43 Die Trinkerleistung in den Bierpalästen ist ja eine recht achtenswerte. Und doch hält das keinen Vergleich aus mit dem großen Verbrauch der nach vielen Millionen zählenden weniger Bemittelten. Nicht die Einzelleistung macht es da, hier entscheidet die Masse. In den Luxuskneipen spielt das Geld keine Rolle, in den Kneipen der kleinen Leute entscheiden die Pfennige. Norddeutschland stellt ungefähr 44 Millionen Hektoliter Bier her, Bayern führt ungefähr 2 l / 8 Millionen Hektoliter Bier ein. In diesem Verhältnis ungefähr mag der Verbrauch der Bemittelten zu dem der weniger Bemittelten stehen. In den Luxuskneipen, deren Zahl nur sehr gering ist im Vergleich zu den anderen, gibt man, wie gesagt, auch noch Trinkgelder. Wie steht dies aus bei den vielen Tausenden von Gastwirten, die das andere Publikum zu bedienen haben? Fragt mau diese Wirte, wie es gehe, erhält man in unglaublich vielen Fällen die Antwort: „Nun, man könnte sich wohl durchschlagen, wäre nur nicht die viele Pumperei mit ihren großen Verlusten. Schon im Wirtschaftsbetrieb selbst hat man Schaden genug, immer wieder gehen „sie" mit ein paar Glas Bier durch." So sicht es aus in der weitaus größten Anzahl von Kneipen. Will man hier richtig urteilen, muß man auf die Verhältnisse des kleinen Mannes bezug nehmen, der mit Pfennigen rechnet. Fassen wir früher Gesagtes in einige Sätze zusammen: Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß leichtes, ge sundes Bier die Schnapspest am wirksamsten bekämpft. Es ist unrichtig, zu behaupten, daß man damit nur den Teufel austreibe durch den Beelzebub. Werden Getränke mit einem Alkoholgehalt bis zu 50 pCt. und mehr verdrängt — da, wo sie verdrängt werden dürfen — durch Getränke mit einem Alkoholgehalt von 3—4 pCt., auch wohl 5 pCt., so bringt dies unzweifelhaft einen Fortschritt. Wird die Wirkung des Surrogatverbots in dieser Richtung ja auch weit überschätzt, so wird dieses vielleicht doch auch hierbei etwas mithelfen. Könnte man Getränke geben — und die Bierbrauerei sucht danach — welche noch geringeren Alkoholgehalt zeigen, so würde dies ein weiterer Fortschritt sein. Nur dürften es nicht aus Eis gekühlte und bis zu 2 pCt. Alkohol enthaltende Brausen sein. Wie die Wiederverkäufer wissen, verderben derartige Getränke im Handumdrehen. Mit diesen Getränken könnte nur noch mehr Unheil angerichtet werden. Die Mittelstandspolitik kann durch hohe Staffe lung nicht gefördert werden. In den vorausgegangenen Ausführungen hierüber gaben wir nur die Erklärung zu den da vorliegenden Zahlen. Diese Zahlen selbst reden eine genügend beweiskräftige Sprache. Zn hohe Spannung bringt nur Nachteil für Groß und Klein, sie führt den kleinen und mittleren