﻿Ammoniaksalze

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Amygdalin

A. erweicht in der Hand und besitzt einen
starken, nicht angenehmen Geruch. Mit
Wasser zerrieben gibt A. eine weiße Emul-
sion. Es enthält neben Harz (65—70%) und
Gummi, ein schwefelfreies, ätherisches Öl und
wird leicht an folgender Reaktion erkannt:
man löst in alkoholischer Ätzkalilösung und
fügt einige Tropfen einer verdünnten Chlor-
kalklösung hinzu, worauf eine orange bis rote
Färbung eintritt. Der Aschegehalt des A.
beträgt D/a % und soll nicht über 6% steigen.
Verwendet wird A. in der Medizin innerlich
in Emulsion gegen Lungen- und Halsleiden,
äußerlich als erweichender Zusatz in verschie-
denen Pflastern. — Zollfrei.

Ammoniaksalze(Ammoni umsalze) nennt
man die Verbindungen des Ammoniaks mit
Säuren. Sie reagieren, mit Ausnahme des
kohlensauren A. neutral. Die wichtigsten A.
sind folgende: Ammoniumazetat (Essig-
saures Ammonium) entsteht beim Einleiten
von Ammoniakgas in Essigsäure als ein weißes
Kristallpulver, welches in Form seiner wäß-
rigenLösung, als Liquor Ammonii acetici
medizinische Anwendung findet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 390. — Ammoniumbromid wird
durch Behandlung von Ammoniak mit Brom
gewonnen und dient zum Ersatz des Brom-
kaliums sowie zur Herstellung von brausen-
dem Bromsalz. — Zollfrei. — Ammonium-
karbonat bildet als H/a fach saures Salz das
sog. Hirschhornsalz des Handels, welches
zu medizinischen und technischen Zwecken,
u. a. als Backpulver, benutzt wird. Früher
hauptsächlich durch trockene Destillation
tierischer Reste gewonnen, wird es jetzt meist
durch Sublimation eines nicht ganz trockenen
Gemisches von schwefelsaurem Ammoniak,
Kreide und Kohle dargestellt. Es riecht
stark nach Ammoniak. — Zoll: 5 M. — Am-
moniumchlorid, Salmiak findet sich in
geringer Menge als Ausatmung in der Nähe
von Vulkanen. Im großen Maßstabe wird es
durch Neutralisation von Ammoniakwasser
mit Salzsäure oder durch Umsetzung von Am-
moniumsulfat mit Chlornatrium gewonnen. A.
bildet das Ausgangsmaterial für die Dar-
stellung der meisten Ammoniumverbindungen
und wird in der Technik, wenn auch nicht
mehr in demselben Maße wie früher, viel be-
nutzt, zum Löten, zur Herstellung galvani-
scher Elemente, sowie in der Färberei und
D ruckerei. — Zollfrei. — Ammoniumfluorid
(Fluorammonium) entsteht durch Subli-
mation von Chlorammonium mit Fluornatrium
als ein weißes Kristallpulver, welches Glas an-
greift und daher in Guttaperchaflaschen auf-
bewahrt werden muß. Es findet Anwendung
|nm Glasätzen, zur Verhütung von Butter- und
Milchsäuregärung in der Brennerei, und in
beschränktem Maße für medizinische Zwecke.

Zollfrei. — Ammoniumnitrat (Sal-
Pe^ersaures Ammon, Ammoniaksal-
f-e5er’ «aus Ammoniak und Salpetersäure
tindet Anwendung zur Füllung von Eis-
maschinen als Bestandteil von Kältemischun-
gen, ferner zur Herstellung von Lachgas
(otickoxydul) und in der Sprengtechnik. —

Ammoniumpersulfat (Überschwefel-
saures Ammonium, lat. Ammonium per-
sulfuricum), das Ammoniumsalz der in freiem
Zustande nicht beständigen Überschwefel-
säure, entsteht bei der Elektrolyse einer ge-
sättigten Lösung von Ammoniumsulfat in
verd. Schwefelsäure in Form farbloser wasser-
löslicher Kristalle, die bei der Einwirkung
von Wasser Sauerstoff abgeben. Das A. dient,
wie das analoge aus ihm durch Umsetzung
erhaltene Kalium- und Natriumpersulfat
als kräftiges Oxydations- und Desinfektions-
mittel. — Ammoniumphosphat wird in
letzter Zeit als ein konzentriertes, phosphor-
säure- und stickstoffhaltiges Düngemittel emp-
fohlen. Außerdem dient es zum Tränken der
Dochte für Stearinkerzen. — Ammonium-
sulfat, durch Behandlung von Gaswasser mit
Schwefelsäure erhalten, ist das Ausgangspro-
dukt für die Fabrikation der meisten Am-
moniumverbindungen. Im rohen Zustande
bildet es das wichtigste Stickstoffdüngemittel.
Ammoniumvanadinat, die Verbindung
der Vanadinsäure mit Ammoniak findet sich
im Handel in zwei verschiedenen Modifikatio-
nen, als weißes und gelbes Salz, von denen
das erstere beim Kochen der wäßrigen Lö-
sung in die gelbe Form übergeht. Das A.
wird zur Erzeugung von Anilinschwarz auf
Wolle, sowie in Verbindung mit Pyrogallus-
säure zur Fabrikation von Tinte verwandt.
Der Preis, der in der vorigen Auflage noch
mit 140 M. pro 1 kg als exorbitant hoch be-
zeichnet wurde, ist jetzt auf 30—35 M. ge-
sunken. — Zollfrei.

Ammoniaksoda, allgemein gebräuchliche,
aber unrichtige Bezeichnung für diejenige
Soda, welche nach dem Solvayverfahren dar-
gestellt wird, aber kein Ammoniak enthält.
— Vgl. Soda.

Amorces, eine Art kleiner Zünder für
Kinderschießwaffen, auch als Zünder für
Sicherheitslampen, bestehen entweder aus
Knallquecksilber oder aus chlorsaurem Kali
und rotem Phosphor, mit Gummischleim ge-
mischt und zwischen zwei Stückchen Seiden-
papier eingeklebt. (Transport siehe Knall-
erbsen.) — Zoll: 5 M.

Amradgummi, ein als Surogat für Gummi-
arabikum neuerdings viel verwendetes indi-
sches Gummi. — Zollfrei.

Amygdalin (lat. Amygdalinum), ein zu den
Glukosiden gehöriger Bitterstoff, Bestandteil
der bitteren Mandeln, der Pfirsichkerne und
einiger ähnlicher Samen wird gewöhnlich aus
den durch Pressen vom fetten öl befreiten
bitteren Mandeln durch Extraktion mit heißem
Alkohol in Menge von ungefähr 3% her-
gestellt. Das A. kommt nur selten im Chemi-
kalienhandel vor. Es besteht aus einer weißen
feinkristallinischen, geruchlosen Masse von
bitterem Geschmack, die bei Gegenwart von
Wasser durch Einwirkung des sowohl in
bitteren, als auch in süßen Mandeln ent-
haltenen Emulsins, eines Enzyms, zersetzt
wird und hierbei Zucker, Bittermandelöl und
Blausäure liefert. — Zollfrei.