﻿Atlas stein

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Austern

Atlasstein (Atlasspat, Faserkalk), eine
vereinzelt, am meisten in England vorkom-
mende Varietät des kohlensauren Kal-
kes von rein weißer, auch rötlicher und
anderer Färbung, die vermöge ihrer fein-
faserigen Struktur auf den Schlifflächen
einen eigentümlichen atlasähnlichen Schim-
mer zeigt. Man schleift A. zu Perlen für
Halsketten und andern Schmucksachen, die
einen sehr schönen Glanz und hübsches Aus-
sehen haben, dasselbe aber bei der Weich-
heit des Materials nicht lange behalten. Zu-
weilen versteht man unter A. auch eine Art
Fasergips von ebenfalls seideglänzendem
Aussehen, der in Thüringen, im Mansfeldi-
schen und im Waadtland in schöner Qualität
gefunden wird und gleiche Verwendung wie
der vorige hat, aber noch weicher ist als
dieser. — Zollfrei.

Atoxyl, eine organische Arsenverbindung
(Metarsensäure-Anilid), welche wegen ihrer
relativ geringen Giftigkeit mit Erfolg bei
Hautkrankheiten angewandt wird. Weißes
Kristallpulver. — Zollfrei. ,

Atropin (lat. Atropinum, frz. Atropine,
engl. Atropia), das giftige Prinzip der Toll-
kirsche, Atropa Belladonna, findet sich
in allen Teilen dieser Pflanze, hauptsäch-
lich aber in den Samen, der Wurzel und
den Blättern, neben Hyoszyamin. Nach
neueren Untersuchungen soll in der Wurzel
der Belladonna nur Hyoszyamin Vorkommen
und das A. aus letzterem während der Be-
reitung entstehen. Das A. gehört zu den
stickstoffhaltigen organischen Basen (Alka-
loiden) und kann auf Grund der Arbeiten
von Ladenburg, Willstätter u. a. syn-
thetisch dargestellt werden. Es wird medi-
zinisch bei Augenkrankheiten verwendet, da
es die Eigentümlichkeit besitzt, die Pupille
des Auges stark zu erweitern, darf aber an
das Publikum seiner Giftigkeit wegen ohne
Rezept nicht abgegeben werden. Das A. er-
scheint in farblosen, geruchlosen, seidenartig
glänzenden, zu Büscheln vereinigten Kristall-
nadeln. Außer dem reinen A. benutzt man
das schwefelsaure A. (Atropinsulfat,
lat. Atropinum sulfuricum) und das bal-
driansaure A. (Atropinvalerianat, lat.
Atropinum valerianicum). Beide sind
ebenfalls farblos und kristallinisch. — Zollfrei.

Attich, der populäre Name des Zwerg-
holunders (Sambucus Ebulus), der bei
uns an Wald- und Feldrändern, zwischen
Gebüsch und Hecken hier und da wächst,
nur ein paar Fuß hoch wird und einen
krautigen Stengel hat, sonst in Blattwerk,
Blüten und Früchten dem schwarzen Holun-
der ähnlich ist. Offizineil war früher der ein-
gedickte Saft der Beeren, Attichbeer-
mus (lat. Roob s. Succus Ebuli, frz. Mar-
melade d’hiöble, engl. Dwarfelder marme-
lade), der durch die Naturheilmethode jetzt
wieder mehr verwendet wird, und zwar als
Abführmittel.

Augennichts (lat. Nihilum album), ein ver-
alteter Name für Zinkoxyd (s. d.) in seiner

Anwendung als Augenmittel. Es dient oder
diente in Wasser verteilt zu Augenwasser.

Augenstein (lat. Lapis divinus, Lapis oph-
talmicus, frz. Quarts-agate chatoyant, engl.
White copperas, Eye-stone). Hierunter ist
sowohl der weiße Vitriol (Zinkvitriol), als
auch der Heiligenstein (s. d.), sowie das
Mineral Chalzedon und der Achat mit
augenähnlichen Zeichnungen (Agate ocilMe)
zu verstehen. — Zollfrei.

Augenstifte, Ätzstifte aus Silbernitrat oder
Zinksulfat zur Behandlung von Augenkrank-
heiten. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Augenwohi, wertloses Geheimmittel, aus
einer gelbgefärbten Lösung von Kochsalz,
Borsäure, Glyzerin und Zucker in Wasser
bestehend. — Zoll: S. Tarif Nr. 389.

Auramin, ein seit 1883 bekannter gelber
Teerfarbstoff, wird durch Einwirkung von
Salmiak auf Tetramethyldiamidobenzophenon
oder dessen Chlorverbindung gebildet, welches
selbst bei Behandlung von Dimethylanilin
mit Chlorkohlenoxydgas entsteht. Das A. ist
ein gelbes kristallinisches, leicht in Wasser
lösliches Pulver, und wird zum Färben von
Seide, Wolle, Papier und gebleichter Baum-
wolle verwendet. Unter dem Namen Pyok-
tanninum findet es als Heilmittel (Anti-
septikum) Anwendung. — Zollfrei.

Aurantia (Kaisergelb), die Ammonium-
verbindung des Hexanitrodiphenylamins, ist
ein früher viel benutzter gelber Farbstoff,
der aber neuerdings wegen unangenehmer
Hautreize, wenigstens für Gewebe, nicht mehr
verwandt wird. — Zollfrei.

Aurin, ein Teerfarbstoff (p. Rosolsäure),
welcher im Gemenge mit mehreren homologen
Verbindungen als sog. technisches A. zum
Gelbfärben von Lacken Anwendung findet.
— Zollfrei.

Austern (frz. Huitres, engl. Oysters) sind
die schmackhaftesten und beliebtesten Mu-
scheln, deren zahlreiche Arten in fast allen
Meeren, mit Ausnahme der Polargegenden,
Vorkommen. Die A. der europäischen Meere,
Ostrea edulis, findet sich von der norwegi-
schen Küste bis in das Mittelmeer. In der
Ostsee kann sie des geringen Salzgehaltes
wegen nicht gedeihen. Die nordamerikanische
A., eine besondere Art, Ostrea virginica,
kommt längs der Küste vom Mexikanischen
Meerbusen bis zur Mündung des Lorenzo vor.
Die A. sind Zwitter und zwar in der Weise,
daß Eier und Befruchtungskörper in dem-
selben Individuum nicht zu gleicher Zeit, son-
dern nacheinander entstehen. Eine ausge-
wachsene Auster kann 1 bis 2 Millionen Eier
legen. Die A. leben am liebsten in stillen
Meeresbuchten von nicht über 10 m Tiefe.
Die Stellen, wo sie in größerer Menge bei-
einander liegen, heißen Austernbänke oder
Austernbetten. Gewöhnlich bringt man die
halberwachsenen A. in besondere Bassins
(Austernparks), die nach Bedürfnis immer
erneuerten Zufluß von Meerwasser erhalten
und in denen sie sorgfältig gepflegt werden.
Durch diese Behandlung wird der Geschmack