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        <title>Die wirtschaftliche Entwicklung und Lage der Elektrotechnik in der Schweiz</title>
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            <forname>Julius G.</forname>
            <surname>Einhart</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>875639712</idno>
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        <pb n="1" />
        ﻿Die

wirtschaftliche Entwicklung und Lage
der Elektrotechnik in der Schweiz.

Inaugural-Dissertation

zur

Erlangung der staatswissenschaftlichen Doktorwürde
der

hohen staatswissenschaftlichen Fakultät
der Königlich Uliirttembergiscben
„Eberhard Karls-Universität“ zu Cübingen
vorgelegt von

Julius 6. einhart

aus Konstanz.

Bedruckt bei X lDunz in Ulorms a. Rh.
1900.

1
        <pb n="2" />
        ﻿r Bibliothek jg
        <pb n="3" />
        ﻿

REFERENT

STAATSRAT PROF. Dr. v. SCHÖNBERG.
        <pb n="4" />
        ﻿WEINEW HOCHVEREHRTEN LEHRER
HERRN

Dr. Jur. H. SCHli/AACHER

PROFESSOR DER STAATSWISSENSCHAFTEN AN DER
UNIVERSITÄT BONN a. Rh.

IN DANKBARKEIT GEWIDWET.

der VERFASSER.
        <pb n="5" />
        ﻿Vorwort.

Mehrjährige administrative Tätigkeit als Kaufmann
in meines Vaters*) Filialen, gab mir Veranlassung zu
nachfolgender Darstellung der wirtschaltlichen Entwick-
lung und Lage der Elektrotechnik in der Schweiz.

Durch Beendigung vorliegender Arbeit ist m^in
sehnlichster Wunsch, der Wirtschaftsgeschichte der
Schweiz einen bescheidenen Beitrag geliefert zu haben,
erfüllt. Wenn es mir, auch trotz grosser Bemühungen,
nicht völlig gelungen ist, meine Inauguraldissertation,
die im Tübinger Staatswissenschaftlichen Seminar ent-
standen ist, so zu fördern, wie ich es wünschte, so hängt
dies mit der Beschaffenheit der Arbeit und insbesondere
dem überaus wenig verfügbaren Material zusammen.
Die in dieser Monographie verbliebenen Lücken können
wegen des sehr weitschweifigen Themas nur durch
weitere Verarbeitung der einzelnen Abschnitte aus-
gefüllt werden. Anregung zu weiteren dankbaren volks-
wirtschaftlichen Arbeiten ist hiermit gegeben!

Meine Dissertation möchte ich nicht der Oeffentlich-
keit übergeben, ohne zuvor meinem hochverehrten Lehrer,
Sr. Magnificenz dem Kanzler der Universität 1 übingen,
Herrn Staatsrat Professor Dr. von Schönberg, für die
gütige Annahme des von mir erbetenen Themas meinen
Dank ausgesprochen zu haben.

Gleichzeitig sei auch all denjenigen Herren mein \ er-
bindlichster Dank gesagt, die mir bei der Lösung dieser

*) Cf. s. 9*.
        <pb n="6" />
        ﻿Aufgabe durch mündliche und schriftliche Auskunft-
erteilung wie auch durch gütige Ueberlassung des hierzu
nötigen Materials behilflich waren, so insbesondere den
Herren Direktoren der schweizerischen Elektrizitäts-
Gesellschaften und Banken, speziell Herrn W. Boveri,
sowie den Herren: Professor Dr. Wyssling und Syndikus
Dr. Geehring. Privatdozent Dr. Harms sei auch an
dieser Stelle für frdl. Durchsicht meiner Arbeit gedankt

Tübingen 1905.

.	Der Verfasser.
        <pb n="7" />
        ﻿Einleitung.

Von einer nutzbringenden Anwendung der Elektri-
zität können wir erst seit dem 19. Jahrhundert — nach
der Entdeckung des Elektromagnetismus — sprechen.

Die Elektrotechnik zerfällt in die Schwachstrom-
und Starkstrom-Elektrotechnik. Die Entwicklung war
nicht eine gleichmässige und zu gleicher Zeit erfolgende;
während die Schwachstromtechnik in den achtziger
Jahren schon entwickelt war, beginnt erst seit diesem
Zeitpunkt der Aufschwung der Starkstromtechnik.

Die elektrotechnischen Unternehmungen, die in
dieser Arbeit behandelt werden sollen, lassen sich in
drei Hauptgruppen einteilen:

Die erste Gruppe, die Produzenten elektr. Ein-
richtungen, beschäftigt sich mit der Herstellung und
dem Bau von elektrischen Apparaten. Hierher gehören
die Fabriken zur Herstellung von Dynamomaschinen,
Elektromotoren, elektrischen Apparaten, wie u. a. Heiz-
körpern, Glüh- und Bogenlampen etc.

Zu der zweiten Gruppe, den Produzenten der
elektrischen Energie, gleichzeitig Konsumenten der elek-
trischen Einrichtungen, gehören dieElektrizitäts-Anlagen,
dazu sind in erster Linie die Elektrizitätswerke und die
elektrischen Bahnen zu rechnen.

Die dritte Gruppe bilden die Finanzgesellschaften,
die nicht, wie die erste Gruppe, selbst fabrizieren,
sondern lediglich reine Betriebs- oder Bankgesellschaften
sind, die sich mit dem Bau bezw. Erwerb solcher
Elektrizitäts-Unternehmungen befassen.
        <pb n="8" />
        ﻿I.	Die Sehwaehstrom~Industrie.

1.	Telegraphie.

Im Jahre 1850 wurde die Lieferung elektrischer Ap-
parate von der schweizerischen Telegraphen-Verwaltung
nach den Mustern von Stuttgarter Fabrikaten in der
Schweiz zum ersten Male öffentlich ausgeschrieben;
es stellte sich heraus, dass es in der Schweiz damals
noch keine elektro-mechanische Geschäfte gab, die sich
mit dem Bau und der Installation solcher Apparate be-
schäftigen. Die Telegraphen-Verwaltung war nun ge-
nötigt, selbst die Fabrikation in die Hand zu nehmen.
Die Regie der staatlichen Werkstätte wurde dem be-
währten Altmeister der Schwachstromtechnik, dem ver-
storbenen Hipp übertragen. Die Fabrikation erstreckte
sich nicht allein auf Telegraphenapparate, sondern auch
auf alle zur Installation erforderlichen Apparate und
Materialien.

Die Gründung dieser Werkstätte war gleichbe-
deutend mit der Schaffung eines neuen Industriezweiges
der Schweiz: der Schwachstromtechnik.

Die Leistungsfähigkeit der Werkstätte Hipp s war
so bedeutend, dass Ende des Jahres 1852 schon 115
selbständige Telegraphenstationen im Betrieb standen.

Im Jahre 1854 fand dann eine Neuorganisation dieser
Werkstätte statt, die eine weitgehende Absatzfähigkeit
zur Folge hatte. Man arbeitete nun auch für das Aus-
        <pb n="9" />
        ﻿4

land, insbesondere für die Nachbarländer Frankreich und
Italien, und dehnte den Arbeitskreis im Jahre 1857 weiter
auf die Haustelegraphie, einschliesslich des Baues elek-
trischer Uhren, aus. Die Prosperität des Etablissements
war demnach eine gute zu nennen.

Im Jahre 1865 ging die unter eidgenössischer Ver-
waltung stehende Werkstätte durch Verkauf in Privat-
besitz über, da sich mit der Zeit — 1860 Reorganisation —
gewisse Misstände in der Regie zeigten, die sich der
weiteren gedeihlichen Entwickelung als Hindernis ent-
gegenstellten.

Die unterdessen in Neuchätel gegründete zweite
Telegraphenwerkstätte, die dererstenmustergiltigzur Seite
gestellt werden konnte, deckte nun im Verein mit dieser
den inländischen Bedarf. Eine ausländische Konkurrenz
war so gut wie ganz ausgeschlossen.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bald nach der
praktischen Verwendung dieses internationalen Verkehrs-
mittels zur Geltendmachung einheitlicher Normen für
den Kontinent im Jahre 1856 ein allgemeiner Telegraphen-
verein gegründet wurde, dem sich auch die Schweiz
anschloss.*)

2.	Telephonie.

Wie die internationale Bell Ielephone Compagnie
in einer Reihe grösserer Städte Europas den Grundstock

*) Die physikalische Industrie von Rothen-Bern 1883. Separat-
abdruck aus den Berichten über die Schweizer Landesausstellung,
Zürich 1883.
        <pb n="10" />
        ﻿5

zum telephonischen Verkehr legte, so ergriff diese Ge-
sellschaft im Jahre 1879/80 auch in der Schweiz die Ini-
tiative zum Ausbau eines Telephonnetzes. Die von ihr
zuerst in Zürich gegründete Telephongesellschaft ging
in den 80er Jahren in eidgenössischen Besitz über. Die
amerikanische Telephongesellschaft hatte für fünf Jahre
die Konzession von der eidgenössischen Telegraphen-
verwaltung erhalten. Die Zahl der Telephon-Abonnenten
wuchs von Jahr zu Jahr, sodass 1883 schon 845 private
und 12 öffentliche Sprechstellen vorhanden waren. Vom
Jahre 1881 ab wurden in allen grösseren Städten der
Schweiz Telephon-Netze errichtet. Die Apparate zur in-
neren Einrichtung der Telephon-Stationen wurden von
der Bell Telephone Compagnie geliefert.

Erst im Jahre 1881 stellten auch die schweizer
Werkstätten elektrische Telephonapparate her, zum Teil
nach eigenen Modellen, so die Werkstätte der Telephon-
gesellschaft Zürich, das Etablissement zur Herstellung
telegraphischer und elektrischer Apparate zu Neuchätel,
die Fabrik elektrischer Apparate zu Uster und die mecha-
nischen Werkstätten Kälin-Einsiedeln und Hassler-Bern,
und erwarben sich durch ihre gediegenen Konstruktions-
arbeiten bald einen bedeutenden Absatz im In- und
Auslande.*)

Nachstehende Tabelle zeigt die allgemeine Ent-
wicklung der Telephonie und Telegraphie in der Schweiz
und deren Kostenaufwand.

) Die physikalische Industrie von Weber-Zürich 1883. Separat-
abdruck aus den Berichten über die Schweizer Landesausstellung.
Zürich 1883.
        <pb n="11" />
        ﻿6

Jahr	Länge d. Teleph.-	
	u. Telegr.-Drähte	
1852	km	1,920,0
1855	V	2,652,0
1860	n-	4,104,0
1865	r&gt;	5,990,0
1870		11,057,6
1875	n	15,442,6
1880		16,007,6
1885	n	21,960,3
1890	•n	35,342,2
1895	r&gt;	73,208,0
1901	»	209,027,9
1902	Y)	230,841,8

Zus.

Erstellungskosten
der Linien

Fr.	254,898,15

„	75,265,84

„	84,478,04

59,592,72
„	180,906,66

„	225,341,90

„	861,65

„	358,708,36

„	733,024,76

„	1,317.794,01

„	3,809,006,—

Fr. 32,900,762,83

Gesamtausgaben für
Bau der Aemter etc.

Fr. 424,081,55
„	324,520,05

„	439,856,77

„	657,533,48

„ 1,326,818,29
„ 2,047,671,86
„ 1,812,906,65
„ 2,655,810,82
3,266,834,44
„ 5,606,820,94
„ 10,629,565,36
„ 10.476,559,84
Fr. 143,557,999,51*)

3.	Haustelegraphie.

Die Haustelegraphie, die in der Schweiz von den
Firmen G. Hassler (Bern),**) Peyer-Favarger &amp; Co. (Neu-
chätel) und Zellweger (Uster) vertreten wird, hat sich
später entwickelt. Dieselbe ist ausschliesslich Klein-
industrie. Die Spezialartikel der schweizerischen Haus-

*) Laut Geschäftsbericht der Telegraphen-Verwaltung im Bundes-
blatt 1905 Bd. II, S. 120.

**) Vgl. Die kommerzielle und industrielle Schweiz 1903. Separat-
abdruck der Firma.
        <pb n="12" />
        ﻿7

telegraphie haben sich infolge ihrer vorzüglichen Aus-
führung bald eine Monopolstellung im In- und Auslande
gesichert.*)

Vgl. Telegraphie und verwandte Apparate von Dr. Tobler.
Separatabdruck: Die physikalische Industrie Zürich 1883.
        <pb n="13" />
        ﻿II.	Die Starkstrom~Industrie.

1.	Entwicklungsgang.

Nach der Entdeckung des dynamoelektrischen
Prinzips begann die eigentliche wirtschaftliche Nutzbar-
machung der Elektrotechnik, und zwar in den ver-
schiedenen Formen: „Licht und Kraft“, „Chemie und
Metallurgie“.

Im Jahre 1888 finden wir in der Schweiz schon fünf
Etablissements mit dem Bau von Dynamos beschäftigt.
Insbesondere ist die Basler Firma Bürgin zu erwähnen.
Der Ingenieur Bürgin hat um das Jahr 1880 eine sehr
geistreiche, von Gramm nnd Siemens ganz verschiedene,
Dynamomaschine konstruiert und die ersten 4 schweize-
rischen Dynamos nebst einem Dutzend Bogenlampen bei
Turrcttini in Genf installiert. Diese „Spezialtype“ hatte
damals die weitgehendste Verbreitung gefunden. Auch
in England wurde die Bürginmaschine gebaut. Am
8. September 1881 wurde die Firma Bürgin &amp; Alioth
gegründet, welche die von Bürgin begonnene Fabrikation
fortsetzte. Bürgin zog sich schon 1883 aus dem Ge-
schäfte zurück; dasselbe wurde nun unter der Firma
R. Alioth &amp; Co. weitergeführt.*)

Auf der Landesausstellung in Zürich hatten auch
die Werkstätten von Hipp, Meuron et Cuenod (Genf)
Dynamomaschinen nach dem System von R. Thury,

*) Durch frdl. Vermittlung Dr. Qeehring’s von der Elektrizitäts-
Akt.-Qesellschaft Alioth Münchenstein-Basel erhalten.
        <pb n="14" />
        ﻿9

jetzt die Firma Compagnie de l'industrie electrique et
mechanique Geneve, ausgestellt.

Audi die Züricher Telefongesellschaft baute Dyna-
mos und hatte s. Z. auf der Ausstellung solche vorgeführt.

Ferner fing die Sociütü genüvoise pour la construction
d’ instruments de physique in den 80 er Jahren an, sich
damit zu beschäftigen. Die grossen Erfolge, die der
Dynamobau sich gesichert hatte, gingen von der Be-
leuchtungstechnik aus, die als erstes Verwendungsgebiet
betrachtet werden kann. Die Ausgestaltung der Glüh-
und Bogenlampen bewirkte zugleich eine Preisermässi-
gung der Dynamos und mit der rasch wachsenden Ver-
wendung wurden sie bald ein bedeutender Industrie-
artikel. -

Der Lichtmaschine folgte die Kraftmaschine, mit
welcher im Jahre 1888 die elektrotechnische Firma
Julius Einhart-Konstanz und Krcuzlingen* **)) den ersten
kleineren praktischen Versuch machte, Kraft von Kon-
stanz (Baden) nach Emmishofen (Schweiz) zu leiten,
was ihr auch gelang. Einhart erwarb sich dadurch das
Verdienst, die erste elektrische Kraftübertragung Deutsch-
lands und der Schweiz — und wohl auch der Welt —
zur Ausführung gebracht zu haben. Dies hatte eine
entscheidende Wendung für die Elektrotechnik zur Folge
und kam insbesondere in dem nächsten Jahrzehnt zum
Ausdruck, als die Maschinenfabrik Oerlikon"*) gemein-
schaitlich mit der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft
Berlin 1891 die Kraftübertragungsanlage Lauben a.
Neckar Frankfurt a. Main vollendete. Man hatte es
mit Wechselströmen von 25000 Volt Spannung zu tun.

*) Vergl. Buch der Erfindungen von Hartleben s Verlag. Wien 1886.

**) Nach Berichten der Maschinenfabrik Oerlikon 1903.
        <pb n="15" />
        ﻿10

Die Distanz betrug I70 km, der Nutzeffekt 75°/0. Die
grösseren Kraftübertragungsversuche scheiterten ehedem
fast alle, weil der erzielte Nutzeffekt zu gering (ca. 40-
50%) war. Heute betragen die Verluste bei Fern-
leitungen von ca. 150 km bei einer Spannung von
30—40000 Volt nur noch 5—12 °/0.

Alle diese Fortschritte befähigten die Elektrotechnik,
auf vielen Gebieten mit den bestehenden Industrien in
Konkurrenz zu treten. — Licht- und Kraftbetrieb finden
seit Mitte der 90er Jahren ausgedehnte Verwendung,
insbesondere die Kraftübertragung. Auch die Elektro-
chemie änderte ihre Gestalt: aus der Klein-Industrie
wurde eine Gross-Industrie.

Ende der 80er Jahre verschob sich auch das Bild
in der Fabrikation der Bedarfsartikel für die Schwach-
und Starkstrombranche: man ging zur Spezialfabrikation
über, während früher eine Fabrik (z. B. Alioth) alles,
was für eine Starkstrom-Anlage nötig war, wie Be-
leuchtungskörper, Messapparate, Schaltapparate usw.,
selbst herstellte. Vor allem war es die Technik selbst,
die einen spezialisierten Betrieb forderte; die modernen
amerikanischen Spezial-Arbeitsmaschinen verdrängten
bald den teuren Feinmechaniker und setzten billige
Maschinenarbeiter und Lehrlinge an seine Stelle.

2.	Die Grossfirmen.

Aus dem vorigen Abschnitt ersehen wir, dass die
Reife der Starkstromtechnik noch relativ sehr jung ist.
Es waren daher keine schwierigen Klippen von ver-
        <pb n="16" />
        ﻿11

alteten Konstruktionen zu umschiffen und dies ist nicht
einer der geringsten Gründe, weshalb diese Industrie,
wie kaum eine zweite, in verhältnismässig kurzer Zeit
eine so gewaltige, technische -und wirtschaftliche Ent-
wicklung aufzuweisen hat.

Es ist interessant, die Entwicklung der fünf grössten
Firmen der Elektrizitätsbranche in der Schweiz: Ma-
schinenfabrik Oerlikon, Brown, Boveri &amp; Co. Aktien-
Gesellschaft, Elektrizitäts-Gesellschaft Alioth, Compagnie
de l’industrie dlectrique et mechanique und J. J. Rieler
&amp; Cie. Maschinenfabrik Winterthur, im einzelnen zu be-
trachten.

a.	Maschinenfabrik Oerlikon.

Die Maschinenfabrik Oerlikon in Oerlikon*) unter-
scheidet sich von den anderen Grossfirmen dadurch,
dass sie sich mit allen Gebieten der Starkstromtechnik
befasst und ausserdem noch verschiedene andere
Maschinen, insbesondere Werkzeugmaschinen, fabriziert.
Die Firma war bis gegen Ende der neunziger Jahre die
grösste Elektrizitätstirma der Schweiz. Ihre Gründung
fällt in das Jahr 1872. Sie wurde als offene Handels-
gesellschaft unter dem Namen „Werkzeugmaschinen-
fabrik Oerlikon“ mit bescheidenen Mitteln gegründet.
Zunächst befasste sie sich mit dem Bau von Holz-
bearbeitungsmaschinen, später mit der Fabrikation von
Werkzeugmaschinen. 1875 wurde der kirma die Her-
stellung und der Vertrieb von Mühlenartikeln nach den
Erfindungen von Wegmann für ganz Europa übertragen.
Die stetige Ausgestaltung der Fabrikation bedingte

*) Den Berichten der betreffenden Firma entnommen.
        <pb n="17" />
        ﻿- 12 -

eine Aenderung der Gesellschaftsform und so wurde
die offene Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt. Hierdurch war die Handhabe gegeben,
die für eine Erweiterung des Betriebes bis zur Grenze der
Absatzmöglichkeit benötigten Kapitalien ohne Schwierig-
keit zu beschaffen, während andererseits auch der Zufluss
von Kapital belebend auf die Produktion wirkte. Mitte
der achtziger Jahre wandte sich die Gesellschaft dann
der Elektrizitätsbranche zu und änderte ihre Firma dem-
gemäss in „Maschinenfabrik Oerlikon“. Die Erweiterung
des Arbeitskreises halte später naturgemäss auch eine
Zunahme der Arbeitskräfte im Gefolge.

Es waren beschäftigt:

	Arbeiter:	Angestellte	: Zusammen
1895/6	i 1005	155	= 1160
1896/7	1444	177	= 1621
1897/8	1588	208	—	1788
1898/9	1673	229	=	1902
1899/0	1640	264	=	1904
1900/1	1530	313	=	1843
1901/2	1630	345	—	1975
1902/3	1480	356	=	1836*)

Ueber die Entwicklung des Geschäftes gibt auch
folgende kurz gefasste Bilanz-Tabelle Aufschluss (in Kr.
ausgedrückt):

1899	1900	1901	|y02	1903

A.	’) 9,150,(XX) 10,300,000 10,300,000 I2,7&lt;&gt;0,000 12,700,000

B.	a) 9,800,000 10,000,000 10,000,000 12,500,000 13,000,000

C.	3)	310,000	310.000	375,000	400,000	400,000

*) Obige Tabelle von der Direktion der Maschinenfabrik Oerlikon
freundlichst überwiesen erhalten.

') A enthält = Bilanzmässiges Kapital (Aktien-Kapital, Obli-
gationen etc.)
        <pb n="18" />
        ﻿— 13 -

Die Kapitalmacht wird von der Bank für elektrische
Unternehmungen in Zürich, mit welcher auch die deutsche
Firma Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin, Brown,
Boveri &amp; Co. A.-G. und andere Elektrizitätsfirmen ar-
beiten, noch verstärkt.

Trustgesellschaften, wie die „Motor“-Elektrizitäts-
aktiengesellschaft (von Brown, Boveri &amp; Co. A.-G in’s
Leben gerufen), kennt weder die „Maschinenfabrik Oer-
likon“ noch die später zu erwähnenden Firmen „Alioth“
etc. Es ist dies umsomehr bemerkenswert, als ja das
schweizerische Aktienrecht für Gründungen dieser A rt sehr
geeignet ist.

Eine auch nur „summarische“ Beschreibung der
Fabrik selbst und ihrer Gebäude etc. würde ,zu weit führen.
Ebenso kann hier nicht auf die Vielseitigkeit der Er-
zeugnisse des Etablissements eingegangen werden.

Leider ist es unmöglich, von der Produktionsleistung
der Firma ein genaues Bild zu geben, ein Bild, das ins-
besondere Produktion bezw. Konsumtion der Dynamos
und Motoren der verschiedenen Jahrgänge veranschau-
lichen würde, da von der Gesellschaft derartige Angaben
nicht zu erlangen sind. Es mögen jedoch einige Mit-
teilungen aus dem Spezialbericht der Maschinenfabrik
Oerlikon vom Jahre 1903 hier wiedergegeben werden:

Das durchschnittliche Jahreserzeugnis beträgt an
Metallguss ca. 110,000 kg, än Stahlguss ca. 500,000 kg,
an Grauguss gegen 3,000,000 kg. Werkzeugmaschinen
wurden bis dahin über 6600 Stück gebaut, Walzenstühle

!) B enthält = Anlagen im Fabrikationsgeschäft (Immobilien,

Mobilien etc.)

’) C enthält = Beteiligungen und Unternehmungen in eigener Regie.

NB. Die Zahlen vor dem Jahre 1899 wurden von der Firma nicht
zur Veröffentlichung gegeben.
        <pb n="19" />
        ﻿14

rund 17,000. Dynamomaschinen und Transformatoren
verliessen mehr als 23,000 Stück die Werkstätten und
wenn nur jene Anlagen, welche mehr als 200 PS. leisten,
berücksichtigt werden, so sind elektrische Maschinen mit
insgesamt über 300,000 PS. zur Ablieferung gebracht
worden. Die Zahl der erstellten Zünder und Shrapnels
beläuft sich auf viele hunderttausend.

Grössere von der Firma erbaute elektrische An-
lagen sind: die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich, Les
Clees-Yverdon, La Goule, St. Gallen, Schaffhausen, St.
Mortier (Frankreich), Tagieff in Baku (Kaukasus), Peters-
burg, Madrid, Boleo (Mexiko), Riva, Zwölfmalgreien,
Lend-Gastein (Österreich). Ferner sind an Beleuchtungs-
gesellschaften in London Maschinen mit insgesamt
20,000 PS. geliefert worden. Elektrische Bahnen (Strassen-
und Bergbahnen) wurden bis einschliesslich 1903 über
30 gebaut und in Betrieb gesetzt.

Elektrochemische Anlagen wurden mit einer Leistung
von insgesamt rund 40,000 PS. geliefert. Als ebenso um-
fangreich wurden die elektrischen Zentralen angegeben,
welche die Firma seinerzeit in Arbeit hatte.

Auch auf dem Gebiet des elektrischen Vollbahn-
verkehrs hat sich die Maschinenfabrik Oerlikon rühmlich
hervorgetan und ist bahnbrechend dabei ihre eigenen
Wege gegangen; sie hat die alten Methoden verlassen
und ist zu der Verwendung des Einphasenstromes, auf
dem System der Stromabnahme beruhend, übergegangen.
Dies stellt eine ganz bedeutende und originale Schöpfung
der Gesellschaft dar. Dieses neue System ist auf der
schweizerischen Normalbahnstrecke Seebach-Wettingen
in Betrieb gekommen.
        <pb n="20" />
        ﻿Entsprechend der Produktionszunahme war auch
die Erhöhung der Kapitalien, wie nachstehende Zahlen
veranschaulichen:

1896	Fr. 3,(XX),000 (vorher keine öffentliche Bilanz),

1897	Erhöhung	um	F'r.	1,000,000	auf	Fr.	4,000,000,

1899 „	„	„	2,000,000	„	„	6,000,000,

1902	„	„	2,000,000	„	„	8,000,000.

Dank ihrer vorzüglichen Fabrikate erstreckt sich
die Tätigkeit der Firma nicht allein auf das Inland,
sondern auch auf das Ausland. Zweigniederlassungen
bestehen in Rom, Madrid, Mailand, Moskau, Warschau
und Lausanne.

b.	J3romn, JSoveri $ Qo. ^Aktiengesellschaft.

Im Jahre 1891 wurde die Firma ,Brown, Boveri &amp; Co.‘
in Baden (Schweiz) von ehemaligen Ingenieuren der
Maschinenfabrik Oeriikon, den Herren W. Boveri und
C. Brown, gegründet.

Die Zahl der Angestellten betrug im Slammhause
(Baden):

1893 — 34 und wuchs

1902	auf 263

1903	„ 266

1904	„ 365 an.

1904 beschäftigte die Fabrik in Baden 1840 männliche
und 50 weibliche Arbeiter. Weibliches Personal wurde
erst seit dem Jahre 1902 beschäftigt.

Die weitere innere Ausgestaltung der Firma be-
dingte die Schaffung neuer Etablissements und so wurde
im Jahre 1899 in Mannheim eine Zweigfabrik nach
schweizerischem Muster erstellt. Zurzeit beschäftigt
diese Fabrik ca. 1500 Arbeiter.
        <pb n="21" />
        ﻿16

Das so gigantische Emporwachsen dieser Firma
war zum guten Teil der glänzenden Entwicklung der
Starkstromtechnik zu verdanken, zum andern aber auch
ihrem Geschäftsprinzip: die Haupttätigkeit galt stets der
„Fabrikation“, höchst selten der „Installation“.

Das Hauptarbeitsfeld umfasst vor allem Italien,
Deutschland, die übrigen Länder Europas sowie einige
überseeische Länder.

Nach der Statistik der Firma wurden- elektrische
Maschinen ausgeführt:

1897	= 1586 t (Gesamtausfuhr der Schweiz betrug 4054 t),

1898	= 19171 (	„	„	4285 t),

1899 = 29491 (	„	„	5765 t).

Regen Anteil nahm die Firma an der Nutzbar-
machung der schweizerischen Wasserkräfte und gründete
hierfür die Aktiengesellschaft für angewandte Elektri-
zität „Motor“, die als ihre Hauptaufgabe die Finanzierung
elektrischer Unternehmungen — Licht-, Kraft- und elektro-
chemische Werke — betrachtet. „Motor“ ist die ein-
zige inländische Unternehmung, die sich speziell mit
grossen Wasserbauten beschäftigt. Über diese Gesell-
schaft wird in dem Abschnitt „VI. Finanzgesellschaften“
noch ausführlich berichtet werden.

Die enorme Leistungsfähigkeit kommt besonders
bei den Zentralen Lyon (25 000 PS.) und Mailand (15000
und 7000 PS.) zum Ausdruck, wenn man bedenkt, dass
diese zwei Objekte im Submissionswege zur Vergebung
kamen und dabei amerikanische und europäische Firmen
in Wettbewerb traten. Für die Pariser Metropolitanbahn
erhielt die Gesellschaft die Ausführung der maschinellen
        <pb n="22" />
        ﻿17

Einrichtung der neuen elektrischen Kraftzentrale, be-
stehend aus vier grossen Dampfturbinen mit ca. 3000 PS.*).

Die stetige Entwicklung und der notwendige Aus-
bau des Etablissements bedingten im Jahre 1900 die
Umwandlung der alten Gesellschaftsform (Kommandit-
gesellschaft) in eine Aktiengesellschaft mit einem Ein-
lagekapital von Fr. 12,500,000; der Reservetonds betrug
Fr. 3,807,562,50 — mehr als 30°/0 des Aktienkapitals -.
Nachstehende Bilanz-Tabelle gibt über die Entwicklung
des Geschäfts in den letzten Jahren — seit Gründung
als Aktiengesellschaft — ausführlichen Bescheid. Das
Aktienkapital ist während dieser Zeit gleich geblieben.
Unter den Passiven befanden sich am Schluss des Ge-
schäftsjahres 1902/03 ca. 8 Millionen Fr. Kreditoren neben
einer 4°/0 Anleihe von Fr. 1,500,000,—. Diese Anleihe
von 1897 wurde auf den 31. März 1904 zur Rückzahlung
gekündigt. Gleichzeitig erfolgte die Ausgabe von neuen
Obligationen im Gesamtbeträge von Fr. 5,000,000, ,
wobei den Inhabern der gekündigten Obligationen an-
geboten wurde, die alten Titres in neue einzutauschen.
Oie 5 Millionen-Anleihe gelangte an der Züricher Börse
zur Einführung.

Den Schulden stehen 1902/03 an flüssigen resp.
leicht realisierbaren Aktiven gegenüber: Bankguthaben
Fr. 3,242,377,-, Debitoren Fr. 6,359,277,Effekten und
Beteiligungen Fr. 8,041,345,—, Wechsel und Kasse
Fr. 144,780,-. Der Status der Gesellschaft war also
im Hinblik auf die Liquidität ein durchaus gesunder.
Die Mobilien sind zu Fr. 5,635,239,— berechnet, während
die Immobilien mit Fr. 3,584,112 zu Buch stehen. Die

*) Die kommerzielle und industrielle Schweiz. Separatabdruck
der Firma Brown, Boveri &amp; Co. Akt.-Qes., Baden-Schweiz 1903.
        <pb n="23" />
        ﻿18

Bilanz-Conto.

cAktiva

	1900/1901		1901/1902		1902/1903	
	Fr.	Rp.	Fr.	Rp-	Fr.	Rp*
Immobilien		3,035,984	95	3,652,112	95	3,584,112	95
Mobilien		6,185,059	48	6,349,769	64	5,635,239	89
Cassa-Conto . . . . .	33,169	86	34,829	22	36,726	50
Wechsel-Conto ....	117,520	50	53,389	52	108,054	70
Effekten- u. Beteiligungs- Conto		7,503,382	50	7,696,828		8,041,345	75
Conto-Corrent-Debitoren	6,789,624	32	6,883,859	33	6,359,277	63
Bankguthaben ....	4,505,088	31	2,551,380	06	3,242,377	05
	28,169,829	92	27,222,168	72	27,007,134	47
						

Passiva

	1900/1901		1901/1902		1902/1903	
	Fr.	nP.	Fr.	Rp.	Kr.	nP.
Aktienkapital-Conto . .	12,500,000	—	12,500,000	—	12,500,000		
Ordentlicher Reservefond	3,807,562	50	3,807,562	50	3,807,562	50
4°/0 Hypothekaranleihen- Conto		1,530,060			1,530,220		1,530,060	
Acceptations-Conto .	.	40,700	—	44,457	•—	43,500	—
Sparkassa-Conto .	■	•	53,431	90	86,915	40	98,790	70
Arbeiter-Unterstützungs- fond		—		122,077	15	127,347	65
Beamten-Pensionsfond	—	—	41,642	45	50,076	40
Conto-Corrent-Kreditoren	7,967,066	63	8,363,135	25	7,806,850	95
Gewinn- u. Verlust-Conto	2,271,008	89	726,158	97	1,042,946	27
	28,169,829	92	27,222,168	72	27.007,134	47
        <pb n="24" />
        ﻿— 19

jeweiligen Abschreibungen sind relativ sehr hoch und
betragen auf Werkzeuge 30—40%, auf Arbeitsmaschinen
10%, auf Gebäude und Wohnhäuser je 5%.

Der Gewinn pro 1902/3 betrug insgesamt 1,042,946 Fr.
Wieviel hiervon auf das Fakrikationskonto und wieviel
auf Beteiligungen entfällt, gibt die Gesellschaft leider
nicht an. Die Dividende betrug im Hauptgeschäft
(Baden) 1901=16%, 1902 = 5% und 1903 = 7%; in
Mannheim 1901=10%, 1902 = 4°/0, 1903 = 4%. Es
wurden somit durchschnittlich 9 '/3% bezw. 6% Dividende
verteilt.

Die Geschäftsleitung der Gesellschaft blieb dieselbe.
Ausser in Mannheim wurden auch in Paris (Le Bourget),
Mailand und Christiania Zweiggeschäfte ins Leben
gerufen. Die Tecnomasio Italiano Brown Boveri in
Mailand beschäftigt ca. 350, die Compagnie Electro-
Mechanique in Le Bourget ca. 90 Arbeiter.

Zweigbureaux bestehen in Cöln, Frankfurt a. M.,
Metz und Brüssel.

Vertretungen finden wir in den Städten Berlin,
München, Stuttgart, Moskau, Stockholm, Madrid, Hart-
lepool und Melbourne.

Die so gewaltige Ausdehnung in der verhältnis-
mässig kurzen Zeit machte die Fabrik nunmehr zur
ersten Elektrizitätsfirma der Schweiz.

Auf Einzelheiten der Entwicklung der hirma, wie
auch auf die Maschinenkonstruktionen, die den Erfolg
des ganzen Unternehmens gesichert haben, kann hier
nicht eingegangen werden.

Von der Maschinenfabrik Oerlikon unterscheidet
sich die A.-G. Brown, Boveri &amp; Co. vor allem dadurch,
dass sie sich fast nur mit der Fabrikation — sehr selten
        <pb n="25" />
        ﻿20

auch mit der Installation — von Generatoren und Motoren
nebst Zubehör beschäftigt, während Oerlikon, wie schon
auf Seite 11 erwähnt, sich mit allen Gebieten der Stark-
stromtechnik usw. belässt. Lediglich die Herstellung
von Dampfturbinen wurde vor wenigen Jahren noch mit
in den Fabrikationsbereich aufgenommen.

Die speziell ausgebildeten Maschinentypen, die den
sogenannten „Standards“ gleichkommen, erfreuten sich in
Bälde eines sich über alle Kulturstaaten erstreckenden
Absatzgebietes. Die einlaufenden grossen Aufträge sind
wesentlich dem Umstande zuzuschreiben, dass die elek-
trischen Maschinen den verschiedenen Zweigen der Gross-
und Klein-Industrie entsprechend angepasst wurden, was
eine gesteigerte Verwendung der elektrischen Energie
im Gewerbe ermöglichte. Grosse Beachtung wurde den
elektrischen Kraftanlagen mit hohen Spannungen ge-
schenkt. Auch hat die Gesellschaft ein neues System
für die elektrische Beleuchtung der Eisenbahnwaggons
erfunden, welches sich ganz besonders gut bewährt.

Die Installierung von elektrischen Fernbahnen unter
Benutzung brachliegender Wasserkräfte wird zurzeit leb-
haft erörtert, sodass die Inbetriebsetzung der Dreiphasen-
tramway Lugano nicht unerwähnt bleiben soll. Als im
Jahre 1895 die Bahn gebaut wurde, glaubten selbst
Elektro-Ingenieure nicht an die Verwendung von Wechsel-
strommotoren zu 1 raktionszwecken. First die Verwirk-
lichung der gehegten Pläne zeigte die originelle Idee in
ihrem Glanzpunkte. Die erzielten positiven Resultate
führten zum Bau weiterer elektrischer Bahnen wie der
Vollbahn Burgdorf-'l hun. Im Jahr 1904 wurde ein Auf-
trag auf zwei Drehstromlokomotiven für die Rete Adriatica
zwecks Verwendung für die Valelillina-Bahn ausgeführt.
        <pb n="26" />
        ﻿21

Die Drehslrom-Lokomotiven sind nicht zu verwechseln
mit dem Wechselstrommaschinen, die von der Maschinen-
fabrik Oerlikon gebaut werden.*)

c.	GlektrizitätsgeseKschaft Jllioth.

