﻿Belmontine

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Benzoe

die Blätter und Wurzel an das Publikum jm
Kleinhandel nicht abgegeben werden darf.
Seit einiger Zeit kommt eine japanische
Belladonnawurzel in den Handel, welche
zwei besondere Alkaloide, das Rotoin und
Scopoleln enthält. — Zollfrei.

Belmontine ist ein in England aus in-
dischem Bergteer abgeschiedener paraffin-
artiger Stoff, der als Kerzenmaterial Ver-
wendung findet.

Benediktiner, gesetzlich geschützter Name
eines feinen französischen Likörs. Zur Dar-
stellung von Nachahmungen sind verschie-
dene Rezepte im Gebrauch, von denen hier
nach König das folgende angeführt sei:
in die Destillierblase werden 45 1 Spiritus
von 96% und 20 1 weiches Wasser gegeben.
In den Extraktionsapparat kommen folgende
zerkleinerte Kräuter: 500 g frische Citronen-
melisse, 150 g Alpenbeifuß, 60 g Kardamo-
men, 250 g Ysopspitzen, 100 g Angelikasamen,
150 g Angelikawurzeln, 250 g Pfeffermünz-
kraut, 30 g_ Thymiankraut, 30 g Ceylonzimt,
30 g Muskatblüte, 30 g Nelken, 30 g Arnika-
blumen, 250 g Wohlverleihblumen, 100 g Bi-
samkörner. Nach der Destillation werden
dann noch 2—10 Tropfen von 18 verschie-
denen ätherischen ölen (meist von Gewürzen)
zugesetzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 178/179.

Benzanilid, Benzoylanilid, entsteht bei
Einwirkung von Benzoylchlorid auf Anilin
als ein weißes, perlmutterartig glänzendes
Kristallpulver vom Schmelzpunkt 163°. Es
wird als Fiebermittel in der Kinderpraxis be-
nutzt, da es nicht die unangenehmen Neben-
wirkungen des Antifebrins zeigt. — Zollfrei.

Benzin. Unter diesem Namen vereinigt
die Technik eine Reihe von Produkten ver-
schiedenen Ursprungs und verschiedener che-
mischer Zusammensetzung. 1. Petroleum-
benzin oder eigentliches Benzin besteht aus
den leicht siedenden Anteilen des Rohpetro-
leums, welche bei der Destillation unter 150°
übergehen. Dieses Destillat (Rohbenzin) wird
einer Reinigung mit konz. Schwefelsäure und
Natronlauge unterworfen und darauf nochmals
destilliert. Die zuerst übergehenden Leicht-
öle vom Siedepunkte 40—70° und dem spez.
Gew. 0,640—0,660 nennt man Petroleum-
äther (Gasolin). Darauf folgt zwischen 70
und 100° (spez. Gew. 0,660—0,700) das eigent-
liche Benzin; zwischen 100—120° (spez.Gew.
0,700—0,720) das Ligroin und schließlich bis
150° (spez. Gew. 0,720—0,740) das Putzöl.
Die Petroleumbenzine stellen farblose, leicht
brennbare und feuergefährliche Flüssigkeiten
dar, die in chemischer Hinsicht aus Gemischen
von Kohlenwasserstoffen der Methanreihe be-
stehen und daher gegen Reagentien, nament-
hch rauchende Salpetersäure indifferent sind
(Unterschied vom Steinkohlenbenzin). Sie
linden als ausgezeichnete Lösungsmittel für
* Unc* ®'e’ Harze und Kautschuk aus-
gedehnte Anwendung in der Fettindustrie,
Oummifabriken und chemischen Wäschereien.
,..le{.m letzteren durch elektrische Funken
.auflg entstehenden Brände verhindert man
durch Zusatz von ölsaurer Magnesia. 2. Stein-

kohlenbenzin findet sich in größerer
Menge in dem Teer der Gasfabriken, be-
sonders aber der Kokereien, aus welchem
es durch Destillation abgeschieden wird. Die
hierbei zwischen 70 und 170° übergehende
Flüssigkeit zerlegt man in mehrere Frak-
tionen, von denen die bei 80—115° siedende
als Rohbenzol bezeichnet wird, während
die folgenden (Auf lösungsnaphta) das
Steinkohlenbenzin des Plandels darstellen.
St.-B. ist eine wasserhelle Flüssigkeit wie das
Petroleumbenzin, unterscheidet sich aber von
letzterem durch seinen höheren Siedepunkt,
sein höheres spez. -Gew. (0,900) und seine
chemische Zusammensetzung, indem es nicht
Kohlenwasserstoffe der Methanreihe, sondern
der Benzolreihe, besonders neben etwas Ben-
zol, Toluol, Xylol und Kumol enthält. Hierauf
beruht das Verfahren zur Unterscheidung
der beiden Benzine, indem St.-B. bei der
Behandlung mit rauchender Salpetersäure in
Nitrobenzol übergeht und klar gelöst wird.
Auch vermag es im Gegensatz zu Petroleum-
benzin Asphalt, Steinkohlenpech und Pikrin-
säure in Lösung überzuführen, verbrennt mit
stärker rußender Flamme und löst sich in
90prozentigem Alkohol auf. Es dient in der
Technik als Lösungsmittel und als Ausgangs-
material der Farbenfabrikation. 3. Braun-
kohlenbenzin (Solaröl, Photogen) nennt
man die niedrig siedenden Anteile des Braun-
kohlenteers vom spez. Gew. 0,800—0,820,
welche zur Reinigung von Paraffin, ferner als
Fleckwasser usw. Anwendung finden. — Zoll:
S. Tarif Nr. 239 u. 245.

Benzoazurin, ein Teerfarbstoff, blau-
schwarzes, in Wasser lösliches Pulver, färbt
Baumwolle im Seifenbade blau und besteht
aus dem Natronsalze der Dianisidindisazo-
alphanaphtolmonosulfosäure. — Zollfrei.

Benzoe (Benzoeharz, lat. Resina ben-
zoes, Asa dulcis, frz. Benjoin, engl. Gum
Benjamin), ein seit dem 15. Jahrhundert in
Europa bekannter Artikel des Drogenhandels,
besteht aus dem festgewordenen harzigen
Ausfluß von Benzoin officinale, Styrax
Benzoin und Styrax subdenticulata,
mittelhoher Bäume aus der Familie der Styra-
caceen, die ihre Heimat in Hinterindien und
dem malaiischen Archipel haben. Junge, 6 bis
7 jährige Bäume geben die beste B., alte
liefern nur eine dunkle und schwach riechende
Sorte. Man gewinnt das Harz durch in die
Rinde gemachte Einschnitte. — Handels-
sorten. Der Form und Herkunft nach unter-
scheidet man im Handel folgende Sorten:
a) Siambenzoe, die beste Sorte, besteht aus
tränenförmigen (Benzoe in lacrymis) losen
kleinen Stückchen von weißer bis gelblicher
oder rötlicher Farbe und opalartigem Aus-
sehen. Spez. Gew. 1,170—1.240. Schmelzpunkt
75°. Die andere Sorte, Mandelbenzoe (B.
amygdaloides), bildet unregelmäßige Bruch-
stücke von rötlicher Farbe, in welcher zahl-
reiche weiße oder gelbliche, häufig mandel-
förmige Stücke verteilt sind, b) Kalkutta-
benzoe (Blockb., Tampangsb.) kommt in
Form großer Blöcke mit zahlreichen ein-