21 Für Cognacs, unter einer Bezeichnung, die den An schein erwecken muß, daß es sich um reines Weindestillat handle, sollte der Zusatz „Weinbrand“ angewendet werden. So wenig mit dieser Bezeichnung eine Garantie geboten, so bietet sie selbst nach den Beschlüssen nicht das, was von einem Weinbrandcognac zu verlangen ist, denn hier nach kann nicht allein der Alkoholgehalt des Cognac dem Traubenwein, sodern ebensogut dem Tresterwein entstammen; aber auch die Veränderung, die das Destillat seit der Her stellung erfahren und die es eigentlich erst in Cognac verwandelt, darf durch künstliche Zusätze erzeugt werden und braucht nicht durch Alter und Lagern enstanden zu sein. Dem Laien muß es fast unglaublich klingen, daß eine Ware von soweit herabgeminderter Qualität und unter falscher Bezeichnung noch unbeanstandet Abnehmer finden kann. Eine Erklärung hierfür ist auch nur darin zu finden, daß dem Abnehmer die Möglichkeit der Kontrolle für die Qualität vollständig fehlt. Die beiden Charentes sind die einzigen Weingebiete, deren zur Brennerei wirklich geeignete Weine bisher rein zur Destillation gelangten. Nur von Cognac aus erhielt die Welt jahrhunderte lang die feinsten reinen Weinbranntweine. Als diese von Cognac aus nicht mehr geliefert wurden, hat das Publikum nur noch in den allerseltensten Fällen diesen wirklich alten feinen Weinbranntwein geschmeckt, statt dessen das dafür gehalten, was von den Cognachäusern mit zweifellos großem Geschick künstlich hergestellt und versandt worden ist. Wäre ein Vergleich mit wirklich reinem Weinbranntwein angestellt worden, würde das Publikum die Fälschung gewiß zurückgewiesen haben.