﻿Altheekraut

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Aluminium

als Mund- und Gurgelwasser, ^owie zur Wund-
behandlung verwendet. — Zoll: S. Tarif
Nr. 388.

Altheekraut (Eibisch, Sammetpappel,
lat. Herba althaeae, frz. Feuilles d’althöe,
engl. Marsh-mallow-leaves), die getrockneten
Blätter von Althaea officinalis, einer zu
den Malvaceen gehörigen Pflanze, sind herz-
förmig, sehr weich, graugrün und auf beiden
Seiten weichfilzig behaart. Scharf getrocknet
sind sie leicht zerreiblich, fast geruchlos, von
fadem, schleimigem Geschmack und werden
leicht von Würmern zerfressen. 5 Teile frische
Blätter liefern 1 Teil getrocknete. Das A. wird
verwendet als schleimlösendes Mittel. —
Zollfrei.

Altheewurzel (Eibischwurzel, lat. Radix
althaeae, frz. Racine d’althüe, engl. Marsh-
mallow-root), die Wurzel der Althaea offi-
cinalis, wird vor dem Trocknen geschält,
ist fingerdick, gtwas biegsam, gelblichweiß,
länglich runzelig, puf dem Bruche körnig,
eben und weiß. Sie enthält neben etwas
Asparagin und Stärke, Pektin oder Pflanzen-
schleim. 4 Teile frische, geschälte Wurzel
liefern 1 Teil trockene. Im Handel unter-
scheidet man bayrische, französische und
belgische Altheewurzel. Die bayrische ist
von Aussehen weniger weiß und markig als
die französische, wird aber hinsichtlich ihrer
Wirkung mehr geschätzt, die belgische kommt
seltener zu uns. Die A. wird namentlich in
der Gegend von Schweinfurt, Bamberg und
Nürnberg stark angebaut. Um die Wurzel
weißer erscheinen ?u lassen, wird sie häufig
gekalkt, doch ist dies zu verwerfen. Man
erkennt eine etwaige Kalkung, indem man
die Wurzel mit verdünnter Salzsäure abspült
und den Auszug auf Kalk mittels Ammonium-
oxalat prüft. Man verkauft sie auch ge-
schnitten in Form kleiner Würfelchen (Radix
althaeae concisa) und als grobes und feines
Pulver. Verwendung findet A. pls schleim-
lösendes, reizmilderndes Mittel. — Zollfrei.

Alurninit, ein Mineral, besteht aus natür-
licher schwefelsaurer Tonerde. — Zollfrei.

Aluminium (lat., frz. und engl. Aluminium,
in amerikan. Abkürzungen: Alum, Alium,
Alim, Alm) ist das in Alaun und in der
Tonerde enthaltene Metall. In freiem Zu-
stande kommt es in der Natur nicht vor,
sondern nur an Sauerstoff gebunden als Oxyd
und Hydroxyd oder in Form von Salzen.
Das Aluminium ist weißglänzend mit bläu,
lichem Ton und sehr dehnbar. Es läßt sich
zu Blech und Draht ausziehen und zu dünnen
Blättchen (Aluminiumfolie, Blattalumi-
nium) schlagen. Der Schmelzpunkt wurde
vonHolman zu 666° gefunden. In gegossenem
Zustande besitzt es das spez. Gew. 2,690,
im gehämmerten 2,680 und als Draht 2,700,
es ist also etwa dreimal so leicht als Eisen,
iu der Härte steht es hinter dem Kupfer zu-
rück, übertrifft aber Zink und Zinn und kann
durch Zusatz geringer Mengen anderer Me-
talle beträchtlich gehärtet werden. Aluminium
ist politurfähig, läßt sich aber auch „mat-
tieren“. Das polierte Metall bleibt an trockner

Luft glänzend, verliert aber in feuchter Luft
an Aussehen infolge allmählicher oberfläch-
licher Oxydation. Technisches Aluminium ist
niemals rein, sondern enthält stets Silizium
und Eisen, ferner kommen darin noch Kohlen-
stoff, Natrium, Kupfer, Stickstoff und andere
Unreinheiten vor. Aluminium ist nur schwierig
zu löten und zu schweißen. Als Lot dienen
in der Regel Mischungen von Zink, Kupfer
und Aluminium oder auch Zinn und Aluminium,
seltener Zinn und Wismut, doch werden je
nach der Größe der zusammenzulötenden
Stücke verschiedene Mischungsverhältnisse
angewendet. Das Schweißverfahren ist nicht
bekanntgegeben, sondern wird geheim ge-
halten. — Die Entwicklung der Aluminium-
industrie fällt in die zweite Hälfte des 19. Jahr-
hunderts, der eigentliche Aufschwung setzt
etwa Ende 1891 ein und steht im Zusammen-
hang mit der starken Preisreduktion, welche
damals eintrat. 1886 kostete 1 kg noch
100 M., Februar 1890: 27,60 M., Februar
1891: 12 M., November 1891 nur noch
5 M. und ist dann langsamer weiter gefallen.
Dieser Preissturz ist auf die Einführung der
elektrolytischen Darstellung zurückzuführen,
welche das bisherige Verfahren der Reduktion
von Aluminiumnatriumchlorid mittels metalli-
schen Natriums bald ganz verdrängte. Nur
an Orten, wo billige elektrische Kraft in
großen Mengen zur Verfügung steht (so in
Neuhausen i. d. Schweiz am Rheinfall, ferner
zu Forge und an den Niagarafällen), kann der
Betrieb lohnend sein. Rein hergestelltes Alu-
miniumhydroxyd wird mit Kryolith gemischt,
in welchem es sich beim Schmelzen löst, und
dann ein Strom von mindestens 4000 Ampöre
(in der Regel 10000 Ampöre) hindurchge-
schickt. Auch Flußspat und Fluoraluminium
dienen als Schmelzmittel, ferner wird Alu-
miniumsulfid in Alkalichlorid gelöst in gleicher
Weise zersetzt. Die Verwendung des Alu-
miniums ist außerordentlich vielseitig, wenn
auch nicht alle Versuche, daraus Gebrauchs-
gegenstände herzustellen, von Erfolg begleitet
waren. So hat sich z. B. die Einführung von
Aluminiumgeräten in die Laboratoriumspraxis
im allgemeinen schlecht bewährt. Als Eß- und
Kochgeschirr ist es in vielen Fällen gut
verwendbar, in andern jedoch nicht. Es eignet
sich für solche Geräte, in denen lediglich
Wasser oder Gemüse gekocht werden soll.
Früchte mit natürlicher Färbung (Himbeeren,
Kirschen usw.), welche beim Kochen in Zinn-
gefäßen unansehnlich werden, ändern ihre
Farbe in Aluminiumgefäßen nicht. Geeignet
ist es ferner für Backpfannen, Backtiegel,
sowie zum Transport von Öl, da es von Öl'
auch in der Hitze nicht angegriffen wird. —
Aluminium findet weiter Verwendung zu
Schmuckgegenständen, zu Instrumenten ver-
schiedener Art (Kanülen, Fernrohre, Tele-
graphen- und Telephonapparate usw.), zum
Ersatz von Lithographiesteinen und überall
da, wo Leichtigkeit des Apparates von Be-
deutung ist (Feldflaschen, Feldkessel, Teile
für die lenkbaren Luftballons, für Auto-
mobile, Boote, welche über Land zu tragen