﻿Angelikawurzel	22	_______Anilin

ist das aus den Angelikawurzeln des säch-
sischen Erzgebirges, dann folgt das aus thü-
ringer Wurzeln und das aus den Wurzeln des
Harzes. Das spez. Gew. liegt bei 0,855. Ein
aus japanischen Wurzeln gewonnenes Öl be-
sitzt ein spez. Gew. von 0,915, scheidet bei
—j—100 C Kristalle aus und erstarrt bei 0°
breiartig. Dieses Öl fängt bei 170° an zu
sieden, der Siedepunkt steigt aber beständig,
und die zuletzt übergehenden Anteile sind von
blaugrüner Farbe. Der Geruch ist schärfer
als derjenige des deutschen Öles und besitzt
einen Anklang an Moschus. — Zoll: 30 M.

Angel ikawurzel (E n g e 1 w u r z e 1, T h e r i a k-
wurzel, Brustwurzel, lat. Radix angelicae,
frz. Racine d’angelique, engl. Angelica root),
die getrocknete Wurzel der in den Berg-
wäldern Mitteleuropas wildwachsenden, aber
auch viefach kultivierten Doldenpflanze: An-
gelica Archangelica, besteht aus einem
mit zahlreichen dicken und langen Fasern
umgebenen Wurz'elkopf von brauner Farbe
und stark aromatischem Geruch und Ge-
schmack. Die Wurzelfasern werden gewöhnlich
zu einem zopfähnlichen Bündel zusammen-
gedreht. Auf dem Querschnitt erkennt man
in der weißlichen Rinde zahlreiche, mit einem
rötlichgelben Balsam gefüllte kleine Behälter.
Die Wurzel von kultivierten Pflanzen, welche
man im Frühjahr oder im Herbste sammelt,
wird vorgezogen. Als beste Sorte gilt die
sächsische A. aus der Gegend von Bockau
bei Schwarzenberg. Auch in Thüringen und
am Harz wird viel A. angebaut, so namentlich
in der Gegend von Cölleda, Jena, Quedlin-
burg und Gernrode. Verwechslungen mit den
Wurzeln der Angelica silvestris kommen
wohl kaum noch vor, da man fast ausschließ-
lich kultivierte Ware kauft. Der Geruch jener
Wurzel ist von dem der echten ganz verschie-
den und die Farbe mehr grau als braun. Ver-
wendet wird Angelikawurzel als magen-
stärkendes Mittel (Kneipps Heilmittel),
sowie in großer Menge in der Likörfabrikation
zur Herstellung von Chartreuse u. a. A. wird
sehr leicht von Würmern zerfressen und muß
daher gut verschlossen in Blechgefäßen auf-
bewahrt worden. Bestandteile: Äther. Öl,
Harz, Angelikasäure, Hydrocarotin, bzw. Phy-
tosterin, Baldrian- und Essigsäure. In neuerer
Zeit kommen auch zwei Arten von A. aus
Japan in den Handel. Die eine, Senkiyn ge-
nannt, stammt von Angelica refracta, die
andere, Biyakushi, von Angelica ano-
mal a.	Diese Wurzeln liefern jedoch nur

7jo o/o ätherisches öl von abweichendem Ge-
ruch (s. Angelikaöl). — Zollfrei.

Ang-Khak, ein roter Farbstoff, der in
China durch Aussaat eines Pilzes auf ge-
kochtem Reis erzeugt und zur Färbung von
Nahrungsmitteln benutzt wird. — Zollfrei.

Anglesit (Vitriolbleierz, Bleiglaserz,
Bleivitriol, frz. Anglesite, Plomp sulfatö,
engl. Lead vitriol), ein aus Bleisulfat oder
schwefelsaurem Bleioxyd bestehendes,
sehr schweres, kristallinisches Bleierz von
weißer, grauer oder gelblicher Farbe, wird,

wenn es in größeren Mengen gefunden wird,
auf Blei verarbeitet. — Zollfrei.

Angolaerbsen. Diesen Namen führen die
Samen zweier verschiedener Pflanzen, die je-
doch mit unseren Erbsen nichts gemein haben.

1. Die Samen der Voandzeia subterranea,
einer zu den Cäsalpineen gehörigen, der
Arachis (Erdnuß) sehr nahestehenden Pflanze,
welche in Südamerika heimisch ist, aber auch
in anderen Tropenländern kultiviert wird, so
in Südafrika und in Java, wo sie Katjang
manila genannt wird. Die Samen sind sehr
fettreich und werden als Nahrungsmittel ver-
wendet.— 2. Die Samen des indischen Bohnen-
baums, Cajanus indicus, der in Ostindien
heimisch, vielfach in Südamerika kultiviert
wird. Die Samen sind weniger schmackhaft
als unsere Erbsen. — Zollfrei.

Angolaflechte (Roccella tinctoria) dient
zur Herstellung der Lackmustinktur. — Zollfrei.

Angolaholz. Was unter diesem Namen zu-
weilen aus Westafrika in den Handel kommt,
ist nichts weiter als Camwood, s. Kamholz.

Angosturabitter, ein Bitterlikör, der aus
einem mit Zucker versüßten alkoholischen
Auszuge von Angostura- und Chinarinde, En-
zian, Pomeranzenschalen und verschiedenen
Gewürzen, wie Zimt, Kardamomen und Nel-
ken besteht. — Zoll: S. Tarif Nr. 178.

Angosturarinde (lat. Cortex angosturae ve-
rus, frz. Ecorce d’Angosture, engl. Angostura-
bark, nach der gleichnamigen südamerika-
nischen Stadt benannte Rinde von Galipea
officinalis, wird selten medizinisch gegen
Dysenterie usw. verwendet, auch anstatt
Chinarinde. Große Gaben rufen Übelkeit und
Erbrechen hervor. Meist dient die Rinde zur
Herstellung des Angosturabitter. Zuweilen
verwechselt man sie mit der falschen A. von
ostindischen Strychnos-Arten, welche wegen
ihres Bruzingehaltes giftig ist. Die echte A.
enthält keinen Gerbstoff, während die
falsche A. gerbsäurehaltig ist. — Zollfrei.

Anhydride nennt man durch Abspaltung
von Wasser aus Säuren entstehende Verbin-
dungen (Säureanhydride). Ohne weiteren
Zusatz versteht man darunter in der Technik
das A. der Schwefelsäure (s. d.).

Anhydrit (Muriazit, Würfelspat,
Würfelgips, Karstenit), ein Mineral,
wasserfreier, natürlicher schwefelsaurer
Kalk (Kalziumsulfat), findet sich fast
überall als regelmäßiger Begleiter der Stein-
salzlager. (Vergl. Gips.) — Zollfrei.

Anilin (Phenylamin, Amidobenzol,
Kyanol, Benzidam, lat. Anilinum; frz. und
engl. Aniline), ist eines der wichtigsten Pro-
dukte der chemischen Großindustrie, da es,
obgleich selbst kein Farbstoff, das Ausgangs-
material zahlreicher sog. Anilinfarben dar-
stellt. Das Anilin, eine stickstoffhaltige or-
ganische Base, findet sich in geringer Menge
fertig gebildet im Steinkohlenteer, wird aber
fabrikmäßig aus dem in größeren Mengen im
Steinkohlenteer enthaltenen Kohlenwasser-
stoff Benzol dargestellt. Zu diesem Zwecke
behandelt man das Rohbenzol, welches neben
Benzol noch wechselnde Mengen Toluol, Xy-