﻿Ammoniakgummi

Amidol	18

Glanz und größere Härte besitzt als der A.
— Zoll: Amethyst ist zollfrei, A. als Edel-
stein s. Zolltarif Nr. 678.

Amidol, das schwefelsaure oder salzsaure
Salz des Diamidophenols wird als photogra-
phischer Entwickler angewandt. — Zoll: S.
Tarif Nr. 390.

Ammonal (Phenalgin), ein Gemisch von
Antifebrin, Doppeltkohlensaurem Natron und
Ammonium, welches als Fiebermittel benutzt
wird. — Zollfrei.

Ammoniak, die bekannteste Verbindung
des Stickstoffs mit dem Wasserstoff, welche
3 Atome Wasserstoff (17,6 o/o) auf 1 Atom
Stickstoff (82,4 °/o) enthält, findet sich als
Fäulnisprodukt organischer Stickstoffverbin-
düngen spurenweise, aber weit verbreitet in
der Atmosphäre, in den oberen Bodenschich-
ten und in den Wasserläufen. Es entsteht
aus seinen Elementen beim Durchschlagen
des elektrischen Funkens durch ein Gemisch
von Wasserstoff und Stickstoff. Zur tech-
nischen Gewinnung des A. ging man früher
von stickstoffhaltigen organischen Stoffen, wie
Kamelmist oder fauligem Urin, aus, welche
man der trocknen Destillation unterwarf.
Heutzutage wird die Hauptmenge als Neben-
produkt bei der Leuchtgasfabrikation ge-
wonnen und sammelt sich in dem vorgelegten
Waschwasser (Gaswasser) an. Geringere Men-
gen erhält man aus den Hochofengasen, ferner
den Destillationsprodukten bei der Stein-
kohlenverkokung, aus der Rübenmelasse und
Schlempe, sowie durch trockne Destillation
von Torf, Moorerde und andern, an orga-
nischen Stoffen reichen Schlammassen. Von
größter Bedeutung sind die Versuche zur
direkten Verwertung des atmosphärischen
Stickstoffs, welche in den Artikeln: Kalk-
stickstoff und Salpeter näher besprochen wor-
den sind. Der Kalkstickstoff gibt beim Über-
leiten von überhitztem Wasserdampf Ammo-
niak. Andere Verfahren beruhen auf der
Tatsache, daß beim Überleiten von Wasser-
stoff über glühendes Magnesium oder Kalzium,
Wasserstoff aufgenommen, beim nachfolgen-
den Überleiten von atmosphärischem Stick-
stoff aber in Form von Ammoniak wieder
abgespalten wird, sowie auf der Elektrolyse
von Stickstoffwasserstoffgemischen. — Das
reine A. ist ein farbloses, höchst stechend
riechendes und zu Tränen reizendes Gas,
welches bei einem Drucke von 6,5 Atmo-
sphären bei 10° oder einfach bei Abkühlung
auf—40° flüssig wird. Dieses verflüssigte
A. kommt in verschraubten, schmiedeeisernen,
zylindrischen Flaschen zum Verkehr und dient
zur Erzeugung niedriger Temperaturen in
Eismaschinen und Kühlräumen. Die Haupt-
menge der A. wird in Form seiner wässrigen
Lösung benutzt. Wasser nimmt das Ammo-
niakgas mit großer Begierde auf und ver-
schluckt bei 20° das 740fache, bei 0° sogar
das 1150 fache seines Volums A., doch findet
hierbei nicht allein eine mechanische Lösung,
sondern gleichzeitig eine chemische Verbin-
dung statt. Die entstehende Flüssigkeit, der
Salmiakgeist (lat. Liquor ammonii caustici,

frz. Ammoniaque caustique oder liquide,
engl. Spirit of ammoniak salt) wird daher als
die Lösung eines Hydroxydes, des Ammonium-
hydroxydes, aufgefaßt, welche sich den Alkali-
hydroxyden, Kali und Natron, in chemischer
Hinsicht völlig identisch verhält und wie diese
mit Säuren Salze (s. Ammoniaksalze) bildet.
Auf diese Eigenschaft deuten Bezeichnungen
wie Ätzammoniak, Ammoniumoxyd-
hydrat und kaustisches A. Zum Unter-
schied von den sog. fixen Alkalien, Kali und
Natron, wird es wohl auch flüchtiges A.
genannt. Um aus dem Gaswasser, welches im
Grunde genommen bereits einen rohen Sal-
miakgeist darstellt, reinere Produkte zu
gewinnen, bindet man das A. an Säuren,
indem man es z. B. mit Schwefelsäure ein-
dampft, setzt es später durch Erhitzen mit
den stärkeren Basen, Natron oder auch Kalk
in Freiheit und fängt es wieder in Wasser auf.
Nach dem Reinheitsgrade unterscheidet man
rohen Salmiakgeist (Liquor ammonii cau-
stici crudus), eine gelbliche, brenzlich riechende
Flüssigkeit für technische Verwendung und
Reinen S. (purissimus) für Apotheken und
chemische Laboratorien, der farblos sein muß
und nach dem Neutralisieren mit Säuren
keinen Geruch mehr zeigen darf. Der A.-
Gehalt der Lösungen wird meist mit Hilfe
von Aräometern bestimmt. Bei den gang-
barsten Handelssorten entspricht das spez.
Gew. 0,960 einem Gehalte von 10°/o A., 0,925
einem solchen von 20%, 0,910 von 25% und
0,890 von 32%. Die stärkste Sorte wird nur
für Kühlmaschinen benutzt und in Eisentrom-
meln, die anderen in Glasballons versandt.
Salmiakgeist muß an kühlen Orten und gut
verschlossen aufbewahrt werden, da er sonst
verdunstet und überdies Kohlensäure anzieht.
A. findet in der Medizin innerlich in sehr
starker Verdünnung (konz. A. wirkt tödlich)
zur Vermehrung der Schweißsekretion und
der Expektoration, äußerlich als Reizmittel
zu Einreibungen gegen Insektenstiche und als
Riechmittel (Totenwecker) Anwendung. Die
Technik benutzt es in der Färberei, Kattun-
druckerei, zur Bereitung von Orseille und
Ammoniumsalzen. Ein mit Ammoniakgas ge-
sättigter Alkohol, Alkoholisches Ammo-
niak (Liquor ammonii spirituosus
Dzondii) wird zu Einreibungen verordnet.
— Zollfrei.

Ammoniakgummi (Ammonisch. Gummi,
Oschakgummi, Armenisches Gummi,
lat. Gummi ammoniacum, Resina ammonia-
cum, frz. Gomme, Rösine ammonique, engl.
Ammoniac), ein Gummiharz, besteht aus dem
eingetrockneten Milchsäfte einer in Persien
und der Tartarei wachsenden Doldenpflanze,
Dorema Ammoniacum. Die Ware wird
fast ausschließlich über Bombay exportiert,
wo man sie in zwei verschiedene Qualitäten,
in A. in Körnern oder Tränen (Ammoniacum
in granis) und in A. in größeren Stücken
(Ammoniacum in massis), sortiert. Die Körner
sind grauweiß, die Klumpen braun, mit weiß-
lichen oder gelblichen Stellen, an den Rändern
durchscheinend, auf dem Bruche fettglänzend.