrt  also  dem  Proletariat  ihre  eigenen  Bildungselemente,
d.  h.  Waffen  gegen  sich  selbst  zu.
Es  werden  ferner,  wie  wir  sahen,  durch  den  Fortschritt  der  Industrie
ganze  Bestandtheile  der  herrschenden  Klasse  in's  Proletariat  hinabgeworfen ­
  oder  wenigstens  in  ihren  Lebcnsbedingnngen  bedroht.  Auch
sie  führen  dem  Proletariat  eine  Masse  Bildungselemente  zn.
In  Zeiten  endlich,  wo  der  Klaffenkampf  sich  der  Entscheidung  nähert,
nimmt  der  Auflösungsprozeß  innerhalb  der  herrschenden  Klasse,  innerhalb ­
  der  ganzen  alten  Gesellschaft,  einen  so  heftigen,  so  grellen  Charakter
an,  daß  ein  kleiner  Theil  der  herrschenden  Klasse  sich  von  ihr  lossagt
und  sich  der  revolutionären  Klasse  anschließt,  der  Klasse,  welche  die
Zukunft  in  ihren  Händen  trägt.  Wie  daher  früher  ein  Theil  des  Adels
zur  Bourgeoisie  überging,  so  geht  jetzt  ein  Theil  der  Bourgeoisie  zum
Proletariat  über,  und  namentlich  ein  Theil  der  Bourgeois-Ideologen,
welche  zum  theoretischen  Verständniß  der  ganzen  geschichtlichen  Bewegung
sich  hinaufgearbeitet  haben.
Von  allen  Klassen,  welche  heutzutage  der  Bourgeoisie  gegenüberstehen,
ist  nur  das  Proletariat  eine  wirklich  revolutionäre  Klasse.  Die  übrigen
Klaffen  verkommen  und  gehen  unter  mit  der  großen  Industrie,  das
Proletariat  ist  ihr  eigenstes  Produkt.
Die  Mittelstände,  der  kleine  Industrielle,  der  kleine  Kaufmann,  der
Handwerker,  der  Bauer,  sie  Alle  bekänipfcn  die  Bourgeoisie,  um  ihre
Existenz  als  Mittelstände  vor  dem  Untergang  zu  sichern.  Sie  sind  also
nicht  revolutionär,  sondern  konservativ.  Noch  mehr,  sie  sind  reaktionär,
sie  suchen  das  Rad  der  Geschichte  zurückzudrehen.  Sind  sie  revolutionär,
so  sind  sie  es  im  Hinblick  auf  den  ihnen  bevorstehenden  Uebergang  in's
Proletariat,  so  vertheidigen  sie  nicht  ihre  gegenwärtigen,  sondern  ihre
zukünftigen  Interessen,  so  verlassen  sie  ihren  eigenen  Standpunkt,  um
sich  auf  den  des  Proletariats  zn  stellen.  —
        <pb n="18" />
        17

Das  Lumpenproletariat,  diese  passive  Verfaulung  der  untersten
Schichten  der  alten  Gesellschaft,  wird  durch  eine  proletarische  Revolution
stellenweise  in  die  Bewegung  hineingeschleudert,  seiner  ganzen  Lebenslage ­
  nach  wird  es  bereitwilliger  sein,  sich  zu  reaktionären  Umtrieben
erkaufen  zu  lassen.
Die  Lebensbedingungen  der  alten  Gesellschaft  sind  schon  vernichtet  in
den  Lebensbedingnngen  des  Proletariats.  Der  Proletarier  ist  eigentbumslos;
  sein  Verhältniß  zu  Weib  und  Kindern  hat  nichts  mehr  gemein
mit  dem  bürgerlichen  Familienverhältniß;  die  moderne  industrielle
Arbeit,  die  moderne  Unterjochung  unter  das  Kapital,  dieselbe  in  England ­
  wie  in  Frankreich,  in  Amerika  wie  in  Deutschland,  hat  ihm  allen
nationalen  Charakter  abgestreift.  Die  Gesetze,  die  Moral,  die  Religion,
sind  für  ihn  eben  so  viele  bürgerliche  Vorurtheile,  hinter  denen  sich  eben
so  viele  bürgerliche  Interessen  verstecken.
Alle  früheren  Klassen,  die  sich  die  Herrschaft  eroberten,  suchten  ihre
schon  erworbene  Lebensstellung  zu  sichern,  indem  sie  die  ganze  Gesellschaft ­
  den  Bedingungen  ihres  Erwerbes  unterwarfen.  Die  Proletarier
können  sich  die  gesellschaftlichen  Produktivkräfte  nur  erobern,  indem  sie
ihre  eigene  bisherige  Aneignungsweise  und  damit  die  ganze  bisherige
Aneignungsweise  abschaffen.  Die  Proletarier  haben  nichts  von  dem
Ihrigen  zu  sichern,  sie  haben  alle  bisherigen  Privatsicherhcitcn  und
Privatversicherungen  zu  zerstören.
Alle  bisherigen  Bewegungen  waren  Bewegungen  von  Minoritäten
oder  im  Interesse  von  Minoritäten.  Die  proletarische  Bewegung  ist
die  selbständige  Bewegung  der  ungeheuren  Mehrzahl  int  Interesse  der
ungeheuren  Mehrzahl.  Das  Proletariat,  die  unterste  Schicht  der  jetzigen
Gesellschaft,  kann  sich  nicht  erheben,  nicht  aufrichten,  ohne  daß  der
ganze  Ueberbau  der  Schichten,  die  die  offizielle  Gesellschaft  bilden,  in
die  Luft  gesprengt  wird.
Obgleich  nicht  dem  Inhalt,  ist  der  Form  nach  der  Kamps  des  Pro'
letariats  gegen  die  Bourgeoisie  zunächst  ein  nationaler.  Das  Proletaüur
eines  jeden  Landes  muß  natürlich  zuerst  mit  seiner  eigenen  Bourgeoisie
fertig  werden.
Indem  wir  die  allgemeinsten  Phasen  der  Entwicklung  des  Proletariats
zeichneten,  verfolgten  wir  den  mehr  oder  minder  versteckten  Bürgerkrieg
innerhalb  der  bestehenden  Gesellschaft  bis  zu  dem  Punkt,  wo  er  in  eine
offene  Revolution  ausbricht,  und  durch  den  gewaltsamen  Sturz  der
Bourgeoisie  das  Proletariat  seine  Herrschaft  begründet.
Alle  bisherige  Gesellschaft  beruhte,  wie  wir  gesehn  haben,  auf  dem
Gegensatz  unterdrückender  und  unterdrückter  Klassen.  Um  aber  eine
Klasse  unterdrücken  zu  können,  müssen  ihr  Bedingungen  gesichert  sein,
innerhalb  derer  sie  wenigstens  ihre  knechtische  Existenz  fristen  kann.
Der  Leibeigene  hat  sich  zum  Mitglied  der  Kommune  in  der  Leibeigenschaft ­
  herangearbeitet,  wie  der  Kleinbürger  zum  Bourgeois  unter  dem
Joch  des  feudalistischen  Absolutismus.  Der  moderne  Arbeiter  dagegen,
statt  sich  mit  dem  Fortschritt  der  Industrie  zu  heben,  sinkt  immer
tiefer  unter  die  Bedingungen  seiner  eigenen  Klasse  herab.  Der  Arbeiter
wird  zum  Pauper  und  der  Pauperismus  entwickelt  sich  noch  schneller
als  Bevölkerung  und  Reichthum.  Es  tritt  hiermit  offen  hervor,  daß
die  Bourgeoisie  unfähig  ist,  noch  länger  die  herrschende  Klasse  der  Gesellschaft ­
  zu  bleiben  und  die  Lebensbedingnngen  ihrer  Klasse  der  Gesell-So,
  ialb.  Bibliothek.  XXXIII.  2
        <pb n="19" />
        18

schaft  als  regelndes  Gesetz  aufzuzwingen.  Sie  ist  unfähig  zu  herrschen,
weil  sie  unfähig  ist,  ihrem  Sklaven  die  Existenz  selbst  innerhalb  seiner
Sklaverei  zu  sichern,  weil  sie  gezwungen  ist,  ihn  in  eine  Lage  herabsinken ­
  zu  lassen,  wo  sie  ihn  ernähren  muß,  statt  von  ihm  ernährt  zu
werden.  Die  Gesellschaft  kann  nicht  mehr  unter  ihr  leben,  d.  h.  ihr
Leben  ist  nicht  mehr  verträglich  mit  der  Gesellschaft.
Die  wesentliche  Bedingung  für  die  Existenz  und  für  die  Herrschaft
der  Bourgeoisklasse  ist  die  Anhäufung  des  Neichthnms  in  den  Händen
von  Privaten,  die  Bildung  und  Vermehrung  des  Kapitals;  die  Bedingung ­
  des  Kapitals  ist  die  Lohnarbeit.  Die  Lohnarbeit  beruht  ausschließlich ­
  auf  der  Konkurrenz  der  Arbeiter  unter  sich.  Der  Fortschritt
der  Industrie,  dessen  willenloser  und  widerstandsloser  Träger  die  Bourgeoisie ­
  ist,  setzt  an  die  Stelle  der  Jsolirung  der  Arbeiter  durch  die
Konkurrenz  ihre  revolutionäre  Vereinigung  durch  die  Assoziation.  Mit
der  Entwicklung  der  großen  Industrie  wird  also  unter  den  Füßen  der
Bourgeoisie  die  Grundlage  selbst  hinweggezogen,  worauf  sie  prodnzirt
und  die  Produkte  sich  aneignet.  Sie  prodnzirt  vor  Allem  ihren  eignen
Todtengräber.  Ihr  Untergang  und  der  Sieg  des  Proletariats  sind
gleich  unvermeidlich.

