﻿Adonidin

3

Äther

Adonidin (lat. Adonidinum, frz. Adonidine),
das wirksame giftige Prinzip von Adonis
vernalis, wird seit einigen Jahren medi-
zinisch verwendet. Es gehört zu den Gluko-
siden und bildet färb- und geruchlose, äußerst
bitter schmeckende Kriställchen, die in Al-
kohol leicht, in Äther und Wasser wenig
löslich sind. Die Wirkung ist der Digitalis
ähnlich, aber nicht kumulativ. — Zollfrei.

Adrenalin, Suprarenin, ein aus Rinder-
niere gewonnenes Heilmittel, welches gegen
Blutungen, Herzstockung (Kollaps), bei Nar-
kosen, Katarrhen usw. verordnet wird. Seit
kurzem wird es als ein Derivat des Brenz-
katechins von den Höchster Farbwerken syn-
thetisch dargestellt. — Zollfrei.

Adsella, ein alkoholfreies, aus abgerahmter
Milch gewonnenes kohlensäurehaltiges Ge-
tränk. (Champagner-Milch.)

Adular (frz. Opaline, engl. Pearl-stone), eine
besondere Varietät des monoklinischen Feld-
spates vom Härtegrade 6, wird als Halb-
edelstein zu Schmuckgegenständen verarbeitet
und führt im Handel je nach Färbung und
größerer oder geringerer Durchsichtigkeit
verschiedene Namen, z. B. Mondstein,
Sonnenstein, Fischauge, Wolfsauge,
Wasseropal. Der Sonnenstein zeigt einen
rötlichgelben Schein, der schweizerische
Mondstein einen bläulichen, der ceylonische
einen silbernen Schimmer. Gute Exemplare
werden ziemlich hoch bezahlt. — Bezüglich
der Verzollung s. Achat.

Äpfel (frz. Pommes, engl. Apples), die
Früchte des Apfelbaums, Pirus malus,
von welchen man über 1400 Arten hat. Der
Baum wird in den Ländern der gemäßigten
Zone, hauptsächlich aber in Deutschland, Böh-
men, Mähren, Ungarn, Tirol, Frankreich,
Schweden, Rußland und den Vereinigten Staa-
ten kultiviert. Plauptsorten sind: Reinetten,
Kalvillen, Borsdorfer, Rosmarinäpfel,
Rambour-Ä., Stern-Ä. Sie bilden einen
bedeutenden Handelsartikel und werden oft
weithin versendet. So gehen z. B. große
Schiffsladungen von Ä. aus Böhmen auf der
Elbe nach Norddeutschland und weiter. In
Frankreich besitzt Havre einen großen Aus-
fuhrhandel. — Die feinsten Sorten werden
beim Versand einzeln in Papier gewickelt und
in Kisten oder Körbe gepackt. In letzter Zeit
gelangen ungeheure Mengen amerikanischer
Ä. zur Einfuhr, mit denen unsere deutschen
Erzeugnisse hinsichtlich des Aussehens und
Preises in keiner Weise konkurrieren können.
Da die letzteren aber an Geschmack und
Aroma weit überlegen sind, würde sich in der
Züchtung feiner Tafeläpfel für unseren hei-
mischen Obstbau ein aussichtsvolles Feld dar-
bieten. Von den zahlreichen aus Ä. her-
gestellten Erzeugnissen sind Getrocknete
A. (Ringäpfel), Apfelkraut, Apfelwein in
besonderen Artikeln behandelt. Außerdem
wird auch mit oder ohne Zucker eingekochtes
Apfelmus in hermetisch verschlossenen
Büchsen in den Handel gebracht, das bis-
weilen allerdings durch schweflige Säure
künstlich gebleicht ist. Die aus Frankreich

importierten sog. gedrückten Ä. werden
durch Schälen, Dünsten mit wenig Wasser,
Zerdrücken und Trocknen oder Darren dar-
gestellt. — Zoll: Frische Äpfel s. Tarif Nr. 47,
andere 48 und 49.

Äpfeläther, ein chemisches Präparat, wel-
ches zu den sogenannten Fruchtäthern ge-
hört, besteht aus einer alkoholischen Lösung
von Baldrianamyläther (Äpfelöl, Apple-
oil). Er besitzt einen angenehmen Apfel-
geruch und wird zur Bereitung von Frucht-
bonbons verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Äpfelsäure (lat. Acidum malicum, frz. Acide
malique; engl. Malic acid), eine organische
Säure (Oxybernsteinsäure), welche sich in
vielen Pflanzen- und Fruchtsäften, wie Äpfeln,
Trauben, Vogelbeeren, Berberitzen, Kirschen,
vorfindet, und besonders aus Vogelbeeren mit
Hilfe des Kalksalzes im großen hergestellt
wird, bildet den Hauptbestandteil des Äpfel-
eisenextraktes (Extractum ferri pomatum),
welches aus dem Safte saurer Äpfel unter Zu-
satz von Eisenfeilspänen bereitet wird und im
wesentlichen aus äpfelsaurem Eisen besteht.
Die wäßrige Lösung des Extraktes wird
als Tinctura ferri pomata bezeichnet. —
Zollfrei.

Äpfelschnitte (Äpfelspalten, Ring-
äpfel) sind durch Trocknen haltbar gemachte
Scheiben oder Schnitte geschälter Äpfel, die
in besonders großen Mengen von Amerika zu
uns geschickt werden. Die amerikanischen
Äpfel verdanken ihr schönes Aussehen und
ihre helle Farbe z. T. der sorgfältigen Be-
arbeitung mit Hornmessern und der Anwen-
dung niedriger Trocknungstemperaturen, z.T.
aber auch zweifelhaften Manipulationen, wie
früher der Behandlung mit Zinksalzen, neuer-
dings mit schwefliger Säure. Die Ä. werden
als Kompott verwendet, in letzter Zeit auch
vielfach zur Herstellung alkoholfreier Ge-
tränke (Pomril) benutzt. Auch die Abfälle
(Kerngehäuse, Schalen) kommen als sog.Pep-
pings zur Einfuhr und bilden ein nicht immer
einwandfreies Ausgangsmaterial für die Fabri-
kation von Gelöes, alkoholfreien Getränken
u. dergl. — Zoll: S. Tarif Nr. 48.

Äsculin (Polychrom, Schillerstoff, lat.
Aesculinum), ein zu den Glukosiden gehöriger
Bestandteil der Roßkastanienrinde, bildet ein
zartes weißes Kristallpulver von stark bitterem
Geschmack. Seine Lösungen fluoreszieren in
gelb und blau. — Zollfrei.

Äther (frz. Ether, engl. Ether), ein Sammel-
name für eine Reihe organischer Verbindun-
dungen, welche ^us 2 durch ein Sauerstoff-
atom verbundenen Radikalen bestehen. Im
besonderen versteht man hierunter jedoch
meist den Äthyläther (Schwefeläther,
Vitriolnaphtha, lat. Aether sulfuricus,
Naphtha vitrioli). Zu seiner fabrikmäßigen
Darstellung werden 5 Teile Weingeist und
9 Teile konz. Schwefelsäure in großen ver-
bleiten Destillationsblasen bis auf 135—140°
erhitzt, und darauf nach und nach weitere
Alkoholmengen beständig hinzugegeben. Der
übergehende Rohäther, welcher noch Wasser,
Alkohol und Ätherschwefelsäure enthält, wird