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        <title>Die wirtschaftliche Entwicklung und Lage der Elektrotechnik in der Schweiz</title>
        <author>
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            <forname>Julius G.</forname>
            <surname>Einhart</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>875639712</idno>
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        1

Die
wirtschaftliche  Entwicklung  und  Lage
der  Elektrotechnik  in  der  Schweiz.

Inaugural-Dissertation
zur
Erlangung  der  staatswissenschaftlichen  Doktorwürde
der
hohen  staatswissenschaftlichen  Fakultät
der  Königlich  Uliirttembergiscben
„Eberhard  Karls-Universität“  zu  Cübingen
vorgelegt  von
Julius  6.  einhart
aus  Konstanz.

Bedruckt  bei  X  lDunz  in  Ulorms  a.  Rh.
1900.
        <pb n="2" />
        r  Bibliothek  jg
        <pb n="3" />
        REFERENT
STAATSRAT  PROF.  Dr.  v.  SCHÖNBERG.
        <pb n="4" />
        WEINEW  HOCHVEREHRTEN  LEHRER
HERRN
Dr.  Jur.  H.  SCHli/AACHER
PROFESSOR  DER  STAATSWISSENSCHAFTEN  AN  DER
UNIVERSITÄT  BONN  a.  Rh.
IN  DANKBARKEIT  GEWIDWET.

der  VERFASSER.
        <pb n="5" />
        Vorwort.

Mehrjährige  administrative  Tätigkeit  als  Kaufmann
in  meines  Vaters*)  Filialen,  gab  mir  Veranlassung  zu
nachfolgender  Darstellung  der  wirtschaltlichen  Entwicklung ­
  und  Lage  der  Elektrotechnik  in  der  Schweiz.
Durch  Beendigung  vorliegender  Arbeit  ist  m^in
sehnlichster  Wunsch,  der  Wirtschaftsgeschichte  der
Schweiz  einen  bescheidenen  Beitrag  geliefert  zu  haben,
erfüllt.  Wenn  es  mir,  auch  trotz  grosser  Bemühungen,
nicht  völlig  gelungen  ist,  meine  Inauguraldissertation,
die  im  Tübinger  Staatswissenschaftlichen  Seminar  entstanden ­
  ist,  so  zu  fördern,  wie  ich  es  wünschte,  so  hängt
dies  mit  der  Beschaffenheit  der  Arbeit  und  insbesondere
dem  überaus  wenig  verfügbaren  Material  zusammen.
Die  in  dieser  Monographie  verbliebenen  Lücken  können
wegen  des  sehr  weitschweifigen  Themas  nur  durch
weitere  Verarbeitung  der  einzelnen  Abschnitte  ausgefüllt ­
  werden.  Anregung  zu  weiteren  dankbaren  volkswirtschaftlichen ­
  Arbeiten  ist  hiermit  gegeben!
Meine  Dissertation  möchte  ich  nicht  der  Oeffentlichkeit
  übergeben,  ohne  zuvor  meinem  hochverehrten  Lehrer,
Sr.  Magnificenz  dem  Kanzler  der  Universität  1  übingen,
Herrn  Staatsrat  Professor  Dr.  von  Schönberg,  für  die
gütige  Annahme  des  von  mir  erbetenen  Themas  meinen
Dank  ausgesprochen  zu  haben.
Gleichzeitig  sei  auch  all  denjenigen  Herren  mein  \  erbindlichster
  Dank  gesagt,  die  mir  bei  der  Lösung  dieser

*)  Cf.  s.  9*.
        <pb n="6" />
        Aufgabe  durch  mündliche  und  schriftliche  Auskunfterteilung ­
  wie  auch  durch  gütige  Ueberlassung  des  hierzu
nötigen  Materials  behilflich  waren,  so  insbesondere  den
Herren  Direktoren  der  schweizerischen  Elektrizitäts-Gesellschaften
  und  Banken,  speziell  Herrn  W.  Boveri,
sowie  den  Herren:  Professor  Dr.  Wyssling  und  Syndikus
Dr.  Geehring.  Privatdozent  Dr.  Harms  sei  auch  an
dieser  Stelle  für  frdl.  Durchsicht  meiner  Arbeit  gedankt
Tübingen  1905.
.  Der  Verfasser.
        <pb n="7" />
        Einleitung.

Von  einer  nutzbringenden  Anwendung  der  Elektrizität ­
  können  wir  erst  seit  dem  19.  Jahrhundert  —  nach
der  Entdeckung  des  Elektromagnetismus  —  sprechen.
Die  Elektrotechnik  zerfällt  in  die  Schwachstromund
  Starkstrom-Elektrotechnik.  Die  Entwicklung  war
nicht  eine  gleichmässige  und  zu  gleicher  Zeit  erfolgende;
während  die  Schwachstromtechnik  in  den  achtziger
Jahren  schon  entwickelt  war,  beginnt  erst  seit  diesem
Zeitpunkt  der  Aufschwung  der  Starkstromtechnik.
Die  elektrotechnischen  Unternehmungen,  die  in
dieser  Arbeit  behandelt  werden  sollen,  lassen  sich  in
drei  Hauptgruppen  einteilen:
Die  erste  Gruppe,  die  Produzenten  elektr.  Einrichtungen, ­
  beschäftigt  sich  mit  der  Herstellung  und
dem  Bau  von  elektrischen  Apparaten.  Hierher  gehören
die  Fabriken  zur  Herstellung  von  Dynamomaschinen,
Elektromotoren,  elektrischen  Apparaten,  wie  u.  a.  Heizkörpern, ­
  Glüh-  und  Bogenlampen  etc.
Zu  der  zweiten  Gruppe,  den  Produzenten  der
elektrischen  Energie,  gleichzeitig  Konsumenten  der  elektrischen ­
  Einrichtungen,  gehören  dieElektrizitäts-Anlagen,
dazu  sind  in  erster  Linie  die  Elektrizitätswerke  und  die
elektrischen  Bahnen  zu  rechnen.
Die  dritte  Gruppe  bilden  die  Finanzgesellschaften,
die  nicht,  wie  die  erste  Gruppe,  selbst  fabrizieren,
sondern  lediglich  reine  Betriebs-  oder  Bankgesellschaften
sind,  die  sich  mit  dem  Bau  bezw.  Erwerb  solcher
Elektrizitäts-Unternehmungen  befassen.
        <pb n="8" />
        I.  Die  Sehwaehstrom~Industrie.

1.  Telegraphie.
Im  Jahre  1850  wurde  die  Lieferung  elektrischer  Apparate ­
  von  der  schweizerischen  Telegraphen-Verwaltung
nach  den  Mustern  von  Stuttgarter  Fabrikaten  in  der
Schweiz  zum  ersten  Male  öffentlich  ausgeschrieben;
es  stellte  sich  heraus,  dass  es  in  der  Schweiz  damals
noch  keine  elektro-mechanische  Geschäfte  gab,  die  sich
mit  dem  Bau  und  der  Installation  solcher  Apparate  beschäftigen. ­
  Die  Telegraphen-Verwaltung  war  nun  genötigt, ­
  selbst  die  Fabrikation  in  die  Hand  zu  nehmen.
Die  Regie  der  staatlichen  Werkstätte  wurde  dem  bewährten ­
  Altmeister  der  Schwachstromtechnik,  dem  verstorbenen ­
  Hipp  übertragen.  Die  Fabrikation  erstreckte
sich  nicht  allein  auf  Telegraphenapparate,  sondern  auch
auf  alle  zur  Installation  erforderlichen  Apparate  und
Materialien.
Die  Gründung  dieser  Werkstätte  war  gleichbedeutend ­
  mit  der  Schaffung  eines  neuen  Industriezweiges
der  Schweiz:  der  Schwachstromtechnik.
Die  Leistungsfähigkeit  der  Werkstätte  Hipp  s  war
so  bedeutend,  dass  Ende  des  Jahres  1852  schon  115
selbständige  Telegraphenstationen  im  Betrieb  standen.
Im  Jahre  1854  fand  dann  eine  Neuorganisation  dieser
Werkstätte  statt,  die  eine  weitgehende  Absatzfähigkeit
zur  Folge  hatte.  Man  arbeitete  nun  auch  für  das  Aus ­
        <pb n="9" />
        4

land,  insbesondere  für  die  Nachbarländer  Frankreich  und
Italien,  und  dehnte  den  Arbeitskreis  im  Jahre  1857  weiter
auf  die  Haustelegraphie,  einschliesslich  des  Baues  elektrischer ­
  Uhren,  aus.  Die  Prosperität  des  Etablissements
war  demnach  eine  gute  zu  nennen.
Im  Jahre  1865  ging  die  unter  eidgenössischer  Verwaltung ­
  stehende  Werkstätte  durch  Verkauf  in  Privatbesitz ­
  über,  da  sich  mit  der  Zeit  —  1860  Reorganisation  —
gewisse  Misstände  in  der  Regie  zeigten,  die  sich  der
weiteren  gedeihlichen  Entwickelung  als  Hindernis  entgegenstellten. ­

Die  unterdessen  in  Neuchätel  gegründete  zweite
Telegraphenwerkstätte,  die  dererstenmustergiltigzur  Seite
gestellt  werden  konnte,  deckte  nun  im  Verein  mit  dieser
den  inländischen  Bedarf.  Eine  ausländische  Konkurrenz
war  so  gut  wie  ganz  ausgeschlossen.
Nicht  unerwähnt  soll  bleiben,  dass  bald  nach  der
praktischen  Verwendung  dieses  internationalen  Verkehrsmittels ­
  zur  Geltendmachung  einheitlicher  Normen  für
den  Kontinent  im  Jahre  1856  ein  allgemeiner  Telegraphenverein ­
  gegründet  wurde,  dem  sich  auch  die  Schweiz
anschloss.*)

2.  Telephonie.
Wie  die  internationale  Bell  Ielephone  Compagnie
in  einer  Reihe  grösserer  Städte  Europas  den  Grundstock
*)  Die  physikalische  Industrie  von  Rothen-Bern  1883.  Separatabdruck ­
  aus  den  Berichten  über  die  Schweizer  Landesausstellung,
Zürich  1883.
        <pb n="10" />
        5

zum  telephonischen  Verkehr  legte,  so  ergriff  diese  Gesellschaft ­
  im  Jahre  1879/80  auch  in  der  Schweiz  die  Initiative ­
  zum  Ausbau  eines  Telephonnetzes.  Die  von  ihr
zuerst  in  Zürich  gegründete  Telephongesellschaft  ging
in  den  80er  Jahren  in  eidgenössischen  Besitz  über.  Die
amerikanische  Telephongesellschaft  hatte  für  fünf  Jahre
die  Konzession  von  der  eidgenössischen  Telegraphenverwaltung ­
  erhalten.  Die  Zahl  der  Telephon-Abonnenten
wuchs  von  Jahr  zu  Jahr,  sodass  1883  schon  845  private
und  12  öffentliche  Sprechstellen  vorhanden  waren.  Vom
Jahre  1881  ab  wurden  in  allen  grösseren  Städten  der
Schweiz  Telephon-Netze  errichtet.  Die  Apparate  zur  inneren ­
  Einrichtung  der  Telephon-Stationen  wurden  von
der  Bell  Telephone  Compagnie  geliefert.
Erst  im  Jahre  1881  stellten  auch  die  schweizer
Werkstätten  elektrische  Telephonapparate  her,  zum  Teil
nach  eigenen  Modellen,  so  die  Werkstätte  der  Telephongesellschaft ­
  Zürich,  das  Etablissement  zur  Herstellung
telegraphischer  und  elektrischer  Apparate  zu  Neuchätel,
die  Fabrik  elektrischer  Apparate  zu  Uster  und  die  mechanischen ­
  Werkstätten  Kälin-Einsiedeln  und  Hassler-Bern,
und  erwarben  sich  durch  ihre  gediegenen  Konstruktionsarbeiten ­
  bald  einen  bedeutenden  Absatz  im  In-  und
Auslande.*)
Nachstehende  Tabelle  zeigt  die  allgemeine  Entwicklung ­
  der  Telephonie  und  Telegraphie  in  der  Schweiz
und  deren  Kostenaufwand.

)  Die  physikalische  Industrie  von  Weber-Zürich  1883.  Separatabdruck ­
  aus  den  Berichten  über  die  Schweizer  Landesausstellung.
Zürich  1883.
        <pb n="11" />
        6

Jahr

Länge  d.  Teleph.-u.

  Telegr.-Drähte

1852

km

1,920,0

1855

V

2,652,0

1860

n-4,104,0



1865

r&amp;gt;

5,990,0

1870

11,057,6

1875

n

15,442,6

1880

16,007,6

1885

n

21,960,3

1890

•n

35,342,2

1895

r&amp;gt;

73,208,0

1901

»

209,027,9

1902

Y)

230,841,8

Zus.

Erstellungskosten
der  Linien
Fr.  254,898,15
„  75,265,84
„  84,478,04
59,592,72
„  180,906,66
„  225,341,90
„  861,65
„  358,708,36
„  733,024,76
„  1,317.794,01
„  3,809,006,—

Fr.  32,900,762,83

Gesamtausgaben  für
Bau  der  Aemter  etc.
Fr.  424,081,55
„  324,520,05
„  439,856,77
„  657,533,48
„  1,326,818,29
„  2,047,671,86
„  1,812,906,65
„  2,655,810,82
3,266,834,44
„  5,606,820,94
„  10,629,565,36
„  10.476,559,84
Fr.  143,557,999,51*)

3.  Haustelegraphie.
Die  Haustelegraphie,  die  in  der  Schweiz  von  den
Firmen  G.  Hassler  (Bern),**)  Peyer-Favarger  &amp;amp;  Co.  (Neuchätel)
  und  Zellweger  (Uster)  vertreten  wird,  hat  sich
später  entwickelt.  Dieselbe  ist  ausschliesslich  Kleinindustrie. ­
  Die  Spezialartikel  der  schweizerischen  Haus*) ­

  Laut  Geschäftsbericht  der  Telegraphen-Verwaltung  im  Bundesblatt ­
  1905  Bd.  II,  S.  120.
**)  Vgl.  Die  kommerzielle  und  industrielle  Schweiz  1903.  Separatabdruck ­
  der  Firma.
        <pb n="12" />
        7

telegraphie  haben  sich  infolge  ihrer  vorzüglichen  Ausführung ­
  bald  eine  Monopolstellung  im  In-  und  Auslande
gesichert.*)
Vgl.  Telegraphie  und  verwandte  Apparate  von  Dr.  Tobler.
Separatabdruck:  Die  physikalische  Industrie  Zürich  1883.
        <pb n="13" />
        II.  Die  Starkstrom~Industrie.

1.  Entwicklungsgang.
Nach  der  Entdeckung  des  dynamoelektrischen
Prinzips  begann  die  eigentliche  wirtschaftliche  Nutzbarmachung ­
  der  Elektrotechnik,  und  zwar  in  den  verschiedenen ­
  Formen:  „Licht  und  Kraft“,  „Chemie  und
Metallurgie“.
Im  Jahre  1888  finden  wir  in  der  Schweiz  schon  fünf
Etablissements  mit  dem  Bau  von  Dynamos  beschäftigt.
Insbesondere  ist  die  Basler  Firma  Bürgin  zu  erwähnen.
Der  Ingenieur  Bürgin  hat  um  das  Jahr  1880  eine  sehr
geistreiche,  von  Gramm  nnd  Siemens  ganz  verschiedene,
Dynamomaschine  konstruiert  und  die  ersten  4  schweizerischen ­
  Dynamos  nebst  einem  Dutzend  Bogenlampen  bei
Turrcttini  in  Genf  installiert.  Diese  „Spezialtype“  hatte
damals  die  weitgehendste  Verbreitung  gefunden.  Auch
in  England  wurde  die  Bürginmaschine  gebaut.  Am
8.  September  1881  wurde  die  Firma  Bürgin  &amp;amp;  Alioth
gegründet,  welche  die  von  Bürgin  begonnene  Fabrikation
fortsetzte.  Bürgin  zog  sich  schon  1883  aus  dem  Geschäfte ­
  zurück;  dasselbe  wurde  nun  unter  der  Firma
R.  Alioth  &amp;amp;  Co.  weitergeführt.*)
Auf  der  Landesausstellung  in  Zürich  hatten  auch
die  Werkstätten  von  Hipp,  Meuron  et  Cuenod  (Genf)
Dynamomaschinen  nach  dem  System  von  R.  Thury,
*)  Durch  frdl.  Vermittlung  Dr.  Qeehring’s  von  der  Elektrizitäts-Akt.-Qesellschaft
  Alioth  Münchenstein-Basel  erhalten.
        <pb n="14" />
        9

jetzt  die  Firma  Compagnie  de  l'industrie  electrique  et
mechanique  Geneve,  ausgestellt.
Audi  die  Züricher  Telefongesellschaft  baute  Dynamos ­
  und  hatte  s.  Z.  auf  der  Ausstellung  solche  vorgeführt.
Ferner  fing  die  Sociütü  genüvoise  pour  la  construction
d’  instruments  de  physique  in  den  80  er  Jahren  an,  sich
damit  zu  beschäftigen.  Die  grossen  Erfolge,  die  der
Dynamobau  sich  gesichert  hatte,  gingen  von  der  Beleuchtungstechnik ­
  aus,  die  als  erstes  Verwendungsgebiet
betrachtet  werden  kann.  Die  Ausgestaltung  der  Glühund
  Bogenlampen  bewirkte  zugleich  eine  Preisermässigung
  der  Dynamos  und  mit  der  rasch  wachsenden  Verwendung ­
  wurden  sie  bald  ein  bedeutender  Industrieartikel. ­
  -
Der  Lichtmaschine  folgte  die  Kraftmaschine,  mit
welcher  im  Jahre  1888  die  elektrotechnische  Firma
Julius  Einhart-Konstanz  und  Krcuzlingen*  **) )  den  ersten
kleineren  praktischen  Versuch  machte,  Kraft  von  Konstanz ­
  (Baden)  nach  Emmishofen  (Schweiz)  zu  leiten,
was  ihr  auch  gelang.  Einhart  erwarb  sich  dadurch  das
Verdienst,  die  erste  elektrische  Kraftübertragung  Deutschlands ­
  und  der  Schweiz  —  und  wohl  auch  der  Welt  —
zur  Ausführung  gebracht  zu  haben.  Dies  hatte  eine
entscheidende  Wendung  für  die  Elektrotechnik  zur  Folge
und  kam  insbesondere  in  dem  nächsten  Jahrzehnt  zum
Ausdruck,  als  die  Maschinenfabrik  Oerlikon"*)  gemeinschaitlich
  mit  der  Allgemeinen  Elektrizitäts-Gesellschaft
Berlin  1891  die  Kraftübertragungsanlage  Lauben  a.
Neckar  Frankfurt  a.  Main  vollendete.  Man  hatte  es
mit  Wechselströmen  von  25000  Volt  Spannung  zu  tun.

*)  Vergl.  Buch  der  Erfindungen  von  Hartleben  s  Verlag.  Wien  1886.
**)  Nach  Berichten  der  Maschinenfabrik  Oerlikon  1903.
        <pb n="15" />
        10

Die  Distanz  betrug  I70  km,  der  Nutzeffekt  75°/ 0 .  Die
grösseren  Kraftübertragungsversuche  scheiterten  ehedem
fast  alle,  weil  der  erzielte  Nutzeffekt  zu  gering  (ca.  40-50%)
  war.  Heute  betragen  die  Verluste  bei  Fernleitungen ­
  von  ca.  150  km  bei  einer  Spannung  von
30—40000  Volt  nur  noch  5—12  °/ 0 .
Alle  diese  Fortschritte  befähigten  die  Elektrotechnik,
auf  vielen  Gebieten  mit  den  bestehenden  Industrien  in
Konkurrenz  zu  treten.  —  Licht-  und  Kraftbetrieb  finden
seit  Mitte  der  90er  Jahren  ausgedehnte  Verwendung,
insbesondere  die  Kraftübertragung.  Auch  die  Elektrochemie ­
  änderte  ihre  Gestalt:  aus  der  Klein-Industrie
wurde  eine  Gross-Industrie.
Ende  der  80er  Jahre  verschob  sich  auch  das  Bild
in  der  Fabrikation  der  Bedarfsartikel  für  die  Schwachund
  Starkstrombranche:  man  ging  zur  Spezialfabrikation
über,  während  früher  eine  Fabrik  (z.  B.  Alioth)  alles,
was  für  eine  Starkstrom-Anlage  nötig  war,  wie  Beleuchtungskörper, ­
  Messapparate,  Schaltapparate  usw.,
selbst  herstellte.  Vor  allem  war  es  die  Technik  selbst,
die  einen  spezialisierten  Betrieb  forderte;  die  modernen
amerikanischen  Spezial-Arbeitsmaschinen  verdrängten
bald  den  teuren  Feinmechaniker  und  setzten  billige
Maschinenarbeiter  und  Lehrlinge  an  seine  Stelle.

2.  Die  Grossfirmen.
Aus  dem  vorigen  Abschnitt  ersehen  wir,  dass  die
Reife  der  Starkstromtechnik  noch  relativ  sehr  jung  ist.
Es  waren  daher  keine  schwierigen  Klippen  von  ver ­
        <pb n="16" />
        11

alteten  Konstruktionen  zu  umschiffen  und  dies  ist  nicht
einer  der  geringsten  Gründe,  weshalb  diese  Industrie,
wie  kaum  eine  zweite,  in  verhältnismässig  kurzer  Zeit
eine  so  gewaltige,  technische  -und  wirtschaftliche  Entwicklung ­
  aufzuweisen  hat.
Es  ist  interessant,  die  Entwicklung  der  fünf  grössten
Firmen  der  Elektrizitätsbranche  in  der  Schweiz:  Maschinenfabrik ­
  Oerlikon,  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  Aktien-Gesellschaft,
  Elektrizitäts-Gesellschaft  Alioth,  Compagnie
de  l’industrie  dlectrique  et  mechanique  und  J.  J.  Rieler
&amp;amp;  Cie.  Maschinenfabrik  Winterthur,  im  einzelnen  zu  betrachten. ­


a.  Maschinenfabrik  Oerlikon.
Die  Maschinenfabrik  Oerlikon  in  Oerlikon*)  unterscheidet ­
  sich  von  den  anderen  Grossfirmen  dadurch,
dass  sie  sich  mit  allen  Gebieten  der  Starkstromtechnik
befasst  und  ausserdem  noch  verschiedene  andere
Maschinen,  insbesondere  Werkzeugmaschinen,  fabriziert.
Die  Firma  war  bis  gegen  Ende  der  neunziger  Jahre  die
grösste  Elektrizitätstirma  der  Schweiz.  Ihre  Gründung
fällt  in  das  Jahr  1872.  Sie  wurde  als  offene  Handelsgesellschaft ­
  unter  dem  Namen  „Werkzeugmaschinenfabrik ­
  Oerlikon“  mit  bescheidenen  Mitteln  gegründet.
Zunächst  befasste  sie  sich  mit  dem  Bau  von  Holzbearbeitungsmaschinen, ­
  später  mit  der  Fabrikation  von
Werkzeugmaschinen.  1875  wurde  der  kirma  die  Herstellung ­
  und  der  Vertrieb  von  Mühlenartikeln  nach  den
Erfindungen  von  Wegmann  für  ganz  Europa  übertragen.
Die  stetige  Ausgestaltung  der  Fabrikation  bedingte
*)  Den  Berichten  der  betreffenden  Firma  entnommen.
        <pb n="17" />
        -  12  -
eine  Aenderung  der  Gesellschaftsform  und  so  wurde
die  offene  Handelsgesellschaft  in  eine  Aktiengesellschaft
umgewandelt.  Hierdurch  war  die  Handhabe  gegeben,
die  für  eine  Erweiterung  des  Betriebes  bis  zur  Grenze  der
Absatzmöglichkeit  benötigten  Kapitalien  ohne  Schwierigkeit ­
  zu  beschaffen,  während  andererseits  auch  der  Zufluss
von  Kapital  belebend  auf  die  Produktion  wirkte.  Mitte
der  achtziger  Jahre  wandte  sich  die  Gesellschaft  dann
der  Elektrizitätsbranche  zu  und  änderte  ihre  Firma  demgemäss ­
  in  „Maschinenfabrik  Oerlikon“.  Die  Erweiterung
des  Arbeitskreises  halte  später  naturgemäss  auch  eine
Zunahme  der  Arbeitskräfte  im  Gefolge.
Es  waren  beschäftigt:

Arbeiter:

Angestellte

:  Zusammen

1895/6

i  1005

155

=  1160

1896/7

1444

177

=  1621

1897/8

1588

208

—  1788

1898/9

1673

229

=  1902

1899/0

1640

264

=  1904

1900/1

1530

313

=  1843

1901/2

1630

345

—  1975

1902/3

1480

356

=  1836*)

Ueber  die  Entwicklung  des  Geschäftes  gibt  auch
folgende  kurz  gefasste  Bilanz-Tabelle  Aufschluss  (in  Kr.
ausgedrückt):
1899  1900  1901  |y02  1903
A.  ’)  9,150,(XX)  10,300,000  10,300,000  I2,7&amp;lt;&amp;gt;0,000  12,700,000
B.  a )  9,800,000  10,000,000  10,000,000  12,500,000  13,000,000
C.  3 )  310,000  310.000  375,000  400,000  400,000
*)  Obige  Tabelle  von  der  Direktion  der  Maschinenfabrik  Oerlikon
freundlichst  überwiesen  erhalten.
')  A  enthält  =  Bilanzmässiges  Kapital  (Aktien-Kapital,  Obligationen ­
  etc.)
        <pb n="18" />
        —  13  -
Die  Kapitalmacht  wird  von  der  Bank  für  elektrische
Unternehmungen  in  Zürich,  mit  welcher  auch  die  deutsche
Firma  Allgemeine  Elektrizitätsgesellschaft  Berlin,  Brown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  A.-G.  und  andere  Elektrizitätsfirmen  arbeiten, ­
  noch  verstärkt.
Trustgesellschaften,  wie  die  „Motor“-Elektrizitätsaktiengesellschaft
  (von  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  A.-G  in’s
Leben  gerufen),  kennt  weder  die  „Maschinenfabrik  Oerlikon“
  noch  die  später  zu  erwähnenden  Firmen  „Alioth“
etc.  Es  ist  dies  umsomehr  bemerkenswert,  als  ja  das
schweizerische  Aktienrecht  für  Gründungen  dieser  A  rt  sehr
geeignet  ist.
Eine  auch  nur  „summarische“  Beschreibung  der
Fabrik  selbst  und  ihrer  Gebäude  etc.  würde  ,zu  weit  führen.
Ebenso  kann  hier  nicht  auf  die  Vielseitigkeit  der  Erzeugnisse ­
  des  Etablissements  eingegangen  werden.
Leider  ist  es  unmöglich,  von  der  Produktionsleistung
der  Firma  ein  genaues  Bild  zu  geben,  ein  Bild,  das  insbesondere ­
  Produktion  bezw.  Konsumtion  der  Dynamos
und  Motoren  der  verschiedenen  Jahrgänge  veranschaulichen ­
  würde,  da  von  der  Gesellschaft  derartige  Angaben
nicht  zu  erlangen  sind.  Es  mögen  jedoch  einige  Mitteilungen ­
  aus  dem  Spezialbericht  der  Maschinenfabrik
Oerlikon  vom  Jahre  1903  hier  wiedergegeben  werden:
Das  durchschnittliche  Jahreserzeugnis  beträgt  an
Metallguss  ca.  110,000  kg,  än  Stahlguss  ca.  500,000  kg,
an  Grauguss  gegen  3,000,000  kg.  Werkzeugmaschinen
wurden  bis  dahin  über  6600  Stück  gebaut,  Walzenstühle
! )  B  enthält  =  Anlagen  im  Fabrikationsgeschäft  (Immobilien,
Mobilien  etc.)
’)  C  enthält  =  Beteiligungen  und  Unternehmungen  in  eigener  Regie.
NB.  Die  Zahlen  vor  dem  Jahre  1899  wurden  von  der  Firma  nicht
zur  Veröffentlichung  gegeben.
        <pb n="19" />
        14

rund  17,000.  Dynamomaschinen  und  Transformatoren
verliessen  mehr  als  23,000  Stück  die  Werkstätten  und
wenn  nur  jene  Anlagen,  welche  mehr  als  200  PS.  leisten,
berücksichtigt  werden,  so  sind  elektrische  Maschinen  mit
insgesamt  über  300,000  PS.  zur  Ablieferung  gebracht
worden.  Die  Zahl  der  erstellten  Zünder  und  Shrapnels
beläuft  sich  auf  viele  hunderttausend.
Grössere  von  der  Firma  erbaute  elektrische  Anlagen ­
  sind:  die  Elektrizitätswerke  der  Stadt  Zürich,  Les
Clees-Yverdon,  La  Goule,  St.  Gallen,  Schaffhausen,  St.
Mortier  (Frankreich),  Tagieff  in  Baku  (Kaukasus),  Petersburg, ­
  Madrid,  Boleo  (Mexiko),  Riva,  Zwölfmalgreien,
Lend-Gastein  (Österreich).  Ferner  sind  an  Beleuchtungsgesellschaften ­
  in  London  Maschinen  mit  insgesamt
20,000  PS.  geliefert  worden.  Elektrische  Bahnen  (Strassenund
  Bergbahnen)  wurden  bis  einschliesslich  1903  über
30  gebaut  und  in  Betrieb  gesetzt.
Elektrochemische  Anlagen  wurden  mit  einer  Leistung
von  insgesamt  rund  40,000  PS.  geliefert.  Als  ebenso  umfangreich ­
  wurden  die  elektrischen  Zentralen  angegeben,
welche  die  Firma  seinerzeit  in  Arbeit  hatte.
Auch  auf  dem  Gebiet  des  elektrischen  Vollbahnverkehrs ­
  hat  sich  die  Maschinenfabrik  Oerlikon  rühmlich
hervorgetan  und  ist  bahnbrechend  dabei  ihre  eigenen
Wege  gegangen;  sie  hat  die  alten  Methoden  verlassen
und  ist  zu  der  Verwendung  des  Einphasenstromes,  auf
dem  System  der  Stromabnahme  beruhend,  übergegangen.
Dies  stellt  eine  ganz  bedeutende  und  originale  Schöpfung
der  Gesellschaft  dar.  Dieses  neue  System  ist  auf  der
schweizerischen  Normalbahnstrecke  Seebach-Wettingen
in  Betrieb  gekommen.
        <pb n="20" />
        Entsprechend  der  Produktionszunahme  war  auch
die  Erhöhung  der  Kapitalien,  wie  nachstehende  Zahlen
veranschaulichen:
1896  Fr.  3,(XX),000  (vorher  keine  öffentliche  Bilanz),
1897  Erhöhung  um  F'r.  1,000,000  auf  Fr.  4,000,000,
1899  „  „  „  2,000,000  „  „  6,000,000,
1902  „  „  2,000,000  „  „  8,000,000.
Dank  ihrer  vorzüglichen  Fabrikate  erstreckt  sich
die  Tätigkeit  der  Firma  nicht  allein  auf  das  Inland,
sondern  auch  auf  das  Ausland.  Zweigniederlassungen
bestehen  in  Rom,  Madrid,  Mailand,  Moskau,  Warschau
und  Lausanne.
b.  J3romn,  JSoveri  $  Qo.  ^Aktiengesellschaft.
Im  Jahre  1891  wurde  die  Firma  ,Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.‘
in  Baden  (Schweiz)  von  ehemaligen  Ingenieuren  der
Maschinenfabrik  Oeriikon,  den  Herren  W.  Boveri  und
C.  Brown,  gegründet.
Die  Zahl  der  Angestellten  betrug  im  Slammhause
(Baden):
1893  —  34  und  wuchs
1902  auf  263
1903  „  266
1904  „  365  an.
1904  beschäftigte  die  Fabrik  in  Baden  1840  männliche
und  50  weibliche  Arbeiter.  Weibliches  Personal  wurde
erst  seit  dem  Jahre  1902  beschäftigt.
Die  weitere  innere  Ausgestaltung  der  Firma  bedingte ­
  die  Schaffung  neuer  Etablissements  und  so  wurde
im  Jahre  1899  in  Mannheim  eine  Zweigfabrik  nach
schweizerischem  Muster  erstellt.  Zurzeit  beschäftigt
diese  Fabrik  ca.  1500  Arbeiter.
        <pb n="21" />
        16

Das  so  gigantische  Emporwachsen  dieser  Firma
war  zum  guten  Teil  der  glänzenden  Entwicklung  der
Starkstromtechnik  zu  verdanken,  zum  andern  aber  auch
ihrem  Geschäftsprinzip:  die  Haupttätigkeit  galt  stets  der
„Fabrikation“,  höchst  selten  der  „Installation“.
Das  Hauptarbeitsfeld  umfasst  vor  allem  Italien,
Deutschland,  die  übrigen  Länder  Europas  sowie  einige
überseeische  Länder.
Nach  der  Statistik  der  Firma  wurden-  elektrische
Maschinen  ausgeführt:
1897  =  1586  t  (Gesamtausfuhr  der  Schweiz  betrug  4054  t),
1898  =  19171  (  „  „  4285  t),
1899  =  29491  (  „  „  5765  t).
Regen  Anteil  nahm  die  Firma  an  der  Nutzbarmachung ­
  der  schweizerischen  Wasserkräfte  und  gründete
hierfür  die  Aktiengesellschaft  für  angewandte  Elektrizität ­
  „Motor“,  die  als  ihre  Hauptaufgabe  die  Finanzierung
elektrischer  Unternehmungen  —  Licht-,  Kraft-  und  elektrochemische ­
  Werke  —  betrachtet.  „Motor“  ist  die  einzige ­
  inländische  Unternehmung,  die  sich  speziell  mit
grossen  Wasserbauten  beschäftigt.  Über  diese  Gesellschaft ­
  wird  in  dem  Abschnitt  „VI.  Finanzgesellschaften“
noch  ausführlich  berichtet  werden.
Die  enorme  Leistungsfähigkeit  kommt  besonders
bei  den  Zentralen  Lyon  (25  000  PS.)  und  Mailand  (15000
und  7000  PS.)  zum  Ausdruck,  wenn  man  bedenkt,  dass
diese  zwei  Objekte  im  Submissionswege  zur  Vergebung
kamen  und  dabei  amerikanische  und  europäische  Firmen
in  Wettbewerb  traten.  Für  die  Pariser  Metropolitanbahn
erhielt  die  Gesellschaft  die  Ausführung  der  maschinellen
        <pb n="22" />
        17

Einrichtung  der  neuen  elektrischen  Kraftzentrale,  bestehend ­
  aus  vier  grossen  Dampfturbinen  mit  ca.  3000  PS.*).
Die  stetige  Entwicklung  und  der  notwendige  Ausbau ­
  des  Etablissements  bedingten  im  Jahre  1900  die
Umwandlung  der  alten  Gesellschaftsform  (Kommanditgesellschaft) ­
  in  eine  Aktiengesellschaft  mit  einem  Einlagekapital ­
  von  Fr.  12,500,000;  der  Reservetonds  betrug
Fr.  3,807,562,50  —  mehr  als  30°/ 0  des  Aktienkapitals  -.
Nachstehende  Bilanz-Tabelle  gibt  über  die  Entwicklung
des  Geschäfts  in  den  letzten  Jahren  —  seit  Gründung
als  Aktiengesellschaft  —  ausführlichen  Bescheid.  Das
Aktienkapital  ist  während  dieser  Zeit  gleich  geblieben.
Unter  den  Passiven  befanden  sich  am  Schluss  des  Geschäftsjahres ­
  1902/03  ca.  8  Millionen  Fr.  Kreditoren  neben
einer  4°/ 0  Anleihe  von  Fr.  1,500,000,—.  Diese  Anleihe
von  1897  wurde  auf  den  31.  März  1904  zur  Rückzahlung
gekündigt.  Gleichzeitig  erfolgte  die  Ausgabe  von  neuen
Obligationen  im  Gesamtbeträge  von  Fr.  5,000,000,  ,
wobei  den  Inhabern  der  gekündigten  Obligationen  angeboten
  wurde,  die  alten  Titres  in  neue  einzutauschen.
Oie  5  Millionen-Anleihe  gelangte  an  der  Züricher  Börse
zur  Einführung.
Den  Schulden  stehen  1902/03  an  flüssigen  resp.
leicht  realisierbaren  Aktiven  gegenüber:  Bankguthaben
Fr.  3,242,377,-,  Debitoren  Fr.  6,359,277,Effekten  und
Beteiligungen  Fr.  8,041,345,—,  Wechsel  und  Kasse
Fr.  144,780,-.  Der  Status  der  Gesellschaft  war  also
im  Hinblik  auf  die  Liquidität  ein  durchaus  gesunder.
Die  Mobilien  sind  zu  Fr.  5,635,239,—  berechnet,  während
die  Immobilien  mit  Fr.  3,584,112  zu  Buch  stehen.  Die
*)  Die  kommerzielle  und  industrielle  Schweiz.  Separatabdruck
der  Firma  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  Akt.-Qes.,  Baden-Schweiz  1903.
        <pb n="23" />
        18

Bilanz-Conto.

cAktiva

1900/1901

1901/1902

1902/1903

Fr.

Rp.

Fr.

Rp-Fr.



Rp*

Immobilien

3,035,984

95

3,652,112

95

3,584,112

95

Mobilien

6,185,059

48

6,349,769

64

5,635,239

89

Cassa-Conto  .  .  .  .  .

33,169

86

34,829

22

36,726

50

Wechsel-Conto  ....

117,520

50

53,389

52

108,054

70

Effekten-  u.  Beteiligungs-Conto


7,503,382

50

7,696,828

8,041,345

75

Conto-Corrent-Debitoren

6,789,624

32

6,883,859

33

6,359,277

63

Bankguthaben  ....

4,505,088

31

2,551,380

06

3,242,377

05

28,169,829

92

27,222,168

72

27,007,134

47

Passiva

1900/1901

1901/1902

1902/1903

Fr.

n P .

Fr.

Rp.

Kr.

n P .

Aktienkapital-Conto  .  .

12,500,000

—

12,500,000

—

12,500,000

Ordentlicher  Reservefond

3,807,562

50

3,807,562

50

3,807,562

50

4°/ 0  Hypothekaranleihen-Conto


1,530,060

1,530,220

1,530,060

Acceptations-Conto  .  .

40,700

—

44,457

•—

43,500

—

Sparkassa-Conto  .  ■  •

53,431

90

86,915

40

98,790

70

Arbeiter-Unterstützungsfond


—

122,077

15

127,347

65

Beamten-Pensionsfond

—

—

41,642

45

50,076

40

Conto-Corrent-Kreditoren

7,967,066

63

8,363,135

25

7,806,850

95

Gewinn-  u.  Verlust-Conto

2,271,008

89

726,158

97

1,042,946

27

28,169,829

92

27,222,168

72

27.007,134

47
        <pb n="24" />
        —  19

jeweiligen  Abschreibungen  sind  relativ  sehr  hoch  und
betragen  auf  Werkzeuge  30—40%,  auf  Arbeitsmaschinen
10%,  auf  Gebäude  und  Wohnhäuser  je  5%.
Der  Gewinn  pro  1902/3  betrug  insgesamt  1,042,946  Fr.
Wieviel  hiervon  auf  das  Fakrikationskonto  und  wieviel
auf  Beteiligungen  entfällt,  gibt  die  Gesellschaft  leider
nicht  an.  Die  Dividende  betrug  im  Hauptgeschäft
(Baden)  1901=16%,  1902  =  5%  und  1903  =  7%;  in
Mannheim  1901=10%,  1902  =  4°/ 0 ,  1903  =  4%.  Es
wurden  somit  durchschnittlich  9  '/ 3 %  bezw.  6%  Dividende
verteilt.
Die  Geschäftsleitung  der  Gesellschaft  blieb  dieselbe.
Ausser  in  Mannheim  wurden  auch  in  Paris  (Le  Bourget),
Mailand  und  Christiania  Zweiggeschäfte  ins  Leben
gerufen.  Die  Tecnomasio  Italiano  Brown  Boveri  in
Mailand  beschäftigt  ca.  350,  die  Compagnie  Electro-Mechanique
  in  Le  Bourget  ca.  90  Arbeiter.
Zweigbureaux  bestehen  in  Cöln,  Frankfurt  a.  M.,
Metz  und  Brüssel.
Vertretungen  finden  wir  in  den  Städten  Berlin,
München,  Stuttgart,  Moskau,  Stockholm,  Madrid,  Hartlepool
  und  Melbourne.
Die  so  gewaltige  Ausdehnung  in  der  verhältnismässig ­
  kurzen  Zeit  machte  die  Fabrik  nunmehr  zur
ersten  Elektrizitätsfirma  der  Schweiz.
Auf  Einzelheiten  der  Entwicklung  der  hirma,  wie
auch  auf  die  Maschinenkonstruktionen,  die  den  Erfolg
des  ganzen  Unternehmens  gesichert  haben,  kann  hier
nicht  eingegangen  werden.
Von  der  Maschinenfabrik  Oerlikon  unterscheidet
sich  die  A.-G.  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  vor  allem  dadurch,
dass  sie  sich  fast  nur  mit  der  Fabrikation  —  sehr  selten
        <pb n="25" />
        20

auch  mit  der  Installation  —  von  Generatoren  und  Motoren
nebst  Zubehör  beschäftigt,  während  Oerlikon,  wie  schon
auf  Seite  11  erwähnt,  sich  mit  allen  Gebieten  der  Starkstromtechnik ­
  usw.  belässt.  Lediglich  die  Herstellung
von  Dampfturbinen  wurde  vor  wenigen  Jahren  noch  mit
in  den  Fabrikationsbereich  aufgenommen.
Die  speziell  ausgebildeten  Maschinentypen,  die  den
sogenannten  „Standards“  gleichkommen,  erfreuten  sich  in
Bälde  eines  sich  über  alle  Kulturstaaten  erstreckenden
Absatzgebietes.  Die  einlaufenden  grossen  Aufträge  sind
wesentlich  dem  Umstande  zuzuschreiben,  dass  die  elektrischen ­
  Maschinen  den  verschiedenen  Zweigen  der  Grossund ­
  Klein-Industrie  entsprechend  angepasst  wurden,  was
eine  gesteigerte  Verwendung  der  elektrischen  Energie
im  Gewerbe  ermöglichte.  Grosse  Beachtung  wurde  den
elektrischen  Kraftanlagen  mit  hohen  Spannungen  geschenkt. ­
  Auch  hat  die  Gesellschaft  ein  neues  System
für  die  elektrische  Beleuchtung  der  Eisenbahnwaggons
erfunden,  welches  sich  ganz  besonders  gut  bewährt.
Die  Installierung  von  elektrischen  Fernbahnen  unter
Benutzung  brachliegender  Wasserkräfte  wird  zurzeit  lebhaft ­
  erörtert,  sodass  die  Inbetriebsetzung  der  Dreiphasentramway ­
  Lugano  nicht  unerwähnt  bleiben  soll.  Als  im
Jahre  1895  die  Bahn  gebaut  wurde,  glaubten  selbst
Elektro-Ingenieure  nicht  an  die  Verwendung  von  Wechselstrommotoren ­
  zu  1  raktionszwecken.  First  die  Verwirklichung ­
  der  gehegten  Pläne  zeigte  die  originelle  Idee  in
ihrem  Glanzpunkte.  Die  erzielten  positiven  Resultate
führten  zum  Bau  weiterer  elektrischer  Bahnen  wie  der
Vollbahn  Burgdorf-'l  hun.  Im  Jahr  1904  wurde  ein  Auftrag ­
  auf  zwei  Drehstromlokomotiven  für  die  Rete  Adriatica
zwecks  Verwendung  für  die  Valelillina-Bahn  ausgeführt.
        <pb n="26" />
        21

Die  Drehslrom-Lokomotiven  sind  nicht  zu  verwechseln
mit  dem  Wechselstrommaschinen,  die  von  der  Maschinenfabrik ­
  Oerlikon  gebaut  werden.*)

c.  GlektrizitätsgeseKschaft  Jllioth.

