16 trinkenden Bevölkerung geschlagen. Bei Festen und Kirch weihen kommt an Stelle des “/»# Liter-Glases der Literkrug. Diese Anwendung des letzteren gehört zu den Ausnahmen, von welchen wir weiter oben sprachen. Und gerade in diesen Dörfern trinkt man den stärksten Schnaps. Es muß 48prozentiger sein! Jetzt endlich aber, langsam und sicher, hebt sich der Bier verbrauch und verdrängt allmählich diese Runden. Namentlich die jüngeren Leute fangen an, mehr Bier zu trinken, da es billig und bekömmlich ist. Ein anderes Bild. In Dörfern des Thüringer Waldes sahen die Wirtsräume aus wie die Schulstuben. Schwere Tische und Bänke standen in wohlgeordneten Reihen, die Tische und Bänke fest in den Fußboden eingelassen. Ein eigentümlicher, ungemütlicher Anblick. Als wir vor Jahren diese wundersame Einrichtung zum ersten Male erblickten und erstaunt fragten: „Warum das?", da kam die noch erstaunlichere Antwort: „Ja, das muß so sein. Wenn Tische und Bänke nicht fest eingeschraubt sind, dann schlagen „sie" des Abends alles kürz und klein. Dann gibt es alle Augenblicke blutige Köpfe". Das war in der guten, alten Schnapszeit. Seitdem hat nach und nach billiges Bier seinen Einzug gehalten und die Sitten gemildert Noch im vorigen Sommer fanden wir eine derartige unheimliche Einrichtung vor, sie war aber gerade im Schwinden begriffen. „Nun, ist das jetzt möglich?" „Ja, „sie" sind nicht mehr so wild, „sie" trinken jetzt mehr Bier." Auch der Schnapsverbrauch hat seine Berechtigung. Der Arbeiter, der bei Wind und Wetter, bei Frost und Külte, der Mann, der in der Nässe arbeiten muß, bedarf eines solchen Anreizes. Das können sich so manche Herren, die bei Rot- spohn und Sekt sitzen, gar nicht denken, sie rümpfen ver ächtlich die Nasen. Ja, die guten Herren haben eben so gar keine Ahnung, welch beschwerlicher Dienst dem Arbeiter oft zufällt und wie ganz anders das alles von ihm verarbeitet wird. Alkohol ist nur eine Peitsche, ein Anreiz:» ittel, sagt man. Mag sein, aber ein nötiges Anreizmittel. Sieht niau doch auch hohe Herren bei der Jagd die fein geschliffenen Kognakflaschen aus den Taschen ziehen. Nicht gegen den Schnaps an sich soll hier gesprochen werden, sondern nur gegen seinen unberechtigten Verbrauch, und den unterbindet am besten billiges Bier. Damit ist auch nicht etwa der wüsten Biertrinkerei das Wort geredet. Durchaus nicht, das Zuviel ist überall zu bekämpfen, natürlich auch beim Bier. Man sagt nun, das Bier soll ja nicht verboteil werden, bei dem Ausschlag handelt es sich nur um Pfennige, und der Arbeiter braucht ja nur täglich ein Glas Bier weniger zu trinken, dann ist alles wieder eingebracht. Das sagen ganz ernste