﻿Baumwolle

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Baumwolle

sehen Nanking verarbeitet wird. Der 4—7 m
hohe Baumwollbaum, G. arboreum, end-
lich soll in Indien, Arabien und Ägypten
heimisch sein und wird dort, in Spanien und
an der Westküste Afrikas (Senegal) gezogen.
Im letzteren Gebiet findet sich auch G. punc-
tatum. Die getüpfelte B. G. barbadense
ist diejenige Art, welche in Amerika die
vorzüglichste aller B., die lange, feine Sea-
lsland liefert. Sie gedeiht aber in ihrer höch-
sten Vollkommenheit nur auf dem wenige
Meilen umfassenden Küstenstriche zwischen
St. Mary in Georgien und George Town in
Südkarolina, sowie auf den zwei kleinen dieser
Küste benachbarten Inseln, Gegenden, deren
feuchter Sandboden und mildes Klima der
Kultur besonders günstig sein mag. Das
übrige georgische Gewächs mit kürzerer Faser
heißt Upland oder Georgia. — Anbau und
Ernte der B. Zucht und Pflege der Baum-
wollpflanzen erfolgen im allgemeinen in der
Weise, daß man aus gelegten Samen er-
wachsende Pflanzen beizeiten und wiederholt
verstutzt, damit sie nicht über 1,5 m hoch
werden, weil die beste Frucht an den jungen
Schößlingen wächst. Hat der Stamm im
folgenden Jahre seinen Ertrag geliefert, so
schneidet man ihn kurz über dem Boden weg
und läßt neue Triebe schießen, mit denen
man ebenso verfährt. Der Ertrag mindert
sich jedoch mit jeder Wiederholung merklich,
weshalb man eine Pflanzung meist nur 2 oder
3 Jahre benutzt und inzwischen neue anlegt.
— Die Baumwollpflanzungen verlangen zwar
keinen vorzüglichen Boden, sondern gedeihen
in geringerem, sofern er nur etwas sandig ist.
Bei fortwährendem Anbau auf ein und dem-
selben Boden wird derselbe jedoch bald er-
schöpft, und das ausgesaugte Kulturland
muß gegen frisches vertauscht werden. Von
größtem Einfluß auf die Ernte sind die Wit-
terungsverhältnisse, denn einerseits bedarf die
Pflanze bis gegen die Samenreife hin Regen,
weil bei Mangel desselben die Faser zu kurz
ausfällt, anderseits aber ist Regen, wenn er
in die sich öffnenden Kapseln fällt, unge-
mein schädlich, weil die naßgewordene Wolle
sich bräunt und wertlos wird. Auch bei zu
langem Belassen am Stocke wird die B.
schmutzig und unscheinbar und muß daher
gepflückt werden, sobald die Kapseln sich
zu öffnen beginnen. Da dies jedoch nicht
bei allen gleichzeitig geschieht, so umfaßt
die Ernte immer eine längere Zeitperiode
und erfordert viel Aufmerksamkeit und Mühe.
Man pflückt oder zupft die Wolle gewöhn-
lich mit dem Samen aus und läßt die Hülsen
stehen. Nach mehrtägigem Liegen an der
Sonne werden die Fasern dann von den
Samen getrennt, was früher durch Hand-
arbeit geschah, neuerdings jedoch mit be-
sonderen „Egrenierungsmaschinen“ aus-
geführt wird, und schließlich zu größeren
oder kleineren Ballen zusammengepreßt. —
Eigenschaften der Baumwollenfasern.
Jede Baumwollfaser ist vor der Reife ein
langgestrecktes, nach beiden Enden zuge-
spitztes dünnwandiges mit Flüssigkeit ge-

fülltes Röhrchen. Bei der Reife trocknet der
Saft ein, das Röhrchen klappt zusammen,
und es entsteht ein flaches, schlauchartiges
Band, welches an verschiedenen Stellen
korkzieherartig gewunden erscheint. Diese
Windung ist charakteristisch für B. und läßt
sich schon bei 50 fach er Vergrößerung deut-
lich wahrnehmen. Vor der Reife eingeerntete
B.-fasern erscheinen nicht hohl und nicht
schraubenförmig gewunden und bilden in
reiner Ware als sog. tote Wolle einen wesent-
lichen Fehler, da sie keine Färbung an-
nehmen. Bei der sehr verschiedenen Qualität
der B. kommen in Betracht: die Länge, Fein-
heit, Festigkeit, Weichheit, sowie der Glanz
der Fasern. Seidenglanz ist der gesuchteste.
Auch die Farbe spielt eine Rolle bei der
Wertbestimmung, indem die farbloseste die
wertvollste ist, dann folgen die bläulichen,
rötlichen und zuletzt die gelblichen und
bräunlichen Nuancen. Ferner soll B. frei
sein von Knötchen, die sich als weiße Pünkt-
chen an den Fasern zeigen. Die mehr oder
minder vollkommene Reinigung bildet selbst-
verständlich ebenfalls ein Hauptmoment für
die Bewertung. Eine Anzahl Fasern, welche
büschelartig zusammenliegen, wird. ein
Stapel genannt, nach dessen Länge und
Gleichmäßigkeit man langstapelige und
kurzstapelige B. unterscheidet. Die lang-
stapeligen Sorten von 30—36 mm mittlerer
Länge sind die höchst gewerteten, da nur
aus ihnen sich die feinsten Garnnummern
hersteilen lassen. Sie kommen fast aus-
schließlich aus Amerika, während alle übri-
gen entweder mittel- oder kurzstapelig sind.
— Handelssorten der B. Die B. wird
im Handel nach ihrer Herkunft und außer-
dem noch nach bestimmten Klassen, in Eng-
land gewöhnlich durch fine, good, good fair,
middling fair, good middling, middling, low
middling, good ordinary, ordinary, inferior
bezeichnet. Hamburg bezeichnet: A, AB, B,
BC, C, CD, D, DE, E, EF, wodurch das
ganze B.-Sortiment umfaßt wird, und die
Sorten verschiedenen Herkommens nur nach
ihrer Güte betrachtet werden. Die haupt-
sächlich marktgängigen Sorten sind nach-
stehend verzeichnet und von den feinsten
und teuersten bis zu den geringsten geord-
net: lange Georgia (Sea Island), ägyptische
Mako und Bourbon, Pernambuco, Louisiana,
Cayenne, Neuorleans, kurze Georgia (Up-
land), Surate, Bengal und Alexandriner. Für
Deutschland sind Bremen und Hamburg die
Hauptmärkte. Die Einfuhr von B. in das
Deutsche Reich hat sich von 1486 540 Doppel-
zentner (ä 100 kg) im Jahre 1880 auf 3 024 694
Doppelzentner im Jahre 1897 gehoben. B.
hat außer ihrer mannigfachen Verwendung
in der Textilindustrie große Bedeutung für
den Arzneimittelhandel als Verbandwatte.
Ferner wird sie zur Herstellung der Schieß-
baumwolle und des Kollodiums gebraucht.
Die Früchte dienen zur Fabrikation des
Baumwollsamenöles und der Ölkuchen (s. d.).
Die Wurzelrinde der Baumwollpflanze
(lat. Cortex Gossypii Radicis, frz. Ecorce de