H.
Proletarier  und  Kommunisten.
In  welchem  Verhältniß  stehn  die  Kommunisten  zu  den  Proletariern
überhaupt?
Die  Kommunisten  sind  keine  besondere  Partei  gegenüber  den  andern
Arbeiterparteien.
Sie  haben  keine  von  den  Interessen  des  ganzen  Proletariats  getrennten ­
  Interessen.
Sie  stellen  keine  besonderen  Prinzipien  auf,  wonach  sie  die  proletarische
Bewegung  modeln  wollen.
Die  Kommunisten  unterscheiden  sich  von  den  übrigen  proletarischen
Parteien  nur  dadurch,  daß  sie  einerseits  in  den  verschiedenen  nationalen
Kämpfen  der  Proletarier  die  gemeinsamen,  von  der  Nationalität  unabhängigen ­
  Interessen  des  gesummten  Proletariats  hervorheben  und
zur  Geltung  bringen,  andererseits  dadurch,  daß  sie  in  den  verschiedenen
Entwicklungsstufen,  welche  der  Kampf  zwischen  Proletariat  und  Bourgeoisie ­
  durchläuft,  stets  das  Interesse  der  Gesammtbewegung  vertreten.
Die  Kommunisten  sind  also  praktisch  der  entschiedenste,  immer  weiter
treibende  Theil  der  Arbeiterparteien  aller  Länder;  sie  haben  theoretisch
vor  der  übrigen  Masse  des  Proletariats  die  Einsicht  in  die  Bedingungen, ­
  den  Gang  und  die  allgemeinen  Resultate  der  proletarischen
Bewegung  voraus.
Der  nächste  Zweck  der  Kommunisten  ist  derselbe  wie  der  aller  übrigen
proletarischen  Parteien:  Bildung  des  Proletariats  zur  Klasse,  Sturz
der  Bourgeoisieherrschaft,  Eroberung  der  politischen  Macht  durch  das
Proletariat.
Die  theoretischen  Sätze  der  Kommunisten  beruhen  keineswegs  auf
Ideen,  auf  Prinzipien,  die  von  diesem  oder  jenem  Weltverbesserer  erfunden
oder  entdeckt  sind.
        <pb n="20" />
        ly

Sie  sind  nur  allgemeine  Ausdrücke  thatsächlicher  Verhältnisse  eines
existtrenden  Klassenkampfs,  einer  unter  unsern  Augen  vor  sich  gehenden
geschichtlichen  Bewegung.  Die  Abschaffung  bisheriger  Eigenthumsverhältnisse ­
  ist  nichts  den  Kommunismus  eigenthümlich  Bezeichnendes.
Alle  Eigenthumsverhältnisse  waren  einem  beständigen  geschichtlichen
Wechsel,  einer  beständigen  geschichtlichen  Veränderung  unterworfen.
Die  französische  Revolution  z.  B.  schaffte  das  Feudal-Eigenthum  zu
Gunsten  des  bürgerlichen  ab.
Was  den  Kommunismus  auszeichnet,  ist  nicht  die  Abschaffung  des  Eigenthums ­
  überhaupt,  sondern  die  Abschaffung  des  bürgerlichen  Eigenthums.
Aber  das  moderne  bürgerliche  Privateigenthum  ist  der  letzte  und
vollendetste  Ausdruck  der  Erzeugung  und  Aneignung  der  Produkte,  die
auf  Klassengegensätzen,  auf  der  Ausbeutung  der  Einen  durch  die  Andern
beruht.  ^
In  diesem  Sinne  können  die  Kommunisten  ihre  Theorie  in  dem  einen
Ausdruck:  Aufhebung  des  Privateigenthnms,  zusammenfassen.
Man  hat  uns  Kommunisten  vorgeworfen,  wir  wollten  das  persönlich
erworbene,  selbsterarbcitete  Eigenthum  abschaffen;  das  Eigenthum,
welches  die  Grundlage  aller  persönlichen  Freiheit,  Thätigkeit  und  Selbstständigkeit ­
  bilde.
Erarbeitetes,  erworbenes,  selbstverdientes  Eigenthum!  Sprecht  Ihr  von
dem  kleinbürgerlichen,  kleinbäuerlichen  Eigenthum,  welches  dem  bürgerlichen ­
  Eigenthum  vorherging?  Wir  brauchen  es  nicht  abzuschaffen,  die
Entwicklung  der  Industrie  hat  es  abgeschafft  und  schafft  es  täglich  ab.
Oder  sprecht  Ihr  vom  modernen  bürgerlichen  Privateigenthum?
Schafft  aber  die  Lohnarbeit,  die  Arbeit  des  Proletariers  ihm  Eigenthum? ­
  Keineswegs.  Sie  schafft  das  Kapital,  d.  h.  das  Eigenthum,
welches  die  Lohnarbeit  ausbeutet,  welches  sich  nur  unter  der  Bedingung
vermehren  kann,  daß  es  neue  Lohnarbeit  erzeugt,  um  sie  von  Neuem
auszubeuten.  Das  Eigenthum  in  seiner  heutigen  Gestalt  bewegt  sich  in
dem  Gegensatz  van  Kapital  und  Lohnarbeit.  Betrachten  wir  die  beiden
Seiten  dieses  Gegensatzes.
Kapitalist  sein,  heißt  nicht  nur  eine  rein  persönliche,  sondern  eine  gesellschaftliche ­
  Stellung  in  der  Produktion  einnehmen.  Das  Kapital  ist
ein  gemeinschaftliches  Produkt  und  kann  nur  durch  eine  gemeinsame
Thätigkeit  vieler  Mitglieder,  ja  in  letzter  Instanz  nur  durch  die  gemeinsame ­
  Thätigkeit  aller  Mitglieder  der  Gesellschaft  in  Bewegung
gesetzt  werden.
Das  Kapital  ist  also  keine  persönliche,  es  ist  eine  gesellschaftliche  Macht.
Wenn  also  das  Kapital  in  gemeinschaftliches,  allen  Mitgliedern  der
Gesellschaft  angehöriges  Eigenthum  verwandelt  wird,  so  verwandelt  sich
nicht  persönliches  Eigenthum  in  gesellschaftliches.  Rur  der  gesellschaftliche ­
  Charakter  des  Eigenthums  verwandelt  sich.  Er  verliert  seinen
Klassen-Eharakter.
Kommen  wir  zur  Lohnarbeit:
Der  Durchschnittspreis  der  Lohnarbeit  ist  das  Minimum  des  Arbeitslohnes, ­
  d.  h.  die  Summe  der  Lebensniittel,  die  nothwendig  sind,  um  den
Arbeiter  als  Arbeiter  am  Leben  zu  erhalten.  Was  also  der  Lohnarbeiter
durch  seine  Thätigkeit  sich  aneignet,  reicht  bloß  dazu  hin,  um  sein  nacktes
Leben  wieder  zu  erzeugen.  Wir  wollen  diese  persönliche  Aneignung
der  Arbeitsprodukte  zur  Wicdererzeugung  des  unmittelbaren  Lebens
        <pb n="21" />
        20

