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W.  G.  H.  Frh.  von  Reiswitz.

Der  Grund-ÜTtum
  der
Sozialideologen. ­


nun  vergleiche  man  hiermit  einmal  die  Gründe,  die  unsere
Sozialideologen  zu  ihren  unausgesetzten  Klagen  über  die  angebliche ­
  Rechtsungleichheit  veranlassen,  wie  sie  die  derzeit
übliche  Auslegung  des  Gesetzes  über  die  Koalitionsfreiheit
zur  Folge  haben  solll  Es  möchte  einen  in  der  Tat  schier
bedünken,  dass  die  Leute,  die  den  Satz  vom  »papiernen«
Koalitionsrecht  des  Arbeiters  in  die  Welt  gesetzt  haben,
allein  darin,  dass  jemand  seine  Arbeitskraft  und  sein  Kapital
als  Unternehmer  in  den  Dienst  der  Allgemeinheit  stellt,  etwas
Unmoralisches  erblicken,  dem  von  Staats  wegen  nach  Möglichkeit ­
  entgegenzutreten  ist.
Diese  irrtümliche  Bewertung  der  den  Handarbeitern  aus
der  Koalitionsfreiheit  einseitig  erwachsenden  Machtmittel  ist
auf  die  verhängnisvolle  Hinneigung  unserer  akademischen
Kreise  zu  einer  rein  doktrinären  Auffassung  von  dem  Wesen
und  den  Aufgaben  der  Sozialreform  zurückzuführen.  Und  da
der  Einfluss  dieser  Kreise  auf  die  Denkweise  vor  allem  der
gebildeteren  Schichten  des  Bürgertums  in  dauernder  Zunahme
begriffen  ist,  erscheint  es  wohl  angebracht,  auf  dieses  Kapitel
kurz  einzugehen.
Es  ist  das  Schicksal  der  meisten  Reformatoren,  dass  ihr
Enthusiasmus  sie  der  Fähigkeit  beraubt,  die  praktische  Tragweite ­
  ihrer  Ideen  zu  beurteilen.  Gewiss  werden  geistige
Elastizität  und  starkes  Zielbewusstsein  eine  Vorbedingung  für
den  Erfolg  derer  bilden,  die  auf  die  sittliche  und  wirtschaftliche ­
  Hebung  ihrer  Mitmenschen  hinzuwirken  suchen.  Etwas
bleibend  Gutes  zu  erreichen,  wird  ihnen  jedoch  nur  dann
möglich  sein,  wenn  sich  jenen  Eigenschaften  gewissenhafte
Abwägung  sowohl  der  Erreichbarkeit  des  angestrebten  Zieles,
als  auch  besonders  der  Gangbarkeit  des  eingeschlagenen
Weges  zugesellen.  Wer  dem  zustimmt,  wird  sich  leicht
sagen  können,  warum  es  unsern  modernen  Sozialideologen
umgekehrt  zu  gehen  pflegt,  wie  der  bekannten  »Kraft,  die
stets  das  Böse  will  und  stets  das  Gute  schafft«  —  sie  wollen
das  Gute,  aber  was  sie  erreichen,  hat  sich  bisher  nicht  gerade
als  ein  erfreuliches  Resultat  dieses  Wollens  erwiesen.  Leute