﻿Austerschalen

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Aventuringlas

«der A. erheblich verbessert. Auch haben die
Franzosen mit Anlegung neuer Austernbetten
(Austernzucht) sehr gute Resultate erzielt. Die
Versendung der A. geschieht in Fässern, in
denen sie, mit der hohlen Schale nach unten,
so dicht aufeinander gelegt werden, daß sie
ihre Schalen nicht öffnen können und daher
das eingeschlossene Seewasser bei sich be-
halten müssen, bis man sie zum Verspeisen
öffnet. Die A. werden in Europa nur in den
Wintermonaten, vom September bis Mai, ge-
fischt. Am besten sind die von der nord-
französischen und englischen Küste, nächst-
dem die von der Westküste von Schleswig
und von Holland. Unter dem Namen Hol-
steiner A. kommen alle größeren von den
•nordischen Küsten in unsern Handel, während
unter dem Namen Natives kleinere A. von
England und Ostende eingeführt werden. In
Jetzterem Orte werden sie nicht gezüchtet und
gemästet, sondern nur in Bassins aufbewahrt.
Hier ist nur der Stapelplatz für englische A.
— Die Holländer ziehen dagegen junge A.
nach der neuen französischen Methode in der
Osterschelde, die hinsichtlich der Größe in
-der Mitte zwischen den englischen und hol-
steinern stehen. Unter dem Namen Fisch-
auster kommt eine sehr große, außerhalb
der nahe der Küste belegenen Austernbänke
der Nordseee gefischte A. in den Handel.
•Sie hat einen fischigen Beigeschmack und
ist weniger zart. In Italien sind Tarent, Triest
und Venedig Hauptplätze für Austern, wäh-
lend die deutschen Austernbänke an der
Westküste von Schleswig höchstens 4—5 Mil-
lionen Stück jährlich liefern können. Gute A.
-sollen nicht unter drei und nicht über fünf
Jahr alt sein. Das Alter erkennt man an der
Zahl der blättrigen Schichten der stärker ge-
wölbten Schale, die sich jährlich um eine ver-
-mehren. Eine vierjährige Auster ist demnach
eine solche, welche drei Ränder um die ur-
sprüngliche Schale zeigt. Bei aller Anerken-
nung des relativ hohen Nährwertes und der
vortrefflichen diätetischen Wirkung der A.
•darf doch nicht verschwiegen werden, daß
nach ihrem Genüsse mehrfach schwere Ver-
giftungen beobachtet worden sind. Die Ur-
sache der letzteren ist zwar nicht sicher auf-
geklärt, wahrscheinlich aber in der Aufnahme
von fauligen Stoffen zu suchen. Man wird
daher den A. gegenüber eine gewisse Vorsicht
beobachten, auf alle Fälle aber tote A., welche
an den offenstehenden Schalen leicht zu er-
kennen sind, vom Konsum ausschließen. Aus
Amerika werden große Mengen aus den Scha-
len genommener und konservierter A. in ver-
löteten Blechbüchsen versendet. Baltimore
?st der Hauptausfuhrort. — Zoll: S. Tarif
U9, Setzlinge zollfrei.

Austerschalen (lat. Conchae, frz. Ecaille
, Ultre, engl. Oyster-shells) werden, nach-
em m6 genügend gereinigt sind, zu Pulver
gemahlen und teils als Putzpulver verwendet,
•2,1 s ™ter dem Namen präparierte A.
; onchae praeparatae) zu Zahnpulvern be-
nutzt. Sie bestehen größtenteils aus kohlen-
saurem Kolk. - Zollfrei.

Autan nennen die Farbenfabriken vorm.
Bayer & Co. in Elberfeld ein von Eichen-
grün erfundenes neues Mittel zur Zimmer-
desinfektion, welches aus einem Gemisch von
polymerisiertem Formaldehyd mit Baryum-
superoxyd besteht. Das A., ein weißes,
schwach nach Formaldehyd riechendes Pul-
ver, entwickelt, wenn es mit gleichen Teilen
Wasser übergossen wird, gleichzeitig Formal-
dehyd- und Wasserdämpfe, und soll in Menge
von 1 kg zur Desinfektion von 25—30 cbm
ausreichen. Nach den sehr günstigen Ergeb-
nissen der im Kaiserlichen Gesundheitsamte
und von anderen Autoren angestellten Ver-
suche ist das A. bereits von verschiedenen
Behörden, u. a. dem Kgl. Preußischen Kul-
tusministerium, empfohlen worden. Als be-
sonderer Vorzug wird neben hoher Wirk-
samkeit die bequeme Art der Anwendung,
ohne besondere Apparatur angeführt. Das
Präparat kommt in verschlossenen Büchsen,
für 2V2, 5, 10 usw. bis 175 cbm Zimmerluft
ausreichend in den Handel. Der etwa 13 Pfg.
pro cbm betragende Kostenaufwand ist höher
als derjenige der Formalindesinfektion (9 Pfg.
für 1 cbm), wird sich aber mit der Zeit wohl
noch etwas verringern lassen. — Zollfrei.

Avedyks Brot. Auf Grund der Tatsache,
daß die wichtigsten Eiweißstoffe des Getreide-
korns hauptsächlich in den äußeren Rand-
partien sitzen und von der modernen Hoch-
müllerei mit der Kleie entfernt werden, hat
man mehrfach versucht, das ganze Korn zur
Brotbereitung heranzuziehen. A. wird aus dem
eingeweichten, zerquetschten und dann zu
Teig verarbeiteten Korn hergestellt. Die An-
sichten über den Wert desselben sind geteilt,
denn wenn auch der höhere Eiweißgehalt
außer Zweifel steht, so wird doch durch die
Schalen eine Reizung des Darmes und damit
eine verringerte Ausnutzung herbeigeführt. —
Zoll: S. Tarif Nr. 198.

Aventurin, ein gelbbrauner bis roter Quarz,
mit feinen Sprüngen oder Glimmerschüppchen
durchsetzt, welche ein flimmerndes Aussehen
hervorrufen, wird zu Schmucksachen und an-
deren Kunstgegenständen verarbeitet. — Zoll-
frei.

Aventuringlas, ein prachtvolles braungel-
bes, goldig schimmerndes Glas, welches früher
in Venedig nach einem Geheimverfahren her-
gestellt wurde. Seitdem Wöhler und Pet-
tenkofer zeigten, daß die Flimmer in dem
durch Eisenoxydul grün gefärbten Glase
durch feinverteilte Kriställchen von metalli-
schem Kupfer hervorgerufen werden, stellt
man das A. ganz allgemein in der Weise her,
daß man dem Glassatze Kupfer als Oxydul
zusetzt. Die erhaltenen Gläser sind dem mine-
ralischen Aventurin sehr ähnlich und werden
wie dieser zu Schmuckgegenständen ver-
arbeitet. Das grüne A. von Pelouze erhält
einen Zusatz von Kaliumdichromat, wodurch
eine Ausscheidung glänzender schwarzbrauner
Kriställchen in grüner Grundmasse verursacht
wird. Aventurinlack nennt man einen, be-
sonders in Japan erzeugten, schillernden Lack.
— Zoll: S.Tarif Nr.735ff. Aventurinlack 30M.