keineswegs  abschaffen,  eine  Aneignung,  die  keinen  Reinertrag  übrig  läßt,
der  Macht  über  fremde  Arbeit  geben  könnte.  Wir  wollen  nur  den
elenden  Charakter  dieser  Aneignung  aufheben,  worin  der  Arbeiter  nur
lebt,  um  das  Kapital  zu  vermehren,  nur  so  weit  lebt,  wie  es  das
Interesse  der  herrschenden  Klasse  erheischt.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  ist  die  lebendige  Arbeit  nur  ein
Mittel,  die  aufgehäufte  Arbeit  zu  vermehren.  In  der  kommunistischen
Gesellschaft  ist  die  aufgehäufte  Arbeit  nur  ein  Mittel,  um  den  Lebensprozeß ­
  der  Arbeiter  zu  erweitern,  zu  bereichern,  zu  befördern.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  herrscht  also  die  Vergangenheit  über  die
Gegenwart,  in  der  kommunistischen  die  Gegenwart  über  die  Vergangenheit.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  ist  das  Kapital  selbstständig  und  persönlich,
während  das  thätige  Individuum  unselbstständig  und  unpersönlich  ist.
Und  die  Aufhebung  dieses  Verhälinisses  nennt  die  Bourgeoisie  Aufhebung ­
  der  Persönlichkeit  und  Freiheit!  Und  mit  Recht.  Es  handelt
sich  allerdings  um  die  Aufhebung  der  Bourgeois-Persönlichkeit,  -Selbstständigkeit ­
  und  -Freiheit.
Unter  Freiheit  versteht  man  innerhalb  der  jetzigen  bürgerlichen  Produktions-Verhältnisse ­
  den  freien  Handel,  den  freien  Kauf  und  Verkauf.
Fällt  aber  der  Schacher,  so  fällt  auch  der  freie  Schacher.  Die
Redensarten  vom  freien  Schacher,  wie  alle  übrigen  Freiheitsbravaden
unserer  Bourgeoisie  haben  überhaupt  nur  einen  Sinn  gegenüber  dem
gebundenen  Schacher,  gegenüber  dem  geknechteten  Bürger  des  Mittelalters, ­
  nicht  aber  gegenüber  der  kommunistischen  Aufhebung  des  Schachers,
der  bürgerlichen  Produktionsverhältnisse  und  der  Bourgeoisie  selbst.
Ihr  entsetzt  Euch  darüber,  daß  wir  das  Privateigenthum  aufheben
wollen.  Aber  in  Eurer  bestehenden  Gesellschaft  ist  das  Privateigenthnm
für  9  Zehntel  ihrer  Mitglieder  aufgehoben;  es  existirt  gerade  dadurch,
daß  es  für  9  Zehntel  nicht  existirt.  Ihr  werft  uns  also  vor,  daß  wir  ein
Eigenthum  aufheben  wollen,  welches  die  Eigenthumslosigkeit  der  ungeheuren ­
  Mehrzahl  der  Gesellschaft  als  nothwendige  Bedingung  voraussetzt.
Ihr  werft  uns  mit  einem  Worte  vor,  daß  wir  Euer  Eigenthum  aufheben ­
  wollen.  Allerdings,  das  wollen  wir.
Von  dem  Augenblick  an,  wo  die  Arbeit  nicht  mehr  in  Kapital,  Geld,
Grundrente,  kurz  in  eine  monopolisirbare  gesellschaftliche  Macht  verwandelt ­
  werden  kann,  d.  h.  von  dem  Augenblick,  wo  das  persönliche
Eigenthum  nicht  mehr  in  bürgerliches  umschlagen  kann,  von  dem  Augenblick ­
  an  erklärt  Ihr,  die  Person  sei  aufgehoben.
Ihr  gesteht  also,  daß  Ihr  unter  der  Person  Niemanden  anders  versteht ­
  ,  als  den  Bourgeois,  den  bürgerlichen  Eigenthümer.  Und  diese
Person  soll  allerdings  aufgehoben  werden.
Der  Kommunismus  nimmt  Keinem  die  Macht,  sich  gesellschaftliche
Produkte  anzueignen,  er  nimmt  nur  die  Macht,  sich  durch  diese  Aneignung ­
  fremde  Arbeit  zu  unterjochen.
Man  hat  eingewendet,  mit  der  Aufhebung  des  Privateigenthums
werde  alle  Thätigkeit  aufhören  und  eine  allgemeine  Faulheit  einreißen.
Hiernach  müßte  die  bürgerliche  Gesellschaft  längst  an  der  Trägheit  zu
Grunde  gegangen  sein;  denn  Die  in  ihr  arbeiten,  erwerben  nicht,  und
Die  in  ihr  erwerben,  arbeiten  nicht.  Das  ganze  Bedenken  läuft  auf  die
Tautologie  hinaus,  daß  es  keine  Lohnarbeit  mehr  gibt,  sobald  es  kein
Kapital  mehr  gibt.
        <pb n="22" />
        Alle  Einwürfe,  die  gegen  die  kommunistische  Aneignungs-  und  Produktionsweise ­
  der  materiellen  Produkte  gerichtet  werden,  sind  ebenso  auf
die  Aneignung  und  Produktion  der  geistigen  Produkte  ausgedehnt
worden.  Wie  für  den  Bourgeois  das  Aufhören  des  Klasseneigenthums
das  Aufhören  der  Produktion  selbst  ist,  so  ist  für  ihn  das  Aufhören
der  Klassenbildung  identisch  mit  dem  Aufhören  der  Bildung  überhaupt.
Die  Bildung,  deren  Verlust  er  bedauert,  ist  für  die  enorme  Mehrzahl
die  Heranbildung  zur  Maschine.
Aber  streitet  nicht  mit  uns,  indem  Ihr  an  Euren  bürgerlichen  Vorstellnugen
  von  Freiheit,  Bildung,  Recht  u.  s.  w.  die  Abschaffung  des
bürgerlichen  Eigenthums  meßt.  Eure  Ideen  selbst  sind  Erzeugnisse  der
bürgerlichen  Prodnktions-  und  Eigeuthumsverhältnisse,  wie  Euer  Recht
nur  der  zum  Gesetz  erhobene  Wille  Eurer  Klasse  ist,  ein  Wille,  dessen
Inhalt  gegeben  ist  in  den  materiellen  Lebensbedingungen  Eurer  Klasse.
Die  interessirte  Vorstellung,  worin  Ihr  Eure  Prodnktions-  und  Eigenthnmsverhältnisse
  ans  geschichtlichen,  in  dem  Lauf  der  Produktion  vorübergehenden ­
  Verhältnissen  in  ewige  Natur-  und  Veruunftgesctze  verwandelt ­
  ,  theilt  Ihr  mit  allen  untergegangenen  herrschenden  Klassen.
Was  Ihr  für  das  antike  Eigenthum  begreift,  was  Ihr  für  das  feudale
Eigenthum  begreift,  dürft  Ihr  nicht  mehr  begreifen  für  das  bürgerliche
Eigenthum.  —
Aufhebung  der  Familie!  Selbst  die  Radikalsten  ereifern  sich  über
diese'sMüdttch'e"AbllchHx"Konimunisten.
Worauf  beruht  die  gegenwärtige,  die  bürgerliche  Familie?  Ans  dem
Kapital,  ans  dem  Privaterwerb.  VollständlH  entwickelt  existirt  sie  nur
für  die  Boilrgeoisie;  aber  sie  findet  ihre  Ergänzung  in  der  erzwungenen
Familienlosigkeit  der  Proletarier  und  der  "öffentlichen  Prostitution.
Die  Familie  der  Bourgeois  fällt  natürlich  weg  mit  dem  Wegfallen
dieser  ihrer  Ergänzung  und  beide  verschwinden  mit  dem  Verschwinden
des  Kapitals.
Werft  Ihr  uns  vor,  daß  wir  die  Ausbeutung  der  Kinder  durch  ihre
Eltern  aufheben  wollen?  Wir  gestehen  dieses  Verbrechen  ein.
Aber,  sagt  Ihr,  wir  heben  die  trautestenVerhältnisse  ans,  indem  wir
au  die  Stelle  der  häuslichen  Erziehung  die  gesellschaftliche  setzen.
Und  ist  nicht  auch  Enre^EMHü!ig"?urch  die  Gesellschaft  bestimmt?
Durch  die  gesellschaftlichen  Verhältnisse,  innerhalb  derer  Ihr  erzieht,  durch
die  direktere  oder  indirektere  Einmischung  der  Gesellschaft,  vermittelst
der  Schule  u.  s.  w.  ?  Die  Kommunisten  erfinden  nicht  die  Einwirkung
der  Gesellschaft  auf  die  Erziehung;  sie  verändern  nur  ihren  Charakter,
sie  entreißen  die  Erziehung  dem  Einfluß  der  herrschenden  Klasse.
Die  bürgerlichen  Redensarten  über  Familie  und  Erziehung,  über  das
traute  Verhältniß  von  Eltern  und  Kindern  werden  um  so  ekelhafter,
je  mehr  in  Folge  der  großen  Industrie  alle  Familienbande  für  die
Proletarier  zerrissen  und  die  Kinder  in  einfache  Handelsartikel  und
Arbeitsinstrumente  verwandelt  werden.
Aber  ihr  Kommunisten  wollt  die  Weiberaemeinschaft  einführen,  schreit
uns  die  ganze  Bourgeoisie  im  Chor  enkgegeii.
Der  BouMois  sieht  in  seiner  Frau  ein  bloßes  Produkticmsinstrument.
  Er  Hort',  daß  die  ProdnkiioMrstrnmente  gemeinschaftlich  ausgebeutet ­
  werden  sollen  und  kann  sich  natürlich  nichts  anderes  denken,  als
daß  das  Loos  der  Gemeinschaftlichkeit  die  Weiber  gleichfalls  treffen  wird.
        <pb n="23" />
        I  '
—  ‘22  —
Er  ahnt  nicht,  daß  es  sich  eben  darum  handelt,  die^telliing  der
Weiber  als  bloßer  PwdnktioMustrniueiiie.  aufzuheben.
Uebrigens  ist  nichts  lächerlicher,  als  das  hochnwralische  Entsetzen
unserer  Bourgeois  über  die  angebliche  offizielle  Weibergemeinschaft  der
Kommunisten.  Die  Kommunisten  brauchen  die  Weibergemeinschast  nicht
einzuführen,  sie  hat  fast  immer  Pstirt,
Unsere  Bourgeois,  mcyk  zufrieden  Lamit,  daß  ihnen  die  Weiber  und
Töchter  ihrer  Proletarier  zur  Verfügung  stehen,  von  der  offiziellen
Prostitution  gar  nicht  zu  sprechen,  finden  ein  Hanptvergnngen  darin,
ihre  Ehefrauen  wechselseitig  zu  verführen.
Die  bürgerliche  Ehe  ist  in  Wirklichkeit  die  Gemeinschaft  der  Ehefrauen.
Man  könnte  höchstens  den  Kommunisten  vorwerfen,  daß  sie  an  StelltMier
heuchlerisch  versteckten,  eine  offizielle,  ofienberziae  Weiberaemeinsckaft  einführen ­
  wollten.  Es  versteht  sich  übrigens  von  selbst,  daß  mit  Aufhebung
der  jetzigen  Produktionsverhältnisse  auch  die  ans  ihnen  hervorgehende
Weibergeineinschaft,  d.  h.  die  offizielle  und  nichtoffizielle  Prostitution,
verschwindet.
Den  Kommunisten  ist  ferner  vorgeworfen  worden,'sie  wollten  das
Vaterland,  die  Nationalität,  abschaffen.
Die  Arbeiter  haben  kein  Vaterland.  Man  kann  ihnen  nicht  nehmen,
was  sie  nicht  haben.  Indem  das  Proletariat  zunächst  sich  die  politische
Herrschaft  erobern,  sich  zur  nationalen  Klasse  erheben,  sich  selbst  als
Nation  konstitniren  muß,  ist  es  selbst  noch  national,  wenn  auch  keineswegs ­
  im  Sinne  der  Bourgeoisie.
Die  nationalen  Absonderungen  und  Gegensätze  der  Völker  verschwinden ­
  mehr  und  mehr  schon  mit  der  Entwicklung  der  Bourgeoisie,
mit  der  Handelsfreiheit,  dem  Weltmarkt,  der  Gleichförmigkeit  der  industriellen ­
  Produktion  und  der  ihr  entsprechenden  Lebensverhältnisse.
Die  Herrschaft  des  Proletariats  wird  sie  noch  mehr  verschwinden
machen.  Vereinigte  Aktion,  wenigstens  der  zivilisirten  Länder,  ist  eine
der  ersten  Bedingungen  seiner  Befreiung.
In  dem  Maße,  wie  die  Exploitation  des  einen  Individuums  durch
das  andere  aufgehoben  wird,  wird  die  Exploitation  einer  Nation  durch
die  andere  aufgehoben.
Mit  dem  Gegensatz  der  Klassen  im  Innern  der  Nation  fällt  die
feindliche  Stellung  der  Nationen  gegen  einander.
Die  Anklagen  gegen  den  Kommunismus,  die  von  religiösen,  philosophischen ­
  und  ideologischen  Gesichtspunkten  überhaupt  erhoben  werden,
verdienen  keine  ausführlichere  Erörterung.
Bedarf  es  tiefer  Einsicht,  um  zu  begreifen,  daß  mit  den  Lebensverhältnissen ­
  der  Menschen,  mit  ihren  gesellschaftlichen  Beziehungen,  mit
ihrem  gesellschaftlichen  Dasein,  auch  ihre  Vorstellungen,  Anschauungen
und  Begriffe,  mit  einem  Worte  auch  ihr  Bewlißtsein  sich  ändert?
Was  beweist  die  Geschichte  der  Ideen  anders,  als  daß  die  geistige
Produktion  sich  mit  der  materiellen  umgestaltet?  Die  herrschenden
Ideen  einer  Zeit  waren  stets  nur  die  Ideen  der  herrschenden  Klasse.
Man  spricht  von  Ideen,  welche  eine  ganze  Gesellschaft  revolutioniren;
man  spricht  damit  nur  die  Thatsache  ans,  daß  sich  innerhalb  der  alten
Gesellschaft  die  Elemente  einer  neuen  gebildet  haben,  daß  mit  der  Auflösung ­
  der  alten  Lebensverhältnisse  die  Auflösung  der  alten  Ideen
gleichen  Schritt  hält.
        <pb n="24" />
        23

