﻿Bebeerurinde

46

Belladonna

jetzt nur noch insofern Interesse, als es häufig
in der käuflichen Myrrhe gefunden wird,
unter welche man es schon in den Produk-
tionsländern mischt. Auch unter dem Sene-
galgummi will man es gefunden haben. Das
afrikanische B. erscheint in kugeligen
Stücken oder zusammengebackenen Massen
von grünlichbrauner Farbe, besitzt einen dem
Ammoniakgummi ähnlichen Geruch und ent-
hält Harz, Gummi und ätherisches Öl. Eine
andre Sorte, das indische B., wird von
Scinde aus exportiert. Es stammt von Bal-
samodendron Muskal, besitzt eine dunk-
lere Farbe als das afrikanische und riecht
terpentinartig. — Zollfrei.

Bebeerurinde (Beberurinde, Bibiru-
rinde, Sipeeririnde, lat. Cortex Bebeeru,
frz. Ecorce de Bebere, engl. Beberu-bark),
ein jetzt nicht mehr gebräuchlicher Artikel
des Drogenhandels, stammt von Nectandra
Rodiei, einem Baume Guyanas, der auch das
unter dem Namen Greenheart bekannte
Schiffsbauholz liefert. Sie besteht aus flachen,
dunkelzimtfarbigen Stücken von bitterem Ge-
schmack. Das in der B. enthaltene Alkaloid
Bibirin oder Bebeerin ist nach neueren
Untersuchungen identisch mit dem Buxin.
— Zollfrei.

Beef juice, ein durch Konzentrieren von
Fleischsaft im Vakuum erhaltenes Nähr-
präparat amerikanischen Ursprungs. — Zoll:
S. Tarif Nr. 113.

Behenöl (Behennußöl, Beenöl, lat. Ole-
um Behen, Oleum balatinum, frz. Huile de
Ben ailö, engl. Behen-oil), das fette Öl der
Behennüsse (Nuces behen), der Samen
eines auf Martinique und Guadeloupe wach-
senden, sowie auch in Oberägypten und
Indien vielfach angepflanzten Baumes,
Moringa pterygosperma oder M. olei-
fera, gehört zu den nicht trocknenden
Ölen, ist dickflüssig, farblos oder blaßgelb
und geruchlos und hat das spez. Gew. 0,912.
Es zeichnet sich durch große Haltbarkeit aus
und wird vor allem nicht ranzig. Eine andere
Sorte von Jamaika trennt sich schon bei
15° C. in einen festen und flüssigen Teil.
B. wird benutzt zum Extrahieren der wohl-
riechenden Stoffe aus Blüten, zum Einreiben
der Haut, zu Salben und Pomaden und als
Schmiermittel für Präzisionsinstrumente. Zoll:
S. Tarif Nr. 166/167.

Beifuß (Beibiß, Gänsekraut, lat.Herba
artemisiae vulgaris, frz. Feuille d’Armoise,
engl. Mugwort), ein in ganz Europa wild-
wachsendes, sowie auch in Gärten kulti-
viertes Kraut oder richtiger kleiner Strauch,
gehört zu den Kompositen. Man sammelt die
Wurzel im Frühjahre oder Herbste und
verwendet sie getrocknet, nicht abgewaschen,
sondern nur durch Bürsten gereinigt, als
Epilepsiemittel unter dem Namen Radix
artemisiae (Beifußwurzel, frz. Rhizome
d’Armoise, engl. Mugwort-root). Sie hat
einen scharfen Geschmack und unangeneh-
men Geruch, welchen sie einem ätherischen
Öl (Beifußöl) verdankt (zirka 0,1%). — Die
getrockneten Blütenzweige werden, nach-

dem die bitterschmeckenden Blättchen aus-
gezupft sind, als Gewürz, namentlich zu
Gänsebraten verwendet. — Zollfrei.

Beinholz, das Holz der gemeinen
Heckenkirsche (Lonicera Xylostemum)
ist das zäheste aller mitteleuropäischen Holz-
arten und insbesondere gegen Witterungs-
einflüsse sehr widerstandsfähig. Es ist von
feinem Gefüge, läßt sich gut schneiden und
drehen, aber schwer spalten und dient als
Drechslerholz und zu Maschinenteilen. —
Zolles. Tarif Nr. 74 ff. Nr. 615 ff.

Beizen. Man unterscheidet 1. B. zum
Fixieren von Farbstoffen, 2. B. die aus Chemi-
kalien z. B. Alaun, Tonerde, Zinnsalzen usw.
bestehen, und 3. Holzbeizen. Die ersteren
dienen dazu, den Farbstoff auf der Zeug-
faser haltbar zu machen, oder die Farbe
feuriger erscheinen zu lassen, avivieren.
Die B. aus Chemikalien werden meist in
verschiedener Zusammensetzung verwendet,
z. B. unter Zufügen von Eisenvitriol, Chrom-
kali und Blutlaugensalz, und die Holzbeizen
endlich sind buntfarbige Lösungen, die ihre
Herkunft teils aus Chemikalien oder Vege-
tabilien ableiten, teils mit Anilinfarben her-
gestellt sind. — Zoll: S. d. betreffenden
Artikel.

Belladonna, Tollkirsche, Wolfskir-
sche, die bekannte, zu den Solaneen ge-
hörige strauchartige Giftpflanze, wächst in
bergigen Laubwäldern Süd- und Mitteleuro-
pas. Medizinisch verwendet werden die
Blätter und die Wurzel der B. Die Blätter
(Tollkirschenkraut, lat. Folia bella-
donnae, Herba belladonnae, frz. Feu-
illes de belladonne, engl. Belladonna lea-
ves) sollen zur Blütezeit gesammelt und
rasch getrocknet werden. Sie sind dann
bräunlich grün, dünn, fast durchscheinend,
eirund, ganzrandig, an der Basis verschmä-
lert, am Ende zugespitzt und besitzen einen
schwachen narkotischen Geruch. Die Wurzel
(Tollkirschenwurzel, lat. Radix bella-
donnae, frz. Racine de belladonne, engl.
Belladonna-root) soll im Juli oder August
gesammelt und im ungeschälten Zustande ge-
trocknet werden. Sie besteht aus verschieden
langen, zylindrischen Stücken, die meist etwas
gedreht, längsrunzelig und gelblichgrau er-
scheinen, und bricht kurz und glatt ab, nicht
fasrig, wie die Wurzel von Malva sylvestris,
die zuweilen untergemischt ist. Der Holz-
körper zeigt auf dem Querschnitte zahlreiche
Poren und besitzt die gleiche weißlichgraue
Farbe wie die Rinde, die von ihm nur durch
eine dunklere Linie getrennt ist. Blätter und
Wurzel enthalten als giftige und wirksame
Bestandteile die Alkaloide, Atropin (s. d.),
Belladonnin und Hyoszyamin. Da die
B. im wilden Zustande nur sehr vereinzelt
vorkommt und nur aus Ungarn in größerer
Menge in den Handel gelangt, wird sie für
medizinische Zwecke in einigen Gegenden
Thüringens und des Harzes angebaut. In
Apotheken hat man auch ein aus den Blät-
tern bereitetes Belladonnaextrakt (lat.
Extractum belladonnae), welches ebenso wie