31 M i wenn der Großbrauerei die Rente genommen wird, wenn sie auch mit Pfennigen rechnen muß, wenn ihr die Mittel fehlen, um Technik und Wissenschaft weiter in den Dienst des Ge werbes stellen zu können? Für den Kleinbetrieb sicher nicht. Wird es richtig sein, die Staffelung so zu bemessen, daß auch die unvollkommenste Einrichtung leistungsfähig wird gegen über dem besteingerichteten Betrieb? Wird es besser werden, wenn dann wieder in jedem Waschkessel Bier gebraut und in jedem Hauskeller Bier gelagert wird? Wie stehen dazu die Nahrungs- und Genußmittelgesetze? Für die Klein brauerei dürfte das viel schädlicher sein, als die manches Mal ja recht hart schlagende Peitsche großindustrieller Kon kurrenz. Letztere treibt aber wenigstens vorwärts, das erstere bringt dagegen nur Versumpfung. Diese Auffassungen wurden auch schon wiederholt denjenigen Herren der Kleinbrauerei vorgetragen, welche das Heil allein in der Staffelung er blicken. Eine Widerlegung der obigen Auffassungen konnte von ihnen nicht erfolgen. Das alles führt immer wieder zu demselben Schluß. Es läßt sich nicht alles vereinigen. Entweder — oder, so heißt es auch hier. Hohe Steuern und Mittelstandsschutz läßt sich nicht zusammenbringen. Schwere Belastung des Bieres und Schonung des Publikums läßt sich nicht vereinigen. Erhöht man die jetzige Steuer, so bricht die Kleinindustrie zusammen. Ihre Mittel reichen dazu nicht aus. Das zeigt das Beispiel in allen süddeutschen Staaten. Tritt Staffelung hinzu, macht die Großindustrie nur um so schärfere An strengungen und führt den Kleinbetrieb erst recht zum Untergang. Stellt man die Spannung so hoch, daß die Staffelung den Großbetrieb gefährdet und den Kleinbetrieb künstlich in den Vordergrund schiebt, so schneidet man den Lebensfaden ab für die ganze, große Brauindustrie. Dieselbe steht jetzt schon in schwerer Krisis. Wird ihr nicht weitere schwere Last auferlegt, hofft sie, dieselbe überwinden und weiterer Entwicklung ent gegengehen zu können. Fragen wir nun: 3. Wie gestaltete sich die Entwicklung des ge samten Brauereibetriebes und wie erklärt sich das Verschwinden der Kleinbrauereien? Die Bevölkerung wuchs an, die Wohlhabenheit nahm zu, der Verbrauch ver mehrte sich. Der Geschicktere überflügelte den weniger Ge schickten, der eine stieg, der andere blieb stehen? Die Ver hältnisse halfen. Die rasch anwachsende Stadt bot, ohne ü'eitere Anstrengung für den einzelnen, ein ganz besonders günstiges Arbeitsfeld. Die Brauereien der Großstädte wurden zu gewaltigen Betrieben, bescheiden blieb das Land zurück.