Als  die  alte  Welt  im  Untergehen  begriffen  war,  wurden  die  alten
Religionen  von  der  christlichen  Religion  besiegt.  Als  die  christlichen
Ideen  im  18.  Jahrhundert  den  Aufklärungs-Ideen  unterlagen,  rang
die  feudale  Gesellschaft  ihren  Todcskampf  mit-  der.  damals  revolutionären
Bourgeoisie.  Die  Ideen  der  Gewissens-  und  Religionsfreiheit  sprachen
nur  die  Herrschaft  der  freien  Konkurrenz  auf  dem  Gebiete  des  Wissens  aus.
„Aber",  wird  man  sagen,  „religiöse,  moralische,  philosophische,  politische, ­
  rechtliche  Ideen  u.  s.  w.  modifizirten  sich  allerdings  im  Lauf  der
geschichtlichen  Entwicklung.  Die  Religion,  die  Moral,  die  Philosophie,
die  Politik,  das  Recht  erhielten  sich  stets  in  diesem  Wechsel.
„Es  gibt  zudem  ewige  Wahrheiten,  wie  Freiheit,  Gerechtigkeit  u.  s.  w.,
die  allen  gesellschaftlichen  Zuständen  gemeinsam  sind.  Der  Kommunismus ­
  aber  schafft  die  ewigen  Wahrheiten  ab,  er  schafft  die  Religion  ab,
die  Moral,  statt  sie  neu  zu  gestalten,  er  widerspricht  also  allen  bisherigen
geschichtlichen  Entwicklungen."
Worauf  reduzirt  sich  diese  Anklage?  Die  Geschichte  der  ganzen  bisherigen ­
  Gesellschaft  bewegte  sich  in  Klassengegensätzen,  die  in  den  verschiedenen ­
  Epochen  verschieden  gestaltet  waren.
Weiche  Form  sie  aber  auch  immer  angenommen,  die  Ausbeutung  des
einen  Theils  der  Gesellschaft  durch  den  andern  ist  eine  allen  vergangenen
Jahrhunderten  gemeinsame  Thatsache.  Kein  Wunder  daher,  daß  das
gesellschaftliche  Bewußtsein  aller  Jahrhunderte,  aller  Mannigfaltigkeit  und
Verschiedenheit  zum  Trotz,  in  gewissen  gemeinsamen  Formen  sich  bewegt,
in  Bcwußtseinsformen,  die  nur  mit  dem  gänzlichen  Verschwinden  des
Klassengegensatzes  sich  vollständig  auflösen.
Die  kommunistische  Revolution  ist  das  radikalste  Brechen  mit  den  überlieferten ­
  Eigeuthumsverhältnissen;  kein  Wunder,  daß  in  ihrem  Entwicklungsgänge ­
  am  radikalsten  mit  den  überlieferten  Ideen  gebrochen  wird.
Doch  lassen  wir  die  Einwürfe  der  Bourgeoisie  gegen  den  Kommunismus.
Wir  sahen  schon  oben,  daß  der  erste  Schritt  in  der  Arbeiter-Revolution
die  Erhebung  des  Proletariats  zur  herrschenden  Klasse,  die  Erkämpfung
der  Demokratie  ist.
Das  Proletariat  wird  seine  politische  Herrschaft  dazu  benutzen,  der
Bourgeoisie  nach  und  nach  alles  Kapital  zu  entreißen,  alle  Produktionsinstrumente ­
  in  den  Händen  des  Staats,  d.  h.  des  als  herrschende
Klasse  organisirten  Proletariats  zu  zentralisiren  und  die  Masse  der
Produktionskräfte  möglichst  rasch  zu  vermehren.
Es  kann  dies  natürlich  zunächst  nur  geschehn  vermittelst  despotischer
Eingriffe  in  das  Eigenthumsrecht  und  in  die  bürgerlichen  Produktionsverhältnisse ­
  ,  durch  Maßregeln  also,  die  ökonomisch  unzureichend  und
unhaltbar  erscheinen,  die  aber  im  Lauf  der  Bewegung  über  sich  selbst
hinaus  treiben  und  als  Mittel  zur  Uniwälzung  der  ganzen  Produktionsweise ­
  unvermeidlich  sind.
Diese  Maßregeln  werden  natürlich  je  nach  den  verschiedenen  Ländern
verschieden  sein.
Für  die  fortgeschrittensten  Länder  werden  jedoch  die  folgenden  ziemlich
allgemein  in  Anwendung  kommen  können:
1)  Expropriation  des  Grundeigenthums  und  Verwendung  der  Grundrente ­
  zu  Staatsausgaben.
8)  Starke  Progressivsteuer.
3)  Abschaffung  des  Erbrechts.
        <pb n="25" />
        24

4)  Konfiskation  des  Eigenthums  aller  Emigranten  und  Rebellen.
5)  Zentralisation  des  Kredits  in  den  Händen  des  Staats  durch  eine
Nationalbank  mit  Staatskapital  und  ausschließlichem  Monopol.
6)  Zentralisation  des  Transportwesens  in  den  Händen  des  Staats.
7)  Vermehrung  der  Natioualfabriken,  Produktionsinstrumente,  Urbarmachung ­
  und  Verbesserung  der  Ländereien  nach  einem  gemeinschaftlichen ­
  Plan.
8)  Gleicher  Arbeitszwang  für  Alls,  Errichtung  industrieller  Armeen,
X  besonders  für  den  Ackerbau.
9)  Vereinigung  des  Betriebs  von  Ackerbau  und  Industrie,  Hinwirken
auf  die  allmälige  Beseitigung  des  Unterschieds  von  Stadt  und  Land.
10)  Oeffentliche  und  unentgeltliche  Erziehung  aller  Kinder.  Beseitigung ­
  der  Fabrikarbeit  der  Kinder  in  ihrer  heutigen  Form.  Vereinigung ­
  der  Erziehung  mit  der  materiellen  Produktion  u.  s.  w.
Sind  im  Laufe  der  Entwickelung  die  Klassenunterschiede  verschwunden
und  ist  alle  Produktion  in  den  Händen  der  assoziirten  Individuen  konzentrirt,
  so  verliert  die  öffentliche  Gewalt  den  politischen  Charakter.
Die  politische  Gewalt  im  eigentlichen  Sinne  ist  die  organisirte  Gewalt
einer  Klasse  zur  Unterdrückung  einer  andern.  Wenn  das  Proletariat
im  Kampfe  gegen  die  Bourgeoisie  sich  nothwendig  zur  Klasse  vereint,
durch  eine  Revolution  sich  zur  herrschenden  Klasse  macht  und  als  herrschende ­
  Klasse  gewaltsam  die  alten  Produktionsverhältnisse  aufhebt,  so
hebt  es  mit  diesen  Produktionsverhältnissen  die  Existenzbedingungen  des
Klassengegensatzes,  die  Klassen  überhaupt  und  damit  seine  eigene  Herrschaft ­
  als  Klaffe  auf.
An  die  Stelle  der  alten  bürgerlichen  Gesellschaft  mit  ihren  Klassen
und  Klassengegensätzen  tritt  eine  Assoziation  ,  worin  die  freie  Entwicklung ­
  eines  Jeden  die  Bedingung  für  die  freie  Entwicklung  Aller  ist.

III
Sozialistische  und  kommunistische  Literatur.
1)  Der  reaktionäre  Sozialismus,
a)  Der  feudale  Sozialismus.
Die  französische  und  englische  Aristokratie  war  ihrer  geschichtlichen
Stellung  nach  dazu  berufen,  Pamphlete  gegen  die  moderne  bürgerliche
Gesellschaft  zu  schreiben.  In  der  französischen  Julirevolution  von  1830,
in  der  englischen  Reformbewegung  war  sie  noch  einmal  dem  verhaßten
Emporkömmling  erlegen.  Von  einem  ernsten  politischen  Kampfe  konnte
nicht  mehr  die  Rede  sein.  Nur  der  literarische  Kampf  blieb  ihr  übrig.
Aber  auch  auf  dem  Gebiete  der  Literatur  waren  die  alten  Redensarten
oer  Restaurationszeit  unmöglich  geworden.  Um  Sympathie  zu  erregen,
mußte  die  Aristokratie  scheinbar  ihre  Interessen  aus  deni  Äuge  verlieren
und  nur  im  Interesse  der  exploittrten  Arbeiterklasse  ihren  Anklageakt
gegen  die  Bourgeoisie  formuliren.  Sie  bereitete  so  die  Genugthuung  vor,
Schmählieder  auf  ihren  neuen  Herrscher  singen  und  mehr  oder  minder
unheilschwangere  Prophezeiungen  ihm  ins  Ohr  raunen  zu  dürfen.
Auf  diese  Art  entstand  der  feudalistische  Sozialismus,  halb  Klagelied ­
  ,  halb  Pasquill,  halb  Rückhall  der  Vergangenheit,  halb  Dräuen
der  Zukunft,  mitunter  die  Bourgeoisie  in's  Herz  treffend  durch  biti^-s,
        <pb n="26" />
        geistreich  zerreißendes  Urtheil,  stets  komisch  wirkend  durch  gänzliche  Unfähigkeit, ­
  den  Gang  der  modernen  Geschichte  zn  begreifen.
Den  proletarischen  Bettelsack  schwenkten  sie  als  Fahne  in  der  Hand,
um  das  Volk  hinter  sich  her  zn  versammeln.  So  oft  es  ihnen  aber
folgte,  erblickte  es  ans  ihrem  Hintern  die  alten  feudalen  Wappen  und
verlief  sich  mit  lauten!  und  unehrerbietigem  Gelächter.
Ein  Theil  der  französischen  Legitimisten  und  das  junge  England  gaben
dies  Schauspiel  zum  Besten.
Wenn  die  Feudalen  beweisen,  daß  ihre  Weise  der  Ausbeutung  anders
gestaltet  war  als  die  bürgerliche  Ausbeutung,  so  vergessen  sie  nur,  daß
sie  unter  gänzlich  verschiedenen  und  jetzt  überlebten  Umständen  und  Bedingungen ­
  ausbeuteten.  Wenn  sie  nachweisen,  daß  unter  ihrer  Herrschaft ­
  nicht  das  moderne  Proletariat  existirt  hat,  so  vergessen  sie  nur,
daß  eben  die  moderne  Bourgeoisie  ein  nothwendiger  Sprößling  ihrer
Gesellschaftsordnung  war.
Uebrigens  verheimlichen  sie  den  reaktionären  Charakter  ihrer  Kritik
so  wenig,  daß  ihre  Hauptanklage  gegen  die  Bourgeoisie  eben  darin  besteht,
unter  ihrem  Regime  entwickle  sich  eine  Klasse,  welche  die  ganze  alte
Gesellschaftsordnung  in  die  Luft  sprengen  werde.
Sie  werfen  der  Bourgeoisie  mehr  noch  vor,  daß  sie  ein  revolutionäres
Proletariat,  als  daß  sie  überhaupt  ein  Proletariat  erzeugt.
In  der  politischen  Praxis  nehmen  sie  daher  an  allen  Gewaltmaßregeln
gegen  die  Arbeiterklasse  Theil,  und  im  gewöhnlichen  Leben  bequemen
sie  sich,  allen  ihren  aufgeblähten  Redensarten  zum  Trotz  die  goldnen
Aepfel  aufzulesen  und  Treue,  Liebe,  Ehre  mit  deni  Schacher  in  Schafswolle, ­
  Runkelrüben  und  Schnaps  zu  vertauschen.
Wie  der  Pfaffe  immer  Hand  in  Hand  ging  mit  den  Feudalen,  so
der  pfäffische  Sozialismus  mit  dem  feudalistischen.
Nichts  leichter,  als  dem  christlichen  Asketismns  einen  sozialistischen
Anstrich  zu  geben.  Hat  das  Christenthum  nicht  auch  gegen  dasPrivateigenthnm,
  gegen  die  Ehe,  gegen  den  Staat  geeifert?  Hat  es  nicht  die
Wohlthätigkeit  und  den  Bettel,  das  Zölibat  und  die  Fleischesertödtung,
das  Zellenleben  und  die  Kirche  an  ihrer  Stelle  gepredigt?  Der  christliche ­
  Sozialismus  ist  nur  das  Weihwasser,  womit  der  Pfaffe  den  Aerger
des  Aristokraten  einsegnet.
l&amp;gt;)  Kleinbürgerlicher  Sozialismus.
Die  feudale  Aristokratie  ist  nicht  die  einzige  Klasse,  welche  durch  die
Bourgeoisie  gestürzt  wurde,  deren  Lebensbedingnngen  in  der  modernen
bürgerlichen  Gesellschaft  verkümmerten  und  abstarben.  Das  mittelalterliche ­
  Pfahlbürgerthum  und  der  kleine  Bauernstand  waren  die  Vorläufer ­
  der  modernen  Bourgeoisie.  In  den  weniger  industriell  und  kommerziell ­
  entwickelten  Ländern  vegetirt  diese  Klasse  noch  fort  neben  der
aufkommenden  Bourgeoisie.
In  den  Ländern,  wo  sich  die  moderne  Zivilisation  entwickelt  hat,  hat
sich  eine  neue  Kleinbürgerschaft  gebildet,  die  zwischen  dem  Proletariat
und  der  Bourgeoisie  schwebt  und  als  ergänzender  Theil  der  bürgerlichen
Gesellschaft  stets  von  Neuem  sich  bildet,  deren  Mitglieder  aber  beständig
durch  die  Konkurrenz  in's  Proletariat  hinabgeschleudert  werden,  ja  selbst
mit  der  Entwicklung  der  großen  Industrie  einen  Zeitpunkt  herannahen
sehn,  wo  sie  als  selbstständiger  Theil  der  modernen  Gesellschaft  gänzlich
        <pb n="27" />
        26

