﻿Alantol

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Alaun

bürg (Prov. Hannover) und Frankreich (bei
Cluny) guten A. Da der A. sehr weich ist,
läßt er sich in den Steinbrüchen sehr leicht
ohne Anwendung von Sprengmitteln gewinnen
und ebenso leicht verarbeiten. Man fertigt
daraus allerlei kleinere und größere Kunst-
und Gebrauchsgegenstände (Alabaster-
waren), teils an den Fundorten selbst, teils
an anderen Orten, so in Paris, Voltera, Florenz,
Siena, Gröden in Tirol, Nürnberg, Nieder-
sachswerfen (bei Nordhausen), am Harze usw.
Die Alabastergegenstände können nicht im
Freien, sondern nur in geschlossenen Räumen
aufbewahrt und aufgestellt werden, da sie von
der Witterung stark angegriffen werden. Vom
Marmor unterscheidet sich der A. leicht da-
durch, daß er beim Befeuchten mit Säuren
kein Aufbrausen zeigt. Die Abfälle von der
Herstellung der Alabasterwaren werden fein
gemahlen und teils als gebrannter, teils
ungebrannter A. als weißes Farbmaterial
in den Handel gebracht. — Roher A. ist
zollfrei, bearbeiteter A. oder Alabasterwaren
s. Tarif Nr. 680. 682 ff.

Alantol, eine in dem ätherischen Öle der
Alantwurzel enthaltene, sauerstoffhaltige Ver-
bindung von pfeffermünzartigem Geruch,
siedet bei 200° C und lenkt die Ebene des
polarisierten Lichtes schwach nach links ab
(1 °). Man verwendet das A. neuerdings medi-
zinisch bei Lungenaffektionen. — Zollfrei.

Alantwurzel (O land.Ottwu rz, Glocken -
wurzel, lat. Radix Inulae seu Helenii, frz.
Razine d’aunde, engl. Elecampane-root),
stammt von einer in Mitteleuropa, namentlich
in Ungarn wild wachsenden Komposite, I nula
Helenium, und wird auch in Thüringen
und in der Gegend von Nürnberg angebaut.
Die getrocknete Wurzel ist graubräunlich,
innen heller, hart und schwer zu zerbrechen.
Auf dem Bruche unter der Rinde zeigt sich
ein bräunlicher Ring, im Holzkörper erkennt
man zahlreiche gelbe Ölbehälter, Geruch und
Geschmack sind aromatisch. Die charakte-
ristischen Bestandteile der A. sind: ein äthe-
risches Öl, Harz, Inulin u. Alantkampfer,
Alantsäureanhydrid, Alantol u. Hele-
nin. Von dem ätherischen öl, dem Alantöl,
gibt die Wurzel 0,6°/o. Die Alantwurzel kommt
im rohen und geschälten Zustande in den
Handel, Radix Enulae cruda, Radix Enulae
mundata. Verwendung findet sie in der Me-
dizin, hauptsächlich aber in der Likörfabri-
kation. — Zollfrei.

Alaun (lat. Alumen, frz. Alun, engl. Alum)
wurde früher nur das kristallisierte wasser-
haltige schwefelsaure Doppelsalz von Kalium
und Aluminium (Kaliumaluminiumsulfat) ge-
nannt. Neuerdings wird manchmal auch das
entsprechende Ammoniumaluminiumsalz kurz
so bezeichnet, während der Name: Alaune
auf alle schwefelsauren Doppelverbindungen
gleichartiger chemischer Konstitution ausge-
dehnt wird, wobei dann das für Kalium bzw.
Aluminium eintretende Metall der Bezeich-
nung vorgesetzt wird, z. B. Chromalaun für
das schwefelsaure Doppelsalz von Kalium
und Chrom. Sämtliche Alaune kristallisieren

im regulären System, meist in der Oktaeder-
form. — Zur Gewinnung des gewöhnlichen
Kalialauns bestehen in der Praxis verschie-
dene Methoden. In der Regel wird schwach
gebrannter, möglichst eisenfreier Ton mit
50%iger Schwefelsäure in der Wärme be-
handelt, wobei sich unter Abscheidung von
Kieselsäure der eine Bestandteil des Alauns,
die schwefelsaure Tonerde bildet. Nach dem
Verdünnen mit Wasser und Entfernen des
unlöslichen Rückstandes, der Kieselsäure,
wird Kaliumsulfat oder auch Chlorkalium hin-
zugesetzt, und das sich dabei als feines Pulver
abscheidende „Alaunmehl“ durch Umkri-
stallisieren aus heißem Wasser gereinigt und
in große Kristalle verwandelt. — In einigen
Gegenden fabriziert man Alaun auch aus
Alaunschiefer, einem Tonschiefer, welcher mit
Schwefeleisen und Kohle durchsetzt ist. Der
Alaunschiefer wird geröstet und dann aus-
gelaugt. Hierbei liefert das Schwefeleisen
die zur Bildung von Aluminiumsulfat nötige
Schwefelsäure. Die Entfernung des Eisens
wird durch geeignete Wahl der Konzentration
der Lösung bewirkt, und dann wie bei obigem
Verfahren das „Alaunmehl“ erzeugt. — Bei
Tolfa in Italien und bei Munkacs in Ungarn
kommt schließlich ein „Alaunstein“ oder „Alu-
nit“ genanntes Mineral vor, welches ein ba-
sisches Kalium-Aluminiumsulfat ist. Dieses
Material wird geröstet und mit heißem Wasser
ausgelaugt, wobei unlösliche Tonerde zurück-
bleibt, während sämtliche Bestandteile des
Alauns in Lösung gehen und sich beim Er-
kalten in gewöhnlich durch fein verteiltes
Eisenoxyd schwach rötlich gefärbten Kristallen
abscheiden. — Der Kalialaun hält 45,5°/o
Kristallwasser, bildet farblose, durchsichtige,
bisweilen sehr große Kristalle, die sich erst
bei längerem Lagern an der Luft mit einem
feinen, weißen, undurchsichtigen Häutchen voni
verwitterter Substanz überziehen, schmeckt
herbe und zugleich süßlich und kann in grö-
ßeren Dosen schädlich wirken. Das spez. Gew.
wird von Kopp zu 1,924 angegeben. Beim
Erwärmen schmilzt der A. zunächst in seinem
Kristallwasser, ist dieses verdampft, so hinter-
bleibt eine lockere, weiße, undurchsichtige
Masse, die man gebrannten A. (Alumen
ustum) nennt. Seine Löslichkeit ist in heißem
Wasser sehr groß, in kaltem sehr gering, so
daß die Reindarstellung verhältnismäßig leicht
ist, die Lösung reagiert sauer. Die Kristall-
form ist im allgemeinen das Oktaeder, an
welchem zuweilen die Würfelflächen ab-
stumpfend auftreten. Besonders ist dies bei
dem früher seiner Reinheit wegen hochge-
schätzten römischen A. der Fall, welcher
deshalb auch kubischer oder Würfelalaun ge-
nannt wurde. Die Würfelform läßt sich da-
durch erzielen, daß man zu der heißen konzen-
trierten Lösung Pottasche, Soda oder Ammon
setzt, bis ein bleibender Niederschlag ent-
steht und dann erst erkalten läßt. Solche
Kristalle heißen neutraler oder abgestumpfter
Alaun, und sind chemisch betrachtet basische
Salze. — Der A. findet vielfache Verwendung,
wobei fast stets nur das Aluminiumsulfat in