Die  „Elektrizitäts-Gesellschaft  Alioth“  in  Münchenstein-Basel ­
  ist  von  den  bereits  erwähnten  schweizerischen ­
  Grossfirmen  der  Arbeiterzahl  nach  die  kleinste.  Ihre
Gründung  fällt  in  die  Mitte  der  90er  Jahre  —  also  in  den
Beginn  der  Periode  wirtschaftlichen  Aufschwunges  —.
Ihr  mächtiges  Emporstreben  zeigt  sich  sehr  prägnant  an
der  Kapitalvermehrung.  Anfänglich  betrug  das  Aktienkapital ­
  I  Million  Franken.  Im  Frühjahr  1898  trat  eine
Erhöhung  auf  2  Millionen,  I899.eine  weitere  auf  3  Millionen, ­
  im  Herbst  1899  eine  solche  auf  6  Millionen  Fr.
ein.  Diese  Kapitalvermehrung  entspricht  der  Erweiterung
der  Produktionsfähigkeit  der  Gesellschaft,  die  leider  in
den  Jahren  1900  ff.  infolge  der  Krise  nicht  völlig  zum  Ausdruck ­
  kommen  konnte.**)
Über  die  Entwicklung  der  Firma  wurde  jbereits  auf

Seite  8  einiges  mitgeteilt.  Da  die  Dynamomaschine
nach  dem  System  Bürgin  gegenüber  der  nac
Systemen  Gramme  und  Siemens  zu  viel  Materia
und  Kupfer)  erforderte  und  infolgedessen  für  pj rma
kaum  konkurrenzfähig  bleiben  konnte,  ging  1  ‘
,  .  .  .  f , irpn  Konstruktion,
mit  der  Zeit  zu  einer  wesentlich  leichteren
„  .  .  Ankerkonstruktion
System  Helvetia,  einer  originellen  /
i  gebaut  wird.
R.  Alioths,  über,  nach  welcher  noch  he
v  noch  System  Alioth
Ausserdem  wurden  Messapparate  naei  j
*:  Die  kommerzielle  und  industrielle  Schweiz  A , ioth  und
**)  Nach  Jahres-  und  Spezialberichten
Neue  Zürcher  Ztg.
        <pb n="27" />
        22

erstellt.  Ende  der  80er  Jahre  kam  der  Transformator
„Alioth“,  der  sich  durch  die  Form  des  Eisensterns  von
anderen  Konstruktionen  dieser  Art  unterscheidet,  hinzu.
Zu  Anfang  der  90er  Jahre  wurden  die  ersten  in  Europa
eingestellten  Umformer-Dynamos,  welche  hochgespannten ­
  Wechselstrom  zum  Antrieb  von  Trambahnen  in
Gleichstrom  umwandeln,  gebaut.  Diese  Dynamos  waren
bis  dahin  nur  in  Amerika  in  grossem  Masstabe  in  Anwendung. ­
  Auf  der  schweizerischen  Landesausstellung
in  Genf  (1896)  erregten  die  für  obige  Zwecke  ausgestellten
Maschinen  der  Firma  auch  in  ausländischen  Fachkreisen
besonderes  Interesse.  Im  Jahre  1892  siegte  die  Firma
Alioth  in  der  internationalen  Konkurrenz  für  die  damals
grösste  Kraftübertragungsanlage  Europas,  die  italienische
Pulverfabrik  in  Fontana  sul  Liri.  Ausführungen  über
ausgeführte  elektrische  Bahnen  und  Werke  können
hier  des  beschränkten  Raumes  wegen  nicht  gemacht
werden.  Entsprechend  den  der  Unternehmung  jeweils
zu  Gebote  stehenden  Mitteln,  den  Schwierigkeiten  aller
Art,  welche  der  Entfaltung  einer  neuen  Industrie  im
Wege  stehen,  nicht  zuletzt  den  Vorurteilen  im  Publikum,
die  schrittweise  durch  mühsam  errungene  Erfolge  zu
überwinden  waren,  wuchs  das  Geschäft  langsam,  aber
stetig  bis  zur  Krisis  im  Jahre  1901.  Die  in  den  Jahren
I898,  I899  und  I900  vorgenommene  Kapitalvermehrung
auf  insgesamt  6  Millionen  Pr.,  sowie  die  beschlossenen
Bauten  und  Anschallungen  von  Produktionsmitteln
finden  ihre  Erklärung  aus  der  Betrachtung  folgender
Zahlen,  die  den  Wert  der  in  den  Jahren  I897  bis  1899
verkauften  Dynamos  und  I  ransformatoren  darstellen:
1897  Fr.  504,000,  1898  Fr.  925,000,  1899  Fr.  2,200,000.
Die  Unternehmung,  welche  heute  ihre  ganze  Kraft  auf
        <pb n="28" />
        23

Vervollkommnung  ihrer  Spezialprodukte:  Dynamos,  Motoren. ­
  Transformatoren,  Ingangsetzungs-  und  Sicherheitsapparate ­
  verwenden  kann,  musste  in  früheren  Jahren
sämtliche  Nebenapparate  selbst  konstruieren,  während
ihre  Konkurrenten  beim  Beginn  ihres  Betriebes  bereits
Spezialfabriken  im  In-  und  Ausland  zu  ihrer  Disposition
vorfanden.  Nach  und  nach  mussten  aber  die  Nebenlabrikationen
  —  in  der  Regel  mit  Verlust  -  aufgegeben
werden,  weil  darin  mit  den  Spezialfabriken  ein  Wettbewerb ­
  nicht  mehr  möglich  war.  Der  Zersplitterung
ihrer  Kräfte  ist  zum  Teil  die  Schuld  an  den  grossen
Verlusten,  welche  die  Gesellschaft  in  dem  Krisenjahr
1902  erlitten  hat,  zuzuschreiben.  Die  Firma  hat  sich  auch
nach  Lyon  ausgedehnt.  Ihre  Hauptabsatzgebiete  bilden
die  Schweiz,  Deutschland,  Frankreich  und  Spanien.
Nachstehende  Tabelle  —  zum  Teil  der  Schweizer
Handelszeitung  1903  No.  141  entnommen  —  gibt  für  die
vorerwähnten  3  Grossfirmen  die  wichtigsten  Zahlen
nochmals  zum  besseren  Vergleich  in  gedrängter  Form
wieder.
Die  Versorgung  des  Weltmarktes  mit  elektrotechnischen ­
  Produkten,  soweit  die  Schweiz  daran  beteiligt
'st,  liegt  fast  ausschliesslich  in  den  Händen  dieser
d  firmen.  Allein  ungefähr  die  Hälfte  des  gesamten
schweizerischen  Exports  an  elektrischen  Maschinen  entstammte ­
  in  den  letzten  Jahren  der  Akt.-Ges.  Biown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  Die  nachfolgenden  2  Firmen  haben  heute
nui  noeh  untergeordnete  Bedeutung.
d.  Oompagnie  de  l’industrie  elecfrique  et  mechanigue.
Die  Compagnie  de  l’industrie  ülectrique  et  mechanique
  in  Genl  baut  ihre  Maschinen  nach  dem  bewährten
        <pb n="29" />
        Gegründet

Bilanzwert  der
Anlage
vor  Abschluss
1902/03
in  Millionen

Effekten
und  elektrische
Betriebe  in
eigener
Verwaltung
in  Millionen

Obligationen
in  Millionen

Aktienkapital
in  Millionen

Sichtbare
Reserven  inkl.
Zuwendung
pro  1902/03
in  Millionen

Maschinenfabrik

Oerlikon

1876

Fl'.  5,80

Fr.  1,51

Fr.  4,-Fr.

  8,—

Fr.  0,4

Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.

1900

„  6,34

„  8,04

*  1,5

„  12,5

„  3.89

Alioth

1896

„  4,888

„  0,224

*  3,-„

  6,—

,  0,009

Maschinenfabrik  Oerlikon
Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.
Alioth

Amortisation  auf
Anlagen  pro  1902/03

Betrag

Fr.  170030
„  623005
*  234043

in  •/,
des
Bilanzwertes ­

der
Anlage

2,9
9,8
4,75

Gewinn  pro
1902/3

Fr.  6057
„  1042946
424

Dividenden

1899

1900

1901

1902

1900

1901

1902

1903

10

10

5

0

—

16

5

7

7

0

0

1  0
        <pb n="30" />
        25

Patent  Thury.  1891  in  eine  Aktiengesellschaft  umgewandelt, ­
  beschäftigt  sie  durchschnittlich  ca.  300  Arbeiter
und  besitzt  ein  Aktienkapital  von  2  Millionen  Franken.
Sie  ist  das  grösste  und  wohl  auch  das  älteste  französischschweizerische
  Etablissement,  gegründet  1889  von  Cuenod
de  Meuron  &amp;amp;  Co.  und  fortgesetzt  von  Cuenod,  Sautter
&amp;amp;  Co.  Die  Firma  bezweckt,  wie  es  in  den  Statuten
heisst:  die  Errichtung  und  den  Betrieb  von  Anlagen  für
die  Fabrikation  und  den  Verkauf  von  Maschinen  und
Apparaten  aller  Systeme,  speziell  von  elektrischen  Erzeugnissen ­
  und  insbesondere  die  Verwertung  des  bereits
erwähnten  Patentes  Thury,  sowie  den  Betrieb  für  eigene
Rechnung  oder  Rechnung  dritter  oder  mittelst  Beteiligung
an  elektrischen  Unternehmungen  aller  Art.  —  Die  Fabrik
betätigt  sich  auf  dem  gesamten  Gebiet  der  Elektrotechnik ­
  und  hat  mehrere  Musteranlagen  ausgelührt,  beruhend ­
  auf  eigenen  Patenten.  —  Leider  ist  die  Firma
in  den  letzten  Jahren  mehr  und  mehr  von  den  in-  und
ausländischen  Absatzgebieten  zurückgedrängt  worden,
sodass  ihr  heute  auf  dem  Weltmärkte  eine  führende
Stellung  nicht  mehr  zukommt.
e.  J.  J.  Jtieter  $  Oo.,  'Maschinenfabrik.
Die  Aktiengesellschaft  J.  J.  Rieter  &amp;amp;  Co.,  Maschinenfabrik ­
  in  Winterthur,  beschäftigt  sich  mit  der  Fabrikation
und  Installation  elektrischer  Maschinen  als  Nebenzweig
ihier  Maschinenfabrikation.  Bahnbrechend  ist  sie  bis
dato  auf  dem  Gebiete  der  Elektrotechnik  nicht  gewesen.
Es  wäre  trotz  alledem  interessant  gewesen,  auch
in  ihre  Bilanzen  einen  Blick  zu  werfen.  Leider  ist  das
aber  weder  bei  dieser  noch  bei  vielen  spater  zu  behan ­
        <pb n="31" />
        26

delnden  Firmen  möglich.  —  Die  schweizerischen
Aktien-Gesellschaften  sind  gegen  das  Offenbaren  der
„Geschäftsgeheimnisse“  und  gegen  „Eindringlinge“  sehr
zurückhaltend.  Zu  diesem  Geschäftsgebaren  gibt  ihnen
das  schweizerische  Handelsrecht  alle  Mittel  in  die  Hand.
So  schreibt  z.  B.  kein  Gesetz  vor,  dass  die  Bilanz  veröffentlicht ­
  werden  muss.  Manche  Elektrizitätsfirmen
hatten  in  der  Zeit  der  Krisis  doppelten  Grund, 1  die
Einsichtnahme  in  ihre  Bilanzen  „Unberechtigten“  zu
verwehren,  einmal,  weil  sie  während  der  Krisis  sehr
schlecht  abgeschnitten  hatten,  und  zum  andern,  weil  die
Gesellschaften  vielfach  Familiengründungen  sind,  die
nicht  gerne  Dritten  einen  Einblick  in  ihr  Vermögen  gewähren. ­
  Es  kommt  vor,  dass  Aktiengesellschaften  ihre
Bilanzen  nicht  einmal  drucken  lassen,  sondern  nur  in
Kurrentschrift  ihren  Aktionären  zur  Verfügung  halten;
nach  dem  Gesetze  gilt  dies  als  genügend.  Dass  hierin
eine  gründliche  Reform  nötig  ist,  steht  ausser  Frage.
Bekannte  Bankdirektoren  und  Juristen  haben  denn  auch
im  Interesse  der  guten  Sache  hierfür  schon  weitgehende
Vorschläge  gemacht  und  in  einer  Denkschrift  nicdcrgelegt.


3.  Die  Spezialfabriken.
Die  Spcziallabriken  der  Elektrizitätsbranche  haben
gegenüber  anderen  Elektrizitätsgrossfirmen  den  Vorteil,
das«  sie  bei  einem  verhältnismässig  kleinen,  nicht  zu
teuren  Verwaltungsapparat  den  von  ihnen  gepflegten
Zweig  der  Fabrikation  zur  höchsten  Vollkommenheit
ausbilden  und  in  Massen  fabrizieren  können,  was  in  der
        <pb n="32" />
        27

Güte  und  Billigkeit  ihrer  Apparate  zum  Ausdruck  kommt.
Anderseits  jedoch  haben  sic  den  Nachteil,  dass  sie  in
Zeiten  schlechter  Konjunktur  leichter  zu  Arbeiterentlassungen ­
  gezwungen  sind  und  die  Erträgnisse  zurückgehen ­
  sehen,  da  sie  für  den  Ausfall  des  Konsums  (und
somit  auch  der  Produktion)  in  ihren  Artikeln  keinen
Ersatz  oder  Ausgleich  durch  die  Forcierung  anderer
Fabrikationszweige  eintreten  lassen  können.
Spezialfabriken  finden  wir  nicht  allein  in  der
Schwachstrom-  sondern  auch  in  der  Starkstromtechnik;
so  unter  anderen  für  Kabel,  Drähte,  Apparate  im  allgemeinen. ­
  Heizkörper,  Glühlampen  etc.  und  insbesondere
für  lukrative  Artikel  —  Patente  —.  Für  den  direkten

Absatz  an  die  Konsumenten  eignen  sich  dir  se  1  abiikei
nicht,  da  zu  gebrauchsfähigen  elektrischen  Anlagen  ein
manigfaltiges  Zubehör  gehört.  Der  Einzelcinkaul
Fabrikate  würde  auch  zu  unrentabel  sein.
Bevor  wir  näher  auf  die  Speziallabrikation  &amp;lt;  ingehen, ­
  soll  gleich  erwähnt  werden,  dass  in  der  Sch
im  allgemeinen  grosser  Mangel  an  Spezialfabi  ik(  n  tüi
troteehnische  Erzeugnisse  besteht,  im  besonduen
an  leistungsfähigen  Häusern.  Die  meisten  lür  das
trische  Gewerbe  nötigen  Materialien  werden  zurze1 ^^
vom  Auslande  bezogen.  Insbesondere  ist  es  Deut.
/-v  •  lortiUeln  in  aei
das  einen  grossen  Absatz  von  Speziala  pinde
Schweiz  aufweist.  Installationsmaterial  z.
,  .  .  ,-eichsortieiten
leicht  seinen  Absatz,  wenn  bei  einem
■  t-jo-p  so  reisen  geheteit
Lager  gutes  Material  zu  mässtgen  1  ages,  Scfcwlfe
würde.  Einzusehen  ist  es  allerdings,  dass
für  alle  Spezialzweige  die  Grundbedingungen  nie  gegeben
  sind,  des  grossen  Mangels  an  .  ,  .  ,
(Eisen,  Kohlen  etc.).  Kür  die  Unabhängtgkett  der
        <pb n="33" />
        28

schweizerischen  Elektro-  und  Maschinenindustrie  wäre
es  natürlich  erwünscht,  möglichst  sämtliche,  für  die  Versorgung ­
  der  Industrie  nötigen  Fabriken  für  Halb-  und
Hülfsfabrikate  in  der  Schweiz  selbst  zu  haben.  Doch  zu
einer  existenzfähigen  Industrie,  die  auch  mit  den  ausländischen ­
  Spezialfabriken  konkurrieren  muss,  gehören  in
allererster  Linie  billige  Rohstoffe  und  auch  tüchtige
geschulte  Arbeitskräfte.  Erstere  Bedingung  ist  hier  nicht
gegeben,  weil  die  Rohstoffe  vom  Auslande  bezogen  zu
teuer  kommen.  Gewisse  Rohstoffe,  wie  z.  B.  die  Kohlen,
erleiden  durch  die  relativ  sehr  hohen  Transportkosten
allein  schon  eine  Preiserhöhung  von  ca.  50—80°/ 0  gegenüber ­
  der  deutschen  Kohle.  Werden  die  im  Schosse  der
Schweizer  Berge  ruhenden  Mineralien  einmal  gehoben,
so  dürfen  wir  sicher  an  ein  Aufblühen  der  noch  fehlenden
Industriezweige  denken.  —  Es  könnte  bei  der  Aufnahme ­
  der  noch  in  der  Schweiz  fehlenden  Spezialfabrikation ­
  eine  grössere  Zahl  Arbeiter  beschäftigt  werden.
Wir  gehen  nun  zu  den  einzelnen  Fabrikationszweigen
  über.  Vor  allem  ist  hier  die  Apparatefabrikation
zu  nennen,  namentlich  die  Fabrikation  kleinerer  Installationsapparate, ­
  sowie  die  der  Messinstrumente,  von
welchen  die  Schweiz  massenhaft  importiert.  Als  mustergiltige
  Spezialfabrik  derStarkstromtechnikistnur  die  Firma
Societe  d’exploitation  des  cables  electriques  in  Cortaillaid
  anzuführen.  Dieselbe  ist  weit  über  die  Grenze  ihres
Heimatlandes  bekannt  und  labriziert  patentierte  Drähte
aller  Art  für  Licht-  und  Starkstrom.  (Das  Hauptpatent
bezieht  sich  auf  Bleikabel.)  Im  Auslande  finden  ihre
Patente  aufgrund  von  Lizenzen  Verwertung.  Der  Vollständigkeit ­
  halber  ist  auch  die  Kabelfabrik  Aubert  Grenier
&amp;amp;  Co.  in  Cossonney  zu  nennen.
        <pb n="34" />
        —  29

Die  Akkumulatorenfabrikation,  die  in  der  Schweiz
durch  drei  Firmen  vertreten  wird,  ist  vollauf  imstande,
den  heimischen  Bedarf  zu  decken.  Die  Societe  Suisse
pour  la  construktion  d’accumulateurs  ölectriques  in  Marly
le  Grand  hat  mit  den  s.  Z.  bestehenden  Akkumulatoren-Werken
  System  Pollak  in  Liq.  eine  Konvention  geschlossen; ­
  sie  ist  die  kleinste  der  Firmen  und  ist  jetzt  von
der  Akkumulatorenfabrik  Oerlikon  angekauft.  Ihr  lolgt
die  Akkumulatorenfabrik  1  ribelhorn  Akt.-Ges.  in  Olten,
jetzt  in  Liquidation;  diese  baute  nach  den  bekannten
Patenten  ihres  Gründers  und  hatte  regen  Absatz  nach
dem  Auslande.  Die  grösste  und  auch  leistungsfähigste
Firma  der  Akkumulatorenbranche  ist  die  Akkumulatorenfabrik ­
  Oerlikon,  Akt.-Ges.  Das  Hauptabsatzgebiet
ihrer  Produkte  bildet  die  Schweiz.  Da  die  Linkaulspreise
der  Rohmaterialien  stets  sehr  grossen  Schwankungen
unterworfen  sind  (vgl.  den  Abschnitt  6:  Preisverhältnisse), ­
  hatte  dieser  Spezialzweig  meist  grosse  Sorge,
den  Absatz  auf  alter  Höhe  zu  halten.  Die  Verkaufspreise
der  Akkumulatoren-Werke  gingen  im  Zusammenhang  mit
der  allgemeinen  Lage  der  elektrischen  Industrie  in  den
Krisenjahren  zurück,  trotzdem  der  Umsatz  stets  ein  befriedigender ­
  blieb,  d.  h.  die  Fabriken  vollnui  beschäftigt
waren.
Die  Glühlampenfabriken,  die  in  der  Schweiz  durch
die  Zuger-,  Zürcher-  und  Aarauer-Glühlampenfabnken
vertreten  werden,  sind  dem  internationalen  Kartell,  das
seine  Verkaufsstelle  in  Berlin  hat,  beigetreten.  Die  Absatzverhältnisse ­
  waren  im  allgemeinen  gute  zu  nennen;
nur  Hessen  auch  hier  die  Verkaufspreise  zu  wünschen
übrig,  was  in  erster  Linie  zur  Gründung  einer  „Verkaufs-
        <pb n="35" />
        30

*)  Vgl.  die  Statuten  der  Qlühlampen-Einkaufs-Vereinigung  S.  21
im  Jahrbuche  des  Schweiz.  Elekt.  Verein.  Zürich  1905/6.

genossenschaft“  führte.  Über  das  Kartell  speziell  wird
später  berichtet  werden.*)
In  den  letzten  Jahren  hat  sich  die  Firma  Wüst  &amp;amp;  Co.
in  Seebach  aufgetan,  die  sich  speziell  mit  der  Fabrikation
elektrischer  Aufzüge  aller  Art  beschäftigt,  insbesondere ­
  aber  auch  mit  der  Schalttafeln-  bezw.  Schaltapparatefabrikation. ­
  —  Die  Beschäftigung  in  diesem
Zweige  ist  stets  eine  lohnende  und  reichliche  gewesen,
sodass  die  Firma  die  Zahl  ihrer  Arbeitskräfte  von  Jahr
zu  Jahr  vermehren  konnte.
Ein  neuer  Spezialzweig,  die  Fabrikation  von  Heizkörpern, ­
  bürgert  sich,  nachdem  hierin  mehr  praktische
Nutzbarmachung  erzielt  wird,  mehr  und  mehr  ein.  In
der  Schweiz  ist  die  Fabrikation  durch  die  Firma  „Electra“
Aktiengesellschaft  in  Wädensweil  vertreten.  Es  lässt  sich
wohl  sagen,  dass  das  System  „Jung-Schindler“  in  keinem
Lande  so  vollendet  zur  Ausführung  gelangt  wie  in  der
Schweiz.  Wenn  auch  bis  in  die  letzte  Zeit  das  Anwendungsgebiet ­
  der  Heizkörper  noch  ein  relativ  selubeschränktes
  war,  Heizkörper  allgemein  als  Luxus  galten,
so  hat  sich  doch  neuerdings  dank  der  weiteren  Vervollkommnung ­
  der  Patente  und  der  stetigen  Ermässigung
der  Preise  für  elektrische  Kraft  (vgl.  die  Tabelle  über  die
Strompreise,  Abschnitt  III:  El.  Werke  und  elektr.  Bahnen)
die  Heizkörper-Fabrikation  fortwährend  neue  Gebiete  in  der
Hauswirtschaft  und  im  Gewerbe  erobert.  Die  im  Jahre
1896  gegründete  Fabrik  war  ständig  mit  der  Verbesserung
ihrer  Patente  bezw.  Fabrikate  beschäftigt  und  hat  allmählich ­
  die  diesen  anhaftenden  Mängel  fast  gänzlich
beseitigt.  Der  Absatz  ist  ein  guter,  und  wenn  auch  der
        <pb n="36" />
        31

Preis  der  Ware  nicht  im  Verhältnis  zur  Leistung  steht,
so  kann  die  „Elektra  A.-G.“  doch  immer  mit  ihren  Ergebnissen ­
  zufrieden  sein.  Exportiert  wird  nach  Deutschland, ­
  Österreich,  Russland,  Frankreich,  Belgien,  England
und  zuweilen  nach  Südamerika.*)
Wenig  oder  gar  nicht  fabriziert  werden  in  der
Schweiz  Bogenlampen,  Zähler  und  Installationsmaterialien. ­


4.  Das  Installationswesen.
Das  Installationswesen  —  als  Zweig  dei  Elcktio
technik  -  ist  in  der  Schweiz  im  grossen  und  ganzen
gut  ausgebildet.  Die  Installationsgeschatle  haben
nicht  so  sehr  unter  der  C.hikane  gewisser  l  akt
(Privatkontrolle  der  Feuerversicherungs-Gesellscha  )
wie  in  Deutschland  zu  leiden.  Die  schweizerisc  en
Grossfirmen  beschäftigen  sich,  wie  wir  gesrhtn  ha  »
fast  ausschliesslich  nur  mit  der  Fabrikation  elektr
Maschinen  und  Apparate;  mit  Installationen  g c h
sich  nicht  ab,  um  eine  Zersplitterung  ihrei
vermeiden.  Konkurrenz  zeigt  sich  den  Installation
nur  in  den  Elektrizitätswerken.  Wie  mn  ro  e
Wyssling  mitteilt,  hat  dies  einen  zweifachen  ,ru
'■  Viele  I nsta 'lateure  führten  die  “ fernden
genen  Arbeiten  derart  aus,  dass  ‘  „  und
Werke  oft  Schaden,  die  Abonnenten  ,
eich  mehl  mehr
Reparaturen  hatten.  Sie  kümmerten  w  ,
.  j: p  i-'lektrizitats-Werke
um  die  ausgeführte  Anlage  und  nie
a  Berichten  über  Handel
*)  Nach  Spezialbericht  der  Firma  und  d
und  Industrie  1902.
        <pb n="37" />
        32

hatten  das  Nacharbeiten.  Aufgefundene  Mängel  wurden
von  den  Installateuren  nicht  anerkannt  und  deshalb  auch
nicht  ausgebessert.  Die  Pfuscharbeit  der  Unberufenen
veranlasste  in  erster  Linie  die  Behörden  zur  Einführung
nachher  oft  allzu  rigoroser  Vorschriften.
2.  Die  Elektrizität  kommt  in  der  Schweiz  nicht  nur
in  Städten  sondern  auch  in  sehr  zerstreuten  Ortschaften
zur  Verteilung.  Dies  bedingt  für  die  Elektrizitäts-Werke
das  Halten  verhältnismässig  zahlreichen  Personals  für
die  Überwachung  ihrer  sich  meilenweit  erstreckenden
Anlagen.  Natürlich  entstehen  dadurch  grosse  Kosten.
Um  diese  herabzumindern  bezw.  auszugleichen,  werden
die  Überwachungsbeamten,  soweit  es  der  Dienst  gestattet, ­
  mit  Installationsarbeiten  beschäftigt.  Den  Werken
die  Installationsarbeiten  wegnehmen,  hiesse  einfach,
erstere  bei  den  allgemein  billigen  Strompreisen  veranlassen, ­
  ihr  Überwachungspersonal  zu  reduzieren  und
weiter  zu  distanzieren,  zum  Schaden  des  Publikums,
das  ,dann  länger  auf  Behebung  von  Störungen  warten
müsste.
Immerhin  sind  bei  grösseren  Anlagen  meistens
auch  einige  selbständige  Installateure  konzessioniert.
Kür  gut  geschulte  Kräfte  bleibt  in  dieser  Richtung  auch
fernerhin  ein  Arbeitsfeld  für  freie,  ungebundene  Betätigung. ­
  Installationsbureaux,  wie  sie  in  Deutschland
von  Grossfirmen  der  elektrischen  Branche  errichtet
wurden,  gibt  es  in  der  Schweiz  nicht.
Um  dem  Stand  der  Installateure  eine  bessere  Stütze
auf  wirtschaftlichem  Gebiete  zu  geben,  wäre  eine  Organisierung ­
  der  Berufsgenossen  sehr  am  Platze.  Dahingehende ­
  Bestrebungen  tauchen  ja  auch  schon  hin  und
wieder  auf;  es  ist  im  Interesse  des  Standes  nur  zu
        <pb n="38" />
        33

wünschen,  dass  sie  in  nicht  allzu  ferner  Zeit  zu  einer
praktisch  brauchbaren  Vereinigung  führen.  Wichtige
Fragen  über  Erwerbsverhältnisse,  Mindestpreise  usw.
würden  in  einer  solchen  „Interessenvertretung  einer
gemeinsamen  Besprechung  unterzogen  werden  können.
Die  Verhältnisse  der  Arbeiter  in  der  Installationsbranche ­
  wird  im  nachfolgenden  Abschnitt  7  Erörterung
finden.  —  Allgemein  sei  hier  nur  gesagt,  dass  ein  steter
Mangel  an  Arbeitern,  namentlich  zurzeit  des  ersten  Auiblühens
  der  Elektrotechnik,  auch  im  Installationswesen
sich  geltend  machte,  insbesondere  deshalb,  weil  junge
Arbeiter  —  Lehrlinge  —  wegen  der  schwer  durchzuführenden ­
  Kontrolle  nicht  selbständig  auf  Montage  gesandt ­
  werden  können.
Ein  besonderer  Zweig  des  Installationswesens,  der
sich  eigens  in  der  Schweiz  herausgebildet  hat,  ist  die,
meistens  von  kleineren  Bauunternehmern  in  Akkord
übernommene  Legung  von  Freileitungen  (Überlandzentralen). ­
  Die  Legung  der  Leitungen  durch  diese  Bauunternehmer ­
  erfolgt  meistens  zur  Zufriedenheit  der  Auf-Vaggeber.
  Die  durch  erstere  mit  der  Zeit  erlangte  Fertigkeit
  lässt  eine  Konkurrenz  von  anderer  Seite  auf  dem
erwähnten  Gebiete  nicht  aufkommen.
In  technischer  Hinsicht  ist  noch  zu  erwähnen,  dass
man  in  den  letzten  Jahren  von  der  „geschlossenen“  wieder
mehr  auf  die  „offene“  Anlage  zurückgekommen  ist,  d.  h.
dass  man  die  Leitungen  wieder  offen  zutage  treten  lässt,
statt  sie  in  das  Mauerwerk  zu  versenken.
Von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung  für  das
Installationswesen  ist  die  Vorsorge  zur  Vermeidung  von
Unfällen  und  Störungen.  Schon  bald  nach  seiner
Gründung  (1888)  begann  der  „Schweizerische  Elektro ­
        <pb n="39" />
        34

technische  Verein“  sich  mit  dieser  Frage  zu  beschäftigen.
Im  Jahre  1895  waren  die  Vorarbeiten  soweit  gediehen,
dass  man  an  die  Aufstellung  von  Sicherheitsvorschriften
über  Bau  und  Betrieb  elektrischer  Starkstromanlagen
gehen  konnte.  In  51  Artikeln  beschäftigt  sich  das  Reglement ­
  vom  Jahre  1896  mit  der  Anlage  von  Leitungen,
insbesondere  mit  elektrischen  Beleuchtungsanlagen  in
Wohnhäusern.  Der  Bundesrat  erliess  alsdann  im  Jahre
1899  „Allgemeine  Vorschriften  über  elektrische  Anlagen
und  die  Herstellung  von  Stromführungen  der  elektrischen
Bahnen“.  Durch  Bundesgesetz  vom  24.  Juni  1902  wurde
eine  eidgenössische  Kontrolle  der  Stark-  und  Schwachstromanlagen ­
  eingeführt,  mit  deren  Ausübung  man  nach
längeren  Verhandlungen  das  Starkstrominspektorat  des
schweizer,  elektrotechnischen  Vereins  betraute.  Am
1.  Februar  1903  begann  die  Tätigkeit  dieses  Instituts,
dessen  Geschäfte  für  die  Westschweiz  und  den  Kanton
Waadt  durch  ein  Filialbureau  in  Lausanne  versehen
werden.  Das  Inspektorat  inspiziert  regelmässig  und
periodisch  Einzel-Anlagen,  Elektrizitätswerke  und  Hausinstallationen, ­
  erstattet  über  deren  Befund  Berichte  und
gibt  auf  besonderen  Wunsch  ausführliche  Mitteilungen
darüber,  wie  Um-  und  Neubauten  zu  bewerkstelligen
sind;  es  prüft  ferner  die  ihm  zuzustellenden  Planvorlagen, ­
  nimmt  die  „nötigen  Besichtigungen  an'AOrt  und
Stelle,  vor  der  Genehmigung  der  Vorlagen  undnach  der
Ausführung  der  Anlagen  vor,  und  führt  auch,  wo  es  angezeigt ­
  erscheint,  Inspektionen  von  bestehenden  Anlagen
aus.“  —  Ferner  fällt  die  „Begutachtung  von  Expropriationsbegehren“ ­
  in  seinen  Aufgabenkreis.*)

)  Nach  Jahresberichten  der  Technischen  Prüfanstalten  1900/4  ff.
        <pb n="40" />
        35

Vorstehende  Bemerkungen  über  die  Institution  des
Starkstrominspektorats  sind  an  dieser  Stelle  wohl  angezeigt, ­
  vor  allem  im  Hinblick  auf  die  grossen  Missstände ­
  der  privaten  Kontrollwirtschaft  Deutschlands,  insbesondere: ­
  des  Sachverständigenwesens  bei  den  Feuerversicherungsgesellschaften. ­

Was  Dr.  Bürner  in  seiner  Broschüre:  Zur  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  und  Lage  der  deutschen  elektrotechnischen ­
  Industrie  (Berlin  1903)  hierüber  mitteilt,
ist  so  charakteristisch,  dass  es  verdient  dem  Inhalte  nach
hier  kurz  wiedergegeben  zu  werden.  Das  Sachverständigenwesen ­
  bei  den  Feuerversicherungs-Gesellschaften ­
  ist  eine  Einrichtung,  so  führt  er  aus,  die  im
Interesse  der  Installateure  dringend  einer  Reform  bedarf.
Die  Privatfeuerversicherungs-Gesellschaften  haben  zur
Revision  elektrischer  Anlagen  auf  ihre  Feuersicherheit
bestimmte  elektrische  Firmen  aufgestellt,  an  die  wiederum
gewisse  Anforderungen  wie  unter  anderen  mehrjährige
Geschäftspraxis,  akademische  Vorbildung  etc.  gestellt
Werden.  Es  kommt  dabei  nicht  selten  vor,  das  Revisoren ­
  über  die  von  ihnen  selbst  ausgeführten  Anlagen,
u nd  über  die  Konkurrenz  Gutachten  auszuarbeiten  haben.
Ob  sie  ein  „Gutachten 1-  abgeben  will  oder  nicht,  steht
h"n  Belieben  der  bevorzugten  Firma.  Einzelne  von  ihnen
sollen  schon  die  Aufnahme  eines  Gutachtens  einfach  abgelehnt ­
  haben,  weil  nicht  sie  die  Anlage  ausführten.
Hinsichtlich  der  für  die  Besichtigung  der  elektrischen
Anlagen  zu  erhebenden  Gebühren  kommen  die  denkbar
e 'genartigsten  Variationen  vor.  Viele  Firmen  sehen  sogai
v °n  einer  Verrechnung  ab,  da  sie  befürchten,  ihren  Kunde  n
damit  vor  den  Kopf  zu  stossen.  Andere  wissen  überhaupt
•nicht,  dass  sie  das  Recht  haben,  zu  liquidieren.  Nur  selten
        <pb n="41" />
        36

wird  nach  den  vom  Verein  deutscher  Ingenieure  aufgestellten ­
  Normen  liquidiert.
Um  all  diesen  Misständen  abzuhelfen,  hat  man  den
Vorschlag  gemacht,  den  Elektrizitäts-Firmen  die  Kontrolle ­
  abzunehmen  und  sie  einer  privaten  oder  staatlichen ­
  Korporation  zu  übertragen.  Vor  allem  dachte
man  da  an  die  Schaffung  einer  Einrichtung  ähnlich  der
der  Damplkesselrevision.
Schwindelinstutute  sollen  sich  durch  Zirkulare,  in
denen  sie  die  Besitzer  elektrischer  Anlagen  auf  die
grosse  Feuergefährlichkeit  aufmerksam  machen,  mit
dem  zuweilen  nicht  einwandsfreien  Hinweis  auf  die
minimalen  Leistungen  der  Installationsgeschäfte,  anpreisen. ­
  Die  „Anpreisungen“  erfolgen  oft  nur  mündlich:
es  wird  die  fragliche  Anlage  besichtigt  und  dem  Inhaber
derselben  auseinander  gesetzt,  dass  die  elektrischen
Maschinen  veralteter  Konstruktion,  die  Installation  nicht
nach  den  bestehenden  Vorschriften  gebaut  sei.  Ja,  noch
mehr!  Man  sendet  Fabrikanten  Prospekte  zu,  in  denen
das  Verlangen  gestellt  wird,  für  das  Empfehlen  ihrer
Fabrikate  eine  einmalige  Gratifikation  zu  zahlen.  Derartige ­
  Auswüchse  könnte  man  noch  mehr  aufzählen.
Segensreich  wirkten  demgegenüber  die  Einrichtungen ­
  der  Technischen  Prüfanstalten,  insbesondere  das
Starkstrominspektorat.  Seiner  vorbereitenden  Tätigkeit
ist  es  insbesondere  auch  zu  danken,  dass  der  Bundesrat ­
  sich  in  den  letzten  Jahren  selbst  mehrfach  mit  dem
Erlass  von  Vorschriften,  die  das  Installationswesen  betreffen, ­
  befasste.  Zu  nennen  sind  in  dieser  Hinsicht
folgende  Bestimmungen:
1.  Das  Bundesgesetz  betr.  die  elektrischen  Schwachund
  Starkstromanlagen  (vom  24.  Juni  1902);
        <pb n="42" />
        37

2.  Die  Vorschriften  betreffend  Planvorlagen  für  elektrische ­
  Starkstromanlagen  (vom  13.  November  1903);
3.  Der  Nachtrag  zu  den  Vorschriften  betreffend  Planvorlagen ­
  für  elektrische  Starkstromanlagen  —  Ergänzung ­
  des  Artikels  43  —  (vom  18.  Dezember  1905).

5.-  Absatzverhältnisse.  Handelsbilanz.
Die  Schweiz  hat,  trotzdem  sie  doch  in  jeder  Beziehung ­
  auf  den  Weltmarkt  angewiesen  ist,  verhältnismässig ­
  wenig  zur  weiteren  Ausgestaltung  des  Expoites
getan.  In  der  letzten  Zeit  wird  aber  nach  dieser  Ri(  htung
hin  gearbeitet.*)  Man  wünscht  die  Wahlkonsule  durch
Berufskonsule  ersetzt  zu  sehen;  die  ausländische  Diplomatie ­
  soll  verstärkt  werden.  Gründungen  von  Musterlagern ­
  und  Handelsmuseen  sind  vorgesehen.  Man  glaubt
dadurch  die  bereits  errungenen  Absatzgebiete  fester  zu
halten.  Die  schweizerischen  Grossfirmen  haben,  wie  alle
ausländischen  Firmen,  zur  Erleichterung  des  Absatzes
Filialen  und  Vertretungen  im  Auslande  gegründet.  Durch
die  wirtschaflspolitischen  Massnahmen  mancher  Länder
haben  sie  sich  ferner  veranlasst  gesehen,  Zweigfabriken
&amp;gt;m  Auslande  ins  Leben  zu  rufen.
Die  Elektrizitätswerke  und  elektrischen  Bahnen
sind,  wie  bereits  erwähnt,  die  Hauptkonsumenten  elektrischer ­
  Erzeugnisse.  Die  Arbeiten  der  elektrischen  Industrie ­
  kommen  im  Submissionswege  und  im  freien
Wettbewerb,  teils  auch  durch  Vermittlung  von  Zwischenhändlern, ­
  die  meistens  Installateure  sjnd,  zui  Vergebung.
*1  Vgl.  ür.  Tissot’s  Ausführungen  in  der  Scll ^ ei ^'
Zeitschrift  1903  und  den  Jahresbericht  des  S.  E.  V.  /
        <pb n="43" />
        38

Schweizerische  Arbeit  findet  sich  in  aller  Welt.
Inbesondere  gelten  die  vier  Nachbarländer  als  Hauptabnehmer; ­
  es  folgen  dann  England,  Russland,  Spanien,
ferner  Ägypten  und  Südamerika.  Kleinere  Sendungen
gehen  nach  Asien  und  Australien.*)

Es  betrug  die  Ausfuhr  elektrischer  Maschinen:

1895

1900

1901

1902

nach  Italien

2,815  Dztr.

8,360  Dztr.

10,180  Dztr.

8,607  Dztr.

Deutschland

2,548  „

10,042  „

6,087  „

?

„  Frankreich

2,092  „

20,062  „

22,700  „

7,618  „

„  Spanien

2,014  „

3,299  „

5,648  „

6,549  „

„  Oesterreich

1,332  „

1.500  „

?

3,455  „

„  Russland

1,404  „

5,937  „

2,304  „

2,171  „

„  England

952  „

6,742  „

?

10,795  „

Uebrige  Länder

1,452  „

5,486  „

6,399  „

7,782  „

Gesamtausfuhr

14,609  Dztr.

61,428  Dztr.

61,441  Dztr.

49,082  Dztr.

Ausfuhrwert  3,634,000  Fr.  12,696,000  Fr.  13,077,000  Fr.  10,065,300  Fr.

Die  Einfuhr  dagegen  betrug:

Mztr.  netto

Wert  in  1000  Fr.

1895

2,351

529

1896

1,896

428

1897

1,554

317

1898

4,103

847

1899

3,027

651

1900

4,596

947

1901

2,502

490

1902

2,335

450

1903

2,525

480

Wie  aus

den  vorstehenden  Zahlen  ei

hat  sich  die  Ausfuhr  dem  Gewicht  nach  innerhalb  5  Jahren,
1895—1900  mehr  als  vervierfacht;  ihr  Wert  ist  auf  das  dreifache ­

  gestiegen.  Besonders  erfreulich  war  die  Zunahme
des  Exportes  nach  Frankreich,  Deutschland  und  Italien.
Die  Preise  waren  1895  noch  befriedigend  und  die
Statistik  weist  lür  den  Meterzentner  der  ausgeführten

*)  Nach  den  Berichten  des  Vereins  Schweizerischer  Maschinen-Industrieller.
        <pb n="44" />
        39

Maschinen  einen  Durchschnittspreis  von  Fr.  249,—  gegen
Fr.  207,—  im  Jahre  1900  auf.  Das  entspricht  einem  Preisfall
  von  ca.  15%.
Der  inländische  Absatz  hielt  gleichen  Schritt  mit
dem  des  Auslandes;  dies  hat  vor  allem  seinen  Grund
in  der  Nutzbarmachung  der  Wasserkräfte,  auf  die  noch
später  eingegangen  werden  soll.  Der  Turbinenbau,  die
elektrische  Traktion  und  die  Fortschritte  der  Elektrochemie ­
  gewähren  der  Elektrizitätsbranche  gute  Aussichten. ­
  Obgleich  das  Inland  mit  ausländischen  Fabrikaten ­
  überschwemmt  wurde,  ist  doch  in  den  letzten
Jahren  der  Import  zurückgegangen.  Nach  den  Berichten
über  Handel  und  Industrie  hat  sich  die  Einfuhr  von
Dynamos  und  Elektromotoren  1899  gegen  das  Vorjahr  um
23%_vermindert,  die  Ausfuhr  dagegen  um  37%  vermehrt.
Sehr  "schwer  waren,  wie  hier  noch  erwähnt  sei,  Ende
der'90er  Jahre  —  während  der  Hochkonjunktur  —  die
Rohmaterialien  zu  beschaffen,  so  dass  die  Überschreitung
her  Lieferfristen  fast  zur  Regel  gehörte.  Ein  weiterer
Misstand,  den  die  Fabrikanten  lebhaft  empfanden,  war  der,
dass  Besteller  vom  Auslande  den  Produzenten  oft  in  sogen.
-Pflichtheften“  sehr  rigorose  Bedingungen  stellten,  die
allerdings  meistens  unausgeführt  bleiben  mussten,*)
Die  Hauptkonkurrenten  der  Schweiz  sind  unstreitig
Amerika  (V.  St.  v.  A.)  und  Deutschland.  Die  sogenannten
-Standards“,  wie  sie  Vanderlipp  in  seinem  Buche:  „Amerikas ­
  Eindringen  in  das  europäische  Wirtschaftsgebiet
beschreibt,  sind  es  vor  allem,  die  den  Weltmarkt  beherrschen. ­

Die  Dezember-Verträge  haben  manche  Lücke  in  den
Verzollungsbestimmungen  aufgewiesen.  Nebenapparate
*)  Berichte  des  Vereins  Schweiz-  MischineniniU’trieller  1609  S.  58
        <pb n="45" />
        40

der  elektrischen  Industrie  »ollen  z.  B.  bei  der  Einfuhr
nach  Deutschland  zuweilen  mit  doppelt  hohen  Zollsätzen
als  Hauptapparate  verzollt  worden  sein.  (Desgleichen
bei  der  Einfuhr  in  die  Schweiz  Fr.  6.  bezw.  Fr.  4.—).  Der
neue  Zolltarif  ist  ziemlich  gut  detailliert,  sodass  derartige
Verstösse  nicht  mehr  Vorkommen  können.  Doch  dürfte
die  Ausfuhr  der  schweizer,  elektrischen  Fabrikate  unter
den  neuen  Zollverhältnissen  eine  Erschwerung  erfahren.  —
Erleichtert  worden  ist  die  Einfuhr  in  Deutschland
für  die  elektr.  Transformatoren  etc.  Ehedem  mussten
diese  elektr.  Apparate  als  feine  Eisenwaren  mit  M  24.—
p.  100  kg  verzollt  werden;  nach  dem  neuen  Vertragstarif ­
  beträgt  der  Zollsatz  nur  noch  4—9  M  p.  100  kg.
Die  neuen  Zollsätze  für  Elektromotoren,  Umformer,  Anker
und  Kollektoren  betragen  bei  einem  Gewichte  von
bis  1  q  1  —5  q  5—25  q  25—30  q  30-100  q  100—500  q  über  500  q
Deutscher  Zoll
M  9.-  M  9.-  M  6.-  M  6—  M  5.-  M  4.-  M  4.-Fr
  11.25  Fr  11.25  Fr  7.50  Fr  7.50  Fr  6.25  Fr  5.-  Fr  5.-.
Schweizer  Zoll
Fr  14.-Fr  11.-Fr  8.-  Fr  6.50  Fr  6.50  Fr  6.-  Fr  5.-*).
Vor  dem  1.  Januar  1906  dagegen  waren  sie  die
folgenden:
Deutscher  Zoll
1.  Für  D/namomaschinen.  Elektromotore,  Umformer,  Anker  (fertig),
Kollektoren  und  Transformatoren:

bis  5  dz.

per  dz.
M  9.-5-30

  dz.

