﻿Baumwolle

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Baumwolle

bis 0,920, die Refraktion 62,0 bis 62,8. Bei
niederer Temperatur erstarrt es zu einer
weißen körnigen Masse. In chemischer Hin-
sicht besteht Olivenöl zu 2—25°/o aus festen
Fetten, wie Palmitin und Stearin, daneben
enthält es etwa 6°/o Linolsäure, während der
Rest als Olein anzusprechen ist. Als feinstes
aller Speiseöle unterliegt es in hohem Grade
der Verfälschung durch minderwertige andere
Öle, besonders Baumwollsamenöl, Erdnußöl,
Sesamöl. Der Name Tafelöl, welcher früher
im reellen Handel nur für Olivenöl benutzt
wurde, ist jetzt auf zahlreiche andere Speiseöle
übertragen worden, und Sicherheit für Er-
langung des reinen Produktes ist nur gegeben,
wenn man ausdrücklich Olivenöl, Jungfernöl,
Aixer-, Provencer- oder Nizzaöl verlangt.
Allerdings ist auch im letzteren Falle noch eine
gewisse Vorsicht geboten, weil ein findiger
Geschäftsmann unter dieser nur durch Ein-
schiebung eines i in Nizziaöl veränderten Be-
zeichnung gewöhnliches Erdnußöl vertreibt.
Der Nachweis der genannten Verfälschungen
bietet übrigens besondere Schwierigkeiten
nicht dar. Die früher zur Ersparung des Ein-
gangszolls allgemein übliche Denaturierung
der technischen Baumöle mit Terpentin oder
ätherischen Ölen ist neuerdings von geringerer
Bedeutung, weil nach dem neuen Zolltarif
vom 25. Dezember 1902 die aus den Ver-
tragsstaaten (Italien) in Fässern eingeführten
reinen B. zollfrei sind. Die Reinheit muß
durch das Gutachten eines von der Zoll-
behörde vereidigten Sachverständigen be-
scheinigt werden. — Zoll für B. in Fässern |
aus Nichtvertragsstaaten: 10 M. für reines,

2 M. für denaturiertes Öl. Zoll für B. in
anderen Behältnissen: 10 M. aus Vertrags-
staaten, 20 M. aus anderen Staaten. S. Tarif
Nr. 166/167.

Baumwolle (frz. Coton, engl. Cotton). Dieser
größte Weltartikel neben Eisen und Stein-
kohlen, an dessen Konsum sich wohl die
reichliche Hälfte der gesamten Menschheit
beteiligt, von dessen Anbau und Verarbeitung
die Existenz von Millionen Menschen abhängt
und dessen Mangel und Teuerung in den An-
bau- und Fabrikländern die schlimmsten Krisen
herbeiführen kann, besteht aus den Flug-
haaren der Samen verschiedener Arten von
Gossypium, einer zu den Malvaceen ge-
hörigen Pflanze. — Geschichtliches. Das
Stammland der Baumwollkultur und Industrie
ist ohne Zweifel Ostindien. Zu gleicher Zeit
dürfte sich China daran beteiligt haben, und
auch , in Arabien, Ägypten, Äthiopien und am
persischen Meerbusen wurde Baumwolle schon
vor Christi Geburt gepflanzt. Die Spanier
fanden Baumwollzeuge in den neuentdeckten
Ländern von Mexiko und Peru im Gebrauch,
und die Portugiesen trafen sie bei ihrer ersten
Bekanntschaft mit den Kaffem Südafrikas.
Lue ersten Baumwollstoffe kamen vor Zeiten
? i , jU^usartikel aus Indien zu uns, später
folgte dann der Rohstoff für die eigene Ver-
arbeitung, und heutzutage haben sich die Ver-
hältnisse so völlig umgekehrt, daß Indien
von Europa Unmassen baumwollener Web-

stoffe empfängt, und der Anbau des Rohstoffes
in größter Massenhaftigkeit an den Süden
von Nordamerika übergegangen ist. Die Ame-
rikaner beherrschten schließlich den Markt
vollständig, die Baumwolle verarbeitenden
Länder waren beinahe gänzlich von Amerika
abhängig, und andere Produktionsländer konn-
ten nur eine nebensächliche Geltung be-
haupten. Erst durch den großen Bürgerkrieg,,
der den Anbau für mehrere Jahre hemmte
und die Preise der Ware bis zum Dreifachen
steigerte, sind einige andere Baumwolle er-
zeugende Länder, namentlich Ostindien, Ägyp-
ten und Brasilien konkurrenzfähig geworden.
Auch in Europa hat man seit der Krisis dem
Baumwollbau wieder mehr Interesse zuge-
wendet und in Italien, Spanien und Griechen-
land Kulturen angelegt, jedoch haben diese
Massen für den Weltverbrauch geringe Be-
deutung. In den deutschen Kolonien Afrikas
geht man ebenfalls mit dem Baumwollen-
anbau vor, so daß Aussicht vorhanden ist,
Deutschland hinsichtlich dieser Ware zum
Teil vom Auslande unabhängig zu machen. —
Arten der Baumwollenpflanze. Über die
verschiedenen Arten und Abarten des Gossy-
pium herrscht viel Unsicherheit. Linnö kannte
nur 4 Arten, Lamarck beschrieb deren 8,
Decandolle schon 13. Sie unterscheiden sich
zunächst als kraut-, Strauch- oder als
baumartige Gewächse, die jedoch, als einem
und demselben Geschlecht angehörig, in Blüte
und Frucht im wesentlichen übereinstimmen.
Die krautartige B., G. herbaceum, die
am meisten verbreitete und wichtigste Art, ist
eine meist einjährige, also jedes Jahr neu
zu ziehende Pflanze, jedoch unter günstigen
Umständen auch zwei- oder mehrjährig. Sie
wird 0,5—1,5 m hoch, hat 3- bis 5 lappige
Blätter und eine malvenartige blaßgelbe Blüte
mit einem purpurroten Fleck im Grunde.
Die dreieckige zugespitzte Samenkapsel von
der Größe einer welschen Nuß ist in drei
bis fünf Fächer geteilt. Sie wird bei der Reife
braun und lederartig, springt dann von der
Spitze her in Lappen auf und läßt die Wolle
in Büscheln hervorquellen. Diese Art wird
in Ostindien, Kleinasien, Europa und auch
Nordamerika gebaut und von einigen als
G. indicum besonders aufgeführt. Von
strauchartigen Baumwollgewächsen sind
zu nennen: der langhaarige Baumwollstrauch,
G. barbadense, der über Mannshöhe er-
reicht, auf den westindischen Inseln wie auf
dem Festlande heimisch ist und schon vor
langer Zeit nach den Inseln Bourbon und
Mauritius verpflanzt wurde. Er liefert jetzt
meistens die langfaserigen nordamerikanischen
Sorten. G. hirsutum (zottige Baumwolle),
ein zweijähriger oder perennierender Strauch
mit Kapseln fast von Apfelgröße und sehr
feiner, guter Faser, wird im französischen
Westindien und Guyana, sowie in Nord-
amerika gebaut. G. vitifolium findet sich
in Westindien, Brasilien, Ägypten. G. reli-
giosum ist diejenige Art, welche ausnahms-
weise eine rötlichgelbe Wolle trägt, die in
dieser Naturfarbe zu dem echten chinesi-