Die „Elektrizitäts-Gesellschaft Alioth“ in München-
stein-Basel ist von den bereits erwähnten schweize-
rischen Grossfirmen der Arbeiterzahl nach die kleinste. Ihre
Gründung fällt in die Mitte der 90er Jahre — also in den
Beginn der Periode wirtschaftlichen Aufschwunges —.
Ihr mächtiges Emporstreben zeigt sich sehr prägnant an
der Kapitalvermehrung. Anfänglich betrug das Aktien-
kapital I Million Franken. Im Frühjahr 1898 trat eine
Erhöhung auf 2 Millionen, I899.eine weitere auf 3 Mil-
lionen, im Herbst 1899 eine solche auf 6 Millionen Fr.
ein. Diese Kapitalvermehrung entspricht der Erweiterung
der Produktionsfähigkeit der Gesellschaft, die leider in
den Jahren 1900 ff. infolge der Krise nicht völlig zum Aus-
druck kommen konnte.**)

Über die Entwicklung der Firma wurde jbereits auf

Seite 8 einiges mitgeteilt. Da die Dynamomaschine
nach dem System Bürgin gegenüber der nac
Systemen Gramme und Siemens zu viel Materia
und Kupfer) erforderte und infolgedessen für pjrma
kaum konkurrenzfähig bleiben konnte, ging 1 ‘

, . . . f,irpn Konstruktion,
mit der Zeit zu einer wesentlich leichteren

„	. .	Ankerkonstruktion

System Helvetia, einer originellen /

i	gebaut wird.

R. Alioths, über, nach welcher noch he

v	noch System Alioth

Ausserdem wurden Messapparate naei j

*: Die kommerzielle und industrielle Schweiz	A,ioth und

**) Nach Jahres- und Spezialberichten

Neue Zürcher Ztg.
        <pb n="27" />
        ﻿22

erstellt. Ende der 80er Jahre kam der Transformator
„Alioth“, der sich durch die Form des Eisensterns von
anderen Konstruktionen dieser Art unterscheidet, hinzu.
Zu Anfang der 90er Jahre wurden die ersten in Europa
eingestellten Umformer-Dynamos, welche hochgespann-
ten Wechselstrom zum Antrieb von Trambahnen in
Gleichstrom umwandeln, gebaut. Diese Dynamos waren
bis dahin nur in Amerika in grossem Masstabe in An-
wendung. Auf der schweizerischen Landesausstellung
in Genf (1896) erregten die für obige Zwecke ausgestellten
Maschinen der Firma auch in ausländischen Fachkreisen
besonderes Interesse. Im Jahre 1892 siegte die Firma
Alioth in der internationalen Konkurrenz für die damals
grösste Kraftübertragungsanlage Europas, die italienische
Pulverfabrik in Fontana sul Liri. Ausführungen über
ausgeführte elektrische Bahnen und Werke können
hier des beschränkten Raumes wegen nicht gemacht
werden. Entsprechend den der Unternehmung jeweils
zu Gebote stehenden Mitteln, den Schwierigkeiten aller
Art, welche der Entfaltung einer neuen Industrie im
Wege stehen, nicht zuletzt den Vorurteilen im Publikum,
die schrittweise durch mühsam errungene Erfolge zu
überwinden waren, wuchs das Geschäft langsam, aber
stetig bis zur Krisis im Jahre 1901. Die in den Jahren
I898, I899 und I900 vorgenommene Kapitalvermehrung
auf insgesamt 6 Millionen Pr., sowie die beschlossenen
Bauten und Anschallungen von Produktionsmitteln
finden ihre Erklärung aus der Betrachtung folgender
Zahlen, die den Wert der in den Jahren I897 bis 1899
verkauften Dynamos und I ransformatoren darstellen:
1897 Fr. 504,000, 1898 Fr. 925,000, 1899 Fr. 2,200,000.
Die Unternehmung, welche heute ihre ganze Kraft auf
        <pb n="28" />
        ﻿23

Vervollkommnung ihrer Spezialprodukte: Dynamos, Mo-
toren. Transformatoren, Ingangsetzungs- und Sicherheits-
apparate verwenden kann, musste in früheren Jahren
sämtliche Nebenapparate selbst konstruieren, während
ihre Konkurrenten beim Beginn ihres Betriebes bereits
Spezialfabriken im In- und Ausland zu ihrer Disposition
vorfanden. Nach und nach mussten aber die Neben-
labrikationen — in der Regel mit Verlust - aufgegeben
werden, weil darin mit den Spezialfabriken ein Wett-
bewerb nicht mehr möglich war. Der Zersplitterung
ihrer Kräfte ist zum Teil die Schuld an den grossen
Verlusten, welche die Gesellschaft in dem Krisenjahr
1902 erlitten hat, zuzuschreiben. Die Firma hat sich auch
nach Lyon ausgedehnt. Ihre Hauptabsatzgebiete bilden
die Schweiz, Deutschland, Frankreich und Spanien.

Nachstehende Tabelle — zum Teil der Schweizer
Handelszeitung 1903 No. 141 entnommen — gibt für die
vorerwähnten 3 Grossfirmen die wichtigsten Zahlen
nochmals zum besseren Vergleich in gedrängter Form
wieder.

Die Versorgung des Weltmarktes mit elektrotech-
nischen Produkten, soweit die Schweiz daran beteiligt
'st, liegt fast ausschliesslich in den Händen dieser
d firmen. Allein ungefähr die Hälfte des gesamten
schweizerischen Exports an elektrischen Maschinen ent-
stammte in den letzten Jahren der Akt.-Ges. Biown,
Boveri &amp; Co. Die nachfolgenden 2 Firmen haben heute
nui noeh untergeordnete Bedeutung.

d.	Oompagnie de l’industrie elecfrique et mechanigue.

Die Compagnie de l’industrie ülectrique et mecha-
nique in Genl baut ihre Maschinen nach dem bewährten
        <pb n="29" />
        ﻿	Gegründet	Bilanzwert der Anlage  vor Abschluss 1902/03 in Millionen	Effekten und elektrische Betriebe in eigener Verwaltung in Millionen	Obligationen  in Millionen	Aktienkapital  in Millionen	Sichtbare Reserven inkl. Zuwendung pro 1902/03 in Millionen
Maschinenfabrik						
Oerlikon	1876	Fl'. 5,80	Fr. 1,51	Fr. 4,-	Fr. 8,—	Fr. 0,4
Brown, Boveri &amp; Co.	1900	„ 6,34	„	8,04	* 1,5	„ 12,5	„	3.89
Alioth	1896	„	4,888	„ 0,224	* 3,-	„ 6,—	,	0,009

Maschinenfabrik Oerlikon
Brown, Boveri &amp; Co.
Alioth

Amortisation auf
Anlagen pro 1902/03

Betrag

Fr. 170030
„ 623005
*	234043

in •/,
des

Bilanz-

wertes

der

Anlage

2,9

9,8

4,75

Gewinn pro
1902/3

Fr. 6057
„ 1042946
424

Dividenden			
1899	1900	1901	1902
1900	1901	1902	1903
10	10	5	0
—	16	5	7
7	0	0	1 0
        <pb n="30" />
        ﻿25

Patent Thury. 1891 in eine Aktiengesellschaft umge-
wandelt, beschäftigt sie durchschnittlich ca. 300 Arbeiter
und besitzt ein Aktienkapital von 2 Millionen Franken.
Sie ist das grösste und wohl auch das älteste französisch-
schweizerische Etablissement, gegründet 1889 von Cuenod
de Meuron &amp; Co. und fortgesetzt von Cuenod, Sautter
&amp; Co. Die Firma bezweckt, wie es in den Statuten
heisst: die Errichtung und den Betrieb von Anlagen für
die Fabrikation und den Verkauf von Maschinen und
Apparaten aller Systeme, speziell von elektrischen Er-
zeugnissen und insbesondere die Verwertung des bereits
erwähnten Patentes Thury, sowie den Betrieb für eigene
Rechnung oder Rechnung dritter oder mittelst Beteiligung
an elektrischen Unternehmungen aller Art. — Die Fabrik
betätigt sich auf dem gesamten Gebiet der Elektro-
technik und hat mehrere Musteranlagen ausgelührt, be-
ruhend auf eigenen Patenten. — Leider ist die Firma
in den letzten Jahren mehr und mehr von den in- und
ausländischen Absatzgebieten zurückgedrängt worden,
sodass ihr heute auf dem Weltmärkte eine führende
Stellung nicht mehr zukommt.

e.	J. J. Jtieter $ Oo., 'Maschinenfabrik.

Die Aktiengesellschaft J. J. Rieter &amp; Co., Maschinen-
fabrik in Winterthur, beschäftigt sich mit der Fabrikation
und Installation elektrischer Maschinen als Nebenzweig
ihier Maschinenfabrikation. Bahnbrechend ist sie bis
dato auf dem Gebiete der Elektrotechnik nicht gewesen.

Es wäre trotz alledem interessant gewesen, auch
in ihre Bilanzen einen Blick zu werfen. Leider ist das
aber weder bei dieser noch bei vielen spater zu behan-
        <pb n="31" />
        ﻿26

delnden Firmen möglich. — Die schweizerischen
Aktien-Gesellschaften sind gegen das Offenbaren der
„Geschäftsgeheimnisse“ und gegen „Eindringlinge“ sehr
zurückhaltend. Zu diesem Geschäftsgebaren gibt ihnen
das schweizerische Handelsrecht alle Mittel in die Hand.
So schreibt z. B. kein Gesetz vor, dass die Bilanz ver-
öffentlicht werden muss. Manche Elektrizitätsfirmen
hatten in der Zeit der Krisis doppelten Grund,1 die
Einsichtnahme in ihre Bilanzen „Unberechtigten“ zu
verwehren, einmal, weil sie während der Krisis sehr
schlecht abgeschnitten hatten, und zum andern, weil die
Gesellschaften vielfach Familiengründungen sind, die
nicht gerne Dritten einen Einblick in ihr Vermögen ge-
währen. Es kommt vor, dass Aktiengesellschaften ihre
Bilanzen nicht einmal drucken lassen, sondern nur in
Kurrentschrift ihren Aktionären zur Verfügung halten;
nach dem Gesetze gilt dies als genügend. Dass hierin
eine gründliche Reform nötig ist, steht ausser Frage.
Bekannte Bankdirektoren und Juristen haben denn auch
im Interesse der guten Sache hierfür schon weitgehende
Vorschläge gemacht und in einer Denkschrift nicdcr-
gelegt.

3.	Die Spezialfabriken.

Die Spcziallabriken der Elektrizitätsbranche haben
gegenüber anderen Elektrizitätsgrossfirmen den Vorteil,
das« sie bei einem verhältnismässig kleinen, nicht zu
teuren Verwaltungsapparat den von ihnen gepflegten
Zweig der Fabrikation zur höchsten Vollkommenheit
ausbilden und in Massen fabrizieren können, was in der
        <pb n="32" />
        ﻿27

Güte und Billigkeit ihrer Apparate zum Ausdruck kommt.
Anderseits jedoch haben sic den Nachteil, dass sie in
Zeiten schlechter Konjunktur leichter zu Arbeiterent-
lassungen gezwungen sind und die Erträgnisse zurück-
gehen sehen, da sie für den Ausfall des Konsums (und
somit auch der Produktion) in ihren Artikeln keinen
Ersatz oder Ausgleich durch die Forcierung anderer
Fabrikationszweige eintreten lassen können.

Spezialfabriken finden wir nicht allein in der
Schwachstrom- sondern auch in der Starkstromtechnik;
so unter anderen für Kabel, Drähte, Apparate im all-
gemeinen. Heizkörper, Glühlampen etc. und insbesondere
für lukrative Artikel — Patente —. Für den direkten

Absatz an die Konsumenten eignen sich dir se 1 abiikei
nicht, da zu gebrauchsfähigen elektrischen Anlagen ein
manigfaltiges Zubehör gehört. Der Einzelcinkaul
Fabrikate würde auch zu unrentabel sein.

Bevor wir näher auf die Speziallabrikation &lt; in-
gehen, soll gleich erwähnt werden, dass in der Sch
im allgemeinen grosser Mangel an Spezialfabi ik( n tüi
troteehnische Erzeugnisse besteht, im besonduen
an leistungsfähigen Häusern. Die meisten lür das
trische Gewerbe nötigen Materialien werden zurze1^^

vom Auslande bezogen. Insbesondere ist es Deut.

/-v	• lortiUeln in aei

das einen grossen Absatz von Speziala	pinde

Schweiz aufweist. Installationsmaterial z.

,	.	.	,-eichsortieiten

leicht seinen Absatz, wenn bei einem
■	t-jo-p so reisen geheteit

Lager gutes Material zu mässtgen 1 ages,	Scfcwlfe

würde. Einzusehen ist es allerdings, dass

für alle Spezialzweige die Grundbedingungen nie ge-

geben sind, des grossen Mangels an	. , .	,

(Eisen, Kohlen etc.). Kür die Unabhängtgkett der
        <pb n="33" />
        ﻿28

schweizerischen Elektro- und Maschinenindustrie wäre
es natürlich erwünscht, möglichst sämtliche, für die Ver-
sorgung der Industrie nötigen Fabriken für Halb- und
Hülfsfabrikate in der Schweiz selbst zu haben. Doch zu
einer existenzfähigen Industrie, die auch mit den auslän-
dischen Spezialfabriken konkurrieren muss, gehören in
allererster Linie billige Rohstoffe und auch tüchtige
geschulte Arbeitskräfte. Erstere Bedingung ist hier nicht
gegeben, weil die Rohstoffe vom Auslande bezogen zu
teuer kommen. Gewisse Rohstoffe, wie z. B. die Kohlen,
erleiden durch die relativ sehr hohen Transportkosten
allein schon eine Preiserhöhung von ca. 50—80°/0 gegen-
über der deutschen Kohle. Werden die im Schosse der
Schweizer Berge ruhenden Mineralien einmal gehoben,
so dürfen wir sicher an ein Aufblühen der noch fehlenden
Industriezweige denken. — Es könnte bei der Auf-
nahme der noch in der Schweiz fehlenden Spezialfabri-
kation eine grössere Zahl Arbeiter beschäftigt werden.

Wir gehen nun zu den einzelnen Fabrikations-
zweigen über. Vor allem ist hier die Apparatefabrikation
zu nennen, namentlich die Fabrikation kleinerer In-
stallationsapparate, sowie die der Messinstrumente, von
welchen die Schweiz massenhaft importiert. Als muster-
giltige Spezialfabrik derStarkstromtechnikistnur die Firma
Societe d’exploitation des cables electriques in Cortail-
laid anzuführen. Dieselbe ist weit über die Grenze ihres
Heimatlandes bekannt und labriziert patentierte Drähte
aller Art für Licht- und Starkstrom. (Das Hauptpatent
bezieht sich auf Bleikabel.) Im Auslande finden ihre
Patente aufgrund von Lizenzen Verwertung. Der Voll-
ständigkeit halber ist auch die Kabelfabrik Aubert Grenier
&amp; Co. in Cossonney zu nennen.
        <pb n="34" />
        ﻿— 29

Die Akkumulatorenfabrikation, die in der Schweiz
durch drei Firmen vertreten wird, ist vollauf imstande,
den heimischen Bedarf zu decken. Die Societe Suisse
pour la construktion d’accumulateurs ölectriques in Marly
le Grand hat mit den s. Z. bestehenden Akkumulatoren-
Werken System Pollak in Liq. eine Konvention ge-
schlossen; sie ist die kleinste der Firmen und ist jetzt von
der Akkumulatorenfabrik Oerlikon angekauft. Ihr lolgt
die Akkumulatorenfabrik 1 ribelhorn Akt.-Ges. in Olten,
jetzt in Liquidation; diese baute nach den bekannten
Patenten ihres Gründers und hatte regen Absatz nach
dem Auslande. Die grösste und auch leistungsfähigste
Firma der Akkumulatorenbranche ist die Akkumula-
torenfabrik Oerlikon, Akt.-Ges. Das Hauptabsatzgebiet
ihrer Produkte bildet die Schweiz. Da die Linkaulspreise
der Rohmaterialien stets sehr grossen Schwankungen
unterworfen sind (vgl. den Abschnitt 6: Preisverhält-
nisse), hatte dieser Spezialzweig meist grosse Sorge,
den Absatz auf alter Höhe zu halten. Die Verkaufspreise
der Akkumulatoren-Werke gingen im Zusammenhang mit
der allgemeinen Lage der elektrischen Industrie in den
Krisenjahren zurück, trotzdem der Umsatz stets ein be-
friedigender blieb, d. h. die Fabriken vollnui beschäftigt
waren.

Die Glühlampenfabriken, die in der Schweiz durch
die Zuger-, Zürcher- und Aarauer-Glühlampenfabnken
vertreten werden, sind dem internationalen Kartell, das

seine Verkaufsstelle in Berlin hat, beigetreten. Die Ab-
satzverhältnisse waren im allgemeinen gute zu nennen;
nur Hessen auch hier die Verkaufspreise zu wünschen
übrig, was in erster Linie zur Gründung einer „Verkaufs-
        <pb n="35" />
        ﻿30

genossenschaft“ führte. Über das Kartell speziell wird
später berichtet werden.*)

In den letzten Jahren hat sich die Firma Wüst &amp; Co.
in Seebach aufgetan, die sich speziell mit der Fabrikation
elektrischer Aufzüge aller Art beschäftigt, insbe-
sondere aber auch mit der Schalttafeln- bezw. Schalt-
apparatefabrikation. — Die Beschäftigung in diesem
Zweige ist stets eine lohnende und reichliche gewesen,
sodass die Firma die Zahl ihrer Arbeitskräfte von Jahr
zu Jahr vermehren konnte.

Ein neuer Spezialzweig, die Fabrikation von Heiz-
körpern, bürgert sich, nachdem hierin mehr praktische
Nutzbarmachung erzielt wird, mehr und mehr ein. In
der Schweiz ist die Fabrikation durch die Firma „Electra“
Aktiengesellschaft in Wädensweil vertreten. Es lässt sich
wohl sagen, dass das System „Jung-Schindler“ in keinem
Lande so vollendet zur Ausführung gelangt wie in der
Schweiz. Wenn auch bis in die letzte Zeit das An-
wendungsgebiet der Heizkörper noch ein relativ selu-
beschränktes war, Heizkörper allgemein als Luxus galten,
so hat sich doch neuerdings dank der weiteren Ver-
vollkommnung der Patente und der stetigen Ermässigung
der Preise für elektrische Kraft (vgl. die Tabelle über die
Strompreise, Abschnitt III: El. Werke und elektr. Bahnen)
die Heizkörper-Fabrikation fortwährend neue Gebiete in der
Hauswirtschaft und im Gewerbe erobert. Die im Jahre
1896 gegründete Fabrik war ständig mit der Verbesserung
ihrer Patente bezw. Fabrikate beschäftigt und hat all-
mählich die diesen anhaftenden Mängel fast gänzlich
beseitigt. Der Absatz ist ein guter, und wenn auch der

*) Vgl. die Statuten der Qlühlampen-Einkaufs-Vereinigung S. 21

im Jahrbuche des Schweiz. Elekt. Verein. Zürich 1905/6.
        <pb n="36" />
        ﻿31

Preis der Ware nicht im Verhältnis zur Leistung steht,
so kann die „Elektra A.-G.“ doch immer mit ihren Er-
gebnissen zufrieden sein. Exportiert wird nach Deutsch-
land, Österreich, Russland, Frankreich, Belgien, England

und zuweilen nach Südamerika.*)

Wenig oder gar nicht fabriziert werden in der
Schweiz Bogenlampen, Zähler und Installationsmate-
rialien.

4.	Das Installationswesen.

Das Installationswesen — als Zweig dei Elcktio
technik - ist in der Schweiz im grossen und ganzen
gut ausgebildet. Die Installationsgeschatle haben
nicht so sehr unter der C.hikane gewisser l akt

(Privatkontrolle der Feuerversicherungs-Gesellscha )

wie in Deutschland zu leiden. Die schweizerisc en

Grossfirmen beschäftigen sich, wie wir gesrhtn ha »

fast ausschliesslich nur mit der Fabrikation elektr

Maschinen und Apparate; mit Installationen gch

sich nicht ab, um eine Zersplitterung ihrei

vermeiden. Konkurrenz zeigt sich den Installation

nur in den Elektrizitätswerken. Wie mn ro e

Wyssling mitteilt, hat dies einen zweifachen ,ru

'■ Viele Insta'lateure führten die	“fernden

genen Arbeiten derart aus, dass ‘	„ und

Werke oft Schaden, die Abonnenten	,

eich mehl mehr

Reparaturen hatten. Sie kümmerten	w ,

. j:p i-'lektrizitats-Werke
um die ausgeführte Anlage und nie

---------- a Berichten über Handel

*) Nach Spezialbericht der Firma und d

und Industrie 1902.
        <pb n="37" />
        ﻿32

hatten das Nacharbeiten. Aufgefundene Mängel wurden
von den Installateuren nicht anerkannt und deshalb auch
nicht ausgebessert. Die Pfuscharbeit der Unberufenen
veranlasste in erster Linie die Behörden zur Einführung
nachher oft allzu rigoroser Vorschriften.

2. Die Elektrizität kommt in der Schweiz nicht nur
in Städten sondern auch in sehr zerstreuten Ortschaften
zur Verteilung. Dies bedingt für die Elektrizitäts-Werke
das Halten verhältnismässig zahlreichen Personals für
die Überwachung ihrer sich meilenweit erstreckenden
Anlagen. Natürlich entstehen dadurch grosse Kosten.
Um diese herabzumindern bezw. auszugleichen, werden
die Überwachungsbeamten, soweit es der Dienst ge-
stattet, mit Installationsarbeiten beschäftigt. Den Werken
die Installationsarbeiten wegnehmen, hiesse einfach,
erstere bei den allgemein billigen Strompreisen ver-
anlassen, ihr Überwachungspersonal zu reduzieren und
weiter zu distanzieren, zum Schaden des Publikums,
das ,dann länger auf Behebung von Störungen warten
müsste.

Immerhin sind bei grösseren Anlagen meistens
auch einige selbständige Installateure konzessioniert.
Kür gut geschulte Kräfte bleibt in dieser Richtung auch
fernerhin ein Arbeitsfeld für freie, ungebundene Be-
tätigung. Installationsbureaux, wie sie in Deutschland
von Grossfirmen der elektrischen Branche errichtet
wurden, gibt es in der Schweiz nicht.

Um dem Stand der Installateure eine bessere Stütze
auf wirtschaftlichem Gebiete zu geben, wäre eine Or-
ganisierung der Berufsgenossen sehr am Platze. Dahin-
gehende Bestrebungen tauchen ja auch schon hin und
wieder auf; es ist im Interesse des Standes nur zu
        <pb n="38" />
        ﻿33

wünschen, dass sie in nicht allzu ferner Zeit zu einer
praktisch brauchbaren Vereinigung führen. Wichtige
Fragen über Erwerbsverhältnisse, Mindestpreise usw.
würden in einer solchen „Interessenvertretung einer
gemeinsamen Besprechung unterzogen werden können.

Die Verhältnisse der Arbeiter in der Installations-
branche wird im nachfolgenden Abschnitt 7 Erörterung
finden. — Allgemein sei hier nur gesagt, dass ein steter
Mangel an Arbeitern, namentlich zurzeit des ersten Aui-
blühens der Elektrotechnik, auch im Installationswesen
sich geltend machte, insbesondere deshalb, weil junge
Arbeiter — Lehrlinge — wegen der schwer durchzu-
führenden Kontrolle nicht selbständig auf Montage ge-
sandt werden können.

Ein besonderer Zweig des Installationswesens, der
sich eigens in der Schweiz herausgebildet hat, ist die,
meistens von kleineren Bauunternehmern in Akkord
übernommene Legung von Freileitungen (Überland-
zentralen). Die Legung der Leitungen durch diese Bau-
unternehmer erfolgt meistens zur Zufriedenheit der Auf-
Vaggeber. Die durch erstere mit der Zeit erlangte Fertig-
keit lässt eine Konkurrenz von anderer Seite auf dem

erwähnten Gebiete nicht aufkommen.

In technischer Hinsicht ist noch zu erwähnen, dass
man in den letzten Jahren von der „geschlossenen“ wieder
mehr auf die „offene“ Anlage zurückgekommen ist, d. h.
dass man die Leitungen wieder offen zutage treten lässt,
statt sie in das Mauerwerk zu versenken.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für das

Installationswesen ist die Vorsorge zur Vermeidung von
Unfällen und Störungen. Schon bald nach seiner
Gründung (1888) begann der „Schweizerische Elektro-
        <pb n="39" />
        ﻿34

technische Verein“ sich mit dieser Frage zu beschäftigen.
Im Jahre 1895 waren die Vorarbeiten soweit gediehen,
dass man an die Aufstellung von Sicherheitsvorschriften
über Bau und Betrieb elektrischer Starkstromanlagen
gehen konnte. In 51 Artikeln beschäftigt sich das Reg-
lement vom Jahre 1896 mit der Anlage von Leitungen,
insbesondere mit elektrischen Beleuchtungsanlagen in
Wohnhäusern. Der Bundesrat erliess alsdann im Jahre
1899 „Allgemeine Vorschriften über elektrische Anlagen
und die Herstellung von Stromführungen der elektrischen
Bahnen“. Durch Bundesgesetz vom 24. Juni 1902 wurde
eine eidgenössische Kontrolle der Stark- und Schwach-
stromanlagen eingeführt, mit deren Ausübung man nach
längeren Verhandlungen das Starkstrominspektorat des
schweizer, elektrotechnischen Vereins betraute. Am
1. Februar 1903 begann die Tätigkeit dieses Instituts,
dessen Geschäfte für die Westschweiz und den Kanton
Waadt durch ein Filialbureau in Lausanne versehen
werden. Das Inspektorat inspiziert regelmässig und
periodisch Einzel-Anlagen, Elektrizitätswerke und Haus-
installationen, erstattet über deren Befund Berichte und
gibt auf besonderen Wunsch ausführliche Mitteilungen
darüber, wie Um- und Neubauten zu bewerkstelligen
sind; es prüft ferner die ihm zuzustellenden Planvor-
lagen, nimmt die „nötigen Besichtigungen an'AOrt und
Stelle, vor der Genehmigung der Vorlagen undnach der
Ausführung der Anlagen vor, und führt auch, wo es an-
gezeigt erscheint, Inspektionen von bestehenden Anlagen
aus.“ — Ferner fällt die „Begutachtung von Expropriations-
begehren“ in seinen Aufgabenkreis.*)

) Nach Jahresberichten der Technischen Prüfanstalten 1900/4 ff.
        <pb n="40" />
        ﻿35

Vorstehende Bemerkungen über die Institution des
Starkstrominspektorats sind an dieser Stelle wohl an-
gezeigt, vor allem im Hinblick auf die grossen Miss-
stände der privaten Kontrollwirtschaft Deutschlands, ins-
besondere: des Sachverständigenwesens bei den Feuer-
versicherungsgesellschaften.

Was Dr. Bürner in seiner Broschüre: Zur wirt-
schaftlichen Entwicklung und Lage der deutschen elek-
trotechnischen Industrie (Berlin 1903) hierüber mitteilt,
ist so charakteristisch, dass es verdient dem Inhalte nach
hier kurz wiedergegeben zu werden. Das Sachver-
ständigenwesen bei den Feuerversicherungs-Gesell-
schaften ist eine Einrichtung, so führt er aus, die im
Interesse der Installateure dringend einer Reform bedarf.
Die Privatfeuerversicherungs-Gesellschaften haben zur
Revision elektrischer Anlagen auf ihre Feuersicherheit
bestimmte elektrische Firmen aufgestellt, an die wiederum
gewisse Anforderungen wie unter anderen mehrjährige
Geschäftspraxis, akademische Vorbildung etc. gestellt
Werden. Es kommt dabei nicht selten vor, das Revi-
soren über die von ihnen selbst ausgeführten Anlagen,
und über die Konkurrenz Gutachten auszuarbeiten haben.
Ob sie ein „Gutachten1- abgeben will oder nicht, steht
h"n Belieben der bevorzugten Firma. Einzelne von ihnen
sollen schon die Aufnahme eines Gutachtens einfach ab-
gelehnt haben, weil nicht sie die Anlage ausführten.
Hinsichtlich der für die Besichtigung der elektrischen
Anlagen zu erhebenden Gebühren kommen die denkbar
e'genartigsten Variationen vor. Viele Firmen sehen sogai
v°n einer Verrechnung ab, da sie befürchten, ihren Kunde n
damit vor den Kopf zu stossen. Andere wissen überhaupt
•nicht, dass sie das Recht haben, zu liquidieren. Nur selten
        <pb n="41" />
        ﻿36

wird nach den vom Verein deutscher Ingenieure auf-
gestellten Normen liquidiert.

Um all diesen Misständen abzuhelfen, hat man den
Vorschlag gemacht, den Elektrizitäts-Firmen die Kon-
trolle abzunehmen und sie einer privaten oder staat-
lichen Korporation zu übertragen. Vor allem dachte
man da an die Schaffung einer Einrichtung ähnlich der
der Damplkesselrevision.

Schwindelinstutute sollen sich durch Zirkulare, in
denen sie die Besitzer elektrischer Anlagen auf die
grosse Feuergefährlichkeit aufmerksam machen, mit
dem zuweilen nicht einwandsfreien Hinweis auf die
minimalen Leistungen der Installationsgeschäfte, an-
preisen. Die „Anpreisungen“ erfolgen oft nur mündlich:
es wird die fragliche Anlage besichtigt und dem Inhaber
derselben auseinander gesetzt, dass die elektrischen
Maschinen veralteter Konstruktion, die Installation nicht
nach den bestehenden Vorschriften gebaut sei. Ja, noch
mehr! Man sendet Fabrikanten Prospekte zu, in denen
das Verlangen gestellt wird, für das Empfehlen ihrer
Fabrikate eine einmalige Gratifikation zu zahlen. Der-
artige Auswüchse könnte man noch mehr aufzählen.

Segensreich wirkten demgegenüber die Einrich-
tungen der Technischen Prüfanstalten, insbesondere das
Starkstrominspektorat. Seiner vorbereitenden Tätigkeit
ist es insbesondere auch zu danken, dass der Bundes-
rat sich in den letzten Jahren selbst mehrfach mit dem
Erlass von Vorschriften, die das Installationswesen be-
treffen, befasste. Zu nennen sind in dieser Hinsicht
folgende Bestimmungen:

1.	Das Bundesgesetz betr. die elektrischen Schwach-
und Starkstromanlagen (vom 24. Juni 1902);
        <pb n="42" />
        ﻿37

2.	Die Vorschriften betreffend Planvorlagen für elek-
trische Starkstromanlagen (vom 13. November 1903);

3.	Der Nachtrag zu den Vorschriften betreffend Plan-
vorlagen für elektrische Starkstromanlagen — Er-
gänzung des Artikels 43 — (vom 18. Dezember 1905).

5.- Absatzverhältnisse. Handelsbilanz.

Die Schweiz hat, trotzdem sie doch in jeder Be-
ziehung auf den Weltmarkt angewiesen ist, verhältnis-
mässig wenig zur weiteren Ausgestaltung des Expoites
getan. In der letzten Zeit wird aber nach dieser Ri( htung
hin gearbeitet.*) Man wünscht die Wahlkonsule durch
Berufskonsule ersetzt zu sehen; die ausländische Diplo-
matie soll verstärkt werden. Gründungen von Muster-
lagern und Handelsmuseen sind vorgesehen. Man glaubt
dadurch die bereits errungenen Absatzgebiete fester zu
halten. Die schweizerischen Grossfirmen haben, wie alle
ausländischen Firmen, zur Erleichterung des Absatzes
Filialen und Vertretungen im Auslande gegründet. Durch
die wirtschaflspolitischen Massnahmen mancher Länder
haben sie sich ferner veranlasst gesehen, Zweigfabriken
&gt;m Auslande ins Leben zu rufen.

Die Elektrizitätswerke und elektrischen Bahnen
sind, wie bereits erwähnt, die Hauptkonsumenten elek-
trischer Erzeugnisse. Die Arbeiten der elektrischen In-
dustrie kommen im Submissionswege und im freien
Wettbewerb, teils auch durch Vermittlung von Zwischen-
händlern, die meistens Installateure sjnd, zui Vergebung.

*1 Vgl. ür. Tissot’s Ausführungen in der Scll^ei^'

Zeitschrift 1903 und den Jahresbericht des S. E. V. /
        <pb n="43" />
        ﻿38

Schweizerische Arbeit findet sich in aller Welt.
Inbesondere gelten die vier Nachbarländer als Haupt-
abnehmer; es folgen dann England, Russland, Spanien,
ferner Ägypten und Südamerika. Kleinere Sendungen
gehen nach Asien und Australien.*)

Es betrug die Ausfuhr elektrischer Maschinen:

	1895	1900	1901	1902
nach Italien	2,815 Dztr.	8,360 Dztr.	10,180 Dztr.	8,607 Dztr.
Deutschland	2,548 „	10,042 „	6,087 „	?
„ Frankreich	2,092 „	20,062 „	22,700 „	7,618 „
„ Spanien	2,014 „	3,299 „	5,648 „	6,549 „
„ Oesterreich	1,332 „	1.500 „	?	3,455 „
„ Russland	1,404 „	5,937 „	2,304 „	2,171 „
„ England	952 „	6,742 „	?	10,795 „
Uebrige Länder	1,452 „	5,486 „	6,399 „	7,782 „
Gesamtausfuhr	14,609 Dztr.	61,428 Dztr.	61,441 Dztr.	49,082 Dztr.

Ausfuhrwert 3,634,000 Fr. 12,696,000 Fr. 13,077,000 Fr. 10,065,300 Fr.

Die Einfuhr dagegen betrug:

	Mztr. netto	Wert in 1000 Fr.
1895	2,351	529
1896	1,896	428
1897	1,554	317
1898	4,103	847
1899	3,027	651
1900	4,596	947
1901	2,502	490
1902	2,335	450
1903	2,525	480
Wie aus	den vorstehenden Zahlen ei	

hat sich die Ausfuhr dem Gewicht nach innerhalb 5 Jahren,
1895—1900 mehr als vervierfacht; ihr Wert ist auf das drei-

fache gestiegen. Besonders erfreulich war die Zunahme
des Exportes nach Frankreich, Deutschland und Italien.

Die Preise waren 1895 noch befriedigend und die
Statistik weist lür den Meterzentner der ausgeführten

*) Nach den Berichten des Vereins Schweizerischer Maschinen-
Industrieller.
        <pb n="44" />
        ﻿39

Maschinen einen Durchschnittspreis von Fr. 249,— gegen
Fr. 207,— im Jahre 1900 auf. Das entspricht einem Preis-
fall von ca. 15%.

Der inländische Absatz hielt gleichen Schritt mit
dem des Auslandes; dies hat vor allem seinen Grund
in der Nutzbarmachung der Wasserkräfte, auf die noch
später eingegangen werden soll. Der Turbinenbau, die
elektrische Traktion und die Fortschritte der Elektro-
chemie gewähren der Elektrizitätsbranche gute Aus-
sichten. Obgleich das Inland mit ausländischen Fabri-
katen überschwemmt wurde, ist doch in den letzten
Jahren der Import zurückgegangen. Nach den Berichten
über Handel und Industrie hat sich die Einfuhr von
Dynamos und Elektromotoren 1899 gegen das Vorjahr um
23%_vermindert, die Ausfuhr dagegen um 37% vermehrt.
Sehr "schwer waren, wie hier noch erwähnt sei, Ende
der'90er Jahre — während der Hochkonjunktur — die
Rohmaterialien zu beschaffen, so dass die Überschreitung
her Lieferfristen fast zur Regel gehörte. Ein weiterer
Misstand, den die Fabrikanten lebhaft empfanden, war der,
dass Besteller vom Auslande den Produzenten oft in sogen.
-Pflichtheften“ sehr rigorose Bedingungen stellten, die
allerdings meistens unausgeführt bleiben mussten,*)

Die Hauptkonkurrenten der Schweiz sind unstreitig
Amerika (V. St. v. A.) und Deutschland. Die sogenannten
-Standards“, wie sie Vanderlipp in seinem Buche: „Ame-
rikas Eindringen in das europäische Wirtschaftsgebiet
beschreibt, sind es vor allem, die den Weltmarkt be-
herrschen.

Die Dezember-Verträge haben manche Lücke in den
Verzollungsbestimmungen aufgewiesen. Nebenapparate

*) Berichte des Vereins Schweiz- MischineniniU’trieller 1609 S. 58
        <pb n="45" />
        ﻿40

der elektrischen Industrie »ollen z. B. bei der Einfuhr
nach Deutschland zuweilen mit doppelt hohen Zollsätzen
als Hauptapparate verzollt worden sein. (Desgleichen
bei der Einfuhr in die Schweiz Fr. 6. bezw. Fr. 4.—). Der
neue Zolltarif ist ziemlich gut detailliert, sodass derartige
Verstösse nicht mehr Vorkommen können. Doch dürfte
die Ausfuhr der schweizer, elektrischen Fabrikate unter
den neuen Zollverhältnissen eine Erschwerung erfahren. —
Erleichtert worden ist die Einfuhr in Deutschland
für die elektr. Transformatoren etc. Ehedem mussten
diese elektr. Apparate als feine Eisenwaren mit M 24.—
p. 100 kg verzollt werden; nach dem neuen Vertrags-
tarif beträgt der Zollsatz nur noch 4—9 M p. 100 kg.
Die neuen Zollsätze für Elektromotoren, Umformer, Anker
und Kollektoren betragen bei einem Gewichte von
bis 1 q 1 —5 q 5—25 q 25—30 q 30-100 q 100—500 q über 500 q

Deutscher Zoll

M 9.- M 9.- M 6.-	M	6—	M	5.-	M	4.-	M 4.-

Fr 11.25 Fr 11.25 Fr 7.50	Fr	7.50	Fr	6.25	Fr	5.-	Fr 5.-.