Fr  11.25
M  7.-30—100

  dz.

Fr  8  75
M  5.-mehr

  als  100;dz.

Fr  6.25
M  4.-Fr

  5.-,

2.  Akkumulatoren  ohne  Hartkautschuck  oder  ähnl.  Stoffen  M  6.—.
*)  Verein  Schweiz.  Maschinen-Industrieller  1905.  S.  85  entnommen.
        <pb n="46" />
        41

Akkumulatoren  mit  Hartkautschuck  oder  ähnl.  Stoffen  M.  24.—.
3.  Kabel,  Drähte  etc.  M.  8.—.
Schweizer  Zoll
1.  Elektr.  Transformatoren

per  dz.
20  Fr.
16  „
12  „
10  „
8  „

weniger  als  100  kg
100-500  kg
500-2500  kg
2500-10,000  kg
10,000  kg  und  darüber
2.  Elektr.  Maschinen  wie  Dynamos,  Elektromotoren  etc.  Fr.  4.—  p.  100  kg.
3.  Elektr.  Apparate  aller  Art  wie  Akkumulatoren,  Telephon-Apparate,
Elektr.  Lampen  Fr.  6.—  p.  100  kg.*)
Nebenbei  sei  bemerkt,  dass  vielfach  auch  über  die
hohen  Frachtsätze  der  Schweizer  Bundesbahnen  Klage
geführt  wird.  Vielleicht  lässt  sich  hierin  früher  oder

später  Wandel  schaffen,  was  im  Interesse  der  gesamten
Schweiz.  Industrie  jedenfalls  sehr  zu  begrtissen  wäre.

6.  Preisverhältnisse  der  Rohmaterialien.
Vergleicht  man  die  heutigen  Verkaufspreise  der
Schwach-  und  Starkstrombranche  mit  denen  der  achtziger
Jahre,  dann  ist  man  geradezu  erstaunt  über  den  unglaublichen ­
  Preisfall,  den  sämtliche  elektrotechnischen  Artikel
erfahren  haben.
Man  findet  Artikel,  bei  denen  die  Preise  in  der
genannten  Zeit  um  nicht  weniger  als  die  Hälfte  des
irüheren  Satzes  gesunken  sind.  Worauf  ist  das  zurück-2
 uführen,  fragt  man  sich;  und  unwillkürlich  drängt  sich
der  Gedanke  auf,  dass  wohl  die  Rohmaterialien  so  sehr
gesunken  seien.  Ist  dem  so?  Prüfen  wir  diese  Frage
a n  den  zur  Verfügung  stehenden  Zahlen.
*)  Dem  deutsch-scbweiz.  tiandelsvertragstarif  entnommen.
        <pb n="47" />
        42

Bei  dem  Hauptrohmaterial  der  elektr.  Industrie,
dem  Roheisen,  gestalteten  sich  die  Preise  pro  Tonne
wie  folgt:*)

schottisches

englisches

deutsches

Ende  des  Jahres  Eisen  M.  No.  3.

Qiesserei-Eisen  No.,

3.  Giess.-EisenNo.3.

sh.

sh.

M.

1881

52/4

42/9

64,-1885



42/3

32/—

51-1890



46/7

43/—

63,—

1895

46/6

37/6

56,—

1896

48/4

40/6

60,—

1897

45/2

40/4

60,—

1898

49/2

41/3

62,-1899



68/8

66/9

92,-Die



Kohlenpreise

veränderten

sich  in  nachstehender



Weise:  *)  **)

Jahrgang
1

Steinkohle
1  dz.

Coaks
1  dz.

Briquets
1  dz.

1892

2,91  Fr.

3,61  Fr.

2,60  Fr.

1893

2,92  „

3,42  „

2,54  „

1894

2,98  „

3,69  „

2,63  „

1895

2,98  ,

3,68  „

2,61  „

1896

3,08  „

3,84  „

2,77  „

1897

2,65  „

3,50  „

2,77  „

1898

2,72  „

3,68  „

2,95  „

1899

2  92

3,88  „

3,05  „

1900

3,27  „

4,55  „

3,42  „

Zwei

weitere  Hauptbedarfsartikel

der  elektr.  Industrie,

  Blei  und  Kupfer

(Blei  für  Akkumulatoren  und

Bleikabeln,  Kupfer  lür  Leitungsdrähte),  in  erster  Linie
aus  Deutschland  bezogen 2  notierten  nach  dem  „Statist.
Jahrbuch  des  deutschen  Reiches  für  das  Jahr  1900“:

*)  Berichte  über  Handel  und  Industrie  1900.  S.  73.
**)  Hassel:  Der  internationale  Steinkohlenhandel  (Manuscript)  1904.
        <pb n="48" />
        -  43  —

Blei.

Jahr

in  London

in  Berlin

1895

L  10.

10.

3

per

dz.

M.

22,3

per

dz.

1896

„  11.

3.

1

55

55

24,4

55

55

1897

„  12.

7.

4

55

55

26,1

’5

55

1898

„  12.

19.

8

55

5?

55

27,5

55

55

1899

„  14.

18.

8

55

55

55

32,1

55

55

1900

„  16.

19.

9

55

55

55

37,1

55

55

1901

„  13.

2.

5

55

55

55

27,8

55

55

Kupfer.
per  dz.  in  Berlin

1895  =

98,8  Mark

1896  =

105,9  „

1897  =

107,5  „

1898  =

114,0  *„

1899  =

160,4  „

1900  =

160,2  „

Verfolgen  wir  die  einzelnen  Reihen,  wie  sie  oben
aufgeführt  sind,  so  sehen  wir,  dass  bei  den  hauptsächlich ­
  in  Betracht  kommenden  Rohmaterialien  keineswegs ­
  von  einem  Preisfall  gesprochen  werden’[kann.
Im  Gegenteil:  Roh-Eisen  ist  in  den  rund  20  Jahren  von
1881  bis  1899  durchschnittlich  um  ca.  50%  im  1&amp;gt;re,se  gestiegen, ­
  die  Kohle  in  den  9  Jahren  von  1892  bis  1900
um  ca.  10%,  Coaks  um  ca.  25°%  Blei  in  der  Zeit  von
'895  bis  1901  um  ca.  25%,  Kupfer  in  den  6  Jahren  \on
'895  bis  1900  um  ca.  60%.
Seit  dem  Jahre  1898  brachte  fast  jeder  Monat  für
die  Rohmaterialien  eine  Preissteigerung.  Mit  dem
        <pb n="49" />
        44

schnellen  Anwachsen  der  Werke  wuchs  die  Nachfrage
nach  Rohmaterialien.  An  Absatz  für  die  Fertigfabrikate
fehlte  es  nicht.  Mit  steigender  Nachfrage  steigt  bekanntlich ­
  der  Preis.  So  schreibt  der  Gewerbeverein
Bern  in  seinem  Bericht  von  1898:
„Fast  alle  Bleche,  insbesondere  die  Eisenbleche
haben  eine  bedeutende  Preissteigerung  erfahren;  seit
dem  Herbst  1898  bringt  fast  jeder  Monat  einen  neuen
Preisaufschlag.  Diese,  das  Handwerk  schwer  schädigende
RohstofTverteuerung  beruht  zum  Teil  auf  den  Machenschaften ­
  internationaler  Spekulantenringe,  zum  Teil  wohl
auch  auf  der  Zwangslage  der  Eisenwerke,  welche  den
infolge  des  allgemeinen  industriellen  Aufschwunges  entstandenen ­
  grossen  Nachfragen  nicht  mehr  nachkommen
konnten.  Besonders  bemerkenswert  ist  die  gewaltige
Entwicklung  der  elektr.  Werke;  ihre  bedeutende  Produktion ­
  macht  sich  auf  dem  Weltmärkte  geltend  durch
Verteuerung  aller  Rohstoffe.  Dieses  junge  Gewerbe  hat
einen  erfreulichen  Aufschwung  genommen,  der  zweifelsohne ­
  auch  im  kommenden  Jahre  anhalten  wird.  Immerhin ­
  ist  es  möglich,  dass  die  enorme  Steigerung  für
Metall  (Kupfer  80%,  Broncewaren  10%)  und  Bestandteile, ­
  mit  welcher  die  Lieferungspreise  nicht  immer
Schritt  halten,  grössere  Installationen  etwas  hinausschieben ­
  konnten.  Ueber  diese  Lieferungsverschiebungen,
die  auf  die  Verzögerung  der  Rohstoffe  zurückzuführen
waren,  hörten  wir  von  den  meisten  Elektrizitätsfirmen
in  ihren  Jahresberichten  während  der  Zeit  der  Hochkonjunktur ­
  Klagen.  Das  Kupfer  erfuhr  eine  enorme
Preissteigerung  infolge  der  I  reiberei  von  Spekulanten
auf  dem  Londoner-  und  Amerikan.  Markte,  sowie  wegen
des  bedeutend  vermehrten  Bedarfs  an  Kupfer  für  die
        <pb n="50" />
        45

elektr.  Industrie,  ln  Jahresfrist  ist  der  Preis  um  60 d / 0
gestiegen;  die  Hausse  dauerte  fort,  bis  es  schliesslich
zu  einem  Krache  kam.  Es  stiegen  ferner  die  Rohstoffe
Zinn  und  Zink.  Zink  konnte  nicht  genügend  produziert
werden;  die  Preiserhöhung  schwankte  zwischen  10  bis
55°/ 0 .  Für  altes  Zink  wurden  unerhörte  Preise  bezahlt.  —
Bearbeitetes  Kupfer,  das  in  der  Fabrikation  von  Leitungsdrähten ­
  und  Kabeln  eine  grosse  Rolle  spielt,  erlitt  einen
weiteren  Aufschlag.  —
Das  Blei  erfuhr  ebenfalls  eine  stetige,  aufsteigende
Preisbewegung,  ohne  gross  zu  schwanken,  und  wies  eine
fast  unglaubliche  Spannung  von  nahezu  15  Mark  pro
Boppelzentner,  vom  Jahre  1895-1900  gerechnet,  auf.
Der  grosse  Verbrauch  an  Kautschuk  und  Gummi  hatte
einen  Preisaufschlag  von  15  °/ 0  zur  Folge.“
Ebenso  schreiben  die  Handels-  u.  Industrieberichte:*)
„Bemerkenswert  sind  die  Verschiebungen  bezügl.
Rohmaterial  und  Halbfabrikate;  sie  bestehen  darin,
dass  verhältnismässig  etwas  mehr  Halbfabrikate,  d.  h.
Maschinenteile,  als  Roheisen  u.  s.  w.  bezogen  wurde.
Ferner  hat  eine  kleine  Verschiebung  in  den  Bezugsquellen ­
  stattgefunden.  Da  nämlich  die  deutschen  Werke
mit  Bestellungen  überhäuft  waren,  wurden  die  Lieferfristen ­
  in  einer  Weise  ausgedehnt,  welche  auch  aut  die
Lieferung  der  fertigen  Maschinen  ungünstig  einwirken
mussten.  Einzelne  schweizerische  Maschinenfabriken
bemühten  sich  deshalb  anderweitig  um  Rohstoffe  und
fanden  sie  in  Frankreich  unter  günstigen  Bedingungen
und  angemessenen  Lieferfristen.  Die  angewohnte  Preis-*)
  Berichte  über  Handel  und  Industrie,  1898  S.  125ff.,  1899
S.  103ff.,  1900  S.  125ff.
        <pb n="51" />
        46

Steigerung  von  Rohmaterialien  bedingte  die  Erhöhung
der"'Preise  für  die  fertigen  Fabrikate  und  daher  wurde
die  Kauflust  der  Abnehmer  gedämpft,  was  jedoch  nicht
von  langer  Wirkung  war.  Die  grossen  Werke  Hessen
sich  nicht  an  Lieferungsfristen  binden:  dadurch  wurden
die  Lieferanten  in  grosse  Verlegenheit  gebracht  und
das  finanzielle  Ergebnis  ungünstig  beeinflusst  .  .  .  .
.  .  Der  scheinbar  ungemessene  Aufschwung,  den  die
Maschinen  -  Industrie  und  andere  verwandte  Industriezweige ­
  in  dem  letzten  Jahre,  und  insbesondere  in  markanter ­
  Weise  zu  Ende  des  Jahres  1899,  genommen  hatten,
war  Ursache  der  äussersten  Anstrengungen  zur  Vermehrung ­
  der  Produktion  und  allmählichen  Steigerung  (der
Preise)  derRohmaterialien,  wieKohlen,  Eisen  und  anderer
Metalle,  bis  zu  einer  ungeahnten  Höhe.  Der  Preisrückgang ­
  erfolgte  bei  den  Halbfabrikaten;  Roheisen
folgte  erst  gegen  Ende  des  Jahres  1900,  während  Kohle
mit  Jahresschluss  noch  ihre  hohen  Notierungen  einhielt
und  ebenfalls  Coaks  gleich  im  Preise  blieb.“
Der  gesteigerte  Absatz  für  Fertigfabrikate  konnte
aber  nur  bei  Fallen  ihrer  Preise  durchgeführt  werden.
Ist  auch  der  Markt  für  Artikel  der  elektrischen  Industrie
noch  verhältnismässig  sehr  jung  und  aufnahmefähig,
so  sorgte  schon  wie  überall,  so  auch  hier,  der  Wettbewerb ­
  für  ein  stetes  Sinken  der  Preise.  Es  wiederholte ­
  sich  in  diesem  Erwerbszweig,  was  man  so  oft  zu
beobachten  Gelegenheit  hat:  trotz  steigender  Preise  für
Rohmaterialien  und  Halbfabrikate  lallen  die  Preise  der
Fertigfabrikate.  Eine  Steigerung  der  letzteren  ist  nur
durch  Kartellierung  oder  Monopolisierung  durchzusetzen.
Selbstverständlich  kommt  die  sinkende  Tendenz  spätestens
dort  zum  Stillstand,  wo  die  Grenze  der  Selbstkosten  er ­
        <pb n="52" />
        47

*)  Aus  der  Schweiz.  Fabrikstatistik  für  1888,  1895  und  1901.

reicht  ist,  wo  von  einem  Nutzen  nicht  mehr  gesprochen
werden  kann.  An  dieser  Grenze  waren  auch  die
schweizerischen  Elektrizitätsfirmen  in  den  Jahren  1900  ff
angelangt,  wie  die  an  anderer  Stelle  mitgeteilten
Rechnungsergebnisse  bereits  zeigten  (Seite  24).

7.  Arbeiterverhältnisse,
o.  c/[[[gemeines.
Eine  nicht  unbedeutende  Rolle  spielt  in  der  Elektrotechnik ­
  die  Arbeiterfrage.  Die  Leistungen  der  Schweiz.
Elektromonteure  sind  im  allgemeinen  zufriedenstellende.
Wegen  ihrer  Tüchtigkeit  und  Solidität  werden  die  einheimischen ­
  Elektromonteure  den  ausländischen  meist
vorgezogen.  Nur  in  den  letzten  Jahren  wurden  mitunter ­
  Klagen  laut,  die  zum  Nachdenken  ernstlich  Anlass ­
  geben.
Mit  der  Vergrösserung  der  Betriebe  Hand  in  Hand
king  der  Zuwachs  der  beschäftigten  Arbeiter.  Umstehende ­
  Tabelle*)  gibt  uns  hierüber  ein  Bild.
        <pb n="53" />
        Arbeiter

davon
Deutsche

Art  |  Zahl
der  Betriebe

14—18  Jahre
alt
männl.|weibl.

18—50  Jahre
alt
männl.|weibl.

über  50  Jahre
alt
männl.|weibl.

Qesamtzahl
männl.  |  weibl.  |  zus.

Schweiz.
Ldsangeh.

andere
Ausländ.

1888

Elekt.  Werke

3

3

—

109

—

?

?

112

—

112

?

?

„  Firmen

11

49

4

330

24

?

?

379

28

407

?

?

1895

Elekt.  Werke

10

4

—

179

—

19

?

202

—

202

188

6

„  Firmen

31

161

48

1647

106

78

5

1886

159

2045

1802

118

1901

Elekt.  Werke

80

15

—

889  1  1

36

—

940

1

941

858

13

„  Firmen

41

307

70

2782  192

133

6

3222

268

3490

2982

251
        <pb n="54" />
        49

4

Die  Zahl  der  Arbeiter  hat  sich  in  dem  verhältnismässig ­
  kurzen  Zeitraum  von  ca.  12  Jahren  —  1888  bis
1901  —  fast  verneunfacht.  Der  Nationalität  nach  stellen
die  Schweiz.  Arbeiter  das  Hauptkontingent.  An  zweiter
Stelle  der  Zahl  nach  stehen  die  deutschen.  Es  folgen
die  französischen  und  die  italienischen  Arbeiter.  Wie
in  allen  anderen  Industriezweigen,  so  nehmen  auch  in
der  elektr.  Industrie  die  ausländischen  Arbeiter  von  Jahr
zu  Jahr  an  Zahl  zu.  In  der  Zeit  von  1895  bis  1901  betrug
  die  Zunahme  der  ausländischen  Arbeiterschaft
ca.  130%,  die  der  einheimischen  dagegen  nur  ca.  93%.
Bie  Schweiz.  Fabrikinspektion  scheint  hierüber  nicht
sehr  erfreut  zu  sein,  äussert  sie  sich  doch  in  ihrem
Geschäftsbericht  von  1901  über  die  zukünftige  Lage  der
einheimischen  Arbeiterschaft  sehr  skeptisch.  Begreifüeherweise
  steht  der  von  der  Fabrikinspektion  vertretene
Standpunkt  im  Gegensatz  zu  der  von  der  Industrie  verbetenen ­
  Ansicht.  Er  ist  jedenfalls  zurzeit  auch  noch
völlig  unbegründet.  Ein  zu  grosses  Angebot  von  tüchtigen, ­
  brauchbaren  Arbeitskräften  liegt  nicht  vor.  Im
Gegenteil!  Selbst  ungelernte  Arbeiter  fanden  bisher
last  fortlaufend  in  grosser  Zahl  Aufnahme.  Nur  die  abnorme ­
  Geschäftszeit  der  letzten  Krisenjahre,  die  einen
allgemeinen  Rückschlag  in  der  Konsumtion  mit  sich
brachten,  bildet  hiervon  eine  Ausnahme.  Ziehen  wir
öie  weiterhin  noch  zu  verwirklichenden  Probleme  in
Betracht,  wie  u.  a.  die  weitgehende  Nutzbarmachung
öer  brachliegenden  heimischen  Wasserkräfte,  Umwand-*
 Un g  der  Staatsbahnen  in  elektr.  Betrieb,  so  erscheint
öoeh  wohl  in  absehbarer  Zeit  ein  Ueberangebot  an
Arbeitskräften,  wie  es  die  Fabrikinspektion  kommen
s *eht,  nicht  so  bald  einzutreten.
        <pb n="55" />
        50  -

Auch  die  ständige  Zunahme  der  Zahl  der  Frauen
in  der  Elektrizitätsbranche  kann  für  die  männlichen
Arbeiter  nicht  als  gefährlich  betrachtet  werden.  Erstere
sind  nur  für  leichte  und  kleine  Akkordarbeiten  —  Taglöhnerarbeiten ­
  zu  beschäftigen.  Dem  Maschinenschlosser, ­
  Feinmechaniker  und  Monteur  erwächst  in  den
Frauen  keine  eigentliche  Konkurrenz.
Gelernte,  tüchtige  Arbeiter  werden  in  der  Elektrizitätsbranche ­
  stets  ein  gutes  Auskommen  finden  und
ihren  Platz  zu  wahren  wissen.  Daher  rühren  denn  auch
die  unglaublich  hochgestellten  Lohnforderungen  in  der
Zeit  der  Hochkonjunktur,  die  in  keinem  Verhältnis  zu
den  Arbeitsleistungen  standen.
Die  Lohnsätze  (Stundenlohn  plus  Tageszulagen  für
auswärtige  Arbeit)  variierten  in  den  letzten  Jahren*)  für

Monteure

zwischen

44

und

64

cts.

Schmiede

55

40

Y)

62

55

Schlosser

n

40

n

64

55

Dreher

r&amp;gt;

40

V)

60

55

Handlanger

55

32

„

40

„

Lehrlinge

n

10

25

55

Arbeiterinnen

V)

17

»

30

55

Von  niedrigen  Löhnen  oder  schlechter  Bezahlung
kann  man  hier  nicht  reden,  umsomehr,  wenn  man  bedenkt, ­
  welch’  angenehme  und  dauernde  Beschäftigung
(im  Winter  wie  im  Sommer)  die  Elektrotechnik  bietet.
Trotz  dieser  denkbar  günstigsten  Arbeitsverhältnisse
hörte  man  in  den  grossen  wie  in  den  kleinen  Etablissements ­
  über  die  Arbeiterverhältnisse  Klage  führen,  ganz
besonders  in  der  Installationsbranche.  Man  kann  bei
*)  Die  Lohnskala  ist  dem  Verfasser  von  der  Direktion  Brown,
Boveri  u.  Co.  A.-Q-,  Baden  giitigst  übermittelt  worden.
        <pb n="56" />
        51

dem  Bau  von  elektr.  Zentralen  Schneider,  Heizer,
Tischler,  Maurer  usw.  finden,  nur  keine  gelernten  Starkstrommonteure. ­
  Desto  mehr  finden  sich  allerdings
Ingenieure  und  Techniker.  Es  werden  ja  heutzutage
leider  zu  vielTechniker,  insbesondere  „Bureautechniker“,
ausgebildet.  Diese  Herren  pflegen  oft  nur  den  „Herr
Ingenieur“  spielen  und  nichts  von  Handarbeiten  wissen
zu  wollen,  trotzdem  sie  zuweilen  der  mangelhaften
Schulbildung  wegen  schon  von  Hause  aus  keineswegs ­
  zu  wirklichen  Technikern  geeignet  sind.  Praktisch
gelernte  Arbeiter  dagegen  finden  stets  ein  gutes  Unterkommen ­
  bei  hohem  Verdienst.  Entsprechend  der  bereits
aiitgeteilten  Lohnskala  lässt  sich  der  Monatsverdienst
eines  gelernten  Arbeiters  auf  1  V2—2mal  so  hoch  wie
der  eines  Bureaulechnikers  anschlagen.  Die  Maschinenbauer ­
  —  soweit  es  sich  natürlich  um  fachmännisch  gebildete ­
  Leute  handelt  —  haben  stets  die  Elite  unter  den
Arbeitern  gebildet  und  finden  ihre  Verwendung  als
selbständige  Arbeiter  bezw.  Monteure  in  den  Konstrukhonswerkstätten.
  Die  Anforderungen,  die  an  einen
Elektromonteur  in  technischer  Hinsicht  gestellt  werden,
Sl nd  keineswegs  geringe  und  die  Leistungen  werden
a uch  von  den  Praktikern  wie  von  den  Theoretikern
vollauf  gebührend  anerkannt.  Zum  Aufbau  einer  soliden
Dynamomaschine  gehören  besonders  gut  geübte,  intelligente ­
  Mechaniker,  die  mit  der  Bewicklung  des
Ankers  und  dem  Bau  des  Kollektors  usw.  gut  vertraut
s&amp;gt;nd.  FürMessapparate  können  nur  Präzisionsmechaniker
Verwendet  werden.
Heimarbeiter  gibt  es  in  der  Elektrotechnik  nicht,  da
s ' ( 'h  die  Arbeiten  der  Elektrizitätsbranche  nicht  für
Heimarbeit  eignen.
        <pb n="57" />
        [

52

Ein  Blick  in  die  auf  Seite  48  gegebene  statistische
Tabelle  zeigt,  dass  die  Elektrotechnik  eine  recht  stattliche ­
  Anzahl  älterer  Arbeiter  beschäftigt;  das  Gleiche
wird  man  bei  den  Maschinenbauern  beobachten.  Lohnhöhe ­
  und  Ansteliungszeit  wirken  hier  harmonisch  zusammen. ­
  In  Branchen  mit  guten  Lohnverhältnissen  und
angenehmer  Beschäftigung  bleiben  die  Arbeitskräfte
eben  bis  in  das  hohe  Mannesalter  tätig,  während  in
Branchen  mit  niedrigen  Löhnen  nicht  allein  ein  verhältnismässig ­
  starker  Arbeiterwechsel,  sondern  auch  ein
besonders  schnelles  „Abnützen“  der  Arbeitskraft  stattfindet. ­
  —
Von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung  für  die
Elektrizitätsindustrie  ist  die  Heranbildung  eines  guten
Nachwuchses  in  der  Arbeiterschaft.  Die  jugendlichen
Arbeiter'(Lehrlinge)  machen  etwa  7  °/ 0  der  gesamten
männlichen  Arbeiter  aus.
Durch  ein  Gesetz  von  1877  wurde  die  Normalarbeitszeit ­
  auf  11  Stunden  festgelegt.  Seit  dem  Jahre  1895
schritten  aber  die  einzelnen  Firmen  selbst  ohne  gesetzlichen ­
  Zwang  zu  einer  weiteren  Abkürzung  der  Arbeitszeit. ­
  Nur  einige  Elektrizitätswerke  sind  dem  nicht
gefolgt.  Es  hängt  dies  mit  der  Natur  des  Betriebes
zusammen.  In  fast  allen  grösseren  Maschinen-  und
elektrotechnischen  Fabriken  gilt  jetzt  der  10-Stundentag.
  In  der  Krisenzeit  1900  ff.  schränkte  man  die  Arbeitszeit ­
  sogar  noch  weiter  ein.  Andererseits  in  der  Zeit
der  Hochkonjunktur  wurde  dafür  viel  mit  Ueberstunden
  und  Nachtschichten  gearbeitet.  Als  die  Fabrikinspektion
  in  das  übertriebene  Ueberstunden-  und  Nachtschichtenunweseneingrift, ­
  klagten  die  Arbeitgeberfreilich,
dass  zu  rigoros  zum  Schaden  der  Fabrikanten  vorge ­
        <pb n="58" />
        53

fangen  und  den  ausländischen  Konkurrenten  dadurch
manche  „Klienteln“  in  die  Tasche  gearbeitet  würde.  Die
Ueberarbeilszeit  wird  gewöhnlich  mit  einem  25°/ 0 igen
Lohnzuschlag  bezahlt.  Die  Verlängerung  der  Arbeitszeit ­
  in  den  Fabriken  über  den  gesetzlichen  Normalarbeitstag ­
  hinaus  bedarf  nach  gesetzlicher  Bestimmung
der  Zubilligung  des  Regierungsrates,  worauf  durch  einen
Anschlag  in  der  Fabrik  hinzuweisen  ist.
Die  Krisenjahre  brachten  den  Arbeitern  nicht  allein
die  gewünschte  Ruhe  —  regelmässige  Arbeitszeit  —,
sondern  leider  auch  eine  unangenehme  Lohnreduktion.
Arbeiterentlassungen  aber  fanden  in  der  Schweiz,  elektrotechnischen ­
  Industrie  selten  statt.  Um  eine  Arbeiter-Entlassung
  im  grösseren  Umlange  zu  vermeiden,  übernahmen ­
  die  Arbeitgeber  die  Ausführung  selbst  solcher
Arbeiten,  bei  denen  sie  nicht  nur  mit  keinem  Gewinn,
sondern  mit  sicherem  Verlust  zu  rechnen  hatten.*)
In  einzelnen  Betrieben  ist  man  jetzt  mit  Recht  zu
der  Einführung  einer  mehrwöchentlichen  Kündigungszeit
vorgegangen  (Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  14  Tage).
Fabrikordnungen,  die  von  neu  eintretenden  Arbeitern
dorch  Unterzeichnung  anzuerkennen  sind,  geben  ausführlichen ­
  Aufschluss  über  die  Rechte  und  Pflichten  der
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer.  Sie  geben  ^ferner  besonders ­
  Anleitung  bezw.  Winke  dafür,  wie  sich  die
Arbeitnehmer  bei  der  Bedienung  gewisser  Maschinen,
doren  unfachmännische  Benutzung  mit  Lebensgefahi
verbunden  ist,  zu  verhalten  haben.  Unvorsichtiges
Arbeiten  wird  darin  mit  Strafen  bedroht.  Im  Interesse
*)  Vergl.  die  Jahresberichte  von  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  und
Maschinenfabrik  Oerlikon  1902/3,
        <pb n="59" />
        54

*)  Den  Statuten  der  Arbeiterkommission  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.
entnommen.

der  mitarbeitenden  Kollegen  kann  unvorsichtigen  Arbeitern
evtl,  auch  sofort  gekündigt  werden.
Um  ein  gutes  Einvernehmen  zwischen  Arbeiterschaft ­
  und  Fabrikleitung  herbeizuführen,  bestehen  bei
den  Grossfirmen  Arbeiterkommissionen,  deren  Mitglieder
den  verschiedenen  Abteilungen  der  Werkstätten  entnommen ­
  sind.
Die  Aufgaben  und  Befugnisse  der  Kommissionen
sind  in  der  Regel  die  folgenden:*)
1.  Beratung  und  Begutachtung  von  Angelegenheiten,
welche  die  Interessen  der  Arbeiter  berühren  oder
die  Ordnung,  die  Einrichtungen  und  die  Arbeitseinteilung ­
  in  der  Fabrik  betreffen  und  ihnen  von  der
Fabrikleitung  zu  diesem  Zweck  unterbreitet  werden.
2.  Beratung  über  Anregungen  aus  der  Mitte  der  Arbeiterschaft ­
  oder  der  Kommissionen  über  alles,  was  das
Wohl  der  Arbeiter  betrifft.
3.  Entgegennahme  und  Untersuchung  von  Klagen  der
Arbeiterschaft  und  Weitergabe  solcher  Klagen,  soweit ­
  sie  als  begründet  erachtet  werden,  an  die
Fabrikleitung.
In  der  Anbringung  von  Schutzvorrichtungen  in  den
Werkstätten  zur  Verhütung  von  Unfällen  an  Kraft-  und
Arbeitsmaschinen  geht  man  in  den  Schweiz.  Elektrizitäts-Betrieben
  vielfach  weiter  als  nach  den  gesetzlichen
Bestimmungen  notwendig  ist.  Die  meisten  Arbeitsmaschinen ­
  haben  transmissionslose  Antriebe.  In  den
Drehereien  findet  man  Absaugvorrichtungen,  die  gleich
denen  in  Holzbearbeitungswerkstätten  Staub  und  Dreh-
        <pb n="60" />
        55

spänc  durch  Kanalanlagen  abführen  und  so  die  Atmungsorgane ­
  frei  von  schädlichen  Substanzen  halten.
Um  den  Arbeitern  Gelegenheit  zur  weiteren  theoretischen ­
  Ausbildung  zu  geben,  hat  man  eine  Reihe  von
technischen  Schulen  gegründet:  die  Monteurschule  in
Neuchätel;  die  Abteilung  für  Elektrotechnik  des  Technikums ­
  Biel  (speziell  für  Monteure);  die  Fachschulen
für  Mechaniker  und  Metallarbeiter  in  Winterthur.
Diese  Schulen,  so  hoffte  man,  sollen  den  steten
Mangel  an  Monteuren  beseitigen  helfen.  —  Leider  hat
sich  sehr  früh  herausgestellt,  dass  diese  Fachschulen
nur  wieder  Aufsichtspersonal  ausbilden,  das  überwachen,
nicht  aber  auch  selbst  mitarbeiten  will!
Lehrlinge  erhalten  bei  einzelnen  Firmen  zumBesuche
von  Fortbildungsschulen  nicht  allein  die  nötige  freie
^eit,  sondern  auch  den  infolge  Besuchs  der  Schule  nicht
verdienten  Arbeitslohn  ausgezahlt.  Einrichtungen  für
Ablegung  von  Berufsprüfungen  —  ähnlich  den  Gesellenund
  Meisterprüfungs-Kommissionen  in  Deutschland
bestehen  in  der  Schweiz  noch  nicht;  doch  werden  sie
angestrebt.
Bestehende  „Fachvereine“  der  Elektrotechniker
stellen  sich  die  Weiterbildung  ihrer  Mitglieder  zur  Aufgabe. ­
  Allerdings  sehen  die  Maschinenindustriellen  in
diesen  Fachvereinen  nur  Kampfesorganisationen  zur
Verkürzung  der  Arbeitszeit,  Abschaffung  des  Akkordlohnes, ­
  Einführung  des  Minimallohnes  und  Verwirklichung ­
  anderer  Postulate.*)
*)  Berichte  über  Handel  und  Industrie  1896  S.  I42ff.;  1897
S.  117ff.;  1898  S.  U9ff.;  1899  S.  108ff.;  1900  S.  136ff.;  1901  S.
170ff.;  1902  S.  I52ff. ;  1903  S.  140ff.;  1904  S.  101«-
        <pb n="61" />
        56

Eine  neue  sozialpolitische  Einrichtung  wurde  in
den  letzten  Jahren  in  den  Arbeitsnachweisbureaux  geschaffen. ­
  Vorderhand  werden  diese  aber  weder  von
den  Arbeitgebern  noch  von  den  Arbeitnehmern  in  befriedigender ­
  Weise  in  Anspruch  genommen.  1901  rief
man  in  Basel  ein  internationales  Arbeitsamt,  dessen
Unterhaltung  vorläufig  aus  privaten  Mitteln  bestritten
wird,  ins  Leben.  Von  europäischen  und  aussereuropäischen
  Staaten  wird  dieses  Amt  als  Zentralstelle  anerkannt ­
  und  zum  Teil  auch  unterstützt.  Seine  Hauptaufgabe ­
  ist  die  Sammlung  und  die  Herausgabe  neuer
Arbeiterschutzgesetze  in  einer  von  ihm  herausgegebenen
Zeitschrift,  Vorbereitung  einer  internationalen  Arbeiterstatistik, ­
  Erhebungen  und  Auskunftserteilung  über  die
Wirkungen  derArbeiterschutzgesetzgebung  verschiedener
Länder  und  über  die  Möglichkeit  ihrer  Ausdehnung  auf
ungeschützte  Länder  usw.,  alles  auf  durchaus  neutralem
und  unparteiischem  Boden.*)
b.  'Arbeiterwohlfahrfseinrichfungen.
Die  Leiter  der  Schweiz.  Elektrizitätsfirmen  haben
nicht  allein  die  selbsüchtige  Ausgestaltung  der  Etablissements ­
  im  Auge,  sondern  auch  das  stete  Wohl  der
Arbeiterschaft.  Es  sind  insbesondere  die  elektr.  Grossfirmen, ­
  die  in  sozialpolitischer  Beziehung  vor  vielen
Etablissements  anderer  Fabrikationszweige  mustergiltig
dastehen.
Die  Wohlfahrtseinrichtungen  sollen  das  körperliche,
geistige  und  sittliche  Niveau  der  Arbeiterschaft  steigern
helfen.  Auf  dem  Gebiete  der  Wohlfahrtspflege  sind  vor
allem  die  wirklich  mustergiltig  angelegten  und  aus*) ­
  Wirtschaftskunde  der  Schweiz.  S.  118,
        <pb n="62" />
        57

gestatteten  Arbeiterwohnhäuser  und  Wohlfahrtshäuser
zu  erwähnen.  Letztere  dienen  in  erster  Linie  der  Geselligkeit ­
  und  der  Bewirtung  während  und  ausserhalb
der  Gesehäftszeit.  Es  wird  den  auswärtigen  Arbeitern
billiges  kräftiges  Mittagessen  verabreicht.  Ferner  hat
man  in  diesen  Häusern  eine  Badeeinrichtung  geschaffen,
die  Gesunden  und  Kranken  zur  Pflege  ihres  Körpers
dienen  soll.  Die  Arbeiterwohnhäuser  werden  z.  T.  aus
eigenen  Mitteln  der  Arbeiterschaft  selbst  geschaffen;
zu  diesem  Zwecke  haben  sich  Arbeiter  und  Beamte  zu
einer  Genossenschaft  zusammengetan  und  eine  Baukasse
ins  Leben  gerufen,  deren  Aufgabe  es  ist,  billige  Wohnhäuser ­
  zu  erwerben.
Die  gegründeten  Sterbekassen  dienen  zur  Beschaffung ­
  der  Mittel  zur  Deckung  der  Begräbniskosten
verstorbener  Mitglieder.  Die  Fabrikleitungen  der  Grossfirmen ­
  haben  Sparkassen,  Arbeiterunterstützungs-  und
Beamten-Pensionsfonds  im  Interesse  ihrer  Angehörigen
angelegt.*)
In  Ermangelung  staatlicher  bezw.  kommunaler
Kranken-,  Unfall-,  Alters-  und  Invaliden-Versicherungen
haben  einige  elektroteehn.  Industriegesellschaften  im  Verein ­
  mit  den  Angestellten  eigene  Hülfskassen  für  Arbeiter
und  Beamten  geschaffen.  Zur  Unterstützung  der  Kasse
Werden  freiwillige  und  Zwangsbeiträge  erhoben.

c.  Sozialpolitische  Sesetze.
Die  Schweiz  ist  in  der  sozialpolitischen  Gesetzgebung, ­
  wie  gleich  eingangs  erwähnt  werden  muss,  andern
^ändern  gegenüber  noch  weit  zurück.  Alle  Einrichtungen,
*)  Vergl.  die  betr.  berichte  der  Orossfirmen,
        <pb n="63" />
        58

die  in  dieser  Hinsicht  bis  heute  geschaffen  worden  sind,
verdanken  ihr  Entstehen  z.  T.  den  Industriellen  selbst.
Die  grösste  sozialpolitische  'Fat  der  Eidgenossenschaft, ­
  das  Fabrikgesetz  von  1877,  ist  von  den  Radikalen
bei  der  Volksabstimmung  nur  mit  Hilfe  der  Ultramontanen
und  Bäuerlichen  (beide  Parteigruppen  fallen  in  einigen
Kantonen  zusammen)  durchgesetzt  worden.*)
Die  Gesetze  betr.  Unfall-  und  Krankenversicherung
—  nach  reichsdeutschem  Muster  —  (1889  und  1900)
wurden  nicht  angenommen.  Eine  staatliche  Invaliditätsund ­
  Altersversicherung  fehlt.  Das  Haftpflichtgesetz  wird
von  den  Fabrikanten  als  Sorgenkind  angesehen;  die
Beiträge,  die  hierzu  benötigt  werden,  sollen  den  Arbeitgeber ­
  zu  sehr  belasten.**)  Die  Unfallentschädigung  an
Arbeiter  besorgen  die  Elektrizitätsfirmen  zum  Teil  selbst,
zum  'Feil  durch  Vermittlung  einer  Versicherungs-Gesellschaft. ­
  Zur  gegenseitigen  Unterstützung  in  Krankheitsfällen, ­
  evtl,  auch  zur  Invaliden-  und  Altersunterstützung,
haben  seit  mehreren  Jahren  Arbeiter  und  Angestellte
Hülfskassen  unter  sich  gebildet.  Die  Beiträge  sind
relativ  sehr  gering  und  betragen  u.  a.  ca.  5  cts.  pro
Zahltag.
In  industriellen  Kreisen  würde  eine  Verstaatlichung
der  bestehenden  Versicherungseinrichtungen  mit  Genugtuung ­
  angesehen  werden.  Manche  zurzeit  bestehende
Missstände  Hessen  sieh  dadurch  beseitigen.  Der  Schweiz,
demokratischen  Lebensauffassung  würde  dies  zur  Ehre
gereichen!

*)  Herkner:  Die  Arbeiterfrage.  Berlin  1897.
**)  Berichte  des  Vereins  Schweiz.  Maschinenindustrieller  1900.
Vgl.  Hilty,.  Politisches  Jahrbuch  der  Schweiz.  Eidgenossenschaft  (Bern).
        <pb n="64" />
        59

8.  Der  Einfluss  des  Aufschwunges  der  Starkstroinindustrie
  auf  andere  Industriezweige.

Der  eminente  Aufschwung  der  schweizerischen
Elektrizitätsindustrie  blieb  nicht  ohne  bedeutenden  Einfluss ­
  auf  andere  Industriezweige.  Wie  vieler  mannigfaltiger ­
  Apparate  und  sonstiger  Gegenstände  bedarf  es
nicht  zum  Bau  einer  grossen,  modern  eingerichteten
elektrischen  Zentrale!  Antriebsmaschinen,  Dynamos,
l  ransformatoren,  Bogenlampen,  Glühlampen,  Mess-und
Schaltapparate,  Schalttafeln,  Leitungsmaterial  usw.  usw.
Die  Herstellung  aller  dieser  Apparate  usw.  setzt  natürlich ­
  das  Vorhandensein  von  Industriezweigen,  die  sich
mit  der  Herbeischaffung  und  Vorbereitung  der  verschiedenartigsten ­
  Rohmaterialien  und  Halbfabrikate  belassen, ­
  voraus.  Alles  können  die  elektrotechnischen
Eabriken  eben  nicht  selbst  machen.
Schon  im  vorangegangenen  Abschnitt  6  bei  der  Besprechung ­
  der  Preisverhältnisse  wurden  einige  der
wichtigsten,  hier  in  Betracht  kommenden  Rohmaterialien
benannt.  Zunächst  das  Eisen.  Zu  den  verschiedensten

Zwecken  und  in  grossen  Mengen  wird  es  in  der  elektrotechnischen ­
  Fabrik  gebraucht:  Bau  von  Dynamos,  von
Motoren  (Gussstahl),  von  elektr.  Lokomotiven  u.  u.
Ein  Blick  in  die  Einfuhrstatistik  zeigt,  dass,  Hand  in
Hand  mit  der  Entwicklung  der  Elektrizitätsindustrie,  in
die  Schweiz  eingeführt  wurden:')
Roheisen  Eisenbahnschienen  Eisenbl ^  6
Jahr  Wert  in  Wert  in  We ‘
dz.  Fr.  dz.  Fr.  dz -
1895  620,544  4,649,000  737,188(?)  10,584  (?)
1896  821,421  6,614,000  958,800  14,607  (?)  66,961  ,5  9,000
1897  750,214  6,542,000  1.233,831  20,062  58,864  1,315,000
*)  Berichte  ijber  Handel  und  Industrie  1900,  S.  132,
        <pb n="65" />
        60

Roheisen  Eisenbahnschienen  Eisenbleche

Jahr  Wert  in

Wert  in

Wert  in

dz.  Fr.

dz.

