﻿Arsenjodid

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Asbest

Gelbglas, ferner gelbes Schwefelarsen,
Operment, Rauschgelb, Auripigment,
lat. Arsenicum sulfuratum flavum. Es
bildet hellgelbe, undurchsichtige Stücke von
muscheligem Bruche. Das reine Dreifach-
Schwefelarsen (Arsentrisulfid) ist ein
sehr schön gelbes, in Wasser unlösliches
Pulver. Arsenikalien werden nur dann zum
Eisenbahntransporte zugelassen, wenn sie in
doppelte Fässer oder Kisten verpackt sind,
auf welchen mit schwarzer Ölfarbe die Worte
„Arsenik (Gift)“ in leserlichen Buchstaben
angebracht sind. Die Böden der Fässer müssen
mit Einlagereifen, die Deckel der Kisten mit
Reifen oder eisernen Bändern gesichert wer-
den. Die inneren Fässer oder Kisten sind
von starkem, trocknem Holze zu fertigen und
inwendig mit dichter Leinwand oder ähnlichen
dichten Geweben zu verkleben, damit nichts
durch die Fugen stäuben kann. — Zollfrei.

Arsenjodid (Arsenjodür, Jodarsen,
lat. Arsenium jodatum, frz. Jodure d’ar-
senic, engl. Arsenious jodide) besteht aus
roten, glänzenden, hexagonalen Kristallen,
welche von Alkohol unverändert, von Wasser
unter Zersetzung gelöst werden. Die sehr
giftige Substanz wird, besonders in Form der
Donovanschen Lösung (Arsenjodid,
Quecksilberbijodid und Kaliumjodid), gegen
Krebs, in Form von Salben auch gegen
Lupus verordnet. — Zollfrei.

Arsenwässer, heilkräftige Mineralwässer
von Levico, Roncegno, Kudowa, Baden-
Baden, welche gelöstes Arsen in Menge von
3—9 mg pro 1 1 enthalten. — Zollfrei.

Artillerieholz nennt man die zur Her-
stellung der Holzteile an Feldkanonen nöti-
gen rohen Holzarten. Für Felgen, Speichen
und Naben der Kanonenräder benutzt man
das gewöhnliche Stellmacherholz in den
größten Dimensionen, namentlich von
Buchen, Hainbuchen, Eschen, Ulmen, Eichen
und Ahorn. Das Lafettenholz wird am
besten aus Ulmenholz, womöglich von Ulmus
suberosa, geschnitten. Wegen der Seltenheit
dieses Holzes werden in neuerer Zeit auch
astfreie Eichen und starke Rotbuchen ver-
wendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 74ff.

Artischocken (frz. Artichauts, engl. Arti-
chokes) bilden in Deutschland einen Ar-
tikel des Delikatessenhandels, in Italien,
Griechenland und Frankreich ein allgemein
gebräuchliches Gemüse. Die A. des Handels
sind die grünen Blütenköpfe einer distel-
artigen Pflanze, Cynara scolymus L.,
welche aus Afrika und dem südlichen Europa
stammt und dort, wie in Frankreich und
England kultiviert wird. Man erntet die
noch nicht ganz ausgebildeten Blütenköpfe,
sobald die Kelchblätter beginnen sich auszu-
breiten, vom Juli bis Oktober. Von den
zahlreichen Sorten sind die besten: die große
violette A., die große grüne und die A. von
Laon. Die Zubereitung ist eine sehr ver-
schiedenartige, doch wird nur der fleischige
Blütenboden nach Entfernung der Schuppen
und des Stiels genossen. Vor dem Kochen
werden die A. eine Stunde lang gewässert.

In Italien siedet man sie mit öl, Salz und
Zitronensaft. Die Samen enthalten 20 bis
22°/o eines gelben, fetten Öles, das Arti-
schockenöl. — Zoll: S. Tarif Nr. 33. 36.
216.

Arvenholz (Zirbelkiefernholz, Zirbel-
föhrenholz), das Holz der Arve, Pinus
cembra, ist grob und wenig glänzend, aber
dauerhaft. Man erhält es aus den Alpen und
verwendet es zu Resonanzböden. — Zoll: S.
■Tarif Nr. 74ff. 615ff.

Asa foetida (Teufelsdreck, Stink-
asant, lat. Gummi s. Resina asa foetida,
frz. Ase fetide, engl. Stinking Assa) besteht
aus dem eingetrockneten Milchsäfte der
Wurzeln verschiedener großer Umbelliferen
(Doldengewächse) des inneren Asien. Nament-
lich sollen Scorodosma foetidum, wel-
ches zwischen dem Aralsee und dem Per-
sischen Meerbusen wächst, sowie auch Nar-
thex Asa foetida im westlichen Afghanistan
und Turkestan, nach andern aber auch
Ferula asa foetida und andre Arten die
A. liefern. Die A. hat einen höchst unan-
genehmen Geruch, den sie der Gegenwart
eines schwefelhaltigen ätherischen Öles
(Asantöl ca. 6°/o) verdankt. Die beste Quali-
tät A. f. in granis s. in lacrymis (A. in
Körnern oder in Tränen) besteht aus ein,
zelnen kleineren, mehr oder weniger rund,
liehen Stücken, die im frischen Zustande eine
weiße Farbe haben, mit der Zeit aber
pfirsichblütrot und schließlich braun werden.
Die zweite Sorte, A. f. in massis, besteht
aus größeren Stücken, in denen man inner-
halb einer gleichmäßigen Grundmasse zahl-
reiche kleine, mandelförmige Stücke von der
angegebenen Beschaffenheit erkennen kann.
Im frischen Zustande ist die A. weich, im
Alter hart. Sie gehört zu den Gummiharzen
und enthält außer dem bereits erwähnten
ätherischen Öle Harz, Gummi, Spuren Va-
nillin und Ferulasäure. Man benutzt die
Ware mit zweifelhaftem Erfolge zu medizi-
nischen Zwecken gegen Eingeweidewürmer.
— Zollfrei.

Asaprol (Abrastol), ß Naphthol-monosul-
fosaures Kalzium, ein farbloses, in Wasser
und Alkohol lösliches Pulver, ist als nicht
reizendes, antiseptisches Präparat gegen
Rheumatismus, Gicht, Typhus usw. emp-
fohlen worden. — Zollfrei.

Asbest (Amiant, Federweiß, Feder-
alaun, Bergflachs, lat. Alumen plumo-
sum, frz. Asbeste, engl. Asbestus, Amyanth)
nennt man die sehr feinfaserigen bis haar-
förmigen Varietäten des Grammatits und
Aktinoliths (Strahlstein), welche ihrer che-
mischen Zusammensetzung nach mit der
Hornblende übereinstimmen, also im we-
sentlichen als Kalk-Magnesia-Silikate
anzusprechen sind. Der A. besteht aus kür-
zeren oder längeren, weichen oder biegsamen,
weißen, zuweilen auch grünlichen Fasern, die
je länger um so höher bezahlt werden. Man
erhält ihn am schönsten aus Tirol, Nord-
amerika (Bostonit), Italien, Australien, der
Schweiz, Sibirien, den Pyrenäen. 1886 wurde