﻿Alizarinblau

12

Alkaloide

Mengen Isopurpurin und Flavopurpurin und
werden bei überwiegendem Gehalt an letz-
terem Alizarin-Gelbstich, gegenüber dem
aus reinem A. bestehenden A.-Blaustich
genannt, außerdem aber meist noch durch
Buchstabenbezeichnung unterschieden. Vor-
wiegend aus Isopurpurin bestehen die Marken:
GD, SX und RX; aus Flavopurpurin: Gl,
RG, SDG und X; Mischungen beider sind
RN, RA und RR. Das A. findet in Färberei
und Zeugdruck ausgedehnte Anwendung, und
zwar für ersteren Zweck besonders das iso-
purpurinhaltige (daher Alizarin für Fär-
berei), für letzteren mehr das flavopurpurin-
haltige Produkt (A. f. Druckerei). Es ge-
hört, weil auf der Faser gebunden, zu den
beständigsten und lichtechtesten Farbstoffen
und bildet vor allem die Grundlage der
Türkischrotfärberei. Die Synthese des
künstlichen Alizarins ist das klassische Bei-
spiel für die volkswirtschaftliche Bedeutung
chemischer Forschung. Sie hatte als unmittel-
bare Folge die Vernichtung der blühenden
französischen Krappkultur, welche von Napo-
leon III. vergeblich durch gesetzgeberische
Maßnahmen (Rotfärbung der Militärhosen)
zu bekämpfen versucht wurde, und hat dafür
eine blühende neue Industrie ins Leben ge-
rufen. Während im Jahre 1874 in Europa
12501 A., davon in Deutschland 9001 fabri-
ziert wurden, stellt Deutschland zurzeit allein
ca. 24000 t her, wovon ein großer Teil zur
Ausfuhr gelangt. Der Preis ist dementspre-
chend von 12 M. im Jahre 1873 auf 2 M.
für 1 kg der 20%-Paste herabgesunken. —
Einfuhr: Zollfrei.

Alizarinblau (frz. Bleu d’alizarine, engl.
Alizarine blue), das Chinolin des Alizarins
entsteht durch Erhitzen von Nitroalizarin (A.
orange) mit Glyzerin und Schwefelsäure. Es
kommt als 20%, in Wasser unlösliche Paste
oder, in Verbindung mit Natriumsulfit, als
ein wasserlösliches Pulver (lösliches A. S.) in
den Handel und dient zum Färben und
Drucken gebeizter Wolle und Baumwolle.
A. ist gegen Waschmittel und die meisten
Agentien sehr echt, färbt sich aber mit Al-
kalien grünlich und mit Salzsäure violett. —
Zollfrei.

Alizarinbordeaux (Chinalizarin) entsteht
aus Alizarin und rauchender Schwefelsäure
als ein rotes, koschenilleähnlich färbendes
Pulver. — Zollfrei.

Alizarinbraun (Anthrazenbraun) führt
seinen Namen zu Unrecht, da es kein Derivat
des Alizarins, sondern Anthragallol ist
und durch Behandlung von Gallussäure mit
Benzoesäure oder mit Phtalsäure und Zinn-
salz entsteht. A. kommt als braune, wasser-
unlösliche Paste in den Flandel und dient als
echtester brauner Farbstoff zum Färben und
Drucken von Wolle und Baumwolle. — Zollfrei.

Alizarin-Cyanin (Pentaoxyanthrachi-
non), bronzefarbene Blättchen, welche mit
Tonerde gebeizte Stoffe blau färben. — Zollfrei.

Alizaringrün, ein mit Alizarinblau ver-
wandter Farbstoff, färbt mit Chrom gebeizte
Wolle echt blaugrün und dient außerdem zum

Baumwolldruck. Fälschlich wird der Name
auch für Coerulein (s. d.) angewandt. —
Zollfrei.

Alizarinmaron, Alizaringranat,A. Kar-
dinal sind verschiedene, durch Reduktion
von Nitroalizarin erhaltene Amidoaliza-
rine, welche Wolle je nach der Beize rot,
bzw. maron färben. — Zollfrei.

Alizarinorange (Nitroalizarin) wird dar-
gestellt durch Einwirkung salpetriger Dämpfe
auf festes oder in Ligroin gelöstes Alizarin
und nachheriges Behandeln mit Pottasche.
Es erscheint im Handel als braungelber Teig
von 10—20% Trockensubstanz oder in Form
des Natriumsalzes als Pulver und bildet
das Hauptmaterial zum Orangefärben und
-drucken vonWolle und Baumwolle. — Zollfrei.

Alizarinrot (A. Karmin), das Natriumsalz
der Alizarinmonosulfosäure, z. T. auch im
Gemisch mit Flavopurpurinsulfosäure, färbt
Wolle schön und echt rot. — Zollfrei.

Alizarinschwarz, durch Behandlung von
Nitroflavopurpurin mit Glyzerin und Schwefel-
säure entstehende schwarze Paste, welche mit
Chromoxyd gebeizte Wolle schwarz färbt. —
Zollfrei.

Alizarinviolett. Plandelsbezeichnung für
Gallein (s. d.). — Zollfrei.

Alkalien, auch ätzende A., nennt man
die Hydroxyde der Alkalimetalle: Kalium,
Natrium, sowie der minderwichtigen Lithium,
Rubidium, Caesium. Auch das Ammoniak
wird nach seinem chemischen Verhalten zu
ihnen gerechnet. Kalk, Strontian und Baryt
bezeichnet man demgegenüber als alka-
lische Erden. — Zoll: Kali und Natron
3,50 M., die übrigen zollfrei.

Alkaloide (frz. Alcaloides, engl. Alkaloids).
Sammelname für eine große Anzahl im
Pflanzenreiche (z.T. auch im Tierreiche) vor-
handener organischer Stickstoffverbindungen,
welche basischen Charakter besitzen und mit
einer Reihe sogenannter Gruppenreagentien:
Phosphormolybdänsäure, Phosphorwolfram-
säure, Kaliumquecksilberjodid, Kaliumwismut-
jodid, Kaliumkadmiumjodid, Jodjodkalium,
Tannin, Pikrinsäure, Platinchlorid, Goldchlo-
rid, Quecksilberchlorid usw. Niederschläge
liefern, im übrigen aber den verschiedensten
chemischen Gruppen angehören. Neben den
sauerstoffreien finden sich sauerstoffhaltige.
Die ersteren, wie Nikotin und Koniin sind
flüssig und leicht flüchtig, die letzteren fest
und oft gut kristallisierbar. Fast alle Alkaloide
stellen starke Gifte und zugleich wertvolle
Heilmittel dar. Zur Trennung der Alkaloide
benutzt man ihr verschiedenes Verhalten gegen
Lösungsmittel. DurchÄther werden aus saurer
Lösung aufgenommen: Kantharidin, Kolchizin,
Digitalin, Pikrotoxin; aus alkalischer: Niko-
tin, Koniin, Akonitin, Atropin, Kokain, Kodein,
Chinin, Delphinin, Emetin, Narcotin, Hyos-
zyamin, Papaverin, Physostigmin, Pilokarpin,
Strychnin, Bruzin, Veratrin, Pikrotoxin, The-
bain; aus ammoniakalischer: Apomorphin. In
warmen Amylalkohol gehen über: Morphin
und Narzein. Mit fortschreitender Kenntnis
der Konstitution ist es gelungen, eine Reihe