Schweizer Zoll

Fr 14.-Fr 11.-Fr 8.-	Fr	6.50	Fr	6.50	Fr	6.-	Fr 5.-*).

Vor dem 1. Januar 1906 dagegen waren sie die
folgenden:

Deutscher Zoll

1.	Für D/namomaschinen. Elektromotore, Umformer, Anker (fertig),
Kollektoren und Transformatoren:

bis 5 dz.	per dz. M 9.-
5-30 dz.	Fr 11.25 M 7.-
30—100 dz.	Fr 8 75 M 5.-
mehr als 100;dz.	Fr 6.25 M 4.-
	Fr 5.-,

2. Akkumulatoren ohne Hartkautschuck oder ähnl. Stoffen M 6.—.
*) Verein Schweiz. Maschinen-Industrieller 1905. S. 85 entnommen.
        <pb n="46" />
        ﻿41

Akkumulatoren mit Hartkautschuck oder ähnl. Stoffen M. 24.—.
3. Kabel, Drähte etc. M. 8.—.

Schweizer Zoll
1. Elektr. Transformatoren

per dz.
20 Fr.
16 „
12 „
10 „
8 „

weniger als 100 kg
100-500 kg
500-2500 kg
2500-10,000 kg
10,000 kg und darüber

2.	Elektr. Maschinen wie Dynamos, Elektromotoren etc. Fr. 4.— p. 100 kg.

3.	Elektr. Apparate aller Art wie Akkumulatoren, Telephon-Apparate,
Elektr. Lampen Fr. 6.— p. 100 kg.*)

Nebenbei sei bemerkt, dass vielfach auch über die
hohen Frachtsätze der Schweizer Bundesbahnen Klage
geführt wird. Vielleicht lässt sich hierin früher oder

später Wandel schaffen, was im Interesse der gesamten
Schweiz. Industrie jedenfalls sehr zu begrtissen wäre.

6.	Preisverhältnisse der Rohmaterialien.

Vergleicht man die heutigen Verkaufspreise der
Schwach- und Starkstrombranche mit denen der achtziger
Jahre, dann ist man geradezu erstaunt über den unglaub-
lichen Preisfall, den sämtliche elektrotechnischen Artikel
erfahren haben.

Man findet Artikel, bei denen die Preise in der
genannten Zeit um nicht weniger als die Hälfte des
irüheren Satzes gesunken sind. Worauf ist das zurück-
2uführen, fragt man sich; und unwillkürlich drängt sich
der Gedanke auf, dass wohl die Rohmaterialien so sehr
gesunken seien. Ist dem so? Prüfen wir diese Frage
an den zur Verfügung stehenden Zahlen.

*) Dem deutsch-scbweiz. tiandelsvertragstarif entnommen.
        <pb n="47" />
        ﻿42

Bei dem Hauptrohmaterial der elektr. Industrie,
dem Roheisen, gestalteten sich die Preise pro Tonne
wie folgt:*)

	schottisches	englisches	deutsches
Ende des Jahres Eisen M. No. 3.		Qiesserei-Eisen No.,	3. Giess.-EisenNo.3.
	sh.	sh.	M.
1881	52/4	42/9	64,-
1885	42/3	32/—	51-
1890	46/7	43/—	63,—
1895	46/6	37/6	56,—
1896	48/4	40/6	60,—
1897	45/2	40/4	60,—
1898	49/2	41/3	62,-
1899	68/8	66/9	92,-
Die	Kohlenpreise	veränderten	sich in nach-
stehender	Weise: *) **)		
Jahrgang  1	Steinkohle  1 dz.	Coaks  1 dz.	Briquets  1 dz.
1892	2,91 Fr.	3,61 Fr.	2,60 Fr.
1893	2,92	„	3,42	„	2,54 „
1894	2,98	„	3,69 „	2,63 „
1895	2,98	,	3,68	„	2,61 „
1896	3,08 „	3,84	„	2,77	„
1897	2,65	„	3,50	„	2,77 „
1898	2,72	„	3,68 „	2,95 „
1899	2 92	3,88 „	3,05 „
1900	3,27	„	4,55 „	3,42 „
Zwei	weitere Hauptbedarfsartikel		der elektr. In-
dustrie, Blei und Kupfer		(Blei für Akkumulatoren und	

Bleikabeln, Kupfer lür Leitungsdrähte), in erster Linie
aus Deutschland bezogen2 notierten nach dem „Statist.
Jahrbuch des deutschen Reiches für das Jahr 1900“:

*) Berichte über Handel und Industrie 1900. S. 73.

**) Hassel: Der internationale Steinkohlenhandel (Manuscript) 1904.
        <pb n="48" />
        ﻿- 43 —

Blei.

Jahr		in London					in Berlin		
1895	L 10.	10.	3	per	dz.	M.	22,3	per	dz.
1896	„ 11.	3.	1		55	55	24,4	55	55
1897	„ 12.	7.	4		55	55	26,1	’5	55
1898	„ 12.	19.	8	55	5?	55	27,5	55	55
1899	„ 14.	18.	8	55	55	55	32,1	55	55
1900	„ 16.	19.	9	55	55	55	37,1	55	55
1901	„ 13.	2.	5	55	55	55	27,8	55	55

Kupfer.

per dz. in Berlin

1895	=	98,8 Mark
1896	=	105,9	„
1897	=	107,5	„
1898	=	114,0 *„
1899	=	160,4	„
1900	=	160,2 „

Verfolgen wir die einzelnen Reihen, wie sie oben
aufgeführt sind, so sehen wir, dass bei den haupt-
sächlich in Betracht kommenden Rohmaterialien keines-
wegs von einem Preisfall gesprochen werden’[kann.
Im Gegenteil: Roh-Eisen ist in den rund 20 Jahren von
1881 bis 1899 durchschnittlich um ca. 50% im 1&gt;re,se ge-
stiegen, die Kohle in den 9 Jahren von 1892 bis 1900
um ca. 10%, Coaks um ca. 25°% Blei in der Zeit von
'895 bis 1901 um ca. 25%, Kupfer in den 6 Jahren \on
'895 bis 1900 um ca. 60%.

Seit dem Jahre 1898 brachte fast jeder Monat für
die Rohmaterialien eine Preissteigerung. Mit dem
        <pb n="49" />
        ﻿44

schnellen Anwachsen der Werke wuchs die Nachfrage
nach Rohmaterialien. An Absatz für die Fertigfabrikate
fehlte es nicht. Mit steigender Nachfrage steigt be-
kanntlich der Preis. So schreibt der Gewerbeverein
Bern in seinem Bericht von 1898:

„Fast alle Bleche, insbesondere die Eisenbleche
haben eine bedeutende Preissteigerung erfahren; seit
dem Herbst 1898 bringt fast jeder Monat einen neuen
Preisaufschlag. Diese, das Handwerk schwer schädigende
RohstofTverteuerung beruht zum Teil auf den Machen-
schaften internationaler Spekulantenringe, zum Teil wohl
auch auf der Zwangslage der Eisenwerke, welche den
infolge des allgemeinen industriellen Aufschwunges ent-
standenen grossen Nachfragen nicht mehr nachkommen
konnten. Besonders bemerkenswert ist die gewaltige
Entwicklung der elektr. Werke; ihre bedeutende Produk-
tion macht sich auf dem Weltmärkte geltend durch
Verteuerung aller Rohstoffe. Dieses junge Gewerbe hat
einen erfreulichen Aufschwung genommen, der zweifels-
ohne auch im kommenden Jahre anhalten wird. Immer-
hin ist es möglich, dass die enorme Steigerung für
Metall (Kupfer 80%, Broncewaren 10%) und Bestand-
teile, mit welcher die Lieferungspreise nicht immer
Schritt halten, grössere Installationen etwas hinaus-
schieben konnten. Ueber diese Lieferungsverschiebungen,
die auf die Verzögerung der Rohstoffe zurückzuführen
waren, hörten wir von den meisten Elektrizitätsfirmen
in ihren Jahresberichten während der Zeit der Hoch-
konjunktur Klagen. Das Kupfer erfuhr eine enorme
Preissteigerung infolge der I reiberei von Spekulanten
auf dem Londoner- und Amerikan. Markte, sowie wegen
des bedeutend vermehrten Bedarfs an Kupfer für die
        <pb n="50" />
        ﻿45

elektr. Industrie, ln Jahresfrist ist der Preis um 60d/0
gestiegen; die Hausse dauerte fort, bis es schliesslich
zu einem Krache kam. Es stiegen ferner die Rohstoffe
Zinn und Zink. Zink konnte nicht genügend produziert
werden; die Preiserhöhung schwankte zwischen 10 bis
55°/0. Für altes Zink wurden unerhörte Preise bezahlt. —
Bearbeitetes Kupfer, das in der Fabrikation von Leitungs-
drähten und Kabeln eine grosse Rolle spielt, erlitt einen
weiteren Aufschlag. —

Das Blei erfuhr ebenfalls eine stetige, aufsteigende
Preisbewegung, ohne gross zu schwanken, und wies eine
fast unglaubliche Spannung von nahezu 15 Mark pro
Boppelzentner, vom Jahre 1895-1900 gerechnet, auf.
Der grosse Verbrauch an Kautschuk und Gummi hatte
einen Preisaufschlag von 15 °/0 zur Folge.“

Ebenso schreiben die Handels- u. Industrieberichte:*)

„Bemerkenswert sind die Verschiebungen bezügl.
Rohmaterial und Halbfabrikate; sie bestehen darin,
dass verhältnismässig etwas mehr Halbfabrikate, d. h.
Maschinenteile, als Roheisen u. s. w. bezogen wurde.
Ferner hat eine kleine Verschiebung in den Bezugs-
quellen stattgefunden. Da nämlich die deutschen Werke
mit Bestellungen überhäuft waren, wurden die Liefer-
fristen in einer Weise ausgedehnt, welche auch aut die
Lieferung der fertigen Maschinen ungünstig einwirken
mussten. Einzelne schweizerische Maschinenfabriken
bemühten sich deshalb anderweitig um Rohstoffe und
fanden sie in Frankreich unter günstigen Bedingungen
und angemessenen Lieferfristen. Die angewohnte Preis-

*) Berichte über Handel und Industrie, 1898 S. 125ff., 1899
S. 103ff., 1900 S. 125ff.
        <pb n="51" />
        ﻿46

Steigerung von Rohmaterialien bedingte die Erhöhung
der"'Preise für die fertigen Fabrikate und daher wurde
die Kauflust der Abnehmer gedämpft, was jedoch nicht
von langer Wirkung war. Die grossen Werke Hessen
sich nicht an Lieferungsfristen binden: dadurch wurden
die Lieferanten in grosse Verlegenheit gebracht und
das finanzielle Ergebnis ungünstig beeinflusst .	.	. .

.	. Der scheinbar ungemessene Aufschwung, den die

Maschinen - Industrie und andere verwandte Industrie-
zweige in dem letzten Jahre, und insbesondere in mar-
kanter Weise zu Ende des Jahres 1899, genommen hatten,
war Ursache der äussersten Anstrengungen zur Ver-
mehrung der Produktion und allmählichen Steigerung (der
Preise) derRohmaterialien, wieKohlen, Eisen und anderer
Metalle, bis zu einer ungeahnten Höhe. Der Preis-
rückgang erfolgte bei den Halbfabrikaten; Roheisen
folgte erst gegen Ende des Jahres 1900, während Kohle
mit Jahresschluss noch ihre hohen Notierungen einhielt
und ebenfalls Coaks gleich im Preise blieb.“

Der gesteigerte Absatz für Fertigfabrikate konnte
aber nur bei Fallen ihrer Preise durchgeführt werden.
Ist auch der Markt für Artikel der elektrischen Industrie
noch verhältnismässig sehr jung und aufnahmefähig,
so sorgte schon wie überall, so auch hier, der Wett-
bewerb für ein stetes Sinken der Preise. Es wieder-
holte sich in diesem Erwerbszweig, was man so oft zu
beobachten Gelegenheit hat: trotz steigender Preise für
Rohmaterialien und Halbfabrikate lallen die Preise der
Fertigfabrikate. Eine Steigerung der letzteren ist nur
durch Kartellierung oder Monopolisierung durchzusetzen.
Selbstverständlich kommt die sinkende Tendenz spätestens
dort zum Stillstand, wo die Grenze der Selbstkosten er-
        <pb n="52" />
        ﻿47

reicht ist, wo von einem Nutzen nicht mehr gesprochen
werden kann. An dieser Grenze waren auch die
schweizerischen Elektrizitätsfirmen in den Jahren 1900 ff
angelangt, wie die an anderer Stelle mitgeteilten
Rechnungsergebnisse bereits zeigten (Seite 24).

7.	Arbeiterverhältnisse,
o. c/[[[gemeines.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt in der Elektro-
technik die Arbeiterfrage. Die Leistungen der Schweiz.
Elektromonteure sind im allgemeinen zufriedenstellende.
Wegen ihrer Tüchtigkeit und Solidität werden die ein-
heimischen Elektromonteure den ausländischen meist
vorgezogen. Nur in den letzten Jahren wurden mit-
unter Klagen laut, die zum Nachdenken ernstlich An-
lass geben.

Mit der Vergrösserung der Betriebe Hand in Hand
king der Zuwachs der beschäftigten Arbeiter. Um-
stehende Tabelle*) gibt uns hierüber ein Bild.

*) Aus der Schweiz. Fabrikstatistik für 1888, 1895 und 1901.
        <pb n="53" />
        ﻿		Arbeiter				davon  Deutsche	
Art	| Zahl  der Betriebe	14—18 Jahre alt  männl.|weibl.	18—50 Jahre alt  männl.|weibl.	über 50 Jahre alt  männl.|weibl.	Qesamtzahl  männl. | weibl. | zus.	Schweiz.  Ldsangeh.		andere  Ausländ.

1888

Elekt. Werke	3	3	—	109	—	?	?	112	—	112	?	?
„ Firmen	11	49	4	330	24	?	?	379	28	407	?	?

1895

Elekt. Werke	10	4	—	179	—	19	?	202	—	202	188	6
„ Firmen	31	161	48	1647	106	78	5	1886	159	2045	1802	118

1901

Elekt. Werke	80	15	—	889 1	1	36	—	940	1	941	858	13
„ Firmen	41	307	70	2782	192	133	6	3222	268	3490	2982	251
        <pb n="54" />
        ﻿49

Die Zahl der Arbeiter hat sich in dem verhältnis-
mässig kurzen Zeitraum von ca. 12 Jahren — 1888 bis
1901 — fast verneunfacht. Der Nationalität nach stellen
die Schweiz. Arbeiter das Hauptkontingent. An zweiter
Stelle der Zahl nach stehen die deutschen. Es folgen
die französischen und die italienischen Arbeiter. Wie
in allen anderen Industriezweigen, so nehmen auch in
der elektr. Industrie die ausländischen Arbeiter von Jahr
zu Jahr an Zahl zu. In der Zeit von 1895 bis 1901 be-
trug die Zunahme der ausländischen Arbeiterschaft
ca. 130%, die der einheimischen dagegen nur ca. 93%.
Bie Schweiz. Fabrikinspektion scheint hierüber nicht
sehr erfreut zu sein, äussert sie sich doch in ihrem
Geschäftsbericht von 1901 über die zukünftige Lage der
einheimischen Arbeiterschaft sehr skeptisch. Begreif-
üeherweise steht der von der Fabrikinspektion vertretene
Standpunkt im Gegensatz zu der von der Industrie ver-
betenen Ansicht. Er ist jedenfalls zurzeit auch noch
völlig unbegründet. Ein zu grosses Angebot von tüch-
tigen, brauchbaren Arbeitskräften liegt nicht vor. Im
Gegenteil! Selbst ungelernte Arbeiter fanden bisher
last fortlaufend in grosser Zahl Aufnahme. Nur die ab-
norme Geschäftszeit der letzten Krisenjahre, die einen
allgemeinen Rückschlag in der Konsumtion mit sich
brachten, bildet hiervon eine Ausnahme. Ziehen wir
öie weiterhin noch zu verwirklichenden Probleme in
Betracht, wie u. a. die weitgehende Nutzbarmachung
öer brachliegenden heimischen Wasserkräfte, Umwand-
*Ung der Staatsbahnen in elektr. Betrieb, so erscheint
öoeh wohl in absehbarer Zeit ein Ueberangebot an
Arbeitskräften, wie es die Fabrikinspektion kommen
s*eht, nicht so bald einzutreten.

4
        <pb n="55" />
        ﻿50 -

Auch die ständige Zunahme der Zahl der Frauen
in der Elektrizitätsbranche kann für die männlichen
Arbeiter nicht als gefährlich betrachtet werden. Erstere
sind nur für leichte und kleine Akkordarbeiten — Tag-
löhnerarbeiten zu beschäftigen. Dem Maschinen-
schlosser, Feinmechaniker und Monteur erwächst in den
Frauen keine eigentliche Konkurrenz.

Gelernte, tüchtige Arbeiter werden in der Elektri-
zitätsbranche stets ein gutes Auskommen finden und
ihren Platz zu wahren wissen. Daher rühren denn auch
die unglaublich hochgestellten Lohnforderungen in der
Zeit der Hochkonjunktur, die in keinem Verhältnis zu
den Arbeitsleistungen standen.

Die Lohnsätze (Stundenlohn plus Tageszulagen für
auswärtige Arbeit) variierten in den letzten Jahren*) für

Monteure	zwischen	44	und	64	cts.
Schmiede	55	40	Y)	62	55
Schlosser	n	40	n	64	55
Dreher	r&gt;	40	V)	60	55
Handlanger	55	32	„	40	„
Lehrlinge	n	10		25	55
Arbeiterinnen	V)	17	»	30	55

Von niedrigen Löhnen oder schlechter Bezahlung
kann man hier nicht reden, umsomehr, wenn man be-
denkt, welch’ angenehme und dauernde Beschäftigung
(im Winter wie im Sommer) die Elektrotechnik bietet.

Trotz dieser denkbar günstigsten Arbeitsverhältnisse
hörte man in den grossen wie in den kleinen Etablisse-
ments über die Arbeiterverhältnisse Klage führen, ganz
besonders in der Installationsbranche. Man kann bei

*) Die Lohnskala ist dem Verfasser von der Direktion Brown,
Boveri u. Co. A.-Q-, Baden giitigst übermittelt worden.
        <pb n="56" />
        ﻿51

dem Bau von elektr. Zentralen Schneider, Heizer,
Tischler, Maurer usw. finden, nur keine gelernten Stark-
strommonteure. Desto mehr finden sich allerdings
Ingenieure und Techniker. Es werden ja heutzutage
leider zu vielTechniker, insbesondere „Bureautechniker“,
ausgebildet. Diese Herren pflegen oft nur den „Herr
Ingenieur“ spielen und nichts von Handarbeiten wissen
zu wollen, trotzdem sie zuweilen der mangelhaften
Schulbildung wegen schon von Hause aus keines-
wegs zu wirklichen Technikern geeignet sind. Praktisch
gelernte Arbeiter dagegen finden stets ein gutes Unter-
kommen bei hohem Verdienst. Entsprechend der bereits
aiitgeteilten Lohnskala lässt sich der Monatsverdienst
eines gelernten Arbeiters auf 1 V2—2mal so hoch wie
der eines Bureaulechnikers anschlagen. Die Maschinen-
bauer — soweit es sich natürlich um fachmännisch ge-
bildete Leute handelt — haben stets die Elite unter den
Arbeitern gebildet und finden ihre Verwendung als
selbständige Arbeiter bezw. Monteure in den Konstruk-
honswerkstätten. Die Anforderungen, die an einen
Elektromonteur in technischer Hinsicht gestellt werden,
Slnd keineswegs geringe und die Leistungen werden
auch von den Praktikern wie von den Theoretikern
vollauf gebührend anerkannt. Zum Aufbau einer soliden
Dynamomaschine gehören besonders gut geübte, in-
telligente Mechaniker, die mit der Bewicklung des
Ankers und dem Bau des Kollektors usw. gut vertraut
s&gt;nd. FürMessapparate können nur Präzisionsmechaniker
Verwendet werden.

Heimarbeiter gibt es in der Elektrotechnik nicht, da
s'('h die Arbeiten der Elektrizitätsbranche nicht für
Heimarbeit eignen.
        <pb n="57" />
        ﻿[

52

Ein Blick in die auf Seite 48 gegebene statistische
Tabelle zeigt, dass die Elektrotechnik eine recht statt-
liche Anzahl älterer Arbeiter beschäftigt; das Gleiche
wird man bei den Maschinenbauern beobachten. Lohn-
höhe und Ansteliungszeit wirken hier harmonisch zu-
sammen. In Branchen mit guten Lohnverhältnissen und
angenehmer Beschäftigung bleiben die Arbeitskräfte
eben bis in das hohe Mannesalter tätig, während in
Branchen mit niedrigen Löhnen nicht allein ein ver-
hältnismässig starker Arbeiterwechsel, sondern auch ein
besonders schnelles „Abnützen“ der Arbeitskraft statt-
findet. —

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die
Elektrizitätsindustrie ist die Heranbildung eines guten
Nachwuchses in der Arbeiterschaft. Die jugendlichen
Arbeiter'(Lehrlinge) machen etwa 7 °/0 der gesamten
männlichen Arbeiter aus.

Durch ein Gesetz von 1877 wurde die Normalarbeits-
zeit auf 11 Stunden festgelegt. Seit dem Jahre 1895
schritten aber die einzelnen Firmen selbst ohne gesetz-
lichen Zwang zu einer weiteren Abkürzung der Arbeits-
zeit. Nur einige Elektrizitätswerke sind dem nicht
gefolgt. Es hängt dies mit der Natur des Betriebes
zusammen. In fast allen grösseren Maschinen- und
elektrotechnischen Fabriken gilt jetzt der 10-Stunden-
tag. In der Krisenzeit 1900 ff. schränkte man die Arbeits-
zeit sogar noch weiter ein. Andererseits in der Zeit
der Hochkonjunktur wurde dafür viel mit Ueber-
stunden und Nachtschichten gearbeitet. Als die Fabrik-
inspektion in das übertriebene Ueberstunden- und Nacht-
schichtenunweseneingrift, klagten die Arbeitgeberfreilich,

dass zu rigoros zum Schaden der Fabrikanten vorge-
        <pb n="58" />
        ﻿53

fangen und den ausländischen Konkurrenten dadurch
manche „Klienteln“ in die Tasche gearbeitet würde. Die
Ueberarbeilszeit wird gewöhnlich mit einem 25°/0igen
Lohnzuschlag bezahlt. Die Verlängerung der Arbeits-
zeit in den Fabriken über den gesetzlichen Normal-
arbeitstag hinaus bedarf nach gesetzlicher Bestimmung
der Zubilligung des Regierungsrates, worauf durch einen
Anschlag in der Fabrik hinzuweisen ist.

Die Krisenjahre brachten den Arbeitern nicht allein
die gewünschte Ruhe — regelmässige Arbeitszeit —,
sondern leider auch eine unangenehme Lohnreduktion.
Arbeiterentlassungen aber fanden in der Schweiz, elektro-
technischen Industrie selten statt. Um eine Arbeiter-
Entlassung im grösseren Umlange zu vermeiden, über-
nahmen die Arbeitgeber die Ausführung selbst solcher
Arbeiten, bei denen sie nicht nur mit keinem Gewinn,
sondern mit sicherem Verlust zu rechnen hatten.*)

In einzelnen Betrieben ist man jetzt mit Recht zu
der Einführung einer mehrwöchentlichen Kündigungszeit
vorgegangen (Brown, Boveri &amp; Co. 14 Tage).

Fabrikordnungen, die von neu eintretenden Arbeitern
dorch Unterzeichnung anzuerkennen sind, geben aus-
führlichen Aufschluss über die Rechte und Pflichten der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sie geben ^ferner be-
sonders Anleitung bezw. Winke dafür, wie sich die
Arbeitnehmer bei der Bedienung gewisser Maschinen,
doren unfachmännische Benutzung mit Lebensgefahi
verbunden ist, zu verhalten haben. Unvorsichtiges
Arbeiten wird darin mit Strafen bedroht. Im Interesse

*) Vergl. die Jahresberichte von Brown, Boveri &amp; Co. und

Maschinenfabrik Oerlikon 1902/3,
        <pb n="59" />
        ﻿54

der mitarbeitenden Kollegen kann unvorsichtigen Arbeitern
evtl, auch sofort gekündigt werden.

Um ein gutes Einvernehmen zwischen Arbeiter-
schaft und Fabrikleitung herbeizuführen, bestehen bei
den Grossfirmen Arbeiterkommissionen, deren Mitglieder
den verschiedenen Abteilungen der Werkstätten ent-
nommen sind.

Die Aufgaben und Befugnisse der Kommissionen
sind in der Regel die folgenden:*)

1.	Beratung und Begutachtung von Angelegenheiten,
welche die Interessen der Arbeiter berühren oder
die Ordnung, die Einrichtungen und die Arbeits-
einteilung in der Fabrik betreffen und ihnen von der
Fabrikleitung zu diesem Zweck unterbreitet werden.

2.	Beratung über Anregungen aus der Mitte der Arbeiter-
schaft oder der Kommissionen über alles, was das
Wohl der Arbeiter betrifft.

3.	Entgegennahme und Untersuchung von Klagen der
Arbeiterschaft und Weitergabe solcher Klagen, so-
weit sie als begründet erachtet werden, an die
Fabrikleitung.

In der Anbringung von Schutzvorrichtungen in den
Werkstätten zur Verhütung von Unfällen an Kraft- und
Arbeitsmaschinen geht man in den Schweiz. Elektrizitäts-
Betrieben vielfach weiter als nach den gesetzlichen
Bestimmungen notwendig ist. Die meisten Arbeits-
maschinen haben transmissionslose Antriebe. In den
Drehereien findet man Absaugvorrichtungen, die gleich
denen in Holzbearbeitungswerkstätten Staub und Dreh-

*) Den Statuten der Arbeiterkommission Brown, Boveri &amp; Co.

entnommen.
        <pb n="60" />
        ﻿55

spänc durch Kanalanlagen abführen und so die Atmungs-
organe frei von schädlichen Substanzen halten.

Um den Arbeitern Gelegenheit zur weiteren theo-
retischen Ausbildung zu geben, hat man eine Reihe von
technischen Schulen gegründet: die Monteurschule in
Neuchätel; die Abteilung für Elektrotechnik des Tech-
nikums Biel (speziell für Monteure); die Fachschulen
für Mechaniker und Metallarbeiter in Winterthur.

Diese Schulen, so hoffte man, sollen den steten
Mangel an Monteuren beseitigen helfen. — Leider hat
sich sehr früh herausgestellt, dass diese Fachschulen
nur wieder Aufsichtspersonal ausbilden, das überwachen,
nicht aber auch selbst mitarbeiten will!

Lehrlinge erhalten bei einzelnen Firmen zumBesuche
von Fortbildungsschulen nicht allein die nötige freie
^eit, sondern auch den infolge Besuchs der Schule nicht
verdienten Arbeitslohn ausgezahlt. Einrichtungen für
Ablegung von Berufsprüfungen — ähnlich den Gesellen-
und Meisterprüfungs-Kommissionen in Deutschland
bestehen in der Schweiz noch nicht; doch werden sie
angestrebt.

Bestehende „Fachvereine“ der Elektrotechniker
stellen sich die Weiterbildung ihrer Mitglieder zur Auf-
gabe. Allerdings sehen die Maschinenindustriellen in
diesen Fachvereinen nur Kampfesorganisationen zur
Verkürzung der Arbeitszeit, Abschaffung des Akkord-
lohnes, Einführung des Minimallohnes und Verwirk-
lichung anderer Postulate.*)

*) Berichte über Handel und Industrie 1896 S. I42ff.; 1897
S. 117ff.; 1898 S. U9ff.; 1899 S. 108ff.; 1900 S. 136ff.; 1901 S.
170ff.; 1902 S. I52ff.; 1903 S. 140ff.; 1904 S. 101«-
        <pb n="61" />
        ﻿56

Eine neue sozialpolitische Einrichtung wurde in
den letzten Jahren in den Arbeitsnachweisbureaux ge-
schaffen. Vorderhand werden diese aber weder von
den Arbeitgebern noch von den Arbeitnehmern in be-
friedigender Weise in Anspruch genommen. 1901 rief
man in Basel ein internationales Arbeitsamt, dessen
Unterhaltung vorläufig aus privaten Mitteln bestritten
wird, ins Leben. Von europäischen und aussereuropä-
ischen Staaten wird dieses Amt als Zentralstelle aner-
kannt und zum Teil auch unterstützt. Seine Haupt-
aufgabe ist die Sammlung und die Herausgabe neuer
Arbeiterschutzgesetze in einer von ihm herausgegebenen
Zeitschrift, Vorbereitung einer internationalen Arbeiter-
statistik, Erhebungen und Auskunftserteilung über die
Wirkungen derArbeiterschutzgesetzgebung verschiedener
Länder und über die Möglichkeit ihrer Ausdehnung auf
ungeschützte Länder usw., alles auf durchaus neutralem
und unparteiischem Boden.*)

b. 'Arbeiterwohlfahrfseinrichfungen.

Die Leiter der Schweiz. Elektrizitätsfirmen haben
nicht allein die selbsüchtige Ausgestaltung der Etablisse-
ments im Auge, sondern auch das stete Wohl der
Arbeiterschaft. Es sind insbesondere die elektr. Gross-
firmen, die in sozialpolitischer Beziehung vor vielen
Etablissements anderer Fabrikationszweige mustergiltig
dastehen.

Die Wohlfahrtseinrichtungen sollen das körperliche,
geistige und sittliche Niveau der Arbeiterschaft steigern
helfen. Auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege sind vor
allem die wirklich mustergiltig angelegten und aus-

*) Wirtschaftskunde der Schweiz. S. 118,
        <pb n="62" />
        ﻿57

gestatteten Arbeiterwohnhäuser und Wohlfahrtshäuser
zu erwähnen. Letztere dienen in erster Linie der Ge-
selligkeit und der Bewirtung während und ausserhalb
der Gesehäftszeit. Es wird den auswärtigen Arbeitern
billiges kräftiges Mittagessen verabreicht. Ferner hat
man in diesen Häusern eine Badeeinrichtung geschaffen,
die Gesunden und Kranken zur Pflege ihres Körpers
dienen soll. Die Arbeiterwohnhäuser werden z. T. aus
eigenen Mitteln der Arbeiterschaft selbst geschaffen;
zu diesem Zwecke haben sich Arbeiter und Beamte zu
einer Genossenschaft zusammengetan und eine Baukasse
ins Leben gerufen, deren Aufgabe es ist, billige Wohn-
häuser zu erwerben.

Die gegründeten Sterbekassen dienen zur Be-
schaffung der Mittel zur Deckung der Begräbniskosten
verstorbener Mitglieder. Die Fabrikleitungen der Gross-
firmen haben Sparkassen, Arbeiterunterstützungs- und
Beamten-Pensionsfonds im Interesse ihrer Angehörigen
angelegt.*)

In Ermangelung staatlicher bezw. kommunaler
Kranken-, Unfall-, Alters- und Invaliden-Versicherungen
haben einige elektroteehn. Industriegesellschaften im Ver-
ein mit den Angestellten eigene Hülfskassen für Arbeiter
und Beamten geschaffen. Zur Unterstützung der Kasse
Werden freiwillige und Zwangsbeiträge erhoben.

c. Sozialpolitische Sesetze.

Die Schweiz ist in der sozialpolitischen Gesetz-
gebung, wie gleich eingangs erwähnt werden muss, andern
^ändern gegenüber noch weit zurück. Alle Einrichtungen,

*) Vergl. die betr. berichte der Orossfirmen,
        <pb n="63" />
        ﻿58

die in dieser Hinsicht bis heute geschaffen worden sind,
verdanken ihr Entstehen z. T. den Industriellen selbst.

Die grösste sozialpolitische 'Fat der Eidgenossen-
schaft, das Fabrikgesetz von 1877, ist von den Radikalen
bei der Volksabstimmung nur mit Hilfe der Ultramontanen
und Bäuerlichen (beide Parteigruppen fallen in einigen
Kantonen zusammen) durchgesetzt worden.*)

Die Gesetze betr. Unfall- und Krankenversicherung
— nach reichsdeutschem Muster — (1889 und 1900)
wurden nicht angenommen. Eine staatliche Invaliditäts-
und Altersversicherung fehlt. Das Haftpflichtgesetz wird
von den Fabrikanten als Sorgenkind angesehen; die
Beiträge, die hierzu benötigt werden, sollen den Arbeit-
geber zu sehr belasten.**) Die Unfallentschädigung an
Arbeiter besorgen die Elektrizitätsfirmen zum Teil selbst,
zum 'Feil durch Vermittlung einer Versicherungs-Gesell-
schaft. Zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheits-
fällen, evtl, auch zur Invaliden- und Altersunterstützung,
haben seit mehreren Jahren Arbeiter und Angestellte
Hülfskassen unter sich gebildet. Die Beiträge sind
relativ sehr gering und betragen u. a. ca. 5 cts. pro
Zahltag.

In industriellen Kreisen würde eine Verstaatlichung
der bestehenden Versicherungseinrichtungen mit Genug-
tuung angesehen werden. Manche zurzeit bestehende
Missstände Hessen sieh dadurch beseitigen. Der Schweiz,
demokratischen Lebensauffassung würde dies zur Ehre
gereichen!

*) Herkner: Die Arbeiterfrage. Berlin 1897.

**) Berichte des Vereins Schweiz. Maschinenindustrieller 1900.
Vgl. Hilty,. Politisches Jahrbuch der Schweiz. Eidgenossenschaft (Bern).
        <pb n="64" />
        ﻿59

8.	Der Einfluss des Aufschwunges der Starkstroin-
industrie auf andere Industriezweige.

Der eminente Aufschwung der schweizerischen
Elektrizitätsindustrie blieb nicht ohne bedeutenden Ein-
fluss auf andere Industriezweige. Wie vieler mannig-
faltiger Apparate und sonstiger Gegenstände bedarf es
nicht zum Bau einer grossen, modern eingerichteten
elektrischen Zentrale! Antriebsmaschinen, Dynamos,
l ransformatoren, Bogenlampen, Glühlampen, Mess-und
Schaltapparate, Schalttafeln, Leitungsmaterial usw. usw.
Die Herstellung aller dieser Apparate usw. setzt natür-
lich das Vorhandensein von Industriezweigen, die sich
mit der Herbeischaffung und Vorbereitung der ver-
schiedenartigsten Rohmaterialien und Halbfabrikate be-
lassen, voraus. Alles können die elektrotechnischen
Eabriken eben nicht selbst machen.

Schon im vorangegangenen Abschnitt 6 bei der Be-
sprechung der Preisverhältnisse wurden einige der
wichtigsten, hier in Betracht kommenden Rohmaterialien
benannt. Zunächst das Eisen. Zu den verschiedensten

Zwecken und in grossen Mengen wird es in der elektro-
technischen Fabrik gebraucht: Bau von Dynamos, von
Motoren (Gussstahl), von elektr. Lokomotiven u. u.

Ein Blick in die Einfuhrstatistik zeigt, dass, Hand in
Hand mit der Entwicklung der Elektrizitätsindustrie, in
die Schweiz eingeführt wurden:')

Roheisen	Eisenbahnschienen	Eisenbl^ 6

Jahr	Wert in	Wert in	We‘

dz.	Fr.	dz.	Fr. dz-

1895	620,544	4,649,000	737,188(?) 10,584 (?)

1896	821,421	6,614,000	958,800	14,607 (?)	66,961	,5 9,000

1897	750,214	6,542,000 1.233,831	20,062	58,864	1,315,000

*) Berichte ijber Handel und Industrie 1900, S. 132,
        <pb n="65" />
        ﻿60

Roheisen	Eisenbahnschienen Eisenbleche

Jahr	Wert in		Wert in	Wert in
dz.	Fr.	dz.	Fr.	dz.	Fr.
1898	793,270	7,173,000	1,190,593	20.081	53,137	1,237,000
1899	999,218	9,817,000	1,197,109	25,656	72,137	2,037,000
1900	981,060 11,735,000	1,236,028	26,560	62,962	1,639,000.
In allen 3 Gattungen betrug		also die Zunahme des	
Imports der Menge nach allein		in den 6 Jahren 1895	
bis 1900 rund 50%.	Vor allem ist es die		deutsche
Eisenindustrie, die von	diesem Mehrbedarf der Schweiz		
Nutzen zog. Nach der	deutschen	Statistik (Statistisches	
Jahrbuch für das Deutsche Reich) wurden von			Deutsch-
land importiert:			
	Roheisen		
Jahr	t.	Wert in /Will. M.	
1895	4,359	0,3	
1896	6,090	0,4	
1897	5,544	0,4	
1898	1 1,344	0,8	
1899	11,885	1,0	
1900	9,544	0,9	

Während, wie schon erwähnt, die Menge des
Imports bei Roheisen, Eisenbahnschienen und Eisen-
blechen von 1895 bis 1900 um das '/Jache stieg, betrug
die Steigerung des Werts der importierten Mengen, wie
die Tabelle auf Seite 59 und 60 zeigt, bei Roheisen und
Eisenbahnschienen rund das 1 '/Jache, bei Eisenblechen
das '/j— 1 fache.