Fr.  dz.

Fr.

1898  793,270  7,173,000

1,190,593

20.081  53,137

1,237,000

1899  999,218  9,817,000

1,197,109

25,656  72,137

2,037,000

1900  981,060  11,735,000

1,236,028

26,560  62,962

1,639,000.

In  allen  3  Gattungen  betrug

also  die  Zunahme  des

Imports  der  Menge  nach  allein

in  den  6  Jahren  1895

bis  1900  rund  50%.

Vor  allem  ist  es  die

deutsche

Eisenindustrie,  die  von

diesem  Mehrbedarf  der  Schweiz

Nutzen  zog.  Nach  der

deutschen

Statistik  (Statistisches

Jahrbuch  für  das  Deutsche  Reich)  wurden  von

Deutschland

  importiert:

Roheisen

Jahr

t.

Wert  in
/Will.  M.

1895

4,359

0,3

1896

6,090

0,4

1897

5,544

0,4

1898

1  1,344

0,8

1899

11,885

1,0

1900

9,544

0,9

Während,  wie  schon  erwähnt,  die  Menge  des
Imports  bei  Roheisen,  Eisenbahnschienen  und  Eisenblechen ­
  von  1895  bis  1900  um  das  '/Jache  stieg,  betrug
die  Steigerung  des  Werts  der  importierten  Mengen,  wie
die  Tabelle  auf  Seite  59  und  60  zeigt,  bei  Roheisen  und
Eisenbahnschienen  rund  das  1  '/Jache,  bei  Eisenblechen
das  '/j—  1  fache.
An  zweiter  Stelle  der  Menge  nach  im  Rohmaterialien ­
  verbrauch  der  elektrotechnischen  Industrie
steht  das  Kupfer.  Seiner  besonderen  Härte-  und  Festigkeits-Eigenschaften ­
  wegen  ist  es  das  Metall,  aus  dem
        <pb n="66" />
        61

I

der  Draht  für  ober-  und  unterirdische  elektrische
Leitungen  hergestellt  wird.  (Bei  Elektrizitätsanlagen
rechnet  man  etwa  V»  der  Anlagekosten  als  auf  die
Leitungsrirähtc  entfallend.)  Die  Schweiz  importierte  an
gewalztem,  gehämmertem  und  gezogenem  Kupfer:*)

1895

dz.  Wert  in  1000  Fr.
33,983  5,627

1896

39,753

6,639

1897

35,540

6,255

1898

37,129

6,832

1899

33,778

7,904

1900

40,160

9,397

1901

32,814

6,563

Als  weiteres  Metall  kommt  Blei

in  Betracht.

Hauptverwendung  findet  es  in  der  Akkumulatoren-  und
Kabelbranche.

ln  der  Schweiz  wurden  eingeführt  an:

Rohblei
Wert  in
dz -  1000  Fr.

Blei  inßlöcken,  Barren  etc.
Wert  in
dz '  1000  Fr.

1895

20,289

599

13,041

443

1896

26,658

808

14,057

506

1897

28,351

•  936

14,819

563

1898

35,404

1,239

15,737

629

1899

28,049

1,122

15,530

609

1900

33,510

1,508

11,682

584

1901

35,935

1,258

12,692

508

1902

34,207

1,028

34,207

1,026

*)  Reines  und  legiertes  Kupfer,  ebenso  Kupfererze,  die  zusammen
Ull £efähr  '/ s  der  Einfuhr  an  gewalztem  Kupfer  ausmachen,  sind  in  den
^gegebenen  Zahlen  nicht  enthalten.  Nach  Berichten  des  Vereins
Schweiz.  Maschinenindustrieller.  Jahrgang  1899  S.  103,  1900  ff.
        <pb n="67" />
        62

Guttapercha  und  Kautschuk,  die  in  der  Kabel-  und
Drähtefabrikalion  unentbehrliche  Rohstoffe  geworden
sind  und  als  Isolierkörper  dienen,  haben  während  der
Hochkonjunktur  Ende  der  90er  Jahre  einen  bedeutenden
Mehrverbrauch  aufzuweisen.  Obach  berechnet,  dass
ca.  2 I 3  der  gesamten  Guttaperchaproduktion  zur  Herstellung ­
  von  Drähten,  Kabeln  und  zur  Isolation  verwendet
worden  seien.  Dies  erscheint  nicht  unrichtig,  wenn
man  nachstehende  Tabelle*)  mit  der  Aufschwungsperiode
der  Elektrizitäts-Industrie,  bezw.  der  Kabelfabrikation
vergleicht.

Einfuhr  in  Deutschland:
Jahr  Tonnen

Mill.  Mk.

1892

4,692

25,8

1898

5,194

23,4

■  1894

5,640

22,6

1895

6,821

27,3

1896

8,280

34,8

1897

8,574

38,6

1898

10,098

54,7

1899

13,714

76,7

1900

13,480

75,5

Da  alle  genannten  Rohmaterialien  bezw.  Halbfabrikate ­
  importiert  werden  müssen,  decken  sich  die
Importziffern  ziemlich  genau  mit  den  Verbrauchsziffern
und  geben  somit  schon  zur  Genüge  ein  Bild  von  dem
steigenden  Einfluss,  den  die  schweizerische  Elektrizitätsindustrie ­
  auf  die  Gestaltung  der  sich  mit  der  Gewinnung
und  ersten  Verarbeitung  derartiger  Rohmaterialien  und
Halbfabrikate  befassenden  Industriezweige  hat.
*)  Wirtschaftskunde  Deutschlands  1904.  Die  elektrische  Industrie
S.  988.
        <pb n="68" />
        63

-

Einen  lebhaften  Aufschwung  nahm  weiter,  wesentlich ­
  infolge  des  steigenden  Bedarfs  der  Elektrizitätsindustrie, ­
  in  dem  letzten  Lustrum  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  die  Holzmastenindustrie.  Die  Holzmasten,  der
besseren  Haltbarkeit  wegen  imprägniert,  dienen  als
Träger  für  die  elektrischen  Leitungen.
Der  zunehmende  Bedarf  an  Isolierkörpern  für  die
Leitungsdrähte  hatte  ferner  die  EntstehungneuerPorzellanfabriken
  im  Gefolge.
Der  Bau  elektrischer  Strassen-  und  Vollbahnen
veranlasste  eine  starke  Nachfrage  auf  den  Gebieten  des
Iransportmittelverkehrs.  Nach  Mitteilung  der  schweizerischen ­
  Fabrikinspektion  herrschte  in  diesenFabrikationszweigen
  Ende  der  90er  Jahre  eine  rege  Tätigkeit,  die
in  der  Statistik  in  der  Zunahme  der  Fabriken  und  der
darin  beschäftigten  Arbeiter  ihren  Ausdruck  fand.
Nicht  zum  geringen  Teil  verdanken  der  Elektrizitätsindustrie ­
  ihre  gute  Entwicklung  verschiedene  Werkzeugu
 nd  Maschinenfabriken.
Eng  im  Zusammenhang  mit  der  Entwicklung  der
Starkstromindustrie  steht  die  Entwicklung  der  später
näher  zu  betrachtenden  elektrochemischen  Industrie,
deren  Entfaltung  für  die  schweizerische  Volkswirtschaft ­
  vielleicht  noch  von  unberechenbarem  Werte
Se 'n  kann.  Es  sei  hier  nur  auf  die  Entstehung  der
Karbidwerke  (Verwendung  des  elektrischen  Ofens  zur
Acetylengas-Bereitung)  hingewiesen.  Die  Statistik  der
schweizerischen  Fabrikinspektion  führt  die  Karbidwerke
1T &amp;gt;it  unter  der  Rubrik  Gasanstalten  auf.  In  der  Schweiz
Sab  es  demnach:

1895  21  Gasanstalten  mit
1901  30

519  Arbeitern  und  119  PS.
669  PS.

1112
        <pb n="69" />
        64

Die  mechanische  Betriebskraft  (PS.)  hat  sich  also  in
dieser  Zeit  nahezu  versechsfacht  und  dürfte  dies  in  erster
Linie  der  zunehmenden  Verwendung  des  elektrischen
Stromes  für  die  Acetylengasbereitung  zuzuschreiben  sein.

9.  Der  Rückschlag  im  Jalire  1900  ff.  und  seine
Ursachen.
Die  Geschäftslage  in  der  Elektrotechnik  blieb  nicht
immer  die  gleich  gute.  Ein  allgemeiner  Rückschlag  in
den  Geschäftsergebnissen  setzte  mit  dem  Jahre  1900  ein.
Schon  vorher  wurden  in  Interessentenkreisen  vereinzelte
Stimmen  laut,  die  vor  einer  Ueberspannung  des  Bogens
warnten  und  darauf  hinwiesen,  dass  bei  einer  so  starken
Steigerung  der  Produktion  elektrotechnischer  Fabrikate,
wie  sie  in  den  letzten  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  vor
sich  ging,  binnen  wenigen  Jahren  der  Konsumtionsmöglichkeit ­
  Genüge  geleistet  sein  werde,  eine  Störung
des  Gleichgewichtes  zwischen  Angebot  und  Nachfrage
infolgedessen  bald  eintreien  müsse.  Und  so  kam  es
denn  auch!  Die  Konsumtionskraft  der  Elektrizitätswerke
und  elektrischen  Bahnen  war  ziemlich  erschöpft.  Karbidwerke ­
  hatten  infolge  vorangegangener  Ueberproduktion
z.  T.  ihren  Betrieb  auf  längere  Zeit  gänzlich  eingestellt.
Die  Verkaufspreise  schlugen  wegen  der  mangelnden
Nachfrage  eine  fallende  1  endenz  ein.  ln  ihrem  Geschäftsbericht ­
  für  1901/02  schreibt  die  Firma  Brown,  Boveri
&amp;amp;  Co.:  ...  die  Preise  sind  heute  auf  ein  Niveau  gesunken,
bei  dem  fast  durchgängig  mit  direktem  Verlust  gearbeitet ­
  werden  dürfte.  Bei  der  herrschenden  Ueberproduktion
  war  es  nur  mit  grosser  Anstrengung  möglich,
        <pb n="70" />
        —  65  —
den  ungeschmälerten  Betrieb  der  Werkstättc
zu  erhalten  und  angesichts  der  erhältlichen  Preis)
eigentlich  nur  die  Rücksicht  auf  die  Arbeiterschaft  eine
volle  Beschäftigung  erwünscht  erscheinen  lassen.“
Die  wirtschaftliche  Störung  war  allerdings  nicht
von  so  langer  Dauer  wie  diejenige  in  Deutschland  aus
der  gleichen  Zeit.
Musste  auch  in  den  Jahren  1900  ff.  meistens  mit
Verlust  gearbeitet  werden,  so  trat  doch  schon  wieder
ün  Laufe  des  Jahres  1903  eine  Wendung  zum  Besseren  ein.
Natürlich  wurden  durch  die  Störung  nicht  alle
schweizerischen  Elektrizitäts-Firmen  in  gleich  starker
Weise  beeinflusst.  Bei  der  Maschinenfabrik  Oerlikon

setzte  die  Depression  verhältnismässig  am  frühesten  ein;
auch  liess  sie  bei  ihr  nicht  so  rasch  nach  wie  bei  Biown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  Letztere  überstand  wohl  am  besten  die
Krisis.  Weniger  gut  ging  es  „Alioth“.  Sie  unternahm
es  gerade  in  der  Zeit  des  Niederganges  der  elektrischen
Industrie,  ihre  Werkstätten  bedeutend  zu  vergrössern.
Burch  den  Bau  einer  Zweigfabrik  in  Lyon  war  überdies
dei  ihr  die  administrative  Leitung  sehr  erschwert  worden.
Kabrikations-  und  Installationsfehler  zogen  grössere  Ver-Iuste
  nach  sich.  Der  Reservefond  musste  zur  Deckung
des  Schadens  herangezogen  und  das  Aktienkapital  von
Se chs  auf  drei  Millionen  Franken  herabgemindert  werden.
Brei  Millionen  Franken  wurden  alsdann  in  form  von
Prioritätsaktien  neu  hinzubeschafft.  Für  das  Jahi  1901
w aren  hohe  Abschreibungen  nötig.  Der  Verlust  von
l9 °1  betrug  insgesamt  3,347,995  Fr.  gegenüber  einem
Gewinn  von  435,000  Fr.  im  Vorjahre.
Die  kleinen  Elektrizitätsfirmen  überstanden  die  ungünstige ­
  Geschäftslage  noch  am  besten.

5
        <pb n="71" />
        66

Fälle  gänzlicher  Betriebseinstellung  wie  in  Deutschland ­
  sind  in  der  Schweiz  nicht  vorgekommen.
Die  eigentliche  Hauptursache  der  Depression  lag
in  der  falschen  Betätigungsweise  der  Elektrizitätsfirmen
bei  dem  Bau  von  Elektrizitätsanlagen  (Elektrizitätswerken ­
  und  Bahnen)  aus  eigenen  Mitteln.  Es  würden
Elektrizitäts-Werke  gebaut,  von  denen  man  sich  schon
von  vornherein  hätte  sagen  müssen,  dass  sie  nie  rentieren
würden.  Die  Produktions-  und  Absatzmöglichkeiten
waren  nicht  genügend  studiert,  der  Strom  zu  billig
offeriert  worden  —  namentlich  bei  den  ersten  Vertragsabschlüssen ­
  mit  den  Konsumenten.  —  Aehnlich  erging
es  bei  dem  Bau  von  elektrischen  Kleinbahnen.  Eine
Anzahl  von  Geleisestrecken  wurden  gebaut,  die  weder
jetzt  noch  später  den  Erbauern  eine  genügende  Rentabilität ­
  bringen  werden.
Dies  bedingte  eine  fortwährende  weitere  Ausgestaltung ­
  der  Produktionsstätten  und  führte  zur  übermässigen ­
  Investierung  grösserer  Kapitalien  bezw.  zur
Gründung  von  Finanzgesellschaften.
Hinzu  kam  die  Steigerung  der  Preise  für  die  Rohmaterialien ­
  und  Halbfabrikate  infolge  des  so  schnell
steigenden  Bedarfs  an  solchen,  die  stete  Verschlechterung
gewisser  Rohstoffe  (Eisen,  Kohle)  und  das  Nichteinhalten
der  Lieferfristen  für  Rohstoffe  und  Halbfabrikate,  ferner
das  fortwährende  Steigen  der  Arbeitslöhne  und  der  Ausgaben ­
  für  Kreditbedürfnisse.  —
Ueber  die  Ursachen  des  Rückschlags  und  der  sich
daraus  ergebenden  Aufgaben  der  Geschäftspolitik  äussert
sich  die  Maschinenfabrik  Oerlikon  in  ihrem  Geschäftsbericht ­
  für  1901/02  wie  folgt:
„In  den  zahlreich  veröffentlichten  Besprechungen  über
die  Verhältnisse  des  gegenwärtigen  elcktr.  Marktes  wurde
        <pb n="72" />
        67

sehr  häufig  der  eigentliche  Grund  dieser  Krise  wohl  verkannt ­
  oder  doch  nicht  mit  nötiger  Deutlichkeit  hervorgehoben. ­
  Er  liegt  u.  E.  darin,  dass  einer  Anzahl  mächtigster
und  mittlerer  Eabrikationshäuser,  welche  sich  gewöhnt
hatten,  namhafte  Prozentsätze  ihrer  Erzeugnisse  an  selbstgegründete ­
  oder  mit  Hülfe  von  Finanzinstituten  besonders
geschaffeneBeleuchtungs-,Traktions-und  Stromlieferungsgesellschaften ­
  abzusetzen,  nunmehr,  nachdem  für  diese  Art
von  Geschäften  die  Zeit  vorüber  war,  der  Abnehmer  eines
bedeutenden  Teiles  ihrer  Produktion,  insbesondere  in
grossen  Maschinen  fehlte,  sodass  diese  Firmen  gehalten
waren,  für  den  Ausfall  im  Absatz  andere  Klienten  zu
suchen.  Der  Gedanke  war  naheliegend,  einer  noch
intensiveren  Pflege  des  reinen  Kundengeschäfts  sich
zuzuwenden,  allein  insofern  nur  von  beschränkter  Richtigkeit, ­
  als  abgesehen  vom  derzeitigen  Mangel  an  Geschäf  tslust
  überhaupt  bei  den  Konsumenten  —  die  Bedürfnisse
der  vorhandenen  industriellen  und  kommunalen  Unternehmungen ­
  bei  weitem  nicht  genügten,  um  die  annähernd ­
  ausschliesslich  auf  dieses  Gebiet  jetzt  konzentrierte ­
  Produktion  so  vieler  im  Laufe  der  letzten  Jahre
teilweise  rapid  und  in’s  Enorme  vergrösserter  elektrotechnischer ­
  Werke  zu  absorbiren.  Daher  die  oft  kaum
für  möglich  gehaltenen  kaufmännischen  und  technischen
Bedingungen,  zu  denen  sich  immer  einige  Firmen  bereit
fanden,  Aufträge  zu  übernehmen.  Nicht  selten  sind  wir
Preisofferten  begegnet,  die  sich  weit  unter  unseren
Selbstkosten  bewegten.  Zufolge  des  anfangs  kaum
genügend  in  Rechnung  gezogenen  Vorhandenseins  erheblicher ­
  Vorratslager,  insbesondere  in  Deutschland,
verschärfte  sich  nachher  noch  das  Angebot.  Aber  auch
dadurch  wurde  die  Krisis  nicht  gemildert,  dass  die  Geld-
        <pb n="73" />
        68

Institute,  die  in  früheren  Jahren  da  und  dort  vielleicht
allzu  vertrauensvoll  Millionen  an  die  Gründung  elektrischer
Zentralen,  Traktionsunternehmungen  und  Banken  gewendet ­
  und  so  die  allzureiche  Blüte  der  Elektrizitätsbranche ­
  mit  herbeigeführt  hatten,  nunmehr  häufig  die
entgegengesetzte,  u.  E.  ebensowenig  ganz  gerechtfertigte
Politik  einschlugen  und  selbst  gegenüber  sich  bietenden
lebensfähigen  und  guten  Geschäften  sich  vorwiegend  ablehnend ­
  verhielten
Diejenigen  Firmen  aber,  welche  bewussterweise
stets  nur  dem  Maschinen-  und  Anlagenlieferungsgeschäft
für  fremde  Rechnung  obgelegen  und,  wie  die  unserige,
ihre  Werkstätten  im  ganzen  nicht  weiter  ausgedehnt
haben,  als  zur  Ausführung  der  von  den  normalen  Klienten
erteilten  Bestellungen  jeweilig  erforderlich  war,  die  auch
aus  den  Zeiten  der  Hochkonjunktur  her  nicht  mit  grossen
Beteiligungen  an  Gründungen  und  mit  finanziellen  Betriebsgarantien ­
  belastet  sind,  —  welche  also  gewissermassen
  die  Berufung  in  sich  tragen,  diese  entscheidende
Krisis  zu  überdauern  —  dürfen  sich  von  dem  momentanen ­
  Untergebot  unter  keinen  Umständen  eine  in
vieljähriger  Anstrengung  gewonnene  Klientele  abwenden
und  aus  Absatzgebieten  verdrängen  lassen,  die  auf  die
Dauer  zur  Aufrechterhaltung  der  notwendigen  Umsatzziffern ­
  unentbehrlich  sind.  Mehr  als  je  wird  es  eine
Aufgabe  der  Geschäftspolitik  sein,  in  allen  Beziehungen
die  errungene  Position  nötigenfalls  selbst  um  den  Preis
erheblicher  Schmälerung  der  Gewinne  zu  behaupten,
und,  parallel  mit  dem  Ausbau  der  inneren  und  äusseren
Organisation  und  mit  der  Weiterbildung  der  bisherigen
Konstruktionen  und  Methoden,  auch  die  Anhandnahme
neuer,  Aussicht  in  der  Zukunft  versprechender  Speziali ­
        <pb n="74" />
        69

täten  zu  verfolgen.  Nur  ein  solches  Vorgehen  ermöglicht
gleichzeitig,  bei  Wiederbelebung  der  Geschäfte  nicht  die
beste  Zeit  erst  verwenden  zu  müssen,  um  Versäumtes
nachzuholen,  sondern  alsdann  an  dem  Aufschwünge  in
vollem  Masse  teilzunehmen.“
Der  guten  Konstruktion  ihrer  Maschinen  anderen
ausländischen  konkurrierenden  Fabriken  gegenüber  verdankt ­
  es  die  schweizerische  Elektrizitäts-Industrie,  dass
sie  sich  doch  noch  relativ  schnell  wieder  erholen  konnte.
Wie  der  Geschäftsbericht  von  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  für
1902/03  erwähnt,  trug  hierzu  auch  nicht  unwesentlich
^ei,  dass  „äusserste  Sparsamkeit  in  allen  Betrieben“
herrschte.  Der  Verbilligung  der  Herstellungsweisen
wandte  man  die  grösste  Aufmerksamkeit  zu;  die
Requisition  Stätigkeit  wurde  vermehrt.  In  dem  Geschäftsjahre ­
  1903/04  konnte  die  Geschäftsstörung  als  überwanden ­
  gelten.  —

10.  Interessenvereinigungen.
Preisvereinigungen,  Kartelle  odersonstigelnteressenverbände
  (Ringe.  Trusts  usw.)  kommen  in  der  schweizerischen ­
  elektrotechnischen  Industrie  nur  ganz  vereinzelt
vor.  Zu  einem,  wenn  auch  nur  loseren,  Zusammenschluss
her  Grossfirmen  ist  es  bis  jetzt  nicht  gekommen.
Man  verfolgt  mit  grossem  Interesse  den  heissen
Konkurrenzkampf  der  deutschen  Nachbarbetriebe,  r  er
zur  Vernichtung  grosser  und  kleiner  Werke  führt,  gei
aber  nicht  daran,  sich  selbst  vor  Uebergriffen  zu
Wahren  bezw.  hierfür  geeignete  Schritte  ( inzul
Eigentlich  sollte  man  glauben,  dass  es  den  Gross
firmen  bei  ihrer  geringen  Zahl  nicht  schwel  falle,  einen
        <pb n="75" />
        70

engeren  Zusammenschluss  herbeizuführen,  um  sieh  über
wichtige  Punkte  zu  verständigen  und  nötigenfalls  gemeinschaftlich ­
  zu  handeln.  Als  derartige,  alle  Beteiligten
gleichmässig  berührende  Angelegenheiten  seien  z.  B.
nur  das  Submissionswesen  und  die  in  Technikerkreisen
vielfach  erörterte  Frage  der  Honorierung  ausgearbeiteter
Anlage-Projekte,  Kostenanschläge  usw.  erwähnt.
Soweit  Zusammenschlüsse  in  der  Schweiz  zustande
kamen,  gingen  sie  von  ausserschweizerischen  Firmen  aus.
Neben  dem  Glühlampenkartelle  sind  in  dieser  Hinsicht ­
  die  in  späteren  Kapiteln  zu  erwähnenden  internationalen ­
  Konventionen  der  Aluminium-und  der  Dampfturbinenwerke ­
  zu  nennen.
Zu  dem  Glühlampenkartell  gehören  fast  sämtliche
europäischen  Glühlampenfabriken,  darunter  auch  die
beiden  schweizerischen,  die  Zuger  und  die  Zürcher
Glühlampenfabrik.  Der  Verband  verdankt  seine  Entstehung ­
  der  Einsicht,  dass  es  notwendig  sei,  dem  Sinken
der  Verkaufspreise  Einhalt  zu  tun.  Sein  Sitz  ist  Berlin.
Er  verfügt  über  ein  Stammkapital  von  1  Million  Mark.
Der  Verkauf  der  Gesamtfabrikation  erfolgt  durch  die
„Verkaufsstelle  vereinigter  Glühlampenfabriken  G.  m.
b.  H.“  —  Vor  allem  sind  es  folgende  Vorteile,  die
durch  die  Kartellierung  der  Glühlampenfabriken  erreicht ­
  wurden,  und  die  somit  auch  den  schweizerischen
Glühlampenfabriken  zu  Gute  kommen:  Die  Verkaufspreise ­
  wurden  wieder  aut  ein  Niveau  zurückgeführt,  das
den  Fabriken  einen  annehmbaren  Nutzen  lässt;  die
technische  Ausgestaltung  der  1*  abrikate  wurde  verbessert;
wenig  verbrauchte  Lampensorten  wurden  aus  der  Fabrikation ­
  ausgeschaltet;  infolge  der  Fabrikation  und  des
Verkaufs  im  Grossen  kann  billig  eingekauft  und  die
        <pb n="76" />
        71

Betriebsweise  möglichst  rationell  gestaltet  werden.  „Die
Konsumsteigerung  gewährleistet  den  grösseren  Fabriken
die  allmähliche  Ausdehnung  der  Produktion  und  damit
die  Herabsetzung  des  Betriebskoeffizienten.“*)  Ausführlicher ­
  auf  die  technische  und  kaufmännische  Organisation ­
  des  Glühlampenkartells  einzugehen,  ist  hier  nicht
der  Platz.**)
Eine  Art  Interessengemeinschaft  kam  im  Jahre  1903
zwischen  der  Elektrizitäts-Aktiengesellschaft  Brown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  und  der  Allgemeinen  Elektrizitätsgesellschaft
in  Berlin  zustande.  Letztere  Gesellschaft  übernahm  in
Verbindung  mit  der  Bank  für  elektrische  Unternehmungen ­
  in  Zürich  etwa  die  Hälfte  des  Aktienkapitals
der  Firma  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  Trotzdem  die  Allgenieine
  Elektrizitätsgesellschaft  dadurch  die  Majorität  in
her  Generalversammlung  erhielt,  blieb  aber  die  Geschäftsführung ­
  von  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  in  den  alten
Gewährten  Händen.  Dass  die  Aktiengesellschaft  Brown,
Boveri  &amp;amp;  Co  durch  die  Transaktion  verstärkten  Rückhalt
her  verschiedensten  Art  erlangte,  bedarf  wohl  nicht  erst
eines  besonderenNachweises.  Wie  die  Weiterentwicklung
sein  wird,  erscheint  nicht  besonders  zweifelhaft,  wenn
man  sich  vor  Augen  hält,  dass  die  Firma  Brown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  durch  den  Aktienaustausch  auch  stark
unter  den  Einfluss  der  Schweizer  Kreditanstalt,  der  Leiterin
her  Bank  für  elektrische  Unternehmungen  in  Zürich,
gekommen,  die  Schweizerische  Kreditanstalt  aber  wiedei-Ur
 n  auf’s  Engste  mit  der  Maschinenfabrik  Oerlikon
*)  KarteiIrundscliau  Wien  1903  ff.
**)  Vgl.  Jahrbuch  des  S.  E.  V.  1905,  S.  21:  Statuten  der  Glühknipen-Einkaufs-V
  ereinigung.
        <pb n="77" />
        72

verbunden  ist.  Die  so  bedeutende  Vereinigung  der  zwei
grössten  schweizerischen  Elektrizitätsgesellschaften  in
einer  Hand  ist  vielleicht  nur  ein  Zufall.  Vielleicht
ist  sie  aber  auch  die  Vorläuferin  einer  bedeutenderen
Transaktion,  des  engeren  Anschlusses  der  beiden  grossen
schweizerischen  Elektrizitäts  -  Gesellschaften  an  eine
grössere  internationale  Trustbildung.  Bekanntlich  gründete
die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft  in  Berlin  im
Jahre  1904  eine  Interessengemeinschaft  mit  der  amerikanischen ­
  Firma  General  Electric  Co.  und  ihren  europäischen ­
  Tochtergesellschaften,  der  Thomson  Houston,
Edison  General  Electric  Co.,  den  Fort  Wayne  Electric
Works,  der  Stanley  Elektric  Manufacturing  Co.,  der
Eddy  Electric  Corporation,  der  General  Jucadescent  Are
Eight  Co.,  der  Sprague  Electric  Co.  und  der  Northern
Electric  Co.
Die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft  und  die
General  Electric  Co.  nahmen  eine  örtliche  Abgrenzung
ihrer  Produktionsgebiete  vor.  Erstere  Firma  bearbeitet
die  europäischen  Gebiete,  letztere  insbesondere  das
Gebiet  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika.  Südamerika ­
  ist  gemeinsames  Arbeitsfeld.  Patente  sollen
gemeinschaftlich  ausgenützt  werden.
Durch  eine  gänzliche  Aufsaugung  der  beiden  bedeutendsten ­
  schweizerischen  Grossfirmen  würde  sicher
die  Macht  der  Interessengemeinschaft  Allgem.  Elektrizitätsgesellschaft—General ­
  Electric  Co.  auf  dem  Weltmärkte ­
  ganz  wesentlich  gestärkt  werden.  Ob  die  Abnehmer ­
  hiervon  Vorteil  ziehen,  der  schweizerische
Bundesstaat  hieran  Freude  erleben  würde,  ist  allerdings
eine  andere  Frage.
        <pb n="78" />
        73

11.  Die  Fabrikate  der  schweizerischen  elektrotechnischen ­
  Industrie  auf  dem  Weltmärkte.
Gewissermassen  als  Anhang  zu  dem  gegenwärtigen ­
  Kapitel  über  die  Starkstromindustrie  mögen  an
dieser  Stelle  einige  Bemerkungen  über  die  Stellung,
welche  die  schweizerische  Elektrotechnik  im  Vergleich
zu  der  anderer  Nationen  auf  dem  Weltmärkte  einnimmt,
Platz  finden.  Anhaltspunkte  hierfür  geben  die  Berichte
über  die  grösseren  Ausstellungen.*)
Auf  der  elektrotechnischen  Spezialausstellung  in
Frankfurt  a.  M.  von  1891  und  der  Genfer  Landesausstellung ­
  von  1896  nahm  die  noch  junge  schweizerische
  elektrotechnische  Industrie,  wenn  auch  einen  „bescheidenen. ­
  so  doch  ehrenwerten  Platz 1-  ein.
Eingehend  mit  der  „technischen  Güte“  der  Fabrikate,
der  Grösse  des  Wirkungskreises  bezw.  der  Produktion
'Id -  einzelnen  Länder,  machte  ihre  Besucher  die  Pariser
Weltausstellung  von  I960  bekannt.
Die  deutsche  Abteilung  für  elektrotechnische  Appara
 te  auf  der  Pariser  Weltausstellung  gab  von  der  hervorragenden ­
  Leistungsfähigkeit  der  elektrotechnischen
Industrie  Deutschlands,  die  auch  schon  auf  früheren
Ausstellungen  sehr  charakteristisch  hervorgetreten  war,
dn  wirklich  getreues  Bild.  Deutschland  bildet  den
dauptkonkurrenten  der  Schweiz,  sofern  von  Amerika
abgesehen  wird.  Die  deutsche  elektrische  Industrie
Weist  eine  selbstständige  Entwicklung  auf.  Sie  ist  keine
künstliche  Treibhauspflanze  wie  die  französische  und
belgische.  Die  Qualität  ihrer  Produkte  ist  eine  äusserst
*)  Nach  Professor  Dr.  Wyssling:  Production  et  utilisation  de
I  electricite.  Zürich  1900.  Separatabdruck  des  S.  E.  V.
        <pb n="79" />
        74

gute,  der  Preis  der  Güte  derselben  sehr  angemessen.
Alle  führenden  und  tonangebenden  Grossfirmen  des
deutschen  Reiches  waren  auf  der  Ausstellung  mit  vorzüglichen ­
  Spezialtypen,  besonders  Stromerzeugungsmaschinen, ­
  vertreten:  die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft; ­
  Siemens  &amp;amp;  Halske;  Elektrizitäts-Gesellschaft
Lahmeyer;  Schuckert.
Oesterreich-Ungarn  zeigte  in  der  Pariser  Weltausstellung ­
  im  allgemeinen  ähnliche  Maschinentypen
wie  Deutschland.  Es  fehlt  der  östereichisch-ungarischen
Elektrizitätsindustrie  aber  an  „Tatkraft“.  Ausgestellt
hatten  vor  allem  die  Firmen  Kolben  &amp;amp;  Krizik  A.-G.  und
Vereinigte  Elektrizitäts-Aktiengesellschaft  Egger,  Ganz
&amp;amp;  Co.  —-  In  Oesterreich-Ungarn  hat  bekanntlich  die  Herstellung ­
  einiger  Spezialfabrikate,  wie  die  von  Glühlampen
und  Drähten,  einen  besonders  hohen  Grad  der  Ausbildung ­
  erlangt.
Die  französische  elektrotechnische  Industrie,  die
sich  seit  der  Ausstellung  von  1889  wesentlich  geändert
hat,  —  mächtige  Aktien-Gesellschaften,  aus  ehemaligen
kleinen  Agentur-  und  Installationsgeschäften  hervorgegangen ­
  oder  neu  entstanden,  setzen  Maschinentypen
in  Betrieb,  die  denen  keines  andern  Landes  nachstehen
—  besass  in  ihrer  Abteilung  unstreitig  die  gleiche
Signatur  wie  die  deutsche:  „Streben  nach  Konstruktion,
nach  Typen  grosser  Leistung,  in  direkter  Kuppelung
mit  Dampfmaschinen,  bei  hauptsächlicher  Verwendung
von  Wechselstromarten''.  Die  gezeigten  Maschinenkolosse ­
  waren  indessen  in  Frankreich  nur  gebaut  und
zusammengestellt,  nicht  aber  auch  konstruirt  worden.
Die  Konstruktion  war  fremden  Ursprungs.  Die  französischen ­
  Elektrizitätsfirmen  bauen,  sofern  sie  nicht  Zweig ­
        <pb n="80" />
        75

geschäfte  ausländischerFirmensind,meistnach  Zeichnung
ausländischer  Gesellschaften.  Als  Zweiggeschäfte  sind  zu
nennen  die  Societe  Electricite  et  Hydraulique  in  Jemmont
(Stammhaus  in  Charleroi,  Belgien),  die  Compagnie
Erangaise  Thomson-Houston  in  Postel-Vinay,  welche
amerikanische  Original-Thomson-Houston  baut.  Schneider
&amp;amp;  Co.  bauen  nach  den  Konstruktionen  von  Thury  in
Genf  und  Ganz  &amp;amp;  Co.  in  Wien.  Mit  Siemens  &amp;amp;  Halske
verbunden  ist  die  Societe  Alsacienne  in  Beifort.  Die
Original  Schuckertschen  Konstruktionen  hat  die  Compagnie ­
  de  Creil  (vorm.  Dayde  et  Pille)  in  Licenz;  ebenso
Oie  Compagnie  generale  electrique  de  Nancy  und  die
Nouvelle  Decauville.  In  der  mechanischen  Ausführung
s 'rid  die  französischen  Fabrikate  ebenso  tadellos  wie
Oie  schweizerischen.  Eine  grosse  Verbreitung  haben
' n  den  letzten  Jahren  die  französischen  Hilfs-  und  Halbfabrikate ­
  gefunden.

Vollauf  denselben  Charakter  wie  die  französische
hat  die  belgische  Elektrizitätsindustrie.  Die  Fabrikation
elektrischer  Maschinen  bildet  in  Belgien  einen  Nebenzweig ­
  der  Maschinenfabrikation
ln  den  nordischen  Ländern  Schweden,  Norwegen
und  Russland  ist  die  Elektrotechnik  noch  wenig  ausgebildet.
  Die  spärlichen  Objekte  auf  der  Pariser  Weltausteilung ­
  zeigten  keinen  speziellen  Charaktei.  Ootz
ihrer  Kohlenarmut,  aber  bei  ihrem  Reichtum  an  Wasserkräften, ­
  sollten  diese  Länder  der  elektrisch«  n  indu. -

Uoch  eine  grosse  Zukuntt  bieten.
England,  das  sonst  doch  das  Land  einer  bedeutenden
Industrie  ist,  wies,  den  von  Siemens-Brotheis,  Bo  ^ey
Mather  &amp;amp;  Platt  stammenden  Ausstellungsob.lt  \t
x -u  urteilen,  durchaus  nicht  aul  eine  ausgebildc  te  &amp;gt;  tktri
        <pb n="81" />
        76

zitätsindustrie  hin.  Nur  die  englische  Kabelfabrikation
ist  mustergültig,  ln  England  wären  alle  materiellen
Bedingungen  für  die  Entwicklung  einer  Elektrizitätsindustrie ­
  vorhanden:  Arbeitskräfte,  Rohmaterialien  und
Kapital.  Die  Schwierigkeit  liegt  hier  indessen  im
Konservativismus  des  Engländers,  der  sich  mit  der  Einführung ­
  moderner  Arbeitsmaschinen  nicht  befreunden
kann.
Die  nordamerikaniscfie  elektrotechnische  Industrie
hat  einen  glänzenden  Entwicklungsgang  durchlaufen.
Amerikas  Fabrikate  sind  heute  in  allen  Kulturstaaten
gut  eingeführt;  insbesondere  sind  es  seine  sogenannten
„Standards“,  mit  denen  es  den  ganzen  Weltmarkt  überschwemmt.*) ­
  Der  amerikanische  Ingenieur  machte  sich
stets  nach  dem  Prinzip  „handeln  ist  besser  als  forschen“
das  neueste,  was  er  auf  deutschen  und  anderen  Ausstellungen ­
  sah,  zu  Nutze.  Das  Forschen  wurde  von  den
Amerikanern  stets  gern  in  den  Hintergrund  gestellt.
Mit  dem  raschen  Handeln  sind  sie  auf  dem  Gebiete  der
Elektrotechnik  zu  grossen  Errungenschaften  gelangt.
Einen  Massstab  für  die  Grösse  der  Leistungsfähigkeit
Nordamerikas  auf  dem  Gebiete  der  Elektrotechnik  konnte
allerdings  die  amerikanische  Abteilung  auf  der  Weltausstellung ­
  in  Paris  von  1900  nicht  geben.
Die  Schweiz  war  auf  der  Pariser  Weltausstellung
mit  ähnlichen  Fabrikaten  vertreten  wie  Deutschland.
Die  Konstruktionen  waren  Schweizer  Originale,  nicht
Erstlingswerke,  sondern  vielfach  mit  Erfolg  eingeführte
Maschinentypen.  Die  Fabrikate  sind  im  allgemeinen
denen  deutschen  Ursprungs  an  Güte  ebenbürtig.  Hin*) ­
  Vgl.  die  Ausführungen  von  Vanderlipp:  Amerikas  Eindringen
in  das  europäische  Wirtschaftsgebiet.  Berlin  1903.
        <pb n="82" />
        77

sichtlich  Sorgfalt  der  Konstruktion  gebührt  der  Schweiz
oft  sogar  der  Vorrang.  Die  Leistungen  sind  um  so
anerkennenswerter,  als  ja  noch  einzelne  schweizerische
Firmen  verhältnismässig  sehr  jung  sind.  Eine  sich  aul
die  Ausnützung  von  Modellen  stützende  Massenfabrikation
in  kleineren  kurranten  Maschinen  kennt  die  Schweiz
nicht.  Deutschland  (Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschat  t)
und  Nordamerika,  in  neuester  Zeit  auch  Frankreich,  sind
ja  daran,  auf  diesem  Gebiete  Besonderes  zu  leisten.
•
Auch  in  der  Fabrikation  von  „Spezialprodukten"  steht
die  Schweiz  hinter  anderen  Ländern  zurück;  wie  schon
früher  erwähnt  (Seite  27),  liegt  dies  zum  Teil  an  dem
Mangel  an  Rohstoffen  (Kohle,  Erze  etc.)  und  Halbfabrikaten. ­
  Von  den  Franzosen  können  die  Schweizer
m  der  Aufsuchung  von  Abnehmern  und  raschen  Verwertung ­
  von  Neuheiten,  von  den  Amerikanern  in  der
Praktischen  Herstellung  konstruktiver  Einzelheiten  lernen.
* n  der  Schweiz  sind  alle  Voraussetzungen,  die  zur  Leist-Un
 gsfähigkeit  der  Elektrizitätsindustrie  in  erster  Linie  nötig
s 'ud,  erfüllt.  Man  verfügt  über  einen  guten  Stab  tüchtiger
Arbeiter  und  Ingenieure  und  ist  mit  den  neuesten  Arbeitsmaschinen ­
  (Spezialmaschinen),  zum  Teil  selbst  erbaut,
Ve rsehen.  Gewaltige  Wasserkräfte  stehen  der  Elektri-Mtätsindustrie,
  wie  in  keinem  anderen  Lande  in  gleichem
Masse,  zur  Verfügung.  An  Ansporn  zum  Wetteifern
fmim  Streben  nach  Vervollkommnung  der  elektrischen
^  rodukte  fehlt  es  also  nicht.  Einen  guten  Ruf  aul  dem
A  eltmarkte  hat  sich  die  schweizerische  elektrotechnist  he
Industrie  schon  jetzt  gesichert.  Die  Marke  „Made  in
Switzerland“  hat  einen  guten  Klang.  Dass  dies  auc  h
fernerhin  so  bleibe,  ist  nur  zu  wünschen.
        <pb n="83" />
        III.  Elektrizitätswerke  und
elektrische  Bahnen.

Elektrizitätswerke  gibt  es  in  der  Schweiz  wegen
der  so  reichlich  vorhandenen  Wasserkräfte  eine  grosse
Anzahl.
Im  Jahre  1902  waren  es  221  (nicht  mitgerechnet
Werke,  welche  nur  dem  Bahnbetriebe  dienen).  Sie
lassen  sich  in  zwei  Hauptkategorien  einteilen:
1.  die  eigentlichen  oder  primären  Werke,  d.  h.  Werke,
„welche  in  primärer  Weise  mechanische  Leistung
in  elektrische  umsetzen“  und
2.  die  sekundären  Werke,  d.  h.  Werke,  welche  von
einem  andern  Werk  (Primärwerk)  Strom  beziehen
und  dann  „wiederum  an  Dritte  mit  oder  ohne
Umformung“  weitergeben.
Primär-Werke  gab  es  1902:  182  (1901:  177),
Sekundär-Werke  „  „  1902  :  39  (1901:  24).
Nachstehende  Tabelle  gibt  einen  Ueberblick  über
die  Leistung  der  Primär-Werke,  excl.  Bahnwerke.  (Die
vor  der  Klammer  stehende  Zahl  bezieht  sich  auf  das
Jahr  1902,  die  in  der  Klammer  stehende  auf  das  Jahr  1901):
Bei  %  Leistung  °/„  der  Gewerk. ­
  all.  Werke  in  KW.  samtlstg.
168  od.  92,5(95,5)  m.  regul.  Wasserkraftbetr.  betr.  114,400  od.  96,6  (94,5)
4  „  2,0  (1,1)  „  Oampfkraftbetr.  „  2,200  „  1,9  (3,0)
10  „  5,5  (3,4)  „  ,,  Gaskraftbetrieb  „  1,800  „  1,5  (2,5)
182“  100  (100)  118,400  KW.  Leist.*)
*)  Statistik  des  S.  E.  V.,  veröffentlicht  vom  Generalsekretär
Prof.  Dr.  Wyssling  im  Jahrbuch  des  Schweiz.  Elektr.  Vereins  1902
II.  Teil  S.  1  ff.
        <pb n="84" />
        79

Von  1901  auf  1902  (für  welche  beiden  Jahre  Verfasser ­
  nur  Zahlen  zur  Verfügung  standen)  fand  also
eine  Verschiebung  ,  zu  Gunsten  des  Dampf-  und  Gaskraftbetriebes
  statt.
Die  Sekundär-Werke  nahmen  wiederholt  an  Zahl
zu;  gegenwärtig  sind  es,  wie  bereits  erwähnt,  39  Werke.
Professor  Wyssling  schreibt  darüber  im  Jahrbuch  des
Schweiz.  Elektr.  Vereins  1902,  II.  Teil,  S.  I  ff.  folgendes:
„Dass  die  sekundären  Unternehmungen  für  allgemeine
Stromabgabe  nicht  ab-,  sondern  zugenommen  haben,
und  dass  kleinere  Gemeinden  oder  Konsortien  für  ihr
Gebiet  sich  gewissermassen  als  Zwischenhändler  für
elektrischen  Strom  zwischen  die  Produzenten  und  Konsumenten ­
  schieben,  ist  nicht  zum  Vorteil  letzterer,  sei
es  hinsichtlich  des  Preises,  sei  es  hinsichtlich  Güte  des
Betriebes.“
Auf  die  Stromarten  der  Werke  kann  hier  nicht
eingegangen  werden,  ebenso  nicht  auf  die  kalorischen
Peserven  der  Wasserkraftanlagen.
In  den  letzten  Jahren  bürgerte  sich  auch  die  Verwendung ­
  der  Akkumulatorenbatterie  mehr  und  mehr
e &amp;gt;n.  Ihre  Gesamtleistung  bei  dreistündiger  Entladung
betrug  im  Jahre  1902  3452  KW.*)  Pro  Ladung  ergibt
dies  eine  Arbeitsfähigkeit  von  mehr  als  10,000  Kilowattstunden. ­
  Ueber  die  Verwendung  von  Primärmotoren
und  Generatoren  geben  nachstehende  beiden  labeilen
e 'n  Bild;
?2  (57)  durch  305  (263)  Turbinen  betriebene  Primärmotoren  leisteten
1902  :  133,000  (1901  :  104,400)  PS.
23  (17)  durch  34  Dampfmotore  betriebene  Primärmotoren  leisteten
1902  :  12,800  (1901  :  10.000)  PS.
*)  I  KW.  =  1,36  PS.  1  PS.  =  0,736  KW.
        <pb n="85" />
        80

18  (14)  durch  34  Oas-  und  Petrolmotoren  betriebene  Primärmotoren
leisteten  1902  :  4000  (1901  :  3500)  PS.
Die  Durchschnittsleistung  pro  .Motor  beträgt  also
402  PS.  Die  Zahlen  sind  in  den  letzten  Jahren  noch

gestiegen.
50  Werke  besitzen  bei  189  (146)
Gleichstrom-Generatoren
24  Werke  besitzen  bei  87  (79)  Einphasenstrom-Generatoren ­

37  Werke  besitzen  bei  168(134)  Mehrphasenstrom-Generatoren ­

89  Werke  besitzen  bei  444  (359)
Generatoren

Mittl.  Leistg.
Totalleistg.  pro  Generator
24,300  (18,400)  KW.  129  (126)  KW.
13,500  (11,000)  „  156  (139)  „
66,800  (51,900)  „  396  (386)  „
104,600  (81,300)  „  235  (226)  „

Von  der  zur  Verfügung  stehenden  Kraftmenge  mit
insgesamt  110,900  KW.  wurden  1902  verwendet:

15,000  KW.
22,500
ca.  21,400  „
ca.  48,000  „
4,000  „

=  13°/ 0  für  elektr.  Bahnbetrieb,
=  23%  elektröchemischeZwecke,
=  20—25%  „  Motorenbetrieb,
=  40—45%  „  Beleuchtung,
=  3%  „  Wärmeapparate.