verschwinden  und  im  Handel,  in  der  Manufaktur,  in  der  Agrikultur  durch
Arbeitsanfseher  und  Domestiken  ersetzt  werden.
In  Ländern  wie  in  Frankreich,  wo  die  Bauernklasse  weit  mehr  als
die  Hälfte  der  Bevölkerung  ausmacht,  war  es  natürlich,  daß  Schriftsteller, ­
  die  für  das  Proletariat  gegen  die  Bourgeoisie  auftraten,  an  ihre
Kritik  des  Bonrgeoisregimes  den  kleinbürgerlichen  und  kleinbäuerlichen
Maßstab  anlegten  und  die  Partei  der  Arbeiter  vom  Standpunkt  des
Kleinbürgerthums  ergriffen.  Es  bildete  sich  so  der  kleinbürgerliche
Sozialismus.  Sismondi  ist  das  Haupt  dieser  Literatur  nicht  nur  für
Frankreich,  sondern  auch  für  England.
Dieser  Sozialismus  zergliederte  höchst  scharfsinnig  die  Widersprüche
in  den  modernen  Produktionsverhältnissen.  Er  enthüllte  die  gleißnerischeu ­
  Beschönigungen  der  Oekonomen.  Er  wies  unwiderleglich  die  zerstörenden ­
  Wirkungen  der  Maschinerie  und  der  Theilung  der  Arbeit
nach,  die  Konzentration  der  Kapitalien  und  des  Grundbesitzes,  die  Ueberproduktion,
  die  Krisen,  den  nothwendigen  Untergang  der  kleinen  Bürger
und  Bauern,  das  Elend  des  Proletariats,  die  Anarchie  in  der  Produktion, ­
  die  schreienden  Mißverhältnisse  in  der  Vertheilung  des  Reichthums, ­
  den  industriellen  Vernichtungskrieg  der  Nationen  untereinander,
die  Auflösung  der  alten  Sitten,  der  alten  Familienverhältnisse,  der
alten  Nationalitäten.
Seinem  positiven  Gehalte  nach  will  jedoch  dieser  Sozialismus  entweder ­
  die  alten  Prodnktions-  und  Verkehrsmittel  wiederherstellen  und
mit  ihnen  die  alten  Eigenthumsverhältnisse  und  die  alte  Gesellschaft,
oder  er  will  die  modernen  Produktions-  und  Verkehrsmittel  in  den
Rahmen  der  alten  Eigenthnmsverhältnisse,  die  von  ihnen  gesprengt
wurden,  gesprengt  werden  mußten,  gewaltsam  wieder  einsperren.  In
beiden  Fällen  ist  er  reaktionär  und  utopistisch  zugleich.
Zunftwesen  in  der  Manufaktur  und  patriarchalische  Wirthschaft  auf
dem  Lande,  das  sind  seine  letzten  Worte.
In  ihrer  weiteren  Entwicklung  hat  sich  diese  Richtung  in  einen  feigen
Katzenjammer  verlaufen.
o)  Der  deutsche  oder  der  „wahre"  Sozialismus.
Die  sozialistische  und  kommunistische  Literatur  Frankreichs,  die  unter
dem  Druck  einer  herrschenden  Bourgeoisie  entstand  und  der  literarische
Ausdruck  des  Kampfes  gegen  diese  Herrschaft  ist,  wurde  nach  Deutschland ­
  eingeführt  zu  einer  Zeit,  wo  die  Bourgeoisie  soeben  ihren  Kampf
gegen  den  feudalen  Absolutismus  begann.
Deutsche  Philosophen,  Halbphilosophen  und  Schöngeister  bemächtigten
sich  gierig  dieser  Literatur  und  vergaßen  nur,  daß  bei  der  Einwanderung
jener  Schriften  ans  Frankreich  die  französischen  Lebensverhältnisse  nicht
gleichzeitig  nach  Deutschland  eingewandert  waren.  Den  deutschen  Verhältnissen ­
  gegenüber  verlor  die  französische  Literatur  alle  unmittelbar
praktische  Bedeutung  und  nahm  ein  rein  literarisches  Aussehen  an.
Als  müssige  Spekulation  über  die  Verwirklichung  des  menschlichen
Wesens  mußte  sie  erscheinen.  So  hatten  für  die  deutschen  Philosophen
des  18.  Jahrhunderts  die  Forderungen  der  ersten  französischen  Revolution ­
  nur  den  Sinn,  Forderungen  der  „praktischen  Vernunft"  im  Allgemeinen ­
  zu  sein,  und  die  Willensäußerungen  der  revolutionären  französischen ­
  Bourgeoisie  bedeuteten  in  ihren  Augen  die  Gesetze  des  reinen
        <pb n="28" />
        27

Willens,  des  Willens,  wie  er  sein  muß,  deS  wahrhaft  menschlichen
Willens.
Die  ausschließliche  Arbeit  der  deutschen  Literaten  bestand  darin,  die
neuen  französischen  Ideen  mit  ihrem  alten  philosophischen  Gewissen  in
Einklang  zu  setzen  oder  vielniehr  von  ihrem  philosophischen  Standpunkte
aus  die  französischen  Ideen  sich  anzueignen.
Diese  Aneignung  geschah  in  derselben  Weise,  wodurch  man  sich  überhaupt ­
  eine  fremde  Sprache  aneignet,  durch  die  Uebersetzung.
Es  ist  bekannt,  wie  die  Mönche  Manuskripte,  worauf  die  klassischen
Werke  der  alten  Heidenzeit  verzeichnet  waren,  mit  abgeschmackten  katholischen ­
  Heiligengeschichten  überschrieben.  Die  deutschen  Literaten  gingen
umgekehrt  mit  der  profanen  französischen  Literatur  um.  Sie  schrieben
ihren  philosophischen  Unsinn  hinter  das  französische  Original.  Z.  B.
hinter  die  französische  Kritik  der  Geldverhältnisse  schrieben  sie  „Entäußerung ­
  des  menschlichen  Wesens",  hinter  die  französische  Kritik  des
Bourgeoisstaates  schrieben  sie  „Aufhebung  der  Herrschaft  des  abstrakt
Allgemeinen"  u.  s.  w.
Die  Unterschiebung  dieser  philosophischen  Redensarten  unter  die  französischen ­
  Entwicklungen  tauften  sie  „Philosophie  der  That",  „wahrer
Sozialismus",  „Deutsche  Wisfenschast  des  Sozialismus",  philosophische
Begründung  des  Sozialismus"  u.  s.  w.
Die  französische  sozialistisch-kommunistische  Literatur  wurde  so  förmlich
entmannt.  Und  da  sie  in  der  Hand  des  Deutschen  aufhörte,  den  Kampf
einer  Klasse  gegen  die  andre  auszudrücken,  so  war  der  Deutsche  sich
bewußt,  die  „französische  Einseitigkeit"  überwunden,  statt  wahrer  Bedürfnisse ­
  das  Bedürfniß  der  Wahrheit,  und  statt  der  Interessen  des
Proletariers  die  Interessen  des  menschlichen  Wesens,  des  Menschen  überhaupt ­
  vertreten  zu  haben,  des  Menschen,  der  keiner  Klasse,  der  überhaupt ­
  nicht  der  Wirklichkeit,  der  nur  dem  Dunsthimmel  der  philosophischen
Phantasie  angehört.
Dieser  deutsche  Sozialismus,  der  seine  unbeholfenen  Schulübnngen
so  ernst  und  feierlich  nahm  und  so  marktschreierisch  ausposaunte,  verlor
indeß  nach  und  nach  seine  pedantische  Unschuld.
Der  Kampf  der  deutschen,  namentlich  der  preußischen  Bourgeoisie,
gegen  die  Feudalen  und  das  absolute  Königthum,  mit  einem  Wort,  die
liberale  Bewegung  wurde  ernsthafter.
Dem  „wahren"  Sozialismus  war  so  erwünschte  Gelegenheit  geboten,
der  politischen  Bewegung  die  sozialistischen  Forderungen  gegenüberzustellen, ­
  die  überlieferten  Anatheme  gegen  den  Liberalismus,  gegen  den
Repräsentativ-Staat,  gegen  die  bürgerliche  Konkurrenz,  bürgerliche  Preßfreiheit, ­
  bürgerliches  Recht,  bürgerliche  Freiheit  und  Gleichheit  zu  schleudern ­
  und  der  Volksmasse  vorzupredigen,  wie  sie  bei  dieser  bürgerlichen
Bewegung  nichts  zu  gewinnen,  vielmehr  Alles  zu  verlieren  habe.  Der
deutsche  Sozialismus  vergaß  rechtzeitig,  daß  die  französische  Kritik,  deren
geistloses  Echo  er  war,  die  moderne  bürgerliche  Gesellschaft  mit  den
entsprechenden  materiellen  Lebensbedingungen  und  der  angemessenen
politischen  Konstitution  vorausgesetzt,  lauter  Voraussetzungen,  um  deren
Erkämpfung  es  sich  erst  in  Deutschland  handelte.
Er  diente  den  deutschen  absoluten  Regierungen  mit  ihrem  Gefolge  von
Pfaffen,  Schulmeistern,  Krautjunkern  und  Bureaukraten  als  erwünschte
Vogelscheuche  gegen  die  drohend  aufstrebende  Bourgeoisie.
        <pb n="29" />
        28

