﻿Baldrianamyläther

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Balsam

biegsam und elastischer als Guttapercha. Bei
49° C wird sie knetbar und schmilzt bei 149°.
— Zollfrei.

Baldrianamyläther (Baldriansäure-
amyläther, baldriansaures Amyloxyd,
Valeriansäureamyläther, lat. Amyloxy-
dum valerianicum, frz. Valerate d’amyle, engl.
Valerianata of amyloxyde), farblose, ölige
Flüssigkeit, von starkem angenehmen Ge-
ruch nach Äpfeln, daher auch Äpfel öl (engl.
Apple-oil; genannt, löst sich nicht in Wasser,
wohl aber in Alkohol, hat ein spez. Gew.
von 0,865 und siedet bei 187—188° C. Man
gewinnt den B. durch Destillation von bal-
driansaurem Natron mit Amylalkohol und
Schwefelsäure, oder auch durch Destillation
von Amylalkohol mit doppeltchromsaurem
Kali und Schwefelsäure. Im letzteren Falle
muß aber das Präparat erst noch von an-
hängendem Valeraldehyd und freier Bal-
driansäure befreit werden, die gewöhnlich
nebenbei entstehen und den Geruch beein-
trächtigen. Verwendung findet der B. zur
Darstellung verschiedener Fruchtäther. —
Zoll: S. Tarif Nr. 347.

Baldrianöl (lat. Oleum valerianae, frz.
Essence de Valeriane, engl. Oil of Valerian),
das ätherische Öl der Baldrianwurzel, ist blaß-
gelb, besitzt den charakteristischen Geruch
der Wurzel in hohem Grade und hat ein
spez. Gew. von 0,900—0,960. Es enthält freie
Baldriansäure neben Kampfer, Pinen, Bor-
neol, Terpineol und einigen Estern der Va-
leriansäure. Man verwendet es nur zu medi-
zinischen Zwecken. Die deutsche Wurzel
liefert 0,95, die holländische 1,0 °/o äther. B.
— Zoll: 30 M.

Baldriansäure (Valeriansäure, lat. Aci-
dum valerianicum, frz. Acide valörique, engl.
Valerianic acid), eine in die Fettsäurereihe
gehörige flüssige organische Säure. Man
unterscheidet im Handel natürliche (Aci-
dum valerianicum e radice) und künstliche
B. (Acid. valerianicum artificiale). Erstere
wird durch Destillation der Baldrianwurzeln
mit Wasserdampf dargestellt, wobei gleich-
zeitig Baldrianöl erhalten wird. Letztere
wird aus dem Amylalkohol durch Oxydation
mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure
gewonnen. Beide Säuren haben die gleiche
prozentische Zusammensetzung und die gleiche
Sättigungskapazität, auch ist der Geruch bei
beiden derselbe, sie sind aber doch nicht
identisch, sondern nur isomer. Das spez.
Gew. ist bei beiden 0,937, dagegen zeigen
sie verschiedenes Verhalten gegen das pola-
risierte Licht, und der Siedepunkt der aus
der Wurzel gewonnenen Säure liegt zwischen
171—173° C, derjenige der künstlichen bei
178° C. In Alkohol und in Äther ist die B.
in jedem Verhältnisse löslich, vom Wasser
braucht sie etwa 30 Teile zur Lösung. Die
aus der Wurzel bereitete B. hat einen un-
gefähr viermal höheren Preis als die künst-
liche. Sie findet nur selten als krampf-
stillendes Mittel medizinische Verwendung.
— Zollfrei.

Baldriansaures Chinin (Chininvaleri-
anat, lat. Chininum valerianicum, frz. Valörate-
de quinine, engl. Valerianate of quinine) bil-
det farblose, perlmutterglänzende Kristall-
schüppchen von schwachem Geruch nach.
Baldriansäure und wird als Arzneimittel viel
benutzt. — Zollfrei.

Baldriansaures Morphium (Morphin-
valerianat, lat. Morphium valerianicum,,
frz. Valörate de morphine, engl. Valerianate
of morphine), ein weißes kristallinisches Pul-
ver, riecht nach Baldrian und wirkt giftig.,
— Zollfrei.

Baldrianwurzel (gemeiner Baldrian,
klein. Baldrian, Katzenwurzel, Katzen-
baldrian, Wundwurz, lat. Radix valeri-
anae, frz. Racine de Valeriane, engl. Va-
lerian-root) besteht aus dem getrockneten,
graubraunen Wurzelstock der Valeriana
officinalis, welcher mit zahlreichen, rings-
herum angewachsenen Wurzelfasern von
Strohhalmsdicke besetzt ist. In frischem Zu-
stande ist die B. weißlich und besitzt nur
einen sehr schwachen Geruch, während die:
trockne Wurzel sehr stark und unangenehm
riecht. Man sammelt sie von trocknen Stand-
orten im Herbste, weil solche Wurzeln stärker
riechen, als die vom Frühjahr. In manchen,
Gegenden des Harzes und Thüringens wird
der Baldrian kultiviert. Die Harzer Wurzel
ist die gesuchteste Sorte, nächstdem kommt
die Thüringer. Auch in Nordamerika, Eng-
land und Holland wird die Pflanze angebaut.
Die in Mexiko benutzte Wurzel der Va-
leriana mexicana erhält man in bis 4 cm,
dicken Stücken oder Scheiben, die außen
von gelbbrauner, innen gelblicher Farbe und.
bitterem, scharfem Geschmack sind. Sie soll
so reich an Baldriansäure sein, daß sich die
Gewinnung derselben gut lohnt. •— Verwechs-
lungen der B. mit den Wurzeln anderer
Arten von Valeriana kommen bei den wild-
gewachsenen Pflanzen zuweilen vor, sind aber
leicht an dem schwachen Geruch sowie auch
daran zu erkennen, daß der Wurzelstock nur
an der unteren, nicht aber an der oberen
Seite mit Wurzelfasern besetzt ist. Früher
war auch die Wurzel von Valeriana Phu
als Radix valerianae majoris gebräulich. Die
B. muß in gut verschlossenen Kästen auf-
bewahrt werden, da sie ihren Geruch leicht
verliert. Die wirksamen magenstärkenden,
krampfstillenden Bestandteile sind neben
Gerbsäure Baldrianöl und Baldriansäure. —
Zollfrei.

Ballhauser Magentropfen, aromatisierte
und versüßte spirituöse Lösung verschiedener
stark abführender Substanzen, wie Aloe,
Rhabarber, Sennes, Jalapen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 389.

Balsam (lat. Baisamum, frz. Baume, engl.
Balm) nennt man dickflüssige Substanzen
von harziger und öliger Natur, welche teils-
freiwillig, teils durch künstliche Einschnitte
in die Rinde gewisser Bäume ausfließen.
Die meisten B. sind Gemische von Harzen
mit ätherischen ölen, enthalten aber auch,
häufig noch andre Körper, namentlich aro-