﻿Arsenfarben

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dinacea, wird nicht nur in Westindien,
sondern seit längerer Zeit auch in Ostindien,
auf Reunion und in Guayana angebaut. Als
beste Handelssorte gilt Arrow Root St. Vin-
cent. 2. Ostindisches A. oder Tikhur-
mehl wird aus den Wurzelknollen von Cur-
cuma angustifolia und C. leucorrhiza
gewonnen, kommt aber fast gar nicht in
unsern Handel. 3. Port-Natal-A. soll eben-
falls von Maranta arundinacea abstammen.
Dies ist jedoch nicht recht wahrscheinlich, da
die Stärkemehlkörnchen unter dem Mikro-
skope ein ganz andres Aussehen zeigen, als
diejenigen der andren Sorten. 4. Tahiti-A.
oder Taccastärke wird aus den Wurzel-
knollen der Tacca pinnatifida gewonnen,
die man auf den meisten Inseln des Großen
Ozeans anbaut. — Andre aus tropischen Pflan-
zen erhaltene Stärkemehlarten führen be-
sondere Namen, wie z. B. Canna-, Manni-
hot-, Kassavastärlce, Tapioka, Sago
(s. d.). Die besseren Sorten von A. gelangen
in Blechdosen verpackt in den Handel, die
geringeren in Fässern von ca. 100 kg. Ver-
wendung findet das A. als Nahrungsmittel,
hauptsächlich für Kinder. — Zoll: 15 M.

Arsenfarben im Sinne der gesetzlichen Be-
stimmungen sind die unter Arsenik (s. d.)
angeführten gelben und roten Schwefelverbin-
dungen (Realgar, Auripigment usw.) und die
aus arsensaurem Kupfer bestehenden grünen
Farben (s. Schweinfurter Grün). -— Zollfrei.

Arsenik (lat. Arsenicum, frz. und engl.
Arsenic), ist der im Handel und Verkehr ge-
bräuchliche Name für mehrere sehr giftige
Substanzen, die man als weiß.en, gelben,
roten und grauen Arsenik unterscheidet.
Diese Körper werden mit den übrigen Arsen-
verbindungen im Handel auch unter dem
Namen Arsenikalien zusammengefaßt. Der
sog. graue A. ist metallisches Arsen,
ein Element, das sich im Erzgebirge und
Harze gediegen findet, aber auch aus seinen
Verbindungen abgeschieden wird. Man erhält
es gewöhnlich in krummschaligen oder stalak-
titischen Stücken von schwarzgrauer Farbe
ohne Glanz. Der sehr starke weiße Metall-
glanz, den das Arsenmetall besitzt, kommt erst
zum Vorschein, wenn man die schwarzgraue
Kruste abschabt. Das Arsen ist kristallinisch,
hart und spröde, hat ein spez. Gew. von 5,72,
verflüchtigt sich beim Erhitzen unter Verbrei-
tung eines höchst unangenehmen Geruchs nach
Knoblauch und läßt sich nur unter hohem
Druck in der Rotglühhitze schmelzen. Beim
Erhitzen unter vollem Luftzutritt verbrennt
es unter Aufnahme von Sauerstoff zu arse-
ßiger Säure, welche sich als weißer Rauch
verbreitet. Metallisches Arsen wird in ge-
ringer Menge dem Blei zugesetzt, wenn aus
diesem Schrote gefertigt werden sollen,
r ruher benutzte man es auch zum Vergiften
der Fliegen, daher der zuweilen noch ge-
bräuchliche Name Fliegenstein. Man
nannte es auch Scherbenkobalt oder Co-
baltum crystallisatum (nicht zu verwech-
seln mit dem Kobaltmetall). Der weiße Ar-
senik des Handels bestellt aus arseniger

Arsenik

Säure oder Arsentrioxyd. Diese sehr gif-
tige Substanz wird in großen Mengen als
Nebenprodukt bei der Verhüttung arsenhal-
tiger Erze gewonnen, die man in besonderen
Flammenöfen bei Zutritt der Luft röstet.
Dabei verwandelt sich das Arsen in arsenige
Säure, die sich verflüchtigt und in langen
gemauerten, in einzelne Kammern abgeteilten
Kanälen verdichtet wird. Die arsenige Säure
kommt in zweierlei Formen in den Handel, als
weißes Pulver (Giftmehl, weißer Ar-
senik, Arsenmehl, Hüttenrauch, Hüt-
tenmehl, lat. Arsenicum album pulveratum,
Acidum arsenicosum) und als geschmolzene,
farblose, glasartige Masse, die jedoch bald
undurchsichtig und weiß wird (porzellan-
artige arsenige Säure). Im Handel heißt
letztere, sowie auch die frische, noch glas-
artige Säure Arsenikweißglas. Die arse-
nige Säure verwandelt sich beim Erhitzen in
einen geruchlosen Dampf, der sich an käl-
teren Teilen wieder zu glänzenden oktaedri-
schen Kristallen verdichtet. In Wasser ist sie
schwer löslich. — Im Kleinhandel darf die
arsenige Säure an das Publikum nicht abge-
geben werden, von den Apothekern und
Drogisten mit Konzession zum Handel von
Giften der Abt. I nur gegen Giftschein an
bekannte Personen, und zwar als Mittel zum
Vertilgen von Ungeziefer, Ratten, Füchsen,
Mardern, mit einer in Wasser leicht löslichen
grünen Farbe gefärbt. — Verwendung findet
sie bei der Bereitung optischer Gläser, des
Schweinfurter Grüns und verschiedener Arsen-
präparate. Eine andre, ebenfalls aus Arsen
und Sauerstoff bestehende Verbindung ist die
Arsensäure (Arsenpentoxyd, Acidum
arsenicicum), welche auf 75 Teile Arsen
40 Teile Sauerstoff enthält, während bei der
arsenigen Säure auf 75 Teile Arsen 24 Sauer-
stoff kommen. Die Arsensäure ist eine weiße,
amorphe Masse, die bei ihrer Auflösung
Wasser bindet und sich in Arsensäure-
trihydrat verwandelt. Man gewinnt sie
durch Behandlung von arseniger Säure mit
Salpetersäure und verwendet sie nur noch
als Beize in der Färberei und Zeugdruckerei,
während sie aus der Anilinfarbenfabrikation
vollständig verdrängt ist. Der gelbe und
rote A. sind Verbindungen des Arsens mit
Schwefel in verschiedenen Verhältnissen. Der
rote A. besteht aus 75 Teilen Arsen und
32 Teilen Schwefel und hat auch die Namen:
Arsenrotglas, Realgar, Arsensulfür,

Ars enbisulfid, Zweifachschwefelarsen,

lat. Arsenicum sulfuratum rubrum. Er
findet sich in der Natur in schön rubinroten
Kristallen. Im Handel kommt aber fast nur
das Kunstprodukt vor, welches je nach dem
Grade seiner Reinheit entweder aus rubinroten
und durchsichtigen oder mehr braunroten und
undurchsichtigen Stücken von muscheligem
Bruche und Siegellack ähnlichem Aussehen
besteht. Der gelbe A. des Handels ist kein
reines Schwefelarsen, sondern eine arsenige
Säure, die mehr oder weniger Dreifach-Schwe-
felarsen beigemengt enthält. Man nennt dieses
Produkt Arsengelbglas oder auch bloß