An zweiter Stelle der Menge nach im Roh-
materialien verbrauch der elektrotechnischen Industrie
steht das Kupfer. Seiner besonderen Härte- und Festig-
keits-Eigenschaften wegen ist es das Metall, aus dem
        <pb n="66" />
        ﻿61

I

der Draht für ober- und unterirdische elektrische
Leitungen hergestellt wird. (Bei Elektrizitätsanlagen
rechnet man etwa V» der Anlagekosten als auf die
Leitungsrirähtc entfallend.) Die Schweiz importierte an
gewalztem, gehämmertem und gezogenem Kupfer:*)

1895	dz.	Wert in 1000 Fr.  33,983	5,627	
1896	39,753	6,639
1897	35,540	6,255
1898	37,129	6,832
1899	33,778	7,904
1900	40,160	9,397
1901	32,814	6,563
Als weiteres Metall kommt Blei		in Betracht.

Hauptverwendung findet es in der Akkumulatoren- und
Kabelbranche.

ln der Schweiz wurden eingeführt an:

	Rohblei  Wert in dz-	1000 Fr.		Blei inßlöcken, Barren etc.  Wert in dz'	1000 Fr.	
1895	20,289	599	13,041	443
1896	26,658	808	14,057	506
1897	28,351	• 936	14,819	563
1898	35,404	1,239	15,737	629
1899	28,049	1,122	15,530	609
1900	33,510	1,508	11,682	584
1901	35,935	1,258	12,692	508
1902	34,207	1,028	34,207	1,026

*) Reines und legiertes Kupfer, ebenso Kupfererze, die zusammen
Ull£efähr '/s der Einfuhr an gewalztem Kupfer ausmachen, sind in den
^gegebenen Zahlen nicht enthalten. Nach Berichten des Vereins
Schweiz. Maschinenindustrieller. Jahrgang 1899 S. 103, 1900 ff.
        <pb n="67" />
        ﻿62

Guttapercha und Kautschuk, die in der Kabel- und
Drähtefabrikalion unentbehrliche Rohstoffe geworden
sind und als Isolierkörper dienen, haben während der
Hochkonjunktur Ende der 90er Jahre einen bedeutenden
Mehrverbrauch aufzuweisen. Obach berechnet, dass
ca. 2I3 der gesamten Guttaperchaproduktion zur Her-
stellung von Drähten, Kabeln und zur Isolation verwendet
worden seien. Dies erscheint nicht unrichtig, wenn
man nachstehende Tabelle*) mit der Aufschwungsperiode
der Elektrizitäts-Industrie, bezw. der Kabelfabrikation
vergleicht.

Einfuhr in Deutschland:  Jahr	Tonnen		Mill. Mk.
1892	4,692	25,8
1898	5,194	23,4
■	1894	5,640	22,6
1895	6,821	27,3
1896	8,280	34,8
1897	8,574	38,6
1898	10,098	54,7
1899	13,714	76,7
1900	13,480	75,5

Da alle genannten Rohmaterialien bezw. Halb-
fabrikate importiert werden müssen, decken sich die
Importziffern ziemlich genau mit den Verbrauchsziffern
und geben somit schon zur Genüge ein Bild von dem
steigenden Einfluss, den die schweizerische Elektrizitäts-
industrie auf die Gestaltung der sich mit der Gewinnung
und ersten Verarbeitung derartiger Rohmaterialien und
Halbfabrikate befassenden Industriezweige hat.

*) Wirtschaftskunde Deutschlands 1904. Die elektrische Industrie
S. 988.
        <pb n="68" />
        ﻿63

-

Einen lebhaften Aufschwung nahm weiter, wesent-
lich infolge des steigenden Bedarfs der Elektrizitäts-
industrie, in dem letzten Lustrum des vorigen Jahr-
hunderts die Holzmastenindustrie. Die Holzmasten, der
besseren Haltbarkeit wegen imprägniert, dienen als
Träger für die elektrischen Leitungen.

Der zunehmende Bedarf an Isolierkörpern für die
Leitungsdrähte hatte ferner die EntstehungneuerPorzellan-
fabriken im Gefolge.

Der Bau elektrischer Strassen- und Vollbahnen
veranlasste eine starke Nachfrage auf den Gebieten des
Iransportmittelverkehrs. Nach Mitteilung der schweize-
rischen Fabrikinspektion herrschte in diesenFabrikations-
zweigen Ende der 90er Jahre eine rege Tätigkeit, die
in der Statistik in der Zunahme der Fabriken und der
darin beschäftigten Arbeiter ihren Ausdruck fand.

Nicht zum geringen Teil verdanken der Elektrizitäts-
industrie ihre gute Entwicklung verschiedene Werkzeug-
und Maschinenfabriken.

Eng im Zusammenhang mit der Entwicklung der
Starkstromindustrie steht die Entwicklung der später
näher zu betrachtenden elektrochemischen Industrie,
deren Entfaltung für die schweizerische Volkswirt-
schaft vielleicht noch von unberechenbarem Werte
Se'n kann. Es sei hier nur auf die Entstehung der
Karbidwerke (Verwendung des elektrischen Ofens zur
Acetylengas-Bereitung) hingewiesen. Die Statistik der
schweizerischen Fabrikinspektion führt die Karbidwerke
1T&gt;it unter der Rubrik Gasanstalten auf. In der Schweiz
Sab es demnach:

1895 21 Gasanstalten mit
1901 30

519 Arbeitern und 119 PS.

669 PS.

1112
        <pb n="69" />
        ﻿64

Die mechanische Betriebskraft (PS.) hat sich also in
dieser Zeit nahezu versechsfacht und dürfte dies in erster
Linie der zunehmenden Verwendung des elektrischen
Stromes für die Acetylengasbereitung zuzuschreiben sein.

9.	Der Rückschlag im Jalire 1900 ff. und seine
Ursachen.

Die Geschäftslage in der Elektrotechnik blieb nicht
immer die gleich gute. Ein allgemeiner Rückschlag in
den Geschäftsergebnissen setzte mit dem Jahre 1900 ein.
Schon vorher wurden in Interessentenkreisen vereinzelte
Stimmen laut, die vor einer Ueberspannung des Bogens
warnten und darauf hinwiesen, dass bei einer so starken
Steigerung der Produktion elektrotechnischer Fabrikate,
wie sie in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts vor
sich ging, binnen wenigen Jahren der Konsumtions-
möglichkeit Genüge geleistet sein werde, eine Störung
des Gleichgewichtes zwischen Angebot und Nachfrage
infolgedessen bald eintreien müsse. Und so kam es
denn auch! Die Konsumtionskraft der Elektrizitätswerke
und elektrischen Bahnen war ziemlich erschöpft. Karbid-
werke hatten infolge vorangegangener Ueberproduktion
z. T. ihren Betrieb auf längere Zeit gänzlich eingestellt.
Die Verkaufspreise schlugen wegen der mangelnden
Nachfrage eine fallende 1 endenz ein. ln ihrem Geschäfts-
bericht für 1901/02 schreibt die Firma Brown, Boveri
&amp; Co.: ... die Preise sind heute auf ein Niveau gesunken,
bei dem fast durchgängig mit direktem Verlust ge-
arbeitet werden dürfte. Bei der herrschenden Ueber-
produktion war es nur mit grosser Anstrengung möglich,
        <pb n="70" />
        ﻿— 65 —

den ungeschmälerten Betrieb der Werkstättc
zu erhalten und angesichts der erhältlichen Preis)
eigentlich nur die Rücksicht auf die Arbeiterschaft eine
volle Beschäftigung erwünscht erscheinen lassen.“

Die wirtschaftliche Störung war allerdings nicht
von so langer Dauer wie diejenige in Deutschland aus
der gleichen Zeit.

Musste auch in den Jahren 1900 ff. meistens mit
Verlust gearbeitet werden, so trat doch schon wieder
ün Laufe des Jahres 1903 eine Wendung zum Besseren ein.

Natürlich wurden durch die Störung nicht alle
schweizerischen Elektrizitäts-Firmen in gleich starker
Weise beeinflusst. Bei der Maschinenfabrik Oerlikon

setzte die Depression verhältnismässig am frühesten ein;
auch liess sie bei ihr nicht so rasch nach wie bei Biown,
Boveri &amp; Co. Letztere überstand wohl am besten die
Krisis. Weniger gut ging es „Alioth“. Sie unternahm
es gerade in der Zeit des Niederganges der elektrischen
Industrie, ihre Werkstätten bedeutend zu vergrössern.
Burch den Bau einer Zweigfabrik in Lyon war überdies
dei ihr die administrative Leitung sehr erschwert worden.
Kabrikations- und Installationsfehler zogen grössere Ver-
Iuste nach sich. Der Reservefond musste zur Deckung
des Schadens herangezogen und das Aktienkapital von
Sechs auf drei Millionen Franken herabgemindert werden.
Brei Millionen Franken wurden alsdann in form von
Prioritätsaktien neu hinzubeschafft. Für das Jahi 1901
waren hohe Abschreibungen nötig. Der Verlust von
l9°1 betrug insgesamt 3,347,995 Fr. gegenüber einem
Gewinn von 435,000 Fr. im Vorjahre.

Die kleinen Elektrizitätsfirmen überstanden die un-
günstige Geschäftslage noch am besten.

5
        <pb n="71" />
        ﻿66

Fälle gänzlicher Betriebseinstellung wie in Deutsch-
land sind in der Schweiz nicht vorgekommen.

Die eigentliche Hauptursache der Depression lag
in der falschen Betätigungsweise der Elektrizitätsfirmen
bei dem Bau von Elektrizitätsanlagen (Elektrizitäts-
werken und Bahnen) aus eigenen Mitteln. Es würden
Elektrizitäts-Werke gebaut, von denen man sich schon
von vornherein hätte sagen müssen, dass sie nie rentieren
würden. Die Produktions- und Absatzmöglichkeiten
waren nicht genügend studiert, der Strom zu billig
offeriert worden — namentlich bei den ersten Vertrags-
abschlüssen mit den Konsumenten. — Aehnlich erging
es bei dem Bau von elektrischen Kleinbahnen. Eine
Anzahl von Geleisestrecken wurden gebaut, die weder
jetzt noch später den Erbauern eine genügende Ren-
tabilität bringen werden.

Dies bedingte eine fortwährende weitere Ausge-
staltung der Produktionsstätten und führte zur über-
mässigen Investierung grösserer Kapitalien bezw. zur
Gründung von Finanzgesellschaften.

Hinzu kam die Steigerung der Preise für die Roh-
materialien und Halbfabrikate infolge des so schnell
steigenden Bedarfs an solchen, die stete Verschlechterung
gewisser Rohstoffe (Eisen, Kohle) und das Nichteinhalten
der Lieferfristen für Rohstoffe und Halbfabrikate, ferner
das fortwährende Steigen der Arbeitslöhne und der Aus-
gaben für Kreditbedürfnisse. —

Ueber die Ursachen des Rückschlags und der sich
daraus ergebenden Aufgaben der Geschäftspolitik äussert
sich die Maschinenfabrik Oerlikon in ihrem Geschäfts-
bericht für 1901/02 wie folgt:

„In den zahlreich veröffentlichten Besprechungen über
die Verhältnisse des gegenwärtigen elcktr. Marktes wurde
        <pb n="72" />
        ﻿67

sehr häufig der eigentliche Grund dieser Krise wohl ver-
kannt oder doch nicht mit nötiger Deutlichkeit hervorge-
hoben. Er liegt u. E. darin, dass einer Anzahl mächtigster
und mittlerer Eabrikationshäuser, welche sich gewöhnt
hatten, namhafte Prozentsätze ihrer Erzeugnisse an selbst-
gegründete oder mit Hülfe von Finanzinstituten besonders
geschaffeneBeleuchtungs-,Traktions-und Stromlieferungs-
gesellschaften abzusetzen, nunmehr, nachdem für diese Art
von Geschäften die Zeit vorüber war, der Abnehmer eines
bedeutenden Teiles ihrer Produktion, insbesondere in
grossen Maschinen fehlte, sodass diese Firmen gehalten
waren, für den Ausfall im Absatz andere Klienten zu
suchen. Der Gedanke war naheliegend, einer noch
intensiveren Pflege des reinen Kundengeschäfts sich
zuzuwenden, allein insofern nur von beschränkter Richtig-
keit, als abgesehen vom derzeitigen Mangel an Geschäf ts-
lust überhaupt bei den Konsumenten — die Bedürfnisse
der vorhandenen industriellen und kommunalen Unter-
nehmungen bei weitem nicht genügten, um die an-
nähernd ausschliesslich auf dieses Gebiet jetzt konzen-
trierte Produktion so vieler im Laufe der letzten Jahre
teilweise rapid und in’s Enorme vergrösserter elektro-
technischer Werke zu absorbiren. Daher die oft kaum
für möglich gehaltenen kaufmännischen und technischen
Bedingungen, zu denen sich immer einige Firmen bereit
fanden, Aufträge zu übernehmen. Nicht selten sind wir
Preisofferten begegnet, die sich weit unter unseren
Selbstkosten bewegten. Zufolge des anfangs kaum
genügend in Rechnung gezogenen Vorhandenseins er-
heblicher Vorratslager, insbesondere in Deutschland,
verschärfte sich nachher noch das Angebot. Aber auch
dadurch wurde die Krisis nicht gemildert, dass die Geld-
        <pb n="73" />
        ﻿68

Institute, die in früheren Jahren da und dort vielleicht
allzu vertrauensvoll Millionen an die Gründung elektrischer
Zentralen, Traktionsunternehmungen und Banken ge-
wendet und so die allzureiche Blüte der Elektrizitäts-
branche mit herbeigeführt hatten, nunmehr häufig die
entgegengesetzte, u. E. ebensowenig ganz gerechtfertigte
Politik einschlugen und selbst gegenüber sich bietenden
lebensfähigen und guten Geschäften sich vorwiegend ab-
lehnend verhielten..................................

Diejenigen Firmen aber, welche bewussterweise
stets nur dem Maschinen- und Anlagenlieferungsgeschäft
für fremde Rechnung obgelegen und, wie die unserige,
ihre Werkstätten im ganzen nicht weiter ausgedehnt
haben, als zur Ausführung der von den normalen Klienten
erteilten Bestellungen jeweilig erforderlich war, die auch
aus den Zeiten der Hochkonjunktur her nicht mit grossen
Beteiligungen an Gründungen und mit finanziellen Be-
triebsgarantien belastet sind, — welche also gewisser-
massen die Berufung in sich tragen, diese entscheidende
Krisis zu überdauern — dürfen sich von dem momen-
tanen Untergebot unter keinen Umständen eine in
vieljähriger Anstrengung gewonnene Klientele abwenden
und aus Absatzgebieten verdrängen lassen, die auf die
Dauer zur Aufrechterhaltung der notwendigen Umsatz-
ziffern unentbehrlich sind. Mehr als je wird es eine
Aufgabe der Geschäftspolitik sein, in allen Beziehungen
die errungene Position nötigenfalls selbst um den Preis
erheblicher Schmälerung der Gewinne zu behaupten,
und, parallel mit dem Ausbau der inneren und äusseren
Organisation und mit der Weiterbildung der bisherigen
Konstruktionen und Methoden, auch die Anhandnahme
neuer, Aussicht in der Zukunft versprechender Speziali-
        <pb n="74" />
        ﻿69

täten zu verfolgen. Nur ein solches Vorgehen ermöglicht
gleichzeitig, bei Wiederbelebung der Geschäfte nicht die
beste Zeit erst verwenden zu müssen, um Versäumtes
nachzuholen, sondern alsdann an dem Aufschwünge in
vollem Masse teilzunehmen.“

Der guten Konstruktion ihrer Maschinen anderen
ausländischen konkurrierenden Fabriken gegenüber ver-
dankt es die schweizerische Elektrizitäts-Industrie, dass
sie sich doch noch relativ schnell wieder erholen konnte.
Wie der Geschäftsbericht von Brown, Boveri &amp; Co. für
1902/03 erwähnt, trug hierzu auch nicht unwesentlich
^ei, dass „äusserste Sparsamkeit in allen Betrieben“
herrschte. Der Verbilligung der Herstellungsweisen
wandte man die grösste Aufmerksamkeit zu; die
Requisition Stätigkeit wurde vermehrt. In dem Geschäfts-
jahre 1903/04 konnte die Geschäftsstörung als über-
wanden gelten. —

10.	Interessenvereinigungen.

Preisvereinigungen, Kartelle odersonstigelnteressen-

verbände (Ringe. Trusts usw.) kommen in der schweize-
rischen elektrotechnischen Industrie nur ganz vereinzelt
vor. Zu einem, wenn auch nur loseren, Zusammenschluss
her Grossfirmen ist es bis jetzt nicht gekommen.

Man verfolgt mit grossem Interesse den heissen
Konkurrenzkampf der deutschen Nachbarbetriebe, r er
zur Vernichtung grosser und kleiner Werke führt, gei
aber nicht daran, sich selbst vor Uebergriffen zu
Wahren bezw. hierfür geeignete Schritte (inzul

Eigentlich sollte man glauben, dass es den Gross
firmen bei ihrer geringen Zahl nicht schwel falle, einen
        <pb n="75" />
        ﻿70

engeren Zusammenschluss herbeizuführen, um sieh über
wichtige Punkte zu verständigen und nötigenfalls ge-
meinschaftlich zu handeln. Als derartige, alle Beteiligten
gleichmässig berührende Angelegenheiten seien z. B.
nur das Submissionswesen und die in Technikerkreisen
vielfach erörterte Frage der Honorierung ausgearbeiteter
Anlage-Projekte, Kostenanschläge usw. erwähnt.

Soweit Zusammenschlüsse in der Schweiz zustande
kamen, gingen sie von ausserschweizerischen Firmen aus.

Neben dem Glühlampenkartelle sind in dieser Hin-
sicht die in späteren Kapiteln zu erwähnenden inter-
nationalen Konventionen der Aluminium-und der Dampf-
turbinenwerke zu nennen.

Zu dem Glühlampenkartell gehören fast sämtliche
europäischen Glühlampenfabriken, darunter auch die
beiden schweizerischen, die Zuger und die Zürcher
Glühlampenfabrik. Der Verband verdankt seine Ent-
stehung der Einsicht, dass es notwendig sei, dem Sinken
der Verkaufspreise Einhalt zu tun. Sein Sitz ist Berlin.
Er verfügt über ein Stammkapital von 1 Million Mark.
Der Verkauf der Gesamtfabrikation erfolgt durch die
„Verkaufsstelle vereinigter Glühlampenfabriken G. m.

b.	H.“ — Vor allem sind es folgende Vorteile, die
durch die Kartellierung der Glühlampenfabriken er-
reicht wurden, und die somit auch den schweizerischen
Glühlampenfabriken zu Gute kommen: Die Verkaufs-
preise wurden wieder aut ein Niveau zurückgeführt, das
den Fabriken einen annehmbaren Nutzen lässt; die
technische Ausgestaltung der 1* abrikate wurde verbessert;
wenig verbrauchte Lampensorten wurden aus der Fabri-
kation ausgeschaltet; infolge der Fabrikation und des
Verkaufs im Grossen kann billig eingekauft und die
        <pb n="76" />
        ﻿71

Betriebsweise möglichst rationell gestaltet werden. „Die
Konsumsteigerung gewährleistet den grösseren Fabriken
die allmähliche Ausdehnung der Produktion und damit
die Herabsetzung des Betriebskoeffizienten.“*) Aus-
führlicher auf die technische und kaufmännische Organi-
sation des Glühlampenkartells einzugehen, ist hier nicht
der Platz.**)

Eine Art Interessengemeinschaft kam im Jahre 1903
zwischen der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Brown,
Boveri &amp; Co. und der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft
in Berlin zustande. Letztere Gesellschaft übernahm in
Verbindung mit der Bank für elektrische Unternehm-
ungen in Zürich etwa die Hälfte des Aktienkapitals
der Firma Brown, Boveri &amp; Co. Trotzdem die Allge-
nieine Elektrizitätsgesellschaft dadurch die Majorität in
her Generalversammlung erhielt, blieb aber die Ge-
schäftsführung von Brown, Boveri &amp; Co. in den alten
Gewährten Händen. Dass die Aktiengesellschaft Brown,
Boveri &amp; Co durch die Transaktion verstärkten Rückhalt
her verschiedensten Art erlangte, bedarf wohl nicht erst
eines besonderenNachweises. Wie die Weiterentwicklung
sein wird, erscheint nicht besonders zweifelhaft, wenn
man sich vor Augen hält, dass die Firma Brown,
Boveri &amp; Co. durch den Aktienaustausch auch stark
unter den Einfluss der Schweizer Kreditanstalt, der Leiterin
her Bank für elektrische Unternehmungen in Zürich,
gekommen, die Schweizerische Kreditanstalt aber wiedei-
Urn auf’s Engste mit der Maschinenfabrik Oerlikon

*) KarteiIrundscliau Wien 1903 ff.

**) Vgl. Jahrbuch des S. E. V. 1905, S. 21: Statuten der Glüh-
knipen-Einkaufs-V ereinigung.
        <pb n="77" />
        ﻿72

verbunden ist. Die so bedeutende Vereinigung der zwei
grössten schweizerischen Elektrizitätsgesellschaften in
einer Hand ist vielleicht nur ein Zufall. Vielleicht
ist sie aber auch die Vorläuferin einer bedeutenderen
Transaktion, des engeren Anschlusses der beiden grossen
schweizerischen Elektrizitäts - Gesellschaften an eine
grössere internationale Trustbildung. Bekanntlich gründete
die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin im
Jahre 1904 eine Interessengemeinschaft mit der ameri-
kanischen Firma General Electric Co. und ihren euro-
päischen Tochtergesellschaften, der Thomson Houston,
Edison General Electric Co., den Fort Wayne Electric
Works, der Stanley Elektric Manufacturing Co., der
Eddy Electric Corporation, der General Jucadescent Are
Eight Co., der Sprague Electric Co. und der Northern
Electric Co.

Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft und die
General Electric Co. nahmen eine örtliche Abgrenzung
ihrer Produktionsgebiete vor. Erstere Firma bearbeitet
die europäischen Gebiete, letztere insbesondere das
Gebiet der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Süd-
amerika ist gemeinsames Arbeitsfeld. Patente sollen
gemeinschaftlich ausgenützt werden.

Durch eine gänzliche Aufsaugung der beiden be-
deutendsten schweizerischen Grossfirmen würde sicher
die Macht der Interessengemeinschaft Allgem. Elektri-
zitätsgesellschaft—General Electric Co. auf dem Welt-
märkte ganz wesentlich gestärkt werden. Ob die Ab-
nehmer hiervon Vorteil ziehen, der schweizerische
Bundesstaat hieran Freude erleben würde, ist allerdings
eine andere Frage.
        <pb n="78" />
        ﻿73

11.	Die Fabrikate der schweizerischen elektro-
technischen Industrie auf dem Weltmärkte.

Gewissermassen als Anhang zu dem gegenwär-
tigen Kapitel über die Starkstromindustrie mögen an
dieser Stelle einige Bemerkungen über die Stellung,
welche die schweizerische Elektrotechnik im Vergleich
zu der anderer Nationen auf dem Weltmärkte einnimmt,
Platz finden. Anhaltspunkte hierfür geben die Berichte
über die grösseren Ausstellungen.*)

Auf der elektrotechnischen Spezialausstellung in
Frankfurt a. M. von 1891 und der Genfer Landes-
ausstellung von 1896 nahm die noch junge schweize-
rische elektrotechnische Industrie, wenn auch einen „be-
scheidenen. so doch ehrenwerten Platz1- ein.

Eingehend mit der „technischen Güte“ der Fabrikate,
der Grösse des Wirkungskreises bezw. der Produktion
'Id- einzelnen Länder, machte ihre Besucher die Pariser
Weltausstellung von I960 bekannt.

Die deutsche Abteilung für elektrotechnische Appa-
rate auf der Pariser Weltausstellung gab von der her-
vorragenden Leistungsfähigkeit der elektrotechnischen
Industrie Deutschlands, die auch schon auf früheren
Ausstellungen sehr charakteristisch hervorgetreten war,
dn wirklich getreues Bild. Deutschland bildet den
dauptkonkurrenten der Schweiz, sofern von Amerika
abgesehen wird. Die deutsche elektrische Industrie
Weist eine selbstständige Entwicklung auf. Sie ist keine
künstliche Treibhauspflanze wie die französische und
belgische. Die Qualität ihrer Produkte ist eine äusserst

*) Nach Professor Dr. Wyssling: Production et utilisation de
I electricite. Zürich 1900. Separatabdruck des S. E. V.
        <pb n="79" />
        ﻿74

gute, der Preis der Güte derselben sehr angemessen.
Alle führenden und tonangebenden Grossfirmen des
deutschen Reiches waren auf der Ausstellung mit vor-
züglichen Spezialtypen, besonders Stromerzeugungs-
maschinen, vertreten: die Allgemeine Elektrizitäts-Gesell-
schaft; Siemens &amp; Halske; Elektrizitäts-Gesellschaft
Lahmeyer; Schuckert.

Oesterreich-Ungarn zeigte in der Pariser Welt-
ausstellung im allgemeinen ähnliche Maschinentypen
wie Deutschland. Es fehlt der östereichisch-ungarischen
Elektrizitätsindustrie aber an „Tatkraft“. Ausgestellt
hatten vor allem die Firmen Kolben &amp; Krizik A.-G. und
Vereinigte Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Egger, Ganz
&amp; Co. —- In Oesterreich-Ungarn hat bekanntlich die Her-
stellung einiger Spezialfabrikate, wie die von Glühlampen
und Drähten, einen besonders hohen Grad der Aus-
bildung erlangt.

Die französische elektrotechnische Industrie, die
sich seit der Ausstellung von 1889 wesentlich geändert
hat, — mächtige Aktien-Gesellschaften, aus ehemaligen
kleinen Agentur- und Installationsgeschäften hervor-
gegangen oder neu entstanden, setzen Maschinentypen
in Betrieb, die denen keines andern Landes nachstehen
— besass in ihrer Abteilung unstreitig die gleiche
Signatur wie die deutsche: „Streben nach Konstruktion,
nach Typen grosser Leistung, in direkter Kuppelung
mit Dampfmaschinen, bei hauptsächlicher Verwendung
von Wechselstromarten''. Die gezeigten Maschinen-
kolosse waren indessen in Frankreich nur gebaut und
zusammengestellt, nicht aber auch konstruirt worden.
Die Konstruktion war fremden Ursprungs. Die franzö-
sischen Elektrizitätsfirmen bauen, sofern sie nicht Zweig-
        <pb n="80" />
        ﻿75

geschäfte ausländischerFirmensind,meistnach Zeichnung
ausländischer Gesellschaften. Als Zweiggeschäfte sind zu
nennen die Societe Electricite et Hydraulique in Jemmont
(Stammhaus in Charleroi, Belgien), die Compagnie
Erangaise Thomson-Houston in Postel-Vinay, welche
amerikanische Original-Thomson-Houston baut. Schneider
&amp; Co. bauen nach den Konstruktionen von Thury in
Genf und Ganz &amp; Co. in Wien. Mit Siemens &amp; Halske
verbunden ist die Societe Alsacienne in Beifort. Die
Original Schuckertschen Konstruktionen hat die Com-
pagnie de Creil (vorm. Dayde et Pille) in Licenz; ebenso
Oie Compagnie generale electrique de Nancy und die
Nouvelle Decauville. In der mechanischen Ausführung
s'rid die französischen Fabrikate ebenso tadellos wie
Oie schweizerischen. Eine grosse Verbreitung haben
'n den letzten Jahren die französischen Hilfs- und Halb-
fabrikate gefunden.

Vollauf denselben Charakter wie die französische
hat die belgische Elektrizitätsindustrie. Die Fabrikation
elektrischer Maschinen bildet in Belgien einen Neben-
zweig der Maschinenfabrikation

ln den nordischen Ländern Schweden, Norwegen
und Russland ist die Elektrotechnik noch wenig aus-
gebildet. Die spärlichen Objekte auf der Pariser Welt-
austeilung zeigten keinen speziellen Charaktei. Ootz
ihrer Kohlenarmut, aber bei ihrem Reichtum an Wasser-
kräften, sollten diese Länder der elektrisch« n indu.-

Uoch eine grosse Zukuntt bieten.

England, das sonst doch das Land einer bedeutenden

Industrie ist, wies, den von Siemens-Brotheis, Bo ^ey

Mather &amp; Platt stammenden Ausstellungsob.lt \t

x-u urteilen, durchaus nicht aul eine ausgebildc te &gt; tktri
        <pb n="81" />
        ﻿76

zitätsindustrie hin. Nur die englische Kabelfabrikation
ist mustergültig, ln England wären alle materiellen
Bedingungen für die Entwicklung einer Elektrizitäts-
industrie vorhanden: Arbeitskräfte, Rohmaterialien und
Kapital. Die Schwierigkeit liegt hier indessen im
Konservativismus des Engländers, der sich mit der Ein-
führung moderner Arbeitsmaschinen nicht befreunden
kann.

Die nordamerikaniscfie elektrotechnische Industrie
hat einen glänzenden Entwicklungsgang durchlaufen.
Amerikas Fabrikate sind heute in allen Kulturstaaten
gut eingeführt; insbesondere sind es seine sogenannten
„Standards“, mit denen es den ganzen Weltmarkt über-
schwemmt.*) Der amerikanische Ingenieur machte sich
stets nach dem Prinzip „handeln ist besser als forschen“
das neueste, was er auf deutschen und anderen Aus-
stellungen sah, zu Nutze. Das Forschen wurde von den
Amerikanern stets gern in den Hintergrund gestellt.
Mit dem raschen Handeln sind sie auf dem Gebiete der
Elektrotechnik zu grossen Errungenschaften gelangt.
Einen Massstab für die Grösse der Leistungsfähigkeit
Nordamerikas auf dem Gebiete der Elektrotechnik konnte
allerdings die amerikanische Abteilung auf der Welt-
ausstellung in Paris von 1900 nicht geben.

Die Schweiz war auf der Pariser Weltausstellung
mit ähnlichen Fabrikaten vertreten wie Deutschland.
Die Konstruktionen waren Schweizer Originale, nicht
Erstlingswerke, sondern vielfach mit Erfolg eingeführte
Maschinentypen. Die Fabrikate sind im allgemeinen
denen deutschen Ursprungs an Güte ebenbürtig. Hin-

*) Vgl. die Ausführungen von Vanderlipp: Amerikas Eindringen
in das europäische Wirtschaftsgebiet. Berlin 1903.
        <pb n="82" />
        ﻿77

sichtlich Sorgfalt der Konstruktion gebührt der Schweiz
oft sogar der Vorrang. Die Leistungen sind um so
anerkennenswerter, als ja noch einzelne schweizerische
Firmen verhältnismässig sehr jung sind. Eine sich aul
die Ausnützung von Modellen stützende Massenfabrikation
in kleineren kurranten Maschinen kennt die Schweiz
nicht. Deutschland (Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschat t)
und Nordamerika, in neuester Zeit auch Frankreich, sind

ja daran, auf diesem Gebiete Besonderes zu leisten.

•

Auch in der Fabrikation von „Spezialprodukten" steht
die Schweiz hinter anderen Ländern zurück; wie schon
früher erwähnt (Seite 27), liegt dies zum Teil an dem
Mangel an Rohstoffen (Kohle, Erze etc.) und Halb-
fabrikaten. Von den Franzosen können die Schweizer
m der Aufsuchung von Abnehmern und raschen Ver-
wertung von Neuheiten, von den Amerikanern in der
Praktischen Herstellung konstruktiver Einzelheiten lernen.
*n der Schweiz sind alle Voraussetzungen, die zur Leist-
Ungsfähigkeit der Elektrizitätsindustrie in erster Linie nötig
s'ud, erfüllt. Man verfügt über einen guten Stab tüchtiger
Arbeiter und Ingenieure und ist mit den neuesten Arbeits-
maschinen (Spezialmaschinen), zum Teil selbst erbaut,
Versehen. Gewaltige Wasserkräfte stehen der Elektri-
Mtätsindustrie, wie in keinem anderen Lande in gleichem
Masse, zur Verfügung. An Ansporn zum Wetteifern
fmim Streben nach Vervollkommnung der elektrischen
^ rodukte fehlt es also nicht. Einen guten Ruf aul dem
A eltmarkte hat sich die schweizerische elektrotechnist he
Industrie schon jetzt gesichert. Die Marke „Made in
Switzerland“ hat einen guten Klang. Dass dies auc h
fernerhin so bleibe, ist nur zu wünschen.
        <pb n="83" />
        ﻿III.	Elektrizitätswerke und
elektrische Bahnen.

Elektrizitätswerke gibt es in der Schweiz wegen
der so reichlich vorhandenen Wasserkräfte eine grosse
Anzahl.

Im Jahre 1902 waren es 221 (nicht mitgerechnet
Werke, welche nur dem Bahnbetriebe dienen). Sie
lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen:

1.	die eigentlichen oder primären Werke, d. h. Werke,
„welche in primärer Weise mechanische Leistung
in elektrische umsetzen“ und

2.	die sekundären Werke, d. h. Werke, welche von
einem andern Werk (Primärwerk) Strom beziehen
und dann „wiederum an Dritte mit oder ohne
Umformung“ weitergeben.

Primär-Werke gab es 1902: 182 (1901: 177),
Sekundär-Werke „	„ 1902 : 39 (1901: 24).

Nachstehende Tabelle gibt einen Ueberblick über
die Leistung der Primär-Werke, excl. Bahnwerke. (Die
vor der Klammer stehende Zahl bezieht sich auf das
Jahr 1902, die in der Klammer stehende auf das Jahr 1901):

Bei	%	Leistung °/„ der Ge-
werk. all. Werke	in KW. samtlstg.

168	od.	92,5(95,5)	m.	regul. Wasserkraftbetr.	betr.	114,400 od. 96,6 (94,5)

4	„	2,0 (1,1)	„	Oampfkraftbetr.	„	2,200 „ 1,9 (3,0)

10	„	5,5 (3,4)	„	,,	Gaskraftbetrieb	„	1,800 „ 1,5 (2,5)

182“	100 (100)	118,400 KW. Leist.*)

*) Statistik des S. E. V., veröffentlicht vom Generalsekretär
Prof. Dr. Wyssling im Jahrbuch des Schweiz. Elektr. Vereins 1902
II. Teil S. 1 ff.
        <pb n="84" />
        ﻿79

Von 1901 auf 1902 (für welche beiden Jahre Ver-
fasser nur Zahlen zur Verfügung standen) fand also
eine Verschiebung , zu Gunsten des Dampf- und Gas-
kraftbetriebes statt.

Die Sekundär-Werke nahmen wiederholt an Zahl
zu; gegenwärtig sind es, wie bereits erwähnt, 39 Werke.
Professor Wyssling schreibt darüber im Jahrbuch des
Schweiz. Elektr. Vereins 1902, II. Teil, S. I ff. folgendes:
„Dass die sekundären Unternehmungen für allgemeine
Stromabgabe nicht ab-, sondern zugenommen haben,
und dass kleinere Gemeinden oder Konsortien für ihr
Gebiet sich gewissermassen als Zwischenhändler für
elektrischen Strom zwischen die Produzenten und Kon-
sumenten schieben, ist nicht zum Vorteil letzterer, sei
es hinsichtlich des Preises, sei es hinsichtlich Güte des
Betriebes.“

Auf die Stromarten der Werke kann hier nicht
eingegangen werden, ebenso nicht auf die kalorischen
Peserven der Wasserkraftanlagen.

In den letzten Jahren bürgerte sich auch die Ver-
wendung der Akkumulatorenbatterie mehr und mehr
e&gt;n. Ihre Gesamtleistung bei dreistündiger Entladung
betrug im Jahre 1902 3452 KW.*) Pro Ladung ergibt
dies eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 10,000 Kilowatt-
stunden. Ueber die Verwendung von Primärmotoren
und Generatoren geben nachstehende beiden labeilen
e'n Bild;

?2 (57) durch 305 (263) Turbinen betriebene Primärmotoren leisteten

1902 : 133,000 (1901 : 104,400) PS.

23 (17) durch 34 Dampfmotore betriebene Primärmotoren leisteten

1902 : 12,800 (1901 : 10.000) PS.

*) I KW. = 1,36 PS. 1 PS. = 0,736 KW.
        <pb n="85" />
        ﻿80

18 (14) durch 34 Oas- und Petrolmotoren betriebene Primärmotoren

leisteten 1902 : 4000 (1901 : 3500) PS.