Er  bildete  die  süßliche  Ergänzung  zu  den  bitteren  Peitschenhieben  und
Flintenkngeln,  womit  dieselben  Regierungen  die  deutschen  Arbeiter-Aufstände ­
  bearbeiteten.
Ward  der  „wahre"  Sozialismus  dergestalt  eine  Waffe  in  der  Hand
der  Regierungen  gegen  die  deutsche  Bourgeoisie,  so  vertrat  er  auch
unmittelbar  ein  reaktionäres  Interesse,  das  Interesse  der  deutschen
Pfahlbürgerschaft.  In  Deutschland  bildet  das  vom  16.  Jahrhundert
her  überlieferte  und  seit  der  Zeit  in  verschiedener  Form  hier  immer
neu  wieder  auftauchende  Kleinbürgerthum  die  eigentliche  gesellschaftliche
Grundlage  der  bestehenden  Zustände.
Seine  Erhaltung  ist  die  Erhaltung  der  bestehenden  deutschen  Zustände. ­
  Von  der  industriellen  und  politischen  Herrschaft  der  Bourgeoisie ­
  fürchtet  es  den  sichern  Untergang,  einerseits  in  Folge  der
Konzentration  des  Kapitals,  andrerseits  durch  das  Aufkommen  eines
revolutionären  Proletariats.  Der  „wahre"  Sozialismus  schien  ihm
beide  Fliegen  mit  einer  Klappe  zu  schlagen.  Er  verbreitete  sich  wie  eine
Epidemie.
Das  Gewand,  gewirkt  aus  spekulativem  Spinnweb,  überstickt  mit
schöngeistigen  Redeblumen,  durchtränkt  von  liebesschwülem  Gemiithsthan,
dies  überschwängliche  Gewand,  worin  die  deutschen  Sozialisten  ihre  paar
knöchernen  „ewigen  Wahrheiten"  einhüllten,  vermehrte  nur  den  Absatz
ihrer  Waare  bei  diesem  Publikum.
Seinerseits  erkannte  der  deutsche  Sozialismus  immer  mehr  seinen
Beruf,  der  hochtrabende  Vertreter  dieser  Pfahlbürgerschaft  zu  sei».
Er  proklamirte  die  deutsche  Nation  als  die  normale  Nation  und  den
deutschen  Spießbürger  als  den  Normal-Menschen.  Er  gab  jeder  Niedertracht ­
  desselben  einen  verborgenen,  höheren,  sozialistischen  Sinn,  worin
sie  ihr  Gegentheil  bedeutete.  Er  zog  die  letzte  Konsequenz,  indem  er
direkt  gegen  die  „rohdestrnktive"  Richtung  des  Kommunismus  auftrat,
und  seine  unparteiische  Erhabenheit  über  alle  Klassenkämpfe  verkündete.
Mit  sehr  wenigen  Ausnahmen  gehört  alles,  was  in  Deutschland  von
angeblich  sozialistischen  und  kommunistischen  Schriften  zirkulirt,  in  den
Bereich  dieser  schmutzige»,  entnervenden  Literatur.*)
2)  Der  konservative  oder  Bourgeois-Sozialismus.
Ein  Theil  der  Bourgeoisie  wünscht  den  sozialen  Mißständen  abzuhelfen, ­
  um  den  Bestand  der  bürgerlichen  Gesellschaft  zu  sichern»
Es  gehören  Hierher:  Oekonomisten,  Philantropen,  Humanitäre,  Verbesserer ­
  der  Lage  der  arbeitenden  Klassen,  Wohlthätigkeits-Organisirer,
Abschaffer  der  Thierqnälerei,  Mäßigkeits-Vereinsstifter,  Winkelreformer
der  buntscheckigsten  Art.  Und  auch  zu  ganzen  Systemen  ist  dieser  Bonrgeoissozialismus
  ausgearbeitet  worden.
Als  Beispiel  führen  wir  Prondhon's  kbilosoxbie  cke  la  Misere  an.
Die  sozialistischen  Bourgeois  wollen  die  Lebensbedingnngen  der  modernen ­
  Gesellschaft  ohne  die  nothwendig  daraus  hervorgehenden  Kämpfe
und  Gefahren.  Sie  wollen  die  bestehende  Gesellschaft  mit  Abzug  der

*)  Der  Revolntionssturm  von  1848  hat  diese  gesammte  schäbige
Richtung  lveggefegt  und  ihren  Trägern  die  Lust  benommen,  noch  weiter
in  Sozialismus  zu  machen.  Hanptvertreter  und  klassischer  Typus  dieser
Richtung  ist  Herr  Karl  Grün.
        <pb n="30" />
        29

sie  revolutionireuden  und  sie  auflösenden  Elemente.  Sie  wollen  die
Bourgeoisie  ohne  das  Proletariat.  Die  Bourgeoisie  stellt  sich  die  Welt,
worin  sie  herrscht,  natürlich  als  die  beste  Welt  vor.  Der  Bourgeoissozialismus ­
  arbeitet  diese  tröstliche  Vorstellung  zu  einem  halben  oder
ganzen  System  aus.  Wenn  er  das  Proletariat  ausfordert,  seine  Systeme
zu  verwirklichen,  und  in  das  neue  Jerusalem  einzugehn,  so  verlangt  er
im  Grunde  nur,  daß  es  in  der  jetzigen  Gesellschaft  stehen  bleibe,  aber
seine  gehässigen  Vorstellungen  von  derselben  abstreife.
Eine  zweite,  weniger  systematische  nur  mehr  praktische  Form  des
Sozialismus  suchte  der  Arbeiterklasse  jede  revolutionäre  Bewegung  zu
verleiden,  durch  den  Nachweis,  wie  nicht  diese  oder  jene  politische  Veränderung, ­
  sondern  nur  eine  Veränderung  der  materiellen  Lebensverhältnisse, ­
  der  ökonomischen  Verhältnisse  ihr  von  Nutzen  sein  könne.  Unter
Veränderung  der  materiellen  Lebensverhältnisse  versteht  dieser  Sozialismus ­
  aber  keineswegs  Abschaffung  der  bürgerlichen  Produktionsverhältnisse ­
  ,  die  nur  auf  revolutionärem  Wege  möglich  ist,  sondern  administrative ­
  Verbesserungen,  die  auf  dem  Boden  dieser  Produktionsverhältnisse
vor  sich  gehn,  also  an  dem  Verhältniß  von  Kapital  und  Lohnarbeit
nichts  ändern,  sondern  im  besten  Fall  der  Bourgeoisie  die  Kosten  ihrer
Herrschaft  vermindern  und  ihren  Staatshaushalt  vereinfachen.
Seinen  entsprechenden  Ausdruck  erreicht  der  Bourgeoissozialismus
erst  da,  wo  er  zur  bloßen  rednerischen  Figur  wird.
Freier  Handel!  im  Interesse  der  arbeitenden  Klasse;  Schutzzölle  I  im
Interesse  der  arbeitenden  Klasse;  Zellengefängnisse!  im  Interesse  der
arbeitenden  Klasse:  das  ist  das  letzte,  das  einzige  ernst  gemeinte  Wort
des  Bourgeoissozialismus.
Der  Sozialismus  der  Bourgeoisie  besteht  eben  in  der  Behauptung,
daß  die  Bourgeois  Bourgeois  sind  —  im  Interesse  der  arbeitenden  Klasse.
3)  Der  k  r  i  t  i  s  ch  -  u  t  o  p  i  st  i  s  ch  e  S  o  z  i  a  l  i  s  m  u  s  »  n  d  K  omni ­
  u  n  i  s  m  u  s.
Wir  reden  hier  nicht  von  der  Literatur,  die  in  allen  großen  modernen
Revolutionen  die  Forderungen  des  Proletariats  aussprach.  (Schriften
Baboeuf's  rc.)
Die  ersten  Versuche  des  Proletariats,  in  einer  Zeit  allgemeiner  Aufregung ­
  ,  in  der  Periode  des  Umsturzes  der  feudalen  Gesellschaft  direkt
sein  eigenes  Klasseninteresse  durchzusetzen,  scheiterten  nothwendig  au  der
unentwickelten  Gestalt  des  Proletariats  selbst,  wie  an  dem  Mangel  der
materiellen  Bedingungen  seiner  Befreiung,  die  eben  erst  das  Produkt
der  bürgerlichen  Epoche  sind.  Die  revolutionäre  Literatur,  welche  diese
ersten  Bewegungen  des  Proletariats  begleitete,  ist  dem  Inhalt  nach
nothwendig  reaktionär.  Sie  lehrt  einen  allgemeinen  Asketismus  und
eine  rohe  Gleichmacherei.
Die  eigentlich  sozialistischen  und  kommunistischen  Systeme,  die  Systeme ­
  St.  Simons,  Fouriers,  Owens  u.  s.  w.  tauchen  auf  in  der  ersten
unentwickelten  Periode  des  Kampfes  zwischen  Proletariat  und  Bourgeoisie, ­
  die  wir  oben  dargestellt  haben.  (S.  Bourgeoisie  und  Proletariat.)
Die  Erfinder  dieser  Systeme  sehen  zwar  den  Gegensatz  der  Klassen,  wie
die  Wirksamkeit  der  auflösenden  Elemente  in  der  herrschenden  Gesellschaft ­
  selbst.  Aber  sie  erblicken  auf  der  Seite  des  Proletariats  keine  geschichtliche ­
  Selbstthätigkeit,  keine  ihm  eigenthümliche  politische  Bewegung.
        <pb n="31" />
        30

Da  die  Entwicklung  des  Klassengegensatzes  gleichen  Schritt  hält  mit
der  Entwicklung  der  Industrie,  finden  sie  eben  so  wenig  die  materiellen
Bedingungen  zur  Befreiung  des  Proletariats  vor,  und  suchen  nach  einer
sozialen  Wissenschaft,  nach  sozialen  Gesetzen,  um  diese  Bedingungen  zu
schaffen.
An  die  Stelle  der  gesellschaftlichen  Thätigkeit  muß  ihre  persönlich
erfinderische  Thätigkeit  treten,  an  die  Stelle  der  geschichtlichen  Bedingungen ­
  der  Befreiung  phantastische,  an  die  Stelle  der  allmälig  vor  sich
gehenden  Organisation  des  Proletariats  zur  Klasse  eine  eigens  ausgeheckte ­
  Organisation  der  Gesellschaft.  Die  kommende  Weltgeschichte
löst  sich  für  sie  auf  in  die  Propaganda  und  die  praktische  Ausführung
ihrer  Gesellschaftspläne.
Sie  sind  sich  zwar  bewußt,  in  ihren  Plänen  hauptsächlich  das  Interesse ­
  der  arbeitenden  Klasse  als  der  leidendsten  Klaffe  zu  vertreten.  Nur
unter  diesem  Gesichtspunkt  der  leidendsten  Klasse  existirt  das  Proletariat
für  sie.
Die  unentwickelte  Form  des  Klassenkampfes,  wie  ihre  eigene  Lebenslage ­
  bringen  es  aber  mit  sich,  daß  sie  weit  über  jenen  Klassengegensatz
erhaben  zu  sein  glauben.  Sie  wollen  die  Lebenslage  aller  Gesellschaftsglieder ­
  ,  auch  der  bestgestellten,  verbessern.  Sie  appelliren  daher  fortwährend ­
  an  die  ganze  Gesellschaft  ohne  Unterschied,  ja  vorzugsweise  an
die  herrschende  Klasse.  Man  braucht  ihr  System  ja  nur  zu  verstehen,
um  es  als  den  bestmöglichen  Plan  der  bestmöglichen  Gesellschaft  anzuerkennen. ­

