52 Hinblick auf die zahlreichen Existenzen, die mit dem Brau gewerbe zusammenhängen: Gastwirte, Angehörige der Hilfs- industrien und zahllose Arbeiter. Nach dem Gesagten, insbesondere aus der Dividenden statistik, ist ersichtlich, daß auch die Großbrauereien die Er höhung der Brausteuer nicht tragen können und nicht tragen werden. Was wird aber dann die unabwendbare Folge sein? Die Großbrauereien werden sich noch mehr bemühen, die Kleinbetriebe aufzusaugen, noch inehr „Fusionen" werden statt finden, die Wirte werden höhere Bierpreise zahlen müssen,, und da auch die Wirte zumeist nicht auf Rosen gebettet sind, werden sie eben ihrerseits die Preise für Bier — wahrschein lich durch Verabreichung kleinerer Gläser — erhöhen. Wer zahlt also die geplante Brausteuer zuletzt? Der Konsument. Und wer ist der größte Konsument? Das werktätige Volk, der kleine Landwirt, der Arbeiter, der Handwerker, der kleine Beamte, kurz: der Mittelstand. Im Hinblick auf die nach gewiesene höhere Belastung der Kleinbrauer und die zu er wartende Abwälzung auf den Konsumenten sind daher die am 3. Dezember 1904 gemachten Äußerungen des Reichs schatzsekretärs: „schonende Rücksichtnahme auf die wirtschaftlich Schwachen sollte seine Richtschnur sein, daran wolle er un entwegt festhalten", ganz unverständlich. Es kann nicht bezweifelt werden, daß infolge der erhöhten Bierpreise ein Niedergang des Braugewerbes, des Gastwirt- standes und aller Hilfsindustrien stattfinden wird. Auch der Bierkonsum wird sehr beträchtlich zurückgehen, so daß das Ideal der Steuervorlage, 94 Millionen aus der Brauerei herauszuholen, gar nicht erreicht wird. Ich fühle mich als simpler Kleinbrauer natürlich am wenigsten berufen, Vorschläge zu machen, wo das Reich die anerkannt nötigen Mittel zur Sanierung seiner Finanzen her holen soll, aber ich bin der Überzeugung: In unserem großen reichen Vaterlande lassen sich diese Mittel von wirklich starken Schulter auch aufbringen! Möchten die Brauereien des Nord deutschen Brausteuergebietes und der Konsument vor dieser „Stasfel"-Steuer und vor jeder Brausteuererhöhung bewahrt bleiben! Otto Sonntag, Braumeister.