Die Durchschnittsleistung pro .Motor beträgt also
402 PS. Die Zahlen sind in den letzten Jahren noch

gestiegen.

50 Werke besitzen bei 189 (146)
Gleichstrom-Generatoren
24 Werke besitzen bei 87 (79) Ein-
phasenstrom-Generatoren
37 Werke besitzen bei 168(134) Mehr-
phasenstrom-Generatoren
89 Werke besitzen bei 444 (359)
Generatoren

Mittl. Leistg.
Totalleistg. pro Generator

24,300 (18,400) KW.	129	(126) KW.

13,500 (11,000)	„	156	(139)	„

66,800 (51,900)	„	396	(386)	„

104,600 (81,300)	„	235	(226)	„

Von der zur Verfügung stehenden Kraftmenge mit
insgesamt 110,900 KW. wurden 1902 verwendet:

15,000 KW.
22,500

ca. 21,400	„

ca. 48,000	„

4,000	„

= 13°/0 für elektr. Bahnbetrieb,

= 23%	elektröchemischeZwecke,

= 20—25% „ Motorenbetrieb,

= 40—45% „ Beleuchtung,

= 3%	„ Wärmeapparate.

Es verbrauchten hiervon die Kommunen 31,900 KW.
und Privatgesellschaften ca. 78,960 KW. Die Kantone
haben wenig zu der Nutzbarmachung der vorhandenen
Wasserkräfte beigetragen. Die Hauptkonsumenten
sind die Aktiengesellschaften und die Genossenschaften;
der Verbrauch der Einzelpersonen dagegen ist sehr gering-

Die Elektrizitätswerke sind in einem dauernden
Werdegang begriffen. Die Fernleitungen nehmen ständig
an Länge zu.
        <pb n="86" />
        ﻿81

Bei nachstehenden, den grössten, Werken betrug

(1901)	die Leitungslänge:			die Leistung:
Kanderwerk	240	(223)	km	4000 KW.
Montbeoven	214	(206)		3600	„
La Goule	120	(120)	n	1400	„
Hagneck	112	(88)	„	3500	„
Beznau	104	(-)		5400	„

Insgesamt waren es rund 2250 (1900) km ober-
irdische (Luft-) Leitungen und rund 200 km unterirdische
Leitungen (Kabel), zusammen 2450 (2100) km.

Die Zahl der Abonnements betrug 1902 (1901) bei:

fagesmotoren	für 63 Werke	1300	(1026)od.	21	(15)pr. Werk i. Mittel

andern Motoren	„	74	„	2300	(1722)	„	31	(26) „	„	„	„

Beleuchtung	„	81	„	36200	(26538)	„	447 (402) „	„	„	„

Wärmeapparate	„	65	„	2300	(1362)	„	35	(20) „	„	„	„

Zusammen !für 95 Werke 42100 (30648) od. 444 (463)pr.Werk;i. Mittel
Die Abonnentenzahl hat also innerhall) eines Jahres
eine ganz beträchtliche Zunahme erfahren. Insbesondere
lst die Zahl der Lichtabonnenten gewachsen, relativ am
stärksten aber die Zahl der Abnehmer von Strom für
Wärmeapparate.

Die folgende Tabelle zeigt, wie die grossen Werke
11000 KW. und mehr Leistung) an Zahl und Totalleistung
die kleineren Werke überflügeln:

Werke % aller Werke leisten KW. -zus. KW. % d. Totallstg-
12 01)	od. 6V* %	(5V/„)	über 3000	70,000 (50,000) od. 60% (49%)

21 (21)	„	ll’/s^/o	(11%)	v. 1000-3000 30,000 (30,000) „ 25% (29V

32 (32) od. 18%	(16■/,%) 1000 u. mehr 100,000 (80,000) od. 85% (78°,„)

'3 D2)	7%	(6%) v. 500-1000

38 (67)	„	32%	(34%)	v 100—500 '18,400 (23,000) od. 15"/0 (22%)

8 (85)	„	43°/0	(43l/s'7«)	wenig, als 100^	____

Total 118,400(10,300).

Während also 1901 noch 83x/2°/o aller:.W erke_[zu
den kleineren Werken (mit einer Leistung von unter
        <pb n="87" />
        ﻿82

1000 KW.) gehörten, waren es 1902 nur noch 82 °/0.
Während erstere 1901 noch 22% her Gesamtleistung
aufwiesen, lieferten letztere 1902 nur 15% der Gesamt-
kraft. Die Ueberlegenheit der grossen Werke erhellt
auch aus der weiter folgenden vergleichenden Tabelle
über Leistung, Ausdehnung, Anlage und Betriebskosten
einiger Elektrizitätswerke.*)

Anlage	Leistung in PS	Zahl der  versorgten Ortschaften	pv	Qrösste  3 Uebertragungsdistanz	Anlage-  kosten  Fr.	2P Anlagekosten pro PS	Jährliche  Betriebs-  kosten  pro PS.  Fr.	-t] Selbstkosten pro  f elfstündiges Jahrespferd
			Betriebskraft: Wasser.				
Etzel (111)	...	19000	—	—	18,900,000	1000	1,461,000	94
„ (IV) . . .	28000	—	—	23,500,000	835	1,820,000	77
„	(V)	. . .	60000	—	-	35,670,000	590	2,820,000	50
Beznau ....	8100	12	40	9,000,000*	1110*	850,000*	106*
Elektrizitätswerk							
an der Sihl . .	1600	18	21	2,047,000	1280	172,190	108
Kabelwerk Herisau	3000	21	27	4,635,674	1600	408,000	136
Les Clees, Yverdon	1800	19	22	1,600,000	890	219,370	122
La Goule, St. Imier	215«	29	35	1,608,000	750	215,200	100
Lac de Joux . .	5000	—	—	—	—	—		
Schaffhausen .	.	600	- 2	2,5	547,350	910	99,500	146
Olten-Aarburg . .	3200	19	16,3	3,650,243	1140	308,000	96
Rathausen . . .	1600	10	12,3	1,456,000	910	180,000*	113*
			Betriebskraft		Gas.		
Uster		16C	4	2	257,000	1600	40,350	253
| Stäfa		9C	3	3,?;	190,000	2115	23,800	265

Alle Preise verstehen sich inklusive Leitungsnetze und Trans-
formatoren-Stationen.

Den Betriebskosten liegt bei allen Beispielen eine Amortisations-
und Verzinsungsquote von 6,5 °/0 des Anlagekapitals zugrunde.

Die mit * bezeichneten Zahlen sind approximative Schätzungen.

*) Dem Vortrage des Regierungsrates Bleuler-Hüni über „Das
Etzelwerk“, 30. Handelskammerbericht Zürich 1903, S. 49, entnommen.
        <pb n="88" />
        ﻿83

Je grösser die Anlagen und die Leistung in PS.,
desto geringer sind, wie die Zahlen der Tabelle zeigen,
die Anlagekosten pro PS. und die Selbstkosten pro elf-
stündiges Jahrespferd.

Sehr erschwert, zuweilen ganz unmöglich gemacht,
ist die Anlage grösserer Elektrizitätswerke noch durch
die Verschiedenheit der Wasserrechtsgesetzgebung in
den einzelnen Kantonen.

Nachstehende Tabelle aus dem Schweiz. Finanz-
jahrbuch 1904, S. 124ff. gibt einen interessanten Ueber-
idick über die Preise für Gas und Elektrizität in einer
Anzahl schweizerischer Städte:

Gas per cbm für	Elektrizität pr. KWSt. für

Aarau

baden

Biel

Chur

Freiburg

Lausanne

Thun
Vevey
Winterthur

Basel

Bern

Burgdorf

Cent

^°rschach

Neuenburg-

°lten

Solothurn

Lugano

Luzern

Beleuchtg.	Kochzw. Beleuchtg.		Kraft	Bemerkungen
cts.	cts.	cts.	cts.
27 V,	227* 9-11 VT)		6	*) ausserdem Spezialtarif
28	20	Pauschalpreise od. mit 5-25 Prozent Rabatt.	
		4—25 cts.	10—20 cts.
25	20	6	2	Gross. Konsum m. Rabatt.
27	20	5	4
25	20	5	1
25	20	7*)	2,4**) *) Spezialtarif.
	ebenso		**) Spezialtarif für Tages-
en25	Motore		motoren m. 30 Prozent Hab.
	20	6	2
27	20	5	1,7
20	20	5	3,5	Pauschal 2,5—4,6 cts.
■ 25	177*	8,2	3-0,75
		Grundtaxe	
20	15	pro Kerze	1—21/2*)	*) Preise mit Rabatt, im  allgem. nach Spezialtarif.
		77,	
25	20	6,5 ausserd. Spezial-	
		Spezialtarif	tarif
25	20	6,2	Spezialtarif Plus30Fr. p. KWS.Grdtaxe.
17	21	3,3	—
18 Sommer 25 Winter	18	7	4,5	ausserdem bes. Tarif.
	25		
20,5	20,5	5,5	Spezialtarif
		Pauschal-	Fr.10—210u.
17,5	17,5	tarife	2,8—1,2 cts. p. KWSt.
25	20	Durchschn. Fr. 165p.HP-	
20	20	5*)	—
25	21	—	Fr.50Gdtaxe
        <pb n="89" />
        ﻿84

Wie die Tabelle zeigt, ist der niedrigste Satz für
Strom zu Beleuehtungszwecken 3,3 cts. pro KWSt.
(Genf), der höchste 28 cts. (Baden), der niedrigste Satz
für Strom zu Kraftzwecken 0,75 cts. (Winterthur), der
höchste Satz 20 cts. (Baden). Innerhalb dieser Grenzen
linden sich zwischen den einzelnen Werken die ver-
schiedenartigsten Sätze, besonders bei den Privatgesell-
schaften. Im Mittel kostet der Strom für Beleuchtungs-
zwecke pro KWSt. 5-7 cts. und der Strom für Kraft-
zwecke pro KWSt. 2—4 cts.

Der Berechnung von Strom für Beleuchtungszwecke
liegt mehrfach ein Pauschaltarif zugrunde. Der Pauschal-
satz ist alsdann unbekümmert um die wirkliche Brenn-
dauer zu entrichten; Preisabstufungen werden nach
Verwendungszweck (Beleuchtung von Wohn- und Schlaf-
zimmern oder von Kellern und Ställen usw.) und nach
Grösse des durchschnittlichen Bedarfs des einzelnen
Konsumenten vorgenommen. In Städten sind meistens
Elektrizitätszähler aufgestellt. Diese ermöglichen eine
exaktere Berechnung der wirklichen Stromentnahme,
was sowohl im Interesse der Elektrizitätswerke, als auch
im Interesse der Stromverbraucher liegt.

Bei Strom für Kraftzwecke ist auch die Berechnung
nach PS. pro Jahr statt nach KWSt. üblich, mit gleitender
Preisskala nach durchschnittlicher Dauer der Belastung.

Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Be-
messungssysteme und laxenarten stellt Prof. Wyssling-
Generalsekretär des Schweiz. Elektrotechnischen Vereins,
in seiner Schrift „Die 1 arile Schweizerischer Elektri-
zitätswerke für den Verkaul elektrischer Energie“
(Zürich 1904) zusammen.
        <pb n="90" />
        ﻿85

In den letzten Jahren haben wiederholt Er-
mässigungen der Licht- nnd insbesondere der Kraft-
preise stattgefunden. Wie jede Verbilligung in der Regel
Mehrkonsum nach sich zieht, so geschah es auch bei
dem Konsum in Elektrizität: die Ermässigungen des
Preises hatten vor allem eine weitere Einbürgerung der
Heizkörper im Gefolge. Die Preise der Elektrizität
bilden aber auch die Grundlage für die Möglichkeit
weiterer Ausnützung der heimischen Wasserkräfte und
den ausschlaggebenden Faktor für die weitere Ent-
wicklung der elektrotechnischen Industrie.

Wie verhältnismässig gering der Strompreis in der
Schweiz im Vergleich zu dem in verschiedenen grösseren
Städten des europäischen Festlandes und Grossbritanniens
ist, geht aus nachstehenden Zahlen*) hervor:

Preis der eiektr. Energie
für

Licht	Kraft

pro KWSt.

in	Hamburg	70	cts.	20	cts.
n	Frankfurt a. M.	75	n	25	
n	Dresden	75	11	31	11
11	Nürnberg	87	11	25	11
	Stockholm	70	ii	28	11
n	Stuttgart	75	11	25	11
X	City of London	45	11	25	11
11	Bristol	35	5?	15	11
	Edinburgh	50	11	20	11

*) Vortrag von Direktor Huber - Stöcker-OerliKon „ . g g
grösserer Städte mit eiektr. Kraft“, veröffentlicht in dem Berichte über
dandel und Industrie 1904. S. 44ff. Vgl. Jahrbuch des S. t. V. 1904/5.
* 4* „Die Tarife Schweiz. Elektr.-Werke für den Verkauf eiektr. Energie.4'
        <pb n="91" />
        ﻿86

Ist auch ein genauer Vergleich nicht zulässig, da
der Preisbemessung nicht überall gleiche Normen zu-
grunde liegen, so erhellt aus den Zahlen doch der
wesentliche Vorteil der schweizerischen Elektrizitäts-
werke, denen die billigen Wasserkräfte zur Verfügung
stehen, gegenüber den Elektrizitätswerken der genannten
Grossstädte, die, abgesehen von grösseren Anlagekosten
für städtischen Grund und Boden, mit hohen Kohlen-
preisen zu rechnen haben.

Den verhältnismässig billigen Kraft- und Kichl-
preisen verdankt die schweizerische Elektrizitätsindustrie
auch nicht zum geringen Teil die starke Anwendung
der elektrischen Energie in allen Industriezweigen. Es
sind besondere Vorteile, welche der elektrischen Kraft
anderen Betriebsarten gegenüber eigen sind. Vor allem
ist es die stete Betriebsbereitschaft: eine Hebelbewegung
und alle Maschinen, selbst des ausgedehntesten Betriebes,
sind in Gang gesetzt. Ein Druck auf den Kontakt der
elektrischen Anlage und das Licht erstrahlt im vollen
Glanze. Weiter der Wegfall lästigen Rauches und
lästiger Gerüche; direkte Kuppelung des elektrischen
Motors mit beliebigen Maschinen und deshalb Wegfall
gewisser Arbeitskräfte und mancher Gefahren. Bei
Benutzung von Akkumulatoren kann etwaige über-
schüssige elektrische Kraft vorteilhaft aufgespeichert
und nach Bedarf gebraucht werden. Die elektrische
Kraft wird nur solange konsumiert, wie sie absolut
nötig erscheint. Dies alles sind Vorteile, die von dem
Techniker nicht ausser Acht zu lassen sind.

Umstehende labelle gibt einen Einblick in die
Verwendung und die schnelle Einbürgerung der elektr.
Kraft in den verschiedenen Industriegruppen,
        <pb n="92" />
        ﻿Zahld. Betriebe, welche Verwendete Betriebskraft in PS.

Industriegrupp e		Betriebe	|		Motore '		elekt.	Kraft verwenden		überhaupt	(		davon in	Form von
			überhaupt		ausschliessl. |.			vorwieg.			elektr. Energie	
		1901	(1895)	1901	(1895)	1901	(1895) 1901 (1895)		1901	(1895)	1901	(1895)
I.	Textilindustrie	1730 (	1793)	959	(818)	161	(28)	85 (5)	6891 1	(62327)	4910 (1823)	
11.	Lederwaren	146	(126)	114	(88)	32	(3)	23 (2)	2101	(1615%)	804	(25)
111.	Leb. u. Qenussm.	638	(53/)	510	(434)	111	(28)	33 (6)	33162	(19158%)	5376 (14557ä)	
IV.	Chem. u. Phys. Ind.	279	(167)	248	(123)	46	(7)	25 (2) 107290		(16353%)	10751	(119)
V.	Papierfabrik	496	(417)	443	(335)	156	(19)	94(12)	14173	(1131574)	2062	(457%)
VI.	Holzbearbeitung	852	(528)	755	(480)	132	(13)	114(15)	14819	(9999%)	1605	(675)
VII.	Metallwaren	377	(234)	261	(171)	71	(19)	50 (5)	10397	(103391/ j	1906	(712)
VIII. Maschinen		522	(396)	492	(365)	I57	(26) 111 (8)		16206	(109837e)	4418 (1371 7,)	
IX.	Bijouterie	663	(488)	440	(276)	252	(29) 218(22)		3274	(24737a)	1545	(246)
X.	Steine und Erden	398	(295)	336	(247)	98	(14)	54 (9)	18675	(10152)	4038	(472%)

Total 6080 (4933)4537 (3303) 1213 (186) 805(81) 289037 (152718%) 37413 (7357 VJ

!) Schweizerische Fabrikinspektion 1895 und 1901.
        <pb n="93" />
        ﻿88

Im Jahre 1901 zählte man in der Schweiz 56 elek-
trische Bahnen, und zwar

49 eigentliche Bahnen und
7 Seilbahnen mit elektrischem Antrieb.

Den Strom bezogen 19 Bahnen aus eigenen primären
Kraftwerken (bei 8 Werken wurde auch für andere
Zwecke an Dritte Strom abgegeben), 37 Bahnen aus
anderen Elektrizitätswerken.

42 eigentliche elektrische Bahnen verwendeten
Gleichstrom, 7 solche* Drehstrom, 5 Seilbahnen mit
elektrischem Antrieb Gleichstrom und 2 solche Drehstrom.

Der Kraftbedarf der Bahnen bezw. die Leistung
der bezüglichen Anlagen gestaltet sich nach dem Jahres-
bericht des S. E. V. für 1901 S. 258ff."wie folgt:

Gleich- Dreh-	„ , ,

,	.	- Total:

ström:	ström:

Aus eigenen Werken der Bahnen,: 2800 KW. 1200 KW. = 4000 KW.
aus anderen Elektrizitäts-Werken: 7700 KW. 1000 KW. = 8700 KW-
zus. rund 10500 KW. 2200 KW. = 12700 KW.

Von dieser Kraftmenge absorbieren die städtischen
Strassenbahnen den grössten Teil (Zürich, Basel und
Genf zusammen 4000 KW.). Die elektrischen Zahnrad-
bergbahnen verbrauchen ca. 1200—1300 KW., die gleiche
Kraftmenge die grösseren Normalbahnen Burgdorf-Thun
und Freiburg-Morat.

Die Zahl der Kleinbahnen und die Länge der
Geleisestrecken hat in den letzten Jahren weiter zuge-
nommen; auch neue Vollbahnen sind hinzugekommen.
Leider fehlt hierfür amtliches statistisches Material; auf
privatem Wege derartiges zu beschaffen, ist zu schwierig
und sehr kostspielig. Es wäre sehr wünschenswert,
        <pb n="94" />
        ﻿—	89 —

dass der schweizerische Bundesrat bald dazu schreiten
würde, seinem eisenbahnstatistischen Bureau ein elektri-
zitätsstatistisches Bureau anzugliedern. Bei der Be-
deutung der elektrischen Kraft für die Schweiz würde
sich das sicher lohnen und Interessenten damit ein
reger Wunsch erfüllt sein.
        <pb n="95" />
        ﻿IV.	Die elektroehemisehe
Industrie.

Die Vorteile, welche die elektrolytische Methode
der rein chemischen gegenüber hat, sind genügend be-
kannt und in beteiligten Kreisen angemessen gewürdigt
worden. Harren auch noch einige Wünsche und Forde-
rungen, welche man an die Elektrochemie stellt, der
Erfüllung, so kann man doch zunächst mit den bis jetzt
schon erzielten Erfolgen zufrieden sein.

Die vorteilhafteste bezw. billigste Betriebskraft der
Elektrochemie ist zurzeit die Wasserkraft. In Ländern,
wo billige Wasserkräfte zur Verfügung stehen, in der
Schweiz, in Schweden und in Nord-Amerika (Niagara-
fälle), steht die elektrochemische Industrie in hoher
Blüte. Die Konkurrenz auf diesem Gebiete ist eine
beschränkte. Die Verdrängung des Schwachstroms —
galvanische Elemente — durch den Starkstrom Dynamo
— erweitert aber nicht allein das Anwendungsgebiet
der Elektrolyse, sie führt auch zu einer Verbilligung des
elektrolhermischen Verfahrens und damit zugleich zur
Aufhebung der örtlichen Gebundenheit der elektro-
chemischen Industrie. Von den Wasserkräften wandert
die letztere zu den Kohlengruben.*)

ln der Schweiz bildet die Gewinnung des Aluminiums
gegenwärtig noch den Hauptzweig der elektrochemischen
Industrie. Sie liegt vornehmlich in den Händen der
*) VgL Oettel: Die Entwicklung der elektrochem. Industrie 1902.
        <pb n="96" />
        ﻿91

Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft in Neuhausen
(Schweiz). Im Jahre 1889 wurde die Elektrolyse des
Aluminiums aus der Tonerde in Neuhausen am Rhein-
fall eingeführt. Ihre erste Fabrik mit einer verfügbaren
mechanischen Kraft von 4000 PS. (20 cbm Wasser per
Sekunde bei 20 m Gefälle) hatte die Aluminium-Industrie-
Aktiengesellschaft Neuhausen Ende 1888 von der 1893
mit ihr vereinigten Schweizerischen Metallurgischen
Gesellschaft in Neuhausen erworben; 1898 erfolgte die
Gründung der Filiale in Rheinfelden (Baden) mit 5000 PS.
und I899 die Gründung der Filiale in Eend-Gastein
(Oesterreich) mit 9000 Pferdekräften. Ein angekauftes
viertes Werk in Lend-Rauris verfügt über eine mecha-
nische Betriebskraft von 6000 PS. Insgesamt beträgt
also die ausnutzbare mechanische Betriebskraft der
Aluminium-Induslrie-Aktien-Gesellschaft 24,000 PS.

Nach den „Statistischen Zusammenstellungen über
f^lei, Kupfer usw.“ der Metallgesellschaft und Metallur-
gischen Gesellschaft A.-G. in Frankfurt a. M. betrug
die Produktion der Aluminium-Industrie-Aktien-Gesell-

schal't

1892	237 Tonnen Aluminium

1898	ca. 800

1899	„	1600

1900	„ 2500
1902 „ 2500
1904 „ 3000

Bie Schweiz exportierte

1892	278 Tonnen Aluminium

1898	677

1904	694	„	denen ein

Import von 17 Tonnen gegenüberstand.
        <pb n="97" />
        ﻿Die Produktion der Werke in der Schweiz (Neu-
hausen) ist somit jetzt auf 800—900 Tonnen zu schätzen.
Von der Gesellschaft selbst werden hierüber genauere
Angaben nicht gemacht. Da die Weltproduktion in
Aluminium auf rund 8750 Tonnen anzusetzen ist, trägt
die Schweiz hierzu etwa 10°/„ bei, mehr also als Eng-
land, dessen Produktion auf nur ca. 650 Tonnen zu
veranschlagen ist, ungefähr halb so viel als Frankreich,
das 1700 Tonnen, und ein viertel so viel als Nordamerika,
das etwa 3400 Tonnen produziert. Itn Jahre 1892
stammte noch mehr als die Hälfte der ca. 487 Tonnen
betragenden Weltproduktion an Aluminium aus der
Schweiz, und zwar von der Aluminium-Industrie-Aktien-
Gesellschafl. Aluminium ist das einzige Metall, welches
die Schweiz über ihren eigenen Bedarf hinaus erzeugt.

Dem Umstande, dass es in gewissem Grade die
mechanischen Vorzüge der gewöhnlich gebrauchten
Metalle — in Härte und Festigkeit gibt Aluminium
Gusseisen und Bronze nichts nach — mit der Beständig-
keit der edleren Metalle in sich vereinigt, sowie seinem
ausserordentlich geringen spezifischen Gewicht verdankt
das „Silber des Tons“, nachdem sein Preis auf 2—2,5 Fr.
per kg gesunken ist (im Jahre 1855 noch ca. 1200 Fr.),
seine mannigfaltige Verwendung im Kunstgewerbe, zur
Anfertigung verschied. Gebrauchsartikel, Feldflaschen,
Kochgeschirre usw. Besondere Vorzüge haben die
Legierungen mit Kupfer (bis zu 10°/0 Al.), die Aluminium-
bronzen (grosse mechanische und chemische Wider-
standsfähigkeit), was die Eisen- und Stahlindustrie, sowie
die Schiffsbauindustrie zu bedeutenden Abnehmern für
Aluminium machen. In der Elektrotechnik selbst hat
man bereits nicht ohne Erfolg Versuche gemacht, bei
        <pb n="98" />
        ﻿93

den Freileitungsdrähten Kupfer durch Aluminium zu
ersetzen.

Dem steigenden jährlichen Absatz entspricht eine
Steigerung der Kurse für die Aktien der Aluminium-
Industrie-Akticn-Gesellschaft Neuhausen an den Börsen
in Zürich, Basel und Frankfurt a. M. An letztgenannter
Börse notierten die Aktien Ende 1895 mi.t l30,90°/0,
Ende 1897 mit 165%, Ende 1900 mit 153%, Ende 1903
mit 205,20%, Ende 1904 mit 257% und Ende 1905
mit 317%.

Die Bilanzen der Gesellschaft zeigen ein sehr er-
heuliches Bild. Ende 1904 betrug das Aktienkapital
16 Mill. Franken, von denen bis jeizt 50% eingezahlt
sind. Einer Obligationenschuld von 5,8 Mill. Fr. stand
«ine Rückstellung für Amortisation von 5,9 Mill. Fr.
gegenüber, einer Kreditorenschuld von 1,5 Mill. Fr., ein
Bank- und Debitorenguthaben von 6,5 Mill. Fr. Den
Wert der Anlagen in Neuhausen beziffert die Gesellschaft
'"mt rund 5	Mill.	Fr.,	den	der Anlagen in Rheinfelden

,T&gt;it rund 6	Mill.	Fr.,	den	der Anlagen in Lend mit rund

4 Mill. Fr.	und	den	der	Anlagen in Rauris mit rund

' Mill. Fr.	An	der	chemischen Fabrik Goldschmieden

(Schlesien), die das für die Zwecke der Aluminium-
Industrie erforderliche Aluminiumoxyd herstellt, ist sie
IT&gt;it einem Kommanditkapital von rund I Mill. Fr. be-
Bdligt. Der Nettogewinn für 1904 betrug rund 2 Mill. kr.
gegenüber 1,75 Mill. Fr. im Jahre vorher. An Dividenden
kamen zur Verteilung 1891 = 3%, 1895 = 10%, 1897 =
12%, 1900 = 12'/,%, 1903 = 16%, 1904 = 18% und
1905 — 22%. Ausser Aluminium und Aluminium-
Begierungen stellt die Gesellschaft noch Calciumkarbid
*n grossem Massstabe her. Neuerdings wurde be-
        <pb n="99" />
        ﻿94

schlossen, der von Herould erworbenen Erfindung zur Her-
stellung von Stahl auf elektrischem Wege näher zu treten.

Eine im November 1901 zustande gekommene
Vereinigung sämtlicher bestehender Aluminiumwerke,
an der also auch die Aluminium-Industrie-Aktien-Ge-
sellschaft beteiligt ist, verfolgt hauptsächlich den Zweck,
die Verkaufspreise in niedrigsten Grenzen zu halten, um
der Verwendung von Aluminium immer mehr Gebiete
zu eröffnen.

Ein weiterer wichtiger Zweig der elektrochemischen
Industrie der Schweiz ist die Calciumkarbid-Darstellung.
2-1,000 PS. werden diesem Industriezweige zurzeit dienst-
bar gemacht. Calciumkarbid dient bekanntlich zur
Acetylenbereitung, spielt also in der Beleuchtungstechnik
eine bedeutende Rolle. Es wird in grossem Masse in
den Karbidwerken fabriziert, indem man unter Mitwirkung
einer starken Wärmequelle, wie sie nur der elektrische
Lichtbogen entwickelt, gebrannten Kalk und Koks mit
einander in chemische Reaktion bringt. Die nötigen
Temperaturen liegen zwischen 2400—3000° C. Seiner
Eigenschaft als vorzüglicher Energiespeicher, welche
es ermöglicht, für verhältnismässig geringe Kosten an
jedem beliebigen Orte, wohin es transportiert wird, eine
grosse Anzahl Acetylenbrennerzuspeisen, hatdas Calcium-
karbid seine weitverbreitete Verwendung zu verdanken.

Die Zahl der Karbidwerke steigt von Jahr zu Jahr.
Grosse Werke sind in der Schweiz in Lauterbach,
Thusis, Gampel, Gurtnellen und Flums. Die Stadt
Genf stellte 2 grosse I urbinen auf, die von Wassern
der Rhone und der Arve gespeist werden.*)

*) Wirtschaftskunde der Schweiz, herausgegeben von Dr. Geehring

und Dr. Holz, Basel, 1903. S. 74.
        <pb n="100" />
        ﻿95

Trotzdem die Selbstkosten pro Tonne Calciumkarbid
nur etwa 157 Fr. betragen sollen, waren einzelne Karbid-
werke in den Jahren der Depression, 1900 ff. (S. 64),
genötigt, ihren Betrieb einzuschränken oder gar ganz
einzustellen. Ein zur Hebung des Marktpreises — er
war infolge des starken Wettbewerbs zeitweilig unter
die Selbstkosten gesunken — im Jahre 1900 gegründetes
Syndikat schweizerischer und ausserschweizerischer
Karbidwerke nahm eine umfangreiche Regelung der
Produktion vor und so konnte man, nachdem eine
grössere Anzahl Städte gleichzeitig zur Acetylen-Be-
leuchtung übergegangen war, allmählich wieder zu einer
rentablen Betriebsweise gelangen.

Im Interesse der gedeihlichen Entwicklung, sowohl
(ler Aluminium-Industrie als auch der Karbid-Industrie
der Schweiz, liegt der Abschluss günstiger Handels-
verträge. Beide Industriezweige sind stark auf den
Pxport angewiesen; beide müssen sich mit ihren
Produkten auf den ausgedehnteren Weltmarkt begeben,
Urn genügenden Absatz für die noch stark ausdehnungs-
Uihige Produktion zu linden.

Der Export der Schweiz an Calciumkarbid*) re-
präsentierte:

für	1897	einen	Wert	von 324000	Er.

.	1898	„	„	„	741000	.,

„	1899	„	„	„	1595000	,

„	1900	„	„	„	I548000	„

Produziert wurden im Jahre 1899
v°n der Schweiz	eine	Menge	im	Werte	von	10,504	Mill.	Fr.

» Nordamerika (V. St.) „	„	„	„	-	22,500	»	”

» Frankreich	„	„	„	„	»	13,125	„	„

*) Wirtschaftskunde der Schweiz 1901 S. 69 und 1903 S. 75.
        <pb n="101" />
        ﻿96

von Deutschland

eine Menge im Werte von 4,666 Mill. Fr.

„ Oesterreich-Ungarn
„ Qrossbritannien
„ Skandinavien

7,875

3,037

18,600

Von geringerer Bedeutung für die schweizerische
elektrochemische Industrie ist die Darstellung von chlor-
saurem Kalk, Chlorkalk, Aetznatron usw.

Mit der Fabrikation von Chlorat, insbesondere
Kaliumchlorat, Perchlorat und Persulfat beschäftigt sich
insbesondere die im Jahre 1889 von zwei französischen
Chemikern gegründete Gesellschatt Societe d’Electro-
chemie in Vallorbe.

Das Geschäft dieser Gesellschaft gedieh so gut,
dass man bereits im Jahre 1892 ein Zweiggeschält in
St. Michels de Maurienne (Savoie) und im Jahre 1900
ein weiteres Zweiggeschäft in Des Clavaux .par Riou-
peroux (Isere) errichten musste, um dem steigenden
Konsum in Chlorat usw. gerecht werden zu können. Das
Aktienkapital der genannten Firma beträgt zur Zeit
3,400,000 Fr. Die Betriebskraft” ihres schweizerischen
Werkes entstammt der Orbe, welche durchschnittlich
2400 PS. liefert. Das Rohprodukt Chlorkalium wird
von Stassfurt bezogen. Wenn auch die Verkaufspreise
in den letzten zehn Jahren sehr gesunken sind, ist doch
die Chloratdarstellung recht rentabel. Das Haupt-
absatzgebiet ist das Ausland. Dreiviertel der gesamten
Produktion geht nach überseeischen Ländern.*) Neben
dem genannten Unternehmen befassen sich mit der
Chloratdarstellung die Gesellschaft für Elektrochemie
in Turgi, gegründet im Jahre 1900, die Volta SocidtF

*) Von der Direktion dem Verfasser frdl. mitgeteilt.
        <pb n="102" />
        ﻿97

anonyme suisse de l’industrie elektrochimique und die
Socidtedespesinesdeproduitschimiques de Monthey. Letz-
tere 2 Firmen stellen auch Chlorkalk und Aetznatron her.

Die Weltproduktion an chlorsaurem Kali, Chlorkalk
und Aetznatron verteilte sich im Jahre 1899 dem Werte
nach auf die einzelnen Länder wie folgt:

	Ver. Staat.	i  43		
	Schweiz v. Nord-	Frank- “ -g	Oester- Eng-	Skandi-
	Amerika	reich g iS	reich land	navien
		(in 1000 Franken)		
Chlorsaures Kali	1,515	270	5,158	98	614	-	1,637
Chlorkalk	900	1,400	12,381 6,400	1,969 3,062	—
Aetznatron	631	980	8,660	497	377 2,142	-*)
Die Schweiz exportierte:				
	chlorsaures Kali	Chlorkalk	Aetznatron	
	(in 1000 Franken)			
1890	31	—	—	
1891	386	—	—	
1892	626	—	—	
1893	841	—	—	
I894	1031	—	—	
1895	878	—	—-	
1896	773	—	—	
1897	681	—	—	
1898	687	2	5	
1899	695	46	15	
1900	1126	164	39	
1901	906	178	42**)	

Die elektrothermische Industrie hat sich
Schweiz bis jetzt nur mit der Gewinnung von um

Gefasst. Ihr Gehret wäre aber sehr erweiterungrfäh^
^ie Herstellung von keramischen Produkten,

Stahl, würden für sie lohnende Erwerbsque e

*) Wirtschaftskunde der Schweiz 1901. S. 69.

*n	1903. S. 7t&gt;.

7
        <pb n="103" />
        ﻿98

Auf die neuesten Versuche, auf elektrochemischem
Wege Farbstoffe herzustellen, Stickstoff aus der atmo-
sphärischen Luft zu gewinnen und Ozon zu bereiten,
mag an dieser Stelle nur kurz hingewiesen werden.
Da es sich hier vorerst noch um Versuche handelt, lässt
sich ein abschliessendes Urteil über die Bedeutung der
Entwicklung dieser Verfahren für die Schweiz noch
nicht gewinnen.
        <pb n="104" />
        ﻿V.	Der Schweizer. Elektroteehn.
Verein und seine technischen
Prüfanstalten.

Der Schweizer. Elektrotechnische Verein (S. E. V.)
wurde im Jahre 1888 gegründet. Konsumenten und
Produzenten der Elektrizität waren von Anfang an in
ihm vereinigt. Aus seiner Mitte bildete sich 1895 der
AVerband schweizerischer Elektrizitätswerke (V. S. L.)
als besondere Sektion zur Vertretung der Spezial-
interessen der Werke.

Wie bereits früher (Seite 43 ff.) erwähnt, machte
sich der S. E. V. frühzeitig die Aufstellung und Durch-
führung von Vorschriften für den Bau und Betrieb
elektrischer Stromanlagen zur Aufgabe. Ein diesbezüg-
Üches Reglement gelangte im Jahre 1896 zur Annahme.

Mit der Durchführung der erlassenen Sicherheits-
vorschriften — für die Mitglieder des Vereins verbind-
lich - wurde ein im Jahre 1897 geschaffenes „Stark-
strominspektorat“ betraut. Sitz dieses Inspektorats ist
Zürich; ein Filialbureau befindet sich in Lausanne.

'vird überwacht von einer aus 7 Mitgliedern bestehen
Aufsichtskommission. Seit dem Jahre 1898 wild
fnspektorat vom Bunde subventioniert, und zwar ur
'898 mit 7500 Fr., alsdann mit 10,000 kr. und \on 1903
ab mit 40,000 Fr. pro Jahr.
        <pb n="105" />
        ﻿100

Nachdem durch Gesetz vom 24. Juni 1902 eine
bundesstaatliche Kontrolle der elektrischen Anlagen ein-
geführt worden war, wurde nach längeren Verhand-
lungen mit dem S. E. V. das Starkstrominspektorat
mit der Ausübung dieser Kontrolle betraut, zunächst
für 3 Jahre. Nach Ablauf der 3 Jahre wurde das Ab-
kommen um weitere 3 Jahre Verlängert. Das Beamten-
personal des Inspektorats besteht aus einem Ober-
ingenieur, mehreren Inspektoren und Hülfsinspektoren.
Seine Aufgaben sind dreierlei Art:

a.	Regelmässige periodische Inspektionen „ganzer“
Elektrizitäts - Werke. Diese Werke müssen Mit-
glieder des S. E. V. sein und haben eine ent-
sprechende Gebühr zu entrichten.

b.	Regelmässige Inspektionen von „Einzelanlagen“ —
inbegriffen sogen. Hausinstallationen Privater —
gegen besondere jährliche Abonnementsgebühren.

c.	Neuerdings einheitliche Inspektionen der Werke
auf Grund des Starkstromgesetzes, insbesondere
bei Neuanlagen von Elektrizitäts-Werken. Diese
Inspektion ist für die Inspizierten unentgeltlich —
lediglich mit Rüge dessen, was gegen die gesetz-
lichen Vorschriften verstösst.*)

Umstehende Tabelle gibt einen Ueberblick über
die Tätigkeit des Starkstrominspektorats in den letzten
Jahren (nach dem Jahresbericht der Aufsichtskommission
der Technischen Prüfanstalten des S. E. V. für das Jahr
1903/04).

