46 Am 1. März treten die Zölle in Kraft. Der Getreidebau soll damit bekanntlich geschützt werden. Dadurch muß das Getreide teurer werden, und dadurch auch das Brot. Die Viehzucht soll ge fördert werden, dadurch müssen die Preise für Vieh ansteigen, das Fleisch kostet mehr. Das Bier wird teurer, der Tabak, die Zigarren und Zigaretten werden im Preise steigen. Sollen die weniger Bemittelten nun auf das alles noch mehr ver zichten, als seither? Das kann wohl niemand verlangen. Dann müssen die Arbeiter, die Handwerker, die kleinen Händler, die vielen Millionen mit ihrer Arbeitskraft, mit ihren Waren ebenfalls aufschlagen. Eine allgemeine Verteuerung der Lebenshaltung wird die Folge sein. Dann erst werden alle diese Zölle getragen da, wo sie schließlich getragen werden müssen, wo sie getragen werden können. Sie werden von den Klassen der weniger Bemittelten mit hohen Zinsen ab gelastet werden auf die Schultern der Bemittelteil. Aber welcher Kampf bis dahin! Und welche Opfer wird dieser jahrelange, das ganze Volk immer wieder durchbebende, immer wieder erschütternde Kampf kosten? Und wird eine derartige Überwälzung der Steuern und Zölle auf die kräftigen Schultern überhaupt möglich sein? Es ist nicht unsere Aufgabe, diese Frage weiter zu erörtern. Täglich hört man aber sagen: „Ach was, das alles geht uns ja gar nichts an. Das tragen die Brauer uird die Wirte, die Tabakfabrikanten und die Tabakhändler." Zunächst vielleicht, unmöglich für länger. Auch bei der indirektenSteuer ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Die Bierbrauerei Norddeutschlands trügt schon jetzt er hebliche Lasten für Reich und Gemeinde. Vom Jahre 1887, welches 24 Millionen Reichsbraustener brachte, stieg diese bis 1905 auf 40 Millionen an. Eine genaue Feststellung der Gemeindeabgaben, welche das Bier bringt, stößt auf Schwierig keiten. Die Verhältnisse liegen zu verschieden. Hier bei uns ist die durchschnittliche Abgabe an die Gemeinden höher, als die an den Staat. Trotzdem haben wir hier billige Bier preise. Das Maß ist aber auch voll. Brauer und Wirte können nicht weiter. Am 1. Mürz kommen die Zölle. Die Brauereien Deutschlands werden durch dieselbeir init weiteren 24 Millionen belastet, den Löwenanteil hat Norddeutschlaud zu tragen. Das Brauereigewerbe Norddeutschlands hat sich rascher, als das im Süden entwickelt und steht daher weniger kräftig