Es  verbrauchten  hiervon  die  Kommunen  31,900  KW.
und  Privatgesellschaften  ca.  78,960  KW.  Die  Kantone
haben  wenig  zu  der  Nutzbarmachung  der  vorhandenen
Wasserkräfte  beigetragen.  Die  Hauptkonsumenten
sind  die  Aktiengesellschaften  und  die  Genossenschaften;
der  Verbrauch  der  Einzelpersonen  dagegen  ist  sehr  gering-Die
  Elektrizitätswerke  sind  in  einem  dauernden
Werdegang  begriffen.  Die  Fernleitungen  nehmen  ständig
an  Länge  zu.
        <pb n="86" />
        81

Bei  nachstehenden,  den  grössten,  Werken  betrug

(1901)

die  Leitungslänge:

die  Leistung:

Kanderwerk

240

(223)

km

4000  KW.

Montbeoven

214

(206)

3600  „

La  Goule

120

(120)

n

1400  „

Hagneck

112

(88)

„

3500  „

Beznau

104

(-)

5400  „

Insgesamt  waren  es  rund  2250  (1900)  km  oberirdische ­
  (Luft-)  Leitungen  und  rund  200  km  unterirdische
Leitungen  (Kabel),  zusammen  2450  (2100)  km.
Die  Zahl  der  Abonnements  betrug  1902  (1901)  bei:
fagesmotoren  für  63  Werke  1300  (1026)od.  21  (15)pr.  Werk  i.  Mittel
andern  Motoren  „  74  „  2300  (1722)  „  31  (26)  „  „  „  „
Beleuchtung  „  81  „  36200  (26538)  „  447  (402)  „  „  „  „
Wärmeapparate  „  65  „  2300  (1362)  „  35  (20)  „  „  „  „
Zusammen  !für  95  Werke  42100  (30648)  od.  444  (463)pr.Werk;i.  Mittel
Die  Abonnentenzahl  hat  also  innerhall)  eines  Jahres
eine  ganz  beträchtliche  Zunahme  erfahren.  Insbesondere
ls t  die  Zahl  der  Lichtabonnenten  gewachsen,  relativ  am
stärksten  aber  die  Zahl  der  Abnehmer  von  Strom  für
Wärmeapparate.
Die  folgende  Tabelle  zeigt,  wie  die  grossen  Werke
11000  KW.  und  mehr  Leistung)  an  Zahl  und  Totalleistung
die  kleineren  Werke  überflügeln:
Werke  %  aller  Werke  leisten  KW.  -zus.  KW.  %  d.  Totallstg-12
  01)  od.  6V*  %  (5V/„)  über  3000  70,000  (50,000)  od.  60%  (49%)
21  (21)  „  ll’/s^/o  (11%)  v.  1000-3000  30,000  (30,000)  „  25%  (29V
32  (32)  od.  18%  (16■/,%)  1000  u.  mehr  100,000  (80,000)  od.  85%  (78°,„)
' 3  D2)  7%  (6%)  v.  500-1000
38  (67)  „  32%  (34%)  v  100—500  '18,400  (23,000)  od.  15"/ 0  (22%)
8  (85)  „  43°/ 0  (43 l /s'7«)  wenig,  als  100^  ___
Total  118,400(10,300).
Während  also  1901  noch  83 x / 2 °/o  all er :.W  erke_[zu
den  kleineren  Werken  (mit  einer  Leistung  von  unter
        <pb n="87" />
        82

1000  KW.)  gehörten,  waren  es  1902  nur  noch  82  °/ 0 .
Während  erstere  1901  noch  22%  her  Gesamtleistung
aufwiesen,  lieferten  letztere  1902  nur  15%  der  Gesamtkraft. ­
  Die  Ueberlegenheit  der  grossen  Werke  erhellt
auch  aus  der  weiter  folgenden  vergleichenden  Tabelle
über  Leistung,  Ausdehnung,  Anlage  und  Betriebskosten
einiger  Elektrizitätswerke.*)

Anlage

Leistung  in  PS

Zahl  der
versorgten  Ortschaften

pv  Qrösste
3  Uebertragungsdistanz

Anlagekosten ­

Fr.

2P  Anlagekosten  pro  PS

Jährliche
Betriebskosten ­

pro  PS.
Fr.

-t]  Selbstkosten  pro
f  elfstündiges  Jahrespferd

Betriebskraft:  Wasser.

Etzel  (111)  ...

19000

—

—

18,900,000

1000

1,461,000

94

„  (IV)  .  .  .

28000

—

—

23,500,000

835

1,820,000

77

„  (V)  .  .  .

60000

—

-

35,670,000

590

2,820,000

50

Beznau  ....

8100

12

40

9,000,000*

1110*

850,000*

106*

Elektrizitätswerk

an  der  Sihl  .  .

1600

18

21

2,047,000

1280

172,190

108

Kabelwerk  Herisau

3000

21

27

4,635,674

1600

408,000

136

Les  Clees,  Yverdon

1800

19

22

1,600,000

890

219,370

122

La  Goule,  St.  Imier

215«

29

35

1,608,000

750

215,200

100

Lac  de  Joux  .  .

5000

—

—

—

—

—

Schaffhausen  .  .

600

-  2

2,5

547,350

910

99,500

146

Olten-Aarburg  .  .

3200

19

16,3

3,650,243

1140

308,000

96

Rathausen  .  .  .

1600

10

12,3

1,456,000

910

180,000*

113*

Betriebskraft

Gas.

Uster

16C

4

2

257,000

1600

40,350

253

|  Stäfa

9C

3

3,?;

190,000

2115

23,800

265

Alle  Preise  verstehen  sich  inklusive  Leitungsnetze  und  Transformatoren-Stationen.

Den  Betriebskosten  liegt  bei  allen  Beispielen  eine  Amortisationsund ­
  Verzinsungsquote  von  6,5  °/ 0  des  Anlagekapitals  zugrunde.
Die  mit  *  bezeichneten  Zahlen  sind  approximative  Schätzungen.

*)  Dem  Vortrage  des  Regierungsrates  Bleuler-Hüni  über  „Das
Etzelwerk“,  30.  Handelskammerbericht  Zürich  1903,  S.  49,  entnommen.
        <pb n="88" />
        83

Je  grösser  die  Anlagen  und  die  Leistung  in  PS.,
desto  geringer  sind,  wie  die  Zahlen  der  Tabelle  zeigen,
die  Anlagekosten  pro  PS.  und  die  Selbstkosten  pro  elfstündiges
  Jahrespferd.
Sehr  erschwert,  zuweilen  ganz  unmöglich  gemacht,
ist  die  Anlage  grösserer  Elektrizitätswerke  noch  durch
die  Verschiedenheit  der  Wasserrechtsgesetzgebung  in
den  einzelnen  Kantonen.
Nachstehende  Tabelle  aus  dem  Schweiz.  Finanzjahrbuch ­
  1904,  S.  124ff.  gibt  einen  interessanten  Ueberidick
  über  die  Preise  für  Gas  und  Elektrizität  in  einer
Anzahl  schweizerischer  Städte:

Gas  per  cbm  für  Elektrizität  pr.  KWSt.  für

Aarau
baden
Biel
Chur
Freiburg
Lausanne

Thun
Vevey
Winterthur
Basel
Bern
B urgdorf
Cent
^°rschach
Neuenburg-°lten

Solothurn
Lugano
Luzern

Beleuchtg.

Kochzw.  Beleuchtg.

Kraft  Bemerkungen

cts.

cts.

cts.

cts.

27  V,

227*  9-11  VT)

6  *)  ausserdem  Spezialtarif

28

20

Pauschalpreise  od.  mit  5-25  Prozent  Rabatt.

4—25  cts.

10—20  cts.

25

20

6

2  Gross.  Konsum  m.  Rabatt.

27

20

5

4

25

20

5

1

25

20

7*)

2,4**)  *)  Spezialtarif.

ebenso

**)  Spezialtarif  für  Tagesen25 ­



Motore

motoren  m.  30  Prozent  Hab.

20

6

2

27

20

5

1,7

20

20

5

3,5  Pauschal  2,5—4,6  cts.

■  25

177*

8,2

3-0,75

Grundtaxe

20

15

pro  Kerze

1—2 1 / 2 *)  *)  Preise  mit  Rabatt,  im
allgem.  nach  Spezialtarif.

77,

25

20

6,5  ausserd.  Spezial-Spezialtarif



tarif

25

20

6,2

Spezialtarif  Plus30Fr.  p.  KWS.Grdtaxe.

17

21

3,3

—

18  Sommer
25  Winter

18

7

4,5  ausserdem  bes.  Tarif.

25

20,5

20,5

5,5

Spezialtarif

PauschalFr.10—210u. ­



17,5

17,5

tarife

2,8—1,2  cts.
p.  KWSt.

25

20

Durchschn.  Fr.  165p.HP-20



20

5*)

—

25

21

—

Fr.50Gdtaxe
        <pb n="89" />
        84

Wie  die  Tabelle  zeigt,  ist  der  niedrigste  Satz  für
Strom  zu  Beleuehtungszwecken  3,3  cts.  pro  KWSt.
(Genf),  der  höchste  28  cts.  (Baden),  der  niedrigste  Satz
für  Strom  zu  Kraftzwecken  0,75  cts.  (Winterthur),  der
höchste  Satz  20  cts.  (Baden).  Innerhalb  dieser  Grenzen
linden  sich  zwischen  den  einzelnen  Werken  die  verschiedenartigsten ­
  Sätze,  besonders  bei  den  Privatgesellschaften. ­
  Im  Mittel  kostet  der  Strom  für  Beleuchtungszwecke ­
  pro  KWSt.  5-7  cts.  und  der  Strom  für  Kraftzwecke ­
  pro  KWSt.  2—4  cts.
Der  Berechnung  von  Strom  für  Beleuchtungszwecke
liegt  mehrfach  ein  Pauschaltarif  zugrunde.  Der  Pauschalsatz ­
  ist  alsdann  unbekümmert  um  die  wirkliche  Brenndauer ­
  zu  entrichten;  Preisabstufungen  werden  nach
Verwendungszweck  (Beleuchtung  von  Wohn-  und  Schlafzimmern ­
  oder  von  Kellern  und  Ställen  usw.)  und  nach
Grösse  des  durchschnittlichen  Bedarfs  des  einzelnen
Konsumenten  vorgenommen.  In  Städten  sind  meistens
Elektrizitätszähler  aufgestellt.  Diese  ermöglichen  eine
exaktere  Berechnung  der  wirklichen  Stromentnahme,
was  sowohl  im  Interesse  der  Elektrizitätswerke,  als  auch
im  Interesse  der  Stromverbraucher  liegt.
Bei  Strom  für  Kraftzwecke  ist  auch  die  Berechnung
nach  PS.  pro  Jahr  statt  nach  KWSt.  üblich,  mit  gleitender
Preisskala  nach  durchschnittlicher  Dauer  der  Belastung.
Die  Vor-  und  Nachteile  der  verschiedenen  Bemessungssysteme
  und  laxenarten  stellt  Prof.  Wyssling-Generalsekretär
  des  Schweiz.  Elektrotechnischen  Vereins,
in  seiner  Schrift  „Die  1  arile  Schweizerischer  Elektrizitätswerke ­
  für  den  Verkaul  elektrischer  Energie“
(Zürich  1904)  zusammen.
        <pb n="90" />
        85

In  den  letzten  Jahren  haben  wiederholt  Ermässigungen
  der  Licht-  nnd  insbesondere  der  Kraftpreise ­
  stattgefunden.  Wie  jede  Verbilligung  in  der  Regel
Mehrkonsum  nach  sich  zieht,  so  geschah  es  auch  bei
dem  Konsum  in  Elektrizität:  die  Ermässigungen  des
Preises  hatten  vor  allem  eine  weitere  Einbürgerung  der
Heizkörper  im  Gefolge.  Die  Preise  der  Elektrizität
bilden  aber  auch  die  Grundlage  für  die  Möglichkeit
weiterer  Ausnützung  der  heimischen  Wasserkräfte  und
den  ausschlaggebenden  Faktor  für  die  weitere  Entwicklung ­
  der  elektrotechnischen  Industrie.
Wie  verhältnismässig  gering  der  Strompreis  in  der
Schweiz  im  Vergleich  zu  dem  in  verschiedenen  grösseren
Städten  des  europäischen  Festlandes  und  Grossbritanniens
is t,  geht  aus  nachstehenden  Zahlen*)  hervor:

Preis  der  eiektr.  Energie
für
Licht  Kraft
pro  KWSt.

in

Hamburg

70

cts.

20

cts.

n

Frankfurt  a.  M.

75

n

25

n

Dresden

75

11

31

11

11

Nürnberg

87

11

25

11

Stockholm

70

ii

28

11

n

Stuttgart

75

11

25

11

X

City  of  London

45

11

25

11

11

Bristol

35

5?

15

11

Edinburgh

50

11

20

11

*)  Vortrag  von  Direktor  Huber  -  Stöcker-OerliKon  „  .  g  g
grösserer  Städte  mit  eiektr.  Kraft“,  veröffentlicht  in  dem  Berichte  über
dandel  und  Industrie  1904.  S.  44ff.  Vgl.  Jahrbuch  des  S.  t.  V.  1904/5.
*  4*  „Die  Tarife  Schweiz.  Elektr.-Werke  für  den  Verkauf  eiektr.  Energie. 4 '
        <pb n="91" />
        86

Ist  auch  ein  genauer  Vergleich  nicht  zulässig,  da
der  Preisbemessung  nicht  überall  gleiche  Normen  zugrunde ­
  liegen,  so  erhellt  aus  den  Zahlen  doch  der
wesentliche  Vorteil  der  schweizerischen  Elektrizitätswerke, ­
  denen  die  billigen  Wasserkräfte  zur  Verfügung
stehen,  gegenüber  den  Elektrizitätswerken  der  genannten
Grossstädte,  die,  abgesehen  von  grösseren  Anlagekosten
für  städtischen  Grund  und  Boden,  mit  hohen  Kohlenpreisen
  zu  rechnen  haben.
Den  verhältnismässig  billigen  Kraft-  und  Kichlpreisen
  verdankt  die  schweizerische  Elektrizitätsindustrie
auch  nicht  zum  geringen  Teil  die  starke  Anwendung
der  elektrischen  Energie  in  allen  Industriezweigen.  Es
sind  besondere  Vorteile,  welche  der  elektrischen  Kraft
anderen  Betriebsarten  gegenüber  eigen  sind.  Vor  allem
ist  es  die  stete  Betriebsbereitschaft:  eine  Hebelbewegung
und  alle  Maschinen,  selbst  des  ausgedehntesten  Betriebes,
sind  in  Gang  gesetzt.  Ein  Druck  auf  den  Kontakt  der
elektrischen  Anlage  und  das  Licht  erstrahlt  im  vollen
Glanze.  Weiter  der  Wegfall  lästigen  Rauches  und
lästiger  Gerüche;  direkte  Kuppelung  des  elektrischen
Motors  mit  beliebigen  Maschinen  und  deshalb  Wegfall
gewisser  Arbeitskräfte  und  mancher  Gefahren.  Bei
Benutzung  von  Akkumulatoren  kann  etwaige  überschüssige ­
  elektrische  Kraft  vorteilhaft  aufgespeichert
und  nach  Bedarf  gebraucht  werden.  Die  elektrische
Kraft  wird  nur  solange  konsumiert,  wie  sie  absolut
nötig  erscheint.  Dies  alles  sind  Vorteile,  die  von  dem
Techniker  nicht  ausser  Acht  zu  lassen  sind.
Umstehende  labelle  gibt  einen  Einblick  in  die
Verwendung  und  die  schnelle  Einbürgerung  der  elektr.
Kraft  in  den  verschiedenen  Industriegruppen,
        <pb n="92" />
        Zahld.  Betriebe,  welche  Verwendete  Betriebskraft  in  PS.

Industriegrupp  e

Betriebe  |

Motore  '

elekt.

Kraft  verwenden

überhaupt  (

davon  in

Form  von

überhaupt

ausschliessl.  |.

vorwieg.

elektr.  Energie

1901

(1895)

1901

(1895)

1901

(1895)  1901  (1895)

1901

(1895)

1901

(1895)

I.

Textilindustrie

1730  (

1793)

959

(818)

161

(28)

85  (5)

6891  1

(62327)

4910  (1823)

11.

Lederwaren

146

(126)

114

(88)

32

(3)

23  (2)

2101

(1615%)

804

(25)

111.

Leb.  u.  Qenussm.

638

(53/)

510

(434)

111

(28)

33  (6)

33162

(19158%)

5376  (14557 ä )

IV.

Chem.  u.  Phys.  Ind.

279

(167)

248

(123)

46

(7)

25  (2)  107290

(16353%)

10751

(119)

V.

Papierfabrik

496

(417)

443

(335)

156

(19)

94(12)

14173

(113157 4 )

2062

(457%)

VI.

Holzbearbeitung

852

(528)

755

(480)

132

(13)

114(15)

14819

(9999%)

1605

(675)

VII.

Metallwaren

377

(234)

261

(171)

71

(19)

50  (5)

10397

(10339 1 /  j

1906

(712)

VIII.  Maschinen

522

(396)

492

(365)

I57

(26)  111  (8)

16206

(109837 e )

4418  (1371  7,)

IX.

Bijouterie

663

(488)

440

(276)

252

(29)  218(22)

3274

(24737a)

1545

(246)

X.

Steine  und  Erden

398

(295)

336

(247)

98

(14)

54  (9)

18675

(10152)

4038

(472%)

Total  6080  (4933)4537  (3303)  1213  (186)  805(81)  289037  (152718%)  37413  (7357  VJ

! )  Schweizerische  Fabrikinspektion  1895  und  1901.
        <pb n="93" />
        88

Im  Jahre  1901  zählte  man  in  der  Schweiz  56  elektrische ­
  Bahnen,  und  zwar
49  eigentliche  Bahnen  und
7  Seilbahnen  mit  elektrischem  Antrieb.
Den  Strom  bezogen  19  Bahnen  aus  eigenen  primären
Kraftwerken  (bei  8  Werken  wurde  auch  für  andere
Zwecke  an  Dritte  Strom  abgegeben),  37  Bahnen  aus
anderen  Elektrizitätswerken.
42  eigentliche  elektrische  Bahnen  verwendeten
Gleichstrom,  7  solche*  Drehstrom,  5  Seilbahnen  mit
elektrischem  Antrieb  Gleichstrom  und  2  solche  Drehstrom.
Der  Kraftbedarf  der  Bahnen  bezw.  die  Leistung
der  bezüglichen  Anlagen  gestaltet  sich  nach  dem  Jahresbericht ­
  des  S.  E.  V.  für  1901  S.  258ff."wie  folgt:
Gleich-  Dreh-  „  ,  ,
,  .  -  Total:
ström:  ström:
Aus  eigenen  Werken  der  Bahnen,:  2800  KW.  1200  KW.  =  4000  KW.
aus  anderen  Elektrizitäts-Werken:  7700  KW.  1000  KW.  =  8700  KWzus.
  rund  10500  KW.  2200  KW.  =  12700  KW.
Von  dieser  Kraftmenge  absorbieren  die  städtischen
Strassenbahnen  den  grössten  Teil  (Zürich,  Basel  und
Genf  zusammen  4000  KW.).  Die  elektrischen  Zahnradbergbahnen ­
  verbrauchen  ca.  1200—1300  KW.,  die  gleiche
Kraftmenge  die  grösseren  Normalbahnen  Burgdorf-Thun
und  Freiburg-Morat.
Die  Zahl  der  Kleinbahnen  und  die  Länge  der
Geleisestrecken  hat  in  den  letzten  Jahren  weiter  zugenommen; ­
  auch  neue  Vollbahnen  sind  hinzugekommen.
Leider  fehlt  hierfür  amtliches  statistisches  Material;  auf
privatem  Wege  derartiges  zu  beschaffen,  ist  zu  schwierig
und  sehr  kostspielig.  Es  wäre  sehr  wünschenswert,
        <pb n="94" />
        —  89  —
dass  der  schweizerische  Bundesrat  bald  dazu  schreiten
würde,  seinem  eisenbahnstatistischen  Bureau  ein  elektrizitätsstatistisches ­
  Bureau  anzugliedern.  Bei  der  Bedeutung ­
  der  elektrischen  Kraft  für  die  Schweiz  würde
sich  das  sicher  lohnen  und  Interessenten  damit  ein
reger  Wunsch  erfüllt  sein.
        <pb n="95" />
        IV.  Die  elektroehemisehe
Industrie.

Die  Vorteile,  welche  die  elektrolytische  Methode
der  rein  chemischen  gegenüber  hat,  sind  genügend  bekannt ­
  und  in  beteiligten  Kreisen  angemessen  gewürdigt
worden.  Harren  auch  noch  einige  Wünsche  und  Forderungen, ­
  welche  man  an  die  Elektrochemie  stellt,  der
Erfüllung,  so  kann  man  doch  zunächst  mit  den  bis  jetzt
schon  erzielten  Erfolgen  zufrieden  sein.
Die  vorteilhafteste  bezw.  billigste  Betriebskraft  der
Elektrochemie  ist  zurzeit  die  Wasserkraft.  In  Ländern,
wo  billige  Wasserkräfte  zur  Verfügung  stehen,  in  der
Schweiz,  in  Schweden  und  in  Nord-Amerika  (Niagarafälle), ­
  steht  die  elektrochemische  Industrie  in  hoher
Blüte.  Die  Konkurrenz  auf  diesem  Gebiete  ist  eine
beschränkte.  Die  Verdrängung  des  Schwachstroms  —
galvanische  Elemente  —  durch  den  Starkstrom  Dynamo
—  erweitert  aber  nicht  allein  das  Anwendungsgebiet
der  Elektrolyse,  sie  führt  auch  zu  einer  Verbilligung  des
elektrolhermischen  Verfahrens  und  damit  zugleich  zur
Aufhebung  der  örtlichen  Gebundenheit  der  elektrochemischen ­
  Industrie.  Von  den  Wasserkräften  wandert
die  letztere  zu  den  Kohlengruben.*)
ln  der  Schweiz  bildet  die  Gewinnung  des  Aluminiums
gegenwärtig  noch  den  Hauptzweig  der  elektrochemischen
Industrie.  Sie  liegt  vornehmlich  in  den  Händen  der
*)  VgL  Oettel:  Die  Entwicklung  der  elektrochem.  Industrie  1902.
        <pb n="96" />
        91

Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft  in  Neuhausen
(Schweiz).  Im  Jahre  1889  wurde  die  Elektrolyse  des
Aluminiums  aus  der  Tonerde  in  Neuhausen  am  Rheinfall ­
  eingeführt.  Ihre  erste  Fabrik  mit  einer  verfügbaren
mechanischen  Kraft  von  4000  PS.  (20  cbm  Wasser  per
Sekunde  bei  20  m  Gefälle)  hatte  die  Aluminium-Industrie-Aktiengesellschaft
  Neuhausen  Ende  1888  von  der  1893
mit  ihr  vereinigten  Schweizerischen  Metallurgischen
Gesellschaft  in  Neuhausen  erworben;  1898  erfolgte  die
Gründung  der  Filiale  in  Rheinfelden  (Baden)  mit  5000  PS.
und  I899  die  Gründung  der  Filiale  in  Eend-Gastein
(Oesterreich)  mit  9000  Pferdekräften.  Ein  angekauftes
viertes  Werk  in  Lend-Rauris  verfügt  über  eine  mechanische ­
  Betriebskraft  von  6000  PS.  Insgesamt  beträgt
also  die  ausnutzbare  mechanische  Betriebskraft  der
Aluminium-Induslrie-Aktien-Gesellschaft  24,000  PS.
Nach  den  „Statistischen  Zusammenstellungen  über
f^lei,  Kupfer  usw.“  der  Metallgesellschaft  und  Metallurgischen ­
  Gesellschaft  A.-G.  in  Frankfurt  a.  M.  betrug
die  Produktion  der  Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschal't

1892  237  Tonnen  Aluminium
1898  ca.  800
1899  „  1600
1900  „  2500
1902  „  2500
1904  „  3000
Bie  Schweiz  exportierte
1892  278  Tonnen  Aluminium
1898  677
1904  694  „  denen  ein
Import  von  17  Tonnen  gegenüberstand.
        <pb n="97" />
        Die  Produktion  der  Werke  in  der  Schweiz  (Neuhausen) ­
  ist  somit  jetzt  auf  800—900  Tonnen  zu  schätzen.
Von  der  Gesellschaft  selbst  werden  hierüber  genauere
Angaben  nicht  gemacht.  Da  die  Weltproduktion  in
Aluminium  auf  rund  8750  Tonnen  anzusetzen  ist,  trägt
die  Schweiz  hierzu  etwa  10°/„  bei,  mehr  also  als  England, ­
  dessen  Produktion  auf  nur  ca.  650  Tonnen  zu
veranschlagen  ist,  ungefähr  halb  so  viel  als  Frankreich,
das  1700  Tonnen,  und  ein  viertel  so  viel  als  Nordamerika,
das  etwa  3400  Tonnen  produziert.  Itn  Jahre  1892
stammte  noch  mehr  als  die  Hälfte  der  ca.  487  Tonnen
betragenden  Weltproduktion  an  Aluminium  aus  der
Schweiz,  und  zwar  von  der  Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschafl.
  Aluminium  ist  das  einzige  Metall,  welches
die  Schweiz  über  ihren  eigenen  Bedarf  hinaus  erzeugt.
Dem  Umstande,  dass  es  in  gewissem  Grade  die
mechanischen  Vorzüge  der  gewöhnlich  gebrauchten
Metalle  —  in  Härte  und  Festigkeit  gibt  Aluminium
Gusseisen  und  Bronze  nichts  nach  —  mit  der  Beständigkeit ­
  der  edleren  Metalle  in  sich  vereinigt,  sowie  seinem
ausserordentlich  geringen  spezifischen  Gewicht  verdankt
das  „Silber  des  Tons“,  nachdem  sein  Preis  auf  2—2,5  Fr.
per  kg  gesunken  ist  (im  Jahre  1855  noch  ca.  1200  Fr.),
seine  mannigfaltige  Verwendung  im  Kunstgewerbe,  zur
Anfertigung  verschied.  Gebrauchsartikel,  Feldflaschen,
Kochgeschirre  usw.  Besondere  Vorzüge  haben  die
Legierungen  mit  Kupfer  (bis  zu  10°/ 0  Al.),  die  Aluminiumbronzen
  (grosse  mechanische  und  chemische  Widerstandsfähigkeit), ­
  was  die  Eisen-  und  Stahlindustrie,  sowie
die  Schiffsbauindustrie  zu  bedeutenden  Abnehmern  für
Aluminium  machen.  In  der  Elektrotechnik  selbst  hat
man  bereits  nicht  ohne  Erfolg  Versuche  gemacht,  bei
        <pb n="98" />
        93

den  Freileitungsdrähten  Kupfer  durch  Aluminium  zu
ersetzen.
Dem  steigenden  jährlichen  Absatz  entspricht  eine
Steigerung  der  Kurse  für  die  Aktien  der  Aluminium-Industrie-Akticn-Gesellschaft
  Neuhausen  an  den  Börsen
in  Zürich,  Basel  und  Frankfurt  a.  M.  An  letztgenannter
Börse  notierten  die  Aktien  Ende  1895  mi.t  l30,90°/ 0 ,
Ende  1897  mit  165%,  Ende  1900  mit  153%,  Ende  1903
mit  205,20%,  Ende  1904  mit  257%  und  Ende  1905
mit  317%.
Die  Bilanzen  der  Gesellschaft  zeigen  ein  sehr  erheuliches
  Bild.  Ende  1904  betrug  das  Aktienkapital
16  Mill.  Franken,  von  denen  bis  jeizt  50%  eingezahlt
s ind.  Einer  Obligationenschuld  von  5,8  Mill.  Fr.  stand
«ine  Rückstellung  für  Amortisation  von  5,9  Mill.  Fr.
gegenüber,  einer  Kreditorenschuld  von  1,5  Mill.  Fr.,  ein
Bank-  und  Debitorenguthaben  von  6,5  Mill.  Fr.  Den
Wert  der  Anlagen  in  Neuhausen  beziffert  die  Gesellschaft
'"mt  rund  5  Mill.  Fr.,  den  der  Anlagen  in  Rheinfelden
,T &amp;gt;it  rund  6  Mill.  Fr.,  den  der  Anlagen  in  Lend  mit  rund
4  Mill.  Fr.  und  den  der  Anlagen  in  Rauris  mit  rund
'  Mill.  Fr.  An  der  chemischen  Fabrik  Goldschmieden
(Schlesien),  die  das  für  die  Zwecke  der  Aluminium-Industrie
  erforderliche  Aluminiumoxyd  herstellt,  ist  sie
IT &amp;gt;it  einem  Kommanditkapital  von  rund  I  Mill.  Fr.  be-Bdligt.
  Der  Nettogewinn  für  1904  betrug  rund  2  Mill.  kr.
gegenüber  1,75  Mill.  Fr.  im  Jahre  vorher.  An  Dividenden
kamen  zur  Verteilung  1891  =  3%,  1895  =  10%,  1897  =
12 %,  1900  =  12'/,%,  1903  =  16%,  1904  =  18%  und
1905  —  22%.  Ausser  Aluminium  und  Aluminium-Begierungen
  stellt  die  Gesellschaft  noch  Calciumkarbid
* n  grossem  Massstabe  her.  Neuerdings  wurde  be-
        <pb n="99" />
        94

*)  Wirtschaftskunde  der  Schweiz,  herausgegeben  von  Dr.  Geehring
und  Dr.  Holz,  Basel,  1903.  S.  74.

schlossen,  der  von  Herould  erworbenen  Erfindung  zur  Herstellung ­
  von  Stahl  auf  elektrischem  Wege  näher  zu  treten.
Eine  im  November  1901  zustande  gekommene
Vereinigung  sämtlicher  bestehender  Aluminiumwerke,
an  der  also  auch  die  Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft
  beteiligt  ist,  verfolgt  hauptsächlich  den  Zweck,
die  Verkaufspreise  in  niedrigsten  Grenzen  zu  halten,  um
der  Verwendung  von  Aluminium  immer  mehr  Gebiete
zu  eröffnen.
Ein  weiterer  wichtiger  Zweig  der  elektrochemischen
Industrie  der  Schweiz  ist  die  Calciumkarbid-Darstellung.
2-1,000  PS.  werden  diesem  Industriezweige  zurzeit  dienstbar ­
  gemacht.  Calciumkarbid  dient  bekanntlich  zur
Acetylenbereitung,  spielt  also  in  der  Beleuchtungstechnik
eine  bedeutende  Rolle.  Es  wird  in  grossem  Masse  in
den  Karbidwerken  fabriziert,  indem  man  unter  Mitwirkung
einer  starken  Wärmequelle,  wie  sie  nur  der  elektrische
Lichtbogen  entwickelt,  gebrannten  Kalk  und  Koks  mit
einander  in  chemische  Reaktion  bringt.  Die  nötigen
Temperaturen  liegen  zwischen  2400—3000°  C.  Seiner
Eigenschaft  als  vorzüglicher  Energiespeicher,  welche
es  ermöglicht,  für  verhältnismässig  geringe  Kosten  an
jedem  beliebigen  Orte,  wohin  es  transportiert  wird,  eine
grosse  Anzahl  Acetylenbrennerzuspeisen,  hatdas  Calciumkarbid ­
  seine  weitverbreitete  Verwendung  zu  verdanken.
Die  Zahl  der  Karbidwerke  steigt  von  Jahr  zu  Jahr.
Grosse  Werke  sind  in  der  Schweiz  in  Lauterbach,
Thusis,  Gampel,  Gurtnellen  und  Flums.  Die  Stadt
Genf  stellte  2  grosse  I  urbinen  auf,  die  von  Wassern
der  Rhone  und  der  Arve  gespeist  werden.*)
        <pb n="100" />
        95

*)  Wirtschaftskunde  der  Schweiz  1901  S.  69  und  1903  S.  75.

Trotzdem  die  Selbstkosten  pro  Tonne  Calciumkarbid
nur  etwa  157  Fr.  betragen  sollen,  waren  einzelne  Karbidwerke ­
  in  den  Jahren  der  Depression,  1900  ff.  (S.  64),
genötigt,  ihren  Betrieb  einzuschränken  oder  gar  ganz
einzustellen.  Ein  zur  Hebung  des  Marktpreises  —  er
war  infolge  des  starken  Wettbewerbs  zeitweilig  unter
die  Selbstkosten  gesunken  —  im  Jahre  1900  gegründetes
Syndikat  schweizerischer  und  ausserschweizerischer
Karbidwerke  nahm  eine  umfangreiche  Regelung  der
Produktion  vor  und  so  konnte  man,  nachdem  eine
grössere  Anzahl  Städte  gleichzeitig  zur  Acetylen-Beleuchtung ­
  übergegangen  war,  allmählich  wieder  zu  einer
rentablen  Betriebsweise  gelangen.
Im  Interesse  der  gedeihlichen  Entwicklung,  sowohl
( ler  Aluminium-Industrie  als  auch  der  Karbid-Industrie
der  Schweiz,  liegt  der  Abschluss  günstiger  Handelsverträge. ­
  Beide  Industriezweige  sind  stark  auf  den
Pxport  angewiesen;  beide  müssen  sich  mit  ihren
Produkten  auf  den  ausgedehnteren  Weltmarkt  begeben,
Urn  genügenden  Absatz  für  die  noch  stark  ausdehnungs-Uihige
  Produktion  zu  linden.
Der  Export  der  Schweiz  an  Calciumkarbid*)  repräsentierte: ­

für  1897  einen  Wert  von  324000  Er.
.  1898  „  „  „  741000  .,
„  1899  „  „  „  1595000  ,
„  1900  „  „  „  I548000  „
Produziert  wurden  im  Jahre  1899
v °n  der  Schweiz  eine  Menge  im  Werte  von  10,504  Mill.  Fr.
»  Nordamerika  (V.  St.)  „  „  „  „  -  22,500  »  ”
»  Frankreich  „  „  „  „  »  13,125  „  „
        <pb n="101" />
        96

von  Deutschland

eine  Menge  im  Werte  von  4,666  Mill.  Fr.

„  Oesterreich-Ungarn
„  Qrossbritannien
„  Skandinavien

7,875
3,037
18,600

Von  geringerer  Bedeutung  für  die  schweizerische
elektrochemische  Industrie  ist  die  Darstellung  von  chlorsaurem ­
  Kalk,  Chlorkalk,  Aetznatron  usw.
Mit  der  Fabrikation  von  Chlorat,  insbesondere
Kaliumchlorat,  Perchlorat  und  Persulfat  beschäftigt  sich
insbesondere  die  im  Jahre  1889  von  zwei  französischen
Chemikern  gegründete  Gesellschatt  Societe  d’Electrochemie
  in  Vallorbe.
Das  Geschäft  dieser  Gesellschaft  gedieh  so  gut,
dass  man  bereits  im  Jahre  1892  ein  Zweiggeschält  in
St.  Michels  de  Maurienne  (Savoie)  und  im  Jahre  1900
ein  weiteres  Zweiggeschäft  in  Des  Clavaux  .par  Riouperoux
  (Isere)  errichten  musste,  um  dem  steigenden
Konsum  in  Chlorat  usw.  gerecht  werden  zu  können.  Das
Aktienkapital  der  genannten  Firma  beträgt  zur  Zeit
3,400,000  Fr.  Die  Betriebskraft”  ihres  schweizerischen
Werkes  entstammt  der  Orbe,  welche  durchschnittlich
2400  PS.  liefert.  Das  Rohprodukt  Chlorkalium  wird
von  Stassfurt  bezogen.  Wenn  auch  die  Verkaufspreise
in  den  letzten  zehn  Jahren  sehr  gesunken  sind,  ist  doch
die  Chloratdarstellung  recht  rentabel.  Das  Hauptabsatzgebiet
  ist  das  Ausland.  Dreiviertel  der  gesamten
Produktion  geht  nach  überseeischen  Ländern.*)  Neben
dem  genannten  Unternehmen  befassen  sich  mit  der
Chloratdarstellung  die  Gesellschaft  für  Elektrochemie
in  Turgi,  gegründet  im  Jahre  1900,  die  Volta  SocidtF

*)  Von  der  Direktion  dem  Verfasser  frdl.  mitgeteilt.
        <pb n="102" />
        97

*)  Wirtschaftskunde  der  Schweiz  1901.  S.  69.
* n  1903.  S.  7t&amp;gt;.

7

anonyme  suisse  de  l’industrie  elektrochimique  und  die
Socidtedespesinesdeproduitschimiques  de  Monthey.  Letztere ­
  2  Firmen  stellen  auch  Chlorkalk  und  Aetznatron  her.
Die  Weltproduktion  an  chlorsaurem  Kali,  Chlorkalk
und  Aetznatron  verteilte  sich  im  Jahre  1899  dem  Werte
nach  auf  die  einzelnen  Länder  wie  folgt:

Ver.  Staat.

i
43

Schweiz  v.  Nord-Frank-

  “  -g

Oester-  EngSkandi ­

 ­



reich  g  iS

reich  land

navien

(in  1000  Franken)

Chlorsaures  Kali

1,515  270

5,158  98

614  -

1,637

Chlorkalk

900  1,400

12,381  6,400

1,969  3,062

—

Aetznatron

631  980

8,660  497

377  2,142

-*)

Die  Schweiz  exportierte:

chlorsaures  Kali

Chlorkalk

Aetznatron

(in  1000  Franken)

1890

31

—

—

1891

386

—

—

1892

626

—

—

1893

841

—

—

I894

1031

—

—

1895

878

—

—-1896



773

—

—

1897

681

—

—

1898

687

2

5

1899

695

46

15

1900

1126

164

39

1901

906

178

42**)

Die  elektrothermische  Industrie  hat  sich
Schweiz  bis  jetzt  nur  mit  der  Gewinnung  von  um
Gefasst.  Ihr  Gehret  wäre  aber  sehr  erweiterungrfäh^
^ie  Herstellung  von  keramischen  Produkten,
Stahl,  würden  für  sie  lohnende  Erwerbsque  e
        <pb n="103" />
        98

Auf  die  neuesten  Versuche,  auf  elektrochemischem
Wege  Farbstoffe  herzustellen,  Stickstoff  aus  der  atmosphärischen ­
  Luft  zu  gewinnen  und  Ozon  zu  bereiten,
mag  an  dieser  Stelle  nur  kurz  hingewiesen  werden.
Da  es  sich  hier  vorerst  noch  um  Versuche  handelt,  lässt
sich  ein  abschliessendes  Urteil  über  die  Bedeutung  der
Entwicklung  dieser  Verfahren  für  die  Schweiz  noch
nicht  gewinnen.
        <pb n="104" />
        V.  Der  Schweizer.  Elektroteehn.
Verein  und  seine  technischen
Prüfanstalten.

Der  Schweizer.  Elektrotechnische  Verein  (S.  E.  V.)
wurde  im  Jahre  1888  gegründet.  Konsumenten  und
Produzenten  der  Elektrizität  waren  von  Anfang  an  in
ihm  vereinigt.  Aus  seiner  Mitte  bildete  sich  1895  der
AVerband  schweizerischer  Elektrizitätswerke  (V.  S.  L.)
als  besondere  Sektion  zur  Vertretung  der  Spezialinteressen ­
  der  Werke.
Wie  bereits  früher  (Seite  43  ff.)  erwähnt,  machte
sich  der  S.  E.  V.  frühzeitig  die  Aufstellung  und  Durchführung ­
  von  Vorschriften  für  den  Bau  und  Betrieb
e lektrischer  Stromanlagen  zur  Aufgabe.  Ein  diesbezüg-Üches
  Reglement  gelangte  im  Jahre  1896  zur  Annahme.
Mit  der  Durchführung  der  erlassenen  Sicherheitsvorschriften ­
  —  für  die  Mitglieder  des  Vereins  verbindlich ­
  -  wurde  ein  im  Jahre  1897  geschaffenes  „Starkstrominspektorat“
  betraut.  Sitz  dieses  Inspektorats  ist
Zürich;  ein  Filialbureau  befindet  sich  in  Lausanne.
'vird  überwacht  von  einer  aus  7  Mitgliedern  bestehen
Aufsichtskommission.  Seit  dem  Jahre  1898  wild
fnspektorat  vom  Bunde  subventioniert,  und  zwar  ur
'898  mit  7500  Fr.,  alsdann  mit  10,000  kr.  und  \on  1903
ab  mit  40,000  Fr.  pro  Jahr.
        <pb n="105" />
        100

Nachdem  durch  Gesetz  vom  24.  Juni  1902  eine
bundesstaatliche  Kontrolle  der  elektrischen  Anlagen  eingeführt ­
  worden  war,  wurde  nach  längeren  Verhandlungen ­
  mit  dem  S.  E.  V.  das  Starkstrominspektorat
mit  der  Ausübung  dieser  Kontrolle  betraut,  zunächst
für  3  Jahre.  Nach  Ablauf  der  3  Jahre  wurde  das  Abkommen ­
  um  weitere  3  Jahre  Verlängert.  Das  Beamtenpersonal ­
  des  Inspektorats  besteht  aus  einem  Oberingenieur, ­
  mehreren  Inspektoren  und  Hülfsinspektoren.
Seine  Aufgaben  sind  dreierlei  Art:
a.  Regelmässige  periodische  Inspektionen  „ganzer“
Elektrizitäts  -  Werke.  Diese  Werke  müssen  Mitglieder ­
  des  S.  E.  V.  sein  und  haben  eine  entsprechende ­
  Gebühr  zu  entrichten.
b.  Regelmässige  Inspektionen  von  „Einzelanlagen“  —
inbegriffen  sogen.  Hausinstallationen  Privater  —
gegen  besondere  jährliche  Abonnementsgebühren.
c.  Neuerdings  einheitliche  Inspektionen  der  Werke
auf  Grund  des  Starkstromgesetzes,  insbesondere
bei  Neuanlagen  von  Elektrizitäts-Werken.  Diese
Inspektion  ist  für  die  Inspizierten  unentgeltlich  —
lediglich  mit  Rüge  dessen,  was  gegen  die  gesetzlichen ­
  Vorschriften  verstösst.*)
Umstehende  Tabelle  gibt  einen  Ueberblick  über
die  Tätigkeit  des  Starkstrominspektorats  in  den  letzten
Jahren  (nach  dem  Jahresbericht  der  Aufsichtskommission
der  Technischen  Prüfanstalten  des  S.  E.  V.  für  das  Jahr
1903/04).
*)  Vgl.  die  Statuten  und  Jahresberichte  des  S.  E.  V.,  Organi'
sations-Regulativ  der  Technischen  Prüfanstalten  und  Notice  sur  les  In'
stitutions  de  contröle  de  l’association  suisse  des  electriciens,  Zürich.
        <pb n="106" />
        30.  Juni  1899

j  30.  Juni  1900

j  30.  Juni  1901

130.  Juni  1902

30.  Juni  1903

30.  Juni  1904

Totalzahl  der  Abonnenten  .  .  .