Sie  verwerfen  daher  alle  politische,  namentlich  alle  revolutionäre
Aktion,  sie  wollen  ihr  Ziel  auf  friedlichem  Wege  erreichen  und  versuchen, ­
  durch  kleine,  natürlich  fehlschlagende  Experimente  durch  die  Macht
des  Beispiels  dem  neuen  gesellschaftlichen  Evangelium  Bahn  zu  brechen.
Die  phantastische  Schilderung  der  zukünftigen  Gesellschaft  entspringt
in  einer  Zeit,  wo  das  Proletariat  noch  höchst  unentwickelt  ist,  also  selbst
noch  phantastisch  seine  eigene  Stellung  auffaßt,  feinern  ersten  ahnungsvollen ­
  Drängen  nach  einer  allgemeinen  Umgestaltung  der  Gesellschaft.
Die  sozialen  und  kommunistischen  Schriften  bestehen  aber  auch  aus
kritischen  Elementen.  Sie  greifen  alle  Grundlagen  der  bestehenden  Gesellschaft ­
  an.  Sie  haben  daher  höchst  werthvolles  Material  zur  Aufklärung ­
  der  Arbeiter  geliefert.  Ihre  positiven  Sätze  über  die  zukünftige ­
  Gesellschaft,  z.  B.  Aufhebung  des  Gegensatzes  zwischen  Stadt  und
Land,  der  Familie,  des  Privaterwerbs,  der  Lohnarbeit,  die  Verkündigung
der  gesellschaftlichen  Harmonie,  die  Verwandlung  des  Staates  in  eine
bloße  Verwaltung  der  Produktion  —  alle  diese  ihre  Sätze  drücken  bloß
das  Wegfallen  des  Klassengegensatzes  aus,  der  eben  erst  sich  zu  entwickeln ­
  beginnt,  den  sie  nur  noch  in  seiner  ersten  gestaltlosen  Unbestimmtheit ­
  kennen.  Diese  Sätze  selbst  haben  daher  noch  einen  rein
utopistischen  Sinn.
Die  Bedeutung  des  kritisch-utopistischen  Sozialismus  und  Kommunismus ­
  steht  im  umgekehrten  Verhältniß  zur  geschichtlichen  Entwicklung.
In  demselben  Maaße,  worin  der  Klassenkampf  sich  entwickelt  und  gestaltet, ­
  verliert  diese  phantastische  Erhebung  über  denselben,  diese  phantastische ­
  Bekämpfung  desselben  allen  praktischen  Werth,  alle  theoretische
Berechtigung.  Waren  daher  die  Urheber  dieser  Systeme  auch  in  vieler
Beziehung  revolutionär,  so  bilden  ihre  Schüler  jedes  Mal  reaktionäre
        <pb n="32" />
        31

Selten.  Sie  halten  die  alten  Anschauungen  der  Meister  fest  gegenüber
der  geschichtlichen  Fortentwicklung  des  Proletariats.  Sie  suchen  daher
konsequent  den  Klassenkampf  wieder  abzustumpfen  und  die  Gegensätze
zu  vermitteln.  Sie  träumen  noch  immer  die  versuchsweise  Verwirklichung ­
  ihrer  gesellschaftlichen  Utopien,  Stiftung  einzelner  Phalanstere,
Gründung  von  Home-Kolonien,  Errichtung  eines  kleinen  Jkariens*),  —
Duodez-Ausgabe  des  neuen  Zerusalems  —  und  zum  Aufbau  aller  dieser
spanischen  Schlösser  müssen  sie  an  die  Philantropie  der  bürgerlichen
Herzen  und  Geldsäcke  appelliren.  Allmählig  fallen  sie  in  die  Kategorie
der  oben  geschilderten  reaktionären  oder  konservativen  Sozialisten  und
unterscheiden  sich  nur  noch  von  ihnen  durch  mehr  systematische  Pedanterie,
durch  den  fanatischen  Aberglauben  an  die  Wunderwirkungen  ihrer  sozialen
Wissenschaft.
Sie  treten  daher  mit  Erbitterung  aller  politischen  Bewegung  der
Arbeiter  entgegen,  die  nur  ans  blindem  Unglauben  an  das  neue  Evangelium ­
  hervorgehen  konnte.
Die  Owenisten  in  England,  die  Fourieristen  in  Frankreich  reagiren
dort  gegen  die  Chartisten,  hier  gegen  die  Reformisten.

IV.
Stellung  der  Kommunisten  zu  den  verschiedenen
oppositionellen  Parteien.
Nach  Abschnitt  II.  versteht  sich  das  Verhältniß  der  Kommunisten  zu
den  bereits  konstitnirten  Arbeiterparteien  von  selbst,  also  ihr  Verhältniß
zu  den  Chartisten  in  England  und  den  agrarischen  Reformern  in  Nordamerika. ­

Sie  kämpfen  für  die  Erreichung  der  unmittelbar  vorliegenden  Zwecke
und  Interessen  der  Arbeiterklasse,  aber  sie  vertreten  in  der  gegenwärtigen
Bewegung  zugleich  die  Zukunft  der  Bewegung.  In  Frankreich  schließen
sich  die  Kommunisten  an  die  sozialistisch-demokratische**)  Partei  an  gegen
die  konservative  und  radikale  Bourgeoisie,  ohne  darum  das  Recht  aufzugeben, ­
  sich  kritisch  zu  den  aus  der  revolutionären  Ueberlieferung  herrührenden ­
  Phrasen  und  Illusionen  zu  verhalten.
In  der  Schweiz  unterstützen  sie  die  Radikalen,  ohne  zu  verkennen,
daß  diese  Partei  aus  widersprechenden  Elementen  besteht,  theils  ans
demokratischen  Sozialisten  im  französischen  Sinn,  theils  aus  radikalen
Bourgeois.
Unter  den  Polen  unterstützen  die  Kommunisten  die  Partei,  welche
eine  agrarische  Revolution  zur  Bedingung  der  nationalen  Befreiung

*)  Home-Kolonien  (Kolonien  im  Inland)  nennt  Owen  seine  kommunistischen ­
  Mustergesellschaften.  Phalanstere  war  der  Name  der  von
Fourier  geplanten  gesellschaftlichen  Paläste.  Jkarien  hieß  das  utopische
Phantasieland,  dessen  kommunistische  Einrichtungen  Cabet  schilderte.
**)  Die  damals  sich  sozialistisch-demokratisch  nennende  Partei  in  Frankreich ­
  war  die  durch  Ledru-Rollin  politisch  und  durch  Louis  Blanc  literarisch ­
  vertretene;  sie  war  also  himmelweit  bersch!  den  von  der  heutigen
deutschen  Sozialdemokratie.
        <pb n="33" />
        —  32  -
macht,  dieselbe  Partei,  welche  die  Krakauer  Insurrektion  von  1846  iu'S
Leben  rief.
In  Deutschland  kämpft  die  komumnistische  Partei,  sobald  die  Bourgeoisie ­
  revolutionär  auftritt,  gemeinsam  mit  der  Bourgeoisie  gegen  die
absolute  Monarchie,  das  feudale  Grundeigenthnm  und  die  Kleiubürgerei.
Sie  unterläßt  aber  keinen  Augenblick,  bei  den  Arbeitern  ein  möglichst
klares  Bewußtsein  über  den  feindlichen  Gegensatz  zwischen  Bourgeoisie
und  Proletariat  herauszuarbeiten,  damit  die  deutschen  Arbeiter  sogleich
die  gesellschaftlichen  und  politischen  Bedingungen,  welche  die  Bourgeoisie
mit  ihrer  Herrschaft  herbeiführen  muß,  als  eben  so  viele  Waffen  gegen
die  Bourgeoisie  kehren  können,  damit  nach  dem  Sturz  der  reaktionären
Klassen  in  Deutschland,  sofort  der  Kampf  gegen  die  Bourgeoisie  selbst
beginnt.
Auf  Deutschland  richten  die  Kommunisten  ihre  Hauptanfmerksamkeit,
weil  Deutschland  am  Vorabend  einer  bürgerlichen  Revolution  steht,  und
weil  es  diese  Umwälzung  unter  fortgeschrittneren  Bedingungen  der  europäischen ­
  Zivilisation  überhaupt,  und  mit  einem  viel  weiter  entwickelten
Proletariat  vollbringt,  als  England  im  17.  und  Frankreich  im  18.  Jahrhundert, ­
  die  deutsche  bürgerliche  Revolution  also  nur  das  unmittelbare
Vorspiel  einer  proletarischen  Revolution  sein  kann.
Mit  einem  Wort,  die  Kommunisten  unterstützen  überall  jede  revolutionäre ­
  Bewegung  gegen  die  bestehenden  gesellschaftlichen  und  politischen
Zustände.
In  allen  diesen  Bewegungen  heben  sie  die  Eigenthnmsfrage,  welche
mehr  oder  minder  entwickelte  Form  sie  auch  angenommen  haben  möge,
als  die  Grundfrage  der  Bewegung  hervor.'
Die  Kommunisten  arbeiten  endlich  überall  an  der  Verbindung  und
Verständigung  der  demokratischen  Parteien  aller  Länder.
Die  Kommunisten  verschmähen  es,  ihre  Ansichten  und  Absichten  zu
verheimlichen.  Sie  erklären  es  offen,  daß  ihre  Zwecke  nur  erreicht
werden  können  durch  den  gewaltsamen  Umsturz  aller  bisherigen  Gesellschaftsordnung. ­
  Mögen  die  herrschenden  Klassen  vor  einer  Kommunistischen ­
  Revolution  zittern.  Die  Proletarier  haben  nichts  in  ihr  zu
verlieren  als  ihre  Ketten.  Sie  haben  eine  Welt  zu  gewinnen.
Proletarier  aller  Länder  vereinigt  Euch!

Truck:  Vorwärts  Buchdruckern  und  Berlagsm,statt  Paul  Singer  &amp;amp;  Co..  Berlin  SW.
        <pb n="34" />
        f—  ^
Buchhiuidluiig  Vorwärts,  Berlin  SW.  68,  Kndrnstr.  66

Wir  empfehlen  Schriften  v,
DaS  Kapital.  Kritik  der  politischen ­
  Oekonomie.
Bd.:  Der  Produktionsprozeß  des
Kapitals.  4.  Ausl.  Mk.9,—;  inHalbfrz.
gebd.  Mk.  11,—.
2.  Bd.:  Der  Airknlntionsprozeß  des
Kapitals.  2.  Stuft.  Mk.  8,—;  in  Halbfrz.
gebd.  Mk.  10,—.
L.  Bd.:  Der  Gesamtprozetz  der  kapitalistischen ­
  Produktion.  2  Teile.
Mk.  10.—;  in  Halbfrz.  gebd.  Mk.  14,—.
DieKlassenkämpfe  in  Frankreich ­
  1848—30.
Mit  einer  Einleitung  von  Friedrich
Engels.  Mk.  l.—.
In  dieser  meisterhaften  Studie
wendet  der  Begründer  der  materialistischen ­
  Geschichtsauffassung  zum
ersten  Mal  diese  Methode  an  zur  Auf
Heilung  der  treibenden  sozialen  Momente ­
  der  48  er  Revolutionspertode.
Die  Engelssche  Einleitung  gibt  in
uieisterhasterKürzcmitscharscnSchlaglichtern
  auf  die  Gegenwart  eine  Ge
schichte  der  Entwicklung  der  rcvolutio  -
niiren  proletarischen  Taktik  Pom  Barri
kadcnkainpf  bis  znni  allgemeinen
Stimmrecht  und  —  zum  Umsturz.
Der  Bürgerkrieg  in  Frankreich. ­
  Adresse  des  Genernlrats  der
Jnternation.  Arbeiter-Assoziation.
Mk.  —,80.
Die  neue  Auflage  ist  vermehrt
durch  die  beiden  Adressen  des  Gene
ralrats  über  den  deutsch-französischen
Krieg  und  durch  eine  in  Form  einer
Anleitung  gekleidete  historische  kritische
Skizze  über  die  Komnmne,  aus  der
Feder  von  F  ri  e  d  ri  ch  Engels.  In
der  Literatur  Über  die  Pariser  Kom
mnne  ninnnt  diese,  wenige  Tage  nach
ihrem  Fall  fertiggestellte  Schrift  —
eine  glanzende  Rechtfertigung  jener
glorreichen  Erhebung  —mit  den  ersten
Rang  ein.
Enthüllungen  über  den  Kom-»nrnistenprozes?
  z»  Köln.
Mit  Einleitung  von  Fr.  Engels  und
Dokumenten.  Mk.  -,28.
Der  Prozeß  endigte  mit  Verurteilung ­
  der  Angeklagten;  gebrnndinarlt
aber  war  das  infame  Lockspitzeltreibcn
der  preußischen  Polizei  unter  Leitung
des  berüchtigten  Stieb  er,  der  in
diese,n  Prozesse  auch  als  Meister  des
Diensteides  sich  entpuppte.  Die

