﻿Amyläther

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Anacuhuiteholz

Amyläther (Amyloxyd). Reiner Amyl-
äther bildet keinen Handelsartikel, wohl
aber kommen einige zusammengesetzte A.
oder Verbindungen desselben mit Säuren im
Handel vor, wie der Essigsäureamyläther,
der Buttersäureamyläther, Ameisensäureamyl-
äther und der Valeriansäureamyläther. Sie
werden sämtlich nur zur Bereitung von
Fruchtäthern gebraucht. — Zoll: S. Tarif
Nr. 347.

Amylalkohol (Amyloxydhydrat, Myl-
alkohol, Pentylalkohol, lat. Amyloxydum
hydratum, Alkohol amylicus, frz. Alcool
amylique, engl. Amylic alcohol), eine zur
Gruppe der Alkohole gehörige organische
Verbindung, bildet den Hauptbestandteil des
Kartoffelfuselöls und findet sich auch in
einigen anderen Fuselölen. Reiner A. ist
eine farblose, wasserhelle, unangenehm fusel-
artig riechende, zum Husten reizende Flüssig-
keit von öliger Konsistenz und 0,815 spez.
Gew. A. siedet bei 131° C und läßt sich
unverändert überdestillieren. Mit Wasser
mischt er sich nicht, löst sich aber leicht
in Alkohol, sowie auch in Äther und ist
brennbar. Außer diesem, auch mit dem
Namen Gärungsamylalkohol belegten,
kennt man noch sieben andere Amyl-
alkohole von gleicher Zusammensetzung, aber
verschiedenen Eigenschaften. Diese isomeren
A. kommen aber nicht im Handel vor und
haben nur theoretisches Interesse. Verwen-
dung findet der A. fast nur zur Herstellung
der Amyläther (s. d.) und der künstlichen
Valeriansäure, jedoch wird hierzu meist nicht
der chemisch reine A., sondern nur das
rektifizierte Kartoffelfuselöl benutzt. Der A.
wirkt giftig. — Zoll: S. Tarif Nr. 348.

Amylazetat, der Essigester des Gärungs-
amylalkohols, ist eine farblose, obstartig
riechende, zum Husten reizende Flüssigkeit
vom spez. Gew. 0,875 und einem S.P. von
138°. Es findet als Birnöl, Pear oil, An-
wendung zum Parfümieren von Nahrungs-
mitteln und dient in der Photometrie zur
Füllung der Vergleichslampen von bestimmter
Lichtstärke. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Amylen (Pentylen, Valeren, lat. Amyle-
num), ein Kohlenwasserstoff, wird aus Amyl-
alkohol durch Destillation mit Chlorzink dar-
gestellt und ist eine farblose, wasserhelle, bei
39° C siedende Flüssigkeit vom spez. Gew.
0,650 und eigentümlichem betäubendem Ge-
ruch. Man benutzte das A. unter dem Na-
men Pental eine Zeitlang als Anästheticum
an Stelle des Chloroforms, jetzt scheint es
wegen seiner Gefährlichkeit ganz außer Ge-
brauch gekommen zu sein. — Zollfrei.

Amylenhydrat (Dimethyläthylkarbi-
nol). Dieses neuerdings als Hypnotikum emp-
fohlene Präparat ist als ein tertiärer Amyl-
alkohol zu betrachten. Man bereitet das-
selbe durch Behandlung von Amylen mit
einer Mischung gleicher Teile Schwefelsäure
und Wasser bei 0°. Das Amylen addiert
sich zur Schwefelsäure, und beim Erhitzen
mit verdünnten Alkalien zerfällt die Verbin-
dung in A. und schwefelsaures Alkali. Das

A. ist eine farblose, ölige Flüssigkeit vom
spez. Gew. 0,810. Es besitzt einen durch-
dringenden Geruch nach Kampfer und
Pfeffermünzöl, siedet bei 102° und erstarrt
beim Abkühlen auf — 12,5° zu weißen nadel-
förmigen Kristallen, welche bei — 12,0°
schmelzen. Das A. muß ganz frei von jeder
Spur des gewöhnlichen Amylalkohols sein,
was man daran erkennt, daß beim Behandeln
mit Kaliumchromat und verdünnter Schwefel-
säure keine Grünfärbung eintritt. Mit Alko-
hol ist das Präparat in jedem Verhältnisse
mischbar, braucht aber vom Wasser zirka
12 Teile zur Lösung. — Zollfrei.

Amylnitrit, der Salpetrigsäureester des
Amylalkohols, entsteht beim Durchleiten von
Salpetrigsäuredämpfen durch Amylalkohol
als eine klare, gelbliche Flüssigkeit von
fruchtartigem Geruch. Es ist unlöslich in
Wasser, mischbar mit Alkohol, Äther, Chloro-
form und Benzin. Spez. Gew. 0,870—0,880;
S.P. 97—99°. A. wird zum Einatmen gegen
Asthma, Kopfschmerzen, Epilepsie verordnet,
darf aber nur mit Vorsicht angewandt wer-
den. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Anacardien (Elefantenläuse, Acajou-
nüsse, lat. Anacardia; frz. Noix d’Acajou,
engl. Castew-nut). Man unterscheidet zwei
Arten von A., welche von verschiedenen, zur
Familie der Anacardiaceen gehörigen Bäu-’
men abstammen und als ostindische und west-
indische A. unterschieden werden. 1. Die
ostindischen A. oder Malakkanüsse (lat.
Anacardia orientalia) stammen von
Semecarpus anacardium. Sie haben eine
herzförmige Gestalt, sind auf beiden Seiten
flach zusammengedrückt, besitzen eine dunkel-
braunschwarze, platte Schale und enthalten
zwischen dem öligen Kerne und der Schale
einen ätzend scharfen Saft, der im frischen
Zustande farblos, milchartig ist, später aber
verdickt und schwarz wird. 2. Die west-
indischen A. (lat. Anacardia occidentalia)
kommen aus Westindien und Südamerika und
stammen von dem jetzt auch nach Ostindien
verpflanzten Baume Anacardium Occi-
dental e. Sie sind graubraun bis schwarz-
braun und nierenförmig und enthalten einen
ähnlichen scharfen Saft. Beide Sorten unter-
scheiden sich dadurch, daß der Saft der west-
indischen A. auf der Hand blasenziehend
wirkt, derjenige der ostindischen dieselbe nur
rötet und Pusteln hervorbringt. Der scharfe
Stoff der A. wird Kardol genannt. Außer
diesem enthalten die A. noch eine eigen-
tümliche Säure, die Anacardsäure. Beide
Arten von A. werden als hautreizende Amu-
lette getragen, was unbedenklich ist, so-
lange die Schale nicht entfernt wird. Bei
unvorsichtiger Anwendung der geöffneten
Früchte dagegen können sehr bösartige Ge-
schwüre entstehen, die weiter greifen als
die applizierte Stelle. — Zollfrei.

Anacuhuiteholz (lat. Lignum anacuhuitae,
frz. Bois de Anacuite, engl. Anacuite wood),
ein sehr bald wieder der Vergessenheit an-
heimgefallener Artikel des Drogenhandels,
das Stammholz der Cordia Boissieri,