88

136

177

251

295

321

Totalbetrag'der  Abonnements  Fr.

20,211.60

25,943.60

25,222.50

30,305.50

34,150.50

40,306.50

Zahl  der  abonnierten  Elektrizitäts-Werke



52

73

86

102

121

134

Beitragspflichtiger  Wert  ihrer  Anlagen

  Fr.

13,749,800.-15,815,400.-





32,055,580.-34,882,200.

  -

43,950,000.-Betrag

  ihrer  Abonnementsbeiträge

  Fr.

17,246.10

20,864.60

18,221.50

20,016.50

22,460.50

26,251.-Durchschnittlicher

  Beitrag  per

Abonnement  Fr.

331.65

285.82

212.-196.-





198.10

Betrag  der  Abonnements  in  °/oo

des  Wertes  der  Anlagen  .  .

1,254

1,319

0,604

0,624

0,644

0,600

Zahl  der  abonn.  Einzelanlagen  .

36

63

91

149

174

187

Betrag  ihrer  Abonnementsbeiträge

  Fr

2,965.50

5,079.-7,001.-









Zahl  der  lnspektionen  bei  Elektrizitäts-Werken

  im  Berichtsjahr

75

83

91

137

122

170

Zahl  der  Inspektionen  bei  Einzelanlagen

  im  Berichtsjahr  .  .
Totalzahl  der  Inspektionen  im

33

80

106

181

169

217

Berichtsjahr

108

163

197

318

291

387
        <pb n="107" />
        —  102

Zwei  technische  Prüfungsanstalten,  ebenfalls  Gründungen ­
  des  S.  E.  V.,  stehen  dem  Starkstrominspeldorat
noch  zur  Seite:  Das  Materialprüfungsamt  und  die  Eichstätte. ­

Das  Materialprüfungsamt  befasst  sich  mit  der  Untersuchung ­
  elektrischer  Installations-  und  Konstruktionsmaterialien, ­
  sowie  von  Apparaten,  insbesondere  im
Aufträge  Dritter  und  gemäss  den  vom  S.  E.  V.  festgestellten ­
  Normalien.  Es  wurde  im  Jahre  1903  gegründet,
zunächst  mit  einem  Kostenaufwande  von  15,000  Fr.
Geleitet  wird  es  von  einem  Oberingenieur,  dem  ein
Mechaniker  zur  Seite  steht.
In  dem  Rechnungsjahre  1904/05  wurden  vom  Materialprüfungsamt
  neben  zahlreichen  anderen  Arbeiten  nicht
weniger  als  2383  elektr.  Lampen  geprüft.
Im  Jahre  1904  wurde  die  Eichstätte  ins  Leben
gerufen.  Ihr  Ausbau  konnte  jedoch  erst  in  neuester
Zeit  erfolgen,  nachdem  der  Bundesrat  sich  zur  Leistung
eines  Jahresbeitrags  von  10000  Fr.  zu  den  Kosten  hatte
bereit  finden  lassen.
Die  Eichstätte,  die  nach  Muster  eines  deutschen
Untereichamtes  angelegt  ist,  wird  ebenfalls  von  einem
Oberingenieur  geleitet.  Ihre  Aufgabe  ist  die  Eichung
elektr.  Messinstrumente  im  Aufträge  von  Fabrikanten,
Konsumenten  und  Besitzern  solcher  Instrumente.
Die  allgemeinen  administrativen  Arbeiten  der  genannten ­
  drei  Prütungsanstalten,  wie  auch  die  Buch-  und
Kassenführung  derselben  obliegt  dem  Zentralbureau  der
Technischen  Prüfanstalten,  das  ebenfalls  einem  Oberingenieur ­
  unterstellt  ist  und  seinen  Hauptsitz  in  Zürich  hat.
In  keinem  anderen  Lande  dürften  ähnliche  vorzügliche ­
  Einrichtungen  zu  linden  sein,  wie  sie  die  vor-
        <pb n="108" />
        —  103  —
erwähnten  technischen  Prüfungsanstalten  des  Schweiz.
Elektrotechn.  Vereins  sind.  Der  Initiative  der  beteiligten
Industriellen  selbst  entsprungen,  haben  sie  staatlichen
Massnahmen  vorgearbeitet,  der  staatlichen  Autorität  die
Wege  geebnet  und  wiederum  dem  Staat  einen  reil
seiner  Aufgaben  abgenommen,  um  mit  sachkundiger
Hand  die  Verwaltungsvorschriften  zu  einer  den  Gesamtinteressen ­
  gerecht  werdenden  Anwendung  zu  bringen.
        <pb n="109" />
        VI.  Die  pinanzgesellsehaften.

Wie  schon  auf  Seite  8ff.  geschildert  wurde,  begann
die  Entwickelung  einer  Starkstromindustrie  Anfang  der
80er  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts.  Der  ersten  Konstruktion ­
  einer  brauchbaren  Krafterzeugungsmaschine,
eines  Dynamos,  folgte  die  Lösung  des  Problems  der
Kraftübertragung  auf  grössere  Entfernungen,  ln-  und
ausländische  Gesellschaften  machten  sich  jetzt  daran,  die
neue  Kraftquelle  zu  erschliessen  und  dem  wirtschaftlichen ­
  Leben  dienstbar  zu  machen,  ln  wenigen  Jahren
vergrösserte  sich  die  Zahl  der  Elektrizitätsfirmen,  sowohl
in  der  Schweiz,  als  auch  vor  allem  in  Deutschland  und
Nordamerika.
Die  Elektrizitätsfirmen  wandten  sich  zunächst  dem
Bau  von  städtischen  Zentralen  für  Licht-  und  Kraftzwecke ­
  zu.
Da  viele  Städte  und  Gemeinden  Bedenken  trugen,
ihren  eigenen  Kredit  für  die  grosse  Summen  erfordernden
Anlagen,  von  denen  noch  nicht  einmal  genügend  erprobt
war,  ob  sie  sich  bewähren  würden,  in  Anspruch  zu
nehmen,  führte  man  bald  das  System  der  Tochtergesellschaften ­
  in  die  elektrische  .Industrie  ein.  Die  Tochtergesellschaften ­
  streckten  den  Kunden  die  noch  fehlenden
Barmittel  für  den  Bau  des  Elektrizitätswerkes  vor  und
halfen  sie  so  über  etwaige  Bedenken  wegen  hoher  Preise
hinweg.  Nachdem  die  lukrativeren  Geschäfte  auf  diesem
        <pb n="110" />
        105

Gebiete  seltener  geworden  waren,  ging  man  an  die
weniger  rentablen  Anlagen.
Mit  Hülfe  der  Handelsbanken  war  es  alsdann
möglich,  einen  neuen  Industriezweig  des  Baues  elektr.
Bahnen  zu  inaugurieren.  Da  man  sich  von  dieser  „Neuheit“
noch  mehr  versprach  als  von  dem  Bau  der  Elektrizitäts-Werke,
  liess  man  den  letzteren  alten  Fabrikationszweig
wieder  mehr  oder  weniger  fallen  und  suchte  sich  mit
allen  Kräften  auf  dem  neuen  Gebiete  zu  betätigen.
Um  die  Umwandlung  des  Pferdebahnbetriebes  in
elektrischen  Betrieb  schneller  bewerkstelligen  zu  können,
kaufte  man  in  der  Regel  die  Mehrzahl  der  Aktien  der
betreffenden  Unternehmungen  an,  berief  eine  Generalversammlung ­
  und  beschloss  darin  die  Einführung  des
elektrischen  Betriebes.  Grosse  Kapitalien  waren  hierzu
natürlich  nötig.  Da  dieselben  nicht  selten  auf  Jahre
festgelegt  und  bei  zuweilen  hohem  Bankdiskontsatz  oft
hoch  verzinst  werden  mussten,  war  es  nicht  zu  vermeiden, ­
  dass  die  Verhältnisse  sich  mit  der  Zeit  für  die
Eick  trizitätsfirmen  ungünstig  gestalteten:  es  machte  sich
eine  zu  grosse  Abhängigkeit  von  dem  Finanzinstitut
(der  Bank)  geltend.  Um  sich  aber  der  lohnenden  Tätigkeit ­
  nicht  verschliessen  zu  müssen,  schritten  die  Fabriken
darauf  zur  Gründung  besonderer  Betriebs-  und  hinanzgesellschaften.
  Dies  war  um  so  mehr  angebracht,  als
b 's  zur  vollen  Entfaltung  einer  elektrischen  Anlage  -
Gektrisches  Licht-  und  Kraftwerk  —  oder  eines  elektr.
Bahnbetriebes  und  damit  bis  zum  Abwurf  einei  angemessenen ­
  Rente  immerhin  eine  gewisse  Zeit  veisfreicht,
  eine  Zeit,  für  die  sich  die  modernen  Emissionsbanken, ­
  die  auf  hohe  Liquidität  ihrer  Kapitalien  und
auf  schnellen  Umsatz  angewiesen  sind,  nicht  engagieren
        <pb n="111" />
        106

können.  Durch  die  erwähnte  Gründung  war  es  auch
ermöglicht,  dem  Wunsche  des  Auftraggebers,  des  Bestellers ­
  der  elektrischen  Anlage,  dass  die  Baufirma  sich
an  dem  zu  erstellenden  Unternehmen  finanziell  beteilige,
was  gleichbedeutend  mit  einer  Garantieleistung  ist,
Rechnung  zu  tragen.  Einer  allzu  grossen  finanziellen
und  baulichen  Belastung  der  Mutterinstitute  wurde  durch
das  Eingreifen  der  Finanzgesellschaften  verhindert  und
den  Mutterinstituten  somit  mehr  Handhabe  zu  einer
weiteren  gedeihlichen  Entfaltung  gegeben.  Die  erste
derartige  Finanz-  oder  Trustgesellschaft  entstand  in
Deutschland  im  Jahre  1894  (Gesellschaft  für  elektrische
Unternehmungen  in  Berlin,  von  der  Union-Elektriziläts-Gesellschaft
  begründet),  in  der  Schweiz  1895  (Bank  für
elektrische  Unternehmungen  in  Zürich,  von  der  Allgemeinen ­
  Elektrizitäts-Gesellschaft  in  Berlin  begründet).
In  den  Tätigkeitsbereich  der  Finanzgesellschaften
gehört  in  der  Regel  die  Uebernahme  und  Durchführung
von  Finanzgeschäften,  insoweit  sie  Bezug  haben  auf
die  Vorbereitung,  den  Bau,  den  Erwerb,  den  Betrieb,
die  Umwandlung  oder  die  Veräusserung  von  Unternehmungen ­
  im  Gebiet  der  angewandten  Elektrotechnik,
insbesondere  der  Beleuchtung,  Kraftübertragung,  des
Transportwesens  und  der  Elektrochemie.
Die  neuerrichteten  Anlagen  werden  von  den  Finanzgesellschaften ­
  nicht  selbst  betrieben;  sie  bilden  aus
ihnen  formell  selbständige  Aktiengesellschaften,  behalten
aber  deren  Aktien  ganz  oder  zum  grossen  Teil  in  ihrem
Besitz.
In  verhältnismässig  kurzer  Zeit  gelang  es  diesen
Bankinstituten,  in  Deutschland  etwa  500  Mill.  und  in
der  Schweiz  etwa  150  Mill.  Fr.  für  Zwecke  der  Elektri ­
        <pb n="112" />
        107

zitätsindustrie  heranzuziehen.  Ihre  grossen  Erfolge  beruhen ­
  vor  allem  auf  der  finanztechnischen  Erfahrung
ihrer  Leiter.
In  schnellem  Tempo  wurden  von  ihnen  die  Unternehmergeschäfte ­
  derElektrizitätsfirmen  fortgesetzt.  Leider
wurde  die  Geschäftsleitung  durch  allzu  grosse  Engagements ­
  zuweilen  so  stark  belastet,  dass  es  ihr  nicht  möglich
war,  die  innere  und  äussere  Organisation  genügend  zu
überwachen.  Bei  der  Projektierung  neuer  Anlagen  wurde
auf  die  individuellen  Verhältnisse  des  herzustellenden
Werkes  nicht  genügend  Rücksicht  genommen;  einzelne
Werke  fielen  zu  gross,  andere  zu  klein  aus;  dadurch
entstanden  Zinsenverluste  und  ähnliche  Nachteile.  Dazu
kam,  dass  die  technischen  Erfahrungen  bei  der  noch
relativ  jungen  Industrie  sehr  gering  waren  und  zu  unrentablen ­
  Anlagen  sich  fehlerhafte,  nicht  Jeicht  zu
bessernde  Installations-Einrichtungen  gesellten.  Die
gemachten  Fehler  zeigten  sich  bald  in  den  Geschäftsergebnissen ­
  der  Finanzgesellschaften.  Die  Societü
Eranco-Suisse  konnte  seit  dem  Jahre  ihrer  Gründung
(1898)  bis  zum  Jahre  1905  nur  einmal,  im  Geschäftsjahre
1899/00,  eine  Dividende  von  4°/ 0  zur  Verteilung  bringen.
Andere  Finanzgesellschaften  zahlten  zeitweilig  überhaupt
keine  Dividende.  Da  dies  zu  einer  Enttäuschung  des
Publikums  führte  und  dessen  Vertrauen  zu  den  Elektrizitäts-Werten ­
  erschütterte,  wurde  es  mit  der  Zeit  immer
schwieriger,  neue  Betriebsgelder  zu  beschaffen.  Die
a ngesammelten  Kapitalien  lagen  in  Elektrizitätswerken
lest  und  konnten  nicht  flüssig  gemacht  werden.  Eine
Versteifung  des  Geldmarktes  setzte  ein.  In  ihrem
Geschäftsbericht  1901/02  schreibt  dazu  die  Bank  für
elektr.  Unternehmungen  in  Zürich:  „Solange  die  Elektri-
        <pb n="113" />
        108

zitäts-  und  deren  Hilfsgesellschaften  über
unerschöpfliche  Geldmittel  verfügten,
wurden  die  ihnen  sich  bietenden  Unternehmungen  häufig
mit  einem,  den  tatsächlichen  Verhältnissen  widersprechenden ­
  Optimismus  eingeschätzt,  und  die  an  der
Erteilung  von  Konzessionen  interessierten  Organe  nahmen
nicht  selten  zum  eigenen  Nachteil  keinen  Anstand,
Bewerber  nur  deshalb  zu  bevorzugen,  weil  sie  glänzende
Zugeständnisse  machten  und  hohe  Erträge  in  Aussicht
stellten.  Nach  dieser  Richtung  wird  die  jetzt  zuweilen
beklagte  Zurückhaltung  des  Kapitals  Wandel  schaffen,
indem  es  die  Bedingungen  des  Zustandekommens  und
die  Chancen  neu  zu  schaffender  Elektrizitätsunternehmungen ­
  sorgfältiger  prüft  als  bisher.  Anderseits
werden  aber  auch  die  Kreise,  welche  die  Hebung  der
Gemeinden  und  die  Förderung  des  Verkehrs'  durch  Einführung ­
  von  elektrischem  Licht  und  elektrischen  Bahnen
mit  fremden  Mitteln  anstreben,  im  eigenen  Interesse  auf
die  zukünftige  Prosperität  dieser  Schöpfungen  bedacht
sein  und  den  privaten  Unternehmungen  durch  Gewährung
günstigerer  Bedingungen  das  mit  Uebernahme  derselben
verbundene  Risiko  erleichtern  müssen.“
Die  Hoffnungen  auf  ein  baldiges  besseres  Ergebnis ­
  verwirklichten  sich  nicht  so  bald;  im  Gegenteil:
nachdem  Emissions-  und  Baugewinne  aufhörten,  trat
die  Krisis  ein.  Die  Aktien-Kurse  der  Finanzgesellschaften
fielen  gewaltig.  Das  Fallen  der  Kurse  wirkte  auf  die
Elektrizitäis-  (Konstruktions-)  Firmen  als  Gründerinnen
der  ersleren  zurück  und  veranlasste  z.  T.  einen  gegenseitigen ­
  freiwilligen  Aktienaustausch  zwischen  dem  Mutterund
  Tochterinstitut.
        <pb n="114" />
        J

109

Erst  nach  Verlauf  einiger  Jahre  konnten  sich  die
Finanzgesellschaften  wieder  erholen.  In  dem  Jahresbericht ­
  der  Bank  für  elektrische  Unternehmungen  für
1904/05  heisst  es:  „Ganz  besonders  (aber)  hat  im  abgelaufenen ­
  Jahre  beim  Publikum  und  namentlich  an  der
Börse  die  günstige  Beurteilung  aller  mit  der  Elektrizität
zusammenhängenden  Wertpapiere  Fortschritte  gemacht,
und  zwar  in  solchem  Masse,  dass  die  Bewertung,  wie
sie  durch  den  einstweiligen  und  sogar  durch  den  in  den
nächsten  Jahren  mutmasslich  zu  erzielenden  Geschäftsertrag ­
  gerechtfertigt  sein  möchte,  in  manchen  Fällen
bereits  als  übersetzt  angesehen  werden  darf.“
In  der  Schweiz  gibt  es  zurzeit  vier  grössere  Finanzgesellschaften ­
  der  Flektrizitätsindustrie,  die  hier  nacheinander ­
  noch  etwas  näher  besprochen  werden  mögen,
und  zwar  sind  dies:
1.  die  „Bank  für  elektrische  Unternehmungen“  (Banque
pour  entreprises  electriques)  in  Zürich;
die  „Schweizerische  Gesellschaft  für  elektrische
Industrie“  (Societd  suisse  d’industrie  electrique)
in  Basel;
3.  die  „Motor,  Aktiengesellschaft  für  angewandte
Elektrizität“  in  Baden  (Schweiz);
4-  die  „Societe  Franco-Suisse  pourl’Industrie  Electrique“
in  Genf.

a.  tiiank  für  elektrische  Unternehmungen.

Die  Bank  für  elektrische  Unternehmungen  in  Zürich
vv urde  im  Juli  1895  von  der  Allgemeinen  Elektrizitäts-Gesellschaft
  in  Berlin  im  Verein  mit  der  Bankgruppe
deutsche  Bank,  Berliner  Handelsgesellschaft,  Nationalbank ­
  für  Deutschland,  Delbrück  Leo  &amp;amp;  Co.-Berlin,  Jacob
        <pb n="115" />
        110

Landau-Berlin  und  Gebrüder  Sulzbach-Frankfurt  a.  M.
unter  Mitwirkung  der  Schweizerischen  Kreditanstalt,  der
Eidgenössischen  Bank,  der  Bank  in  Zürich,  des  Zürcher
Bankvereins  und  der  Union  Financiere  in  Genf,  mit
dem  Sitz  in  Zürich,  gegründet.  Sie  ist  das  älteste  von
den  oben  erwähnten  vier  Instituten  und  wohl  auch,  was
Kapital  anbelangt,  das  mächtigste.  Ihre  Leitung  liegt
in  der  Hand  der  Schweizerischen  Kreditanstalt.  Das
Aktienkapital  der  Bank  beträgt  zurzeit  36  Mill.  Fr.,  die
Obligationenschuld  33  Mill.  Fr.,  fast  ganz  im  Besitz  der
Allgemeinen  Elektrizitätsgesellschaft  Berlin.  Das  Betätigungsfeld ­
  der  Bank  ist  das  gesamte  Gebiet  der
Elektrotechnik.  Zu  ihrem  Geschäftskreis  gehören  vornehmlich ­
  die  Länder  Italien,  Spanien,  Russland,  Deutschland ­
  und  England.  In  der  Schweiz  ist  die  Bank  nur
bei  einem  Unternehmen,  der  Firma  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.,
in  grösserem  Massstabe  beteiligt,  und  zwar  in  der  Weise,
dass  sie  einen  Teil  der  Brown-Boveri-Aktien  für  eigene
Rechnung  übernahm.  Von  den  anderen  Finanzgesellschaften ­
  unterscheidet  sich  die  Bank  für  elektrische
Unternehmungen  (kurz  Elektrobank)  dadurch,  dass  sie
bis  vor  kurzem  nur  eine  Bank  im  gebräuchlichsten
Sinne  ist  und  ohne  ein  technisches  Bureau  arbeitete.
Erst  im  Geschäftsjahre  1903/4  hat  sie  neben  der  Zürcher
Zentrale  ein  Bureau  in  Berlin  errichtet,  dem  die  Prüfung
vornehmlich  der  ausDeutschland  hervortretenden  Projekte
zusteht.  Durch  letztere  Massnahme  sollte  die  neuerdings
sich  ergebende,  wesentlich  umfangreichere  Arbeit  erleichtert, ­
  die  Acquisitionstätigkeit  ausgedehnt  werden,
um  rechtzeitig  Kenntnis  von  allen  Bestrebungen  auf
dem  Gebiete  der  Finanzierung  elektrischer  Unternehmungen ­
  oder  der  Reorganisation  von  solchen  zu
        <pb n="116" />
        111

erhalten.  Die  geschäftlichen  Engagements  der  Bank
bestehen  zur  Hauptsache  in  Beteiligungen  an  Gesellschaften, ­
  die  sich  für  neue  Unternehmungen  bilden,
sowie  in  Beleihungen  von  elektrischen  Werten  unter
Ausbedingung  eines  Gewinnanteils.  Ihre  Tätigkeit  begann ­
  sie  im  Jahre  1896  mit  der  Finanzierung  von  fünf
italienischen  Gesellschaften  (elektr.  Strassenbahnen  und
Elektr.-Werken),  denen  für  zehn  Jahre  ein  im  Jahre  1898
in  sog.  „Partecipazioni“  (stille  Beteiligungen)  im  Sinne
des  Art.  233  des  italienischen  Handelsgesetzbuches  umgewandelter ­
  fester  Kredit  in  Kontokorrent  eingeräumt
wurde.  1896/7  kamen  dazu  vier  spanische  Gesellschaften.
Sämtliche  Unternehmungen  zeitigten  zufriedenstellende
Resultate.

Im  Geschäf  tsjahre  1904/05  war  die  Bank  an  folgenden
18  Unternehmungen  durch  Aktienbesitz  beteiligt:

Officine  Elettriche  Qenovesi  in  Genua  ....

mit  Fr.

3,500,000

Unione  Italiana  Tramways  Elettrici  in  Genua  .  .

»

99

12,296,191

fhe  Seville  Tramways  Co.  Ltd.  in  London  .  .

99

99

500,000

Compania  Sevillana  de  Electricidad  in  Sevilla.  .

J»

99

1,868,153

Compania  Barcelonesa  de  Electricidad  in  Barcelona

99

„

4,756,138

Compania  Vizcaina  de  Electricidad  in  Bilbao  .  .

99

99

300,000

Aktiengesellschaft  Elektrizitätswerk  Strassburg  i.  E.

))

99

3,474,074

Allgemeine  Lokal-  und  Strassenbahn-Gesellschaft
in  Berlin

99

341,372

Elektrochemische  Werke  G.  m.  b.  H.  in  Bitterfeld

»J

&amp;gt;5

6,984,343

Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft  in  Berlin  .  ■

99

»

3,690,000

Kraftübertragungswerke  Rheinfelden

99

99

5,033,160

Oeutsch-Ueberseeische  Elektrizitäts-Gesellschaft  in
Berlin  und  Buenos-Aires  •

..

»

3,474,431

Uebertrag

Fr.

46,217,862
        <pb n="117" />
        112

Uebertrag  Fr.  46,217,862

Chilian  Electric  Tramways  and  Light  Co.  Ltd.  in
London  und  Santiago  (Chili)  „  557,983
Aktiengesellschaft  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  in  Baden  „  „  4,966,096
Aktiengesellschaft  „Motor“  in  Baden  „  „  861,000
Rheinische  Elektrizitäts-  und  Kleinbahnen-Aktiengesellschaft
  in  Kohlscheid  bei  Aachen  „  1,642,906
Solinger-Kleinbahn-Aktiengesellschaft  in  Solingen  „  „  2,256,097
Neue  Oberlausitzer  Qlashüttenwerke  A.-G.  Weisswasser ­
  O.-L  „  643,234
zus.  mit  Fr.  57,145,178
Nachfolgenden  8  Elektr.  -Werken  waren  1904/05

Kontokorrentkredite  auf  laufende  Rechnung  im  Gesamtbeträge ­
  von  ca.  16  Mill.  Fr.  (wovon  13,181,175  Fr.  als
„Vorschüsse  im  Kontokorrent“  geleistet)  eingeräumt
worden:
The  Seville  Tramways  Co.  Ltd.,  London,
Comp.  Vizcaina  de  Electricidad,  Bilbao,
Aktiengesellschaft  Elektrizitätswerk  Strassburg  i.  E.,
Elektrische  Strassenbahn  Valparaiso  A.-G.  in  Berlin,
Comp.  Barcelonesa  de  Electricidad  in  Barcelona,
Elektrische  Kraft  Baku  (Russland),
Elektrochemische  Werke  G.  m.  b.  H.  Bitterfeld  und
Solinger-Kleinbahn-Aktiengesellschaft,  Solingen.
An  folgenden  3  elektrischen  Syndikaten  war  die
Bank  1904/05  vorübergehend  mit  Aktien  und  Obligationen
im  Gesamtbuchwerte  von  Fr.  368,598  beteiligt:
Syndikat  für  Finanzierung  elektrischer  Unternehmungen
in  Russland,
        <pb n="118" />
        113

Syndikat  für  einen  Teil  der  Aktien  der  Unione  Italiana
Tramways  Elettrici  in  Genua  und
Syndikat  für  Aktien  der  Comp.  Barcelonesa  de  Electricidad
  in  Barcelona.
Diesen  Aktiven  standen  im  Geschäftsjahre  1904/5
ca.  70  Mill.  Fr.  an  Passiven  gegenüber.
Das  Aktienkapital  der  Bankbetrugbeiihrer  Gründung
1895/6  I5  Mill.  Fr.;  es  wurde  1898/99  auf  30  Mill.  Fr.,
1901/2  auf  33  Mill.  Fr.  und  1904/5  auf  36  Mill.  Fr.  erhöht.
Von  ihrem  statutarischen  Rechte  der  Obligationenausgabe ­
 1 ) 11 )  hat  die  Bank  mehrfach  Gebrauch  gemacht;  so
wurden  an  Obligationen  ausgegeben:
1895/6  8,5  Mill.  Fr.  ä  4%,
1896/7  8,5  „  „  „  4°/ 0 ,
1898/9  9,0  „  „  „  4°/ n  und
1900/01  8,0  „  „  „  47,7 0 .
Nachfolgende  ziffernmässige  Zusammenstellung  von
Bilanzposten  gibt  einen  Ueberblick  über  die  Entwicklung
der  Bank  während  des  zehnjährigen  Zeitraums  von
1895/96  bis  1904/05.
l )  Die  Gesellschaft  ist  berechtigt  (§  15  der  Statuten),  Obligationen
bis  zur  Höhe  des  doppelten  Betrages  des  jewsilen  einbezahlten  tien
Kapitals  auszugeben.
*)  Nach  Artikel  656  Absatz  7  des  Schweiz.  Obl.-R.  sind  die
ausgegebenen  Obligationen  zu  dem  vollen  Betrage,  zu  we  c  em  sie
zurückgezahlt  werden  müssen,  unter  den  Passiven  anzusetzen.  a^egen
kann  die  Differenz  zwischen  dem  Emissionskurse  und  dem  Ruc  za  ungs
betrage,  welche  durch  jährliche  Abschreibungen  bis  zum  er  a  age  er
Obligationen  zu  tilgen  ist,  unter  die  Aktiven  aufgenom  '
Daher  erscheint  in  der  Bilanz  unter  Aktiven  ein  Pos  en  .
bei  Rückzahlung  der  Obligationen  (bei  der  Motor  A  -  •  ”
Emissions-Konto“  bezeichnet).

8
        <pb n="119" />
        e )  Fr.  30,000,000  nom.  abzüglich  Fr.  15,000,000  resp.  4,500  nicht  einbezahlt.

1895/96  1896/97  1897/98  1898,99  1899/00  1900/01  1901/02  1902/03  1903/04  1904/05
(in  1000  Franken)

Aktienbeteiligungen

10,976

11.046

10,544

18,342

31,447

30,154

33,856

50,067

56,345

Vorschüsse  und  Partecipazioni  ....

7,390

14,714

31,607

37,870

35,230

34,939

34,056

31,350

9,403

13,181

Syndikats-Einzahlungen

—

—

104

2,534

297

1,185

824

568

421

369

Bankguthaben

9,307

3,847

2,350

6,874

4,018

3,775

2,715

2,467

9,122

4,449

Effekten

2,993

4,263

3,362

557

561

—

998

—

—

—

Effekten  des  Reservefonds

—

13

52

98

192

1,036

1,165

1,310

1,489

1,893

Kursdifferenz  bei  Rückzahlung  der  Obligationen ­


255

510

510

780

780

990

978

968

961

990

Summe  der  Aktiven:

25,906

34,322

49,030

59,258

59,510

73,373

70,889

70,520

71,464

77,227

Aktienkapital

(in  1000  Franken)
15,000*)  15,000*)  29,996*)  30,000  30,000  33,000

33,000

33,000

33,000

36,000

4%  Obligationen

8,500

17,000

17,000

26,000

26,000

25,000

24,593

24,269

24,028

25,000

47j 0 /o  Obligationen

—

—

—

—

—

8,000

8,000

8,000

8,000

8,000

Ordentlicher  Reservefonds

—

13

52

106

204

1,026

1,185

1,359

1,525

3,051

Obligationen-Rückzahlungs-Prämien-Konto

255

510

510

780

780

990

978

968

961

990

Obligationen-Zinsen-Konto

85

175

175

266

266

435

432

432

426

438

Dividenden-Konto

-

—

—

—

—

—

—

1

—

2

Diverse  Kreditoren

1,801

609

20

20

20

2,862

465

38

689

498

Gewinn-  und  Verlust-Konto

265

1,014

1,277

2,086

2,240

2,059

2,235

2,452

2,833

3,246

Summe  der  Passiven:

25,906

34,322

49,030

59,258

59,510

73,373

70,889

70,520

71,464

77,227
        <pb n="120" />
        115

An  Dividenden  kamen  zur  Verteilung:

1895/96

1900/01  :  67 0
1901/02  :  6°/o
1902/03  :  6  7,°/o
1903/04  :  7 l /,7o
1904/05  :  8  V/ 0

1896/97  :  5%
1897/98  :  5°/ 0
1898/99  :  6°/o
1899/00  :  6  7,°/ 0

Wie  aus  diesen  Zahlen  hervorgeht,  war  die  Entwicklung ­
  der  Elektrobank  im  ganzen  eine  gute.  Wenn
das  Resultat  des  einen  oder  anderen  Geschäftsjahres
nicht  so  ausgefallen  ist  wie  man  es  gewünscht  hatte,
so  waren  daran  Verhältnisse  schuld,  die  einfach  nicht
zu  ändern  waren.  Nur  wenig  kommt  in  der  Bilanz  die
wirtschaftliche  Depression  derjahre  1900  ff.  zum  Ausdruck.
Lediglich  das  Geschäftsjahr  1900/01  zeigt  einen  kleinen
Rückgang  im  Jahreserträgnis.  Schon  im  darauffolgenden
Jahre  vermochte  die  Differenz  wieder  ausgeglichen  zu
werden  und  seitdem  zeigt  sich  von  Jahr  zu  Jahr  eine
Besserung  in  den  finanziellen  Verhältnissen  und  Erträgnissen ­
  der  Bank.
b.  Schweizerische  Gesellschaft  für  elektrische  Jndusirie.
Die  Schweizerische  Gesellschaft  für  elektrische
Industrie  in  Basel  wurde  im  März  1896  von  der  Elektrizitätsgesellschaft ­
  'Siemens  &amp;amp;  Halske,  A.-G.-Berlin,  in
Verbindung  mit  deutschen,  schweizerischen  und  österreichischen ­
  Banken  begründet.  Sie  ist  also,  ebenso  wie  die
Bank  für  elektrische  Unternehmungen,  mehr  eine  deutsche
Finanzgesellschaft  auf  schweizerischem  Boden.  Die  Geschäftsleitung ­
  der  Firma  liegt  in  der  Hand  eines  schweizerischen ­
  Bankhauses,  das  selbständig  in  getrennten  Räumlichkeiten ­
  die  Geschäfte  erledigt,  Gutachten  überl  rojekte
        <pb n="121" />
        116

und  Vorlagen  ausarbeitet  und  prüft,  sowie  alle  ins  Fach
einschlagenden  Arbeiten  besorgt.  Ihre  Haupttätigkeit
bildet  die  Nutzbarmachung  von  Wasserkräften  im
Auslande.  Zu  diesem  Zwecke  hat  die  Bank  die
Konzession  zu  bedeutenden  Wasserbauten  in  Oberitalien
erlangt.  In  starkem  Masse  ist  sie  aber  auch  in  Deutschland,
Frankreich  und  Dänemark  auf  dem  Gebiete  der  Elektrotechnik ­
  finanziell  beteiligt.  Die  Lieferung  bezw.  Installierung ­
  der  elektrischen  Anlagen  erfolgt  dabei,  ebenso
wie  bei  den  Unternehmungen  der  Bank  für  elektrische
Unternehmungen  in  Zürich,  ausschliesslich  vom  Gründerhause ­
  in  Deutschland.  Andere  Konstruktionsfirmen  sind
bei  der  Einrichtung  der  von  der  Schweizerischen  Gesellschaft ­
  für  elektrische  Industrie  mit  ins  Leben  gerufenen ­
  Anlagen  nicht  beteiligt.

Mit  Aktien  oder  Obligationen  war  die  Gesellschaft
im  Jahre  1905  an  folgenden  Unternehmungen  beteiligt
(Gesamtbuchwert  Fr.  14314080):

Grosse  Casseler  Strassenbahn-Aktien-  Fr.
gesellschaft,  Aktien  370  378  75
Gesellschaft  für  elektrische  Beleuchtung
in  St.  Petersburg,  Stammaktien  .  .  .  643  321  55
Gesellschaft  für  elektrische  Beleuchtung
in  St.  Petersburg,  Vorzugsaktien'  .  .  .  3,392,733  60
Societä  Piemontese  di  Elettricita,  Vorzugsaklien

  •  '  •  '  ,  2.250,-Elektrizitätswerke
  Salzburg,  Aktiengesell-Schaft,
  Aktien  1,116,960,-Mülhauser
  Elektrizitätswerke  A.-G.,  Aktien  1,568  312  30
Sociöte  Electrique  des  Pyr6nees,  199  000  —
Siemens  &amp;amp;  Halske,  A.-G.,  Aktien  .  2,3601  ^4  —
        <pb n="122" />
        117  —

Comp.  d’Electricite  de  l’Ouest  Lumiöre,
Aktien  116,600.—
Comp.  d’Electricite  de  l’Est  Lumiere,  Aktien  100,000.—
„Siemens“  Elektrische  Betriebe,  A.-G.,  „  3,634,650.—
Schweizerische  Gesellschaft  für  elektr.
Industrie,  4°/ 0  Obligationen  809,750.—

Die  Beteiligung  an  Syndikaten  der  elektrischen
Industrie  repräsentierte  im  Jahre  1905  einen  Betrag  von
Er.  7,339,451,  der  sich  auf  folgende  7  Syndikate  verteilte:
Syndikat  für  Obligationen  der  Mexican  Light  and
Power  Co.  Ltd.,
Syndikat  für  Aktien  der  Societä  anonima  Electricitä
Alta  Italia,
Syndikat  für  Aktien  der  Union  Electrique,
„  „  „  der  Kopenhagener  Strassenbahn,
„  „  Elektrische  Unternehmungen  in  Russland,
Syndikat  für  Vorschuss  an  die  A.  G.  Elektrische  Kraft
(Baku)  und
Syndikat  für  Est  Lumiere.
An  Vorschüssen  auf  Kontokorrent  wurden  im  gleichen
Jahre  bewilligt:
Fr.
der  Aktiengesellsch.  Elektrizitätsw.  Salzburg  624,833.40
«  Societä  anonima  Electricitä  Alta  Italia  .  4,477,313.70
»  Union  Electrique  1,529,293.99
"  Societe  Electrique  des  Pyrenees  .  .  •  257,107.30
Gegen  Hinterlage  von  kurzsichtigen  Diskontowechseln ­
  zur  vorübergehenden  Anlage  für  im  Ausbau
begriffene  Elektrizitätswerke  waren  Ende  des  Jahres
1905  Fr.  8,053,423  verwendet.
Das  Aktienkapital  der  Gesellschaft  wurde  bei  der
Gründung  (1896)  auf  10  Mill.  Fr.  festgesetzt  und  im  Jahre
        <pb n="123" />
        118

1898  auf  20  Mili.  Fr.  erhöht.  Hierauf  sind  eingezahlt
worden:
im  Jahre  1896  =  2  Mill.  Fr.,
*  1898  =  2  „  „
„  1902  =  6  „
sodass  in  der  Bilanz  noch  10  Mill.  Fr.  als  „nicht  einbezahltes ­
  Aktienkapital“  figurieren.
Nach  ihren  Statuten  darf  die  Gesellschaft  Obligationen ­
  auf  den  Inhaber  oder  auf  den  Namen  in  anderthalbfacher ­
  Höhe  des  jeweilig  emittierten  Aktienkapitals
(Nominalbetrag)  ausgeben.  Sie  hat  hiervon  vollauf
Gebrauch  gemacht.  Es  betrug  die  Obligationenschuld:*)

Ende

1896  =

7,5  Mill.

Fr.

4

°/
Io

55

1897  =

15,0  „

55

4

°/
Io

55

1898  =

22,5  „

n

4

°/o

y&amp;gt;

1899ff  -=30,0

  „

55

4

%

An  üividen

den  wurden  verteilt

1896

0  °/ 0

1897

07,

1898

7°/ 0

I899

7°/o

1900

6°/ 0

1901

4°/o

1902

0  7«

1903

O°/ 0

1904

5  °/„

1905

6 n /o

Nachfolgende  Zusammenstellung  bietet  einen  Ueberblick
  über  die  Bilanzziffern  der  Schweiz.  Gesellschaft  für
elektr.  Industrie  in  der  10jährigen  Periode  1896-1905.

')  Siehe  Anmerkung  2  auf  Seite  113.
        <pb n="124" />
        \  1

')  Geschäftsjahr  vom  10.  März—31.  Dezember.

