﻿Anämin

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Angelikaöl

eines Baumes in Mexiko, sollte gegen
Lungenschwindsucht helfen. — Zollfrei.

Anämin, ein Eisenpepsinsaccharat der
Firma P. Liebe in Dresden, wird wegen
seines hohen Eisengehaltes von 0,20% und
seiner verdauungsbefördernden Wirkung bei
Blutarmut, Bleichsucht und Magenleiden ver-
ordnet. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Anästhol und Anästhyl, Mischungen von
Methyl- und Äthylchlorid, welche in der Zahn-
heilkunde als Anästhetika benutzt werden.
— Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Analgen (Labordin), ein weißes ge-
schmackloses Pulver, welches sich in chemi-
scher Hinsicht vom Oxychinolin ableitet; F.
P.: 208°. Die in Wasser unlösliche, in Äther
lösliche Substanz wird gegen Fieber, neu-
ralgische Leiden und neuerdings vor allem
gegen Malaria angewandt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 388.

Ananas (frz. Ananas, Pomme de pin, engl.
Pine-apple), die bekannte, wegen ihres feinen
Aromas hochgeschätzte Frucht der im tropi-
schen Amerika heimischen Bromelia Ana-
nas, wird dort auch auf Feldern angebaut
und bei uns in Treibhäusern vielfach gezogen.
Von Westindien und Brasilien aus wird A.
sowohl im frischen Zustande als auch in
Scheiben geschnitten und in Zucker einge-
macht (in Brasilien Macachis genannt) nach
Europa versendet. Auch aus Singapore kommt
jetzt A. nach Hamburg. Der Verkauf der
frischen Früchte geschieht allgemein nach
dem Gewichte. — Zoll: S. Tarif Nr. 55.
215 ff.

Ananasäther (Ananasessenz), ein Kunst-
produkt, besteht aus einer Auflösung verschie-
dener zusammengesetzter Äther in Feinsprit.
In konzentrierterer Form heißt dieses Äther-
gemisch auch Ananasöl. Vergl. Frucht-
äther. — Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Ananasfaser (Ananashanf, frz. Chanvre
d’ananps, engl. Ananas hemp). Man sondert
sowohl aus den Blättern der gewöhnlichen
Ananaspflanze, als auch aus denen verschie-
dener andrer Arten die Fasern ab und ver-
wendet sie je nach dem Grade ihrer Feinheit
zu Seilen, Tauen oder auch zu feinen Ge-
weben. Für letzteren Zweck werden z. B. auf
den Philippinen die jungen Sprößlinge im
Schatten groß gezogen, um die Fruchtbildung
zu verhindern. Die aus solchen Fasern ge-
webten Tücher werden Pinas genannt. —
Zollfrei.

Anchovis (Kräuteranchovis) nennt man
die in eine scharfe Brühe eingelegten Sprot-
ten (Breitlinge), kleine, den Sardellen ähn-
liche Fischchen (Clupea sprattus) von
10—15 cm Länge. Die Fische werden ohne
■weitere Vorbereitung mit Kopf und Einge-
weiden in die viel Salz, Pfeffer, Senfkörner
und Lorbeerblätter enthaltende Brühe einge-
leSt- Die besten, sog. echten A. kommen
f.u.s Dhristiania. Sie unterliegen manchen Ver-
fälschungen, besonders durch kleine Heringe,
die an dem größeren Kopf, der schlankeren
Gestalt und den viel weniger scharfen Kiel-
schuppen erkannt werden. Die französi-

schen A. sind Sardellen (s. d.). Anchovy-
Paste ist Sardellenbutter. — Zoll: S. Tarif
Nr. 115. 117.

Anda-Assu, die Samen einer brasilianischen
Euphorbiacee (Anda Gomesii), kommen in
neuerer Zeit in den Drogenhandel. Man be-
reitet daraus ein dem Rizinusöl ähnlich wirken-
des fettes öl (Andaöl, frz. Huile de Anda,
engl. Oil of Anda), welches bei + 8° C er-
starrt und ein spez. Gew. von 0,918, sowie
schwachgelbe Farbe besitzt. — Der Samen ist
zollfrei, betreffs des Öles s. Tarif Nr. 166. 167.

Andaquieswachs, das Produkt einer beson-
deren Bienenart, kommt aus dem Gebiete des
Orinoko und Amazonenstromes. Es schmilzt
bei 77° C. — Zoll: S. Tarif Nr. 141. 247.

Andorn (Gottvergessenkraut, weißer
Dorant, Marobelkraut, Mariennessel-
kraut, lat. Herba marubii albi, frz. Plante
fleurie de marrube blanc, engl. Horehound),
die zu Beginn der Blütezeit gesammelten und
getrockneten oberen Blätter und Blüten von
Marrubium album s. M. vulgare, einer
in ganz Mitteleuropa wild wachsenden Labiate
mit hohlem, fast vierkantigem Stengel, der
mit grauweißem Filz überzogen ist und rund-
liche, gegen den Blattstiel hin verschmälerte,
grob gekerbte, runzlige Blätter trägt. Die
letzteren sind oberseits graugrün und weich-
haarig, unten weißfilzig. Die Blüten sitzen zu
Quirlen vereinigt in den Blattwinkeln. Das
getrocknete Kraut hat einen nur schwachen
Geruch, aber bitteren Geschmack und wird
medizinisch verwendet. Es enthält etwas äthe-
risches Öl und einen Bitterstoff, das Mar ru-
biin. Verwechslungen können Vorkommen
mit den Blättern von Nepeta Cataria, von
Ballota und Stachys-Arten. Diese besitzen
aber sämtlich einen anderen Geruch und sind
nicht runzlig. — Zollfrei.

Aneinonenkampfer (Pulsatillenkamp-
fer), ein in verschiedenen Arten der Gat-
tungen Anemone und Ranunculus enthaltener,
durch Destillation mit Wasser gewinnbarer,
scharfer, die Augen zum Tränen reizender
Stoff, welcher aus weißen Kristallen besteht
und beim Umkristallisieren aus Chloroform
in das geruchlose Anemonin und die
amorphe Anemonsäure zerfällt. — Zollfrei.

Anethol (lat. Anetholum, frz. Anöthol), der
sauerstoffhaltige Bestandteil und Geruchs-
träger des Anis-, Sternanis-, Fenchel- und
Esdragonöls, wird jetzt im großen fabrik-
mäßig dargestellt. Es bildet schneeweiße,
nach Anis riechende Kristalle, die bei 220 C
schmelzen und bei 232° sieden. Das spez.
Gew. beträgt 0,986. In Alkohol und in Äther
ist A. löslich.	.

Angelikaöl (lat. Oleum angelicae, frz. Huile
d’angölique, engl. Angelica-oil), ein schwach
gelb gefärbtes ätherisches Öl von sehr starkem
aromatischen Geruch und brennendem Ge-
schmak, wird aus der Angelikawurzel durch
Destillation mit Wasserdampf gewonnen und
hauptsächlich zur Bereitung aromatischer Li-
köre verwendet. Auch aus dem Samen der
Angelika gewinnt man öl (1,15%), das jedoch
einen etwas andern Geruch besitzt. Das beste