﻿Ambroid

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Amethyst

und etwas Benzoesäure. Verfälschungen sind
bei dem hohen Preis (1 kg = 4000—4500 M.)
nicht selten. Charakteristisch für echte A.
ist das Vorhandensein von Sepiaschnäbeln
und Tintenfischresten. Sie soll in gut ver-
schlossenen Blech- oder Glasgefäßen auf-
bewahrt werden. Die alkoholische Tinktur
(Ambraessenz, Ambratinktur) wird als
Zusatz zu verschiedenen Parfümerien benutzt
und ist besonders in Frankreich beliebt. Diese
Auszüge gewinnen durch das Alter, und man
soll daher mindestens X Jahr alte verwenden.
Durch Zusatz von etwas Kaliumkarbonat wird
der Geruch verstärkt. — Ambra ist zollfrei.
Ambratinktur Zoll: 300 M.

Ambroi'd heißt ein durch Zusammenschmel-
zen und Pressen aus Bernsteinabfällen her-
gestelltes Produkt. — Zollfrei.

Ambroi'n, Gemisch von 85 g Antifebrin
mit 15 g Kumarin. — Zoll: S. Tarif Nr. 388/389.

Ameisenäther (Ameisensäureäther,
Ameisensäureäthyläther, ameisensau-
res Äthyloxyd, Ameisenvinester, lat.
Aether formicicus, frz. Formiate d’ethyle oder
Ether formique, engl. Formiate of ethyl), eine
wasserhelle, farblose, sehr flüchtige Flüssig-
keit von angenehmem, starkem, arrakähn-
lichem Geruch, ist leicht brennbar, mischt
sich mit Alkohol in jedem Verhältnisse, löst
sich in 9 Teilen Wasser und siedet bei 54°.
Man erhält ihn im Handel für gewöhnlich
nicht ganz rein, sondern mit einem Gehalte
von Alkohol und Wasser. Er löst sich dann in
Wasser in jedem Verhältnisse und scheidet
beim Schütteln damit nichts ab. Das spez.
Gew. beträgt 0,918. Man fabriziert den A.
gewöhnlich durch Destillation von Stärke oder
Stärkezucker mit Braunstein, Spiritus und
Schwefelsäure. Das saure Destillat wird mit
Kreide gesättigt und nochmals destilliert,
wobei die zuerst übergehenden Teile als
stärkste Sorte besonders aufgefangen werden.
Verwendung findet der A. zur Darstellung
von künstlichem Rum, Arrak und Kognak. —
Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Ameisenamyläther(Ameisensäureamy 1-
äther, Ameisenamylester, ameisensau-
res Amyloxyd, lat. Amyloxydum formici-
cum, frz. Formiate d’amyle, engl. Formiate
of amyl.). Die farblose, sehr bewegliche Flüs-
sigkeit vom spez. Gew. 0,878 siedet bei
123° C und besitzt nur in sehr verdünntem
Zustande einen angenehmen Fruchtgeruch,
im konzentrierten riecht sie wanzenartig. In
Spiritus ist der A. leicht, in Wasser nur sehr
wenig löslich. Er wird aus Glyzerin, Oxal-
säure und Fuselöl hergestellt und bei der
Bereitung von Fruchtäthern verwendet. —
Zoll, wie bei Ameisenäther.

Ameiseneier (lat. Ova formicarum, frz.
'ourmis en chrysalide, engl. Ant-eggs). Das,
was unter diesem Namen als Vogelfutter in
aen Handel kommt, sind nicht die Eier der
Ameisen, sondern die Puppen oder Larven der-
selben, namentlich der roten Waldameise

..?Jnuca rufa)- Sie werden in Nadel-
wäldern vom Mai bis September gesammelt
Merck’s 'Warenlexikon. 5. Aufl.

und durch schwaches Erhitzen gedarrt. Man
bezieht die Ware von Lübeck, Nürnberg,
Petersburg. — Zollfrei.

Ameisensäure (Formylsäure, lat. Aci-
dum formicicum, frz. Acide formique, engl.
Formic acid), eine starke organische Säure,
hat ihren Namen von den Ameisen erhalten,
in welchen sie zuerst entdeckt wurde. Sie ist
im Tierreiche und auch im Pflanzenreiche
ziemlich verbreitet, wird aber jetzt gewöhnlich
künstlich hergestellt durch Destillation von
Stärke oder Zucker mit Braunstein und ver-
dünnter Schwefelsäure oder durch Erhitzen
von Oxalsäure mit Glyzerin. In Apotheken
destillierte man früher direkt Ameisen mit
Wasser und Alkohol und erhielt so eine ver-
dünnte alkoholische Ameisensäure, die als
Ameisenspiritus (Spiritus formicarum)
verkauft wurde. Jetzt wird derselbe durch Ver-
dünnen mit künstlich bereiteter Ameisensäure
hergestellt. Die nach den angegebenen Me-
thoden dargestellte Säure ist noch unrein
und sehr wasserhaltig und muß daher noch
weiter gereinigt und durch Binden an Basen
und Destillation der so gewonnenen Salze
mit Schwefelsäure verstärkt werden. Die Ver-
bindungen der A. mit Basen, die ameisen-
sauren Salze heißen auch Formiate, z. B.
Natriumformiat, Kalziumformiat. Ganz reine
A., Ameisensäurehydrat, die stärkste
Säure, welche selten verwendet wird, hat ein
spez. Gew. von 1,226. Außer dieser gibt es
im Handel noch zwei schwächere, wasser-
haltige Säuren von 1,120 und 1,060 spez. Gew.,
die für die meisten Zwecke genügen. Die
A. ist eine farblose, stechend sauer riechende
Flüssigkeit, die, auf die Haut gebracht, sehr
ätzend wirkt. Die stärkste wird bei — 1° C
fest. Sie siedet bei 100° C, verflüchtigt sich
unzersetzt und mischt sich mit Wasser in
allen Verhältnissen. Die A. ist sehr leicht zu
erkennen und von der ähnlichen Essigsäure
zu unterscheiden, wenn man etwas Queck-
silberoxyd zusetzt und erwärmt. Es scheidet
sich hierbei unter Kohlensäureentwicklung
metallisches Quecksilber aus, während aus
Silberlösung ein Silberspiegel abgeschieden
wird. Verwendung findet die A. nur in che-
mischen Laboratorien und zur Darstellung des
Ameisenspiritus. — Zollfrei.

Amethyst (frz. Amöthyste, engl. Amethyst),
ein bekannter Halbedelstein, ist eine durch
einen geringen Mangangehalt violett bis blau
gefärbte Varietät des Bergkristalls (Härte 6).
Die schönsten und größten A. kommen aus
der argentinischen Republik, nächstdem lief ern
Sibirien, Ceylon, Ostindien, Ungarn, Spanien,
Tirol, Sachsen und Schlesien A. Dieselben wer-
den zu Schmucksteinen geschliffen, welche
bei der Fassung zur Erhöhung ihrer Farbe ge-
wöhnlich mit Folie unterlegt werden. Haar-
amethyste heißen solche Steine, welche
haarförmige Kristalle von Strahlstein oder
Rutil eingeschlossen enthalten. Von Nach-
ahmungen durch gefärbtes Glas unterscheidet
sich der A. durch seine größere Härte. Unter
dem Namen orientalischer Amethyst ist
ein violetter Saphir bekannt, der höheren

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