Nicht  einbezahltes  Aktienkapital  .  .  .
Erworbene  Titel
Beliehene  Titel
Im  Bau  begriffene  Anlagen
Syndikatsbeteiligungen
Kontokorrent-Debitoren
Wechsel
Reservefonds-Anlagen
Kursverlust  auf  emitt.  Obligationen  .  .
Summe  der  Aktiven:

Aktienkapital
Obligationen
Obligationen-Zinsen-Konto
Dividenden-Konto
Kontokorrent-Kreditoren
Reservefonds
Dispositionsfonds
Gewinn-  und  Verlust-Konto
Summe  der  Passiven:

1896*)

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

(in  1000

Franken)

8,000

8,000

16,000

16.000

16,000

16,000

10,000

10,000

10,000

10,000

4,790

11.079

14.412

22,780

15,192

14,156

11,271

7,637

13,711

14,314

3.966

2,597

2.581

1,250

1,250

1,288

—

—

—

—

_

2.917

6,886

3,133

—

—

—

—

—

—

—

—

10,242

11,320

10,807

9,452

6,905

7,339  *

977

1,012

3,523

7,752

5,787

9,596

13,809

16,657

13,555

11,454  •:

—

—

—

—

2,287

3.082

4.896

6,987

6,894

8,053

—

12

236

270

304

331

344

357

388

436

124

124

124

122

'  —

—

—

—

—

—

17,858

25,741

43,762

51,308  51,062  55,773  51,126
(in  1000  Franken)

51,100

51,453

51,598

10,000

10,000

20.000

20,000

20,000

20.000

20,000

20,000

20,000

20,000

7,500

15,000

22,500

30,000

30,000

30,000

30,000

30,000

30,000

30,000

125

255

315

366

363

377

374

362

368

371

—

—

—

3

—

—

—

—

—

—

’

—

—

4,755

395

—

—

—

—

12

236

274

308

330

347

360

392

438

—

90

140

190

210

210

—

—

—

—

233

384

570

474

180

100

11

378

691

788

17,858

25,741

43,762

51,308

51,062

55,773

51,126

51,100

51,453

51,598

119
        <pb n="125" />
        -  120

c.  ,,Motor",  (Aktiengesellschaft  für  angewandte  Clekfrizität.
Die  im  Jahre  1895  von  der  schweizerischen  Elek-Irizitätsfirma
  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  unter  Mitwirkung  der
Allgemeinen  Deutschen  Creditanstalt  Leipzig,  dem  Bankhause ­
  Leu  &amp;amp;  Co.,  A.-G.  Zürich  und  anderen  kleineren
schweizerischen  Bankfirmen  ins  Leben  gerufene  Finanzgesellschaft
  „Motor“,  A.-G.  für  angewandte  Elektrizität
in  Baden  (Schweiz)  arbeitet  fast  ausschliesslich  mit  ihrer
Gründerin  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.,  trotzdem  sie  nicht  zum
alleinigen  Bezug  der  Maschinen  von  letzterer  verpflichtet
ist.  Durch  Beteiligung  an  der  Nutzbarmachung  der
Wasserkräfte  in  der  Schweiz  hat  sich  die  Motor  A.-G.
hervorragende  Verdienste  erworben.  Die  grossen  Elektrizitätswerke ­
  in  der  Beznau  an  der  Kander,  Hagneck
usw.  verdanken  ihr  die  Entstehung.  In  der  Bilanz  für
1905  stehen  allein  Er.  77,935  zu  Buch,  die  zum  Ankauf
verschiedener  Liegenschaften  in-  und  ausserhalb  der
Schweiz  im  Interesse  der  künftigen  Verwertung  der
Wasserkräfte  sowie  1  ür  Vorarbeiten  dazu  aufgewendet
wurden.  Die  Anteilnahme  an  Gründungen  und  Beteiligungen ­
  auf  dem  Gebiete  der  angewandten  Elektrizität ­
  ausserhalb  der  Schweiz  (Deutschland,  Frankreich
und  Italien)  dagegen  ist  eine  sehr  bescheidene.
Die  Motor  A.-G.  ist  mehr  eine  Bau-  als  eine  Bankgesellschaft. ­
  Sie  ist  jetzt  in  der  Lage,  nicht  nur  ihre
eigenen  Werke  selbst  auszuführen,  sondern  auch  die
betriebsfertige  Erstellung  von  Wasserwerken  oder  mit
solchen  zusammenhängenden  baulichen  Arbeiten  für
Rechnung  Dritter  zu  übernehmen.*)  Ihre  Thätigkeit  begann ­
  sie  im  Jahre  1895  mit  der  Ausbeutung  einiger  in  der  '
Sch  weiz  erteilter  Wasserrechtskonzessionen,  der  Erbauung
^Jahresbericht  1904,  Seite  4.
        <pb n="126" />
        121

einer  kleinen  Lichtzentrale  mit  Hochdruck  Wasserkraft
und  der  Beteiligung  an  einem  Elektrizitäiswerk  durch
Uebernahme  einer  grösseren  Anzahl  Aktien  sowie  der
ganzen  Obligationen-Anleihe.  Ende  des  Jahres  1896
wurde  ein  Vertrag  mit  Konzessionsgemeinden  behufs
Erwerb  einer  Wasserkraft  zum  Abschluss  gebracht.
Beteiligt  war  die  Gesellschaft  gegen  Ende  1905  an
folgenden  von  ihr  selbst  erbauten  Anlagen,  und  zwar
mit  einem  Betrag  im  Buchwerte  von  Fr.  14,183,470:
a.  dem  Elektrizitätswerk  Grindelwald,  dessen  Betriebsergebnis ­
  1905  eine  Steigerung  von  11  °/' 0  gegenüber
dem  Vorjahre  (1904)  aufwies,
b.  dem  Elektrizitätswerk  in  derBeznau,  dessen  Maximalbelastung ­
  gegenüber  1904  durch  Zunahme  von  Anschlüssen ­
  eine  Steigerung  von  44 0 /„  aufzuweisen
hatte.  Im  Berichtjahre  1905  wurden  30,100,000  Kilowattstunden ­
  (1904  :  15,400,000  KWSt.)  erzeugt.  Das
Elektrizitätswerk  am  Löntsch  (siehe  c)  soll  mit  dem
in  der  Beznau  eine  Parallelschaltung  erfahren.  Die
Hochspannungsleitungen  allein  haben  eine  Länge
von  463  km.
c.  dem  Elektrizitätswerk  am  Löntsch,  das  noch  im  Bau
begriffen  ist  und  voraussichtlich  im  Frühjahr  1908
in  Betrieb  kommen  wird.  Die  Leistungsfähigkeit
dieses  Werkes  soll  rund  28000  PS.  betragen.  Das
ihm  zugrunde  liegende  Projekt  geht  dahin,  den
Klöntalersee  zu  einem  Reservoir  so  aufzustauen,  dass
in  wasserreichen  Jahreszeiten  der  evtl.  Heberschuss
der  Zuflüsse  zum  eigentlichen  Betriebswasser  aufgespeichert ­
  werden  kann,  um  in  trockenen  Jahieszeiten
  den  etwaigen  Fehlbetrag  der  Zuflüsse  zum
        <pb n="127" />
        122

Betriebswasser  aus  dem  aufgespeicherten  Wasservorrat ­
  zu  decken.
d.  dem  Elektrizitätswerk  Bingen  (Rheinland),  dem  die
Versorgung  der  Stadt  Bingen  und  seiner  Umgebung
mit  Elektrizität  für  Licht-  und  Kraftzwecke  obliegt.
Sämtliche  genannten  Werke,  soweit  sie  bereits
fertiggestelll  sind,  lieferten  bisher  ein  recht  befriedigendes ­
  linanzielles  Ergebnis.
Durch  Aktienbesitz  ist  die  „Motor“  A.-G.an  folgenden
5  Unternehmungen  interessiert,  und  zwar  nach  dem

Stande  von  Ende  1905:
Vereinigte  Kander-  und  Hagnek-Werke  mit  kr.
A.-G  1,501,500
Societä  Ellettrica  di  Benevento  250,000
Elektrizitätsgesellschaft  Baden  147,500
A.-G.  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co  383,750
Societä  per  le  forze  motrici  delf  Anza  .  .  2,250,000

Einen  besonderen  Zweig  der  Tätigkeit  der  Gesellschaft ­
  bildet  seit  1899  die  Lieferung  elektrischer  Einrichtungen. ­
  Sie  erfolgt  nicht  nur  für  Unternehmen,  denen
die  Gesellschaft  durch  Beteiligungen  nahesteht,  sondern
auch  an  Firmen,  bei  denen  letzteres  nicht  der  Fall  ist.
Es  seien  hier  vor  allem  die  Erweiterungen  der  Elektrizitätswerke ­
  an  der  Kander  und  in  Hagnek  für  Rechnung
der  Vereinigten  Kander-  und  Hagnekwerke  A.-G.,  sowie
die  Lieferungen  für  die  Herstellung  des  Wasserwerkes
an  der  Anza  für  Rechnung  der  Societä  per  le  Forze
motrici  dell'  Anza  genannt.  Im  Jahre  1905  wurden  in
diesem  Geschäftszweige  rund  1,5  Millionen  Fr.  umgesetzt,
ca.  34°/ 0  mehr  als  im  Jahre  vorher.
Für  die  Beschallung  der  zur  Geschäftsführung  erforderlichen
  Kapitalien  stehen  der  Gesellschaft  zwei
        <pb n="128" />
        123

Wege  offen:  erstens,  der  Weg  der  Erhöhung  des  Aktienkapitals, ­
  zweitens,  der  Weg  der  Obligationenausgabe.
Beide  Mittel  wurden  mehrfach  angewandt.
I897  erhöhte  die  Gesellschaft  das  anfängliche  Aktienkapital ­
  von  3  Milk  Fr.,  worauf  20  %  einbezahlt  worden
waren,  auf  6  Milk  Fr.  mit  einer  Einzahlung  von  30  °/ 0
auf  den  Gesammtbetrag,  und  einer  weiteren  Einzahlung
von  20  °/o  im  Jahre  1898.  Die  stete  Ausdehnung  der
Unternehmungen  und  die  damit  zusammenhängenden
Engagements  veranlassten  die  Generalversammlung  im
Jahre  I900,  das  Grundkapital  um  weitere  4  Milk  Fr.
hinaufzusetzen. 1 )  Das  Aktienkapital  betrug  jetzt  also
10  Milk  Fr.  Einberufen  wurden  auf  die  4  Milk  Fr.  in
zwei  Raten  je  25  "/ 0 ,  so  dass  damit  auf  sämtliche  Aktien
gleichmässig  50  %  einbezahlt  worden  waren.  Weitere
25  °/ (1  auf  sämtliche  Aktien  wurden  im  Jahre  1901  einberufen, ­
  die  restlichen  25%  im  Jahre  1902.  Da  die
Durchführung  der  verfolgten  Projekte,  in  erster  Linie
f üc  Herstellung  der  Elektrizitätswerke  am  Löntsch  und
a n  der  Anza,  sowie  vorauszusehende  Erweiterungen  der
bestehenden  Werke  namhafte  finanzielle  Mittel  erfordern, 2 )
beschloss  die  Generalversammlung  im  Juni  1905  die  Erhöhung ­
  des  Aktienkapitals  um  5  Milk  Fr.  auf  15  Milk  Fr.
Un&amp;lt; l  die  Ausgabe  von  zunächst  2,5  Milk  Fr.  der  neuen
Aktien.  50%  wurden  auf  letztere  vorläufig  einberufen.
Im  Jahre  1898  erfolgte  erstmalig  die  Ausgabe  von
Obligationen,  und  zwar  in  Höhe  von  4  Milk  Fr.  zu  4  /„.
1000  kam  eine  4'/ 2 %ige  Obligationenanleihe  in  Höhe
von  2  Milk  Fr.  an  eine  Bankengruppe  zur  Begebung,
1904  eine  weitere  4%ige  Anleihe  in  Höhe  von  2  Milk  kr.
Ende  1905  betrug  die  Obligationenschuld  damit8Milh  hi.  )
')  Jahresbericht  1900,  S.  1.  2 )  Jahresbericht  1904,  S.  18.
3 )  Siehe  Anm.  2  auf  S.  113.
        <pb n="129" />
        124

Nach  ihrem  Statut  ist  die  Gesellschaft  berechtigt,  Obligationen ­
  bis  zur  doppelten  Höhe  des  jeweils  eingezahlten
Aktienkapitals  auszugeben.  Wenn  von  dieser  Berechtigung ­
  bis  jetzt  weniger  Gebrauch  gemacht  und  mehr
die  Erhöhung  des  Aktienkapitals  ins  Auge  gefasst  wurde,
so  geschah  dies  vornehmlich  in  dem  Bestreben  des
Verwaltungsrats,  der  Gesellschaft  eine  ihrer  Bedeutung
entsprechende  breite,  finanzielle  Basis  zu  geben,  sowie
in  der  Erkenntnis,  dass  durch  diese  Art  der  Geldbeschaffung ­
  das  Institut  unabhängiger  von  Konjunkturen
des  Geldmarktes  bleibt.
Einen  Ueberblick  über  die  Vermögenslage  der
„Motor“  A.-G.  und  ihrer  Veränderungen  in  der  10jährigen
Periode  1896—1905  gibt  nachstehende  Tabelle.
An  Dividenden  wurden  ausgeschüttet:
1896.5%,  1897  5%,  1898  6  %,  1899  7%,  1900  6%,
19010%,  1902  0%,  1903  4%,  1904  5%,  1905  6%.
Wenn  die  Betriebsresultate,  die  in  der  Bilanz  ihren
Ausdruck  finden,  nicht  so  glänzend  erscheinen  wie  bei
anderen  Elektrizitätsgesellschaften,  die  in  erster  Linie  nur
Lieferungsgesellschaften  sind,  so  hat  dies  seinen  Grund
darin,  dass,  wie  die  Gesellschaft  in  ihrem  Berichte  für
1901,  S.  4,  zum  Ausdruck  bringt,  für  die  Nutzbarmachung
der  Wasserkräfte  in  der  Regel  schon  bei  der  ersten  Anlage ­
  nahezu  der  ganze,  für  den  vollen  Ausbau  notwendige ­
  Kapitalbetrag  aulgewendet  werden  muss,  während
sich  der  Absatz  der  Kraft  naturgemäss  erst  allmählich
entwickeln  kann.  Die  Wasserbauten  haben  den  Dampfzentralen ­
  gegenüber  den  Nachteil,  dass  sie  ihre  Erstellungskosten ­
  nicht  in  höherem  Masse,  namentlich  in
den  ersten  Betriebsjahren,  dem  vorhandenen  Konsum
anpassen  können.  Die  Ueberlegenheit  der  Wasserwerke
        <pb n="130" />
        ar  ®

%

&amp;gt;

*

t

\

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

(in  1000

Franken)

Nicht  eingezahltes  Aktienkapital  .  .

2.400

4,200

3,000

3,000

6,QOO

2,500

2,500

—

—

1,250

Eigene  Anlagen

40

1,144

2,102

5,524

7,865

10,550

13,765

10,820

12,345

14,183

Beteiligungen

400

426

1.014

1,544

2,595

2,089

2,089

5,247

5.112

4,837

Wasserrechtskonzessionen  ....

71

6

62

241

304

128

148

205

59

78

Diverse  Debitoren

157

548

4,255

888

1,031

1,713

1,087

2,393

2,656

2,762

Kasse

3

2

3

4

5

6

6

12

23

21

Handlungsmobilien

—

4

12

13

12

11

10

9

8

20

Allgem.  Lieferungskonto

—

—

—

—

—

8

35

294

17

1,536

Obligationen-Emissions-Konto  .  .  .

—

—

56

53

78

30

22

13

32

20

Summe  der  Aktiven:

3,071

6,331

10,512

13,325

17,970

17,125

19,768

19,109

20,471

25,302

(in  1000

Franken)

Aktienkapital

3,000

6,000

6,000

6,000

10,000

10,000

10,000

10,000

10,000

12,500

-Obligationen

—

—

4,000

4,000

6,000

6,000

6,000

6,000

8,000

8,000

Ordentl.  Reservefond

—

2

29

62

81

102

109

120

142

297

Spezial-Reservefond

—

11

—

30

60

90

100

100

100

100

Diverse  Kreditoren  ....

33

219

108

348

1,325

521

2,843

1,859

996

2,743

Oblvgationen-Zinsen-Konto  ....

—

—

80

81

125

126

126

127

166

—

Allgem.  Lieferungskonto  .  .  .

—

—

—

458

10

—

—

—

—

Amortisations-Konto  ......

—

—

—

—

—

217

389

381

450

725

Reingewinn

37

100

295

346

368

67

201

522

617

771

Summe  der  Passiven:

3,071

6,331

10,512

11,325

17,970

17,125

19,768

19,019

20.471

25,302
        <pb n="131" />
        126

kommt  erst  bei  der  nach  und  nach  fortschreitenden
besseren  Ausnützung  der  Anlagen  zur  Geltung,  und  es
eröffnen  aus  diesem  Grunde  gerade  die  bedeutendsten
der  von  der  „Motor“  A.-G.  ins  Leben  gerufenen  Unternehmungen ­
  Aussichten  auf  spätere  Erträgnisse,  welche
um  so  reichlicheren  Ersatz  für  die  in  den  ersten  Betriebsjahren ­
  erlittenen  Ausfälle  bieten.
In  derZeit  des  Niedergangs  der  Elektrizitätsindustrie,
1900  ff.,  als  die  Unternehmungslust  nachhaltig  darniederlag ­
  und  die  Beschaffung  von  Kapital  wegen  der  auf
diesem  Gebiete  schon  erlittenen  Verluste  fast  unmöglich
erschien,  beschränkte  die  A.-G.  Motor  ihre  Tätigkeit  auf
den  Ausbau  und  die  Entwicklung  ihrer  s.  Zt.  bestehenden
Anlagen.  Weitere  neue  Geschäfte  wurden  nicht  an  die
Hand  genommen,  was  naturgemäss  einen  Ausfall  der
nächsten  Jahresergebnisse  bedeutete.  Eine  befriedigende
Weiterentwicklung  hatten  wieder  die  Jahre  !904ff.  und
so  konnte  man  sich  dann  auch  von  neuem  an  die
Ausführung  neuer  Projekte  heranwagen.
d.  Sociefe  franco  -  Suisse  pour  V  Jndusfri»  Ctectrique.
Mit  dem  Geschäftssitz  in  Genf  und  einem  Komiteesitz ­
  in  Paris  wurde  im  Jahre  1898  von  schweizerischen
und  französischen  Firmen,  der  Societe  du  Creuzot,
Etablissement  Schneider  &amp;amp;  Co.,  eine  4.  Finanzgesellschaft
auf  die  Dauer  von  75  Jahren  mit  einem  Aktienkapital
von  25  Mill.  Fr.,  auf  das  zunächst  ,50  n / 0  eingezahlt  wurden, ­
  begründet,  deren  Arbeitsfeld  sich  vornehmlich  auf
die  französische  Schweiz,  Frankreich,  Italien,  Spanien
und  Amerika  erstreckt.  Sie  betätigt  sich  in  der  Gründung ­
  von  Gesellschaften  zum  Bau  von  Elektrizitätswerken
und  elektrischen  Bahnen,  in  der  finanziellen  Beteiligung
        <pb n="132" />
        —  127

an  Syndikaten,  gesellschaftlichen  Unternehmungen  und
Studiengeschäften.
Ende  des  Jahres  1905  war  die  Societe  Franeo-Suisse
an  folgenden  Unternehmungen  mehr  oder  weniger  stark
beteiligt:
Societe  Grenobloise  de  Force  et  Lumiere,
Societd  des  Forces,  Hydrauliques  du  Rhone,
Compagnie  d’Electricite  de  l’Ouest  Parisien  (Ouest
Lumiere),
Socidte  du  Tramway  et  de  l’Eclairage  dlectrique  deTwer,
Societd  Financiere  Italo-Suisse,  Hauptaktionärin  der
Societe  Meridionale  d’Electricitd  und  der
Societä  Generale  per  la  Illuminazione  in  Neapel,
Societe  Italienne  d’Electrochimie,
Compagnie  du  Chemin  deFer  deMartigny  an  Chätelard,
Banque  de  Depots  et  de  Credit,
Societd  Financiere  pour  l’Industrie  du  Mexique,
Syndicat  Russe  (für  den  Erwerb  der  Aktien  der  Moskauer ­
  Strassenbahngesellschaften  und  die  elektrische
Kraftanlagen  in  Baku),
Societe  Espagnole  des  Carbures  Mdtalliques,
Havana  Electric  Railway  Company,
Societe  Allemande  d’Electricite  d’Outre-Mer  (Buenos-Ayres),

Volta,  Societe  Lyonnaise  de  1'Industrie  Electro-Chimique,
Societd  Commerciale  du  Carbure  de  Calcium,
Societe  des  Usines  Electriques  d’Hafsland,
Societd  Norvegienne  de  l’Azote.
Der  Buchwert  dieser  Beteiligungen  bezillerte  sich
■auf  rund  27  MilI.Fr.  Wie  sich  derselbe  auf  die  einzelnen
Unternehmungen  verteilt,  gibt  die  Verwaltung  leider
        <pb n="133" />
        128

nicht  an,  so  sehr  dies  bei  dem  starken  Engagement  auch
erwünscht  wäre.  Das  finanzielle  Ergebnis  der  Finanzgesellschaft ­
  war  bis  jetzt  noch  ein  recht  wenig  erfolgreiches; ­
  nur  zweimal  in  den  8  Jahren  ihres  Bestehens
konnten  Dividenden  zur  Verteilung  gelangen  (1899/00:4  %
und  1905:3%).  Das  Aktienkapital  gelangte  bis  1901/02
voll  zur  Einzahlung.  Zur  Stärkung  der  Betriebsmittel
wurde  im  Geschäftsjahre  1903/04  noch  eine  4%ige  Obligationenanleihe ­
  aufgenommen.
Stark  litt  die  Gesellschaft  unter  dem  Druck  der
geschäftlichen  Stockung  in  den  Jahren  1900ff.  Selbst
ihre  besten  Tochtergesellschaften  blieben  hinter  den  in
sie  gesetzten  Erwartungen  zurück.  Anscheinend  erst
nach  vielem  Zögern  sah  sich  die  Verwaltung  in  ihrem
Jahresbericht  für  1900/01  selbst  genötigt,  einzugestehen,
dass  sie  sich  geirrt  habe  und  dass  die  Zeit  noch  nicht
gekommen  sei,  wo  die  Hauptunternehmungen  der  Gesellschaft ­
  diejenigen  Resultate  brächten,  die  zu  erwarten
die  Aktionäre  ein  Recht  hätten.  In  einem  Jahre,  von
Oktober  1900  bis  Oktober  1901,  sank  der  Kurs  der  Aktien
denn  auch  von  510  auf  310  Fr.  Bei  den  vielen  dividendenlosen ­
  Jahren  ist  schon  kaum  an  eine  Erholung  zu  denken.
Hier  gilt  besonders,  was  schon  auf  Seite  107  über  das,
man  möchte  sagen  „Geschäfte  machen  um  jeden  Preis“
ausgeführt  wurde.
Nachstehende  tabellarische  Darstellung  gibt  auch
über  die  Veränderungen  in  der  Vermögenslage  der
Sociüte  Franco-Suisse  ein  knappes  Bild.
        <pb n="134" />
        ")  1.  Juli—31.  De2ember  1904.

1898,99  1899/00
Nicht  eingezahltes  Aktienkapital  .  .  .  12,500  12,500
Kasse  6  10
Bankguthaben  1,076  732
Wechsel  6,033  860
Eigene  Unternehmungen  3,142  7,389
Effekten  und  Beteiligungen  1,725  3,324
Studiengeschäfte  —  809
Vorschüsse  und  Debitoren  976  517
Lieferungen  15  182
Summe  der  Aktiven:  25,524  26,508
Aktienkapital  25,000  25,000
Obligationen  —  —
Reservefond  1  —  42
Bevorzugte  Forderungen  —  —
Kreditoren  54
Gewinn  und  Verlust  470  1,466
Summe  der  Passiven:  25,524  26,508

1900/1

1901/2

1902/3

1903/4

1904*)

1905

(in  1000  Franken)

6,304

—

—

—

—

—

19

84

7

5

8

30

358

255

191

2,392

2,081

225

699  )

1

11,850  '
4,108  '

23,765  !
/

24,796

27,616

26,911

27,022

1,241

500  1

1,570

2,182

5,883

6,915

8,557

12,460

196

74

—

—

—

—

26,345

26,859

30,876

37,278

37,887

40,047

(in  1000  Franken)

25,000

25,000

25,axi

25,000

25,000

25,000

1

—

—

10,000

10,000

10,000

149

184
90

234

246

278

300

5,164

1,252

1,928

3,865

1,194

1,563

478

779

680

877

26,345

26,859

30,876

.  37,278

37,887

40,047

129
        <pb n="135" />
        130

Wie  sich  die  Vermögenslage  der  angeführten  vier
Finanzgesellschaften  bei  Abschluss  des  Geschäftsjahres
1905  gestaltete,  sei  in  der  weiter  folgenden  Tabelle  der
besseren  Uebersicht  wegen  noch  einmal  vergleichend
zusammengestellt.
Sowohl  was  die  Höhe  des  eingezahlten  Aktienkapitals ­
  als  auch  was  die  Höhe  der  ausgegebenen
Obligationen  anbelangt,  steht,  wie  man  sieht,  die  Bank
für  elektrische  Unternehmungen  an  erster  Stelle.  Auffallend ­
  ist  das  Verhältnis  der  Höhe  der  ausgegebenen
Obligationen  zu  der  Höhe  des  eingezahlten  Aktienkapitals ­
  bei  der  Schweizer.  Gesellschaft  für  elektrische
Industrie.  Allerdings  ist  nicht  zu  vergessen,  dass  bei
letzterer  Gesellschaft  noch  10  Mill.  Fr.  auf  Aktien  jederzeit ­
  ohne  weiteres  einberufen  werden  können.  Fast
umgekehrt  ist  das  erwähnte  Verhältnis  bei  der  Sociöte
Franco-Suisse.  Der  Reservefond  hat  nur  bei  der  Bank
für  elektrische  Unternehmungen  und  bei  der  Aktien-Gesellschaft
  „Motor“  eine  einigermassen  befriedigende
Höhe  erreicht.  Bei  den  beiden  anderen  Gesellschaften
bedarf  er  noch  einer  sehr  starken  Aufbesserung,  besonders ­
  bei  der  Societe  Franco-Suisse.
        <pb n="136" />
        Name  der
Gesellschaft
(Datum  der
Bilanz.)

Eingezahltes
71  Aktienkapital

■m  Ausgegebene
r  Obligationen

Res.-Fond
a.  gesetzl.
b.  Spezialc.Rückstllgs.-

  Amortisat.-Konto

Fr.

G
&amp;lt;D
,  bfl
G  G
CD  3
^  bO
^  s
•&amp;lt;  CJ
Id
X)
Fr.

Debitoren
Fr.

Kreditoren
Fr.

Vorschüsse
5?  im  Konto-Korrent


s
^  3
G  ~
&amp;gt;,  &amp;lt;d
C/)  "oj
Xi
Fr.

Bankguthaben ­

Fr.

Bk.  für  elektr.
Unternehm.
(30.  VI.  05.)

36.000,000

33,000.000

a.  3,050,815

56,345,266

497,626,13

13,181,175

368,598

4,448,725

Schweiz.  Gesellschaft ­
  für
elektr.  Indust.
(31.  XII.  05.)

10,000,000

30,000.000

a.  437,619

14,314,080

11,454,358

_

8,053,423

7,339,451

-

A.-G.  „Motor“,
Baden
(31.  XII.  05.)

11,250,000

8,000.000

a.  297.241
b.  100,000
c.  725,000

4,836,787

2,761.794

2742,864,99

14.183,470')

1,536,087 2 )

—

Societe  Franco-Suisse,
  Genf
(31.  XII.  05.)

25,000,000

10,000,000

a.  300,000
1

27,021,975®)

12,460,062 4 )

3865

s.  Debit.

225,146

')  Eigene  Anlagen.
')  Allgemeines  Lieferungs-Konto.

’)  Unternehmungen  u.  finanz.Beteiligungen,  Studiengeschäfte.
')  Vorschüsse  und  Debitoren.
        <pb n="137" />
        VIL  Der  Dampfturbinenbau,
ein  wichtiger  Nebenzweig  der  Schweiz,  elektrischen
Industrie.

Das  Streben  nach  Vervollkommnung  im  elektrischen
Kraft-  und  Licht-Betrieb  sowie  die  zunehmende  Bedeutung ­
  der  elektrischen  Licht-  und  Kraftanlagen  führten
nicht  allein  zu  einer  weiteren  Ausgestaltung  der  Kolbendampfmaschine, ­
  sondern  auch  zur  Dienstbarmachung
einer  neueren  Kraftmaschinen-Konstruktion,  der  Dampfturbine, ­
  für  die  Erzeugung  elektrischer  Strommengen.
Bei  ihrer  nie  rastenden  Tätigkeit  haben  die  schweizer.
Elektrizitäts-Grossfirmen,  ebenso  wie  die  deutschen,  nie
vergessen,  ihr  Augenmerk  auf  neue  Ziele  zu  richten
und  neue  Errungenschaften  des  schaffenden  Geistes
ihren  Zwecken  nach  Möglichkeit  dienstbar  zu  machen.
Im  Jahre  1900  begannen  sie  die  Fabrikation  der  vielversprechenden ­
  Neuheit  der  Dampfturbinen.  Dass  es
gerade  in  erster  Linie  die  Elektrizitätsfirmen  und
nicht  andere  Maschinenfabriken  sind,  die  den  Bau  von
Dampfturbinen  in  ihren  Arbeitskreis  zogen,  beruht  vor
allem  darauf,  dass  diese  Antriebsmaschine  vermöge  der
nötigenfalls  erreichbaren  hohen  Umdrehungszahl  und
ihres  gleichmässigen  Ganges  ganz  besonders  sich  zum
direkten  Antrieb  von  elektrischen  Stromerzeugern  für
Licht-  und  Kraftübertragungs-Anlagen  in  unmittelbarem
Zusammenbau  mit  Dynamomaschinen  eignet  und  es
deshalb  im  Interesse  der  Elektrizitätsindustrie  selbst  lag,
        <pb n="138" />
        133

darauf  Bedacht  zu  nehmen,  dass  bei  der  weiteren  Ausgestaltung ­
  speziell  ihren  eigenen  Bedürfnissen  eine
hervorragende  Berücksichtigung  zu  Feil  werde,  was
natürlich  am  besten  geschehen  konnte,  wenn  die  Elektrizitätsfirmen
  den  Bau  selbst  in  die  Hand  nehmen.
Dampfturbine  und  Dynamomaschine  bilden  ein
einheitliches  Maschinen  -  Aggregat  mit  gemeinsamer
Grundplatte,  Welle  und  Lagerung  vereinigt,  bei  Gleichstrom ­
  Turbodynamo  und  bei  Wechselstrom  (Einphasen-,
Zweiphasen-  und  Drehstrom)  l  urboalternator  genannt.
Vergleicht  man  das  Prinzip  der  Dampfturbine  mit  demjenigen ­
  der  Kolbendampfmaschine,  so  erkennt  man  auf
den  ersten  Blick,  dass  ersteres  dem  letzteren  gegenüber
einen  bedeutenden  Vorteil  haben  muss.  Bei  der  Kolbendampfmaschine ­
  wird  die  Energie  des  expandierenden
Dampfes  in  der  Weise  ausgenützt,  dass  man  abwechselnd
zu  beiden  Seiten  des  in  einem  Hohlzylinder  befindlichen
Kolbens  Dampf  in  ersteren  einströmen  und  vermöge
her  dem  Dampf  infolge  seiner  Spannung  innewohnenden
Kraft  den  Kolben  hin  und  her  bewegen  lässt.  Durch
einen  Kurbelmechanismus  wird  die  Hin-  und  Herbewegung
her  Kolbenstange  in  eine  nach  einer  Richtung  hin
rotierende,  d.  h.  diejenige  Bewegung  umgesetzt,  welche
Ihr  die  Weiterleitung  mechanischer  Arbeit  (z..  B.  zum
Antrieb  von  elektr.  Maschinen,  von  Transmissionen  etc.),
benötigt  wird.  Die  Dampfturbine  vermeidet  diesen
Ranzen,  mit  besonderen  Nachteilen,  voi  allem  mit
Kraltverlust  verbundenen  Uebersetzungsvorgang,
Kolbenbewegung  hin-  und  hergehender  Massen
Kurbelmechanismen,  sowie  aller  Art  Zwischenü  icr
Setzungen  —  denn  sie  verwandelt  die  Energie  des
        <pb n="139" />
        134

expandierenden  Dampfes  direkt  in  eine  rotierende  Bewegung. ­
  Prinzip  und  Arbeitsvorgang  sind  dabei  im  wesentlichen ­
  ähnlich  wie  bei  einer  Wasserturbine.
Die  wirtschaftlichen  Vorteile  der  Dampfturbine
gegenüber  der  Kolbendampfmaschine  äussern  sich  in
der  praktischen  Verwendung,  vor  allem  in  dem  bedeutend ­
  kleineren  Gewicht,  der  geringen  Raumbeanspruchung, ­
  dem  Wegfall  schwererem-  und  hergehender
Massen  und  der  durch  letztere  stets  hervorgerufenen
starken  Vibration  resp.  Beanspruchung  der  Fundamente,
der  einfachen  Bedienung,  dem  ausserordentlich  leichten
Anpassungsvermögen  an  die  Erfordernisse  des  Betriebes,
der  geringen  Abnutzung  der  metallischen  Teile,  dem
geringen  Dampfverbrauch  und  den  Ersparnissen  an
Kohlen  und  Oel.
Von  den  Elektrizitätsfirmen  der  Schweiz  sind  es
die  Firmen  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.,  Maschinenfabrik  Oeriikon
und  Elektrizitäts  -  Aktiengesellschaft  Alioth,  die  sich
mit  dem  Bau  von  Dampfturbinen  befassen.  Ausserdem
bauen  noch  Dampfturbinen  die  Maschinenfabriken  Gebr.
Sulzer  (Winterthur)  und  Escher,  Wyss  &amp;amp;  Co.  (Zürich).
Jede  grössere  Dampfmaschinenfabrik  wird  mit  der  Zeit
zum  Bau  dieser  Bewegungsmaschinen  übergehen  müssen.
Die  Kolbendampfmaschine  dürfte  das  Feld  zu  räumen
und  konstruktiv  verbesserten  und  ökonomisch  vorteilhafteren ­
  Antriebsmaschinen  Platz  zu  machen  haben.
Möglicherweise  lolgt  der  Dampfturbine  wiederum  die
Gasturbine,  und  vielleicht  wird  letztere,  wie  Brown,
Boveri  &amp;amp;  Co.  sich  ausdrücken,  die  Maschine  des  20.  Jahrhunderts ­
  sein.  Auf  technische  Einzelheiten  jeinzugehen,
ist  hier  nicht  der  Platz.
        <pb n="140" />
        135

Die  Maschinenfabrik  Oerlikon  steht  ebenso  wie  die
Firma  Alioth  mit  ihrem  Dampfturbinenbau  noch  im
Versuchsstadium.  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  arbeiten  nach
dem  System  Parsons.  im  Jahre  1900  erwarben  sie  von
der  Firma  Parsons  &amp;amp;  Co.,  Newcastle  das  Ausführungsrecht ­
  für  die  Schweiz  und  eine  Reihe  anderer  europäischer
Länder.  1903  gründeten  sie  in  Deutschland,  mit  dem
Sitze  in  Berlin,  unter  dem  Namen  „Turbina“  eine
Gesellschaft,  die  für  den  Absatz  in  Deutschland  eintreten
  soll.
Schon  seit  Jahren  hatten  die  technischen  Leiter  der
Firma  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  die  Entwicklung  des  Turbinenbaues ­
  mit  grossem  Interesse  verfolgt.  Allein  die  aussergewöhnlichen
  Anforderungen,  welche  die  Mitte  der  90er
Jahre  an  die  Leistungsfähigkeit  fast  aller  grösseren
elektrotechnischen  Etablissements  stellte,  erlaubten  es
ihnen  vorerst  nicht,  an  neue  Aufgaben  heranzutreten,
wenn  auch  schon  in  aller  Stille  die  ersten  Vorbereitungen
getroffen  wurden.  Erst,  nachdem  es  ruhiger  in  der
Llektrobranche  geworden  war,  ward  es  möglich,  die  für
den  Turbinenbau  notwendigen  Kräfte  in  vollem  Masse
auszulösen.  Die  Aufgabe,  vor  welche  man  sich  im  gegebenen ­
  Moment  gestellt  sah,  war  indessen  keine  leichte.
Neben  vollständiger  Umgestaltung  der  von  dem  Eiender ­
  übernommenen  Konstruktionen  mussten  die  zusammengehörigen ­
  elektrischen  Maschinen  nach  ganz
nKu en  Gesichtspunkten  ausgebildet  werden.  Vollständig
neue  Werkstätten  mit  Spezialausrüstung  waren  zu  errichten, ­
  und  ein  ganz  neues  Ingenieur-  und  Arbeiterpersonal
  hatte  seine  Ausbildung  zu  erhalten.  Es  zeugt
gewiss  von  Energie  und  Sicherheit,  mit  der  die  ganze
Angelegenheit  durchgeführt  wurde,  wenn  bereits  unge ­
        <pb n="141" />
        136

fähr  ein  Jahr  nach  Aufstellung  der  Licenzverträge  die
erste  Dampfturbine,  System  Brown,  Boveri-Parsons,  die
Werkstätten  verlassen  und  schon  wenige  Monate  nach
Schaffung  der  neuen  Abteilung  an  die  Ausführung  eines
5000-pferdigen  Dampfmotors  geschritten  werden  konnte,
einer  Maschinengrösse,  wie  sie  selbst  der  Erfinder
Parsons  bislang  noch  nicht  gebaut  hatte.
Der  Absatz  überstieg  die  kühnsten  Erwartungen.
Ueber  die  zunehmende  Verwendung  der  Dampfturbine
System  Parsons  bezw.  Brown,  Boveri-Parsons  geben  nachfolgende ­
  Zusammenstellungen  ein  zahlenmässiges  Bild.

Es  wurden  geliefert*)  von

in  dem  Zeitabschnitt

Turbin.-anlagen


Turbinen ­


Gesamtleistung ­

PS

Leistung
der  grösst.
Turbine
PS

Parsons&amp;amp;Co.

1884  bis  1890  ...  .

.  360

5000

20

1890  bis  1896  ....

.  240  .

35000

600

1896  bis  1902  ....

.  200

160000

3000

Brown,

1900  bis  1902  ....

.  31

37

29810

5000

Boveri  &amp;amp;  Cie.

1.  Jan.  bis  1.  Juni  1903

.  28

33

47720

8000

A.-Q.

1900  bis  1.  Juni  1903

.  59

70

77530

Es  wurden  bei  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  bestellt*)

Gesamt-Leistung



in  dem  Zeitabschnitt

Turbinenanlagen ­


Turbinen ­


leistung
der

der
grössten

Turbinen

Turbine

PS

PS

1900  bis  1902

31

37

29810

5000

1.  Januar  1903  bis  31.  Sept.  1903
Schiffsturbinen  für  die  Kaiserlich

37

51

47915

8000

Deutsche  Marine

2

6

18500

—

1.  Oktober  1903  Pariser  Untergrundbahn ­
  (le  Metropolitain)  Paris  .

)  ’
1

4

40000

10000

2.  Oktober  1903  bis  1.  August  1904

85

129

112485

8000

insgesamt  bis  1.  August  1904  .  .

156

227

248710

*)  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.:  Dampfturbine  System  Brown,  Boveri-Parsons.
        <pb n="142" />
        137

Aber  selbst  bei  diesem  glänzenden  Erfolg,  den  das
System  Brown,  Boveri-Parsons  davontrug,  darf  man
nicht  glauben,  dass  die  Einführung  des  Damptmotors
eine  leichte  gewesen  sei,  insbesondere  nicht  aul  dem
europäischen  Kontinent.  Die  ersten  Jahre  ihres  Bestehens
bildeten  für  die  Dampfturbinen-Abteilungen  eine  Periode
des  Kampfes.  Zugute  kam  der  A.-G.  Brown,  Boveri
&amp;amp;  Co.  allerdings  dabei,  dass  sie  bis  zum  Jahre  1904  die
einzige  Firma  auf  dem  europäischen  Pestlande  war,  die
über  eine  regelmässige  P  abrikation  und  über  eine  in
der  Praxis  eingeführte  und  in  jahrelanger  Pu'lahi  ung  bewährte ­
  Maschinentype  verfügte.  Heute  kann  die  gewonnene ­
  Position  als  eine  gesicherte  betrachtet  weiden.
Die  Verwendung  der  Dampfturbine  erstreckt  sich  aul
Industrien  aller  Art.  Insbesondere  ist  es  die  Textilindustrie,
für  die  ein  exaktes  und  regelmässiges  Arbeiten  der
Primärmaschinen  von  hohem  Werte  ist  und  die  sich
deshalb  mehr  und  mehr  der  1  urbine  zuwendet.  Ein
Gleiches  gilt  bezüglich  derjenigen  Industriezweige,  die
wegen  ihres  ausserordentlich  schwankenden  Kraltbedaifs
die  weitgehendsten  Anforderungen  an  ihre  Krafterzeugungsmaschinen ­
  stellen  müssen,  wie  die  Berg-undHüttenindustrie. ­
  Hauptabnehmer  für  Dampfmotore  sind  die
Elektrizitätswerke.  Ein  weiteres  wichtiges  Anwendungsgebiet ­
  für  Dampfturbinen  ist  das  der  Fortbewegung  von
Schiffen.  Der  direkte  Antrieb  zeigt  sich  dabei  geiade
dort  besonders  vorteilhaft,  wo  infolge  der  gesteigerten
Ansprüche  an  Schnelligkeit  und  Manövrierfähigkeit  jede,
auch  die  kleinste,  Gewichts-  und  Raumersparnis,  .  ei  es
Hinblick  auf  Maschinenanlage,  sei  es  im  Hinblick
auf  Kohlenbedarf,  in  Rücksicht  genommen  werden  muss.
Bei  der  Verwendung  von  Kolbendamplmasi  hinen  ist
        <pb n="143" />
        138

man  im  Bau  von  grossen  Kriegsschiffen  und  Ozean-Passagierdampfern
  an  der  Grenze  des  Möglichen  angelangt. ­
  Die  Steigerung  der  Geschwindigkeit  lässt  sich
nur  durch  einen  etwa  in  der  dritten  Potenz  gesteigerten
Kraftaufwand  erreichen.  Schwere  Maschinen  und  grosse
Kohlenmassen  vergrössern  das  Eigengewicht  des  Schiffes
und  verringern  gleichzeitig  den  für  andere  Zwecke  verfügbaren ­
  Raum.  Bei  zunehmender  Geschwindigkeit  gelangt ­
  man  daher  sehr  bald  an  einem  Punkte  an,  wo
jeder  im  Schiffe  verfügbare  Raum  für  die  Lagerung  von
Brennmaterial  benutzt  werden  muss,  wenigstens  wenn
das  Schiff  sich  auf  grössere  Entfernungen  von  den  am
Lande  liegenden  Kohlenstationen  begeben  will.  In
dieser  Hinsicht  bietet  nur  die  Dampfturbine  noch
einen  Ausweg.  Zugleich  erzielt  man  hei  ihrer  Verwendung ­
  ein  vibrationsloses  Arbeiten,  leichte  Manövrierfähigkeit ­
  sowie  die  Möglichkeit  einer  günstigeren  Schwerpunktlage ­
  des  Schiffes  etc.
1903  lieferten  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  für  die  Kaiserl.
Deutsche  Marine  2  Turbinenanlagen  mit  6  Turbinen  und
einer  Gesamtleistung  von  18,500  PS.,  und  zwar‘zum
Betrieb  eines  Kreuzers  eine  Dampfturbinenanlage  von
12,000  PS.,  zum  Betrieb  eines  Hochseetorpedobootes
eine  Dampfturbinenanlage  von  6,500  PS.
Nach  allem  eröffnet  sich  also  für  die  Dampfturbinen-Abteilungen
  der  schweizerischen  Elektrizitätsfirmen  noch
ein  weites  Absatzteld.  Zu  wünschen  bleibt  nur,  dass
die  Verkaufspreise  sich  aul  einem  Niveau  halten,  das  für
die  Fabrikanten  einen  nennenswerten  Nutzen  lässt.
Um  in  diesem  Sinne  zu  wirken,  schlossen  sich
bereits  im  Jahre  1903/04  die  grössten  Maschinen-Werke
Europas  und  Amerikas  zu  zwei  Syndikaten  zusammen,
        <pb n="144" />
        139

Das  eine  Syndikat  umfasst  die  Finnen  Allgemeine
Elektrizitätsgesellschaft  und  General  Electric  Co.  mit
ihren  Tochtergesellschaften,  sowie  Elektrizitätsgesellschaft ­
  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  Die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft ­
  in  Berlin,  sowie  die  General  Electric  Co.
in  New-York  bauen  unter  der  Firma  „Vereinigte  Dampfturbinen-Gesellschaft
  mit  beschränkter  Haftung“  in  Berlin
nach  dem  System  Riedler-Stumpf-Curtis.  Um  sich  aber
auch  das  Parsons-Patent  zu  sichern,  wurde  von  der
Allgemeinen  Elektrizitäts-Gesellschaft  mit  den  Grossaktionären ­
  von  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  der  schon  aut
Seite  71  erwähnte  Aktienaustausch  vorgenommen.  Dadurch ­
  gewann  die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft
zugleich  Interesse  an  der  Zweigfabrik  Brown,  Boveri
&amp;amp;  Co.  in  Mannheim,  deren  Spezialität  der  Bau  von
Dampfturbinen  nach  dem  System  Brown,  Boveri-Parsons
  ist.
Dem  zweiten  Syndikat,  dem  speziell  das  System
Zoelly  zugrunde  liegt,  gehören  die  Firmen  Siemens-Schuckert-Werke,
  Escher,  Wyss  &amp;amp;  Co.,  A.-G.-Zürich,
Friedrich  Krupp,  A.-G.-Essen,  Norddeutsche  Maschinenund
  Armaturenfabrik,  A.-G.  -  Bremen  (Norddeutscher
Lloyd),  sowie  die  Vereinigte  Maschinenfabrik  Augsburg
und  Maschinenbaugesellschaft  Nürnberg,  A.-G.  an.*)

7  Elektrotechnische  Zeitschrift  1904,  Seite  162  und  361.
        <pb n="145" />
        VIII.  Die  grossen  zukünftigen
Probleme  der  schweizerischen
ElektrizitätSwindustrie.