*) Vgl. die Statuten und Jahresberichte des S. E. V., Organi'
sations-Regulativ der Technischen Prüfanstalten und Notice sur les In'
stitutions de contröle de l’association suisse des electriciens, Zürich.
        <pb n="106" />
        ﻿	30. Juni 1899	j 30. Juni 1900	j 30. Juni 1901	130. Juni 1902	30. Juni 1903	30. Juni 1904
Totalzahl der Abonnenten . . .	88	136	177	251	295	321
Totalbetrag'der Abonnements Fr.	20,211.60	25,943.60	25,222.50	30,305.50	34,150.50	40,306.50
Zahl der abonnierten Elektrizitäts-						
Werke		52	73	86	102	121	134
Beitragspflichtiger Wert ihrer An-						
lagen	Fr.	13,749,800.-	15,815,400.-	30,172,600.—	32,055,580.-	34,882,200. -	43,950,000.-
Betrag ihrer Abonnements-						
beiträge	Fr.	17,246.10	20,864.60	18,221.50	20,016.50	22,460.50	26,251.-
Durchschnittlicher Beitrag per						
Abonnement	Fr.	331.65	285.82	212.-	196.-	185.60	198.10
Betrag der Abonnements in °/oo						
des Wertes der Anlagen .	.	1,254	1,319	0,604	0,624	0,644	0,600
Zahl der abonn. Einzelanlagen .	36	63	91	149	174	187
Betrag ihrer Abonnements-						
beiträge	 Fr	2,965.50	5,079.-	7,001.-	10,289.-	11,690.-	14,055.50
Zahl der lnspektionen bei Elektri-						
zitäts-Werken im Berichtsjahr	75	83	91	137	122	170
Zahl der Inspektionen bei Einzel-						
anlagen im Berichtsjahr . . Totalzahl der Inspektionen im	33	80	106	181	169	217
Berichtsjahr		108	163	197	318	291	387
        <pb n="107" />
        ﻿— 102

Zwei technische Prüfungsanstalten, ebenfalls Grün-
dungen des S. E. V., stehen dem Starkstrominspeldorat
noch zur Seite: Das Materialprüfungsamt und die Eich-
stätte.

Das Materialprüfungsamt befasst sich mit der Unter-
suchung elektrischer Installations- und Konstruktions-
materialien, sowie von Apparaten, insbesondere im
Aufträge Dritter und gemäss den vom S. E. V. fest-
gestellten Normalien. Es wurde im Jahre 1903 gegründet,
zunächst mit einem Kostenaufwande von 15,000 Fr.
Geleitet wird es von einem Oberingenieur, dem ein
Mechaniker zur Seite steht.

In dem Rechnungsjahre 1904/05 wurden vom Material-
prüfungsamt neben zahlreichen anderen Arbeiten nicht
weniger als 2383 elektr. Lampen geprüft.

Im Jahre 1904 wurde die Eichstätte ins Leben
gerufen. Ihr Ausbau konnte jedoch erst in neuester
Zeit erfolgen, nachdem der Bundesrat sich zur Leistung
eines Jahresbeitrags von 10000 Fr. zu den Kosten hatte
bereit finden lassen.

Die Eichstätte, die nach Muster eines deutschen
Untereichamtes angelegt ist, wird ebenfalls von einem
Oberingenieur geleitet. Ihre Aufgabe ist die Eichung
elektr. Messinstrumente im Aufträge von Fabrikanten,
Konsumenten und Besitzern solcher Instrumente.

Die allgemeinen administrativen Arbeiten der ge-
nannten drei Prütungsanstalten, wie auch die Buch- und
Kassenführung derselben obliegt dem Zentralbureau der
Technischen Prüfanstalten, das ebenfalls einem Ober-
ingenieur unterstellt ist und seinen Hauptsitz in Zürich hat.

In keinem anderen Lande dürften ähnliche vor-
zügliche Einrichtungen zu linden sein, wie sie die vor-
        <pb n="108" />
        ﻿—	103 —

erwähnten technischen Prüfungsanstalten des Schweiz.
Elektrotechn. Vereins sind. Der Initiative der beteiligten
Industriellen selbst entsprungen, haben sie staatlichen
Massnahmen vorgearbeitet, der staatlichen Autorität die
Wege geebnet und wiederum dem Staat einen reil
seiner Aufgaben abgenommen, um mit sachkundiger
Hand die Verwaltungsvorschriften zu einer den Gesamt-
interessen gerecht werdenden Anwendung zu bringen.
        <pb n="109" />
        ﻿VI.	Die pinanzgesellsehaften.

Wie schon auf Seite 8ff. geschildert wurde, begann
die Entwickelung einer Starkstromindustrie Anfang der
80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der ersten Kon-
struktion einer brauchbaren Krafterzeugungsmaschine,
eines Dynamos, folgte die Lösung des Problems der
Kraftübertragung auf grössere Entfernungen, ln- und
ausländische Gesellschaften machten sich jetzt daran, die
neue Kraftquelle zu erschliessen und dem wirtschaft-
lichen Leben dienstbar zu machen, ln wenigen Jahren
vergrösserte sich die Zahl der Elektrizitätsfirmen, sowohl
in der Schweiz, als auch vor allem in Deutschland und
Nordamerika.

Die Elektrizitätsfirmen wandten sich zunächst dem
Bau von städtischen Zentralen für Licht- und Kraft-
zwecke zu.

Da viele Städte und Gemeinden Bedenken trugen,
ihren eigenen Kredit für die grosse Summen erfordernden
Anlagen, von denen noch nicht einmal genügend erprobt
war, ob sie sich bewähren würden, in Anspruch zu
nehmen, führte man bald das System der Tochtergesell-
schaften in die elektrische .Industrie ein. Die Tochter-
gesellschaften streckten den Kunden die noch fehlenden
Barmittel für den Bau des Elektrizitätswerkes vor und
halfen sie so über etwaige Bedenken wegen hoher Preise
hinweg. Nachdem die lukrativeren Geschäfte auf diesem
        <pb n="110" />
        ﻿105

Gebiete seltener geworden waren, ging man an die
weniger rentablen Anlagen.

Mit Hülfe der Handelsbanken war es alsdann
möglich, einen neuen Industriezweig des Baues elektr.
Bahnen zu inaugurieren. Da man sich von dieser „Neuheit“
noch mehr versprach als von dem Bau der Elektrizitäts-
Werke, liess man den letzteren alten Fabrikationszweig
wieder mehr oder weniger fallen und suchte sich mit
allen Kräften auf dem neuen Gebiete zu betätigen.

Um die Umwandlung des Pferdebahnbetriebes in
elektrischen Betrieb schneller bewerkstelligen zu können,
kaufte man in der Regel die Mehrzahl der Aktien der
betreffenden Unternehmungen an, berief eine General-
versammlung und beschloss darin die Einführung des
elektrischen Betriebes. Grosse Kapitalien waren hierzu
natürlich nötig. Da dieselben nicht selten auf Jahre
festgelegt und bei zuweilen hohem Bankdiskontsatz oft
hoch verzinst werden mussten, war es nicht zu ver-
meiden, dass die Verhältnisse sich mit der Zeit für die
Eick trizitätsfirmen ungünstig gestalteten: es machte sich
eine zu grosse Abhängigkeit von dem Finanzinstitut
(der Bank) geltend. Um sich aber der lohnenden Tätig-
keit nicht verschliessen zu müssen, schritten die Fabriken
darauf zur Gründung besonderer Betriebs- und hinanz-
gesellschaften. Dies war um so mehr angebracht, als
b's zur vollen Entfaltung einer elektrischen Anlage -
Gektrisches Licht- und Kraftwerk — oder eines elektr.
Bahnbetriebes und damit bis zum Abwurf einei an-
gemessenen Rente immerhin eine gewisse Zeit vei-
sfreicht, eine Zeit, für die sich die modernen Emissions-
banken, die auf hohe Liquidität ihrer Kapitalien und
auf schnellen Umsatz angewiesen sind, nicht engagieren
        <pb n="111" />
        ﻿106

können. Durch die erwähnte Gründung war es auch
ermöglicht, dem Wunsche des Auftraggebers, des Be-
stellers der elektrischen Anlage, dass die Baufirma sich
an dem zu erstellenden Unternehmen finanziell beteilige,
was gleichbedeutend mit einer Garantieleistung ist,
Rechnung zu tragen. Einer allzu grossen finanziellen
und baulichen Belastung der Mutterinstitute wurde durch
das Eingreifen der Finanzgesellschaften verhindert und
den Mutterinstituten somit mehr Handhabe zu einer
weiteren gedeihlichen Entfaltung gegeben. Die erste
derartige Finanz- oder Trustgesellschaft entstand in
Deutschland im Jahre 1894 (Gesellschaft für elektrische
Unternehmungen in Berlin, von der Union-Elektriziläts-
Gesellschaft begründet), in der Schweiz 1895 (Bank für
elektrische Unternehmungen in Zürich, von der All-
gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin begründet).

In den Tätigkeitsbereich der Finanzgesellschaften
gehört in der Regel die Uebernahme und Durchführung
von Finanzgeschäften, insoweit sie Bezug haben auf
die Vorbereitung, den Bau, den Erwerb, den Betrieb,
die Umwandlung oder die Veräusserung von Unter-
nehmungen im Gebiet der angewandten Elektrotechnik,
insbesondere der Beleuchtung, Kraftübertragung, des
Transportwesens und der Elektrochemie.

Die neuerrichteten Anlagen werden von den Finanz-
gesellschaften nicht selbst betrieben; sie bilden aus
ihnen formell selbständige Aktiengesellschaften, behalten
aber deren Aktien ganz oder zum grossen Teil in ihrem
Besitz.

In verhältnismässig kurzer Zeit gelang es diesen
Bankinstituten, in Deutschland etwa 500 Mill. und in
der Schweiz etwa 150 Mill. Fr. für Zwecke der Elektri-
        <pb n="112" />
        ﻿107

zitätsindustrie heranzuziehen. Ihre grossen Erfolge be-
ruhen vor allem auf der finanztechnischen Erfahrung
ihrer Leiter.

In schnellem Tempo wurden von ihnen die Unter-
nehmergeschäfte derElektrizitätsfirmen fortgesetzt. Leider
wurde die Geschäftsleitung durch allzu grosse Engage-
ments zuweilen so stark belastet, dass es ihr nicht möglich
war, die innere und äussere Organisation genügend zu
überwachen. Bei der Projektierung neuer Anlagen wurde
auf die individuellen Verhältnisse des herzustellenden
Werkes nicht genügend Rücksicht genommen; einzelne
Werke fielen zu gross, andere zu klein aus; dadurch
entstanden Zinsenverluste und ähnliche Nachteile. Dazu
kam, dass die technischen Erfahrungen bei der noch
relativ jungen Industrie sehr gering waren und zu un-
rentablen Anlagen sich fehlerhafte, nicht Jeicht zu
bessernde Installations-Einrichtungen gesellten. Die
gemachten Fehler zeigten sich bald in den Geschäfts-
ergebnissen der Finanzgesellschaften. Die Societü
Eranco-Suisse konnte seit dem Jahre ihrer Gründung
(1898) bis zum Jahre 1905 nur einmal, im Geschäftsjahre
1899/00, eine Dividende von 4°/0 zur Verteilung bringen.
Andere Finanzgesellschaften zahlten zeitweilig überhaupt
keine Dividende. Da dies zu einer Enttäuschung des
Publikums führte und dessen Vertrauen zu den Elektri-
zitäts-Werten erschütterte, wurde es mit der Zeit immer
schwieriger, neue Betriebsgelder zu beschaffen. Die
angesammelten Kapitalien lagen in Elektrizitätswerken
lest und konnten nicht flüssig gemacht werden. Eine
Versteifung des Geldmarktes setzte ein. In ihrem
Geschäftsbericht 1901/02 schreibt dazu die Bank für
elektr. Unternehmungen in Zürich: „Solange die Elektri-
        <pb n="113" />
        ﻿108

zitäts- und deren Hilfsgesellschaften über...............

.................unerschöpfliche Geldmittel verfügten,

wurden die ihnen sich bietenden Unternehmungen häufig
mit einem, den tatsächlichen Verhältnissen wider-
sprechenden Optimismus eingeschätzt, und die an der
Erteilung von Konzessionen interessierten Organe nahmen
nicht selten zum eigenen Nachteil keinen Anstand,
Bewerber nur deshalb zu bevorzugen, weil sie glänzende
Zugeständnisse machten und hohe Erträge in Aussicht
stellten. Nach dieser Richtung wird die jetzt zuweilen
beklagte Zurückhaltung des Kapitals Wandel schaffen,
indem es die Bedingungen des Zustandekommens und
die Chancen neu zu schaffender Elektrizitätsunter-
nehmungen sorgfältiger prüft als bisher. Anderseits
werden aber auch die Kreise, welche die Hebung der
Gemeinden und die Förderung des Verkehrs' durch Ein-
führung von elektrischem Licht und elektrischen Bahnen
mit fremden Mitteln anstreben, im eigenen Interesse auf
die zukünftige Prosperität dieser Schöpfungen bedacht
sein und den privaten Unternehmungen durch Gewährung
günstigerer Bedingungen das mit Uebernahme derselben
verbundene Risiko erleichtern müssen.“

Die Hoffnungen auf ein baldiges besseres Er-
gebnis verwirklichten sich nicht so bald; im Gegenteil:
nachdem Emissions- und Baugewinne aufhörten, trat
die Krisis ein. Die Aktien-Kurse der Finanzgesellschaften
fielen gewaltig. Das Fallen der Kurse wirkte auf die
Elektrizitäis- (Konstruktions-) Firmen als Gründerinnen
der ersleren zurück und veranlasste z. T. einen gegen-
seitigen freiwilligen Aktienaustausch zwischen dem Mutter-
und Tochterinstitut.
        <pb n="114" />
        ﻿109

Erst nach Verlauf einiger Jahre konnten sich die
Finanzgesellschaften wieder erholen. In dem Jahres-
bericht der Bank für elektrische Unternehmungen für
1904/05 heisst es: „Ganz besonders (aber) hat im ab-
gelaufenen Jahre beim Publikum und namentlich an der
Börse die günstige Beurteilung aller mit der Elektrizität
zusammenhängenden Wertpapiere Fortschritte gemacht,
und zwar in solchem Masse, dass die Bewertung, wie
sie durch den einstweiligen und sogar durch den in den
nächsten Jahren mutmasslich zu erzielenden Geschäfts-
ertrag gerechtfertigt sein möchte, in manchen Fällen
bereits als übersetzt angesehen werden darf.“

In der Schweiz gibt es zurzeit vier grössere Finanz-
gesellschaften der Flektrizitätsindustrie, die hier nach-
einander noch etwas näher besprochen werden mögen,
und zwar sind dies:

1. die „Bank für elektrische Unternehmungen“ (Banque
pour entreprises electriques) in Zürich;
die „Schweizerische Gesellschaft für elektrische
Industrie“ (Societd suisse d’industrie electrique)
in Basel;

3. die „Motor, Aktiengesellschaft für angewandte
Elektrizität“ in Baden (Schweiz);

4- die „Societe Franco-Suisse pourl’Industrie Electrique“
in Genf.

a. tiiank für elektrische Unternehmungen.

Die Bank für elektrische Unternehmungen in Zürich
vvurde im Juli 1895 von der Allgemeinen Elektrizitäts-
Gesellschaft in Berlin im Verein mit der Bankgruppe

deutsche Bank, Berliner Handelsgesellschaft, National-
bank für Deutschland, Delbrück Leo &amp; Co.-Berlin, Jacob

J
        <pb n="115" />
        ﻿110

Landau-Berlin und Gebrüder Sulzbach-Frankfurt a. M.
unter Mitwirkung der Schweizerischen Kreditanstalt, der
Eidgenössischen Bank, der Bank in Zürich, des Zürcher
Bankvereins und der Union Financiere in Genf, mit
dem Sitz in Zürich, gegründet. Sie ist das älteste von
den oben erwähnten vier Instituten und wohl auch, was
Kapital anbelangt, das mächtigste. Ihre Leitung liegt
in der Hand der Schweizerischen Kreditanstalt. Das
Aktienkapital der Bank beträgt zurzeit 36 Mill. Fr., die
Obligationenschuld 33 Mill. Fr., fast ganz im Besitz der
Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin. Das Be-
tätigungsfeld der Bank ist das gesamte Gebiet der
Elektrotechnik. Zu ihrem Geschäftskreis gehören vor-
nehmlich die Länder Italien, Spanien, Russland, Deutsch-
land und England. In der Schweiz ist die Bank nur
bei einem Unternehmen, der Firma Brown, Boveri &amp; Co.,
in grösserem Massstabe beteiligt, und zwar in der Weise,
dass sie einen Teil der Brown-Boveri-Aktien für eigene
Rechnung übernahm. Von den anderen Finanzgesell-
schaften unterscheidet sich die Bank für elektrische
Unternehmungen (kurz Elektrobank) dadurch, dass sie
bis vor kurzem nur eine Bank im gebräuchlichsten
Sinne ist und ohne ein technisches Bureau arbeitete.
Erst im Geschäftsjahre 1903/4 hat sie neben der Zürcher
Zentrale ein Bureau in Berlin errichtet, dem die Prüfung
vornehmlich der ausDeutschland hervortretenden Projekte
zusteht. Durch letztere Massnahme sollte die neuerdings
sich ergebende, wesentlich umfangreichere Arbeit er-
leichtert, die Acquisitionstätigkeit ausgedehnt werden,
um rechtzeitig Kenntnis von allen Bestrebungen auf
dem Gebiete der Finanzierung elektrischer Unter-
nehmungen oder der Reorganisation von solchen zu
        <pb n="116" />
        ﻿111

erhalten. Die geschäftlichen Engagements der Bank
bestehen zur Hauptsache in Beteiligungen an Gesell-
schaften, die sich für neue Unternehmungen bilden,
sowie in Beleihungen von elektrischen Werten unter
Ausbedingung eines Gewinnanteils. Ihre Tätigkeit be-
gann sie im Jahre 1896 mit der Finanzierung von fünf
italienischen Gesellschaften (elektr. Strassenbahnen und
Elektr.-Werken), denen für zehn Jahre ein im Jahre 1898
in sog. „Partecipazioni“ (stille Beteiligungen) im Sinne
des Art. 233 des italienischen Handelsgesetzbuches um-
gewandelter fester Kredit in Kontokorrent eingeräumt
wurde. 1896/7 kamen dazu vier spanische Gesellschaften.
Sämtliche Unternehmungen zeitigten zufriedenstellende
Resultate.

Im Geschäf tsjahre 1904/05 war die Bank an folgenden
18 Unternehmungen durch Aktienbesitz beteiligt:

Officine Elettriche Qenovesi in Genua ....	mit Fr.		3,500,000
Unione Italiana Tramways Elettrici in Genua . .	»	99	12,296,191
fhe Seville Tramways Co. Ltd. in London . .	99	99	500,000
Compania Sevillana de Electricidad in Sevilla. .	J»	99	1,868,153
Compania Barcelonesa de Electricidad in Barcelona	99	„	4,756,138
Compania Vizcaina de Electricidad in Bilbao . .	99	99	300,000
Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk Strassburg i. E.	))	99	3,474,074
Allgemeine Lokal- und Strassenbahn-Gesellschaft in Berlin		99		341,372
Elektrochemische Werke G. m. b. H. in Bitterfeld	»J	&gt;5	6,984,343
Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft in Berlin . ■	99	»	3,690,000
Kraftübertragungswerke Rheinfelden		99	99	5,033,160
Oeutsch-Ueberseeische Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin und Buenos-Aires	•	..	»	3,474,431
Uebertrag		Fr.	46,217,862
        <pb n="117" />
        ﻿112

Uebertrag Fr. 46,217,862

Chilian Electric Tramways and Light Co. Ltd. in

London und Santiago (Chili)...................... „	557,983

Aktiengesellschaft Brown, Boveri &amp; Co.	in Baden	„	„	4,966,096

Aktiengesellschaft „Motor“ in Baden...........„	„	861,000

Rheinische Elektrizitäts- und Kleinbahnen-Aktien-

gesellschaft in Kohlscheid bei Aachen................ „	1,642,906

Solinger-Kleinbahn-Aktiengesellschaft in	Solingen	„	„	2,256,097

Neue Oberlausitzer Qlashüttenwerke A.-G. Weiss-
wasser O.-L........................................... „	643,234

zus. mit Fr. 57,145,178

Nachfolgenden 8 Elektr. -Werken waren 1904/05

Kontokorrentkredite auf laufende Rechnung im Gesamt-
beträge von ca. 16 Mill. Fr. (wovon 13,181,175 Fr. als
„Vorschüsse im Kontokorrent“ geleistet) eingeräumt
worden:

The Seville Tramways Co. Ltd., London,

Comp. Vizcaina de Electricidad, Bilbao,
Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk Strassburg i. E.,
Elektrische Strassenbahn Valparaiso A.-G. in Berlin,
Comp. Barcelonesa de Electricidad in Barcelona,
Elektrische Kraft Baku (Russland),

Elektrochemische Werke G. m. b. H. Bitterfeld und
Solinger-Kleinbahn-Aktiengesellschaft, Solingen.

An folgenden 3 elektrischen Syndikaten war die
Bank 1904/05 vorübergehend mit Aktien und Obligationen
im Gesamtbuchwerte von Fr. 368,598 beteiligt:

Syndikat für Finanzierung elektrischer Unternehmungen
in Russland,
        <pb n="118" />
        ﻿113

Syndikat für einen Teil der Aktien der Unione Italiana
Tramways Elettrici in Genua und
Syndikat für Aktien der Comp. Barcelonesa de Electri-
cidad in Barcelona.

Diesen Aktiven standen im Geschäftsjahre 1904/5
ca. 70 Mill. Fr. an Passiven gegenüber.

Das Aktienkapital der Bankbetrugbeiihrer Gründung
1895/6 I5 Mill. Fr.; es wurde 1898/99 auf 30 Mill. Fr.,
1901/2 auf 33 Mill. Fr. und 1904/5 auf 36 Mill. Fr. erhöht.
Von ihrem statutarischen Rechte der Obligationenaus-
gabe1)11) hat die Bank mehrfach Gebrauch gemacht; so
wurden an Obligationen ausgegeben:

1895/6	8,5	Mill.	Fr.	ä	4%,

1896/7	8,5	„	„	„	4°/0,

1898/9	9,0	„	„	„	4°/n	und

1900/01	8,0	„	„	„	47,70.

Nachfolgende ziffernmässige Zusammenstellung von
Bilanzposten gibt einen Ueberblick über die Entwicklung
der Bank während des zehnjährigen Zeitraums von
1895/96 bis 1904/05.

l) Die Gesellschaft ist berechtigt (§ 15 der Statuten), Obligationen
bis zur Höhe des doppelten Betrages des jewsilen einbezahlten tien
Kapitals auszugeben.

*) Nach Artikel 656 Absatz 7 des Schweiz. Obl.-R. sind die
ausgegebenen Obligationen zu dem vollen Betrage, zu we c em sie
zurückgezahlt werden müssen, unter den Passiven anzusetzen. a^egen
kann die Differenz zwischen dem Emissionskurse und dem Ruc za ungs
betrage, welche durch jährliche Abschreibungen bis zum er a age er
Obligationen zu tilgen ist, unter die Aktiven aufgenom	'

Daher erscheint in der Bilanz unter Aktiven ein Pos en .
bei Rückzahlung der Obligationen (bei der Motor A - •	”

Emissions-Konto“ bezeichnet).

8
        <pb n="119" />
        ﻿1895/96 1896/97 1897/98 1898,99 1899/00 1900/01 1901/02 1902/03 1903/04 1904/05

(in 1000 Franken)

Aktienbeteiligungen			10,976	11.046	10,544	18,342	31,447	30,154	33,856	50,067	56,345
Vorschüsse und Partecipazioni ....	7,390	14,714	31,607	37,870	35,230	34,939	34,056	31,350	9,403	13,181
Syndikats-Einzahlungen 		—	—	104	2,534	297	1,185	824	568	421	369
Bankguthaben		9,307	3,847	2,350	6,874	4,018	3,775	2,715	2,467	9,122	4,449
Effekten		2,993	4,263	3,362	557	561	—	998	—	—	—
Effekten des Reservefonds		—	13	52	98	192	1,036	1,165	1,310	1,489	1,893
Kursdifferenz bei Rückzahlung der Obli- gationen 		255	510	510	780	780	990	978	968	961	990
Summe der Aktiven:	25,906	34,322	49,030	59,258	59,510	73,373	70,889	70,520	71,464	77,227
Aktienkapital		(in 1000 Franken)  15,000*) 15,000*) 29,996*) 30,000 30,000 33,000						33,000	33,000	33,000	36,000
4% Obligationen		8,500	17,000	17,000	26,000	26,000	25,000	24,593	24,269	24,028	25,000
47j0/o Obligationen		—	—	—	—	—	8,000	8,000	8,000	8,000	8,000
Ordentlicher Reservefonds		—	13	52	106	204	1,026	1,185	1,359	1,525	3,051
Obligationen-Rückzahlungs-Prämien-Konto	255	510	510	780	780	990	978	968	961	990
Obligationen-Zinsen-Konto		85	175	175	266	266	435	432	432	426	438
Dividenden-Konto		-	—	—	—	—	—	—	1	—	2
Diverse Kreditoren		1,801	609	20	20	20	2,862	465	38	689	498
Gewinn- und Verlust-Konto		265	1,014	1,277	2,086	2,240	2,059	2,235	2,452	2,833	3,246
Summe der Passiven:	25,906	34,322	49,030	59,258	59,510	73,373	70,889	70,520	71,464	77,227

e) Fr. 30,000,000 nom. abzüglich Fr. 15,000,000 resp. 4,500 nicht einbezahlt.
        <pb n="120" />
        ﻿115

An Dividenden kamen zur Verteilung:

1895/96

1900/01	:	670

1901/02 : 6°/o
1902/03 : 6 7,°/o
1903/04 : 7l/,7o
1904/05 : 8 V/0

1896/97 : 5%
1897/98 : 5°/0
1898/99 : 6°/o
1899/00 : 6 7,°/0

Wie aus diesen Zahlen hervorgeht, war die Ent-
wicklung der Elektrobank im ganzen eine gute. Wenn
das Resultat des einen oder anderen Geschäftsjahres
nicht so ausgefallen ist wie man es gewünscht hatte,
so waren daran Verhältnisse schuld, die einfach nicht
zu ändern waren. Nur wenig kommt in der Bilanz die

wirtschaftliche Depression derjahre 1900 ff. zum Ausdruck.

Lediglich das Geschäftsjahr 1900/01 zeigt einen kleinen
Rückgang im Jahreserträgnis. Schon im darauffolgenden
Jahre vermochte die Differenz wieder ausgeglichen zu
werden und seitdem zeigt sich von Jahr zu Jahr eine
Besserung in den finanziellen Verhältnissen und Erträg-
nissen der Bank.

b. Schweizerische Gesellschaft für elektrische Jndusirie.

Die Schweizerische Gesellschaft für elektrische
Industrie in Basel wurde im März 1896 von der Elektri-
zitätsgesellschaft 'Siemens &amp; Halske, A.-G.-Berlin, in
Verbindung mit deutschen, schweizerischen und öster-
reichischen Banken begründet. Sie ist also, ebenso wie die
Bank für elektrische Unternehmungen, mehr eine deutsche
Finanzgesellschaft auf schweizerischem Boden. Die Ge-
schäftsleitung der Firma liegt in der Hand eines schweize-
rischen Bankhauses, das selbständig in getrennten Räum-
lichkeiten die Geschäfte erledigt, Gutachten überl rojekte
        <pb n="121" />
        ﻿116

und Vorlagen ausarbeitet und prüft, sowie alle ins Fach
einschlagenden Arbeiten besorgt. Ihre Haupttätigkeit
bildet die Nutzbarmachung von Wasserkräften im
Auslande. Zu diesem Zwecke hat die Bank die
Konzession zu bedeutenden Wasserbauten in Oberitalien
erlangt. In starkem Masse ist sie aber auch in Deutschland,
Frankreich und Dänemark auf dem Gebiete der Elektro-
technik finanziell beteiligt. Die Lieferung bezw. In-
stallierung der elektrischen Anlagen erfolgt dabei, ebenso
wie bei den Unternehmungen der Bank für elektrische
Unternehmungen in Zürich, ausschliesslich vom Gründer-
hause in Deutschland. Andere Konstruktionsfirmen sind
bei der Einrichtung der von der Schweizerischen Ge-
sellschaft für elektrische Industrie mit ins Leben ge-
rufenen Anlagen nicht beteiligt.

Mit Aktien oder Obligationen war die Gesellschaft
im Jahre 1905 an folgenden Unternehmungen beteiligt
(Gesamtbuchwert Fr. 14314080):

Grosse Casseler Strassenbahn-Aktien- Fr.

gesellschaft, Aktien .................. 370 378 75

Gesellschaft für elektrische Beleuchtung
in St. Petersburg, Stammaktien . . .	643 321 55

Gesellschaft für elektrische Beleuchtung
in St. Petersburg, Vorzugsaktien' . . . 3,392,733 60
Societä Piemontese di Elettricita, Vorzugs-

aklien • ' • ' ,....................... 2.250,-

Elektrizitätswerke Salzburg, Aktiengesell-

Schaft, Aktien ................ 1,116,960,-

Mülhauser Elektrizitätswerke A.-G., Aktien 1,568 312 30
Sociöte Electrique des Pyr6nees,	199 000 —

Siemens &amp; Halske, A.-G., Aktien .	2,3601 ^4 —
        <pb n="122" />
        ﻿117 —

Comp. d’Electricite de l’Ouest Lumiöre,

Aktien .................................. 116,600.—

Comp. d’Electricite de l’Est Lumiere, Aktien	100,000.—

„Siemens“ Elektrische Betriebe, A.-G.,	„	3,634,650.—

Schweizerische Gesellschaft für elektr.

Industrie, 4°/0 Obligationen............... 809,750.—

Die Beteiligung an Syndikaten der elektrischen
Industrie repräsentierte im Jahre 1905 einen Betrag von
Er. 7,339,451, der sich auf folgende 7 Syndikate verteilte:
Syndikat für Obligationen der Mexican Light and
Power Co. Ltd.,

Syndikat für Aktien der Societä anonima Electricitä
Alta Italia,

Syndikat für Aktien der Union Electrique,

„	„	„ der Kopenhagener Strassenbahn,

„	„ Elektrische Unternehmungen in Russland,

Syndikat für Vorschuss an die A. G. Elektrische Kraft
(Baku) und

Syndikat für Est Lumiere.

An Vorschüssen auf Kontokorrent wurden im gleichen
Jahre bewilligt:

Fr.

der Aktiengesellsch. Elektrizitätsw. Salzburg 624,833.40
« Societä anonima Electricitä Alta Italia . 4,477,313.70

» Union Electrique......................... 1,529,293.99

" Societe Electrique des Pyrenees . . •	257,107.30

Gegen Hinterlage von kurzsichtigen Diskonto-
wechseln zur vorübergehenden Anlage für im Ausbau
begriffene Elektrizitätswerke waren Ende des Jahres
1905 Fr. 8,053,423 verwendet.

Das Aktienkapital der Gesellschaft wurde bei der
Gründung (1896) auf 10 Mill. Fr. festgesetzt und im Jahre
        <pb n="123" />
        ﻿118

1898 auf 20 Mili. Fr. erhöht. Hierauf sind eingezahlt
worden:

im Jahre 1896 = 2 Mill. Fr.,

*	1898 = 2 „	„

„	1902 = 6 „

sodass in der Bilanz noch 10 Mill. Fr. als „nicht ein-
bezahltes Aktienkapital“ figurieren.

Nach ihren Statuten darf die Gesellschaft Obli-
gationen auf den Inhaber oder auf den Namen in andert-
halbfacher Höhe des jeweilig emittierten Aktienkapitals
(Nominalbetrag) ausgeben. Sie hat hiervon vollauf
Gebrauch gemacht. Es betrug die Obligationenschuld:*)

Ende	1896 =	7,5 Mill.	Fr.	4	°/  Io
55	1897 =	15,0	„	55	4	°/  Io
55	1898 =	22,5	„	n	4	°/o
y&gt;	1899ff -=	30,0	„	55	4	%
An üividen	den wurden verteilt				
	1896	0 °/0			
	1897	07,			
	1898	7°/0			
	I899	7°/o			
	1900	6°/0			
	1901	4°/o			
	1902	0 7«			
	1903	O°/0			
	1904	5 °/„			
	1905	6n/o			

Nachfolgende Zusammenstellung bietet einen Ueber-
blick über die Bilanzziffern der Schweiz. Gesellschaft für
elektr. Industrie in der 10jährigen Periode 1896-1905.

') Siehe Anmerkung 2 auf Seite 113.
        <pb n="124" />
        ﻿

Nicht einbezahltes Aktienkapital . . .

Erworbene Titel.......................

Beliehene Titel.......................

Im Bau begriffene Anlagen.............

Syndikatsbeteiligungen................

Kontokorrent-Debitoren................

Wechsel...............................

Reservefonds-Anlagen..................

Kursverlust auf emitt. Obligationen . .

Summe der Aktiven:

Aktienkapital..........................

Obligationen...........................

Obligationen-Zinsen-Konto..............

Dividenden-Konto.......................

Kontokorrent-Kreditoren................

Reservefonds...........................

Dispositionsfonds .....................

Gewinn- und Verlust-Konto..............

Summe der Passiven:

\ 1

1896*)	1897	1898	1899	1900	1901	1902	1903	1904	1905
			(in 1000		Franken)				
8,000	8,000	16,000	16.000	16,000	16,000	10,000	10,000	10,000	10,000
4,790	11.079	14.412	22,780	15,192	14,156	11,271	7,637	13,711	14,314
3.966	2,597	2.581	1,250	1,250	1,288	—	—	—	—
_	2.917	6,886	3,133	—	—	—	—	—	—
		—	—		10,242	11,320	10,807	9,452	6,905	7,339	*
977	1,012	3,523	7,752	5,787	9,596	13,809	16,657	13,555	11,454	•:
—	—	—	—	2,287	3.082	4.896	6,987	6,894	8,053
—	12	236	270	304	331	344	357	388	436
124	124	124	122	' —	—	—	—	—	—

17,858	25,741	43,762	51,308 51,062 55,773 51,126  (in 1000 Franken)				51,100	51,453	51,598
10,000	10,000	20.000	20,000	20,000	20.000	20,000	20,000	20,000	20,000
7,500	15,000	22,500	30,000	30,000	30,000	30,000	30,000	30,000	30,000
125	255	315	366	363	377	374	362	368	371
—	—	—	3		—	—	—	—	—
	—	’ 		—	—	4,755	395	—	—	—
—	12	236	274	308	330	347	360	392	438
—	90	140	190	210	210	—	—	—	—
233	384	570	474	180	100	11	378	691	788
17,858	25,741	43,762	51,308	51,062	55,773	51,126	51,100	51,453	51,598

') Geschäftsjahr vom 10. März—31. Dezember.

119
        <pb n="125" />
        ﻿- 120

c.	,,Motor", (Aktiengesellschaft für angewandte Clekfrizität.

Die im Jahre 1895 von der schweizerischen Elek-
Irizitätsfirma Brown, Boveri &amp; Co. unter Mitwirkung der
Allgemeinen Deutschen Creditanstalt Leipzig, dem Bank-
hause Leu &amp; Co., A.-G. Zürich und anderen kleineren
schweizerischen Bankfirmen ins Leben gerufene Finanz-
gesellschaft „Motor“, A.-G. für angewandte Elektrizität
in Baden (Schweiz) arbeitet fast ausschliesslich mit ihrer
Gründerin Brown, Boveri &amp; Co., trotzdem sie nicht zum
alleinigen Bezug der Maschinen von letzterer verpflichtet
ist. Durch Beteiligung an der Nutzbarmachung der
Wasserkräfte in der Schweiz hat sich die Motor A.-G.
hervorragende Verdienste erworben. Die grossen Elek-
trizitätswerke in der Beznau an der Kander, Hagneck
usw. verdanken ihr die Entstehung. In der Bilanz für
1905 stehen allein Er. 77,935 zu Buch, die zum Ankauf
verschiedener Liegenschaften in- und ausserhalb der
Schweiz im Interesse der künftigen Verwertung der
Wasserkräfte sowie 1 ür Vorarbeiten dazu aufgewendet
wurden. Die Anteilnahme an Gründungen und Be-
teiligungen auf dem Gebiete der angewandten Elektri-
zität ausserhalb der Schweiz (Deutschland, Frankreich
und Italien) dagegen ist eine sehr bescheidene.

