56 Wir haben keine Angaben darüber, wie sich das den «Schenkungs bauern» gehörende Land auf die einzelnen Kulturarten verteilt. Es ist aber leicht zu sehen, wie ungenügend vor allem Weide- und Wiesenland sein müssen. Entweder bewirtschaften diese Bauern ihr Land genossen schaftsweise, wozu aber, wenn auch nur minimales Inventar nötig ist, oder was am meisten der Fall ist, sie betreiben ihre Wirtschaft in mini malstem Masse und verdingen sich in der Regel als Lohnarbeiter. Es steht ihnen fortwährend die Wahl vor Augen — entweder ihr Landstück ganz zu verlassen, es jemanden von ihren Dorfgenossen zu übergeben und zu einer anderen Beschäftigung — am meisten der freien Lohnarbeit — zu greifen, oder ihr Land trotz alledem doch zu bewirtschaften und als Nebenerwerb die Lohnarbeit zu ergreifen. Im letzten Falle bekommen sie von ihrem Gutsherrn oder von ihren Dorfgenossen — irgend einem reicheren Bauern — verschiedene Vergünstigungen, die für die Erhaltung ihrer Wirtschaft unentbehrlich sind. Da sie aber immer unter dem Mangel an Geldmitteln leiden, so müssen sie statt mit barem Geld mit ihrer Arbeit für alle diese Vergünstigungen bezahlen. Je bedrängter die Lage eines solchen «Schenkungsbauern» wird, desto mehr wird ihre Arbeit unterschätzt, desto schwieriger wird die Lage ihrer eigenen Wirtschaft, desto mehr gehören sie ihrer sozialen Stellung nach zu den Lohnarbeitern. Dies sind die Bauern, die die einheimischen Lohnarbeiter liefern und zwar für Naturallohn und die unter den ungünstigsten Be dingungen arbeiten müssen. Alle bis jetzt besprochenen Bauernkategorien gehören mehr oder weniger zu den besitzenden Bauern. Bevor wir zur Betrachtung der jenigen Bauern übergehen, die zu den vollständig besitzlosen gerechnet werden müssen, ist es hier am Platz, die Frage aufzuwerfen, ob die eigene Wirtschaft bei diesen Bauernkategorien ihre einzige Erwerbsquelle bildet und inwieweit sie eventuell zu anderen Erwerbsquellen greifen müssen. Um diese Frage zu beantworten, untersuchen wir hier das Budget der bäuerlichen Wirtschaft. Das Haushaltungsbudget einer bäuerlichen Wirtschaft eines ähnlichen Wohlzustandes gestaltet sich im Gouv. Cherson folgendermassen: 1 ) ') Die Semstwostatistik hat bis jetzt bezüglich der neurussischen Qouvernements Budgets der bäuerlichen Wirtschaften fast ausschliesslich im Qouv. Cherson unter sucht. Die oben angeführten Angaben wurden durch die Semstwoverwaltung in den Jahren 1880 und 1900 auf Grund der Untersuchung von 26 Bauernhöfen mit 823 Menschen zusammengestellt. Die Angaben sind in den Materialien der Regierungskommission vom Jahre 1901 veröffentlicht.