Schon  mehrfach  wurde  im  Vorangegangenen  darauf
hingewiesen,  welche  hohe  Bedeutung  die  Wasserkräfte
der  Schweiz  durch  die  Entwicklung  der  Elektrotechnik
gewonnen  haben.  Die  Sorge  für  die  Erhaltung  dieser
Kräfte  bildet  heute  mehr  wie  je  eine  der  Richtpunkte
der  schweizerischen  Wirtschaftspolitik.  Bei  der  Armut
des  Landes  an  mineralischen  und  fossilen  Schätzen
müsste  seine  Industrie  von  Jahr  zu  Jahr  weiter  in  Abhängigkeit ­
  zum  Auslande  geraten,  hätte  Mutter  Natur
nicht  in  den  in  reichem  Masse  vorhandenen  Wasserkräften ­
  ein  Mittel  gegeben,  das  geeignet  ist,  einen  annehmbaren ­
  Ausgleich  herbeizuführen.  Weitgehendste
Dienstbarmachung  dieses  Naturschutzes  für  Zwecke  des
Transportwesens  und  für  industrielle  Betätigung  ist  daher ­
  das  Ziel,  dem  nachzustreben  die  schweizerischen
Elektrizitätsfirmen  schon  seit  einiger  Zeit  zu  ihren
wichtigsten  Aufgaben  zählen.  Leider  stehen  der  Erreichung ­
  dieses  Zieles  Hindernisse  aller  Art  noch  entgegen. ­
  Grosse,  einheitliche  Projekte  können  vielfach
deshalb  nicht  zur  Durchführung  gelangen,  weil  die  Konzession ­
  für  die  Wasserkraftanlagen  von  den  Gemeinden
nach  eigenem  Gutdünken  erteilt  werden,  was  natürlich
eine  Zersplitterung  der  Kräfte  unvermeidbar  macht,
        <pb n="146" />
        141

Wie  gross  die  den  vorhandenen  Gefällen  und  Stauanlagen ­
  innewohnenden  Energiemengen  sind,  lässt  sich
mit  einiger  Sicherheit  auch  nicht  annähernd  genau
genug  berechnen,  trotzdem  dies  mehrfach  versucht
wurde.  Man  kann  nur  sagen,  dass  neben  den  zur
Deckung  des  augenblicklichen  Bedarfs  für  industriellen
Konsum  nötigen  Mengen  noch  ein  sehr  grosser  Vorrat
an  Reserven  der  Ausnutzung  harrt.  Diese  Energiemengen ­
  in  erster  Linie  im  Interesse  des  eigenen  Landes
nutzbar  zu  machen,  ist  natürlich  ein  unbestreitbares
Recht  des  Schweizervolkes.  Es  hiesse  die  eigene
Waffe  dem  Konkurrenten  in  die  Hand  legen,  würde
man  die  Wasserkräfte  der  ausländischen  Industrie,  die
ohnehin  mit  günstigeren  Produktionsverhältnissen  arbeitet,
überlassen.  Letzteres  zu  verhindern,  war  der  Zweck
einer  Petition,  welche  die  schweizerische  Gesellschaft
»Freiland“  schon  1891  bald  nach  dem  wohlgelungenen
Verlauf  des  Versuchs  der  Kraftübertragung  von  Lauffen
nach  Frankfurt  a.  M.  der.  schweizerischen  Bundesversammlung ­
  überreichte  und  welche  dahinging,  die
sämtlichen  noch  unbenutzten  Wasserkräfte  der  Schweiz
z n  Eigentum  des  Bundes  zu  erklären,  die  Ausbeutung
derselben  sowie  die  Fortleitung  der  gewonnenen  Energie
durch  Elektrizität,  Druckluft  usw.  dem  Bunde  vorzubehalten. ­
  Die  Eingabe  war  erfolglos.  Erst  im  Verlolg
oiner  von  weitblickenden  Männern  Ende  1902  wiederum
eingereichten  Motion  fasste  der  Bundesrat  im  Dezember
1 905  einen  Beschluss,  der  in  der  Hauptsache  Fügendes
bestimmt:  „Die  Ableitung  von  elektrischer  Enei  gie,  weiche
ganz  oder  zum  Teil  aus  inländischer  Wasserkraft  gewonnen ­
  wird,  ins  Ausland  bedarf  der  bundesräthchen
Bewilligung.  Staatsverträge  sind  Vorbehalten.  Der
        <pb n="147" />
        142

Bundesrat  wird  die  Bewilligung  erteilen,  insofern  und
insoweit  die  Wasserkraft  nicht  im  Inlande  Verwendung
findet  oder  deren  Verwertung  ins  Ausland  nicht  inländischen ­
  Interessen  zuwiderläuft.  Die  Bewilligung
wird  auf  eine  bestimmte  Dauer  erteilt,  welche  nicht
mehr  als  zwanzig  Jahre  beträgt,  und  kann  auf  Antrag
des  Inhabers  ein  oder  mehrere  Male  abgeändert  oder
erneuert  werden.  Jede  Bewilligung  kann  vom  Bundesrat ­
  während  ihrer  Dauer  jederzeit  gegen  Entschädigung
widerrufen  werden.  Für  die  Feststellung  der  Entschädigung ­
  ist  im  Streitfall  das  Bundesgericht  zuständig.
Die  Steuerhoheit  und  die  Wasserrechtsgesetzgebung  der
Kantone  bleiben,  innert  der  Schranken  der  Bundesverfassung ­
  und  dieses  Bundesbeschlusses,  gewahrt.
Dieser  Bundesbeschluss  soll  nach  dem  Anträge  des
Bundesrats  als  dringlich  erklärt  werden  und  sofort  in
Kraft  treten.“
Ist  man  also  nicht  so  weit  gegangen,  wie  es  die
Gesellschaft  „Freiland“  wünschte,  nämlich  die  Ausnützung ­
  der  Wasserkräfte  zu  einem  Staatsmonopol  zu
erklären,  so  ist  doch  erreicht  worden,  dass  ein  Abschluss
der  Energie  ins  Ausland  nunmehr  nur  unter  erschwerenden ­
  Umständen  möglich  ist.*)
In  den  letzten  Jahren  beschäftigte  man  sich  im  benachbarten ­
  Baden  mit  der  Ausarbeitung  eines  Kostenplanes ­
  über  die  Schiffahrt  aui  dem  Oberrhein  sowie
deren  Nutzbarmachung  und  Ausgestaltung  bis  Konstanz.
Welche  Vorteile  der  Lösung  dieses  Projektes  auch  .für
die  Schweiz  entspringen  werden,  lässt  sich  noch  nicht
völlig  ermessen.  Zu  wünschen  wäre  aber,  dass  es  bald
zur  Ausführung  gelange.
*)  Vgl.  Beitrag  zur  Verstaatlichung  der  Wasserkräfte  in  der
Schweiz  von  A.  Reilstab,  Zürich.
        <pb n="148" />
        143

In  Deutschland,  wo  die  Zahl  der  rationell  verwertbaren ­
  Wasserkräfte  eine  verhältnismässig  beschränkte
ist,  werden  kostspielige  Wasserbauten,  wie  die  Talsperren, ­
  errichtet.  Grössere  Projekte  wegen  der  Nutzbarmachung ­
  von  Wasserkräften  brachte  in  den  letzten
Jahren  Frankreich  zur  Durchführung,  ln  Italien  ist  man
eifrig  bestrebt,  die  Wasserläufe  des  Landes  als  Ersatz
für  die  fehlenden  Kohlen  in  Anspruch  zu  nehmen.
Schweden  bestellte  1899  ein  Komitee  mit  dem  Auftrag,
Bericht  zu  erstatten  über  die  Nutzbarmachung  der  staatlichen ­
  Wasserläufe.  Die  Untersuchung  soll  das  Vorliegen ­
  sehr  günstiger  Verhältnisse  ergeben  haben.  In
Norwegen  ist  das  Projekt  der  Nutzbarmachung  von  rund
140,000  HP.  allein  in  der  Umgebung  von  Christiania
ausgearbeitet  worden;  40,000  HP.  davon  sind  bereits  in
Dienst.  Auch  Spanien  erwartet  von  der  Nutzbarmachung
seiner  Wasserkräfte  grosse  Erfolge,  insbesondere  im
Hinblick  auf  die  Gewinnung  elektrischer  Energie.  Soll
da  die  Schweiz,  die  doch  die  vollendetsten  Anwendungsformen ­
  der  Elektrotechnik  besitzt,  zurückstehen?
Möglichst  rationelle  Heranziehung  der  zahlreichen  Flussgefälle
  und  Seenabflüsse  zur  Deckung  des  inländischen
Energiebedarfs  und  Herstellung  der  dafür  nötigen  Anlagen ­
  ist  also  das  erste  grosse  Problem  der  schweizerischen ­
  Elektrizitäts-Industrie.
Ein  weiteres  grosses  Problem,  dem  nicht  mindei
reges  Interesse  entgegengebracht  wird,  ist  die  Um
Wandlung  des  Dampfbetriebes  der  schweizerischen
Eisenbahnen  in  elektrischen  Betrieb.  In  relativ  kuizei
Zeit  richtete  die  Firma  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  A.-G.  den
elektrischen  Betrieb  im  Simplon-Tunnel  \eisuchswcisr
auf  ihre  eigenen  Kosten  ein.  Der  Betrieb  soll  nach
        <pb n="149" />
        144

Ueberwindung  der  ersten  mit  dem  Tunnelbetriebe  zusammenhängenden ­
  Schwierigkeiten  jetzt  anstandslos
funktionieren.  Ebenfalls  von  der  genannten  Gesellschaft
übernommen  wurde  die  Elektrisierung  der  schweizer.
Seetalbahn.  Die  Maschinenfabrik  Oerlikon  machte,  wie
bereits  auf  S.  14  erwähnt  wurde,  Versuche  auf  einer
Bundesbahnstrecke,  die  voraussichtlich  bald  zum  Abschluss ­
  kommen.  Die  Versuche,  welche  gemacht  werden,
haben  nicht  so  sehr  den  Zweck,  gewisse  Geschwindigkeiten ­
  zu  erzielen,  wie  dies  bei  dem  Versuche  Marienfeld-Zossen ­
  der  Fall  ist,  —  in  der  Schweiz  muss  der
Zug  anhalten,  lange  bevor  er  eine  Geschwindigkeit  von
200  km  erreicht  hat  —  als  vielmehr  den,  die  Betriebskosten ­
  herabzumindern  und  den  Kohlenkauf  beziehungsweise ­
  den  Kohlenimport  möglichst  unnötig  zu  machen.
Eine  spezielle  Bedeutung  gewinnt  der  Versuch  der
Maschinenfabrik  Oerlikon  dadurch,  dass  bei  ihm  eine
Neuerung  der  Stromabnahme,  der  Hochspannungs-Einphasenstrom, ­
  zur  Anwendung  kommt.  Die  Besonderheiten ­
  einer  derartigen  Anlage  sind  im  wesentlichen  die
folgenden:*)  Das  schon  vorhandene  Rohmaterial  (Wagen)
wird  unverändert  weiter  benutzt,  der  Strom  auf  der
Maschine  (Lokomotive)  umgeformt.  Die  Möglichkeit  der
Umformung  auf  der  Maschine  selbst  bietet  den  gewaltigen
Vorteil,  dass  bereits  bestehende  Kraftquellen  an  die
Bahn  angeschlossen  und  ausgenutzt  werden  können.
Um  gewisse  Strecken  elektrisch  zu  betreiben,  braucht
also  nicht  erst  die  Herstellung  neuer  Kraftquellen  abgewartet ­
  werden.  Ein  einphasiger  Wechselstrom  von
14,000  Voll  Spannung  bedingt  nur  einen  Leitungsdraht
von  8  mm  Durchmesser.  Die  Leistung  der  Lokomotive
*)  Schweizerische  Handelszeitung  1904,  No.  32.
        <pb n="150" />
        —  145

beträgt  2000  PS.,  gleich  der  bei  der  Fortbewegung  eines
doppelt  bespannten  Expresszuges  der  Gotthardbahn  entwickelten ­
  Kraft,  und  die  Menge  des  zugeführten  Stromes
160  Amp.  Die  Zuleitungsdrähte  können  doppelseitig
angebracht  werden  und  hat  man  dann  stets  gleich  einen
Reservedraht  zur  Verfügung.  Die  Stromzuleitung  ist
automatisch  verstellbar.  Vor-  und  Rückwärtsfahrt  ist
ohne  Verschiebung  der  Leitung  möglich.  Der  Strom
kann  zu  jeder  Zeit  und  auch  an  jedem  beliebigen  Ort
unterbrochen  werden;  dies  ist  vor  allem  insofern  wichtig,
als  es  zur  Verhütung  von  Unglücksfällen  beiträgt.  Die
für  den  elektrischen  Betrieb  hergerichtete  Strecke  kann
nach  wie  vor  mit  Dampflokomotiven  befahren  werden.
Da  der  vorhandene  Bahnkörper  sowie  das  Rollmaterial
weiterbenutzt  werden  können,  erfordert  die  Umwandlung
vom  Dampf-  zum  elektrischen  Betrieb  keine  allzu  grossen
Geldopfer.
Ein  anderer  neuartiger  elektrischer  Bahnbetrieb,
den  die  Generaldirektion  der  Schweiz.  Bundesbahnen
studiert  und  der  seiner  Eigenart  wegen  selbst  über  Fachkreise ­
  hinaus  Aufmerksamkeit  erregte,  beruht  ebenfalls
uuf  möglichster  Weiterbenutzung  der  vorhandenen  Betriebsmittel ­
  (Bahnkörper,  Wagen  und  Lokomotiven),  aber
in  der  Weise,  dass  die  Lokomotive  für  „elektrothermische
Krafterzeugung  auf  ihr  selbst  eingerichtet  wird.  Wegen
der  immer  noch  mangelhaften  Sicherheit  im  Hinblick
auf  mögliche  Stromunterbrechung  ist  letzteres  von  hohem
Werte.  Eine  vollkommene  Ausnutzung  der  erzeugten
Kraft  wird  durch  die  Möglichkeit  erzielt,  den  Zu ö  auch
elektrisch  heizen  zu  können.  Der  Umbau  der  gewöhn
liehen  Lokomotiven  in  elektrothermische  erfordert  die
Beseitigung  der  Feuerbüchsen  und  Siederohre  und
io
        <pb n="151" />
        146

Ersatz'  derselben  durch  parallele,  den  Kessel  in  der
Längsrichtung  durchziehende  elektrische  Holzwände.
Am  Führerstand  ist  nur  eine  Schalttafel  mit  einigen
Um-  und  Ausschaltungen  sowie  Apparaten  zur  Messung
des  .Stromes  anzubringen.  Die  übrige  Einrichtung  der
Lokomotive  bleibt  bestehen.  Man  rechnet,  dass  ein
stündlicher  üampfverbrauch  von  1000  kg  eine  Stromzuführung ­
  von  ca.  225  KW.,  ein  für  die  Praxis  durchaus
zulässiges  Verhältnis,  beansprucht.  Hauptvorzüge  des
elektrothermischen  Betriebs  sind:  Geringe  Kosten  der
Umgestaltung,  leichte  Belehrung  des  bedienenden
Personals,  Erhaltung  der  bisherigen  Heizung  und  Bremsungen ­
  der  Wagen,  Sammlung  von  Erfahrungen  über
den  elektrischen  Vollbahnbetrieb  vor  etwaiger  Einführung
der  Zugbeförderung  mit  Elektromotoren  und  Erleichterung ­
  des  Ueberganges  auf  letztere.*)
Gelingt  der  eine  oder  andere  Versuch,  so  ist  den
Konstruktionsfirmen  auf  viele  Jahre  hinaus  volle  Beschäftigung ­
  auf  dem  Gebiete  der  elektrischen  Zugbeförderung ­
  gesichert.  Dies  wäre  von  so  grosser  volkswirtschaftlicher ­
  Bedeutung,  dass,  sobald  erst  einmal
durch  praktische  Erfahrungen  die  finanzielle  und  technische ­
  Ueberlegenheit  oder  doch  mindestens  Gleichwertigkeit ­
  des  elektrischen  Vollbahnbetriebes  gegenüber
dem  Dampfbetriebe  erwiesen  sein  würde,  mit  aller  Kraft
auf  die  Inangriffnahme  der  vorliegenden  Projekte  hingewirkt ­
  werden  müsste.  Die  finanzielle  Gleichwertigkeit
oder  Ueberlegenheit  des  elektrischen  Betriebes  ist  für
die  Schweiz  —  trotz  Wasserkräften  —  noch  keineswegs
als  erwiesen  zu  betrachten.  Die  Finanzierungsfrage,
die  als  Hemmnis  bei  der  Einführung  des  elektrischen

•)  Schweiz.  Handels-Zeitung  1904,  No.  42.
        <pb n="152" />
        147

Bahnbetriebes  angesehen  werden  kann,  wird  /in  der
Schweiz  keineswegs  so  leichten  Schrittes  gelöst  wie  in
anderen  Ländern,  da  die  erforderlichen,  wenn  auch
verhältnismässig  geringen  Kapitalien  für  die  Schweiz
immerhin  enorme  Summen  bedeuten.
Eine  ins  Leben  gerufene  „Schweizerische  Studienkommission ­
  für  elektrischen  Bahnbetrieb“,  bestehend
aus  namhaften  Technikern,  Vertretern  der  Bundesbahnen, ­
  der  Gotthardbahn  und  einzelner  Elektrizitätsfirmen, ­
  beschäftigt  sich  mit  der  Beschaffung  der  für
einen  Entscheid  notwendigen  Unterlagen,  sowie  mit  der
Vergleichung  und  Erörterung  der  bisher  in  Europa  und
Amerika  gewonnenen  praktischen  Resultate.
Ein  ferneres  grosses  Problem  ist  die  Schiffbarmachung ­
  des  Oberrheins  und  die  Einführung  der  Binnenschiffahrt ­
  auf  dem  Rhein  von  Basel  ab  bergwärts,  auf
dem  Tessin  und  auf  dem  Po.  Die  Lösung  dieses
Problems  liegt  in  der  Einrichtung  elektrischer  Schleppung
a ut  den  betreffenden  Flussläufen.  Die  an  Ort  und  Stelle
befindlichen  Elektrizitätswerke  würden  damit  eine  nicht
unwesentlich  intensivere  Ausnützung  erfahren.  Die
Herrichtung  der  genannten  Wasserläufe  zu  Verkehrsstrassen ­
  und  die  weitere  Ausnützung  der  Elektrizitätswerke ­
  für  die  Sehleppschiffahrt  würde  sicher  der
schweizerischen  Volkswirtschaft  neues  Leben  zuführen.
Zu  hoffen  ist,  dass  die  Inangriffnahme  der  nötigen  Voiarbeiten
  in  eine  nicht  zu  ferne  Zukunft  verschoben  wird.
        <pb n="153" />
        \

Rückblick  und  Äusbliek.
Hand  in  Hand  mit  der  wissenschaftlichen  Forschung
fortschreitend  und  stets  bemüht,  sich  deren  Ergebnisse
zu  nutze  zu  machen,  hat  sich  im  Laufe  eines  halben
Jahrhunderts  in  der  Elektrotechnik  ein  Industriezweig
entwickelt,  der  heute  zweifellos  einer  der  bedeutendsten
Faktoren  in  der  schweizerischen  Volkswirtschaft  bildet.
1850  noch  nicht  einmal  imstande,  ein  Angebot  auf  Lieferung ­
  von  kleinen  Apparaten,  wie  sie  für  die  Zwecke  der
Telegraphie  benötigt  werden,  zu  machen,  hat  sich  die
schweizerische  elektrische  Industrie  in  wenig  mehr  als
einem  Menschenalter  zu  einer  solchen  Höhe  emporgearbeitet, ­
  dass  ihr  Ruf  weit  über  die  engen  Grenzen
des  Heimatlandes  hinaus,  ja  bis  in  die  entlegensten
Gebiete  des  ganzen  Erdballes  gedrungen  ist.  An
die  grössten  Unternehmungen  darf  sie  sich  zuversichtlich ­
  heranwagen.  Erfolgreich  vermag  sie  mit  den
grossen  Elektrizitätsfirmen  des  benachbarten  Deutschland ­
  und  des  fernen  Amerika  in  Wettbewerb  zu  treten.
1880  in  bescheidenen  Anfangsversuchen  erst  eine  einzige
bedeutendere  Firma,  sind  es  jetzt  allein  deren  5,  die  sich
mit  dem  Bau  von  elektrischen  Kraftmaschinen  befassen.
Vier  mehr  oder  weniger  gut  fundierte  Finanzgesellschaften, ­
  zum  Teil  von  schweizerischen  Elektrizitäts-Grossfirmen
  ins  Leben  gerufen,  sind  im  Laufe  der  letzten
10  Jahre  auf  dem  Plane  erschienen.  Gewaltige  Kapitalmassen ­
  wurden  angesammelt  und  in  Elektrizitätswerten
fruchtbringend  angelegt.  Nach  Dr.  Tissot  (Jahresbericht
        <pb n="154" />
        149

des  Schweizerischen  Elektrotechnischen  Vereins  für  1902)
waren  im  Jahre  1901  in  der  Schweiz  allein  investiert  in:

Beleuchtungszentralen
Strassenbahnen
Hauptkonstruktionsfirmen  .  .  .  .
Trusts  zur  Ausbeutung  elektrischer
Unternehmungen  (Finanzgesellschaften) ­


Fr.  84,000,000,
„  32,000,000,'
„  40,000,000,

„  147,000,000,

zusammen  .  Fr.  302,000,000.
Gewiss  bedeutende  Summen!  Die  Leistungen  waren
dementsprechend.  Fast  jeder  wichtigere  Ort  dei  Schweiz
hat  eine  Beleuchtungs-Zentrale  erhalten.  Zahlreiche
Strassenbahnen  des  In-  und  Auslandes  wurden  mit  Einrichtungen
  für  den  elektrischen  Betrieb  ausgestattet.
Eifrig  ist  man  bemüht,  die  Vollbahnen  tür  den  elektr.
Betrieb  einzurichten.  Auch  auf  dem  Gebiete  der  Elektrochemie ­
  hat  man  bereits  ein  bedeutendes  Feld  beackert
(Aluminium-Gewinnung,  Calciumkarbid-Darstellung).
Die  Entwicklung  war  keine  ungehemmte,  betten
Jahren  folgten  magere.  Ein  allgemeiner  Rückgang  in
den  Erträgnissen  setzte  um  die  Wende  des  Jahrhunderts
ein.  Aber  bereits  nach  wenigen  Jahren  vermochte  unsere
Industrie  sieh  wieder  zu  erholen.  Die  gegenwärtige  Lage
kann  als  eine  durchaus  befriedigende  bezeichnet  werden.
Aus  der  augenblicklichen  guten  Weltmai  ktskonjunktur
z *eht  auch  die  schweizerische  Elektrotechnik
Nutzen.
Was  wird  aber  die  nähere  oder  entferntere  Zukunft
k  ■  ,  Wird  bei  der  eifrigen
bnngen,  mag  sich  mancher  fragen,  vv
Tätigkeit  der  zahlreichen  in-  und  ausländisc  en  -  e
zitätsfirmen  nicht  bald  eine  Zeit  kommen,  w0  1  euan  agen
        <pb n="155" />
        150

an  Elektrizitätswerken  nicht  mehr  zu  machen  sind,  wo
jede  bedeutendere  Stadt  ihre  elektrische  Beleuchtung,
ihre  elektrische  Slrassenbahn  hat,  wo  es  sich  nur  darum
handelt,  Bestehendes  zu  erhalten?  Was  wird  alsdann
den  auf  eine  grosse  Produktionsfähigkeit  eingerichteten
Konstruktionswerken  zu  tun  verbleiben?  Nun,  wir  sind
Optimisten  genug,  überzeugt  zu  sein,  dass  sich  den
Elektrizitätsfirmen  auch  fernerhin  immer  wieder  neue
Gebiete  der  Betätigung  erschliessen  werden.  Anzeichen
dafür  sind  genug  vorhanden.
Welche  grossen  Probleme  auf  dem  Gebiete  der
sogen.  Wasserfrage,  des  Vollbahnbetriebes  und  der
Binnenschiffahrt  der  baldigen  Lösung  harren,  wurde
bereits  auf  Seite  140  ff.  dargelegt.
Vielversprechende  Aussichten  auf  dem  Gebiete  des
Transportwesens  bietet  ferner  der  Bau  elektrischer  Automobile ­
  und  Omnibusse.  Technische  Unvollkommenheiten,
wie  zu  kurze  Entladungszeit  der  Akkumulatoren  und  zu
grosses  Gewicht  derselben,  die  häufige  Schwierigkeit
der  Kraftbeschaffung  und  die  hohen  Fabrikatpreise  sind
es  wohl,  welche  der  Ausbreitung  des  elektrischen  Automobils ­
  bisher  noch  hindernd  im  Wege  standen.  In
Belgien  hat  man  einigen  der  erwähnten  Hindernisse
bereits  dadurch  zu  begegnen  gesucht,  dass  man  auf
Fahrstrassen  in  Entfernungen  von  15—20  km  jeweils
Kraftstationen  errichtete.  Die  Anlagekosten  für  derartige
Ladestationen  dürften  bald  reichlich  ausgeglichen  sein.
Weit  mehr  als  in  Europa  ist  schon  heute  das  elektrische
Automobil  in  Amerika  verbreitet.  Der  elektrische  Omnibusbetrieb ­
  hat  dem  Ueberlandbahn-(Schmalspurbahn-)
Betrieb  gegenüber  den  Vorteil,  dass  bei  dem  verhältnismässig ­
  geringen  Kraftverbrauch  der  Omnibusse  ihre
        <pb n="156" />
        151

Speisung  durch  schon  für  andere  Zwecke  vorhandene
elektrische  Kraftanlagen  erfolgen,  diese  daher  besser
ausgenutzt  werden  können  und  somit  eine  sichere  Rendite ­
  gewährleisten.  Dazu  kommt  die  Geringfügigkeit  der
Anlagekosten,  gegenüber  denen  bei  Schmalspurbahnbetrieb ­
  (Bahnkörper!).  Die  elektrischen  Omnibusse  können ­
  nicht  nur  zur  Personenbeförderung  dienen,  sondern ­
  auch  für  einen  billigen  Gütertransport  Verwendung
finden.
Im  Bergbau  ist  es  die  Grubenlokomotive,  lür  deren
Antrieb  die  Elektrizität  eine  willkommene  Kraft  bildet.
Elektrisch  betrieben  werden  an  manchen  Orten  auch
bereits  Bohrmaschinen,  Fördermaschinen,  Ventilatoren,
Wasserhaltungsanlagen  usw.  Ein  nicht  zu  unterschätzender ­
  Konkurrent  der  elektrischen  Kraft  ist  hier
allerdings  die  Druckluft.  Sie  —  die  Druckluft  —  kann
nicht  nur  für  die  eine  absolute  Kurzschlusssicherheit
bietende,  pneumatische  Uebertragung,  sondern  zugleich
als  Ventilationsmittel  dienen  und  ist  aus  diesem  Grunde
unter  Umständen  der  Elektrizität  als  vorteilhafter  vorzuziehen. ­

Sehr  zurück  in  der  Verwendung  elektrischer  Kral  t
'st  man  noch  in  der  Landwirtschaft.  Maschinelle  Einrichtungen ­
  vermochten  in  der  landwirtschaftlichen  Br.
triebstechnik  von  jeher  nur  schwer  Eingang  zu  finden.
Eum  Teil  liegt  dies  in  der  Natur  der  Sache  selbst  be
gründet.  Die  tierische  Kraft  ist  nicht  an  starre  Verhältnisse ­
  und  nicht  örtlich  gebunden;  sie  vermag  sic
veränderten  Arbeitsbedingungen  schneller  anzupasse  l
l'echnisehe  Unvollkommenheiten,  hohe  Anscha  ungs
kosten  sind  weiter  Umstände,  welche  den  e  rergang
zum  mechanischen  Betrieb  erschweren.  Zum  ö uten
        <pb n="157" />
        152

Teile  werden  diese  Hindernisse  aber  doch  durch  die
Verwendung  der  elektrischen  Kraft  aufgehoben.  Sie
ist  nicht  örtlich  gebunden.  An  jeden  Ort  und  in  beliebiger ­
  Menge  lässt  sie  sich  transportieren.  Verschiedenheiten ­
  im  jeweils  nötigen  Kraftaufwande  bedingen  keinen
unnötigen  Energieverlust.  Versuche,  welche  mit  der
Verwendung  der  Elektrizität  beim  Pflügen,  Dreschen,
Schroten  usw.  gemacht  worden  sind,  haben  durchaus
zufriedenstellende  Ergebnisse  geliefert.  Auch  die  von
Prof.  Oldenburg*)  angestellten  Rentabilitätsberechnungen
für  Handbetrieb  und  elektrischen  Dreschmaschinenbetrieb
sprechen  nur  zugunsten  des  letzteren.  Der  Landwirt
scheut  allerdings  vielfach  noch  vor  den  Anlagekosten
zurück,  die  natürlich  sehr  differieren,  je  nachdem  die
Konsumstellen  nahe  bei  einander  oder  in  grösseren  Abständen ­
  sich  befinden.  Bei  kleineren  bäuerlichen  Betrieben ­
  fehlt  es  auch  noch  an  der  genügend  geschulten
Bedienungsmannschaft.  Schlieslich  ist  es  der  dem
Bauern  besonders  eigentümliche  „Hang  am  Alten“,  der
neue  Betriebsweisen  schwer  aufkommen  lässt.  Nichtsdestoweniger ­
  wird  es  hier  für  die  elektrische  Industrie
in  absehbarer  Zeit  sehr  viel  zu  tun  geben.  Dass  schon
erfolgreiche  Versuche  gemacht  worden  sind,  den  Pflanzenwuchs ­
  elektrisch  zu  forcieren,  sei  als  interessante  „Errungenschaft ­
  der  Gegenwart“  nur  kurz  erwähnt.  Ebenso
mag  nicht  unterlassen  werden,  auf  die  in  Deutschland
mit  Ueberlandzentralen  angestellten  Versuche  hinzuweisen. ­

Wenn  zwar  wenig,  so  doch  immerhin  gibt  es  selbst
in  der  Forstwirtschaft  Anwendungsgebiete  für  Elektri*) ­
  Siemens  &amp;amp;  Halske:  Die  Elektrizität  in  der  Landwirtschaft,
Berlin  1903.
        <pb n="158" />
        153

zität.  Schon  bemüht  man  sich,  elektrisch  betriebene
Baumfällmaschinen  zur  Einführung  zu  bringen.
Eine  wie  grosse  Rolle  die  elektrische  Kraft  in  dei
Grossindustrie  bereits  spielt,  und  ein  wie  riesenhalt
grosser  Raum  zum  weiteren  Vordringen  ihr  darin  noch
Vorbehalten  ist,  liegt  offen  zu  tage.  Zum  Teil  ist  die
heutige  günstige  Lage  der  Elektrizitäts-Industrie  ja  hieiaul
selbst  zurückzuführen.  Auch  das  Handwerk  bleibt  dagegen ­
  nicht  gleichgültig.  In  der  Hausindustrie  —  Hausweberei ­
  —  sind  schon  nicht  unwesentliche  Erfolge  in
der  Verwendung  der  Elektrizität  als  mechanische  Hülfskraft
  zur  Unterstützung  des  Kleinmeisters  zu  verzeichnen.
In  verschiedenen  Gemeinden  des  Juras,  in  der  Baseler
Hausindustrie  wurden  ärmeren  Bürgern  Webstuhlmotore
leihweise  zur  Verfügung  gestellt  und  die  dabei  gemachten
Erfahrungen  ermutigen  durchaus  zum  Fortschreiten  auf
dem  eingeschlagenen  Wege.  Die  allgemeine  Einführung
des  Kleinmotors  in  dem  Handwerksbetrieb  dürfte  für  die
Elektrizitätsfirmen  ein  recht  lohnendes  Feld  der  Betätigung ­
  sein.
Nicht  minder  bedeutungsvoll  als  ein  solches  Vorwärtsschreiten ­
  in  die  Breite  ist  ein  Vordringen  in  die
1  iefe,  zum  technisch  Vollkommeneren.  Neue  Erfindung*  n
und  technische  Neuheiten  erfordern  den  Ersatz  des  Alten,
den  Ersatz  des  minder  Vollkommeneren.
Auf  dem  Gebiete  der  Beleuchtungstechnik  wurden
beispielsweise  erst  neuerdings  wieder  allerhand  ei
besserungen  vorgeschlagen,  die  eine  Verringerung  (  e
Stromverbrauchs  und  damit  nach  und  nach
ständige  Umwälzung  herbeizuführen  vermögen.
Dass  die  elektrischen  Heizkörper  sowohl  in  au
wirtschaften  aller  Art  als  auch  im  Gewerbe  sich  steigender
        <pb n="159" />
        154

Beliebtheit  erfreuen,  wurde  schon  an  anderer  Stelle
(Seite  30)  angeführt.
Ist  es  erst  gelungen,  die  Stromaufspeicherung  in
der  Akkumulatorenindustrie  rationeller  zu  gestalten,  so
wird  ein  nicht  zu  unterschätzender  Fortschritt  erzielt
sein.  Noch  mancher  Wunsch,  den  der  Techniker  in
dieser  Hinsicht  stellen  möchte,  ist  bis  jetzt  unerfüllt.
Erfinderisch  veranlagten  Köpfen  bietet  sich  so  Gelegenheit, ­
  durch  Spezialisierung  auf  ein  derartig  beschränktes
Gebiet  schon  mit  vielleicht  kleinen  Neuerungen  in
reichem  Masse  neue  Erwerbsmöglichkeiten  zu  schaffen.
Lohnende  Arbeit  auf  Jahre  hinaus  dürfte  der  Elektrizitätsindustrie ­
  auch  ihr  Nebenzweig,  der  Dampfturbinenbau, ­
  bieten.
Mit  wievielen  wertvollen  Erfindungen  uns  die  Elektrochemie ­
  noch  beglücken  wird,  lässt  sich  nicht  ermessen.
Auf  Seite  98  wurde  schon  darauf  hingewiesen,  dass  man
eifrig  daran  ist,  auf  elektrochemischem  Wege  Farbstoffe
herzustellen,  Stickstoff  aus  der  atmosphärischen  Luft  zu
gewinnen  und  Ozon  zu  bereiten.  Vor  dem  Erschöpfen
der  Salpeterlager  in  Chile  braucht  uns  nicht  mehr  zu
bangen,  nachdem  ein  Weg  gefunden  wurde,  vermittelst
der  Elektrizität  den  für  die  Landwirtschaft  so  notwendigen
Kalkstickstoft  auch  künstlich  herzustellen  (Cyanamid-Darstellung).

Von  welchem  Gesichtspunkte  aus  man  also  die
Sachen  auch  ansieht,  immer  wieder  eröffnen  sich  gute
Perspektiven.  Stets  bemüht,  die  Ergebnisse  der  wissenschaftlichen ­
  Forschung  zur  Anwendung  zu  bringen,
dem  Forschei'  aul  allen  seinen  Wegen  zu  folgen,  ihn
zu  unterstützen,  wo  es  not  tut  und  geleitet  von  einem
        <pb n="160" />
        155

tatkräftigen  kaufmännischen  Unternehmungsgeist,  hat
sich  die  schweizerische  Elektrotechnik  auf  ihre  jetzige
Höhe  emporgeschwungen.  Fährt  sie  in  gleicher  Weise
fort,  so  wird  es  ihr  sicher  gelingen,  sich  in  Zukunft
weiter  zu  entwickeln,  zum  Segen  des  schönen  Schweizerlandes ­
  und  seiner  Volkswirtschaft.
        <pb n="161" />
        156

Inhaltsverzeichnis.

Seite
Einleitung  1
I.  Die  Schwachstrom-Industrie
1.  Telegraphie  3
2.  Telephonie  4
3.  Haustelegraphie  6
II.  Die  Starkstrom-Industrie
1.  Entwicklungsgang  8
2.  Die  Qrossfirmen  10
a.  Maschinenfabrik  Oerlikon  11
b.  Brown,  Boveri  &amp;amp;  Co.  Aktiengesellschaft  15
c.  Elektrizitätsgesellschaft  Alioth  21
d.  Compagnie  de  l’industrie  electrique  et  mechanique  ..  23
e.  J.  J.  Rieter  &amp;amp;  Co.,  Maschinenfabrik  25
3.  Die  Spezialfabriken  26
4.  Das  Installationswesen  31
5.  Absatzverhältnisse.  Handelsbilanz  37
6.  Preisverhältnisse  der  Rohmaterialien  41
7.  Arbeiterverhältnisse
a.  Allgemeines  47
b.  Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen  56
c.  Sozialpolitische  Gesetze  57
8.  Der  Einfluss  des  Aufschwunges  der  Starkstromindustrie  auf
andere  Industriezweige  59
9.  Der  Rückschlag  im  Jahre  1900ff.  und  seine  Ursachen  .  .  64
10.  Interessenvereinigungen  69
11.  Die  Fabrikate  der  schweizerischen  elektrotechnischen  Industrie ­
  auf  dem  Weltmärkte  .  73
III.  Elektrizitätswerke  und  elektrische  Bahnen  ....  78
IV.  Die  elektrochemische  Industrie  90
        <pb n="162" />
        157

Seite
V.  Der  Schweizer.  Elektrotechnische  Verein  und  seine
technischen  Prüfanstalten  99
VI.  Die  Finanzgesellschaften  104
a.  Bank  für  elektrische  Unternehmungen  109
b.  Schweizerische  Gesellschaft  für  elektrische  Industrie  115
c.  ..Motor“,  Aktiengesellschaft  für  angewandte  Elektrizität  120
•  d.  Societe  Franco-Suisse  pour  l’Industrie  Electrique  .  126
VII.  Der  Dampfturbinenbau,  ein  wichtiger  Nebenzweig
der  Schweiz,  elektrischen  Industrie  132
VIII.  Die  grossen  zukünftigen  Probleme  der  schweizerischen ­
  Elektrizitäts-Industrie  140
Rückblick  und  Ausblick  148
Benutzte  Literatur  158
        <pb n="163" />
        158

Benutzte  Literatur.
Bundesgesetz,  betreffend  die  elektrischen  Schwach-  und  Starkstropranlagen
  (vom  24.  Juni  1902).
Statuten  des  Schweizerischen  Elektrotechnischen  Vereins  (vom  12.  Okt.
1902).
Jahresbericht  und  Rechnungsablage  der  Aufsichtskommission  der  Technischen ­
  Priifanstaiten  des  S.  E.  V.  für  das  Jahr  1900  ff.
Organisations-Regulativ  der  Technischen  Prüfanstalten  (nach  Beschluss
vom  16.  August  1903).
Technische  Prüfanstalten  —  Starkstrominspektorat  (vom  20.  Juni  1903).
Elektrotechnische  Zeitschrift.  Div.  Jahrgänge.  Herausgegeben  in  Berlin.
Schweizer.  Elektrotechn.  Zeitschrift.  Herausgegeben  in  Zürich.  1903  ff.
Handbuch  der  Wirtschaftskunde  Deutschlands,  Leipzig  1903  ff.
Wirtschaftskunde  der  Schweiz,  herausgegeben  von  Dr.  T.  Qeehring  und
Dr.  Hotz  (Basel)  1903.
Schweizerisches  Handelsblatt.  1900ff.
Berichte  über  Handel  und  Industrie  der  Schweiz.  1890  ff.
Statistisches  Jahrbuch  der  Schweiz.  1892ff.
Schweizerische  Fabrikstatistik  vom  Jahre  1888,  1895  und  1901.
Lux:  Die  wirtschaftliche  Bedeutung  der  Qas-  und  Elektrizitätswerke
in  Deutschland.
Der  neueste  Wegweiser  und  Ratgeber  der  Basler  Handelsbank.  1900ff.
Journal  telegraphique  (Bern).
Schweizerische  Handelszeitung.
Neue  Zürcher  Zeitung.
Berichte  über  die  Schweizerische  Landesausstellung,  1883.
Produktion  et  utilisation  d  electricite,  Zürich  1903.
Jörgens:  Finanzielle  I  rustgesellschaften,  München  1902.  Brentano’sche
Sammlung.
Zur  wirtschaftlichen  Entwicklung  und  Lage  der  deutschen  elektrotechnischen ­
  Industrie.  Nach  einem  Vortrag  von  Dr.  R.  Bürner,
Berlin  1903.
        <pb n="164" />
        159

Berichte  und  Mitteilungen  der  Handelskammer  Zürich.  1900  ff.
Handelsberichte  der  schweizerischen  Konsulate.  1895ff.
Berichte  des  Vereins  schweizerischer  Maschinenindustrieller.  1887  ff.
Berichte  des  schweizerischen  Qewerbevereins.  Jahrgang  1895  ff.
Schweizerische  Bauzeitung.  Jahrgang  1895  ff.
Schweizerisches  Finanz-Jahrbuch.  1899  ff.
Die  Geschäftsberichte  der  schweizerischen  und  deutschen  Elektrizitätsgesellschaften ­
  vom  Jahre  1890ff.
Die  Kartellrundschau.  Wien  1903.
Buch  der  Erfindungen,  111.  Band,  von  A.  Wilke  herausgegeben,  Leipzig  1895.
Bericht  des  schweizerischen  Handelsdepartements.  1900.
Kreller:  Die  Entwicklung  der  deutschen  elektrotechnischen  Industrie
und  ihre  Aussichten  auf  dem  Weltmarkt.  Staats-  und  sozialwissenschaftliche ­
  Forschungen,  herausgegeben  von  Gustav  Schmoller
und  Max  Sering,  Leipzig  1903.
Löwe:  Die  elektrotechnische  Industrie.  Vom  Verein  für  Sozialpolitik
herausgegeben.  Leipzig  1903.
Oettel:  Die  Entwicklung  der  elektrochemischen  Industrie,  Stuttgart  1896.
Fasolt:  Die  sieben  grössten  deutschen  Elektrizitätsgesellschaften,  ihre
Entwicklung  und  Unternehmertätigkeit,  Heidelberg  1904.
Siemens:  Lebenserinnerungen,  Berlin  1893.
Reilstab:  Beitrag  zur  Verstaatlichung  der  schweizerischen  Wasserkräfte,
Zürich  1900.
Basse:  Die  Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft  und  ihre  wirtschaftliche ­
  Bedeutung.  Heidelberg  1902.
Iselin:  Elektrizität  und  Seidenbandindustrie,  Basel  1904.
Statistik  des  Warenverkehrs  der  Schweiz  mit  dem  Auslande.  1890  ff.
Berichte  der  schweizerischen  Fabrikinspektion  vom  Jahre  188Uff.
Herkner:  Die  Arbeiterfrage,  111.  Auflage,  Zürich  1902.
Notice  sur  les  institutions  de  contröle  de  l’association  suisse  des
electriciens,  Zürich.
Schweizerisches  Obligationenrecht.
Statuten  der  Hülfskasse  der  Arbeiter  und  Angestellten  von  den
schweizerischen  Elektrizitätsfirmen.
Statuten  für  die  Arbeiterkommission  der  betreffenden  schweizerischen
Elektrizitäts-Firmen.
Fabrikordnung  der  betr.  schweizerischen  Elektrizitäts-Firmen.
        <pb n="165" />
        137

Aber  selbst  bei  diesem  glänzenden  Eriolg,  den  das
stem  Brown,  Boveri-Parsons  davontrug,  darf  man
ht  glauben,  dass  die  Einführung  des  Dampfmotors
je  leichte  gewesen  sei,  insbesondere  nicht  au!  dem
jopäischen  Kontinent.  Die  ersten  Jahre  ihres  Bestehens
|eten  für  die  Dampfturbinen-Abteilungen  eine  Periode
i  Kampfes.  Zugute  kam  der  A.-G.  Brown,  Bovcii
-'o.  allerdings  dabei,  dass  sic  bis  zum  Jahre  1904  die
zige  Firma  auf  dem  europäischen  Festlande  war,  die
är  eine  regelmässige  Fabrikation  und  über  eine  in
1  Praxis  eingeführte  und  in  jahrelanger  Erlahiung  bejirte
  Maschinentype  verfügte.  Heute  kann  die  gennene
  Position  als  eine  gesicherte  betrachtet  werden.
Verwendung  der  Dampfturbine  erstreckt  sich  auf
ustrien  aller  Art.  Insbesondere  ist  es  die  lextilindustrie,
die  ein  exaktes  und  regelmässiges  Arbeiten  der
närmaschinen  von  hohem  Werte  ist  und  die  sich
.halb  mehr  und  mehr  der  Turbine  zuwendet.  Ein
Ijches  gilt  bezüglich  derjenigen  Industriezweige,  die
:  |en  ihres  ausserordentlich  schwankenden  Kraftbedaifs
:  weitgehendsten  Anforderungen  an  ihre  Krafteizeu-■
  gsmaschinen  stellen  müssen,  wie  die  Berg-undl  lütt*  n
:  istrie.  Hauptabnehmer  für  Dampfmotore  sind  die
j:  Trizitätswerke.  Ein  weiteres  wichtiges  Anwendungs
Get  für  Dampfturbinen  ist  das  der  Fortbewegung  von
:  ffen.  Der  direkte  Antrieb  zeigt  sich  dabei  F eiac ' e
4  besonders  vorteilhaft,  wo  infolge  der  gesteigerten

o
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CD
00

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&amp;gt;
00

O
CD

4  prüche  an  Schnelligkeit  und  Manövrierfähigkeit  j^
f:  i  die  kleinste,  Gewichts-  und  Raumcrsparni^,
llinblick  auf  Maschinenanlage,  sei  es  im  Hin  dick
f  Cohlenbedarf,  in  Rücksicht  genomm*  n  wel(  en  mu
j  der  Verwendung  von  Kolbendampf rnasc h men  ist
%
        <pb n="166" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