Die Motor A.-G. ist mehr eine Bau- als eine Bank-
gesellschaft. Sie ist jetzt in der Lage, nicht nur ihre
eigenen Werke selbst auszuführen, sondern auch die
betriebsfertige Erstellung von Wasserwerken oder mit
solchen zusammenhängenden baulichen Arbeiten für
Rechnung Dritter zu übernehmen.*) Ihre Thätigkeit be-
gann sie im Jahre 1895 mit der Ausbeutung einiger in der '
Sch weiz erteilter Wasserrechtskonzessionen, der Erbauung

^Jahresbericht 1904, Seite 4.
        <pb n="126" />
        ﻿121

einer kleinen Lichtzentrale mit Hochdruck Wasserkraft
und der Beteiligung an einem Elektrizitäiswerk durch
Uebernahme einer grösseren Anzahl Aktien sowie der
ganzen Obligationen-Anleihe. Ende des Jahres 1896
wurde ein Vertrag mit Konzessionsgemeinden behufs
Erwerb einer Wasserkraft zum Abschluss gebracht.
Beteiligt war die Gesellschaft gegen Ende 1905 an
folgenden von ihr selbst erbauten Anlagen, und zwar
mit einem Betrag im Buchwerte von Fr. 14,183,470:

a.	dem Elektrizitätswerk Grindelwald, dessen Betriebs-
ergebnis 1905 eine Steigerung von 11 °/'0 gegenüber
dem Vorjahre (1904) aufwies,

b.	dem Elektrizitätswerk in derBeznau, dessen Maximal-
belastung gegenüber 1904 durch Zunahme von An-
schlüssen eine Steigerung von 440/„ aufzuweisen
hatte. Im Berichtjahre 1905 wurden 30,100,000 Kilo-
wattstunden (1904 : 15,400,000 KWSt.) erzeugt. Das
Elektrizitätswerk am Löntsch (siehe c) soll mit dem
in der Beznau eine Parallelschaltung erfahren. Die
Hochspannungsleitungen allein haben eine Länge
von 463 km.

c.	dem Elektrizitätswerk am Löntsch, das noch im Bau
begriffen ist und voraussichtlich im Frühjahr 1908
in Betrieb kommen wird. Die Leistungsfähigkeit
dieses Werkes soll rund 28000 PS. betragen. Das
ihm zugrunde liegende Projekt geht dahin, den
Klöntalersee zu einem Reservoir so aufzustauen, dass
in wasserreichen Jahreszeiten der evtl. Heberschuss
der Zuflüsse zum eigentlichen Betriebswasser auf-
gespeichert werden kann, um in trockenen Jahies-
zeiten den etwaigen Fehlbetrag der Zuflüsse zum
        <pb n="127" />
        ﻿122

Betriebswasser aus dem aufgespeicherten Wasser-
vorrat zu decken.

d.	dem Elektrizitätswerk Bingen (Rheinland), dem die
Versorgung der Stadt Bingen und seiner Umgebung
mit Elektrizität für Licht- und Kraftzwecke obliegt.
Sämtliche genannten Werke, soweit sie bereits
fertiggestelll sind, lieferten bisher ein recht befriedigen-
des linanzielles Ergebnis.

Durch Aktienbesitz ist die „Motor“ A.-G.an folgenden
5 Unternehmungen interessiert, und zwar nach dem

Stande von Ende 1905:

Vereinigte Kander- und Hagnek-Werke mit kr.

A.-G...................................... 1,501,500

Societä Ellettrica di Benevento................ 250,000

Elektrizitätsgesellschaft Baden................ 147,500

A.-G. Brown, Boveri &amp; Co....................... 383,750

Societä per le forze motrici delf Anza .	. 2,250,000

Einen besonderen Zweig der Tätigkeit der Gesell-
schaft bildet seit 1899 die Lieferung elektrischer Ein-
richtungen. Sie erfolgt nicht nur für Unternehmen, denen
die Gesellschaft durch Beteiligungen nahesteht, sondern
auch an Firmen, bei denen letzteres nicht der Fall ist.
Es seien hier vor allem die Erweiterungen der Elektri-
zitätswerke an der Kander und in Hagnek für Rechnung
der Vereinigten Kander- und Hagnekwerke A.-G., sowie
die Lieferungen für die Herstellung des Wasserwerkes
an der Anza für Rechnung der Societä per le Forze
motrici dell' Anza genannt. Im Jahre 1905 wurden in
diesem Geschäftszweige rund 1,5 Millionen Fr. umgesetzt,
ca. 34°/0 mehr als im Jahre vorher.

Für die Beschallung der zur Geschäftsführung er-
forderlichen Kapitalien stehen der Gesellschaft zwei
        <pb n="128" />
        ﻿123

Wege offen: erstens, der Weg der Erhöhung des Aktien-
kapitals, zweitens, der Weg der Obligationenausgabe.
Beide Mittel wurden mehrfach angewandt.

I897 erhöhte die Gesellschaft das anfängliche Aktien-
kapital von 3 Milk Fr., worauf 20 % einbezahlt worden
waren, auf 6 Milk Fr. mit einer Einzahlung von 30 °/0
auf den Gesammtbetrag, und einer weiteren Einzahlung
von 20 °/o im Jahre 1898. Die stete Ausdehnung der
Unternehmungen und die damit zusammenhängenden
Engagements veranlassten die Generalversammlung im
Jahre I900, das Grundkapital um weitere 4 Milk Fr.
hinaufzusetzen.1) Das Aktienkapital betrug jetzt also
10 Milk Fr. Einberufen wurden auf die 4 Milk Fr. in
zwei Raten je 25 "/0, so dass damit auf sämtliche Aktien
gleichmässig 50 % einbezahlt worden waren. Weitere
25 °/(1 auf sämtliche Aktien wurden im Jahre 1901 ein-
berufen, die restlichen 25% im Jahre 1902. Da die
Durchführung der verfolgten Projekte, in erster Linie
füc Herstellung der Elektrizitätswerke am Löntsch und
an der Anza, sowie vorauszusehende Erweiterungen der
bestehenden Werke namhafte finanzielle Mittel erfordern,2)
beschloss die Generalversammlung im Juni 1905 die Er-
höhung des Aktienkapitals um 5 Milk Fr. auf 15 Milk Fr.
Un&lt;l die Ausgabe von zunächst 2,5 Milk Fr. der neuen
Aktien. 50% wurden auf letztere vorläufig einberufen.

Im Jahre 1898 erfolgte erstmalig die Ausgabe von
Obligationen, und zwar in Höhe von 4 Milk Fr. zu 4 /„.
1000 kam eine 4'/2%ige Obligationenanleihe in Höhe
von 2 Milk Fr. an eine Bankengruppe zur Begebung,
1904 eine weitere 4%ige Anleihe in Höhe von 2 Milk kr.
Ende 1905 betrug die Obligationenschuld damit8Milh hi. )

') Jahresbericht 1900, S. 1. 2) Jahresbericht 1904, S. 18.

3) Siehe Anm. 2 auf S. 113.
        <pb n="129" />
        ﻿124

Nach ihrem Statut ist die Gesellschaft berechtigt, Obli-
gationen bis zur doppelten Höhe des jeweils eingezahlten
Aktienkapitals auszugeben. Wenn von dieser Berech-
tigung bis jetzt weniger Gebrauch gemacht und mehr
die Erhöhung des Aktienkapitals ins Auge gefasst wurde,
so geschah dies vornehmlich in dem Bestreben des
Verwaltungsrats, der Gesellschaft eine ihrer Bedeutung
entsprechende breite, finanzielle Basis zu geben, sowie
in der Erkenntnis, dass durch diese Art der Geld-
beschaffung das Institut unabhängiger von Konjunkturen
des Geldmarktes bleibt.

Einen Ueberblick über die Vermögenslage der
„Motor“ A.-G. und ihrer Veränderungen in der 10jährigen
Periode 1896—1905 gibt nachstehende Tabelle.

An Dividenden wurden ausgeschüttet:

1896.5%, 1897 5%, 1898 6 %, 1899 7%, 1900 6%,
19010%, 1902 0%, 1903 4%, 1904 5%, 1905 6%.

Wenn die Betriebsresultate, die in der Bilanz ihren
Ausdruck finden, nicht so glänzend erscheinen wie bei
anderen Elektrizitätsgesellschaften, die in erster Linie nur
Lieferungsgesellschaften sind, so hat dies seinen Grund
darin, dass, wie die Gesellschaft in ihrem Berichte für
1901, S. 4, zum Ausdruck bringt, für die Nutzbarmachung
der Wasserkräfte in der Regel schon bei der ersten An-
lage nahezu der ganze, für den vollen Ausbau notwen-
dige Kapitalbetrag aulgewendet werden muss, während
sich der Absatz der Kraft naturgemäss erst allmählich
entwickeln kann. Die Wasserbauten haben den Dampf-
zentralen gegenüber den Nachteil, dass sie ihre Er-
stellungskosten nicht in höherem Masse, namentlich in
den ersten Betriebsjahren, dem vorhandenen Konsum
anpassen können. Die Ueberlegenheit der Wasserwerke
        <pb n="130" />
        ﻿ar	®	%			&gt;	*	t		\		
	1896	1897	1898	1899	1900	1901	1902	1903	1904	1905
					(in 1000	Franken)				
Nicht eingezahltes Aktienkapital . .	2.400	4,200	3,000	3,000	6,QOO	2,500	2,500	—	—	1,250
Eigene Anlagen		40	1,144	2,102	5,524	7,865	10,550	13,765	10,820	12,345	14,183
Beteiligungen		400	426	1.014	1,544	2,595	2,089	2,089	5,247	5.112	4,837
Wasserrechtskonzessionen ....	71	6	62	241	304	128	148	205	59	78
Diverse Debitoren		157	548	4,255	888	1,031	1,713	1,087	2,393	2,656	2,762
Kasse 		3	2	3	4	5	6	6	12	23	21
Handlungsmobilien		—	4	12	13	12	11	10	9	8	20
Allgem. Lieferungskonto		—	—	—	—	—	8	35	294	17	1,536
Obligationen-Emissions-Konto . . .	—	—	56	53	78	30	22	13	32	20
Summe der Aktiven:	3,071	6,331	10,512	13,325	17,970	17,125	19,768	19,109	20,471	25,302
					(in 1000	Franken)				
Aktienkapital		3,000	6,000	6,000	6,000	10,000	10,000	10,000	10,000	10,000	12,500
-Obligationen		—	—	4,000	4,000	6,000	6,000	6,000	6,000	8,000	8,000
Ordentl. Reservefond		—	2	29	62	81	102	109	120	142	297
Spezial-Reservefond		—	11	—	30	60	90	100	100	100	100
Diverse Kreditoren ....	33	219	108	348	1,325	521	2,843	1,859	996	2,743
Oblvgationen-Zinsen-Konto ....	—	—	80	81	125	126	126	127	166	—
Allgem. Lieferungskonto . . .	—	—	—	458	10	—	—	—	—		
Amortisations-Konto ......	—	—	—	—	—	217	389	381	450	725
Reingewinn		37	100	295	346	368	67	201	522	617	771
Summe der Passiven:	3,071	6,331	10,512	11,325	17,970	17,125	19,768	19,019	20.471	25,302
        <pb n="131" />
        ﻿126

kommt erst bei der nach und nach fortschreitenden
besseren Ausnützung der Anlagen zur Geltung, und es
eröffnen aus diesem Grunde gerade die bedeutendsten
der von der „Motor“ A.-G. ins Leben gerufenen Unter-
nehmungen Aussichten auf spätere Erträgnisse, welche
um so reichlicheren Ersatz für die in den ersten Be-
triebsjahren erlittenen Ausfälle bieten.

In derZeit des Niedergangs der Elektrizitätsindustrie,
1900 ff., als die Unternehmungslust nachhaltig darnieder-
lag und die Beschaffung von Kapital wegen der auf
diesem Gebiete schon erlittenen Verluste fast unmöglich
erschien, beschränkte die A.-G. Motor ihre Tätigkeit auf
den Ausbau und die Entwicklung ihrer s. Zt. bestehenden
Anlagen. Weitere neue Geschäfte wurden nicht an die
Hand genommen, was naturgemäss einen Ausfall der
nächsten Jahresergebnisse bedeutete. Eine befriedigende
Weiterentwicklung hatten wieder die Jahre !904ff. und
so konnte man sich dann auch von neuem an die
Ausführung neuer Projekte heranwagen.

d.	Sociefe franco - Suisse pour V Jndusfri» Ctectrique.

Mit dem Geschäftssitz in Genf und einem Komitee-
sitz in Paris wurde im Jahre 1898 von schweizerischen
und französischen Firmen, der Societe du Creuzot,
Etablissement Schneider &amp; Co., eine 4. Finanzgesellschaft
auf die Dauer von 75 Jahren mit einem Aktienkapital
von 25 Mill. Fr., auf das zunächst ,50 n/0 eingezahlt wur-
den, begründet, deren Arbeitsfeld sich vornehmlich auf
die französische Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien
und Amerika erstreckt. Sie betätigt sich in der Grün-
dung von Gesellschaften zum Bau von Elektrizitätswerken
und elektrischen Bahnen, in der finanziellen Beteiligung
        <pb n="132" />
        ﻿—	127

an Syndikaten, gesellschaftlichen Unternehmungen und
Studiengeschäften.

Ende des Jahres 1905 war die Societe Franeo-Suisse
an folgenden Unternehmungen mehr oder weniger stark
beteiligt:

Societe Grenobloise de Force et Lumiere,

Societd des Forces, Hydrauliques du Rhone,
Compagnie d’Electricite de l’Ouest Parisien (Ouest
Lumiere),

Socidte du Tramway et de l’Eclairage dlectrique deTwer,
Societd Financiere Italo-Suisse, Hauptaktionärin der
Societe Meridionale d’Electricitd und der
Societä Generale per la Illuminazione in Neapel,
Societe Italienne d’Electrochimie,

Compagnie du Chemin deFer deMartigny an Chätelard,
Banque de Depots et de Credit,

Societd Financiere pour l’Industrie du Mexique,
Syndicat Russe (für den Erwerb der Aktien der Mos-
kauer Strassenbahngesellschaften und die elektrische
Kraftanlagen in Baku),

Societe Espagnole des Carbures Mdtalliques,

Havana Electric Railway Company,

Societe Allemande d’Electricite d’Outre-Mer (Buenos-
Ayres),

Volta, Societe Lyonnaise de 1'Industrie Electro-Chimique,
Societd Commerciale du Carbure de Calcium,

Societe des Usines Electriques d’Hafsland,

Societd Norvegienne de l’Azote.

Der Buchwert dieser Beteiligungen bezillerte sich
■auf rund 27 MilI.Fr. Wie sich derselbe auf die einzelnen
Unternehmungen verteilt, gibt die Verwaltung leider
        <pb n="133" />
        ﻿128

nicht an, so sehr dies bei dem starken Engagement auch
erwünscht wäre. Das finanzielle Ergebnis der Finanz-
gesellschaft war bis jetzt noch ein recht wenig erfolg-
reiches; nur zweimal in den 8 Jahren ihres Bestehens
konnten Dividenden zur Verteilung gelangen (1899/00:4 %
und 1905:3%). Das Aktienkapital gelangte bis 1901/02
voll zur Einzahlung. Zur Stärkung der Betriebsmittel
wurde im Geschäftsjahre 1903/04 noch eine 4%ige Obli-
gationenanleihe aufgenommen.

Stark litt die Gesellschaft unter dem Druck der
geschäftlichen Stockung in den Jahren 1900ff. Selbst
ihre besten Tochtergesellschaften blieben hinter den in
sie gesetzten Erwartungen zurück. Anscheinend erst
nach vielem Zögern sah sich die Verwaltung in ihrem
Jahresbericht für 1900/01 selbst genötigt, einzugestehen,
dass sie sich geirrt habe und dass die Zeit noch nicht
gekommen sei, wo die Hauptunternehmungen der Gesell-
schaft diejenigen Resultate brächten, die zu erwarten
die Aktionäre ein Recht hätten. In einem Jahre, von
Oktober 1900 bis Oktober 1901, sank der Kurs der Aktien
denn auch von 510 auf 310 Fr. Bei den vielen dividenden-
losen Jahren ist schon kaum an eine Erholung zu denken.
Hier gilt besonders, was schon auf Seite 107 über das,
man möchte sagen „Geschäfte machen um jeden Preis“
ausgeführt wurde.

Nachstehende tabellarische Darstellung gibt auch
über die Veränderungen in der Vermögenslage der
Sociüte Franco-Suisse ein knappes Bild.
        <pb n="134" />
        ﻿1898,99	1899/00

Nicht eingezahltes Aktienkapital	.	.	.	12,500	12,500

Kasse................................ 6	10

Bankguthaben....................... 1,076	732

Wechsel............................ 6,033	860

Eigene Unternehmungen.............. 3,142	7,389

Effekten und Beteiligungen......... 1,725	3,324

Studiengeschäfte...................... —	809

Vorschüsse und Debitoren............ 976	517

Lieferungen.......................... 15	182

Summe der	Aktiven:	25,524	26,508

Aktienkapital...................... 25,000	25,000

Obligationen.......................... —	—

Reservefond 1......................... —	42

Bevorzugte Forderungen................ —	—

Kreditoren........................... 54	___

Gewinn und Verlust.................. 470	1,466

Summe der	Passiven:	25,524	26,508

") 1. Juli—31. De2ember 1904.

1900/1	1901/2	1902/3	1903/4	1904*)	1905
	(in 1000 Franken)				
6,304	—	—	—	—	—
19	84	7	5	8	30
358	255	191	2,392	2,081	225
699 )	1				
11,850 ' 4,108 '	23,765 !  /	24,796	27,616	26,911	27,022
1,241	500 1				
1,570	2,182	5,883	6,915	8,557	12,460
196	74	—	—	—	—
26,345	26,859	30,876	37,278	37,887	40,047
	(in 1000 Franken)				
25,000	25,000	25,axi	25,000	25,000	25,000
1	—	—	10,000	10,000	10,000
149	184  90	234	246	278	300
			5,164	1,252	1,928	3,865
1,194	1,563	478	779	680	877
26,345	26,859	30,876	. 37,278	37,887	40,047

129
        <pb n="135" />
        ﻿130

Wie sich die Vermögenslage der angeführten vier
Finanzgesellschaften bei Abschluss des Geschäftsjahres
1905 gestaltete, sei in der weiter folgenden Tabelle der
besseren Uebersicht wegen noch einmal vergleichend
zusammengestellt.

Sowohl was die Höhe des eingezahlten Aktien-
kapitals als auch was die Höhe der ausgegebenen
Obligationen anbelangt, steht, wie man sieht, die Bank
für elektrische Unternehmungen an erster Stelle. Auf-
fallend ist das Verhältnis der Höhe der ausgegebenen
Obligationen zu der Höhe des eingezahlten Aktien-
kapitals bei der Schweizer. Gesellschaft für elektrische
Industrie. Allerdings ist nicht zu vergessen, dass bei
letzterer Gesellschaft noch 10 Mill. Fr. auf Aktien jeder-
zeit ohne weiteres einberufen werden können. Fast
umgekehrt ist das erwähnte Verhältnis bei der Sociöte
Franco-Suisse. Der Reservefond hat nur bei der Bank
für elektrische Unternehmungen und bei der Aktien-
Gesellschaft „Motor“ eine einigermassen befriedigende
Höhe erreicht. Bei den beiden anderen Gesellschaften
bedarf er noch einer sehr starken Aufbesserung, be-
sonders bei der Societe Franco-Suisse.
        <pb n="136" />
        ﻿Name der  Gesellschaft  (Datum der Bilanz.)	Eingezahltes  71 Aktienkapital	■m Ausgegebene  r Obligationen	Res.-Fond  a.	gesetzl.  b.	Spezial- c.Rückstllgs.- u. Amortisat.-  Konto  Fr.	G  &lt;D  , bfl  G G  CD 3  ^ bO  ^ s  •&lt; CJ  Id  X)  Fr.	Debitoren  Fr.	Kreditoren  Fr.	Vorschüsse  5? im Konto-  Korrent	s  ^	3  G ~  &gt;, &lt;d  C/) "oj  Xi  Fr.	Bank-  guthaben  Fr.
Bk. für elektr. Unternehm.  (30. VI. 05.)	36.000,000	33,000.000	a. 3,050,815	56,345,266		497,626,13	13,181,175	368,598	4,448,725
Schweiz. Ge- sellschaft für elektr. Indust. (31. XII. 05.)	10,000,000	30,000.000	a. 437,619	14,314,080	11,454,358	_	8,053,423	7,339,451	-
A.-G. „Motor“, Baden (31. XII. 05.)	11,250,000	8,000.000	a.	297.241  b.	100,000  c.	725,000	4,836,787	2,761.794	2742,864,99	14.183,470')	1,536,0872)	—
Societe Franco- Suisse, Genf (31. XII. 05.)	25,000,000	10,000,000	a. 300,000  1	27,021,975®)	12,460,0624)	3865	s. Debit.		225,146

') Eigene Anlagen.

') Allgemeines Lieferungs-Konto.

’) Unternehmungen u. finanz.Beteiligungen, Studiengeschäfte.
') Vorschüsse und Debitoren.
        <pb n="137" />
        ﻿VIL Der Dampfturbinenbau,

ein wichtiger Nebenzweig der Schweiz, elektrischen

Industrie.

Das Streben nach Vervollkommnung im elektrischen
Kraft- und Licht-Betrieb sowie die zunehmende Be-
deutung der elektrischen Licht- und Kraftanlagen führten
nicht allein zu einer weiteren Ausgestaltung der Kolben-
dampfmaschine, sondern auch zur Dienstbarmachung
einer neueren Kraftmaschinen-Konstruktion, der Dampf-
turbine, für die Erzeugung elektrischer Strommengen.
Bei ihrer nie rastenden Tätigkeit haben die schweizer.
Elektrizitäts-Grossfirmen, ebenso wie die deutschen, nie
vergessen, ihr Augenmerk auf neue Ziele zu richten
und neue Errungenschaften des schaffenden Geistes
ihren Zwecken nach Möglichkeit dienstbar zu machen.
Im Jahre 1900 begannen sie die Fabrikation der viel-
versprechenden Neuheit der Dampfturbinen. Dass es
gerade in erster Linie die Elektrizitätsfirmen und
nicht andere Maschinenfabriken sind, die den Bau von
Dampfturbinen in ihren Arbeitskreis zogen, beruht vor
allem darauf, dass diese Antriebsmaschine vermöge der
nötigenfalls erreichbaren hohen Umdrehungszahl und
ihres gleichmässigen Ganges ganz besonders sich zum
direkten Antrieb von elektrischen Stromerzeugern für
Licht- und Kraftübertragungs-Anlagen in unmittelbarem
Zusammenbau mit Dynamomaschinen eignet und es
deshalb im Interesse der Elektrizitätsindustrie selbst lag,
        <pb n="138" />
        ﻿133

darauf Bedacht zu nehmen, dass bei der weiteren Aus-
gestaltung speziell ihren eigenen Bedürfnissen eine
hervorragende Berücksichtigung zu Feil werde, was
natürlich am besten geschehen konnte, wenn die Elektri-
zitätsfirmen den Bau selbst in die Hand nehmen.

Dampfturbine und Dynamomaschine bilden ein
einheitliches Maschinen - Aggregat mit gemeinsamer
Grundplatte, Welle und Lagerung vereinigt, bei Gleich-
strom Turbodynamo und bei Wechselstrom (Einphasen-,
Zweiphasen- und Drehstrom) l urboalternator genannt.
Vergleicht man das Prinzip der Dampfturbine mit dem-
jenigen der Kolbendampfmaschine, so erkennt man auf
den ersten Blick, dass ersteres dem letzteren gegenüber
einen bedeutenden Vorteil haben muss. Bei der Kolben-
dampfmaschine wird die Energie des expandierenden
Dampfes in der Weise ausgenützt, dass man abwechselnd
zu beiden Seiten des in einem Hohlzylinder befindlichen
Kolbens Dampf in ersteren einströmen und vermöge
her dem Dampf infolge seiner Spannung innewohnenden
Kraft den Kolben hin und her bewegen lässt. Durch
einen Kurbelmechanismus wird die Hin- und Herbewegung
her Kolbenstange in eine nach einer Richtung hin
rotierende, d. h. diejenige Bewegung umgesetzt, welche
Ihr die Weiterleitung mechanischer Arbeit (z.. B. zum
Antrieb von elektr. Maschinen, von Transmissionen etc.),
benötigt wird. Die Dampfturbine vermeidet diesen
Ranzen, mit besonderen Nachteilen, voi allem mit

Kraltverlust verbundenen Uebersetzungsvorgang,
Kolbenbewegung hin- und hergehender Massen
Kurbelmechanismen, sowie aller Art Zwischenü icr
Setzungen — denn sie verwandelt die Energie des
        <pb n="139" />
        ﻿134

expandierenden Dampfes direkt in eine rotierende Be-
wegung. Prinzip und Arbeitsvorgang sind dabei im wesent-
lichen ähnlich wie bei einer Wasserturbine.

Die wirtschaftlichen Vorteile der Dampfturbine
gegenüber der Kolbendampfmaschine äussern sich in
der praktischen Verwendung, vor allem in dem be-
deutend kleineren Gewicht, der geringen Raumbean-
spruchung, dem Wegfall schwererem- und hergehender
Massen und der durch letztere stets hervorgerufenen
starken Vibration resp. Beanspruchung der Fundamente,
der einfachen Bedienung, dem ausserordentlich leichten
Anpassungsvermögen an die Erfordernisse des Betriebes,
der geringen Abnutzung der metallischen Teile, dem
geringen Dampfverbrauch und den Ersparnissen an
Kohlen und Oel.

Von den Elektrizitätsfirmen der Schweiz sind es
die Firmen Brown, Boveri &amp; Co., Maschinenfabrik Oeriikon
und Elektrizitäts - Aktiengesellschaft Alioth, die sich
mit dem Bau von Dampfturbinen befassen. Ausserdem
bauen noch Dampfturbinen die Maschinenfabriken Gebr.
Sulzer (Winterthur) und Escher, Wyss &amp; Co. (Zürich).
Jede grössere Dampfmaschinenfabrik wird mit der Zeit
zum Bau dieser Bewegungsmaschinen übergehen müssen.
Die Kolbendampfmaschine dürfte das Feld zu räumen
und konstruktiv verbesserten und ökonomisch vorteil-
hafteren Antriebsmaschinen Platz zu machen haben.
Möglicherweise lolgt der Dampfturbine wiederum die
Gasturbine, und vielleicht wird letztere, wie Brown,
Boveri &amp; Co. sich ausdrücken, die Maschine des 20. Jahr-
hunderts sein. Auf technische Einzelheiten jeinzugehen,
ist hier nicht der Platz.
        <pb n="140" />
        ﻿135

Die Maschinenfabrik Oerlikon steht ebenso wie die
Firma Alioth mit ihrem Dampfturbinenbau noch im
Versuchsstadium. Brown, Boveri &amp; Co. arbeiten nach
dem System Parsons. im Jahre 1900 erwarben sie von
der Firma Parsons &amp; Co., Newcastle das Ausführungs-
recht für die Schweiz und eine Reihe anderer europäischer
Länder. 1903 gründeten sie in Deutschland, mit dem
Sitze in Berlin, unter dem Namen „Turbina“ eine
Gesellschaft, die für den Absatz in Deutschland ein-
treten soll.

Schon seit Jahren hatten die technischen Leiter der
Firma Brown, Boveri &amp; Co. die Entwicklung des Turbinen-
baues mit grossem Interesse verfolgt. Allein die ausser-
gewöhnlichen Anforderungen, welche die Mitte der 90er
Jahre an die Leistungsfähigkeit fast aller grösseren
elektrotechnischen Etablissements stellte, erlaubten es
ihnen vorerst nicht, an neue Aufgaben heranzutreten,
wenn auch schon in aller Stille die ersten Vorbereitungen
getroffen wurden. Erst, nachdem es ruhiger in der
Llektrobranche geworden war, ward es möglich, die für
den Turbinenbau notwendigen Kräfte in vollem Masse
auszulösen. Die Aufgabe, vor welche man sich im ge-
gebenen Moment gestellt sah, war indessen keine leichte.
Neben vollständiger Umgestaltung der von dem Ei-
ender übernommenen Konstruktionen mussten die zu-
sammengehörigen elektrischen Maschinen nach ganz
nKuen Gesichtspunkten ausgebildet werden. Vollständig
neue Werkstätten mit Spezialausrüstung waren zu er-
richten, und ein ganz neues Ingenieur- und Arbeiter-
personal hatte seine Ausbildung zu erhalten. Es zeugt
gewiss von Energie und Sicherheit, mit der die ganze
Angelegenheit durchgeführt wurde, wenn bereits unge-
        <pb n="141" />
        ﻿136

fähr ein Jahr nach Aufstellung der Licenzverträge die
erste Dampfturbine, System Brown, Boveri-Parsons, die
Werkstätten verlassen und schon wenige Monate nach
Schaffung der neuen Abteilung an die Ausführung eines
5000-pferdigen Dampfmotors geschritten werden konnte,
einer Maschinengrösse, wie sie selbst der Erfinder
Parsons bislang noch nicht gebaut hatte.

Der Absatz überstieg die kühnsten Erwartungen.
Ueber die zunehmende Verwendung der Dampfturbine
System Parsons bezw. Brown, Boveri-Parsons geben nach-
folgende Zusammenstellungen ein zahlenmässiges Bild.

Es wurden geliefert*) von

	in dem Zeitabschnitt	Turbin.-  anlagen	Tur-  binen	Gesamt-  leistung  PS	Leistung der grösst. Turbine PS
Parsons&amp;Co.	1884 bis 1890 ... .	.	360		5000	20
	1890 bis 1896 ....	.	240 .		35000	600
	1896 bis 1902 ....	. 200		160000	3000
Brown,	1900 bis 1902 ....	.	31	37	29810	5000
Boveri &amp; Cie.	1. Jan. bis 1. Juni 1903	. 28	33	47720	8000
A.-Q.	1900 bis 1. Juni 1903	.	59	70	77530	

Es wurden bei Brown, Boveri &amp; Co. bestellt*)

			Gesamt-	Leistung
in dem Zeitabschnitt	Turbinen-  anlagen	Tur-  binen	leistung  der	der  grössten
			Turbinen	Turbine
			PS	PS
1900 bis 1902			31	37	29810	5000
1. Januar 1903 bis 31. Sept. 1903 Schiffsturbinen für die Kaiserlich	37	51	47915	8000
Deutsche Marine 		2	6	18500	—
1. Oktober 1903 Pariser Untergrund- bahn (le Metropolitain) Paris .	) ’  1	4	40000	10000
2. Oktober 1903 bis 1. August 1904	85	129	112485	8000
insgesamt bis 1. August 1904 . .	156	227	248710	

*) Brown, Boveri &amp; Co.: Dampfturbine System Brown, Boveri-
Parsons.
        <pb n="142" />
        ﻿137

Aber selbst bei diesem glänzenden Erfolg, den das
System Brown, Boveri-Parsons davontrug, darf man
nicht glauben, dass die Einführung des Damptmotors
eine leichte gewesen sei, insbesondere nicht aul dem
europäischen Kontinent. Die ersten Jahre ihres Bestehens
bildeten für die Dampfturbinen-Abteilungen eine Periode
des Kampfes. Zugute kam der A.-G. Brown, Boveri
&amp; Co. allerdings dabei, dass sie bis zum Jahre 1904 die
einzige Firma auf dem europäischen Pestlande war, die
über eine regelmässige P abrikation und über eine in
der Praxis eingeführte und in jahrelanger Pu'lahi ung be-
währte Maschinentype verfügte. Heute kann die ge-
wonnene Position als eine gesicherte betrachtet weiden.
Die Verwendung der Dampfturbine erstreckt sich aul
Industrien aller Art. Insbesondere ist es die Textilindustrie,
für die ein exaktes und regelmässiges Arbeiten der
Primärmaschinen von hohem Werte ist und die sich
deshalb mehr und mehr der 1 urbine zuwendet. Ein
Gleiches gilt bezüglich derjenigen Industriezweige, die
wegen ihres ausserordentlich schwankenden Kraltbedaifs
die weitgehendsten Anforderungen an ihre Krafterzeu-
gungsmaschinen stellen müssen, wie die Berg-undHütten-
industrie. Hauptabnehmer für Dampfmotore sind die
Elektrizitätswerke. Ein weiteres wichtiges Anwendungs-
gebiet für Dampfturbinen ist das der Fortbewegung von

Schiffen. Der direkte Antrieb zeigt sich dabei geiade
dort besonders vorteilhaft, wo infolge der gesteigerten

Ansprüche an Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit jede,
auch die kleinste, Gewichts- und Raumersparnis, . ei es
Hinblick auf Maschinenanlage, sei es im Hinblick
auf Kohlenbedarf, in Rücksicht genommen werden muss.
Bei der Verwendung von Kolbendamplmasi hinen ist
        <pb n="143" />
        ﻿138

man im Bau von grossen Kriegsschiffen und Ozean-
Passagierdampfern an der Grenze des Möglichen an-
gelangt. Die Steigerung der Geschwindigkeit lässt sich
nur durch einen etwa in der dritten Potenz gesteigerten
Kraftaufwand erreichen. Schwere Maschinen und grosse
Kohlenmassen vergrössern das Eigengewicht des Schiffes
und verringern gleichzeitig den für andere Zwecke ver-
fügbaren Raum. Bei zunehmender Geschwindigkeit ge-
langt man daher sehr bald an einem Punkte an, wo
jeder im Schiffe verfügbare Raum für die Lagerung von
Brennmaterial benutzt werden muss, wenigstens wenn
das Schiff sich auf grössere Entfernungen von den am
Lande liegenden Kohlenstationen begeben will. In
dieser Hinsicht bietet nur die Dampfturbine noch
einen Ausweg. Zugleich erzielt man hei ihrer Verwen-
dung ein vibrationsloses Arbeiten, leichte Manövrierfähig-
keit sowie die Möglichkeit einer günstigeren Schwer-
punktlage des Schiffes etc.

1903 lieferten Brown, Boveri &amp; Co. für die Kaiserl.
Deutsche Marine 2 Turbinenanlagen mit 6 Turbinen und
einer Gesamtleistung von 18,500 PS., und zwar‘zum
Betrieb eines Kreuzers eine Dampfturbinenanlage von
12,000 PS., zum Betrieb eines Hochseetorpedobootes
eine Dampfturbinenanlage von 6,500 PS.

Nach allem eröffnet sich also für die Dampfturbinen-
Abteilungen der schweizerischen Elektrizitätsfirmen noch
ein weites Absatzteld. Zu wünschen bleibt nur, dass
die Verkaufspreise sich aul einem Niveau halten, das für
die Fabrikanten einen nennenswerten Nutzen lässt.

Um in diesem Sinne zu wirken, schlossen sich
bereits im Jahre 1903/04 die grössten Maschinen-Werke
Europas und Amerikas zu zwei Syndikaten zusammen,
        <pb n="144" />
        ﻿139

Das eine Syndikat umfasst die Finnen Allgemeine
Elektrizitätsgesellschaft und General Electric Co. mit
ihren Tochtergesellschaften, sowie Elektrizitätsgesell-
schaft Brown, Boveri &amp; Co. Die Allgemeine Elektri-
zitäts-Gesellschaft in Berlin, sowie die General Electric Co.
in New-York bauen unter der Firma „Vereinigte Dampf-
turbinen-Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ in Berlin
nach dem System Riedler-Stumpf-Curtis. Um sich aber
auch das Parsons-Patent zu sichern, wurde von der
Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft mit den Gross-
aktionären von Brown, Boveri &amp; Co. der schon aut
Seite 71 erwähnte Aktienaustausch vorgenommen. Da-
durch gewann die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft
zugleich Interesse an der Zweigfabrik Brown, Boveri
&amp; Co. in Mannheim, deren Spezialität der Bau von
Dampfturbinen nach dem System Brown, Boveri-
Parsons ist.

Dem zweiten Syndikat, dem speziell das System
Zoelly zugrunde liegt, gehören die Firmen Siemens-
Schuckert-Werke, Escher, Wyss &amp; Co., A.-G.-Zürich,
Friedrich Krupp, A.-G.-Essen, Norddeutsche Maschinen-
und Armaturenfabrik, A.-G. - Bremen (Norddeutscher
Lloyd), sowie die Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg
und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg, A.-G. an.*)

7 Elektrotechnische Zeitschrift 1904, Seite 162 und 361.
        <pb n="145" />
        ﻿VIII. Die grossen zukünftigen
Probleme der schweizerischen
ElektrizitätSwindustrie.

