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Abelmoschus (Moschuskörner, Bisam-
körner, lat. Semen abelmoschi, Grana mo-
schata, frz. Ambrette, Graines de musc, engl.
Abelmusk) heißen die Samen einer kleinen
krautartigen Pflanze, Hibiscus abelmo-
sch us, aus der Familie der Malvaceen, welche,
ursprünglich in Ostindien heimisch, sich z. T.
durch Kultur in alle Tropengegenden ver-
breitet hat. Die Samen haben die Größe einer
kleinen Linse, sind nierenförmig gestaltet,
außen braungrau gestreift, innen weiß, und
besitzen einen starken moschusartigen Geruch.
Sie wurden früher medizinisch verwertet,
dienen aber jetzt nur zur Herstellung ihres
ätherischen Öls, welches zur Fabrikation von
Parfüms und zum Aromatisieren von Likören
benutzt wird. Das öl besitzt einen intensiven
und anhaltenden Moschusgeruch, hat ein spez.
Gew. von 0,900 und erstarrt bei —j— 100 unter
Hinterlassung eines flüssigen Anteils, der auch
bei 0° noch nicht fest wird. — Zollfrei. Öl
s. Tarif Nr. 353.

Abraumsalze werden die über dem eigent-
lichen Steinsalz liegenden fremden Salze ge-
nannt, weil sie früher für wertlos gehalten und
abgeräumt wurden. Erst seit den sechziger
Jahren ist man der technischen Verwertung
dieser durch ihren Kaligehalt für Industrie
und Landwirtschaft gleich unentbehrlichen
Salze näher getreten. Die deutsche Produk-
tion, welche schon vor 10 Jahren 1,8 Millionen
Tonnen im Werte von 25 Mill. M. betrug,
ist in ständigem Wachsen begriffen, weil die
Landwirtschaft der ganzen Welt auf die Kali-
salze von Staßfurt und Sondershausen ange-
wiesen ist, und die inländischen Verbraucher
haben daher, um einer vorzeitigen Erschöpfung
der Lager vorzubeugen, bereits mehrfach den
Erlaß eines Ausfuhrverbotes angeregt. Die
Entstehung des A. erklärt van’t Hoff da-
durch, daß aus eintrocknendem Meerwasser
zuerst das Steinsalz und später mit zunehmen-
der Konzentration die leichter löslichen Ver-
bindungen des Kaliums und Magnesiums aus-
kristallisierten. Zunächst auf dem Steinsalz
liegt der Kieserit (Magnesiumsulfat), darauf
folgt die Region des Carnallits (Kalium-
Magnesium-Chlorid), in welcher sich ferner
K a i n i t (Kaliumchlorid-Magnesiumsulfat), Syl-
vin (Chlorkalium), Borazit u. a. vorfinden.
Die größte Bedeutung hat der Carnallit, das
sog. Chlorkalium-Rohsalz mit 16—17°/o
Chlorkalium, als Ausgangsmaterial für die
Herstellung von Kalidünger, Salpeter, Pott-
asche, Alaun usw. Der Kieserit dient zur
Gewinnung von Magnesiumsalzen (Glauber-
salz), der Borazit von Borsäure. Der Versand

Merck’s "Warenlexikon. 5. Aufl.

der A. erfolgt entweder unverpackt in Wagen-
ladungen oder in Säcken von 100 kg. Preis
des Sackes 40 Pf. Preis des Carnallits, unver-
packt 100 kg = 1,20 M.; für landwirtschaft-
liche Zwecke innerhalb Deutschlands 0,90 M.
— Zoll: 0,80 M.

Absinth (Absynth, Wermutlikör, frz.
Extrait d’absinth; engl. Absinthium), ein
französischer und schweizerischer alkohol-
reicher Bitterlikör, der aus Wermutkraut und
Spiritus, ev. unter Zusatz von Anis, Fenchel
und Koriander, mit oder ohne Zucker her-
gestellt wird. — Zoll: 240 M.

Abziehbilder (frz. Mötachromotypies, engl.
Pictures for decalcomanie, Transfer pictures)
nennt man lithographische Buntdrucke, welche,
auf besonders präpariertes Papier gedruckt,
die Fähigkeit besitzen, bei vorheriger An-
feuchtung vom Papier sich abzulösen, und
ohne weiteres Bindemittel auf anderes Papier,
sowie auf Holz, Glas, Porzellan, Blechwaren
und Gewebe übertragen werden können. A.
sind in erstaunlicher Mannigfaltigkeit im Han-
del und werden hauptsächlich in Leipzig und
Nürnberg fabriziert. Es ist darauf zu achten,
daß diese Bilder mit giftfreien Farben, lt.
Reichsgesetz, hergestellt sind. — Zollfrei.

Acajougummi (Anacardiengummi, Ka-
jugummi, frz. Gomme d’acajou, engl. Aca-
jou gum), eine ihren Eigenschaften nach dem
Gummiarabikum sehr nahe stehende Gummi-
art, wird auf Martinique, Guadeloupe und in
Brasilien von demselben Baume gesammelt,
der die okzidentalischen Elephantenläuse (s.
Anakardien), auch Acajounüsse genannt, lie-
fert. Die tropfenartig ausgezogenen, gelben
bis braunrötlichen Stücke von glasigem Bruche
sind durchscheinend und weicher als arabi-
sches Gummi und werden dem Senegalgummi
ähnlich verwendet. — Zollfrei.

Achat (frz. Agate, engl. Ajat, Agate), ein
zur Familie des Quarzes gehöriges Mineral
vom Härtegrad 7, besteht im wesentlichen
aus Kieselsäure, gemengt mit kleinen Men-
gen verschiedenfarbiger anderer Mineralien,
wodurch mannigfaltige Zeichnungen und
Färbungen gebildet werden. Die so ent-
stehenden Varietäten hat man mit besonderen
Namen belegt, als Wolkenachat, Band-
achat, Festungsachat. Der A. bildet im
rohen Zustande einen Handelsartikel und wird
zu Reibschalen und allerlei Schmuckgegen-
ständen verarbeitet. Den Flauptsitz dieser
Industrie bilden die Orte Idar und Oberstem.
Da die dortigen Achatgruben aber erschöpft
sind, wird schon seit längerer Zeit daselbst
viel A. aus Südamerika und Australien ver-

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