&amp;gt;„  Karl  Marx:
Engelssche  Einleitung  gibt  in  der
Geschichtsskizze  über  den  „Bund  der
Koinmunisten"  ein  Bild  der  proletarischen ­
  Bewegung  in  den  Mer  und
4»  er  Jahren.
Lohnarbeit  und  Kapital.
Separatabdruck  aus  der  „Neuen
Rhein.  Ztg."v.  Jahre  1840.  Mk.—,20.
In  der  Einleitung,  die  Fried  ri  ch
Engels  dieser  vorzüglichen  Agitationsschrift ­
  über  das  Wesen  der  heutigen
Produktionsweise  vorausschickt,  entwickelt ­
  er  die  Gründe,  warn,,,  einzelne
Stellen  und  Wendungen  geändert  sind
und  knüpft  daran  eine  klare  ökonomische ­
  Auseinandersetzung  iiber  die
verschiedenartigen  Begriffe:  Arbeit  und
Arbeitskraft,
Das  Elend  der  Philosophie.
Antwort  ankProndhons„PhiIosophie
des  Elends".  Deutsch  von  Eb.B  ernst ­
  e  i  n  und  K.  K  a  u  t  s  k  h.  Mit  Vorwort ­
  und  Noten  von  Fr.  Engels.
Brosch.  Mk.  1,50;  gebd.  Mk.  2,-.
Marx  vor  den  Kölner  Geschworenen. ­
  Prozeß  gegen  den
Ausschuß  der  rheinischenDemokraten
wegen  Ausrufs  zum  beivnffneten
Widerstand  ,0-  Februar  1840).  Mit
Vorwort  von  Fr.  Engels.  Neue
Aust.  Mk.  —,20.
Die  Mansche  Verteidigungsrede
ist  bedeutungsvoll  nach  zwei  Richtungen: ­
  der  Kommunist  Marx  macht
den  bürgerlichen  Geschworenen  klar,
daß  die  chm  zur  Last  gelegten  Handlungen ­
  eigentlich  Aufgabe  und  Pflicht
ihrer  Klasse,  der  Bourgeoisie  seien:
er  wahrt  den  revolutionären  Standpunkt, ­
  das  Recht  des  bewaffneten
Widerstandes  gegen  die  gesetzesbrüchige, ­
  contrerevolutionäre  Regierung ­
  bis  i»  die  letzte  Konsequenz.
Revolution  und  Eontre-Revolution
  in  Deutschland.
Deutsch  von  Karl  Kautsky.
Brosch.  Mk.  1,50;  gebd.  Mk.  2,—.
Der  18.Bru»»airedes  Louis
Bonaparte.  Mk.  i,—.
Diese  Broschüre  gegen  den  Organisator ­
  des  Lumpenproletariats  ist
wohl  die  glänzendste  Streitschrift  von
Marx;  sie  enthält  auch  eine  ätzende
Kritik  der  politischen  Feigheit  und
Halbheit  des  „Bürgertums".
sy
        <pb n="35" />
        Bild)band  Inno  Vorwärts,  Berlin  SEI.  6$,  Cindenstrasse  69

3ii  unserem  Verlage  erscheinen  unter  dem  zusammenfassenden  Titel
Kulturhilder  wichtige  Abschnitte  aus  der  Kulturgeschichte  der  Völker
die  allgemeinverständlich  dargestellt  und  reich  illustriert  werden.
Das  Unternehmen  beginnt  mit  der  Darstellung  der  Vellgions-EälNstfe
  des  16.  und  17.  Jahrhunderts  unter  dem  Titel:
Wider  die  Pfaffenherrschaft
Von  Emil  Rosenow
Vom  Standpunkt  des  historischen  Materialismus  entwerfen  wir
das  Kulturbild  der  mittelalterlichen  Pfaffenherrschaft.  Der  Leser  sieht,
wie  inmitten  der  zusammenbrechenden  römischen  Gesellschaft  die  urchristlichkommunistischen
  Agitationen  beginnen,  welche  die  herrschende  Klasse  Roms
vergeblich  niederzukämpfen  sucht;  wie  sich  aus  dem  urchristlichen  Kommunismus ­
  die  Kirchenhcrrschast  entwickelt,  wie  sie  ihren  Siegeszug  durch  die
Länder  hält;  wir  zeigen,  wie  das  Papsttum  entsteht  und  den  Gipfel
seiner  Macht  erklimmt;  wie  die  Kirche  das  politische  und  ökonomische
Leben  beherrscht,  bis,  beim  Ausgange  des  Mittelalters,  die  aufkommende
kapitalistische  Wirtschaftsweise  der  Pfaffenherrschaft  den  Boden  entreißt
und  in  Blut  und  Kriegsgetümmel  ihren  Zusammenbruch  herbeiführt.
Das  Papsttum,  die  Klösterei  und  Möncherei,  die  politisch-ökonomische ­
  Tätigkeit  des  mittelalterlichen  Klerus;  die  große  Ausbeutung  der
Volksmassen  durch  Zehnten,  Fronden,  Ablaß  usw.,  die  blutige  und  grausame
Bekämpfung  jeglicher  Opposition  (Ketzerverfolgungen),  die  finstere  Zeit
der  Lerenprozesse,  die  grausame  Niederschlagung  des  Volkes  (Bauernkriege, ­
  Wiedertäuferverfolgungen)  und  schließlich  das  furchtbare  Elend  des
60jährigen  Krieges  .  .  .  .  das  alles  sieht  der  Leser  in  packender  Darstellung ­
  an  seinem  geistigen  Auge  vorüberziehen.
In  die  Zeit,  deren  Schilderung  der  erste  Band  unseres  Werkes
dienen  soll,  fällt  auch  die  Wiedergeburt  der  antiken  Kunst;  in  ihr  entstanden
  die  unerreichten  Werke  eines  Cranach,  Dürer,  Äolbein.  Aus
diesen  Quellen  sind  unsere  Illustrationen  geschöpft.  Der  erste  Band  wird
gegen  400  Bilder,  darunter  Abbildungen  der  größten  Meisterwerke  jener
Zeiten  und  Völker  bringen,  die,  wie  wir  erwarten,  den  Beifall  der  gesamten
Arbeiterwelt  finden  werden.
ver  erste  Band  wird  in  so  Lieferungen  a  20  Pfennig  erscheinen
Jeder  Band  ist  für  sich  abgeschlossen,  so  daß  das  Abonnement  auf  den
einen  Band  nicht  den  Bezug  der  weiteren  Bände  notwendig  macht.
Wöchentlich  erscheint  ein  Lest
Bestellungen  nehmen  alle  Partei-Buchhandlungen,  Parteikolporteure,  jede
Buchhandlung  oder  auch  der  Verlag:  Buchhandlung  Vorwärts  entgegen

vorwärts  Buchdruckerei  und  Verlagsanstalt  j?aul  Singer  &amp;amp;  &amp;lt;Zo.,  Berlin  SW.  68,  Lindenstr.  69.
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s  Arbeiters  durch  den  Fabrikanten  so  weit  bc-^
  beitslohn  baar  ausgezahlt  erhält,  so  fallen  die
j;  irgeoisie  über  ihn  her,  der  Hausbesitzer,  der
:  u.  s.  w.
Mittelstände,  die  kleinen  Industriellen,  Kauf-Handwerker
  und  Bauern,  alle  diese  Klassen
nab,  theils  dadurch,  daß  ihr  kleines  Kapital
^-.Zen  Industrie  nicht  ausreicht  und  der  Konkurapttalisten
  erliegt,  theils  dadurch,  daß  ihre  Geroduktionsweisen
  entwerthet  wird.  So  rekrutirt
allen  Klassen  der  Bevölkerung,
st  t  verschiedene  Entwicklungsstufen  durch.  Sein
is  miste  beginnt  mit  seiner  Existenz,
sie  einzelnen  Arbeiter,  dann  die  Arbeiter  einer
ter  eines  Arbeitszweiges  an  einem  Ort  gegen
der  sie  direkt  ausbeutet.  Sie  richten  ihre  Anbürgerlichen
  Produktionsverhältnisse,  sie  richten
l-Jnstrumente  selbst;  sie  vernichten  die  fremden
^  sie  zerschlagen  die  Maschinen,  sie  stecken  die
suchen  die  untergegangene  Stellung  des  mittelder
  zu  erringen.
in  die  Arbeiter  eine  über  das  ganze  Land  zernkurrenz
  zersplitterte  Masse.  Massenhaftes  Zurr ­
  ist  noch  nicht  die  Folge  ihrer  eigenen  Verfolge ­
  der  Vereinigung  der  Bourgeoisie,  die  zur
t  politischen  Zwecke  das  ganze  Proletariat  in
b  es  einstweilen  noch  kann.  Auf  dieser  Stufe
*  also  nicht  ihre  Feinde,  sondern  die  Feinde
;  er  absoluten  Monarchie,  die  Grundeigenthümer,
rgeois,  die  Kleinbürger.  Die  ganze  geschichtliche
Händen  der  Bourgeoisie  konzentrirt;  jeder  Sieg,
l  ein  Sieg  der  Bourgeoisie,
lung  der  Industrie  vermehrt  sich  nicht  nur  das
^größeren  Massen  zusammengedrängt,  seine  Kraft
nehc.  Die  Interessen,  die  Lebenslagen  innereichen ­
  sich  immer  mehr  aus,  indem  die  Maschi-Unterschiede
  der  Arbeit  verwischt  und  den  Lohn
j:  h  niedriges  Niveau  herabdrückt.  Die  wachsende
is  unter  sich  und  die  daraus  hervorgehenden
n  Lohn  der  Arbeiter  immer  schwankender;  die
ckelnde,  unaufhörliche  Verbesserung  der  Maschi-Zebensstelluiig
  immer  unsicherer;  immer  mehr
.wischen  dem  einzelnen  Arbeiter  und  dem  einjarakter
  von  Kollisionen  zweier  Klassen  an.  Die
,  Koalitionen  gegen  die  Bourgeois  zu  bilden;
.  Behauptung  ihres  Arbeitslohns.  Sie  stiften
neu,  um  sich  für  die  gelegentlichen  Empörungen
:llenweis  bricht  der  Kampf  in  Emeuten  aus.
en  die  Arbeiter,  aber  nur  vorübergehend.  Das
r  Kämpfe  ist  nicht  der  unmittelbare  Erfolg,
°  um  sich  greifende  Vereinigung  der  Arbeiter.  Sic
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