Schon mehrfach wurde im Vorangegangenen darauf
hingewiesen, welche hohe Bedeutung die Wasserkräfte
der Schweiz durch die Entwicklung der Elektrotechnik
gewonnen haben. Die Sorge für die Erhaltung dieser
Kräfte bildet heute mehr wie je eine der Richtpunkte
der schweizerischen Wirtschaftspolitik. Bei der Armut
des Landes an mineralischen und fossilen Schätzen
müsste seine Industrie von Jahr zu Jahr weiter in Ab-
hängigkeit zum Auslande geraten, hätte Mutter Natur
nicht in den in reichem Masse vorhandenen Wasser-
kräften ein Mittel gegeben, das geeignet ist, einen an-
nehmbaren Ausgleich herbeizuführen. Weitgehendste
Dienstbarmachung dieses Naturschutzes für Zwecke des
Transportwesens und für industrielle Betätigung ist da-
her das Ziel, dem nachzustreben die schweizerischen
Elektrizitätsfirmen schon seit einiger Zeit zu ihren
wichtigsten Aufgaben zählen. Leider stehen der Er-
reichung dieses Zieles Hindernisse aller Art noch ent-
gegen. Grosse, einheitliche Projekte können vielfach
deshalb nicht zur Durchführung gelangen, weil die Kon-
zession für die Wasserkraftanlagen von den Gemeinden
nach eigenem Gutdünken erteilt werden, was natürlich
eine Zersplitterung der Kräfte unvermeidbar macht,
        <pb n="146" />
        ﻿141

Wie gross die den vorhandenen Gefällen und Stau-
anlagen innewohnenden Energiemengen sind, lässt sich
mit einiger	Sicherheit auch	nicht annähernd	genau

genug	berechnen, trotzdem	dies	mehrfach versucht

wurde. Man kann nur sagen, dass neben den zur
Deckung des augenblicklichen Bedarfs für industriellen
Konsum nötigen Mengen noch ein sehr grosser Vorrat
an Reserven der Ausnutzung harrt. Diese Energie-
mengen in erster Linie im Interesse des eigenen Landes
nutzbar zu machen, ist natürlich ein unbestreitbares
Recht	des	Schweizervolkes.	Es	hiesse die	eigene

Waffe	dem	Konkurrenten in	die	Hand legen,	würde

man die Wasserkräfte der ausländischen Industrie, die
ohnehin mit günstigeren Produktionsverhältnissen arbeitet,
überlassen. Letzteres zu verhindern, war der Zweck
einer Petition, welche die schweizerische Gesellschaft
»Freiland“ schon 1891 bald nach dem wohlgelungenen
Verlauf des Versuchs der Kraftübertragung von Lauffen
nach Frankfurt a. M. der. schweizerischen Bundes-
versammlung überreichte und welche dahinging, die
sämtlichen noch unbenutzten Wasserkräfte der Schweiz
zn Eigentum des Bundes zu erklären, die Ausbeutung
derselben sowie die Fortleitung der gewonnenen Energie
durch Elektrizität, Druckluft usw. dem Bunde vorzu-
behalten. Die Eingabe war erfolglos. Erst im Verlolg
oiner von weitblickenden Männern Ende 1902 wiederum
eingereichten Motion fasste der Bundesrat im Dezember
1905 einen Beschluss, der in der Hauptsache Fügendes
bestimmt: „Die Ableitung von elektrischer Enei gie, weiche
ganz oder zum Teil aus inländischer Wasserkraft ge-
wonnen wird, ins Ausland bedarf der bundesräthchen
Bewilligung. Staatsverträge sind Vorbehalten. Der
        <pb n="147" />
        ﻿142

Bundesrat wird die Bewilligung erteilen, insofern und
insoweit die Wasserkraft nicht im Inlande Verwendung
findet oder deren Verwertung ins Ausland nicht in-
ländischen Interessen zuwiderläuft. Die Bewilligung
wird auf eine bestimmte Dauer erteilt, welche nicht
mehr als zwanzig Jahre beträgt, und kann auf Antrag
des Inhabers ein oder mehrere Male abgeändert oder
erneuert werden. Jede Bewilligung kann vom Bundes-
rat während ihrer Dauer jederzeit gegen Entschädigung
widerrufen werden. Für die Feststellung der Ent-
schädigung ist im Streitfall das Bundesgericht zuständig.
Die Steuerhoheit und die Wasserrechtsgesetzgebung der
Kantone bleiben, innert der Schranken der Bundes-
verfassung und dieses Bundesbeschlusses, gewahrt.
Dieser Bundesbeschluss soll nach dem Anträge des
Bundesrats als dringlich erklärt werden und sofort in
Kraft treten.“

Ist man also nicht so weit gegangen, wie es die
Gesellschaft „Freiland“ wünschte, nämlich die Aus-
nützung der Wasserkräfte zu einem Staatsmonopol zu
erklären, so ist doch erreicht worden, dass ein Abschluss
der Energie ins Ausland nunmehr nur unter erschweren-
den Umständen möglich ist.*)

In den letzten Jahren beschäftigte man sich im be-
nachbarten Baden mit der Ausarbeitung eines Kosten-
planes über die Schiffahrt aui dem Oberrhein sowie
deren Nutzbarmachung und Ausgestaltung bis Konstanz.
Welche Vorteile der Lösung dieses Projektes auch .für
die Schweiz entspringen werden, lässt sich noch nicht
völlig ermessen. Zu wünschen wäre aber, dass es bald
zur Ausführung gelange.

*) Vgl. Beitrag zur Verstaatlichung der Wasserkräfte in der
Schweiz von A. Reilstab, Zürich.
        <pb n="148" />
        ﻿143

In Deutschland, wo die Zahl der rationell verwert-
baren Wasserkräfte eine verhältnismässig beschränkte
ist, werden kostspielige Wasserbauten, wie die Tal-
sperren, errichtet. Grössere Projekte wegen der Nutz-
barmachung von Wasserkräften brachte in den letzten
Jahren Frankreich zur Durchführung, ln Italien ist man
eifrig bestrebt, die Wasserläufe des Landes als Ersatz
für die fehlenden Kohlen in Anspruch zu nehmen.
Schweden bestellte 1899 ein Komitee mit dem Auftrag,
Bericht zu erstatten über die Nutzbarmachung der staat-
lichen Wasserläufe. Die Untersuchung soll das Vor-
liegen sehr günstiger Verhältnisse ergeben haben. In
Norwegen ist das Projekt der Nutzbarmachung von rund
140,000 HP. allein in der Umgebung von Christiania
ausgearbeitet worden; 40,000 HP. davon sind bereits in
Dienst. Auch Spanien erwartet von der Nutzbarmachung
seiner Wasserkräfte grosse Erfolge, insbesondere im
Hinblick auf die Gewinnung elektrischer Energie. Soll
da die Schweiz, die doch die vollendetsten Anwen-
dungsformen der Elektrotechnik besitzt, zurückstehen?
Möglichst rationelle Heranziehung der zahlreichen Fluss-
gefälle und Seenabflüsse zur Deckung des inländischen
Energiebedarfs und Herstellung der dafür nötigen An-
lagen ist also das erste grosse Problem der schweize-
rischen Elektrizitäts-Industrie.

Ein weiteres grosses Problem, dem nicht mindei
reges Interesse entgegengebracht wird, ist die Um
Wandlung des Dampfbetriebes der schweizerischen
Eisenbahnen in elektrischen Betrieb. In relativ kuizei
Zeit richtete die Firma Brown, Boveri &amp; Co. A.-G. den
elektrischen Betrieb im Simplon-Tunnel \eisuchswcisr
auf ihre eigenen Kosten ein. Der Betrieb soll nach
        <pb n="149" />
        ﻿144

Ueberwindung der ersten mit dem Tunnelbetriebe zu-
sammenhängenden Schwierigkeiten jetzt anstandslos
funktionieren. Ebenfalls von der genannten Gesellschaft
übernommen wurde die Elektrisierung der schweizer.
Seetalbahn. Die Maschinenfabrik Oerlikon machte, wie
bereits auf S. 14 erwähnt wurde, Versuche auf einer
Bundesbahnstrecke, die voraussichtlich bald zum Ab-
schluss kommen. Die Versuche, welche gemacht werden,
haben nicht so sehr den Zweck, gewisse Geschwindig-
keiten zu erzielen, wie dies bei dem Versuche Marien-
feld-Zossen der Fall ist, — in der Schweiz muss der
Zug anhalten, lange bevor er eine Geschwindigkeit von
200 km erreicht hat — als vielmehr den, die Betriebs-
kosten herabzumindern und den Kohlenkauf beziehungs-
weise den Kohlenimport möglichst unnötig zu machen.
Eine spezielle Bedeutung gewinnt der Versuch der
Maschinenfabrik Oerlikon dadurch, dass bei ihm eine
Neuerung der Stromabnahme, der Hochspannungs-Ein-
phasenstrom, zur Anwendung kommt. Die Besonder-
heiten einer derartigen Anlage sind im wesentlichen die
folgenden:*) Das schon vorhandene Rohmaterial (Wagen)
wird unverändert weiter benutzt, der Strom auf der
Maschine (Lokomotive) umgeformt. Die Möglichkeit der
Umformung auf der Maschine selbst bietet den gewaltigen
Vorteil, dass bereits bestehende Kraftquellen an die
Bahn angeschlossen und ausgenutzt werden können.
Um gewisse Strecken elektrisch zu betreiben, braucht
also nicht erst die Herstellung neuer Kraftquellen ab-
gewartet werden. Ein einphasiger Wechselstrom von
14,000 Voll Spannung bedingt nur einen Leitungsdraht
von 8 mm Durchmesser. Die Leistung der Lokomotive
*) Schweizerische Handelszeitung 1904, No. 32.
        <pb n="150" />
        ﻿— 145

beträgt 2000 PS., gleich der bei der Fortbewegung eines
doppelt bespannten Expresszuges der Gotthardbahn ent-
wickelten Kraft, und die Menge des zugeführten Stromes
160 Amp. Die Zuleitungsdrähte können doppelseitig
angebracht werden und hat man dann stets gleich einen
Reservedraht zur Verfügung. Die Stromzuleitung ist
automatisch verstellbar. Vor- und Rückwärtsfahrt ist
ohne Verschiebung der Leitung möglich. Der Strom
kann zu jeder Zeit und auch an jedem beliebigen Ort
unterbrochen werden; dies ist vor allem insofern wichtig,
als es zur Verhütung von Unglücksfällen beiträgt. Die
für den elektrischen Betrieb hergerichtete Strecke kann
nach wie vor mit Dampflokomotiven befahren werden.
Da der vorhandene Bahnkörper sowie das Rollmaterial
weiterbenutzt werden können, erfordert die Umwandlung
vom Dampf- zum elektrischen Betrieb keine allzu grossen
Geldopfer.

Ein anderer neuartiger elektrischer Bahnbetrieb,
den die Generaldirektion der Schweiz. Bundesbahnen
studiert und der seiner Eigenart wegen selbst über Fach-
kreise hinaus Aufmerksamkeit erregte, beruht ebenfalls
uuf möglichster Weiterbenutzung der vorhandenen Be-
triebsmittel (Bahnkörper, Wagen und Lokomotiven), aber
in der Weise, dass die Lokomotive für „elektrothermische
Krafterzeugung auf ihr selbst eingerichtet wird. Wegen
der immer noch mangelhaften Sicherheit im Hinblick
auf mögliche Stromunterbrechung ist letzteres von hohem
Werte. Eine vollkommene Ausnutzung der erzeugten
Kraft wird durch die Möglichkeit erzielt, den Zuö auch
elektrisch heizen zu können. Der Umbau der gewöhn
liehen Lokomotiven in elektrothermische erfordert die

Beseitigung der Feuerbüchsen und Siederohre und

io
        <pb n="151" />
        ﻿146

Ersatz' derselben durch parallele, den Kessel in der
Längsrichtung durchziehende elektrische Holzwände.
Am Führerstand ist nur eine Schalttafel mit einigen
Um- und Ausschaltungen sowie Apparaten zur Messung
des .Stromes anzubringen. Die übrige Einrichtung der
Lokomotive bleibt bestehen. Man rechnet, dass ein
stündlicher üampfverbrauch von 1000 kg eine Strom-
zuführung von ca. 225 KW., ein für die Praxis durchaus
zulässiges Verhältnis, beansprucht. Hauptvorzüge des
elektrothermischen Betriebs sind: Geringe Kosten der
Umgestaltung, leichte Belehrung des bedienenden
Personals, Erhaltung der bisherigen Heizung und Brem-
sungen der Wagen, Sammlung von Erfahrungen über
den elektrischen Vollbahnbetrieb vor etwaiger Einführung
der Zugbeförderung mit Elektromotoren und Erleich-
terung des Ueberganges auf letztere.*)

Gelingt der eine oder andere Versuch, so ist den
Konstruktionsfirmen auf viele Jahre hinaus volle Be-
schäftigung auf dem Gebiete der elektrischen Zug-
beförderung gesichert. Dies wäre von so grosser volks-
wirtschaftlicher Bedeutung, dass, sobald erst einmal
durch praktische Erfahrungen die finanzielle und tech-
nische Ueberlegenheit oder doch mindestens Gleich-
wertigkeit des elektrischen Vollbahnbetriebes gegenüber
dem Dampfbetriebe erwiesen sein würde, mit aller Kraft
auf die Inangriffnahme der vorliegenden Projekte hin-
gewirkt werden müsste. Die finanzielle Gleichwertigkeit
oder Ueberlegenheit des elektrischen Betriebes ist für
die Schweiz — trotz Wasserkräften — noch keineswegs
als erwiesen zu betrachten. Die Finanzierungsfrage,
die als Hemmnis bei der Einführung des elektrischen

•) Schweiz. Handels-Zeitung 1904, No. 42.
        <pb n="152" />
        ﻿147

Bahnbetriebes angesehen werden kann, wird /in der
Schweiz keineswegs so leichten Schrittes gelöst wie in
anderen Ländern, da die erforderlichen, wenn auch
verhältnismässig geringen Kapitalien für die Schweiz
immerhin enorme Summen bedeuten.

Eine ins Leben gerufene „Schweizerische Studien-
kommission für elektrischen Bahnbetrieb“, bestehend
aus namhaften Technikern, Vertretern der Bundes-
bahnen, der Gotthardbahn und einzelner Elektrizitäts-
firmen, beschäftigt sich mit der Beschaffung der für
einen Entscheid notwendigen Unterlagen, sowie mit der
Vergleichung und Erörterung der bisher in Europa und
Amerika gewonnenen praktischen Resultate.

Ein ferneres grosses Problem ist die Schiffbar-
machung des Oberrheins und die Einführung der Binnen-
schiffahrt auf dem Rhein von Basel ab bergwärts, auf
dem Tessin und auf dem Po. Die Lösung dieses
Problems liegt in der Einrichtung elektrischer Schleppung
aut den betreffenden Flussläufen. Die an Ort und Stelle
befindlichen Elektrizitätswerke würden damit eine nicht
unwesentlich intensivere Ausnützung erfahren. Die
Herrichtung der genannten Wasserläufe zu Verkehrs-
strassen und die weitere Ausnützung der Elektrizitäts-
werke für die Sehleppschiffahrt würde sicher der
schweizerischen Volkswirtschaft neues Leben zuführen.
Zu hoffen ist, dass die Inangriffnahme der nötigen Voi-
arbeiten in eine nicht zu ferne Zukunft verschoben wird.
        <pb n="153" />
        ﻿\

Rückblick und Äusbliek.

Hand in Hand mit der wissenschaftlichen Forschung
fortschreitend und stets bemüht, sich deren Ergebnisse
zu nutze zu machen, hat sich im Laufe eines halben
Jahrhunderts in der Elektrotechnik ein Industriezweig
entwickelt, der heute zweifellos einer der bedeutendsten
Faktoren in der schweizerischen Volkswirtschaft bildet.
1850 noch nicht einmal imstande, ein Angebot auf Liefe-
rung von kleinen Apparaten, wie sie für die Zwecke der
Telegraphie benötigt werden, zu machen, hat sich die
schweizerische elektrische Industrie in wenig mehr als
einem Menschenalter zu einer solchen Höhe empor-
gearbeitet, dass ihr Ruf weit über die engen Grenzen
des Heimatlandes hinaus, ja bis in die entlegensten
Gebiete des ganzen Erdballes gedrungen ist. An
die grössten Unternehmungen darf sie sich zuver-
sichtlich heranwagen. Erfolgreich vermag sie mit den
grossen Elektrizitätsfirmen des benachbarten Deutsch-
land und des fernen Amerika in Wettbewerb zu treten.
1880 in bescheidenen Anfangsversuchen erst eine einzige
bedeutendere Firma, sind es jetzt allein deren 5, die sich
mit dem Bau von elektrischen Kraftmaschinen befassen.
Vier mehr oder weniger gut fundierte Finanzgesell-
schaften, zum Teil von schweizerischen Elektrizitäts-
Grossfirmen ins Leben gerufen, sind im Laufe der letzten
10 Jahre auf dem Plane erschienen. Gewaltige Kapital-
massen wurden angesammelt und in Elektrizitätswerten
fruchtbringend angelegt. Nach Dr. Tissot (Jahresbericht
        <pb n="154" />
        ﻿149

des Schweizerischen Elektrotechnischen Vereins für 1902)
waren im Jahre 1901 in der Schweiz allein investiert in:

Beleuchtungszentralen............

Strassenbahnen...................

Hauptkonstruktionsfirmen .	.	.	.

Trusts zur Ausbeutung elektrischer
Unternehmungen (Finanzgesell-
schaften) .......................

Fr. 84,000,000,
„	32,000,000,'

„	40,000,000,

„ 147,000,000,

zusammen . Fr. 302,000,000.
Gewiss bedeutende Summen! Die Leistungen waren
dementsprechend. Fast jeder wichtigere Ort dei Schweiz
hat eine Beleuchtungs-Zentrale erhalten. Zahlreiche
Strassenbahnen des In- und Auslandes wurden mit Ein-
richtungen für den elektrischen Betrieb ausgestattet.
Eifrig ist man bemüht, die Vollbahnen tür den elektr.
Betrieb einzurichten. Auch auf dem Gebiete der Elektro-
chemie hat man bereits ein bedeutendes Feld beackert
(Aluminium-Gewinnung, Calciumkarbid-Darstellung).

Die Entwicklung war keine ungehemmte, betten
Jahren folgten magere. Ein allgemeiner Rückgang in
den Erträgnissen setzte um die Wende des Jahrhunderts
ein. Aber bereits nach wenigen Jahren vermochte unsere
Industrie sieh wieder zu erholen. Die gegenwärtige Lage
kann als eine durchaus befriedigende bezeichnet werden.
Aus der augenblicklichen guten Weltmai ktskonjunktur
z*eht auch die schweizerische Elektrotechnik

Nutzen.

Was wird aber die nähere oder entferntere Zukunft

k ■	,	Wird bei der eifrigen

bnngen, mag sich mancher fragen, vv

Tätigkeit der zahlreichen in- und ausländisc en - e

zitätsfirmen nicht bald eine Zeit kommen, w0 1 euan agen
        <pb n="155" />
        ﻿150

an Elektrizitätswerken nicht mehr zu machen sind, wo
jede bedeutendere Stadt ihre elektrische Beleuchtung,
ihre elektrische Slrassenbahn hat, wo es sich nur darum
handelt, Bestehendes zu erhalten? Was wird alsdann
den auf eine grosse Produktionsfähigkeit eingerichteten
Konstruktionswerken zu tun verbleiben? Nun, wir sind
Optimisten genug, überzeugt zu sein, dass sich den
Elektrizitätsfirmen auch fernerhin immer wieder neue
Gebiete der Betätigung erschliessen werden. Anzeichen
dafür sind genug vorhanden.

Welche grossen Probleme auf dem Gebiete der
sogen. Wasserfrage, des Vollbahnbetriebes und der
Binnenschiffahrt der baldigen Lösung harren, wurde
bereits auf Seite 140 ff. dargelegt.

Vielversprechende Aussichten auf dem Gebiete des
Transportwesens bietet ferner der Bau elektrischer Auto-
mobile und Omnibusse. Technische Unvollkommenheiten,
wie zu kurze Entladungszeit der Akkumulatoren und zu
grosses Gewicht derselben, die häufige Schwierigkeit
der Kraftbeschaffung und die hohen Fabrikatpreise sind
es wohl, welche der Ausbreitung des elektrischen Au-
tomobils bisher noch hindernd im Wege standen. In
Belgien hat man einigen der erwähnten Hindernisse
bereits dadurch zu begegnen gesucht, dass man auf
Fahrstrassen in Entfernungen von 15—20 km jeweils
Kraftstationen errichtete. Die Anlagekosten für derartige
Ladestationen dürften bald reichlich ausgeglichen sein.
Weit mehr als in Europa ist schon heute das elektrische
Automobil in Amerika verbreitet. Der elektrische Om-
nibusbetrieb hat dem Ueberlandbahn-(Schmalspurbahn-)
Betrieb gegenüber den Vorteil, dass bei dem verhältnis-
mässig geringen Kraftverbrauch der Omnibusse ihre
        <pb n="156" />
        ﻿151

Speisung durch schon für andere Zwecke vorhandene
elektrische Kraftanlagen erfolgen, diese daher besser
ausgenutzt werden können und somit eine sichere Ren-
dite gewährleisten. Dazu kommt die Geringfügigkeit der
Anlagekosten, gegenüber denen bei Schmalspurbahn-
betrieb (Bahnkörper!). Die elektrischen Omnibusse kön-
nen nicht nur zur Personenbeförderung dienen, son-
dern auch für einen billigen Gütertransport Verwendung
finden.

Im Bergbau ist es die Grubenlokomotive, lür deren
Antrieb die Elektrizität eine willkommene Kraft bildet.
Elektrisch betrieben werden an manchen Orten auch
bereits Bohrmaschinen, Fördermaschinen, Ventilatoren,
Wasserhaltungsanlagen usw. Ein nicht zu unter-
schätzender Konkurrent der elektrischen Kraft ist hier
allerdings die Druckluft. Sie — die Druckluft — kann
nicht nur für die eine absolute Kurzschlusssicherheit
bietende, pneumatische Uebertragung, sondern zugleich
als Ventilationsmittel dienen und ist aus diesem Grunde
unter Umständen der Elektrizität als vorteilhafter vor-
zuziehen.

Sehr zurück in der Verwendung elektrischer Kral t
'st man noch in der Landwirtschaft. Maschinelle Ein-
richtungen vermochten in der landwirtschaftlichen Br.
triebstechnik von jeher nur schwer Eingang zu finden.
Eum Teil liegt dies in der Natur der Sache selbst be
gründet. Die tierische Kraft ist nicht an starre Ver-
hältnisse und nicht örtlich gebunden; sie vermag sic
veränderten Arbeitsbedingungen schneller anzupasse l
l'echnisehe Unvollkommenheiten, hohe Anscha ungs
kosten sind weiter Umstände, welche den e rergang
zum mechanischen Betrieb erschweren. Zum öuten
        <pb n="157" />
        ﻿152

Teile werden diese Hindernisse aber doch durch die
Verwendung der elektrischen Kraft aufgehoben. Sie
ist nicht örtlich gebunden. An jeden Ort und in be-
liebiger Menge lässt sie sich transportieren. Verschieden-
heiten im jeweils nötigen Kraftaufwande bedingen keinen
unnötigen Energieverlust. Versuche, welche mit der
Verwendung der Elektrizität beim Pflügen, Dreschen,
Schroten usw. gemacht worden sind, haben durchaus
zufriedenstellende Ergebnisse geliefert. Auch die von
Prof. Oldenburg*) angestellten Rentabilitätsberechnungen
für Handbetrieb und elektrischen Dreschmaschinenbetrieb
sprechen nur zugunsten des letzteren. Der Landwirt
scheut allerdings vielfach noch vor den Anlagekosten
zurück, die natürlich sehr differieren, je nachdem die
Konsumstellen nahe bei einander oder in grösseren Ab-
ständen sich befinden. Bei kleineren bäuerlichen Be-
trieben fehlt es auch noch an der genügend geschulten
Bedienungsmannschaft. Schlieslich ist es der dem
Bauern besonders eigentümliche „Hang am Alten“, der
neue Betriebsweisen schwer aufkommen lässt. Nichts-
destoweniger wird es hier für die elektrische Industrie
in absehbarer Zeit sehr viel zu tun geben. Dass schon
erfolgreiche Versuche gemacht worden sind, den Pflanzen-
wuchs elektrisch zu forcieren, sei als interessante „Er-
rungenschaft der Gegenwart“ nur kurz erwähnt. Ebenso
mag nicht unterlassen werden, auf die in Deutschland
mit Ueberlandzentralen angestellten Versuche hinzu-
weisen.

Wenn zwar wenig, so doch immerhin gibt es selbst
in der Forstwirtschaft Anwendungsgebiete für Elektri-

*) Siemens &amp; Halske: Die Elektrizität in der Landwirtschaft,
Berlin 1903.
        <pb n="158" />
        ﻿153

zität. Schon bemüht man sich, elektrisch betriebene
Baumfällmaschinen zur Einführung zu bringen.

Eine wie grosse Rolle die elektrische Kraft in dei
Grossindustrie bereits spielt, und ein wie riesenhalt
grosser Raum zum weiteren Vordringen ihr darin noch
Vorbehalten ist, liegt offen zu tage. Zum Teil ist die
heutige günstige Lage der Elektrizitäts-Industrie ja hieiaul
selbst zurückzuführen. Auch das Handwerk bleibt da-
gegen nicht gleichgültig. In der Hausindustrie — Haus-
weberei — sind schon nicht unwesentliche Erfolge in
der Verwendung der Elektrizität als mechanische Hülfs-
kraft zur Unterstützung des Kleinmeisters zu verzeichnen.
In verschiedenen Gemeinden des Juras, in der Baseler
Hausindustrie wurden ärmeren Bürgern Webstuhlmotore
leihweise zur Verfügung gestellt und die dabei gemachten
Erfahrungen ermutigen durchaus zum Fortschreiten auf
dem eingeschlagenen Wege. Die allgemeine Einführung
des Kleinmotors in dem Handwerksbetrieb dürfte für die
Elektrizitätsfirmen ein recht lohnendes Feld der Be-
tätigung sein.

Nicht minder bedeutungsvoll als ein solches Vor-
wärtsschreiten in die Breite ist ein Vordringen in die
1 iefe, zum technisch Vollkommeneren. Neue Erfindung* n
und technische Neuheiten erfordern den Ersatz des Alten,
den Ersatz des minder Vollkommeneren.

Auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnik wurden

beispielsweise erst neuerdings wieder allerhand ei
besserungen vorgeschlagen, die eine Verringerung ( e
Stromverbrauchs und damit nach und nach
ständige Umwälzung herbeizuführen vermögen.

Dass die elektrischen Heizkörper sowohl in au
wirtschaften aller Art als auch im Gewerbe sich steigender
        <pb n="159" />
        ﻿154

Beliebtheit erfreuen, wurde schon an anderer Stelle
(Seite 30) angeführt.

Ist es erst gelungen, die Stromaufspeicherung in
der Akkumulatorenindustrie rationeller zu gestalten, so
wird ein nicht zu unterschätzender Fortschritt erzielt
sein. Noch mancher Wunsch, den der Techniker in
dieser Hinsicht stellen möchte, ist bis jetzt unerfüllt.
Erfinderisch veranlagten Köpfen bietet sich so Gelegen-
heit, durch Spezialisierung auf ein derartig beschränktes
Gebiet schon mit vielleicht kleinen Neuerungen in
reichem Masse neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen.

Lohnende Arbeit auf Jahre hinaus dürfte der Elektri-
zitätsindustrie auch ihr Nebenzweig, der Dampfturbinen-
bau, bieten.

Mit wievielen wertvollen Erfindungen uns die Elektro-
chemie noch beglücken wird, lässt sich nicht ermessen.
Auf Seite 98 wurde schon darauf hingewiesen, dass man
eifrig daran ist, auf elektrochemischem Wege Farbstoffe
herzustellen, Stickstoff aus der atmosphärischen Luft zu
gewinnen und Ozon zu bereiten. Vor dem Erschöpfen
der Salpeterlager in Chile braucht uns nicht mehr zu
bangen, nachdem ein Weg gefunden wurde, vermittelst
der Elektrizität den für die Landwirtschaft so notwendigen
Kalkstickstoft auch künstlich herzustellen (Cyanamid-
Darstellung).

Von welchem Gesichtspunkte aus man also die
Sachen auch ansieht, immer wieder eröffnen sich gute
Perspektiven. Stets bemüht, die Ergebnisse der wissen-
schaftlichen Forschung zur Anwendung zu bringen,
dem Forschei' aul allen seinen Wegen zu folgen, ihn
zu unterstützen, wo es not tut und geleitet von einem
        <pb n="160" />
        ﻿155

tatkräftigen kaufmännischen Unternehmungsgeist, hat
sich die schweizerische Elektrotechnik auf ihre jetzige
Höhe emporgeschwungen. Fährt sie in gleicher Weise
fort, so wird es ihr sicher gelingen, sich in Zukunft
weiter zu entwickeln, zum Segen des schönen Schweizer-
landes und seiner Volkswirtschaft.
        <pb n="161" />
        ﻿156

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Einleitung.................................................. 1

I.	Die Schwachstrom-Industrie

1.	Telegraphie...............................................3

2.	Telephonie ..............................................4

3.	Haustelegraphie..........................................6

II.	Die Starkstrom-Industrie

1.	Entwicklungsgang..........................................8

2.	Die Qrossfirmen ........................................10

a.	Maschinenfabrik Oerlikon...........................11

b.	Brown, Boveri &amp; Co. Aktiengesellschaft...............15

c.	Elektrizitätsgesellschaft Alioth...................21

d.	Compagnie de l’industrie electrique et mechanique .. 23

e.	J. J. Rieter &amp; Co., Maschinenfabrik..................25

3.	Die Spezialfabriken.....................................26

4.	Das Installationswesen..................................31

5.	Absatzverhältnisse. Handelsbilanz.......................37

6.	Preisverhältnisse der Rohmaterialien....................41

7.	Arbeiterverhältnisse

a.	Allgemeines..........................................47

b.	Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen......................56

c.	Sozialpolitische Gesetze............................ 57

8.	Der Einfluss des Aufschwunges der Starkstromindustrie auf

andere Industriezweige..................................59

9.	Der Rückschlag im Jahre 1900ff. und	seine Ursachen . . 64

10.	Interessenvereinigungen.................................69

11.	Die Fabrikate der schweizerischen elektrotechnischen In-

dustrie auf dem Weltmärkte . ...........................73

III.	Elektrizitätswerke und elektrische Bahnen ....	78

IV.	Die elektrochemische Industrie ..............................90
        <pb n="162" />
        ﻿157

Seite

V.	Der Schweizer. Elektrotechnische Verein und seine

technischen Prüfanstalten...........................99

VI.	Die Finanzgesellschaften.............................104

a.	Bank für elektrische Unternehmungen...........109

b.	Schweizerische Gesellschaft für elektrische Industrie 115

c.	..Motor“, Aktiengesellschaft für angewandte Elektrizität 120
• d. Societe Franco-Suisse pour l’Industrie Electrique . 126

VII.	Der Dampfturbinenbau, ein wichtiger Nebenzweig

der Schweiz, elektrischen Industrie.................132

VIII.	Die grossen zukünftigen Probleme der schweize-

rischen Elektrizitäts-Industrie....................140

Rückblick und Ausblick...............................148

Benutzte Literatur...................................158
        <pb n="163" />
        ﻿158

Benutzte Literatur.

Bundesgesetz, betreffend die elektrischen Schwach- und Starkstropr-
anlagen (vom 24. Juni 1902).

Statuten des Schweizerischen Elektrotechnischen Vereins (vom 12. Okt.
1902).

Jahresbericht und Rechnungsablage der Aufsichtskommission der Tech-
nischen Priifanstaiten des S. E. V. für das Jahr 1900 ff.

Organisations-Regulativ der Technischen Prüfanstalten (nach Beschluss
vom 16. August 1903).

Technische Prüfanstalten — Starkstrominspektorat (vom 20. Juni 1903).

Elektrotechnische Zeitschrift. Div. Jahrgänge. Herausgegeben in Berlin.

Schweizer. Elektrotechn. Zeitschrift. Herausgegeben in Zürich. 1903 ff.

Handbuch der Wirtschaftskunde Deutschlands, Leipzig 1903 ff.

Wirtschaftskunde der Schweiz, herausgegeben von Dr. T. Qeehring und
Dr. Hotz (Basel) 1903.

Schweizerisches Handelsblatt. 1900ff.

Berichte über Handel und Industrie der Schweiz. 1890 ff.

Statistisches Jahrbuch der Schweiz. 1892ff.

Schweizerische Fabrikstatistik vom Jahre 1888, 1895 und 1901.

Lux: Die wirtschaftliche Bedeutung der Qas- und Elektrizitätswerke
in Deutschland.

Der neueste Wegweiser und Ratgeber der Basler Handelsbank. 1900ff.

Journal telegraphique (Bern).

Schweizerische Handelszeitung.

Neue Zürcher Zeitung.

Berichte über die Schweizerische Landesausstellung, 1883.

Produktion et utilisation d electricite, Zürich 1903.

Jörgens: Finanzielle I rustgesellschaften, München 1902. Brentano’sche
Sammlung.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung und Lage der deutschen elektro-
technischen Industrie. Nach einem Vortrag von Dr. R. Bürner,
Berlin 1903.
        <pb n="164" />
        ﻿159

Berichte und Mitteilungen der Handelskammer Zürich. 1900 ff.

Handelsberichte der schweizerischen Konsulate. 1895ff.

Berichte des Vereins schweizerischer Maschinenindustrieller. 1887 ff.

Berichte des schweizerischen Qewerbevereins. Jahrgang 1895 ff.

Schweizerische Bauzeitung. Jahrgang 1895 ff.

Schweizerisches Finanz-Jahrbuch. 1899 ff.

Die Geschäftsberichte der schweizerischen und deutschen Elektrizitäts-
gesellschaften vom Jahre 1890ff.

Die Kartellrundschau. Wien 1903.

Buch der Erfindungen, 111. Band, von A. Wilke herausgegeben, Leipzig 1895.

Bericht des schweizerischen Handelsdepartements. 1900.

Kreller: Die Entwicklung der deutschen elektrotechnischen Industrie
und ihre Aussichten auf dem Weltmarkt. Staats- und sozialwissen-
schaftliche Forschungen, herausgegeben von Gustav Schmoller
und Max Sering, Leipzig 1903.

Löwe: Die elektrotechnische Industrie. Vom Verein für Sozialpolitik
herausgegeben. Leipzig 1903.

Oettel: Die Entwicklung der elektrochemischen Industrie, Stuttgart 1896.

Fasolt: Die sieben grössten deutschen Elektrizitätsgesellschaften, ihre
Entwicklung und Unternehmertätigkeit, Heidelberg 1904.

Siemens: Lebenserinnerungen, Berlin 1893.

Reilstab: Beitrag zur Verstaatlichung der schweizerischen Wasserkräfte,
Zürich 1900.

Basse: Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft und ihre wirtschaft-
liche Bedeutung. Heidelberg 1902.

Iselin: Elektrizität und Seidenbandindustrie, Basel 1904.

Statistik des Warenverkehrs der Schweiz mit dem Auslande. 1890 ff.

Berichte der schweizerischen Fabrikinspektion vom Jahre 188Uff.

Herkner: Die Arbeiterfrage, 111. Auflage, Zürich 1902.

Notice sur les institutions de contröle de l’association suisse des
electriciens, Zürich.

Schweizerisches Obligationenrecht.

Statuten der Hülfskasse der Arbeiter und Angestellten von den
schweizerischen Elektrizitätsfirmen.

Statuten für die Arbeiterkommission der betreffenden schweizerischen

Elektrizitäts-Firmen.

Fabrikordnung der betr. schweizerischen Elektrizitäts-Firmen.
        <pb n="165" />
        ﻿
        <pb n="166" />
        ﻿137

Aber selbst bei diesem glänzenden Eriolg, den das
stem Brown, Boveri-Parsons davontrug, darf man
ht glauben, dass die Einführung des Dampfmotors
je leichte gewesen sei, insbesondere nicht au! dem
jopäischen Kontinent. Die ersten Jahre ihres Bestehens
|eten für die Dampfturbinen-Abteilungen eine Periode
i Kampfes. Zugute kam der A.-G. Brown, Bovcii
-'o. allerdings dabei, dass sic bis zum Jahre 1904 die
zige Firma auf dem europäischen Festlande war, die
är eine regelmässige Fabrikation und über eine in
1 Praxis eingeführte und in jahrelanger Erlahiung be-
jirte Maschinentype verfügte. Heute kann die ge-
nnene Position als eine gesicherte betrachtet werden.

Verwendung der Dampfturbine erstreckt sich auf
ustrien aller Art. Insbesondere ist es die lextilindustrie,
die ein exaktes und regelmässiges Arbeiten der
närmaschinen von hohem Werte ist und die sich
.halb mehr und mehr der Turbine zuwendet. Ein
Ijches gilt bezüglich derjenigen Industriezweige, die
: |en ihres ausserordentlich schwankenden Kraftbedaifs
: weitgehendsten Anforderungen an ihre Krafteizeu-
■ gsmaschinen stellen müssen, wie die Berg-undl lütt* n
: istrie. Hauptabnehmer für Dampfmotore sind die
j: Trizitätswerke. Ein weiteres wichtiges Anwendungs
Get für Dampfturbinen ist das der Fortbewegung von

: ffen. Der direkte Antrieb zeigt sich dabei Feiac'e
4 besonders vorteilhaft, wo infolge der gesteigerten

o

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CD

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4 prüche an Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit j^
f: i die kleinste, Gewichts- und Raumcrsparni^,
llinblick auf Maschinenanlage, sei es im Hin dick
f Cohlenbedarf, in Rücksicht genomm* n wel( en mu
j der Verwendung von Kolbendampfrnaschmen ist
%
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    </body>
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