6* 83 Zeit infolge der Zunahme der Bevölkerung noch bedeutend vergrössert hat. Da nicht nur der Anteil, sondern auch das gepachtete Land nicht reicht, um selbst eine kleinere Bauernfamilie zu ernähren, so benützen die sogar mit normalen Anteilen bedachten Bauernwirtschaften ihre Grundstücke ausschliesslich als Ackerland. Leiden die neurussischen Bauern an Mangel an Ackerland, so bedürfen sie noch in viel höherem Masse der Weide- und Wiesenländereien. Das hat neulich die Unter suchung der Landwirtschaftskomitees vom Jahre 1902 wieder bestätigt. «Schon bei der Landzuteilung an die Bauern hatte die für Futter gewächse bestimmte Fläche eine unbedeutende Grösse. Infolge der Zu nahme der Bevölkerung» — berichtet das Komitee von Bessarabien — «entstand eine starke Ausdehnung des Ackerlandes und die Umwandlung der Heuschläge und des Weidelandes in Ackerland. Zu gleicher Zeit aber verhindern es die stetig steigenden Frachtpreise für Heuschläge und Weideländereien den Mangel daran durch Pachtung zu beseitigen.» Im Jahre 1893 betrug die Fläche der Heuschläge pro 1 Hof in Bessarabien 0,43 Dess., in Ekaterinoslaw 0,3 Dess., in Taurien 0,2 Dess. und in Cherson 0,48 Dess. In diesem letzten Gouvernement verteilten sich die Ländereien pro 1 Hof folgenderweise: Ackerland 8,4 Dess., Heuschlag 0,48 Dess., Weideland 1,3 Dess. Gegen 1900 betrug der Heuschlag im Durchschnitt 0,9% des gesamten Landes. In Ekaterinos law in den Jahren 1898—99 2,1 °/o. In Taurien ist der Heuschlag als selbständige Länderei in der Regel nicht vorhanden; das Heu wird unter günstigen Umständen auf dem Ackerlande geerntet. Nach der Semstwostatistik betrug die Zahl der Bauernwirtschaften ohne Heu im Jahre 1899: 1. wegen Nichtvorhandenseins der Heuschläge überhaupt aus 73 Mit teilungen in 54,1%. 2. wegen Missernte — aus den 62 Mitteilungen in 45,9 °/o. Dass ganze Gemeinden keinen selbständigen Heuschlag besitzen, kommt nicht selten vor. So z. B. im Kreise Bachmut (Gouv. Ekaterinos law) haben von den 257 Bauerngemeinden nur 38 einen selbständigen Heuschlag, im Kreise Rostow (Dongebiet) von 112 Gemeinden nur 14. Ein Dorf, Dolinka, im Kreise Perelcop (Taurien), das aus 299 Seelen beiderlei Geschlechtes besteht und 754,25 Dess. Land besitzt, hat keine Heuschläge. Nicht nur die bäuerlichen Privatgrundbesitzer müssen irgendwo Weideland pachten, — es kommt oft vor, dass es auch die einzelnen Gemeindegenossen tun müssen. Bei der Verlosung von Heu schlägen besteht in vielen Feldgemeinschaften die Bestimmung, dass nur eine bestimmte Zahl von Vieh auf das Weideland getrieben werden darf.